Metal-CD-Review: ALESTORM – No Grave But The Sea (2017)

Alben-Titel: No Grave But The Sea
Künstler / Band: Alestorm (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 26. Mai 2017
Land: Schottland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Napalm Records

Alben-Lineup:

Christopher Bowes – Keyboards, Vocals
Gareth Murdock – Bass
Peter Alcorn – Drums
Elliot Vernon – Keyboards
Máté Bodor – Guitars

Track-Liste:

1. No Grave but the Sea (03:30)
2. Mexico (03:10)
3. To the End of the World (06:43)
4. Alestorm (03:56)
5. Bar ünd Imbiss (04:11)
6. Fucked with an Anchor (03:27)
7. Pegleg Potion (03:54)
8. Man the Pumps (05:51)
9. Rage of the Pentahook (03:07)
10. Treasure Island (07:48)

Johoho, und n‘ Esel in Mexiko.

Nachdem sie die Werbetrommel schon kräftig gerührt hatten, ist es nun endlich da – NO GRAVE BUT THE SEA, das mittlerweile sechste Studioalbum der schon 2004 als BATTLEHEART gegründeten Power Metaller von ALESTORM. Oder sollte man eher sagen, der Pirate Metaller ? Schließlich waren die Schotten schon früh darauf bedacht, mehr oder weniger dezent aus der Masse an Genre-Bands hervorzustechen und ihren (ur-)eigenen Stil zu entwickeln. Zwar gibt es noch eine handvoll anderer Bands, die man in irgendeiner Form mit abenteuerlichen Seefahrer-Geschichten, rauen Männergesängen und launigen Metal-Instrumentierungen inklusive eines leichten Folk-Einschlags verbinden könnte – doch letztendlich fahren ALESTORM wohl die konsequenteste aller diesbezüglichen Schienen. Und das hat sich durchaus auch ausgezahlt: seit dem offiziellen Debütalbum CAPTAIN MORGAN’S REVENGE aus dem Jahre 2008 (siehe Review) wächst die Fangemeinde der Schotten beständig, sodass nicht nur ihre Musik eine breite Abnahme findet – sondern auch ihre Tourneen entsprechend erfolgreich sind.

Und auch wenn sie für einige böse Zungen nicht mehr als die SANTIANO’s des Power Metal sein mögen, scheint eines doch festzustehen: auf ihren Alben konnten sie nicht nur mit ihrem Image und dem damit einhergehenden Spaßfaktor punkten, sondern auch in rein musikalischer Hinsicht. Dabei ist es vornehmlich das 2011 erschienene BACK THROUGH TIME (Review), dass den bisherigen Höhepunkt der hiesigen Karriere markiert – so spaßig, aber eben auch ausgewogen klang noch kein ALESTORM-Album. Eine entsprechend spannende Angelegenheit ist die Frage nach dem Abschneiden des neu erschienenen NO GRAVE BUT THE SEA – welches 10 Titel beinhaltet und mit knapp 45 Minuten ALESTORM-Material der typisch-raubeinigen Art ausgestattet ist. Zwei Dinge sind dabei relativ schnell festzustellen: ALESTORM haben sich nicht großartig respektive nennenswert verändert. Anders gesagt: man erkennt und hört sofort wer hier am werkeln ist. Allein der unverkennbare Einsatz der Folk-Elemente, die Songstrukturen an sich und natürlich der Leadgesang von Christopher Bowes geben hier die entsprechend ausschlaggebenden Hinweise.

