Metal-CD-Review: AMBERIAN DAWN – Innuendo (2015)

amberian-dawn_innuendo_500

Alben-Titel: Innuendo
Künstler / Band: Amberian Dawn (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 23. Oktober 2015
Land: Finnland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Napalm Records

Alben-Lineup:

Tuomas Seppälä – Guitars, Keyboards
Capri – Vocals
Emil Pohjalainen – Guitars
Jukka Hoffrén – Bass
Joonas Pykälä-aho – Drums

Track-Liste:

1. Fame & Gloria (04:25)
2. Ladyhawk (04:35)
3. Innuendo (03:38)
4. The Court of Mirror Hall (04:12)
5. Angelique (05:08)
6. Rise of the Evil (03:45)
7. Chamber of Dreadful Dreams (03:45)
8. Knock Knock Who’s There (03:56)
9. Symphony Nr 1, Part 1 – The Witchcraft (05:56)
10. Your Time – My Time (04:31)
11. Fame & Gloria (04:24)
12. Sunrise (re-recording) (03:29)

Die Finnen mal wieder.

Eine jede Band hat irgendetwas, was zu ihrem Wiedererkennungswert beiträgt – zumindest im besten Fall. NIGHTWISH beispielsweise stehen wie ihre Genrekollegen und finnischen Landesgenossen AMBERIAN DAWN seit jeher für einen schmackigen Power Metal mit ausschließlich weiblichen Frontvocals. Während sich erstere vor allem im klassisch-symphonischen Bereich einen Namen gemacht haben, sind AMBERIAN DAWN eher neoklassisch und wenn man so will etwas gemäßigter unterwegs. In der Tat ist auch das mittlerweile siebte Studioalbum INNUENDO zweifelsfrei als Werk der Band zu erkennen – erst recht, wenn man den nicht allzu lange zurückliegenden Vorgänger MAGIC FOREST (Review) noch im Ohr hat. Demnach geben sich AMBERIAN DAWN auch auf ihrem neuesten Werk weniger experimentierfreudig, sorgen gleichzeitig aber auch für eine gewisse Konsistenz. INNUENDO wird als Ergebnis dessen sicherlich nicht jedermann gefallen – aber vielleicht liegt genau darin auch das Geheimnis.

Schließlich werden vor allem Metal-Puristen abgeschreckt werden vom insgesamt doch eher lieblich-süffigen Sound der Band, der kantigere oder schwerere Elemente lediglich in Bezug auf das Riffing vorsieht – und das auch nur partiell. Im Vordergrund stehen nach wie vor der sanfte, einstweilen angenehm emotionale Leadgesang der Fronfrau Capri sowie die eingängigen und rhythmischen Arrangements samt ihrer großzügigen Keyboard-Ausstaffierung. Analog dazu wird man auch seltener auf temporeichere oder druckvollere Momente treffen; sondern vermehrt auf balladeske, andächtige. Wenn man so will, und ohne das Schaffen der Finnen generell schlechtzumachen; könnte man sogar sagen dass AMBERIAN DAWN als eine der wenigen Metal-Combos eine explizit poppige Seite an sich haben. Die allgemeine Leichtigkeit der einzelnen Nummern, sowie die vielen Elemente die eine Scheibe wie INNUENDO auch Nicht-Metallern schmackhaft machen dürfte; sprechen jedenfalls dafür.

Das soll indes nicht heißen, dass das hier dargebotene Material als Metal-Kost generell zu vernachlässigen ist. Als eine der sanfteren und ruhigeren Genre-Vertreter haben AMBERIAN DAWN sicherlich auch weiterhin eine Existenzberechtigung. Immerhin werden die auf INNUENDO präsentierten Inhalte stellenweise gut und packend erzählt; selbst wenn es auch mal deutlich weniger rasant zugeht. Ein gutes Beispiel dafür ist der Opener FAME AND GLORIA, der auch als Videosingle ausgekoppelt wurde. Hier handelt es sich um eine Nummer, die eine ganz besondere Atmosphäre etabliert, zudem noch sehr relativ vielschichtig ist – und damit als passenden Gegenstück zur ebenfalls sehr guten Single MAGIC FOREST vom Vorgängeralbum betrachtet werden kann. Mit LADYHAWK geht es sogleich stark und markant weiter – wobei auffallend ist, dass AMBERIAN DAWN nach wie vor ein gutes Gespür für gleichermaßen eingängige wie unverbraucht klingende Refrains haben. Der Titeltrack INNUENDO kehrt das Prinzip der eher getragenen Strophen und der explodierenden Refrains dann erstmals um – und präsentiert sich als deutlich schroffere Nummer mit einem starken, antreibenden Riffing. Für Abwechslung ist also gesorgt – wie es das Zusammenspiel aus der Ballade ANGELIQUE und der schnellsten Nummer des Albums, RISE OF THE EVIL ebenfalls noch einmal explizit aufzeigt.

