Metal-CD-Review: ASCENSION – Alchemy (EP, 2010)

EP: Alchemy | Band: Ascension (weitere Band-Inhalte)

Land: Großbritannien – Stil: Power Metal – Label: Independent

Alben-Lineup:

Nick Blake (Bass)
Dick Gilchrist (Schlagzeug)
Fraser Edwards (Gitarre)
Stuart Docherty (Gitarre)
Richard Carnie  (Gesang)

01 Another Chance At Life
04.25
02 The Sacrifice
06.43
03 Time For War
03.57
04 Alchemy 07.42
05 Horn Concerto No.4 – Rondo
03.04

Erlerne die erlesene Kunst der Alchemie.

Vorwort: Heute findet es mal wieder statt, ein eher rückwärtsorientiertes Vorarbeiten innerhalb einer (noch kurzen) Band-Diskografie – ASCENSION brachten 2011 ihr Debütalbum FAR BEYOND THE STARS (Wertung: 10/10, Link) heraus, doch offenbart die bisherige Historie der Band noch weitere Releases. Eines davon ist ALCHEMY – eine EP, die etwa ein Jahr zuvor veröffentlicht wurde; und die nach den vorherigen, noch unbekannteren Releases seit 2004 einen ersten richtigen Einblick in das Schaffen der findigen Schotten erlauben sollte. Ob nun auf diesem Weg, oder dem eigentlich intentionierten – das heisst, in der ‚richtigen‘ Reinfolge – es zeigt sich, dass sich etwaige als ‚Promo‘ deklarierte Veröffentlichungen nicht immer hinter ganz großen Releases verstecken müssen.

Kritik: ALCHEMY beinhaltet 5 Titel – glücklicherweise 5 vollwertige, wobei der letzte im Bunde ein reines Isntrumentalstück ist. Doch bereits der Opener ANOTHER CHANCE AT LIFE macht klar: ASCENSION haben sich gut auf diese Veröffentlichung vorbereitet und wohlüberlegt an ihrem Sound gefeilt. So ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass kurze Zeit später die Unterzeichnung eines Vertrages, sowie das erste Studioalbum folgte. So komplett und fertig (konzeptioniert, aufgenommen und abgemischt) klang schon lange kein Titel mehr, der zu Promozwecken veröffentlicht wurde. Der Sound von ASCENSION ist in diesem Falle stark Power Metal-lastig, und für das Genre typisch wenn man so will: ein flottes Drumming (inklusive Doublebass), fetzige Gitarrenriffs und ein hoher Leadgesang sorgen für eine ordentliche Portion Zunder. Und doch stellen sich gewisse Eigenheiten heraus, was der Band nur zugute kommt: der eher traditionelle, oldschoolige Eindruck vermeidet das Abdriften in eine allzu kitschige Ecke, potentielle Keyboardspielereien werden durch alles aufs Parkett zaubernde Gitarren und einen energetisch-engagierten Richard Carnie als Sänger ersetzt.

Bedenkt man die Tatsache, dass die Band aus Großbritannien stammt, werden einem auch die musikalische Parallelen deutlicher: ASCENSION klingen – unter anderem – ein wenig wie DRAGONFORCE (in Sachen Tempo) oder POWER QUEST (nur ohne Keyboard). Und dennoch klingt ihr Sound schon recht eigenständig, und dabei noch angenehm unverbraucht – das Potential ist auf alle Fälle gegeben. Denn auch in der folgenden Nummer, TIME FOR WAR, legen die Briten eine recht ordentliche Portion aus Druck und Melodie vor; und den Hörer so automatisch im Takt mitwippen. Die eingestreuten Hintergrundgesänge, oder eher -Shouts, kommen gut; der Gesang ist super-solide, die kleine instrumentale Überraschung am Ende gelungen. THE SACRIFICE prescht nach einem kurzen Auftakt extrem flott voran, wobei hier vor allem der Drumming-Part im Vordergrund steht – der einstweilen etwas zu künstlich und sich selbst überrumpelnd klingt. Der Gesang scheint hier ebenfalls nicht ganz passend abgemischt – was offenbar daraus resultiert, dass die Nummern in einem etwas weiteren Zeitraum eingespielt wurden. Das knapp 8-minütige AlCHEMY scheint auch aus einer etwas früheren Produktionsphase zu stammen, zusätzliche Hall-Effekte und der in diesem Fall etwas zu kreischige Leadsänger trüben des bisher guten Eindruck leicht. Bleibt noch das absschließende HORN CONCERTO – eine interessante Interpretation eines bekannten klassischen Stückes. Das kann man mögen – oder eben nicht. Als kleine Dreingabe ist die Nummer aber sicher nicht verkehrt, auch wenn musikalische Genialität (selbst wenn es sich um eine Interpretation handelt) anders klingt.