Die zweite Feststellung bezieht sich auf die Tatsache, dass es ALESTORM hie und da doch noch darauf anlegen, einige neue Soundeindrücke einzustreuen – wie etwa im bereits als Single veröffentlichten ALESTORM, das ausnahmsweise mal mit einem deutlich aggressiveren Gesangspart ausgestattet ist. Das ist ungewohnt und für manche eventuell etwas zu viel des Guten – doch die potentielle Crux des Albums liegt ohnehin in einem anderen, auch genau so erwarteten Bereich begraben. Denn: gerade in Bezug auf ihr Songwriting und die teils auffällig platt inszenierten Inhalte werden ALESTORM abermals die Geister scheiden. Sicher, bei ALESTORM stehen der allgemeine Spaßfaktor und die sich auf den Hörer übertragende Spielfreude der Mitglieder an erster Stelle – und der handwerkliche Part lässt wie schon auf den vorherigen Alben auf die nötige Erfahrung und Professionalität schließen. Doch während es auf eben jenen Vorgängern immer wieder Ausreißer gab die ein wenig Abstand von den allgemeinen Blödeleien nahmen – und gerade so für einen erfrischenden Eindruck sorgten, wie zuletzt auf BACK THROUGH TIME – scheint man es auf NO GRAVE BUT THE SEA doch eher in eine ganz bestimmte Richtung zu übertreiben.

So fällt es einstweilen schwer zu entscheiden, welche der vertretenen Titel wirklich Spaß machen – und welche selbst für ALESTORM-Verhältnisse deutlich zu simpel gehalten oder aber mit Textinhalten ausgestattet sind, für die man sich und seinen Körper erst in gewisse Stimmungen versetzten muss. Und das bis zu einem Level, das zumindest im Alltag kaum zu erreichen ist. Chancen auf die diesbezügliche Krone haben immerhin einige – wie auch das witzige, letztendlich aber recht stupide und erschreckend einfach gehaltene MEXICO; das in den Strophen etwas zu aggressive, im Refrain dafür schier einschläfernde ALESTORM; oder aber das einfach nur peinliche FUCKED WITH AN ANCHOR. In einer handvoll anderer Titel sind dann zwar keine vergleichbaren Eskapaden zu erwarten – doch speziell Nummern wie MAN THE PUMPS fehlt einfach das gewisse Etwas. Immerhin: mit allen Titeln die bis jetzt noch nicht genannt worden, verhält es sich etwas spannender. Das feucht-fröhliche Dreigespann aus BAR ÜND IMBISS, PEGLEG POTION und RAGE OF THE PENTAHOOK markiert zwar keine musikalische Meisterleistung – macht aber schlicht einen Heidenspaß, und weist dezent darauf hin wie mitreißend ALESTORM eigentlich klingen können.

Am interessantesten sind dann aber wohl die Nummern, die sich etwas mächtiger und wuchtiger anfühlen – wie etwa der Opener NO GRAVE BUT THE SEA, das kräftige TO THE END OF THE WORLD; und zuletzt das wandelbare TREASURE ISLAND. Hier fahren ALESTORM noch einmal alles auf, und zeigen auch dass sie handwerklich einiges drauf haben – zumindest weit mehr, als es für einige der anderen Nummern nötig gewesen wäre. Das Album bietet so tatsächlich eine gewisse Form der Ausgewogenheit – oder eher drei unterschiedliche Song-Kategorien. Eine handvoll Nummern hätte man sich komplett schenken können oder sollten, eine handvoll macht einen Heidenspaß – und eine handvoll begeistert auch aus einer etwas anspruchsvolleren Warte heraus. Es gilt, sich das beste herauszupicken…

Absolute Anspieltipps: NO GRAVE BUT THE SEA, TO THE END OF THE WORLD, PEGLEG POTION, TREASURE ISLAND


„Insgesamt betrachtet handelt es sich um eine eher ernüchternde Angelegenheit – aber ein wirklich schlechtes ALESTORM-Album klingt anders.“

Metal-CD-Review: ALESTORM – Black Sails At Midnight (2009)

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Alben-Titel: Black Sails At Midnight
Künstler / Band: Alestorm (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 27. Mai 2009
Land: Schottland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Napalm Records

Alben-Lineup:

Christopher Bowes – Vocals, Keyboards, Tin Whistle
Dani Evans – Bass, Guitars
Ian Wilson – Percussion, Vibraslap

Track-Liste:

1. The Quest (04:57)
2. Leviathan (05:56)
3. That Famous Ol‘ Spiced (04:46)
4. Keelhauled (03:42)
5. To the End of Our Days (06:23)
6. Black Sails at Midnight (03:31)
7. No Quarter (03:02)
8. Pirate Song (04:03)
9. Chronicles of Vengeance (06:25)
10. Wolves of the Sea (Pirates of the Sea cover) (03:34)

Es gilt, die Segel erneut zu hissen.

