Metal-CD-Review: IN VICTORY – Uplifting Metal (EP, 2019)

Alben-Titel: Uplifting Metal (EP)
Künstler / Band: In Victory (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 04. Januar 2019
Land: Schweden
Stil / Genre: Symphonic Power Metal
Label: Keins / Independent

Alben-Lineup:

Jimmy Mattsson – Bass
Topias Kupiainen – Drums
Mattias Lindberg – Vocals
V M-M – Guitars

Track-Liste:

1. You Are the One (03:41)
2. Hymn of Absolute Glory (03:57)
3. Our Way (03:35)

Das hebt die Laune – nicht nur von königlichen Hofnarren.

Nanu, wen oder was haben wir denn da ? Mit IN VICTORY präsentiert sich dem geneigten Power Metal-Konsumenten eine augenscheinlich taufrische Genre-Band aus dem hohen Norden, die mit der vorliegenden EP UPLIFTING METAL ihre erste kurze Werkschau vorlegt. Was man nicht auf den ersten Blick sieht ist, dass die Schweden eigentlich schon seit 2013 unterwegs sind – und bereits einige kleinere Veröffentlichungen an den Start gebracht haben. Dennoch könnte man in diesem Fall durchaus von einer Neugründung, oder eher einer zukunftsorientierten Reaktivierung sprechen – den immerhin scheint sich das angestammte Band-Mastermind Victor Gonzales alias V-M-M erst kürzlich (und das explizit gen Norden) aufgemacht zu haben, um eine neue Schar an Mitgliedern zu rekrutieren. Neben dem aus Schweden stammenden Jimmy Mattsson (PLANET RAIN, ex-LOCH VOSTOK) und dem aus Finnland dazugestoßenen TOPIAS KUPIAINEN (ARION) findet sich so auch eine echte Überraschung im neu aufgestellten Lineup – schließlich hätte wohl niemand damit rechnen können, dass ausgerechnet Mattias Lindberg (ROYAL JESTER) die Vocals übernimmt.

Immerhin hatte sich der Sänger nach den Aufnahmen zum ROYAL JESTER-Debütalbum NIGHT IS YOUNG (siehe Review) und seiner Mitwirkung bei REINXEED (hier interessanterweise am Bass) aus der Szene zurückgezogen. Nun aber, und analog zum kürzlich erschienenen zweiten ROYAL JESTER-Albums BREAKING THE CHAINS (Review) scheint es der Schwede noch einmal wissen zu wollen – und gibt folglich auch im Rahmen der insgesamt drei Titel der EP UPLIFTING METAL den Ton an. Die damit verbundene Besonderheit folgt sogleich, denn: über das wie seiner Darbietung könnte man durchaus streiten. Anders gesagt: am Gesang des Schweden könnten, nein werden sich die Geister scheiden – wobei man tatsächlich auch hinreichend Argumente für die eine oder andere Seite finden könnte. So scheint der Sänger tatsächlich dezente Probleme mit der richtigen Aussprache und Intonation zu haben – was insbesondere beim Auftakt zur (übrigens passend betitelten) HYMN OF ABSOLUTE GLORY auffällt. Und auch an das des öfteren vorkommende Changieren zwischen tieferen und höheren Gesangslagen muss man sich vielleicht erst gewöhnen.

Andererseits – und glücklicherweise überwiegt die hier gemeinte Gegenseite – ist es schlicht eine willkommene Abwechslung, einen technisch vielleicht nicht ganz perfekten Leadsänger auf die Lauscher zu bekommen. Einen, der dafür umso mehr hinter seiner Performance steht, sie mit dem nötigen Nachdruck und der nötigen Glaubwürdigkeit versieht – und es so erst Recht schafft, dass man ihm gerne zuhört. Zumal, und das muss man ihm lassen; nichts wirklich schief klingt – oder so, dass es gewisse Schmerzen verursachen könnte (wie etwa bei der neuesten Scheibe von TALES OF GAIA). Vielleicht findet sich der passende Ausdruck für dieses stimmliche Phänomen am ehesten im englischen, oder anders gesagt: wenn jemand eine perfect imperfection lebt (und mit der Hörerschaft teilt), dann ist es Mattias Lindberg. Selbstverständlich geht es auf UPLIFTING METAL aber nicht nur um den Gesang – auch wenn der das auffälligste Merkmal ist. Nein, auch Bezug auf die Kompositionen und die Inszenierung des explizit symphonisch angehauchten Sounds haben IN VICTORY einiges interessantes anzubieten – was sich bereits beim Opener YOU ARE THE ONE bemerkbar macht, und spätestens in der tatsächlich absolut hymnischen HYMN OF ABSOLUTE GLORY entfesselt wird.