Fazit: Für Fans von ASCENSION ist die ALCHEMY-EP ein absolutes Muss, zeigen die Briten doch bereits hier auf, was sie alles auf dem Kasten haben. Potentiell interessierte, die mit der Band bisher noch nicht in Berührung gekommen sind; sollten aber eher einen Blick auf das noch bessere Debütalbum FAR BEYOND THE STARS werfen. Auf der EP wirken ASCENSION noch etwas hastig, die Strukturen könnten ein wenig mehr Ruhe und Abwechslung vertragen; die Soundqualität ist nur beim ersten (und teilsweise zweiten) Titel zu 100% zufriedenstellend. Sei es drum – Fans greifen sofern möglich zu – alle anderen zum bisherigen Hauptwerk der Band.

Anspieltipps: ANOTHER CHANCE IN LIFE, TIME FOR WAR


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Metal-CD-Review: ASCENSION – Far Beyond The Stars (2012)

Land: Großbritannien – Stil: Power Metal

1. Somewhere Back In Time
2. Blackthorne
3. Reflected Life
4. Heavenly
5. Moongate
6. Orb Of The Moons
7. Silver Tide
8. Time Machine
9. Far Beyond The Stars
10. The Avatar (Ascension)
11. Time For War

Von weit weit weg erklingt eine gar liebreizende, schwermetallische Melodie…

Vorwort: ASCENSION – das ist der Name einer im Jahre 2004 in Großbritannien gegründeten Power Metal-Combo um Leadsänger Richard Carnier. Ein leicht zu verwechselnder Name, nebenbei – derzeit gibt es etwa 5 weitere Metal-Bands, die sich ebenfalls ASCENSION schimpfen. Glücklicherweise sind die hier gemeinten ASCENSION als einzige der Bands einwandfrei dem Power Metal-Genre zuzuordnen, was die Zuordnung wiederum erleichtert. Böse Zungen könnten nun behaupten, dass die Musik einer Band mit einem vergleichsweise einfallslosen Namen ebenso klingt – doch ob diese Unterstellung wirklich zutrifft, soll an dieser Stelle ein für allemal geklärt werden. Wieder Mal – schließlich sind es derer Bands nicht wenige, die sich einen etwas… simplen Bandnamen aneignen und so im Wirrwarr der unendlichen Vielzahl von Vertretern des Genres kaum auffallen. Zu den bisherigen Releases gibt es indes wenig zu sagen, es handelte sich ausschließlich um EP’s und SINGLES. Umso gelegener kommt im Jahre 2012 also das Debütalbum FAR BEYOND THE STARS, das einen expliziteren Einblick und eine hoffentlich erfreuliche Zukunftsprognose erlaubt.

Kritik: Stichwort Klischees – in der Tat scheint man im Hause ASCENSION vor eben selbigen nicht gefeit zu sein. Nicht nur der Bandname, auch der Albentitel und die einzelnen Trackbezeichnungen lassen den geneigten Power Metal-Konsumenten schnell an ideenlose, schnell produzierte Fliessbandware denken. Dies ist auch der relative erste Eindruck, der mit der Verköstigung der Openers SOMEWHERE BACK IN TIME einhergeht, einhergehen kann. Doch es gilt, abzuwarten – denn der Musik wohnt etwas spezielles inne, ein Faktor; den es erst noch zu entdecken gilt. Der Opener gibt zumindest schon einmal die ungefähre Marschrichtung der Musik und des Albums vor: es geht recht flott und melodiös zur Sache, textlich verhält es sich dabei recht typisch. Schnell anzumerken ist den Jungs von ASCENSION auch ihre Herkunft: ihre Musik klingt deutlich nach einem europäischen Power Metal a’la Großbritannien, potentielle Vergleichsbands wie DRAGONFORCE oder POWER QUEST rücken in das Scheinwerferlicht. Mit Richard Carnie hat man in Sachen ASCENSION gar einen ähnlich stimmkräftigen, in den höchsten Lagen singenden Könner am Mikrofon; der schnell zum Aushängeschild der Band avanciert und ihr einen erhöhten Wiedererkennungswert verschafft.