BLACK SAILS AT MIDNIGHT ist das zweite offizielle Studioalbum der Schottischen Pirate Power Metaller von ALESTORM – und eines jener musikalischen Sequels, bei denen man nicht das Gefühl hat als sei in der Zwischenzeit viel passiert. Doch das muss noch nichts negatives bedeuten, denn tatsächlich liegt das Debütalbum CAPTAIN MORGAN’S REVENGE (Review) gerade einmal ein Jahr zurück. Überhaupt sollte es gerade für eine recht spezifisch ausgerichtete Band wie ALESTORM schwierig sein, sich neu zu erfinden – sodass die Schotten auch dieses Mal wie der Schuster bei seinen Leisten bleiben, und der geneigten Hörerschaft einen rundum Party-tauglichen Power Metal der eher raubeinigen Art kredenzen.

Das bedeutet in erster Linie, dass ALESTORM auch auf BLACK SAILS AT MIDNIGHT eine möglichst gut funktionierende Symbiose aus einer schroffen Metal-Grundlage sowie zahlreichen verspielten Zutaten anpeilen – die sich in schunkelnden Männerchören, reichlich Keyboardeinsatz, tatsächlich gespielten traditionellen Instrumenten sowie ganz besonders der unverkennbaren Darbietung des hiesigen Leadsängers Cristopher Bowes widerspiegeln. Wie beim Vorgänger gilt dabei vor allem eines: man wird diese Mixtur entweder lieben oder hassen, für irgendetwas dazwischen scheint eigentlich kaum Platz. Immerhin zeigen ALESTORM auch auf ihrem Zweitwerk eines mit Nachdruck: dass sie das was sie da machen lieben, können und wohl auch weiterhin machen werden; komme was wolle. Gerade diese konsequente Einstellung vermag es im besten Fall auch, sich auf den Hörer zu übertragen – der sich bei vielen der auf BLACK SAILS AT MIDNIGHT enthaltenen Titel bei einem taktvollen Mitwippen ertappen könnte. Wenn das mal reicht – denn dass ALESTORM mehr als nur ordentlich Stimmung machen können, bewiesen sie schon auf ihrem Debüt.

Spaß macht das Album so allemal, auch wenn im zweiten Anlauf dieselben potentiellen Schwächen auftauchen die auch schon der Vorgänger mitbrachte. Da es sich aber um das zweite Album der Band handelt und es somit keinen vergleichbaren Überraschungseffekt mehr gibt, könnten diese nun etwas schwerwiegender ausfallen als noch zuvor. So klingt BLACK SAILS AT MIDNIGHT über weite Strecken auffällig gleichförmig, viel Abwechslung gibt es nicht. Es sei denn natürlich, man zählt Titel wie das ausnahmsweise mal deutlich langsamer inszenierte TO THE END OF OUR DAYS hinzu. Das Problem: auch wenn eine quasi-balladeske Nummer wie dieser im Alben-Kontext erfrischend erscheinend mag, klingt sie einfach nicht gut – sondern eher verdächtig langatmig. Selbst die potentielle Hymne des Albums, KHEELHAULED kann nicht wirklich überzeugen – hier klingen ALESTORM etwas zu hektisch und vor allem im refrain ernüchternd. Von kleineren Nuancen wie diesen abgesehen gibt es aber wenig spektakuläres zu vermelden, weder im positiven noch im negativen Bereich: es gibt weder klar erkennbare Highlights, noch absolut zu vernachlässigende Titel.

