Metal-CD-Review: UIRAPURU – Flames Of Trinity (Demo, 2002)

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Alben-Titel: Flames Of Trinity
Künstler / Band: Uirapuru / Aquaria (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 2002
Land: Brasilien
Stil / Genre: Symphonic Power Metal
Label: Keins / Independent

Alben-Lineup:

Bruno W. Agra – Drums
Leandro Gomes – Guitars
Alberto Kury – Keyboards, Vocals
Bernardo Pellon – Bass

Track-Liste:

1. Intro (00:38)
2. Violet (07:38)
3. Green (06:51)
4. White (04:44)

Diese Flammen lodern auch heute noch.

Im Zuge der Rezension der ersten UIRAPURU- oder auch AQUARIA-Demo aus dem Jahre 2001 (HERE COMES THE LIFE, Link) sollte man auch dessen Nachfolger nicht vergessen. Der horcht auf den Namen FLAMES OF TRINITY, ist ein gutes Jahr jünger – und vervollständigt die leider Gottes arg übersichtliche Diskografie einer bemerkenswerten brasilianischen Band, die so nicht mehr existiert. Die zweite Demo der Combo, die ebenfalls noch unter dem alten Bandnamen UIRAPURU veröffentlicht wurde, ist dabei gleich in mehrerlei Hinsicht interessant – und auch ein klein wenig kurios. Schließlich scheint das hier dargebotene Material zumindest im Hinblick auf die allgemeine Klang-Qualität hinter dem der ersten Demo zurückzubleiben – was dann doch etwas merkwürdig ist und eventuell ein Hinweis darauf sein könnte, dass dieses Material in Wahrheit noch älter ist (das heißt, vor dem Jahr 2001 entstanden ist). Der zweite, wohl markanteste Fakt bezieht sich dann aber sicher auf die Tatsache, dass keiner der hier enthaltenen 4 Titel zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal veröffentlicht wurde – und die zweite Demo im Gegensatz zur ersten somit kein wie auch immer geartete Teaser ist.

Anders gesagt: die hier präsentierten Titel gibt es nur hier und in dieser Form, was die Demo sogar noch ein stückweit interessanter macht als die erste. Markant ist auch, dass Alberto Kury hier seinen Einstand als Leadsänger hatte – später sollte er nur noch für die Keyboards verantwortlich sein. Aber noch etwas anderes, dezent überraschendes wird offenbar: jene vier (oder drei, abzüglich des Intros) sind vielleicht die stärksten aller AQUARIA-Nummern überhaupt. Trotz, oder gerade wegen der nicht ganz optimalen Soundqualität, die es gar nicht erst möglich macht eine kaschierende Funktion zu übernehmen. VIOLET, GREEN und WHITE (markant auch die minimalistische Titelvergabe) gehören zu dem Besten, was das Genre des symphonischen Power Metals je hervorgebracht hat – Stücke, die selbst die alten Hasen von ANGRA nicht besser hinbekommen hätten. Es erscheint somit absolut unverständlich, warum sie nicht zu einem späteren Zeitpunkt wiederverwendet wurden – und sei es als neu aufgenommene Bonustracks auf den späteren Alben. Immerhin: sie sind existent, man kann an sie herankommen – doch hätten sie allemal einen anständigeren, pompöseren Auftritt verdient.

Anders gesagt: wenn die erste UIRAPURU-Demo schon eine Empfehlung wert war und ist, was ist dann erst FLAMES OF TRINITY ? Schließlich handelt es sich hier nicht nur um das rarste AQUARIA-Material überhaupt (welches später nie Wiederveröffentlicht wurde), sondern auch um eine handvoll der vielleicht stärksten Genre-Titel überhaupt. Lediglich die Soundqualität vermag das Ganzheitliche Erlebnis leicht zu schmälern – doch eine derart qualitative Musik bleibt selbst in dieser Darbietungsform zeitlos und grandios.

