Metal-CD-Review: MAJESTY – Legends (2019)

Alben-Titel: Legends
Band: Majesty (mehr)
Veröffentlichung: 28. Juni 2019
Land: Deutschland
Spielart / Stil: Heavy / Power Metal
Label: Napalm Records

Lineup:

Emanuel Knorr – Guitars
Tarek „Metal Son“ Maghary – Vocals, Keyboards
Jan Raddatz – Drums
Robin Hadamovsky – Guitars
Arthur Gauglitz – Bass

Track-Liste:

1. The Will to Believe (01:31)
2. Rizing Home (05:19)
3. Burn the Bridges (04:48)
4. We Are Legends (05:25)
5. Wasteland Outlaw (04:10)
6. Church of Glory (04:30)
7. Mavericks Supreme (05:05)
8. Words of Silence (05:18)
9. Last Brigade (05:19)
10. Blood of the Titans (04:11)
11. Stand as One (03:38)

Von Legenden und solchen, die es gerne wären.

Ja, es gibt sie auch im Bereich des Power Metals: Bands, die man einfach nur lieben oder hassen kann. Und das aus höchst unterschiedlichen Gründen. Vielleicht ja, da sie sich – wie etwa die Kollegen von POWERWOLF oder ALESTORM – auf ein ganz bestimmtes Image versteift haben, und dies natürlich auch in musikalischer Hinsicht ausleben. Vielleicht ja auch, da sie – wie die Recken von TWILIGHT FORCE oder GLORYHAMMER – eine ganz eigene Interpretation des Power Metals gefunden haben, und alles was anderswo als Klischee verschrien wird erst Recht in ihre Kompositionen einbauen. Vielleicht, und das ist das vorerst letzte Beispiel; sind es aber auch Bands wie MANOWAR oder SABATON, die einigen nicht mehr als ein ungläubiges Kopfschütteln verursachen – aber anderswo schier unendliche Begeisterungsstürme auslösen. Wie genau da nun die deutschen Heavy- und Power Metaller von MAJESTY (die immerhin schon seit 1997 unterwegs sind) ins Spiel kommen, bleibt in Anbetracht ihres neuesten Studioalbums LEGENDS auch nicht lange ein Geheimnis.

Anders gesagt: was genau mit MAJESTY – deren Bandname sicherlich schon immer diskutabel war – geschehen ist, vermag man nicht genau zu sagen. Natürlich; grundsätzlich handelte es sich noch nie um eine Band, die mit den ganz Großen des Genres mithalten konnte – oder die überhaupt einen nennenswerten Anspruch hatte, zumindest nicht außerhalb einiger selbst auferlegter Grenzen. Dennoch, und bei aller Einfachheit auch von neueren Alben wie THUNDER RIDER (siehe Review) oder REBELS (Review) konnte man sich eines gewissen, von der Band ausgehenden Spaß- und Unterhaltungsfaktors einfach nicht erwehren. Faktoren, die immer auch unterschwellig darauf hingewiesen hatten, dass die Mitglieder von MAJESTY wissen was sie da tun – und dass sie ihr Handwerk durchaus beherrschen. Grundsätzlich gesprochen versteht sich, und ohne näher auf Faktoren wie den vorhandenen Ideenreichtum oder die Qualität des Songwritings einzugehen. Eben deshalb – und um auf die weiter oben erwähnten Beispiele zurückzukommen – wäre es nur mehr als verständlich, wenn man bei der Beurteilung einer Band wie MAJESTY von einer Art Hassliebe sprechen würde.

Doch nun kommt LEGENDS als mittlerweile neuntes offizielles Studioalbum der Band daher – welches die Grenzen zwischen einer gewollten Überreizung diverser Klischees und einem doch einigermaßen ehrlichen und bodenständigen Sound nicht mehr – und wie bisher – auf eine bestimmte Art und Weise neu auslotet, sondern sich ganz und gar einer Seite hingibt. Wobei es immer schwerer fällt zu sagen, was MAJESTY nun ernst meinen und was nicht – beziehungsweise ob ihnen einige der auf LEGENDS dargebotenen Titel nicht auch selbst peinlich sind. Immerhin, und das ist wohl der mitunter einzige Vorteil des Albums; macht man erst gar keinen großen Hehl aus der eher kruden Gestaltung des Albums. So weist schon das Intro auf das eventuell oder eher sicher zu erwartende hin – wobei man kaum weiß ob es nun die nervige Erzählstimme selbst, der Inhalt oder die im weiteren Verlauf eingestreuten Pop-Elemente sind; welche den entscheidenden Ausschlag geben.