Doch etwas ist anders auf FAR BEYOND THE STARS; etwas, dessen man nicht unbedingt sofort gewahr werden wird. In der Tat wirkt der Klangeindruck des Openers überaus satt, kräftig und vielfältig – so sehr, dass man das allgemeine Fehlen des Keyboards gar nicht bemerken, und erst Recht nicht vermissen wird. Tatsächlich hat die Band auch keinen diesbezüglich Verantwortlichen im Lineup – zwar hört man hie und da leichte Nuancen von Klängen heraus, die sich nicht allein mit Gitarren allein bewerkstelligen lassen, doch der Einsatz der ‚künstlichen‘ Elemente fällt absolut dezent und spärlich aus. Somit servieren ASCENSION die erste Genre-Ungewöhnlichkeit – denn welche Power Metal-Combo verzichtet heutzutage schon auf einen (meist groß angelegten) Einsatz von Keyboards ? So klingen Nummern wie das folgende BLACKTHORNE vergleichsweise ‚Heavy‘ und ungekünstelt, doch ist das Ganze dabei noch immer ein vorzüglich melodiöser Power Metal der allerersten Güteklasse. Die kräftigen Riffs, das abwechslungsreiche Drumming und die sich doch als reichlich vielseitig herausstellende Stimme des Leadsängers verleiben dem Titel ein hohes Maß an Eingängigkeit. Mehr noch: gut platzierte Tempo-Wechsel, ‚Breaks‘ und das Wechselspiel von hohen zu tiefen Tönen sorgen für einen gar ‚erhabenen‘ musikalischen Touch.

Weitere Nummern wie REFLECTED LIFE machen abermals klar: weder gehen ASCENSION die Ideen aus, noch sinkt die musikalische Qualität im weiteren Verlauf. Man ist auf ein Höchstmaß an Abwechslung bedacht, und variiert vermert mit dem Tempo und dem Charakter der Titel – auf dass ein möglichst vielfältiger, in gewisser Weise überwältigender Gesamteindruck entstehe. Bis jetzt sieht es in dieser Hinsicht mehr als gut aus ! Das folgende HEAVENLY ist indes keine Hommage an die gleichnamige Power Metal-Combo aus Frankreich, sondern eine brutal melodiöse Hymne mit tollen Rifflinien und einem gute-Laune-Mitsingrefrain. Besonders markant erscheint die harmonische, aber dennoch auf Abwechslung bedachte Grundstruktur, der tolle Gesang und die treibende Instrumentation lassen zu keinem Zeitpunkt ein Gefühl der Langatmigkeit aufkommen. Auch nicht bei einer Spielzeit von immerhin 6 Minuten. Ein ‚Achtung‘ ist nur für jene bestimmt, denen etwas zu kitschige Refrains und Lyrics (mit typischen Begriffen) ein Dorn im Auge sind – doch die sollten sich ohnehin lieber in anderen Genres umhören. So schreiten wir munter voran zu MOONGATE, einem 8-minütigen Opus, welches sich vor allem dadurch auszeichnet, dass keine Sekunde musikalisch ungenutzt bleibt. Der Wechsel von den stampfenden Power-Strophen hin zu von einem markanten Drumming unterlegten Refrain macht Laune, fette Soli- und Instrumentalpassagen sorgen für den nötigen Kick und ein Höchstmaß an Atmosphäre. Ganz gegen Ende dann erfolgt noch ein klassischer Fadeout, der nunmehr aus den Klängen einer Akustikgitarre entsteht.