Seien es die rhythmisch-furiosen Gitarren, der prägnante Sound der Drums, der Bass oder die gut platzierten Keyboard-Elemente – man merkt in diesem Fall schnell, dass einiges an Erfahrung (und natürlich auch Können) investiert wurde. Und vor allem auch, dass das Vorhaben auch im letztendlichen Mix recht gut aufgeht. Gut, den Bass hätte man vielleicht noch etwas vordergründiger platzieren können – doch davon abgesehen gibt es kaum etwas zu mäkeln. Im Vergleich zu einstweilen ähnlich hymnisch agierenden Bands wie etwa TWILIGHT FORCE klingen IN VICTORY jedenfalls recht kernig – was aufzeigt, dass auch ein symphonischer Power Metal einiges an Bumms mitbringen kann. Wenn, ja wenn man es denn nur richtig macht. Übrigens, wenn man schon eine Band wie TWILIGHT FORCE zu hier durchaus angebrachten Vergleichszwecken zurate zieht (man lausche nur einmal dem Solo in OUR WAY), so müsste man noch mindestens eine weitere hinzuziehen: CAIN’S OFFERING. Schließlich haben auch IN VICTORY eine durchaus nennenswerte emotionale Komponente (speziell bei YOU ARE THE ONE), die das Ganze mit einem gewissen Tiefgang garniert.

Neben der schieren Wirkungskraft der Kompositionen, dem ebenso ungewöhnlichen wie charmanten Leadgesang und dem Talent der einzelnen Mitglieder ist es so eben jene spezielle Fusion aus hymnisch-schmetternden (und manchmal auch etwas verspielten) symphonischen Klängen und einer dennoch vergleichsweise tief schürfenden emotionalen Ausstaffierung, die IN VICTORY zu etwas ganz besonderem macht. Oder eher: zu etwas ganz besonderem machen könnte, sollte noch ein vollwertiges Album folgen. Dies wäre der Combo – und natürlich auch der Hörerschaft – allemal zu wünschen.

Absolute Anspieltipps: YOU ARE THE ONE, HYMN OF ABSOLUTE GLORY, OUR WAY


„Sicher könnte man hier und da Verbesserungsvorschläge machen – letztendlich aber überwiegt das Verlangen nach noch mehr Material der Marke IN VICTORY; womit die EP ihre Daseinsberechtigung allemal erfüllt hat.“

Metal-CD-Review: FIONN LEGACY – Knights Of The Sky And Wind (2018)

Alben-Titel: Knights Of The Sky And Wind
Künstler / Band: Fionn Legacy (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 25. November 2018
Land: Mexiko
Stil / Genre: Symphonic Power Metal
Label: Keins / Independent

Alben-Lineup:

J.P Mask – Composer, Lyrics
Rodrigo Espinosa – Lead Vocals
Vitor Veiga – Guest Vocals
Lean van Ranna – Guest Vocals

Track-Liste:

1. Star Tales (01:07)
2. Knights of the Sky and Wind (04:49)
3. Valley of the Lyzards (04:05)
4. Spirit of Dryads (05:54)
5. The Traitor (05:26)
6. The Last Battlecry (07:23)
7. The Fall of a Hero (04:03)

Hier sind sie, die mexikanischen Nachwuchs-Ritter.