Absolute Anspieltipps: Alle


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„Eine schwache Produktion – aber was für ein Inhalt.“

Metal-CD-Review: UIRAPURU – Here Comes The Life (Demo, 2001)

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Alben-Titel: Here Comes The Life
Künstler / Band: Uirapuru / Aquaria (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 2001
Land: Brasilien
Stil / Genre: Symphonic Power Metal
Label: Keins / Independent

Alben-Lineup:

Bruno W. Agra – Drums
Leandro Gomes – Guitars
Alberto Kury – Keyboards
Roberto Scripillitti – Guitars
Bernardo Pellon – Bass
Ilton Nogueira – Vocals

Track-Liste:

1. Nature’s Breeding (01:58)
2. And Let the Show Begin (09:35)
3. Here Comes the Life (11:58)
4. Angel Without Wings (06:08)
5. A New Beginning (07:45)

Huldige der Schönheit des Universums.

UIRAPURU ist der ehemalige Name einer brasilianische Power Metal-Combo, die vielen als AQUARIA bekannt sein sollte. Leider Gottes muss man auch im Falle eben jener Band von einer ehemaligen sprechen – da die Brasilianer seit 2010 kein Lebenszeichen mehr von sich gegeben haben. Das erscheint gleich aus mehrerlei Hinsicht bedauernswert – schließlich waren LUXATERNA (Review) und SHAMBALA (Review) zwei außerordentlich starke und dezent ungewöhnliche Genre-Alben, die bis heute bei vielen als Geheimtipp gelten. Doch nicht nur das – etwas nachdenklich stimmt auch, dass der ehemalige AQUARIA- und ENDLESS-Leadsänger Vitor Veiga offenbar nicht mehr im Geschäft ist. Gerade der sorgte schließlich seit jeher dafür, dass die Musik von AQUARIA mit einem gewissen Wiedererkennungswert versehen wurde – neben vielen anderen eher einzigartigen Faktoren, versteht sich. So wurde beispielsweise auch ein dezenter indogener Einfluss in das musikalische Schaffen der Band transportiert – ein Unterfangen, das auf SHAMBALA seinen durchaus bemerkenswerten Höhepunkt fand.

Da einem aktuell nicht viel mehr bleibt als ein Rückblick auf längst vergangene Tage, soll genau das auch an dieser Stelle erfolgen – mit einem kurzen Review zur ersten UIRAPURU- respektive AQUARIA-Demo aus dem Jahre 2001. Diese horcht auf den Namen HERE COMES THE LIFE und beinhaltet neben einem Intro 4 vollwertige Titel, von denen 2 später mit auf das Debütalbum LUXATERNA übernommen werden sollten – in jeweils dezent abgeänderter Form. Oder sollte man eher sagen, in einer markant abgeänderten ? Schließlich klingt das hier dargebotene Material tatsächlich noch nach einer frühen Rohfassung. Genau das macht es aber überhaupt erst so spannend – denn gerade LUXATERNA zeichnete sich durch eine rundum perfekte Produktion aus. HERE COMES THE LIFE dagegen kann sich kaum hinter einer allzu pompösen Fassade verstecken – doch wie sich zeigt war und ist das auch gar nicht nötig. Dass AQUARIA ein besonderes Geschick an den Tag legten speziell wenn es um das Songwriting ging, wird schließlich schnell offenbar – erst Recht mit einem Wahnsinns-Titel wie dem wandelbaren AND LET THE SHOW BEGIN. Der klingt auf der Demo verständlicherweise noch nicht ganz so sauber, und beinhaltet wesentlich weniger symphonische Elemente – aber dennoch macht er mächtig Laune und begeistert vor allem durch den langen instrumentalen Mittelteil.

