Filmkritik: „Kill Switch“ (2017)

Filmtyp: Spielfilm (TV-Produktion)
Regie: Tim Smit
Mit: Dan Stevens, Bérénice Marlohe, Charity Wakefield u.a.
Land: Niederlande, Deutschland, USA
Laufzeit: ca. 95 Minuten
FSK: ab 12 freigegeben
Genre: Science Fiction
Tags: Metaphysik | String-Theorie | Energie-Türme | Ressourcen | Zukunft

Pass lieber auf, dass Du nicht den falschen Schalter erwischst.

Inhalt: In der nahen Zukunft scheint der Energiekonzern ALTERPLEX eine bahnbrechende Entdeckung gemacht zu haben. So versprechen die Verantwortlichen, alle Energieprobleme der Erde auf einen Schlag lösen zu können – und das gänzlich ohne potentielle Nebenwirkungen. Die Tatsache, dass die Forscher beabsichtigen dafür eine Art Paralleluniversum anzuzapfen; erscheint jedoch reichlich gewagt – und ruft auch einige Kritiker auf den Plan. Als nach der Inbetriebnahme der Anlage tatsächlich einige Dinge gehörig schief laufen, soll der Physiker und Pilot Will Porter (Dan Stevens) dafür sorgen; dass die Vorrichtung wieder funktioniert – sodass er selbst in das Paralleluniversum geschickt wird, um dort einen speziellen Würfel mit neuen Programmcodes anzubringen. Zumindest glaubt er das. Doch ob der Konzern die seltsame Anlage wirklich reparieren kann oder vielleicht doch einen ganz anderen Plan verfolgt, bleibt zunächst offen…

Kritik: Wie bei Filmen mit metaphysischen Inhalten üblich, ist KILL SWITCH nicht frei von diversen Logik-Problemen – und auch die Figuren bleiben eher blass. Die annehmbare Grundidee, die überraschend effektive optische Gestaltungsarbeit inklusive einiger glücklicherweise nicht zu hektischer First-Person-Ansichten sowie die vergleichsweise dichte Atmosphäre machen den Film jedoch zu einem kleinen Sci-Fi-Geheimtipp – und das nicht nur für Gaming-Fans, die sich einstweilen an die CRYSIS-Spielereihe erinnert fühlen könnten.

Bilder / Promofotos / Screenshots: © Universum Film

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„KILL SWITCH mag der letzte Schliff fehlen – doch gerade in Anbetracht seines Daseins als eher unscheinbare Produktion hat er einen positiven Überraschungseffekt.“

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Filmkritik: „Killer Mountain“ (2011)

Filmtyp: Spielfilm (TV-Produktion)
Regie: Sheldon Wilson
Mit: Emmanuelle Vaugier, Aaron Douglas, Paul Campbell u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 85 Minuten
FSK: ab 12 freigegeben (gekürzte Fassung)
Genre: Science Fiction / Action / Abenteuer
Tags: Berg | Gipfel | Monster | Kreaturen | Jungbrunnen | Jagd

Da hat wohl jemand Höhenluft gekostet. Oder vielleicht doch etwas ganz anderes… ?

Inhalt: Als eine Expedition zum bisher noch nicht von Menschen bestiegenen Berg Gangkhar Puensum in Bhutan plötzlich verschwindet, wird der erfahrene Bergsteiger Ward Donovan (Aaron Douglas) angeheuert um auf Spurensuche zu gehen – und die vermissten im besten Fall wohlbehalten zurückzubringen. Doch schnell scheint es, als würde sich eine von den hiesigen Einheimischen ausgesprochene und zunächst als Unsinn abgestempelte Warnung bewahrheiten. Ihrem Wortlaut nach sollen dort oben Götter hausen, die man besser nicht erzürnen sollte – zumindest nicht, wenn einem das eigene Leben lieb ist. So kommt es, wie es kommen musste: die Crew wird alsbald von seltsamen Kreaturen angegriffen, und die ersten Opfer lassen nicht lange auf sich warten…

Kritik:: Die recht hanebüchene und wenig durchdacht erscheinende Story, die überraschend miserablen CGI-Effekte und das peinliche Overacting machen schnell klar, dass es sich bei KILLER MOUNTAIN um eine schnell realisierte TV-Produktion handelt. Eine Produktion ohne große Ansprüche – die nicht einmal dazu taugt, um im Sinne eines unfreiwillig komischen Filmabends zu unterhalten. So lässt sich der Film getrost auf eine Stufe mit den berühmt-berüchtigten Werken aus dem Hause THE ASYLUM stellen – bei denen bekanntlich ebenfalls gilt, dass man lieber die Finger von ihnen lassen sollte.