In der Tat, und ohne etwas über die qualitativen Merkmale des zu behandelnden Liedguts vorwegzunehmen: eigentlich hat man von einem Release wie KNIGHTS OF THE SKY AND WIND nur träumen dürfen. Immerhin scheint die Band schon vor längerer Zeit gegründet worden sein, ohne dass es jemals zu einem wirklich handfesten Lebenszeichen kam. So lag es eigentlich nur an einer einzigen auf Youtube veröffentlichten Single (VALLEY OF THE LIZARDS, siehe Link) lag, dass man überhaupt etwas von der potentiell hochkarätigen Power Metal-Combo aus Mexiko mitbekommen hat. Nun aber scheint das Projekt des hiesigen Band-Masterminds J.P. MASK langsam aber sicher Gestalt anzunehmen – und zwar in Form des ersten offiziellen Albums KNIGHTS OF THE SKY AND WIND. Leicht überraschend ist, dass es lediglich 7 Titel bei einer knappen Gesamtspielzeit von gut 32 Minuten enthält – oder eher 6, zumindest wenn man das ebenso kurze wie grundsätzlich zu vernachlässigende instrumentale Intro STAR TALES ausklammert. Natürlich erhöht das den Druck, und das in einem nicht ganz unerheblichen Maße – schließlich hat die Band so nicht viel Zeit, den Hörer von sich und dem hoffentlich vorhandenen Können zu überzeugen.

Bevor es soweit ist kommt es allerdings zu einer weiteren, sich nicht zwangsläufig positiv auswirkenden Besonderheit: es sind insgesamt 3 Sänger vertreten. Immerhin, Rodrigo Espinosa gehört der Stammbesetzung der Band an – doch Vitor Veiga (unter anderem bekannt als ex-Sänger von AQUARIA) und Lean van Ranna sind lediglich als Gastsänger geladen. Dies im Zusammenspiel mit der Tatsache, dass offenbar auch an der Instrumentenfront einige sogenannte Session-Musiker verpflichtet wurden; lässt die aktuellen FIONN LEGACY eher nicht wie eine vollwertige Band wirken – sondern wie ein zwar fleischgewordenes, aber eben noch nicht vollständig ausgereiftes Konzept. Das trifft im übrigen auch auf das letztendlich feilgebotene musikalische Material zu – das ebenfalls einen dezent unfertigen Eindruck hinterlässt. Sicher, grundsätzlich gehen die 6 Titel allesamt als solide Power Metal-Nummern durch – die dazu noch einen angenehmen Hang zum symphonischen haben und wie im Opener und Titeltrack KNIGHTS OF THE SKY AND WIND mit dem nötigen Nachdruck versehen wurden. Ja, FIONN LEGACY haben sogar extra einen eigenen kleinen Chor gegründet – der vor allem in den Refrains, hie und da aber auch in den Strophen zu hören ist.

Das klingt alles recht gut und ist es auch – aber eben (noch) nicht mehr. Sollten FIONN LEGACY wirklich in der Power Metal-Szene mithalten wollen, und das auch auf internationaler Ebene inklusive aller sich daraus ergebenden Vergleichsmöglichkeiten; werden sie noch an der ein oder anderen Schraube drehen müssen. Es beginnt damit, dass die sich auf den allgemeinen Sound des Albums auswirkenden Ergebnisse aus der Warte der Aufnahme, Abmischung und Produktion längst nicht perfekt sind (auch wenn man das von einer Independent-Produktion nicht unbedingt erwarten kann), zieht sich über den nicht gerade herausragenden und manchmal sogar explizit schief klingenden Leadsänger Rodrigo Espinosa – und mündet in der Tatsache, dass auch in Bezug auf die Instrumente noch einiges gehen könnte. Das gilt vor allem für das etwas zu dröhnend klingende, sonst aber eigentlich recht unspektakuläre SPIRIT OF DRYADS mit dem Gastauftritt von Vitor Veiga – und andererseits auch für das im direkten Vergleich absolut überladene THE TRAITOR; bei dem die Symbiose aus dem relativ grellen Gesang, dem laut scheppernden Schlagzeug und den so gesehen schwer zu verdauenden Elementen seitens des Keyboards (und des Chores) einfach nicht aufgeht.

Schlussendlich: für eine erste offizielle Werkschau eignet sich KNIGHTS OF THE SKY AND WIND durchaus, doch zu einem Dauerbrenner oder Geheimtipp kann es aufgrund der eben genannten Aspekte nicht avancieren. Freunde eines eher klassischen Power Metals der frühen 2000er Jahre sollten ruhig mal einen Blick riskieren, und wer weiß – vielleicht schaffen es FIONN LEGACY ja auf einem potentiellen zweiten Album, vollends zu überzeugen. Da dürften es dann auch gerne noch mehr Titel vom Schlage eines dezent an THY MAJESTY erinnernden THE LAST BATTLECRY sein – mit dem nötigen, noch nachzuholenden Feinschliff versteht sich.