Das kann man zwar interpretieren wie man will – doch scheint diese Feststellung gut zum so gesehen nicht gerade aufregenden Eindruck des Albums zu passen. Im schlimmsten Fall avanciert BLACK SAILS AT MIDNIGHT so zu einem Power Metal-Album der Marke weder-noch. Eines, das durchaus Spaß macht – aber eben auch nur innerhalb eines bestimmten Rahmens, wenn die Dosierung stimmt – und wenn man das deutlich bessere und frischere Debütalbum nicht zu Vergleichszwecken heranzieht.

Absolute Anspieltipps: CHRONICLES OF VENGEANCE


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„Schon jetzt klingt die Musik von ALESTORM verdächtig abgenutzt – zumindest, wenn man dieses Album mit dem erst ein Jahr zurückliegenden Vorgänger vergleicht.“

Metal-CD-Review: ALESTORM – Captain Morgan’s Revenge (2008)

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Alben-Titel: Captain Morgan’s Revenge
Künstler / Band: Alestorm (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 25. Januar 2008
Land: Schottland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Napalm Records

Alben-Lineup:

Gavin Harper – Guitars, Drums (additional)
Dani Evans – Bass
Christopher Bowes – Vocals, Keyboards
Ian Wilson – Percussion

Track-Liste:

1. Over the Seas (03:55)
2. Captain Morgan’s Revenge (06:42)
3. The Huntmaster (04:59)
4. Nancy the Tavern Wench (04:52)
5. Death Before the Mast (03:17)
6. Terror on the High Seas (03:51)
7. Set Sail and Conquer (04:38)
8. Of Treasure (02:58)
9. Wenches & Mead (03:42)
10. Flower of Scotland (The Corries cover) (02:37)

Die Geburtsstunde des True Scottish Pirate Metal.

Denkt man an die Jahre 2007 und 2008 zurück, so steht eines mit Sicherheit fest: es waren gute Jahre für ein scheinbar gänzlich neues Subgenre des Metal. Dabei existierte der sogenannte und hier gemeinte Pirate Metal schon zuvor – doch konnten zumindest in Fankreisen etablierte Bands wie BATTLEHEART noch keine größere Aufmerksamkeit erhaschen. Zumindest bis dato – und bis aus eben jenen raubeinigen Recken von BATTLEHEART plötzlich die ebenso wilden Freibeuter ALESTORM wurden. In der Tat bewiesen die Verantwortlichen von Nuclear Blast ein glückliches Händchen bei ihrer Entscheidung, die Schotten ab 2007 entsprechend zu pushen. Schließlich erkämpfen sich ALESTORM bald darauf eine klare Ausnahme-Position – und dass nicht nur innerhalb der Grenzen ihres ursprünglichen Genres.

Das erste auch heute noch gerne hervorgeholte Anschauungsbeispiel dafür horcht auf den Namen CAPTAIN MORGAN’S REVENGE, stammt aus dem Jahre 2008 – und beinhaltet 10 Titel einer so vielleicht noch nicht dagewesenen Symbiose aus feuchtfröhlich-schunkelnden Piraten-Rhythmen und einem rassigen schwermetallischen Kern. Gleichzeitig handelt es sich um eine Mischung, mit der man sich erst anfreunden muss – und eine, die auch nach den ersten verdauten Bissen nicht jedermann zusagen wird. Anders gesagt: gerade in Bezug auf das Bild, welches ALESTORM von sich selbst vermitteln; gehen die Meinungen auseinander – und das wohl zu Recht. Schwieriger wird es indes, auch in Bezug auf das an den Tag gelegte musikalische Handwerk nach Fehlern zu suchen – denn viel wird man hier nicht finden. Man hört den Mitgliedern von ALESTORM schließlich klar an, dass sie einiges an Erfahrung mitbringen – was sich sowohl im großen Ganzen, als auch in Bezug auf viele kleine Details im üppig inszenierten Soundgewand von CAPTAIN MORGAN’S REVENGE bemerkbar macht.