Bilder / Promofotos / Screenshots: © Syfy

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„Plump produziert und in fast jeder Hinsicht misslungen – selbst für eine TV-Produktion ist das zu wenig.“

Aufgrund der niedrigen Wertung hat sich dieser Film einen (fragwürdigen) Platz in der Liste der besten und schlechtesten Horrorfilme aller Zeiten gesichert.

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Filmkritik: „Alien: Covenant“ (2017)

Originaltitel: Alien: Covenant
Regie: Ridley Scott
Mit: Michael Fassbender, Katherine Waterston, Billy Crudup u.a.
Land: USA, Großbritannien
Laufzeit: ca. 126 Minuten
FSK: ab 16 freigegeben
Genre: Science Fiction, Horror
Tags: Prometheus | Alien | Sequel | Weltraum | Isolation

Mit diesen Aliens ist nicht gut Kirschen essen.

Kurzinhalt: Eigentlich befindet sich das Forschungs- und Kolonisationsraumschiff COVENANT auf dem Weg zu einem weit entfernten Sternensystem. Ein Zwischenfall jedoch sorgt dafür, dass die Crew aus dem Kälteschlaf erwacht – und kurz darauf ein mysteriöses Notrufsignal empfängt. Da sie eine menschliche Quelle vermuten, beschließen sie der Sache auf den Grund zu gehen. Schließlich könnten sie dabei auch einen bisher durch das Suchraster gefallenen Planten finden, auf dem die Menschheit fortan leben könnte – und sich die eigentlich geplante, noch einige Jahre währende Reise sparen. Auf dem Planten jedoch erwartet die Crew vor allem eines: eine verdächtige Stille, und ein damit einhergehendes ungutes Gefühl. Weiterhin scheinen sich einige Mitglieder mit einer Art Virus zu infizieren – woraufhin die Katastrophe ihren Lauf nimmt…

Kritik: Es war einmal im Jahre 2012, als ein gewisser Ridley Scott den auf die ursprüngliche ALIEN-Filmreihe aufbauenden Science Fictioner PROMETHEUS (siehe Review) auf die Leinwände brachte – und die sich rund um die furchteinflößenden Weltraum-Monster scharende Fangemeinde regelrecht spaltete. Dabei ist dem Regisseur, der schon beim eigentlichen und mittlerweile legendären Auftakt der Reihe (ALIEN aus dem Jahre 1979, Review) maßgeblich beteiligt war; ein durchaus solider Genre-Film gelungen. Einer, der sich dabei weder vor seiner direkten Konkurrenz; noch hinter den nach Teil 2 der Reihe (ALIENS aus dem Jahre 1986, Review) folgenden Sequels verstecken musste. Schließlich konnten Teil 3 (Review) und 4 (Review) den alten Geschichten tatsächlich nichts bemerkenswertes mehr hinzufügen – und wiederholten vielmehr altbekanntes in neuen Umgebungen.

Gute 15 Jahre nach dem letzten ALIEN-Teil lag es somit allein an PROMETHEUS, für eine möglichst stimmige Wiederbelebung des Franchise zu sorgen – und das im besten Fall ohne die Fehler der Vergangenheit zu wiederholen. Und auch wenn einige das Gegenteil behaupten, scheint das Konzept von PROMETHEUS gerade in dieser Hinsicht aufgegangen zu sein – trotz der sicher nicht gänzlich von der Hand zu weisenden Gefahr einer Entmystifizierung des Franchise. Doch da man den Zuschauern endlich wieder mehr als einen weiteren typischen ALIEN-Teil offerieren wollte, schien ein eben solches Wagnis unbedingt notwendig. Tatsächlich aber ist es Ridley Scott hoch anzurechnen, dass er die Gefahr zu viele Erklärungen zu machen weitestgehend umschiffte – und so gesehen eigentlich nur Handlungselemente aufgriff, die schon in den früheren ALIEN-Teilen angedeutet wurden.

PROMETHEUS behandelte damit nicht weniger als den Ursprung der Alien-Rasse, griff scheinbar ganz nebenbei noch die Entstehungsgeschichte der Menschheit auf (wenn auch etwas plakativ und provokant) – und ließ noch mehr als genug Fragen offen. Solche, die das Filmerlebnis zwar weniger in Richtung des typischen ALIEN-Horrors ausfallen ließen – dafür aber eine umso größere Faszination für das gesamte ALIEN-Handlungsuniversum an sich entfachen konnten. Entsprechend heiß erwartet wurde somit auch der zweite Teil des wiederbelebten Franchise, der interessanterweise nicht auf den Titel PROMETHEUS 2 horcht. Doch viel wichtiger ist das ist ohnehin die Frage, ob es ALIEN: COVENANT tatsächlich schafft die angenehme Marschrichtung seines Vorgängers beizubehalten – und auch davon abgesehen ein guter Science Fiction-Film ist.