Absolute Anspieltipps: KNIGHTS OF THE SKY AND WIND, VALLEY OF THE LIZARDS, THE LAST BATTLECRY


„Auch wenn der Held des Cover-Artworks bereits abgehoben ist – da ist noch ordentlich Luft nach oben.“

Metal-CD-Review: RUNELORD – The Battle For Greatness (2018)

Alben-Titel: The Battle For Greatness
Künstler / Band: Runelord (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 04. Dezember 2018
Land: Schweden
Stil / Genre: Heavy / Power Metal
Label: Keins / Independent

Alben-Lineup:

Ced – All instruments
Georgy Peichev – Vocals

Track-Liste:

1. Worthy Valhalla (03:45)
2. Temple of Vitalism (05:42)
3. Nidhuggs Curse (04:41)
4. Heimdall the Wizard (04:23)
5. Salvation Aggression (04:57)
6. Cunning Man (03:26)
7. Lightning-sword Bearer (03:56)
8. Frampärk Champions (03:21)
9. Age of Necromancy (05:09)
10. Deathrune (05:53)

Kampfansagen wie diese werden einfach niemals alt.

Nanu, was ist denn da los ? Gerade einmal 8 Monate, nachdem die schwedischen Power Metaller von RUNELORD ihr erstes offizielles – und dabei keinesfalls zu verachtendes – Studioalbum A MESSAGE FROM THE PAST veröffentlicht haben (siehe Review); folgt mit dem heute zu Rezensionszwecken vorliegenden THE BATTLE FOR GREATNESS auch schon der zweite Langspieler aus der hiesigen Metal-Schmiede. Einer Schmiede, die eigentlich nur aus zwei Mitgliedern besteht – die trotz der noch frischen Bandgründung von RUNELORD alles andere als Newcomer sind. Der ebenso markant agierende wie stimmkräftige Leadsänger Georgy Peichev etwa ist sonst in eher härteren Gefilden unterwegs, und singt schon seit einigen Jahren in den Thrash-Metal-Combos MOSH-PIT JUSTICE und THE OUTER LIMITS – und der bei RUNELORD überraschenderweise für alle Instrumente verantwortliche Ced (eigentlich: Cederick Forsberg) ist ein wahres Multitalent, wenn es um die Mitwirkung bei diversen anderen Combos geht. Dies gepaart mit der Tatsache, dass RUNELORD eine eher retrospektiv orientierte Combo mit einem Hang für die frühen Jahre des Heavy Metal sind; sollte eigentlich einen entsprechend angenehmen Musikgenuss garantieren.

„We are true to gods of religion, always fought for heathendom, knowing wisdom – carving runes.“

Und genau das ist – glücklicherweise – auch der Fall. Bekanntlich war schon das Debütalbum alles andere als von schlechten Eltern, und auch auf THE BATTLE FOR GREATNESS legen die beiden hauptverantwortlichen Musiker ordentlich los. Interessanterweise scheint es dabei kaum eine Rolle zu spielen dass zwischen den beiden Alben erst wenige Monate liegen: RUNELORD haben offenbar ausreichend Ideen in Petto, um sich nicht vorschnell zu wiederholen. So erwartet den Hörer auch dieses Mal ein klassisch angehauchter, eher gradliniger und explizit auf den Sound der Gitarren und die Stimme des Leadsängers Georgy Peichev ausgelegter Metal der guten alten Schule – was unter anderem auch den Wegfall eines Keyboards sowie eine deutlichere Präsenz des Bass beinhaltet. Im Zusammenspiel mit der ordentlichen Produktion entsteht so schnell das Gefühl einer, man nenne es urtümlichen Schroffheit – und durchaus auch Ehrlichkeit. Anders gesagt: das, was RUNELORD hier unter anderem auf dem Cover-Artwork versprechen, wird auch im musikalischen Sinne eingehalten. Und das ohne, dass man allzu vorhersehbare Elemente erwarten müsste; wovor andere Combos mit einem entsprechenden Fantasy-Bezug bekanntlich eher selten Halt machen. Sicherlich, auch RUNELORD haben einiges für das Genre absolut typisches im Gepäck; vor allem was die Textinhalte betrifft – aber in diesem Fall fällt dies dank einer entsprechend gut konstruierten Verpackung nicht allzu sehr auf.