Aber erst danach geht es so richtig los. Während der Opener RIZING HOME trotz des gesanglich nicht unbedingt starken Auftritts von Tarek „Metal Son“ Maghary und den merkwürdigen Background-Shouts noch zu den stärkeren Titeln des Albums gehört, sollte man sich spätestens ab dem dritten Titel des Albums warm anziehen. Seien es explizit an SABATON erinnernde, dabei aber zigmal plumper ausfallende Keyboard-Elemente (BURNING BRIDGES, CHURCH OF GLORY), allzu simple und extrem poppig angehauchte Refrains (nochmal BURNING BRIDGES), seltsame und einfach nicht mit dem Genre zu vereinbarende Gesangseinlagen respektive Experimente (WASTELAND OUTLAW) oder schlicht und ergreifend wahre Alptraum-Nummern wie WORDS OF SILENCE – was hier in MAJESTY gefahren ist, lässt sich kaum erahnen. Und: in Anbetracht einer Nummer wie dieser will man es eigentlich auch gar nicht wissen.

Dass mit LAST BRIGADE eine typische, im Grunde aber recht annehmbare Power Metal-Hymne folgt; spielt dann leider auch keine allzu große Rolle mehr. Analog zum enorm simplen und höchstwahrscheinlich nur in gewissen Rauschzuständen funktionierenden Songwriting bleiben dem Album so nur zwei wirkliche Vorteile: zum einen eine extrem kleine handvoll solider Nummern, sowie zum anderen eine vergleichsweise solide Abmischung und Produktion – was sich für ein Release eines Major Labels aber natürlich auch exakt so gehört. Kurzum: wer schon immer wissen wollte, wie sehr ein Spagat zwischen einer testosterongesteuerten True Metal-Attitüde a’la MANOWAR und den absichtlich in Richtung einer gewissen Einfachheit oder Übertreibung stilisierten Ausflügen anderer Kollegen schiefgehen kann, der sollte sich ein Album wie LEGENDS dringend zulegen.

Anspieltipps: RIZING HOME, LAST BRIGADE


„Ein Album, welches tatsächlich legendär erscheinen mag – aber nur aus ganz bestimmten und wohl eher nicht beabsichtigten Blickwinkeln.“

Metal-CD-Review: DELFINIA – Deep Elevation (2019)

Alben-Titel: Deep Elevation
Band: Delfinia (mehr)
Veröffentlichung: 16. Januar 2019
Land: Ukraine
Spielart / Stil: Melodic Power Metal
Label: Keins / Independent

Lineup:

Daria Naumenko – Keyboards, Vocals (backing)
Konstantin Naumenko – Vocals, Bass

Track-Liste:

1. Deep Elevation (02:14)
2. Loneliness (03:54)
3. The Fate (04:52)
4. The World of Dream (05:00)
5. I’m Here (03:58)
6. Do You Remember (04:04)
7. Heaven (04:48)
8. The Brightest Days (04:48)
9. Call of the Wind (07:59)
10. Eyes of Are Calling (05:34)
11. Autumn Dream (04:21)

Eine Erhebung, über die man stolpern könnte.

Auch wenn die offizielle Bandgründung von DELFINIA auf das Jahr 2013 datiert ist, wäre es kaum verwunderlich wenn bisher nur die wenigsten von der in der Ukraine beheimateten Power Metal-Combo gehört haben. Immerhin gibt es dafür gleich zwei gute Gründe: zum einen, dass die Band bis heute nicht mehr als 3 leicht zu übersehende Singles veröffentlicht hat – und zum anderen, dass es sich so gesehen nur um ein Nebenprojekt eines schon wesentlich bekannteren ukrainischen Genre-Künstlers handelt. Richtig, es geht um niemand geringeren als Konstantin Naumenko – der schon bei einigen Bands nach dem Mikrofon gegriffen hat. Am längsten währt dabei wohl sein Leadgesangsposten bei SUNRISE, den er seit 2003 innehat – wobei er auch mit eher überraschenden gesanglichen Auftritten wie etwa bei TITANIUM’s ATOMIC NUMBER 22 (siehe Review) für Aufsehen sorgen konnte. DELFINIA dagegen, und deshalb die vorangegangene Einstufung als quasi-Nebenprojekt; lässt sich am ehesten als Herzenangelegenheit des Musikers beschreiben – welches er gemeinsam mit seiner Ehefrau Daria Naumenko betreibt.