Allemal positiv hervorzuheben ist beispielsweise; dass die Gitarren nicht nur gut gespielt, sondern auch relativ vordergründig im Mix agieren – und so für die nötige Härte in den einstweilen enorm verspielten Kompositionen sorgen. Stichwort verspielt: nicht nur das Keyboard spielt bei ALESTORM eine große Rolle, sondern auch weitere von den Mitgliedern tatsächlich gespielte Instrumente – wie etwa die berühmt-berüchtige Tin Whistle, ein Tamburin oder eine Maultrommel. Gerade das sorgt dann auch für den speziellen, man nenne ihn einmal platt Piratensound – welcher das vielleicht wichtigste Alleinstellungsmerkmal von ALESTORM bildet. Anders gesagt: selbst wenn auch noch einige andre Bands ähnliche Stilmittel verwenden, sind ALESTORM mit CAPTAIN MORGAN’S REVENGE klar zu der vielleicht wichtigsten Galionsfigur des Pirate Metal geworden.

Dennoch bleibt es nicht aus, dass das Album trotz allem einen dezent faden Beigeschmack mitbringt. Und der liegt vornehmlich in der enorm konsequenten Marschrichtung der Band begründet, die sich kaum einen stilistischen Ausbruch gönnt – und in so gut wie allen Nummern einen gleichermaßen raubeinigen wie hymnisch angelegten Power Metal mit besten Party-Tauglichkeiten zelebriert. Wenn es mal etwas langsamer (NANCY THE TAVERN WENCH) oder aber deutlich durchtriebener (TERROR ON THE HIGH SEAS) zugeht, dann ist das schon das höchste der Gefühle. Wobei, das ausnahmsweise mal ohne Metal-Elemente auskommende OF TREASURE sollte hier auch noch eine Erwähnung finden – die besungenen Inhalte bleiben aber natürlich stets dieselben. So kann es einstweilen schwerfallen, die Nummern überhaupt zu unterscheiden – besonders natürlich dann, wenn man noch nicht wirklich mit dem Album warm geworden ist.

Lieben oder hassen wird man wohl auch die relativ gleichbleibende und auf Dauer etwas anstrengende Leistung von Leadsänger Christopher Bowes – der sich in Bezug auf seine Stimmlage, Aussprache und Akzentuierung perfekt auf das ALESTORM-Projekt angepasst hat. Passend hierzu fallen auch die Chöre, oder eher schunkelnden Männergesänge aus – auch wenn man gerade das THE CORRIES-Cover zu FLOWER OF SCOTLAND nicht einmal im völlig betrunkenen Zustand für gut befinden kann. Immerhin, handwerklich kann man den lust’gen Seefahrern nichts vorwerfen – und auch mit der Produktion des Albums hat man es gut getroffen. Kurzum: das Album macht einen Heidenspaß, hat aber auch das Potential sich vergleichsweise schnell abzunutzen. Eine Chance geben sollte man einem Album wie diesem aber allemal.

Absolute Anspieltipps: CAPTAIN MORGAN’S REVENGE, NANCY THE TAVERN WENCH, SET SAIL AND CONQUER, WENCHES & MEAD


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„Johoo, und ’ne Buddel voll Rum – eine große.“

Metal-CD-Review: ALESTORM – Sunset On The Golden Age (2014)

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Alben-Titel: Sunset On The Golden Age
Künstler / Band: Alestorm (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 01. August 2014
Land: Schottland
Stil / Genre: Folk / Power Metal
Label: Napalm Records

Alben-Lineup:

Dani Evans – Guitars
Christopher Bowes – Vocals, Keyboards
Gareth Murdock – Bass
Peter Alcorn – Drums
Elliot „Windrider“ Vernon – Keyboards

Track-Liste:

1. Walk the Plank (04:07)
2. Drink (03:23)
3. Magnetic North (03:47)
4. 1741 (The Battle of Cartagena) (07:18)
5. Mead from Hell (03:41)
6. Surf Squid Warfare (03:59)
7. Quest for Ships (04:34)
8. Wooden Leg! (02:45)
9. Hangover (Taio Cruz Cover) (03:41)
10. Sunset on the Golden Age (11:26)

Da segeln sie wieder.