Mehr als interessant ist dann sicherlich auch die Tatsache, dass zum Zeitpunkt der Demo der ALLEGRO-Leadsänger Ilton Nogueira das Gesangszepter in der Hand hielt – und noch nicht Vitor Veiga. Auch der machte seine Sache sehr gut – wenngleich er nicht ganz die stimmliche Bandbreite seines Nachfolgers erreichen sollte und vor allem in den höheren Lagen etwas schwächer klang. Der allerletzte Clou der Demo sind dann noch die beiden Titel, die es nicht auf das Debütalbum geschafft haben – das etwas schwach inszenierte ANGEL WITHOUT WINGS und das umso stärkere A NEW BEGINNING. In Anbetracht der Qualität müsste man sich nur fragen, warum – aber immerhin lohnt es sich so auch für Kenner des Debütalbums, diese irgendwo legendäre Demo für sich zu entdecken.

Es ist demnach schon der Wahnsinn, dass ausgerechnet eine Band wie AQUARIA von der Bildfläche verschwunden ist. Eine Band, die auch schon in den Zeiten ihrer Entstehung und unter ihrem alten Namen UIRAPURU gezeigt hat, was sie in Petto hat – und die ihren Sound später in Form ihres Debütalbums LUXATERNA formvollendet hat. Anders gesagt: HERE COMES THE LIFE ist eine Demo, die wie kaum eine zweite vor Potential strotzt und einem ein Lächeln auf das Gesicht zaubert. Die Tatsache, dass die beiden auf dem Album enthaltenen Nummern rückwirkend kaum wiederzuerkennen sind (was für den markanten Entwicklungsprozess der Band spricht) und das weiterhin noch zwei völlig unabhängige Titel enthalten sind, macht diese Demo-EP zum absoluten Pflichtprogramm von all jenen, die sich im allgemeinen auch gern der Musik von Combos wie ANGRA oder TIERRA MYSTICA widmen.

Absolute Anspieltipps: AND LET THE SHOW BEGIN, HERE COMESTHE LIFE, A NEW BEGINNING


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„Ob damals oder heute – diese Demo verfehlt kaum ihren Zweck.“

Metal-CD-Review: AQUARIA – Shambala (2007)

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Alben-Titel: Shambala
Künstler / Band: Aquaria (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 21. September 2007
Land: Brasilien
Stil / Genre: Power Metal
Label: Avalon Online

Alben-Lineup:

Fernando Giovannetti – Bass
Alberto Kury – Keyboards
Vitor Veiga – Vocals
Gustavo Di Pádua – Guitars
Bruno W. Agra – Drums
Rob Scrip – Guitars

Track-Liste:

1. Hope (01:28)
2. Heart of the Gods (04:07)
3. Expedition (05:51)
4. Into the Forest (09:48)
5. Lost (06:59)
6. Iara (05:15)
7. Shambala (05:08)
8. Child of the Universe (07:45)
9. Firewings (05:35)
10. Skies of Amazonia (06:50)
11. Liberty (07:37)

Das brasilianische Feuer einmal anders interpretiert.

Gute 2 Jahre nach LUX AETERNA, dem Debütalbum der brasilianischen Power Metal-Combo AQUARIA, erschien dessen offizieller Nachfolger SHAMBALA. Die Überraschung für etwaige Fans der Band folgte sogleich: das auf SHAMBALA dargebotene Material war kaum noch mit dem explizit symphonisch angehauchten, früheren Sound der Band vergleichbar – zumindest auf den ersten Blick. Für den direkt zündenden Bombast-Sound und eine Thematik, die sich mit nicht weniger beschäftigte als die Entstehung der Welt; kam nun ein etwas anderer Sound – ein indogener, brasilianisch-traditioneller und insgesamt deutlich progressiverer. Was auf der einen Seite für einen etwas erschwerten Einstieg in den musikalischen Kosmos des Albums sorgt, führt auf der anderen zu einem recht interessanten, durchaus intensiven Höreindruck – sofern man SHAMBLA eine entspreche Vorlaufzeit gewährt und dem Album auch eine Chance gibt, richtig zünden zu können.