Ein Neben- oder auch Soloprojekt, welches die Naumenko’s mit einem vergleichsweise geringen Budget betreiben – andererseits aber, und hier kommt den beiden ihr durchaus gewichtiger Name in der Szene zugute; mit zahlreichen Gastauftritten bekannter Kollegen glänzt. Trotz der lediglich zwei festen Bandmitglieder hat DEEP ELEVATION so doch noch ein mehr als stattliches Lineup anzubieten. Weniger überraschend dabei ist, dass natürlich auch einige alte Hasen respektive Weggefährten wie Olaf Thörsen (LABYRINTH), Roland Grapow (MASTERPLAN) oder auch Gunsen (PATHFINDER) auf den Plan treten – was gewissermaßen für eine zusätzliche Qualitätssicherung stehen sollte. Überhaupt nicht rechnen können hat man dagegen mit Auftritten wie dem von Ross Thompson (VAN CANTO), Joakim Leandro Johansson aka Aerendir von TWILIGHT FORCE (Leadgitarre im Titel HEAVEN) oder Aldo Lonobile von SECRET SPHERE (Leadgitarre im Titel EYES OF ARE CALLING) – was das Album zumindest in der Theorie um einiges interessanter machen könnte.

Tatsächlich – und leider – muss man in Bezug auf DEEP ELEVATION auch exakt so vorsichtig sprechen. Schließlich handelt es sich hier um vieles – nur nicht um ein wahnsinnig aufregendes, geschweige denn überhaupt nachhaltig nennenswertes Konzeptalbum. Vielmehr wirkt es so, als würde Konstantin Naumenko (der nicht nur in jedem Titel singt, sondern größtenteils auch den Bass spielt, sich für den Drumsound verantwortlich zeichnet und alle Texte selbst geschrieben hat) trotz seiner offensichtlichen Fähigkeiten eben nicht alles geben respektive aus dem Vollen schöpfen – sondern eher seine über die Jahre gesammelten (Neben-)Ideen, die es warum-auch-immer nicht in seine eigentliche Hauptband SUNRISE geschafft haben; an anderer Stelle aufbereiten. Und das eben nur äußert lauwarm – oder zumindest so, dass man sich auch als Kenner seiner anderen musikalischen Ambitionen nicht wirklich mitgenommen fühlt. Gerade als Kenner, sollte man vielleicht sogar sagen – schließlich bewegt sich seine gesangliche Qualität auf DEEP ELEVATION weit weg von der Ausdruckskraft und Klarheit eines Leadgesangs a’la ATOMIC NUMBER 22.

Doch selbst in Bezug auf das große Ganze – und damit auch mit der Einbeziehung der vermeintlich spektakulären oder zumindest überraschenden Gastauftritte – gibt es auf DEEP ELEVATION nicht viel zu holen. Zum einen, da die bereits erwähnte, man nenne es gefühlte Lustlosigkeit eine entscheidende Rolle spielt – und zum anderen, da sich Naumenko ohnehin fast ausschließlich auf eher balladeske bis vergleichsweise sanft rockende Stimmungen beruft. Dementsprechend spielt es auch keine allzu große Rolle, wer da nun genau an der Leadgitarre (beispielsweise) zugange ist – das recht limitierte Songwriting sowie der gewissermaßen auf ein unspektakuläres Mittel heruntergeschraubte Sound gibt den Gästen keine allzu große Chance, sich zu entfalten. Das gilt im übrigen nicht für den Drumsound, bei dem sich gar nicht erst etwas entfalten könnte – da er komplett aus dem Computer stammt. Immerhin, einen teils knackigen und gut im Mix platzierten Bass gibt es durchaus zu hören – wie etwa in THE FATE oder DO YOU REMEMBER.