„Throughout every land, men takes a stand, blessed by the gods of the universe
With minds of metal and nerves of steel, we ride into battle, we know what is real.“

Und gerade deshalb kann ein Album wie THE BATTLE FOR GREATNESS durchaus – und im wahrsten Sinne des Wortes – mächtig klingen. Hauptsächlich dafür verantwortlich dürfte das höchst gelungene Songwriting sein, dass einen jeden einzelnen Titel sowohl enorm stilsicher erscheinen als auch mit reichlich Abwechslung daherkommen lässt – und in den richtigen Momenten (wie etwa im beschwingten NIDHUGG’S CURSE) auch eine gewisse Hymnen-Tauglichkeit nicht vermissen lässt. Wem selbst das (noch) nicht reicht, der könnte sich eventuell am relativen Schunkel-Potential von Nummern wie HEIMDALL THE WIZARD erfreuen – das dezent an BLIND GUARDIAN erinnert, und trotz aller verspielten Elemente einer gewissen Grundhärte nicht entbehrt. Doch natürlich ist auch ein Album wie THE BATTLE FOR GREATNESS nicht gänzlich vor Schwächen gefeit. Das allein in rhythmischer Hinsicht höchst gewöhnungsbedürftige SALVATION AGGRESSION etwa macht keine wirklich gute Figur – und auch in gesanglicher Hinsicht hätte es ruhig noch etwas mehr Abwechslung (oder vielleicht auch Vielfalt) geben dürfen. Irgendwann könnte man sich was die Stimme von Georgy Peichev betrifft schließlich dezent sattgehört haben, oder anders gesagt: so markant er auch tönt, aufregende Stimm-Spagate klingen anders.

„We bring the Deathrune, total dominion, from the past, runic heavy metal forever.“

Power Metal-Konsumenten, die auf der Suche nach einem musikalisch nicht ganz so ausschweifenden und ebenso ehrlich wie bodenständig klingenden Fantasy-Album mit einem vergleichsweise unverwechselbaren Leadgesang sind; sollten aber in jedem Fall einmal genauer hinschauen – und den Recken von RUNELORD eine Chance geben.

Absolute Anspieltipps: WORTHY VALHALLA, NIDHUGG’S CURSE, HEIMDALL THE WIZARD, FRAMPARK CHAMPIONS


„Auch im überraschend schnell nachgelegten zweiten Anlauf geht das Konzept auf.“

Metal-CD-Review: FROZEN LAND – Frozen Land (2018)

Alben-Titel: Frozen Land
Künstler / Band: Frozen Land (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 07. Dezember 2018
Land: Spanien
Stil / Genre: Symphonic Power Metal
Label: Keins / Independent

Alben-Lineup:

Aki Kuokkanen – Drums
Tuomas Hirvonen – Guitars
Lauri Muttilainen – Keyboards
Tony Meloni – Vocals
Juhana Heinonen – Bass

Track-Liste:

1. Loser’s Game (04:26)
2. Delusions of Grandeur (03:20)
3. The Fall (05:02)
4. Underworld (Manala) (05:16)
5. The Rising (04:36)
6. Unsung Heros (04:30)
7. Orgy of Enlightenment (04:27)
8. Mask of the Youth (04:42)
9. I Would (04:42)
10. Angels Crying (E-Type cover) (03:50)

Mach‘ das Fenster zu, mich fröstelts.

Der Winter ist da – nur nicht (mehr ?) inmitten eines dezemberlichen Deutschlands. Um wenigstens ein bisschen in stimmung zu kommen – und zu verdrängen, dass das Wetter zu den hiesigen Feiertagen alles andere als weihnachtlich ausfällt – kann man immerhin auf ein Album wie das heute zu Rezensionszwecken vorliegende FROZEN LAND zurückgreifen. Hierbei handelt es sich um das Debütalbum einer bis dato unbekannten Power Metal-Combo aus den Tiefen Finnlands, die zuvor nur mit einer knappen Demo (LOSER’S GAME aus dem Jahre 2017) in Erscheinung getreten ist und nun offenbar alles daran setzt, in der Welt gehört zu werden. Passenderweise wurde die Band beim ebenso bekannten wie renommierten Genre-Label Massacre Records unter vertrag genommen – und sollte damit auch einige Chancen haben, eben dieses Ziel zu erreichen. Die weiteren Voraussetzungen sind schnell geklärt: drei der fünf Bandmitglieder haben bereits Erfahrung in anderen Projekten sammeln können (der hiesige Drummer Aki Kuokkanen etwa schlägt auch bei den finnischen Kollegen von ASTRALION zu), die angepeilte Spielart ist ein klassischer Power Metal der guten alten europäischen Schule – und das anberaumte Konzept ebenso simpel wie effektiv.