Gut ist, dass AQUARIA mit dem Opener HEART OF THE GODS noch am ehesten die Marschrichtung verfolgen, die sie auf dem Vorgänger eingeschlagen hatten – sodass man sich recht schnell zuhause fühlt in den musikalischen Welten von SHAMBALA. Alles was darauf folgt, klingt dann schon etwas fremdartiger – aber interessanterweise nicht unbedingt experimenteller. Es scheint schließlich, als wüssten AQUARIA ganz genau was sie da tun – die Folge ist ein durchweg ehrlich wirkendes musikalisches Werk mit allerlei traditionellen Bezügen, die einen sofort an altehrwürdige Geschichten früherer indogener Völker wie die Mayas oder die Azteken denken lässt. Das führt zu einigen recht erfrischenden musikalischen Eindrücken, die immer dann am besten wirken wenn AQUARIA eine gewisse musikalische Härte nicht vollständig abgeht – reine, gesanglich etwas lasch vorgetragene Balladen wie IARA wirken eher fade, und können mit vergleichsweise epischen (da äußerst variablen und vielschichtigen) Eindrücken aus längeren Nummern wie INTO THE FOREST einfach nicht mithalten.

Immer mit von der Partie sind dabei aber der mal mehr, mal weniger aufdringliche Keyboardsound, sowie allerlei Elemente die doch noch auf den symphonischen Ursprung der Band hinweisen. Das ist nur gut und richtig, haben AQUARIA hier allerlei Stärken anzubieten. Die Arbeit an den Instrumenten ist nach wie vor phänomenal, der Leadgesang von Vitor Veiga stark, der Faktor der Abwechslung und atmosphärischen Stimmungsschwankungen enorm. In Anbetracht des vorgestellten Konzeptes muss man lediglich mit etwas weniger Wumms rechnen – viele Titel bewegen sich im Midtempo oder sogar noch darunter; alle Beteiligten scheinen sich absichtlich etwas zurückzuhalten und deutlich gefühlvoller zu agieren. Das ist das eine, je nach persönlicher Facón durchaus positiv zu beurteilende – das andere ist, dass man auch hinsichtlich der Produktion entsprechend nachzog. Und das wohl nicht mehr ganz so freiwillig – der Vorgänger klang hier noch ein stückweit klarer und differenzierter.

Mit SHAMBALA können AQUARIA also durchaus an den rundum gelungenen Eindruck des Vorgängers anknüpfen – wenn auch auf eine etwas andere Art und Weise als eventuell erwartet. Wer über die ein oder andere Durststrecke vor allem in den eher balladesken Momenten des Albums hinwegsehen kann, der bekommt hier eine ebenso vielseitige wie interessante musikalische Kost angeboten – die einen jeden experimentierfreudigen Power-Metaller aller Wahrscheinlichkeit nach überzeugen wird. Wer es lieber etwas straighter, bombastischer und prunkvoller haben möchte; der sollte dagegen eher zum Vorgänger LUX AETERNA greifen.

Absolute Anspieltipps: HEART OF THE GODS, EXPEDITION, INTO THE FOREST, FIREWINGS, LIBERTY


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„Ein geradezu exotisches Album mit vielen frischen Höreindrücken, das insgesamt aber leicht hinter dem Vorgänger zurückbleibt.“

Metal-CD-Review: AQUARIA – Luxaeterna (2005)

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Alben-Titel: Luxaeterna
Künstler / Band: Aquaria (mehr)
Land: Brasilien
Stil / Genre: Symphonic Power Metal
Label: Scarhorow

Alben-Lineup:

Fernando Giovannetti – Bass
Alberto Kury – Keyboards
Bruno W. Agra – Drums
Leandro Gomes (R.I.P. 2010) – Guitars
Rick Mour – Guitars
Vitor Veiga – Vocals

Track-Liste:

1. Aeternalux 02:30
2. And Let the Show Begin 07:30
3. Here Comes the Life 09:24
4. Spirits of Light 05:38
5. Humanity 08:08
6. Whispers and Pain of Mother Nature 06:30
7. Choice Time 06:45
8. Judgement Day 10:31
9. Your Majesty Gaia 07:03
10. Luxaeterna 04:06

Genau so muss die Entstehung des Universums geklungen haben.