Das ändert aber nichts daran, dass ein Großteil der nummern einfach nciht zündet – aufgrund des bereits erwähnten langatmig-balladesken Charakters, aber natürlich auch aufgrund der frappierenden Gleichförmigkeit so gut wie aller Strukturen; insbesondere natürlich der Refrains. Was dem Album bleibt ist die für eine Independent-Produktion allemal gelungene Abmischung und Produktion, der noch immer angenehme Leadgesang von Konstantin Naumenko sowie das hie und da vorhandene Aufblitzen etwas griffigerer Elemente seitens des Bass und der Gitarren (auch in den Soli-Parts). Das reicht zwar nicht, um das Album zu einer Empfehlung avancieren zu lassen – aber generell am Werdegang von Konstantin Naumenko interessierte, sowie eventuell auch Freunde einer deutlich ruhigeren und sanfteren Gangart eines Melodic Power Metals können ruhig mal einen Blick riskieren.

Anspieltipps: THE FATE, THE WORLD OF DREAM


„Einerseits reichlich solide, anspruchsvoll und erwachsen – andererseits (und gefühlt) aber leider nicht mehr als ein Sammelsurium alter und ausgedienter Ideen.“

Metal-CD-Review: BLOODBOUND – Rise Of The Dragon Empire (2019)

Alben-Titel: Rise Of The Dragon Empire
Band: Bloodbound (mehr)
Veröffentlichung: 22. März 2019
Land: Schweden
Spielart / Stil: Power Metal
Label: AFM Records

Lineup:

Fredrik Bergh – Bass, Keyboards
Tomas Olsson – Guitars
Henrik Olsson – Guitars
Patrik J Selleby – Vocals
Anders Broman – Bass
Daniel Sjögren – Drums

Track-Liste:

1. Rise of the Dragon Empire (04:37)
2. Slayer of Kings (05:03)
3. Skyriders and Stormbringers (03:51)
4. Magical Eye (03:51)
5. Blackwater Bay (03:56)
6. Giants of Heaven (04:05)
7. The Warlock’s Trail (03:56)
8. A Blessing in Sorcery (03:51)
9. Breaking the Beast (04:12)
10. Balerion (04:41)
11. Reign of Fire (03:49)

Es packt Dich alle Jahre wieder, das gute alte BLOODBOUND-Fieber.

Wenn es eine schwedische Power Metal-Combo gibt, die schon seit vielen Jahren aktiv ist und bei vielen dennoch eher unter dem Radar fliegt; dann sind das BLOODBOUND. Dabei legen sich die Schweden, die seit 2004 existieren und mit RISE OF THE DRAGON EMPIRE ihr mittlerweile achtes Studioalbum vorlegen; wirklich ins Zeug – musikalisch, aber natürlich auch mit anderen Maßnahmen, die unter Umständen für Gesprächsstoff sorgen. Einzig und allein eine ganz bestimmte Entwicklung könnte einem zu denken geben: BLOODBOUND haben spätestens mit ihrem letztaktuellen WAR OF DRAGONS (siehe Review) einen für sie eher ungewöhnlichen Weg beschritten. Einen, der so nicht unbedingt nachvollziehbar ist – und die ursprüngliche Qualität der Band unter einem ganz anderen Licht erstrahlen lässt. Anders ausgedrückt könnte man auch folgendes sagen: BLOODBOUND hatten (fast) alles, ob nun vor oder direkt nach dem einschneidenden Wechsel des Leadgesangspostens (für Urban Breed kam Patrik J Selleby) im Jahr 2010 – vor allem in Bezug auf eine durchaus vorhandene Einzigartigkeit und einen extrem hohen Wiedererkennungswert.