Erst im späteren Albenverlauf werden dann erstmals deutlichere Schwächen offengelegt. Mindestens solche, die sich auf ein nicht vollends ausgeschöpftes Potential bei Nummern wie dem quasi-Opus SYMPHONY NR. 1, PART 1 – THE WITCHCRAFT beziehen; dem es einfach an Biss fehlt. Titel wie KNOCK, KNOCK kann man sogar gänzlich beiseite schieben – hier haben es AMBERIAN DAWN in Bezug auf ihre Verspieltheit und Leichtigkeit doch noch übertrieben. Aber auch die Ballade YOUR TIME – MY TIME gehört nicht unbedingt zum besten, was das Album zu bieten hat – trotz des später eingeschobenen, düstereren Instrumentalparts; der ein wenig an den Sound von DAWN OF DESTINY erinnert. Diese Parallele sollte man auch noch im Kopf behalten, wenn es an den Rausschmeißer THE DARKEST TIMES geht – der allerdings verdächtig lieblos klingt und sich trotz der ausnahmsweise beigesteuerten männlichen Vocals wenig hervorhebt.

INNUENDO wird damit vor allem jenen gefallen, die sich seit jeher mit dem speziellen Soundgewand von AMBERIAN DAWN – als alles andere als beinharte Genre-Vetreter – arrangiert haben. Das Album ist vergleichsweise leicht zugänglich, eingängig; und nicht selten von eher lieblichen Elementen gekennzeichnet, die zumindest hie und da mit griffigen Gitarrenriffs verpackt werden. Zwar ist das Ganze noch immer weit von den Gefilden des Pop entfernt, glücklicherweise – doch kann man sich nicht des Gefühls erwehren, dass der Sound der Band einstweilen doch etwas zu kraftlos und beliebig daherkommt. Das gilt vornehmlich für jene Nummern, in denen balladeske und vermeintlich schroffere Elemente aufeinandertreffen – wobei die Übergänge schlicht zu wenig deutlich werden und man sich eltztendlich doch einer gewissen Gleichförmigkeit hingibt.

Absolute Anspieltipps: FAME AND GLORIA, LADYHAWK, INNUENDO, CHAMBER OF DREADFUL DREAMS


55button

„Himmel und Hölle liegen manchmal nah beieinander.“

AMBERIAN DAWN: Fame & Gloria (Official Video)

Ein wenig FAME & GLORIA ist immer gut, dachten sich wohl auch die finnischen Power Metaller von AMBERIAN DAWN. Am 23. Oktober 2015 erscheint ihr neues Album INNUENDO – mit dem man nach dem aktuellen Musikvideo erneut auf Stimmenfang gehen wird. Yohoho… und ’ne Buddel voll Rum.

Metal-CD-Review: AMBERIAN DAWN – Magic Forest (2014)

amberian-dawn_magic-forest_500

Alben-Titel: Magic Forest
Künstler / Band: Amberian Dawn (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 27. Juni 2014
Land: Finnland
Stil / Genre: Symphonic / Neoclassical Power Metal
Label: Napalm Records

Alben-Lineup:

Joonas Pykälä-aho – Drums
Tuomas Seppälä – Guitars, Keyboards
Emil „Emppu“ Pohjalainen – Guitars
Kimmo Korhonen – Guitars
Capri – Vocals

Track-Liste:

1. Cherish My Memory (04:20)
2. Dance of Life (03:12)
3. Magic Forest (04:40)
4. Agonizing Night (03:51)
5. Warning (03:21)
6. Son of Rainbow (03:29)
7. I’m Still Here (03:52)
8. Memorial (03:48)
9. Endless Silence (03:42)
10. Green-Eyed (04:29)

Weniger Gothic, mehr kunterbuntes.

Wahrlich, das mittlerweile fünfte Studioalbum der finnischen Power Metaller von AMBERIAN DAWN ist schon eine Herausforderung. Und das nicht nur, da man in Bezug auf die Neubesetzung des weiblichen Leadgesangspostens eine gewisse Eingewöhnungszeit mitbringen muss. Denn auch hinsichtlich ihrer eigentlichen musikalischen Ausrichtung scheinen sich AMBERIAN DAWN wieder einmal äußerst flexibel zu zeigen – womit sie besonders einigen Metal-Puristen dezent vor den Kopf stoßen dürften.