Es war einmal im Jahre 2005… als eine bis dato relativ unbekannte brasilianische Bandcombo zum großen Schlag ausholte und ein höchst überraschendes Debütalbum das Licht der Welt erblickte. Ausgerechnet diese Formulierung könnte treffender nicht sein – schließlich geht es auf AQUARIA’s LUXAETERNA um nicht weniger als die Entstehung des Kosmos, der Erde und dem, was noch folgen sollte. Das klingt erst einmal nach viel Kitsch – doch hat die Band, die sich bis kurz vor der Veröffentlichung des Debütalbums UIRAPURU nannte, weit mehr erschaffen als ein vorschnell abzustempelndes Werk. 

Denn tatsächlich ist LUXAETERNA ein kleines Epos geworden, das viele markante Stärken offenbart. Jene finden sich bereits in Bezug auf die Produktionsqualität, die für ein Debüt überraschend satt und rundum wohlklingend ausfällt – was dem Album sehr zugute kommt. Schließlich kann man sich so – und wie es beabsichtigt war – voll und ganz auf die musikalische Reise einlassen, ohne etwaige störende Einflüsse wahrzunehmen. Viele andere Alben, die von Symphonic Power Metal-Bands stammen, bringen derlei Eigenschaften zumeist erst im späteren Release-Verlauf (und mit einem gestiegenen Bekanntheitsgrad) mit sich. Das heißt: entweder haben AQUARIA diesbezüglich wirklich alle Hebel in Gang gesetzt (und so lange gewerkelt und werkeln lassen bis alles perfekt klang), oder schlicht etwas Glück gehabt. Das alles wäre jedoch nur halb so schön, wenn das Album nicht noch mehr zu bieten hätte – und das hat es.

Denn eine weitere große Stärke der Band offenbart sich sogleich – das heißt, mit dem pompösen Opener AND LET THE SHOW BEGIN. Hier wird schnell deutlich, dass die einzelnen Mitglieder ihr jeweiliges Handwerk verstehen. Doch woher kommt das ? 4 der 6 Mitglieder scheint vorher tatsächlich nur in UIPARURU tätig gewesen zu sein, einer hatte gar keine derartige Vorbildung, Leadsänger Vittor Veiga war zumindest in der ebenfalls brasilianischen Combo ENDLESS tätig. In Anbetracht dessen muss man sich schon sehr wundern über die hier dargebotenen Leistungen – im positivsten Sinne, versteht sich. Eine Möglichkeit der Analyse besteht darin, den betrachtet den Zeitraum der letzten UIPARURU-Demo und LUXAETERNA zu betrachten. So kann man feststellen, dass zwischenzeitlich 3 Jahre vergangen waren – Zeit, die die Mitglieder offenbar eifrig genutzt haben, um weiter an ihren Fähigkeiten zu feilen. Das Ergebnis lässt sich dementsprechend mehr als hören: AQUARIA zeigen auf, wie gut ein Debütalbum klingen kann wenn man nur nichts überhastet und wirklich eine Menge Herzblut investiert.