Damit erinnern FROZEN LAND – die sowohl in Bezug auf das Alben-Cover wie auch den Alben-Titel ruhig etwas mehr Einfallsreichtum an den Tag hätten legen können – einstweilen an einige der stärkeren und für die Entwicklung des Genres zweifelsohne wichtigen nordischen Combos, wie sie speziell um die späten 90er und frühen 2000er Jahre herum zu hören waren. SONATA ARCTICA’s Debütalbum ECLIPTICA (siehe Review) etwa bietet sich hier zwecks eines erstaunlich passenden Vergleichs an, oder aber das Schaffen der italienischen Kollegen von LABYRINTH – zumal es auch FROZEN LAND verstehen, eine grundsätzlich perfekt aufgehende Balance aus temporeichen und schlicht enorm mitreißenden Brechern (der Opener LOSER’S GAME, das spätere THE RISING oder das energetische MASK OF THE YOUTH) sowie deutlich ruhigeren Stampfern (THE FALL) oder gar expliziten Balladen (I WOULD) zu etablieren. Dass letztgenannte dabei zu den am ehesten zu vernachlässigenden Momenten des Albums gehören, ist keine allzu große Überraschung – aufgrund dessen, dass nur die wenigsten Combos wirklich gute Balladen schreiben und präsentieren können; aber noch lange kein KO-Kriterium.

So spielen FROZEN LAND ihre Stärken vornehmlich dann aus, wenn sie in Bezug auf die an den Tag gelegten Härte und Spielfreude etwas deutlicher anziehen – was nicht ausschließlich, aber natürlich insbesondere für die flotteren Titel des Albums gilt. Die sind – und das nicht zuletzt aufgrund der äußerst gelungenen Refrains und Soli-Parts – fast schon Selbstläufer, während es mit Nummern wie DELUSIONS OF GRANDEUR, dem leicht folkig angehauchten UNSUNG HEROES oder der (lüsternen ?) ORGY OF ENLIGHTENMENT erst so richtig interessant wird. Hier zeigen FROZEN LAND dann auch tatsächlich – und mit Bravour – auf, was hinsichtlich ihrer handwerklichen Sicherheit und auch musikalischen Bandbreite in ihnen steckt. Das gilt im übrigen auch für Tony Meloni, den angestammten Leadsänger der Band – dessen Name und Herkunft zunächst eher weniger gutes vermuten lässt. Aber selbst in Anbetracht dessen, dass er nicht zu den besten Sängern des Genres gehört und sich mit der bereits erwähnten Ballade keinen allzu großen Gefallen getan hat; macht er hier insgesamt einen mehr als annehmbaren Job – und sorgt zusammen mit den ebenfalls nicht zu verachtenden Fähigkeiten der anderen Mitglieder dafür, dass dem geneigten Genre-Konsumenten beim Genuss eines Albums wie FROZEN LAND eben kein eisiger Schauer über den Rücken läuft.

Das gilt im übrigen auch für die allgemeine Abmischungs- und Produktionsqualität, die einen recht guten Eindruck macht. Mit ein oder zwei kleinen Ausnahmen – denn schließlich klingt der Leadgesang nicht immer wirklich; man nenne es direkt und unmittelbar. Stattdessen scheint es so, als wären hier eventuell einige zusätzliche Filter zum Einsatz gekommen – oder andere Maßnahmen, die den besagten Tony Meloni manchmal so klingen lassen als stünde er ein paar Meter von seinen Bandkollegen entfernt. Und auch der durchaus gut gespielte Bass hätte ruhig noch etwas vordergründiger im Mix platziert werden können. Glücklicherweise aber handelt es sich um insgesamt zu verschmerzende Feinheiten, die FROZEN LAND beim nächsten Mal (und bei einem potentiellen Nachfolge-Album) sicher ohne größere Probleme abstellen könnten. Es ist daher unbedingt notwendig – und sicher auch für alle Seiten zum Vorteil – die Band weiterhin im Auge zu behalten.