Es gibt Bands, die wie jeweils keine zweite für eine ganz bestimmte Spielart des Metals stehen – ob ein entsprechendes und dazu passendes Subgenre offiziell existiert oder nicht. POWERWOLF verbindet man automatisch mit kirchlich-sakralen Klängen, SABATON mit kriegerisch angehauchten Tönen,  MANOWAR mit einer diskutablen True Metal-Attitüde – und ALESTORM ? Die stehen wie niemand sonst für eine ganz bestimmte Themenausrichtung innerhalb des Power- und Folk Metals, die man wohl am besten mit einer so nicht unbedingt existenten Genre-Bezeichnung umschreiben kann – dem Pirate Metal nämlich. Anders gesagt: ALESTORM verbinden seit jeher die Trademarks ihres Heimatlandes Schottland mit munteren Seefahrer-Geschichten – in denen es um Piratentum, persönliche Eroberungen, Handgemenge, Saufgelage und noch vieles mehr geht. Eben genau so, wie man sich eine musikalische Fleischwerdung von Filmen wie FLUCH DER KARIBIK – hier allerdings in einer nicht jugendfreien Version – vorstellen würde. Den bisherigen Höhepunkt erreichten die Schotten dabei mit ihrem letzten Studioalbum BACK THROUGH TIME von 2011 (Review) – gute 3 Jahre und eine etwas missglückte Single (IN THE NAVY) später legen es die raubeinigen Recken erneut darauf an, einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen.

Das entsprechende Vorzeigewerk horcht in diesem Fall auf den vielversprechenden Namen SUNSET ON THE GOLDEN AGE, und wurde bereits im Vorfeld heiß umworben. Was aber ist wirklich dran am neuesten Werk der Schotten ? Ganz oberflächlich betrachtet hinterlässt das Cover-Artwork schonmal einen markanten Eindruck, und auch die Tatsache dass alle Beteiligten des letzten Albums wieder mit von der Partie sind lässt auf gutes hoffen. Legt man SUNSET ON THE GOLDEN AGE dann aber tatsächlich ein, so stellt sich schnell Ernüchterung ein. Zum einen, da ALESTORM kaum noch auf Überraschungseffekte setzen und sich schlicht so geben, wie sie es auch auf den letzten Alben taten – und zum anderen, da bereits in der Auftakt-Phase des Albums allerlei auffällig schwache Titel präsentiert werden. Während man bei WATCH THE PLANK noch von einem soliden, wenn auch eher zu vernachlässigenden Opener sprechen kann; sieht es spätestens mit den ersten Klängen von DRINK oder MAGNETIC NORTH reichlich düster aus. Analog dazu erscheint es mehr als fraglich, warum ALESTORM ausgerechnet DRINK als Single- und Videoauskopplung wählten.

Sicher, ALESTORM geben sich auch hier noch feucht-fröhlich und heiter wie eh und je – doch weiß das muntere Trinklied selbst die bisher einfachsten ALESTORM-Texte noch um ein vielfaches zu unterbieten. Und nicht nur das, auch musikalisch geht es nicht gerade anspruchsvoll zu – der Text wirkt eher plump vorgetragen als gesungen, der Refrain ist lahm und repetitiv, Riff-technisch ist so gut wie nichts zu holen. Betrachtet man dazu auch noch das passende Video, dass unverständlicherweise nichts mehr vom Fun-Faktor eines SHIPWRECKED zu bieten hat; so folgt auf die Ernüchterung schnell ein gewisser Ärger. Ein Ärger, der es sicherlich schwieriger macht mit den noch verbleibenden Titeln des Albums umzugehen – doch auch unabhängig davon sieht es nicht gut aus für SUNSET ON THE GOLDEN AGE. Das hat mehrere Gründe; die umso deutlicher werden je mehr man das Album mit seinen nicht herausragenden, aber doch rundum gelungenen Vorgängern vergleicht. Denn: jene Elemente, die die Band einst auszeichneten; wirken nunmehr plump und aufgesetzt. Warum genau das so ist, bleibt fraglich – es mag daran liegen, dass den Schotten schlicht die Ideen oder aber die Spielfreude und Energie ausgegangen ist.