Doch eine professionelle Produktion und handwerklich begabte Musiker sind eben nicht alles, wenn es um die Erschaffung eines großartigen Albums geht. Glücklicherweise beweisen AQUARIA aber auch in Sachen Songwriting ein außergewöhnliches Händchen, und gestalten die 10 vertretenen Titel (eigentlich 8, abzüglich Intro und Outro) zu einer wahren Entdeckungsreise. Die Kompositionen sind nicht nur vielschichtig, sondern auch abwechslungsreich – von der markanten Überhymne über die Entstehung der Erde (AND LET THE SHOW BEGIN) über eine naturbezogene, fast schon zu kitschige Ballade (WHISPERS AND PAIN OF MOTHER NATURE) bis hin zu eher apokalyptischen und vor Kraft strotzenden Brechern (CHOICE TIME) ist alles vertreten. Das besondere: AQUARIA gestalten ihren Symphonic Power Metal eher untypisch und alles andere als vorhersehbar. Es gibt zahlreiche Brüche und Breaks, etablierte Stimmungen und Geschwindigkeiten befinden sich in einem steten Wandel, man bewegt sich geschickt im Wechselspiel aus der geballten Kraft des Metal (Drums, Gitarren, Riffs) und eher symphonisch-opernartigen Passagen. Die Folge: so gut wie alle Titel wirken vergleichsweise pompös und mannigfaltig in ihrer Wirkungskraft.

Wirkungskraft – genau das ist auch das Stichwort, um auf die letztendliche Qualität des Albums zu schließen. LUXAETERNA ist endlich einmal wieder ein Album, welches den Hörer kaum kalt lassen wird – auch oder gerade wenn er schon (Hör-)Erfahrung im Bereich des Symphonic Power Metals gemacht hat. Ob man sich dabei im Detail auf die Lyrics einlassen wird, bleibt jedem selbst überlassen – sicher, einstweilen wirken sie etwas weit hergeholt, beziehungsweise so gestaltet, dass man gar nicht anders kann als Kitsch! zu schreien. Doch man kommt einfach nicht umher, AQUARIA das abzukaufen, was sie da machen – ob nun als aufstrebende Metal-Band aus Brasilien oder als Botschafter einer wie auch immer gearteten Entstehungsgeschichte. Eine Geschichte, die sich zwar grob am Christentum orientiert, aber textlich doch alles andere als aufdringlich daherkommt.

In Bezug auf die 8 vollwertigen Titel gibt es jedenfalls keine Ausfälle – mit Ausnahme der bereits erwähnten Ballade vielleicht; die dann doch etwas zu sehr auf die Tränendrüse drückt. Auch Sänger Vitor Veiga kratzt diesbezüglich schon hart an der Grenze des erträglichen; umso mehr freut man sich wenn er kurz darauf wieder zu voller Stärke findet. Das er etwas gefühlvollere Lagen dennoch beherrscht, kann man im Outro LUXAETERNA feststellen – welches nicht weniger als eines der besten Outros aller Zeiten ist (Einschränkung: in Bezug auf Symphonic Power Metal-Releases). Eine fabelhafte, verträumte Instrumentierung und die gute Idee mit der sich immer wiederholenden markanten Phrase (die übrigens auch auf der CD selbst zu finden ist, als netter Schriftzug der quasi in der ‚Unendlichkeit‘ verschwindet) sorgen für reichlich Gänsehaut. Man könnte noch so viel mehr hervorheben – wie etwa die markante, feucht-fröhliche Komposition aus YOUR MAJESTY GAIA – doch es gilt, sich selbst ein Bild von diesem zweifelsohne großartigen Release zu machen.

Fazit: LUXAETERNA ist ein kleines Kunstwerk geworden dem man nur allzu gerne lauscht; und das auch noch nach Jahren. Gesetzt dem Fall, man bringt eine gewisse Vorliebe für das Obergenre des Symphonic Power Metals mit – und hat keine Probleme mit einer zusätzlichen Priese Bombast und vielleicht auch Fröhlichkeit. Denn so ernst die behandelten Themen einstweilen sind – LUXAETERNA ist insgesamt ein eher beschwingtes, verträumtes, aufmunterndes Album. Ein technisch perfektes, inhaltlich ansprechendes, und verdammt ausdrucksstarkes noch dazu. Wer hier nicht zuschlägt, hat selbst Schuld.

Anspieltipps: AND LET THE SHOW BEGIN, CHOICE TIME, YOUR MAJESTY GAIA, LUXAETERNA

Vergleichbands: ANGRA | SYMFONIA

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„Schöpfungsgeschichte mal anders“