Absolute Anspieltipps: LOSER’S GAME, DELUSIONS OF GRANDEUR, UNSUNG HEROES, MASK OF THE YOUTH


„Ein super-solides Genre-Album, das Lust auf mehr macht.“

Metal-CD-Review: DARK MOOR – Origins (2018)

Alben-Titel: Origins
Künstler / Band: Dark Moor (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 07. Dezember 2018
Land: Spanien
Stil / Genre: Symphonic Power Metal
Label: Keins / Independent

Alben-Lineup:

Enrik García – Guitars
Alfred Romero – Vocals
Daniel Fernández – Bass
Roberto Cappa – Drums

Track-Liste:

1. Birth of the Sun (04:31)
2. The Spectres Dance (03:25)
3. Crossing Through Your Heart (03:49)
4. Raggle Taggle Gypsy (02:44)
5. In the Middle of the Night (03:52)
6. And For Ever (04:25)
7. Druidic Creed (03:25)
8. Iseult (04:16)
9. Mazy (03:04)
10. Holy Geometry (04:30)
11. Green Lullaby (02:42)

Von Ursprüngen, die keine sind.

Nein – eigentlich hat man nicht mehr wirklich damit rechnen können, dass sich DARK MOOR alsbald mit einem neuen Studioalbum zurückmelden. Und das vornehmlich, da die Karriere der Spanier dank ihres letztaktuellen – und zugegebenermaßen in vielerlei Hinsicht desaströsen – Albums PROJECT X aus dem Jahre 2015 (siehe Review) schon grundsätzlich am Ende schien. Und wer weiß – vielleicht hätte wirklich schon Schluss sein können, Schluss sein sollen mit der Geschichte der einst von der starken Frontfrau Elisa C. Martin (HAMKA) angeführten Genre-Pioniere – die ihre Blütezeit klar zu Beginn der 2000er Jahre hatten. Denn, und das bleibt bei einem näheren Betrachten der hiesigen Diskografie nicht lange ein Geheimnis: irgendetwas ist nach dem noch relativ guten ANCESTRAL ROMANCE (Review) aus dem Jahre 2010 mit der Band geschehen. Etwas, das sowohl mit der stilistischen Ausrichtung der Band als auch speziell mit dem Werdegang des 2003 akquirierten Frontmanns Alfred Romero in Verbindung steht – der seit einigen Jahren schlicht kaum wiederzuerkennen respektive nur noch ein Schatten seiner selbst (oder eher seiner früheren Gesangsleistung) ist. Was genau das ist oder welches die Gründe für einige der offensichtlich fälschlicherweise getroffenen Entscheidungen gewesen sein könnten – das wissen wohl nur die Mitglieder von DARK MOOR selbst. Zumindest ist das zu hoffen. Wobei, und das sei an dieser Stelle erwähnt; sicher niemand ernsthaft erwartet – geschweige denn es generell erwarten kann – dass die Spanier jemals wieder zu ihren alten Glanzzeiten zurückkehren.

Betrachtet man das Schaffen einiger anderer, ebenfalls langjährig aktiver Genre-Combos; scheint das auch gar nicht nötig. Zumindest prinzipiell – und wenn, ja wenn man sich nur nicht derart verirrt wie nun eben DARK MOOR. Entsprechend wenig überraschend ist dementsprechend, dass es die Spanier auch mit ihrem aktuellen ORIGINS nicht mehr schaffen, das Ruder nennenswert herumzureissen – auch wenn der Alben-Titel selbst durchaus in Richtung einer, man nenne es stilistischen Ursprungssuche interpretiert werden könnte. Doch dem ist leider nicht so. Viel eher bezieht sich der Begriff ORIGINS hier auf eine allgemein klassisch orientierte Herangehensweise, die sich vor allem hinsichtlich der angepeilten Spielart bemerkbar macht. Will heißen: DARK MOOR überhaupt noch als Power Metal-Combo zu bezeichnen fällt zusehends schwerer, ja; wird in Anbetracht der auf ORIGINS offerierten Klänge schier unmöglich. Die Zeiten, in denen sich die Spanier in mehr oder weniger symphonisch angehauchten Gefilden des Genres bewegten; scheinen jedenfalls endgültig vorüber. Anders gesagt: anstelle des wohligen, unverwechselbaren und für immer in Erinnerung bleibenden Sounds von Alben wie THE GATES OF OBLIVION (Review) tritt nun eine; gelinde gesagt etwas andere Klangkulisse – eine, an die man sich selbst mit bestem Wohlwollen und der Akzeptanz für Veränderungen nur schwerlich gewöhnen kann.