Nun aber scheinen sich die Schweden – aus welchen Gründen auch immer – dafür entschieden zu haben, einen eher unkomplizierten Weg zu gehen. Einen wenn man so will uninteressanteren, klischeebeladeneren, vielleicht ja auch kommerzielleren. Allein der thematische Schwerpunkt und die Aufmachung von WAR OF DRAGONS und nun eben RISE OF THE DRAGON EMPIRE weisen jedenfalls schwer darauf hin – was schade ist, da man nun nur noch von einer weiteren x-beliebigen Power Metal-Band ausgehen kann, die eher typische Themen bedienen und sich auch musikalisch nicht mehr allzu weit aus dem Fenster lehnen. Gewiss, und immerhin: eine grundsätzliche solide Band, die ihr Handwerk versteht und alles andere als Langeweile versprüht sind BLOODBOUND noch immer. Doch mit dem Genuss von RISE OF THE DRAGON EMPIRE, das insgesamt 11 neue Titel bei einer Gesamtspielzeit von knapp 45 Minuten bereithält; bestätigt sich ein Verdacht: die Musik von BLOODBOUND ist nett, aber letztendlich auch erschreckend belanglos.

Natürlich, es gibt Fälle wo man vielleicht nicht gleich derart harsch austeilen sollte. Im Falle von BLOODBOUND aber kann man – wie sonst nur selten – von einer selbst auferlegten Messlatte ausgehen, die die Schweden einfach nicht mehr erreichen. Dabei würde es doch schon reichen, wenn sie hie und da für ein markantes Aufhorchen sorgen würden – wie etwa auf STORMBORN (siehe Review). RISE OF THE DRAGON EMPIRE aber plätschert relativ gleichförmig vor sich hin – wobei offenbar nur das abgerufen wird, was absolut notwendig ist. Und das spiegelt sich auch in der grundsätzlich den Leadgesang von Patrik Johansson favorisierenden Abmischung und Produktion wider. Klar, Nummern wie BLACKWATER BAY oder GIANTS OF HEAVEN machen einen Heidenspaß. Andererseits aber sind sie verdammt einfach gestrickt, erinnern mehr denn je an das Schaffen von SABATON – und eignen sich einfach nicht dazu, sie nachhaltig für sich entdecken zu können.

Stichwort SABATON: ob BLOODBOUND es nun auf einen direkten Vergleich angelegt haben oder nicht, Titel wie A BLESSING SORCERY klingen einfach zu stark nach den eben erwähnten Kollegen. Mit einem anderen inhaltlichen Schwerpunkt und einem glatteren Leadgesang versteht sich – sowie Elementen, die das Ganze zusätzlich in eine eher harmlose, man will nicht sagen poppige Richtung driften lassen. Kurzum: RISE OF THE DRAGON EMPIRE mag sich gut dafür eignen Live gespielt zu werden, zumal man wie sonst nur selten zum mitsingen und Schunkeln angehalten wird – doch für einen wirklich beeindruckenden, nachhaltig wirkenden Power Metal-Genuss eignet sich das neueste BLOODBOUND-Werk eher weniger.

Anspieltipps: SLAYER OF KINGS, SKYRIDERS AND STORMBRINGERS, BALERION


„Ein grundsolides und enorm kurzweiliges, aber eben auch relativ banales Genre-Album.“

Metal-CD-Review: AXENSTAR – End Of All Hope (2019)

Alben-Titel:  End Of All Hope
Band: Axenstar (mehr)
Veröffentlichung: 26. April 2019
Land: Schweden
Spielart / Stil: Power Metal
Label: Ram It Down Records

Lineup:

Magnus Winterwild – Vocals, Keyboards, Bass
Joakim Jonsson – Guitars
Jens Klovegård – Guitars
Hampus Fasth – Drums

Track-Liste:

1. Legions (03:49)
2. King of Fools (05:41)
3. The Unholy (04:05)
4. Honor and Victory (04:49)
5. A Moment in Time (06:41)
6. My Kingdom Come (05:20)
7. The Dark Age (04:27)
8. Mistress of Agony (05:00)
9. Time Is No Healer (04:36)
10. Of Pain and Misery (06:32)

Die Hoffnung stirbt zuletzt… aber sie stirbt.