Und tatsächlich kommt MAGIC FOREST in einem äußerst zugänglichen, durch den deftigen Keyboardeinsatz süß-süffigen und manchmal sogar explizit poppigen Soundgewand daher. Das lässt das Ganze zumindest grenzwertig erscheinen – allein durch ihren jeweiligen Instrumentalparts zu Beginn entwickeln die ersten 5 Nummern eher einen fragwürdigen Kinderzimmer-Fantasycharme denn eine wirklich ernstzunehmende musikalische Kulisse. Eventuell haben sich AMBERIAN DAWN nur allzu sehr in die Welten ihres MAGIC FOREST’s vertieft – und dabei keinen Griff in die kunterbunte Kitsch- und Klischeekiste ausgelassen. Aber auch Parallelen zu finnischen Pop-Bands wie ABBA ergeben sich – und das nicht von ungefähr.

All das wäre vielleicht noch nicht so schlimm, hätte man im Gegenzug für eine ordentlich druckvolle Hintergrundkulisse gesorgt, die als Gegenpart für die oftmals hochtrabend melodiösen Keyboard-Eskapaden gedient hätte. Interessanter-, oder auch merkwürdigerweise aber scheint genauhierin eines der ganz großen Probleme des Albums zu liegen – viele Nummern klingen auffällig flach und ganz und gar künstlich arrangiert. In wie weit dies beabsichtigt war, ein Zufallsprodukt  oder den offenbar in eine bestimmte Richtung tendierenden Produktionsmerkmalen geschuldet ist, bleibt an dieser Stelle offen. Klar ist nur, dass so gut wie alle Titel geradezu luftig locker klingen – und das nicht unbedingt in einem angenehmen Sinne. Im Vergleich zu dem, was beispielsweise die Kollegen von XANDRIA auf die Beine stellen, klingt MAGIC FOREST nur wie ein laues Lüftchen.

Die Gitarren bekommen – mit Ausnahme der Soli-Parts – vergleichsweise wenig Raum, und auch das Schlagzeug geht in der merkwürdig abgemischten Klangkulisse eher unter. Im Gegenzug erhält man unzählige Refrains, die sofort ins Ohr gehen und wohl auch eine Weile dort bleiben werden. Den ersten dahingehenden Höhepunkt erreicht man zweifelsohne im Titeltrack MAGIC FOREST, der die wohl eingängigste Nummer des gesamten Albums markiert und einige nette Melodiebögen aufweist. Und noch ein Wort zur neuen Sängerin: Päivi Virkkunen gibt sich zwar keine Blöße und meistert ihre Sache gut – bleibt aber weit hinter ihrem denkbaren Potential zurück. Interessant ist, dass sie an ein stimmlich schwächeres Alter Ego von Ann Marie Nacchio (MORNINGSTARLETT) erinnert. Die Opern-Diven haben zwar ohnehin beinahe ausgedient, sodass es nett ist einer eher bodenständigen weiblichen Stimme zu lauschen – aber auch hier schläft die Konkurrenz nicht.

Wer also nur auf eine schnelle (musikalische) Nummer mit einigen wenigen Highlights aus ist, ist mit MAGIC FOREST sicher gut beraten. Die kurze Gesamtspielzeit und der Fakt, dass so gut wie zusammenhängende Atmosphäre entsteht und die enthaltenen Stücke eher als Einzeltitel funktionieren, bekräftigen diese Feststellung. Wer auf der Suche nach einem wirklich nachhaltigen Erlebnis respektive einer markanten Band mit einer starken weiblichen Frontfrau aus ist – der sollte dringend mal bei den ANCIENT BARDS vorbeischauen. Oder bei EPICA, XANDRIA… der Alternativen gibt es wahrlich genug. MAGIC FOREST bietet einen bittersüßen Symphonic Pop-Metal, der nicht jedermanns Geschmack treffen wird – aber sicher seine Fans finden wird.

Absolute Anspieltipps: MAGIC FOREST, ENDLESS SILENCE


65button

„Abba goes Symphonic Metal. Nicht schlecht, aber eben auch alles andere als überragend.“

AMBERIAN DAWN – Magic Forest (Official Video)

amberian_dawn_magicforest

Vorsicht vor den Fänge(r)n des Waldes.

Wie auch immer man zu AMBERIAN DAWN’s neuestem Werk MAGIC FOREST (Review folgt) stehen mag, die Band weiß sich zu inszenieren. Ein guter Beweis dafür ist auch das neueste offizielle Musikvideo zum Titelsong des Albums, MAGIC FOREST. Teils mystisch und bedrohlich, sorgen die mannigfaltigen Melodiebögen schnell für eine besonders heimelige Atmosphäre. Man mache sich selbst ein Bild…

AMBERIAN DAWN – Magic Forest (Metal News)

amberian-dawn_magic-forest_500

Alben-Titel: Magic Forest
Künstler / Band: Amberian Dawn (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 27. Juni 2014
Land: Finnland
Stil / Genre: Neoclassical Power Metal
Label: Napalm Records

„Der ersten Hörprobe nach zu urteilen: vielversprechend.“