Schlkießlich macht schon der als Videosingle ausgekoppelte Opener BIRTH OF THE SUN klar, wohin die Reise auf und mit ORIGINS gehen soll. So haben sich DARK MOOR auch dieses Mal für einen insgesamt eher weichen, vielleicht sogar am ehesten im Bereich des Soft- beziehungsweise Radiorock zu verortenden Stil entschieden. Einen, der leider kaum Alleinstellungsmerkmale hat – und bei dem selbst die gut gemeinten Folk-Elemente grundsätzlich in einer schier endlosen Langeweile verpuffen. Ein gutes Beispiel dafür ist sicher auch das gleich auf den Opener folgende THE SPECTERS DANCE, das irgendwo (das heißt: so unterschwellig wie es nur irgendwie möglich ist) eine mitreißende Wirkung hat – insgesamt aber so langatmig, simpel und eintönig klingt dass es schmerzt. Und es geht weiter, denn: während schon das lahme CROSSING THROUGH YOUR HEART kaum Punkte sammeln kann – erst recht nicht in Anbetracht der absoluten, zu DARK MOOR einfach nicht passenden Radiotauglichkeit – wird es mit der Interpretation zu RAGGLE TAGGLE GYPSY erst so richtig düster. So verquer wie hier hat schlicht schon lange keine ehemalige Power Metal-Formation mehr geklungen – dem sich hier recht abenteuerlich gebenden Frontmann Alfred Romero und der peinlich-schwach klimpernden Instrumenten-Fraktion sei Dank. Im direkten Vergleich (und da sie den Titel ebenfalls erst kürzlich eingesungen haben) klingen selbst die nur vermeintlich raubeinigen Seemänner von SANTIANO so, als wären sie in ein Fass voll mit stärkendem Zaubertrank gefallen.

Vielleicht wäre all das nur halb so schlimm, wenn man nur das Gefühl hätte dass DARK MOOR wirklich wüssten was sie da machen – und vor allem auch, dass sie sich nicht in diverse Richtungen verbiegen. So aber klingt und wirkt ein Album wie ORIGINS nur wie ein schlechter Witz. Einem, der einem die Weihnachtszeit gehörig vermiesen könnte. Denn selbst wenn man jegliche stilistische Geschmacksfragen einmal außen vor lässt – oder sich am besten gleich selbst vormacht, dass es sich bei ORIGINS um ein Debütalbum einer bisher unbekannten Indie-Combo handelt – kann das Album einfach nicht bestehen. Der Gründe dafür gibt es schließlich und schlicht zu viele: seien es die einfach nur ärgerlich-schwache Gesangsdarbietung von Alfred Romero, der gefühlt kaum vorhandene Instrumental-Part mit seinem fast schon übertrieben weichen und reichlich unspektakulären Gesamteindruck, die eher belanglosen Texte, die ebenso simplen wie vorhersehbaren Strukturen, die dank der kargen Abmischung und Produktion wenig eindringliche Präsentation, absolut unterirdische Einzel-Nummern wie der Rausschmeißer-Ballade GREEN LULLABY und noch so viel mehr – es scheint, als wären DARK MOOR am Ende. Anders gesagt: wenn schon PROJECT X nicht der Sargnagel für die Karriere der Spanier war, dann ist es spätestens ORIGINS. Auch wenn das aktuell nicht viel hilft: Anfang und Ende sind bekanntlich eins – und die Spanier werden aufgrund ihrer früheren, allemal positiven Genre-Beiträgen in guter Erinnerung bleiben.

Absolute Anspieltipps: /


„Nicht weniger als das endgültige Ende einer Ära.“