Zeit – manchmal vergeht sie wie im Flug. Ganze 5 Jahre soll es nun also schon her gewesen sein, dass die Schweden von AXENSTAR mit einem neuen Studioalbum (damals war das WHERE DREAMS ARE FORGOTTEN, siehe Review) um die Ecke kamen ? Immerhin, einen – wenn zunächst auch nur potentiellen – Vorteil hat das Ganze: AXENSTAR haben sich die Zeit auch genommen. Vielleicht – und im besten Fall – ja auch im Hinblick auf eines der hauptsächlichen Probleme, welches sich beim Genuss der hiesigen Diskografie durchaus (und leider) ergeben könnte. Schließlich – und ohne ein Urteil für das neue Album vorwegnehmen zu wollen – ist einfach nicht zu verhehlen, dass die Schweden seit ihrem gelungenen Genre-Einstieg mit PERPETUAL TWILIGHT (das war 2002, siehe Review) kein Album mehr abgeliefert haben, welches einen ähnlichen Überraschungseffekt hätte etablieren können.

Natürlich sollte man deshalb nicht gleich das gesamte Werk von AXENSTAR über einen Kamm scheren – doch scheint es in diesem Fall tatsächlich ein klein wenig so, dass man mit dem Verzehr eines beliebigen einzelnen AXENSTAR-Albums auch die anderen kennengelernt hat. Zumindest ansatzweise und oberflächlich betrachtet, was Fans der Combo (die sich erst gar keine großartigen Experimente wünschen) zusätzlich zufriedenstellen sollte – wohingegen sich andere schlicht etwas zu schnell satt hören könnten am Sound der Band. Ein Sound, der einen extrem hohen Wiedererkennungswert hat – vor allem aufgrund des Leadgesangs von Magnus Winterwild. Der ist natürlich auch auf dem neuesten Album END OF ALL HOPE wieder mit von der Partie – und das als mittlerweile einziges verbliebenes Gründungsmitglied.

Doch wie genau klingt das neue AXENSTAR-Album, welches mit 10 neuen Titeln und einer Gesamtspielzeit von exakt 51 Minuten um die Gunst der Hörerschaft buhlt ? Immerhin: END OF ALL HOPE klingt nicht wie das eventuell – und im schlimmsten Fall – erwartete Fließbandprodukt aus der AXENSTAR-Schmiede. Man spürt demnach durchaus, dass sich die Schweden ihre Gedanken gemacht, an einigen Stellschrauben gedreht und das ein oder andere Experiment mitgenommen haben. Natürlich, und so experimentell respektive andersartig ist das Album dann eben doch nicht; ohne auf den typischen AXENSTAR-Sound zu verzichten – der dank des unverwechselbaren Leadgesangs von Magnus Winterwild sofort als solcher zu erkennen ist. Fans und Kenner der letzten Alben sollten so also recht schnell warm werden mit den neuen Nummern – was vor allem für den gelungenen Auftakt in Form des hymnischen Openers LEGIONS sowie dem etwas ruhigeren, aber nicht minder soliden Stampfer KING OF FOOLS gilt.

In wie weit AXENSTAR die Auszeit aber tatsächlich bekommen ist, ist eine ganz andere Frage. Denn, und dafür braucht es nicht mehr als einige Minuten Anschauungsmaterial; scheint sich längst nicht alles zum guten entwickelt zu haben. Dabei beginnt die relative Misere eigentlich schon mit dem zwar bemühten, letztendlich aber doch auffallend saft- und kraftlosen THE UNHOLY. Sicher, AXENSTAR sind nicht die einzigen; die hie und da auf Lückenfüller zurückgreifen müssen – doch wenn dann auch noch der darauf folgende, potentiell für einiges entschädigende Uptempo-Track HONOR AND VICTORY so klingt als würden sich AXENSTAR aus irgendeinem Grund zurückhalten, kann irgendetwas nicht stimmen.

Das gilt wohl auch – und gleich komplett – für A MOMENT IN TIME. Kurz gesagt: mit einer Nummer wie dieser haben AXENSTAR nicht weniger als die unerträglichste Ballade der letzten Jahre geschrieben. Schlimmer noch als das absolut belanglose instrumentale Geklimper ist dabei etwas anderes: Leadsänger Magnus Winterwild, der seine Sache bisher immer recht konsequent durchgezogen hat; scheint erstmals auffällig zu schwächeln. Vielleicht könnte man dies noch entschuldigen, wenn es bei dem einen Ausrutscher geblieben wäre – doch auch in den folgenden Titeln zeigen sich weitere Probleme. Dass sich das nicht gut auf ein Album auswirken kann, das ohnehin schon Schwierigkeiten hat einen soliden Endruck zu hinterlassen; versteht sich von selbst.