Verdammt fetzig und treibend wird es auch mit ORB OF THE MOONS, der ersten rein instrumentalen Nummer des Albums. Wahnsinn – es klingt, als seien die Jungs (vor allem die an den Gitarren) schon viele Jahre im Geschäft. Mal sind es überaus verspielte Frickeleien, mal ultraharmonische Arrangements die das Klangbild definieren – immer mit von der Partie ist der bemerkenswerte Hymnen-Faktor, der einen einstweilen an eine Vertonung zu einem  Computerspiel der 80er erinnern. Eine Zeit, in der noch ein Gespür für großartige, einzigartige und unverkennbare Melodien herrschte – die nun von ASCENSION wiederbelebt wird, wenn auch auf einer anderen, Metal-lastigen Ebene. Ein entsprechendes Nostalgiegefühl ist ebenso inbegriffen wie eine enorm mitreissende Wirkung, die die Fantasie zu beflügeln vermag. THE SILVER TIDE ist nun der erste Titel, der etwas aus der Reihe tanzt – richtig, es handelt sich um eine Ballade. Eine obligatorische, möchte man sagen ? Ja, aber warum denn auch nicht, wenn es der allgemeinen Abwechslung dient und den Gesamteindruck noch vielfältiger erscheinen lässt. Allerdings muss man auch gestehen, dass ASCENSION hier nicht ganz so brilliant wirken wie in den vorigen Power-Titeln. Gerade der Gesang weist hier einige Schwächen auf und wirkt nicht ganz so versiert wie noch zuvor – wobei sicher auch der Faktor der Gewöhnung eine Rolle spielt. Eine gewisse Emotionalität vermag es allerdings, auf den Hörer überzuspringen – und auch die dieses Mal gemäßigt ausfallende Instrumentation hat ihren Reiz.

Der Leadsänger behält die nun vorgestellte Tonlage auch für den Auftakt des kommenden Titels THE TIME MACHINE bei, sodass diese Nummer als Bindeglied zwischen der vorherigen Ballade und der noch folgenden Power-Nummer fungiert. Und das hört man auch: hier werden leicht balladeske Einflüsse mit dem sonst bombastischen Sound von ASCENSION verwoben. Stimmlage und Grundstimmung variieren, Kraft und Gefühl schaukeln sich gegenseitig hoch und ergeben im Endeffekt eine wunderbar harmonische Symbiose. Der Titeltrack FAR BEYOND THE STARS ist überraschenderweise gar keiner, sondern vielmehr ein Interlude mit einer Laufzeit von knapp über einer Minute – doch bereitet er den Weg zum fulminanten Alben-Abschluss in Form des mächtigen THE AVATAR (ASCENSION). Knapp 10 Minuten dauert die Auseinandersetzung mit dem ‚Aufstieg‘ in höhere Gefilde – und fällt, wie es die vorigen Titel bereits vermuten liessen, enorm abwechslungsreich und unterhaltsam aus. Höhen und Tiefen, Wechsel von Metal zu beinahe-Klassik und viel mehr lassen den Abschluss des Albums entsprechend episch ausfallen. Als japanischen Bonustrack gibt es die melodische Uptempo-Nummer TIME FOR WAR noch obendrauf – die die gewohnten Stärken der Band verkörpert und als gern angenommener Zusatz fungiert.

Fazit: Nix Symphonic, dafür aber verdammt Melodic – ASCENSION liefern mit FAR BEYOND THE STARS eine ausserordentlich gute Power Metal-Scheibe ab, die sich sichtlich wohlfühlen wird zwischen anderen Tempo- und Melodie-Verliebten TOP-Releases aus dem Jahre 2012. Eine gedankliche Platzierung erfolgt dementsprechend sinngemäß neben den derzeit hochkarätigen Vertretern des Symphonic Power Metal-Genres, PATHFINDER und LUCA TURILLIS RHAPSODY. Wem die beiden eben genannten Bands zu überladen, klischeehaft oder kitschig erscheinen, der sollte vielleicht eher zu ASCENSION als ‚puristischer‘ interpretierte Variante des Power Metals greifen. Im besten Fall gefallen dem geneigten Fan und Anhänger des Obergenres alle drei Veröffentlichungen, die als glorreiches Trio das Musikjahr 2012 definieren und lange im Gespräch bleiben werden. Nur ASCENSION sollte man in dieser Hinsicht noch etwas mehr ‚pushen‘ – verdient hätten sie es allemal. Und mit dieser Kritik ist der erste dahingehende Schritt hoffentlich getan. Man könnte das Album auch FAR BEYOND THE TIME nennen – denn so schnell wie in diesem Fall vergeht die Zeit beim Hören eines Metal-Albums nur allzu selten. Will heissen: eine jede Minute ist ein wahrhaftiger Genuss, das Album in seiner Gesamtheit wie ein erlebnisreicher Ausflug in unbekannte, aber grundsätzlich schöne Gefilde. Denn auch das muss man FAR BEYOND THE STARS zugestehen: das Album hat eine verdammt lebensbejahende Wirkung. Prädikat: wertvoll.

Anspieltipps: BLACKTHORNE, HEAVENLY, MOONGATE, ORB OF THE MOONS, THE AVATAR

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