Und noch einmal: Auch wenn es grundsätzlich gut ist, dass das Album Ecken und Kanten aufweist; wissen viele Faktoren den Hörgenuss eher zu trüben als aufzuwerten. Die hie und da eingestreuten härteren Elemente (in Form von eingeworfenen Growls), experimentell wirkende 8-Bit-Klänge (zu Beginn von 1741), absolut nervtötende Refrains in sonst annehmbaren Titeln wie WOODEN LEG – Spaß macht all das nicht wirklich. Wie passend erscheint es da, dass ALESTORM ausgerechnet einen Titel von TAIO CRUZ coverten und ihn in den regulären Kontext des Albums packten – HANGOVER könnte problemlos zu einem der umstrittensten Titel überhaupt avancieren. Sicher, er geht schnell ins Ohr und passt auch textlich zu ALESTORM wie die Faust aufs Auge – doch ob die Band sich damit wirklich einen Gefallen getan hat, wird sich zeigen.

Letztendlich enttäuscht SUNSET ON THE GOLDEN AGE ohnehin eher, als dass es geneigte Hörer tatsächlich in glorreich-goldene Gefilde entführt. Auffällig ist die Anzahl von geradezu unterirdischen Nummern, die man sonst höchstens vereinzelt auf einem ALESTORM-Album angetroffen hätte – hier reihen sich gleich mehrere aneinander. Zwischen einigen wirklich miesen Einzel-Titeln, einer mehr als ärgerlichen Videoauskopplung (DRINK) und einer fragwürdigen Cover-Version (HANGOVER) finden sich dann aber doch noch eine handvoll ansprechender Nummern, die zumindest eingeschworene ALESTORM-Fans bedienen können – und das recht gut. MEAD FROM HELL als vom Akkordeon unterstützte Spaßmacher-Granate a’la SHIPWRECKED, QUEST FOR SHIPS als verspäteter ASSASSIN’S CREED BLACK FLAG-Soundtrack, der Rausschmeißer und Titeltrack SUNSET ON THE GOLDEN AGE als immerhin etwas ausgefeilterer Titel mit Überlänge und entsprechenden Variationen – hier geht das ALESTORM-Konzept wieder auf. Insgesamt aber wirken die Melodien dezent verbraucht, ebenso wie die explizite Piraten-Attitüde – und die eigentlichen musikalischen Elemente (vor allem die Gitarren) wenig grandios. Vielleicht war es des Mets doch etwas zu viel… oder zu wenig, je nachdem aus welcher Sicht man es betrachtet.

Absolute Anspieltipps: MEAD FROM HELL, QUEST FOR SHIPS, SUNSET ON THE GOLDEN AGE


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„Dieses Mal ist der Schwung raus.“

ALESTORM – Drink (Official Video)

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Na dann: dreimal Prost.

Analog zum bald erscheinenden Alestorm-Album SUNSET ON THE GOLDEN AGE (Link) wurde kürzlich ein offizielles Musikvideo über Napalm Records veröffentlicht, dass die Schotten wieder einmal bei ihrer Lieblingsbeschäftigung zeigt: dem Trinken. Kombiniert mit einer gehörigen Portion Piraten-Attitüde und ein paar erst ängstlichen, bald darauf aber feucht-fröhlich vergnügten Damen ergibt sich so ein Musikvideo, dass sich sehen lässt. Ob das Ganze eine musikalische Weiterentwicklung darstellt, sei indes einmal dahingestellt… warten wir das Album ab.