So können AXENSTAR das Ruder auch im weiteren Verlauf nicht mehr herumreißen. Klar, ein paar nette Riffs sind hie und da zu hören, das Keyboard klingt stimmig und trägt niemals zu dick auf, und das Handwerk an den Instrumenten verstehen die Mitglieder noch immer. Insgesamt aber reicht das – sowie auch die zufriedenstellende Abmischungs- und Produktionsqualität – nicht aus, um END OF ALL HOPE in irgendeiner Form zu retten. Und das ist durchaus eine echte Überraschung. Ein wenig erinnert diese Entwicklung an das Schicksal von CRYONIC TEMPLE – die dereinst auch voll im (Metal-)Saft standen, mit dem letztaktuellen DELIVERANCE (siehe Review) aber auf vielerlei Ebenen versagt haben. Kurzum: Neueinsteiger können sich das Album schenken, Fans können einen Blick riskieren – sollten aber nicht zu viel erwarten.

Anspieltipps: LEGIONS, KING OF FOOLS


„Langatmig, uninspiriert, gesanglich problematisch und einfach nicht auf dem bisherigen AXENSTAR-Qualitätsniveau – man darf hoffen, dass es sich um einen einmaligen Ausrutscher handelt.“

Metal-CD-Review: FRETERNIA – The Gathering (2019)

Alben-Titel: The Gathering
Band: Freternia (mehr)
Veröffentlichung: 14. Juni 2019
Land: Schweden
Spielart / Stil: Power Metal
Label: Rock Of Angels Records

Lineup:

Tomas Wäppling – Guitars
Tommie Johansson – Keyboards
Pasi Humppi – Vocals
Patrik von Porat – Guitars
Nicklas von Porat – Bass
Oskar Lumbojev – Drums

Track-Liste:

1. Intro (01:01)
2. Reborn (04:33)
3. Last Crusade (04:45)
4. The Escape (05:07)
5. In Solitude (04:28)
6. Eye the Shadow of Your Sins (04:55)
7. End of the Line (06:13)
8. Fading World (04:54)
9. Change of Life (05:44)
10. Last Fragments of Sanity (05:44)
11. Dark Vision (05:26)
12. Final Dawn (05:50)
13. Age of War (05:34)

Unverhofft kommt (nicht) oft.

Natürlich, Bands kommen und gehen… und doch ist es einstweilen verwunderlich, warum manche Künstler – und das schlimmstenfalls noch in ihrer musikalischen Blütezeit – plötzlich von der Bildfläche verschwinden. Die Schweden von FRETERNIA könnten wohl kein treffenderes diesbezügliches Beispiel abgeben. Bereits im Jahre 1998 gegründet, schien nach den ersten Demos und dem Debütalbum WARCHANTS & FAIRYTALES (siehe Review) alles auf dem besten Weg für die noch junge Band zu sein. Und tatsächlich: als dann gute zwei Jahre später auch noch das von vielen geschätzte A NIGHTMARE STORY (Review) nachgelegt wurde, konnte man es förmlich spüren: FRETERNIA waren gerade dabei, den Genre-Olymp zu erklimmen. Aber leider nur scheinbar – denn was danach kam, ist bereits Geschichte. Die Band verfiel von heute auf morgen in einen tiefen Schlummer, der auch von einem merkwürdigen zwischengeschobenen Independent-EP-Release (das war 2009) nicht wirklich unterbrochen wurde. Bis heute – denn mit THE GATHERING liegt endlich FRETERNIA’s drittes Studioalbum vor. Und das, man darf es ruhig noch einmal erwähnen; nach sage und schreibe 17 Jahren.

Umso erstaunlicher ist, dass die Band sich selbst und ihrem Stil offenbar weitestgehend treu geblieben ist – und gar nicht erst großartig an der angepeilten Spielart geschraubt hat. Natürlich blieb es nicht aus, dass es nach all den Jahren durchaus zu Besetzungswechseln gekommen ist – doch als wirklich einschneidend sind diese nicht zu bezeichnen. So sind mehrere der ursprünglichen Mitglieder wieder mit von der Partie – allen voran natürlich der für den Wiedererkennungswert von FRETERNIA essentielle Frontmann Pasi Humppi. Diesbezüglich gilt es auch gleich, eine erste wichtige Feststellung zu treffen: Herr Humppi (einigen werden ihn vielleicht noch aus IRONWARE kennen, etwas frischer sind seine Darbietungen bei CROMONIC) hat in all den Jahren nichts von seinen Fähigkeiten – und vor allem auch seiner relativen Einzigartigkeit – eingebüßt. So röhrt er auch heute noch angenehm energisch und kraftvoll – wobei sich die Tatsache, dass er sich in der letzten Zeit absolut rar gemacht hat sogar noch zusätzlich positiv auszuwirken scheint.

Dennoch – und selbst in Anbetracht eines prinzipiell ehrenwerten Rückkehrer-Albums wie diesem – gilt es natürlich auch in diesem Fall, ein klein wenig zu meckern. Mit dem an den Tag gelegten Handwerk der einzelnen Mitglieder oder dem gelungenen Auftakt des Albums haben diese potentiellen Nörgeleien allerdings weniger am Hut – das Intro sowie der (richtiger als Videosingle ausgekoppelte) Opener REBORN schöpfen schließlich aus dem Vollen. Im weiteren Verlauf – und mit der schieren Fülle an Material – ergibt sich jedoch durchaus die ein oder andere Durststrecke. Natürlich – im allgemeinen ist es nur gut und richtig, dass FRETERNIA dem Hörer eine volle Breitseite an neuen Titeln (insgesamt sind es 13 – oder 12, wenn man das Intro abzieht) um die Ohren hauen. Zum anderen aber (und mit einer Gesamtspielzeit von über einer Stunde) konnte man so kaum verhindern, dass sich nicht doch der ein oder anderen Lückenfüller einschleichen konnte. Wobei, und das muss man zugeben; es schwierig ist einzelne Titel auszumachen, auf die man eventuell hätte verzichten können. Vielmehr ist es das Fehlen von wirklichen Highlights, die sich eindeutig und nachhaltig von den anderen Titeln abheben.

So kredenzen FRETERNIA dem Hörer schon am dem dritten Titel (LAST CRUSADE) ein relativ großzügiges Aufgebot an grundsoliden Power Metal-Titeln im Midtempo-Bereich. An und für sich funktionieren selbige auch, zumal FRETERNIA durchaus darauf bedacht waren für Abwechslung zu sorgen – und das etwa in Form von überraschenden Tempi-Wechseln, dezent progressiv angehauchten Strukturen oder auch mal einer leicht düster-symphonischen Komponente (wie bei IN SOLITUDE). Spätestens mit Titeln wie EYE THE SHADOW OF YOUR SINS oder END OF THE LINE wird jedoch klar, dass THE GATHERING insgesamt betrachtet doch etwas zu gleichförmig ausfällt, um wirklich zu begeistern. Das gewisse Etwas scheint FRETERNIA jedenfalls abhanden gekommen sein. Immerhin, mit Titeln wie dem stark mit verschiedenen Stimmungen spielenden FADING WORLD oder dem hymnisch-flotten DARK VISION können die Schweden noch einmal für ein markantes Aufhorchen sorgen – doch davon abgesehen ist einfach etwas zu wenig los auf THE GATHERING. Das mag Kritik auf hohem Niveau sein, und darf auch gerne so aufgefasst werden – ein paar Besonderheiten mehr hätten es dennoch gerne sein dürfen.

Für eine Empfehlung reicht es aber locker, zumal allein das technische Handwerk, die schier perfekte Abmischung sowie die angenehm druckvolle Produktion überzeugen. Am interessantesten sollte das Album aber ohnehin für diejenigen sein, die schon damals FRETERNIA gehört haben – und einfach selbst erleben wollen, wie eine verschollene Band nach 17 Jahren Abstinenz klingt.

Anspieltipps: REBORN, FADING WORLD, DARK VISION, FINAL DAWN


„Ein nicht perfektes, aber ebenso überraschendes wie solides Rückkehrer-Album.“