Unglücklicherweise weicht die zu Anfang gehegte Hoffnung und die Lust auf ein gutes Sequel aber schnell einer eher ernüchternden Feststellung: ALIEN: COVENANT legt schon zu Beginn ein auffällig langatmiges Tempo vor, führt eine nicht gerade markante Charakterkonstellation ein – und scheint auch sonst ein relativ ideenarmer, unspektakulärer, ja wenn nicht gar seelenloser Science Fictioner zu sein. Gründe dafür gibt es einige, wovon sich einer besonders markant auswirkt: grundsätzlich gibt es so gut wie überhaupt keinen Fortschritt in der übergeordneten Handlung, und somit auch keine spektakulären Enthüllungen oder Andeutungen wie noch in PROMETHEUS. Eben solche, die nicht unbedingt zum Nachdenken; aber doch zu einem tieferen Eintauchen in das hiesige ALIEN-Universum einladen. Eher ist das Gegenteil der Fall: vor allem alteingesessenen ALIEN-Fans werden viele der in ALIEN: COVENANT anberaumten Elemente verdächtig bekannt vorkommen.

Dabei bleibt es fraglich, was genau sich bei Ridley Scott und den anderen Verantwortlichen abgespielt hat – denn mit einer derart enttäuschenden und sich bis ins kleinste Detail erstreckenden Misere vom Schlage eines ALIEN: COVENANT konnte wohl niemand rechnen. Sicher, grundsätzlich werden einige typische Elemente der Science Fiction bedient – in Bezug auf das Roboter-Duo David und Nathan sogar recht anschaulich und interessant, wenn auch mit der Gefahr ins dezent Lächerliche abzudriften. Einige recht ästhetische Weltraum-Aufnahmen, ein paar Kamerafahrten über fremde Planeten, eine Prise Creature-Horror und sogar einen waschechten interstellaren Genozid gibt es obendrauf – analog zu einem nicht spektakulären, aber doch grundsoliden technischen Part inklusive vieler annehmbarer CGI-Sequenzen.

Das Problem ist, dass viele dieser Elemente schon in Klassikern wie in Kubrick’s 2001: ODYSSEE IM WELTRAUM (Review) behandelt wurden; und das wesentlich effektiver – und ein Film mit einem ALIEN im Titel seine Stärken hauptsächlich in anderen Bereichen suchen sollte. Gerade das ist hier aber nicht geschehen: alles, was im Sinne der Filmreihe eher als Beiwerk betrachtet werden kann (die eben genannten Aspekte beispielsweise) fallen solide aus – doch der eigentliche Kern, die eigentliche Besonderheit des Franchise verpufft fast vollständig. Natürlich ist das ärgerlich, wobei man sich nie so ganz des Gefühls erwehren kann, als sei dies so gewollt – vielleicht wurde Scott absichtlich zurückgehalten, etwa um nicht zu viel vorwegzunehmen und möglichst viele weitere Sequels zu ermöglichen. Wenn dem so wäre, könnte man immerhin die inhaltliche Stagnation nachvollziehen – wohl aber nicht einige der weiteren begangenen Fehler.

Denn: es kommt wahrlich selten vor, auch heute noch auf eine derart klischeehafte gezeichnete und kontinuierlich stumpf agierende Charakter-Riege wie die von ALIEN: COVENANT zu stoßen. Und das ist sicher nicht auf das Schauspiel der beteiligten Darsteller zurückzuführen, welches insgesamt betrachtet akzeptabel ist – sondern auf mehr als nur eine handvoll falsch getroffener Entscheidungen. Zusammenfassend könnte man auch sagen: wenn das Schicksal der Menschheit in den Händen einer Crew wie dieser läge, könnte man sich auch gleich begraben. ALIEN: COVENANT wird damit gerade in den Momenten der zwischenmenschlichen Interaktion und dem schier stupiden Handeln der meisten Protagonisten zu einer waschechten, fast schon bemitleidenswerten Lachnummer.

Schlussendlich: ALIEN:COVENANT hat weit mehr von einem ermüdenden, stellenweise sogar unfreiwillig komischen denn von einem wirklich spannenden Sequel – wobei man sich dezent an die Wirkung des vierten ALIEN-Teils erinnert fühlen könnte. Damit steht er nicht nur in einem gleichermaßen krassen wie ärgerlichen Gegensatz zu seinem erfrischenden Vorgänger – er ist auch sonst ein absolut unspektakulärer Science Fictioner, der sich zu nicht mehr als zum Vergessen eignet. Sicher ist das schade, aber: irgendwie war es in Anbetracht des immer perfideren Remake- und Sequelwahns der Marke Hollywood auch zu erwarten. Lasst sie also kommen, die nächsten Teile…


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„Noch ist Platz nach unten, aber: mit ALIEN: COVENANT beschreitet Scott einen qualitativen Abstieg von erschreckenden Ausmaßen.“

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Filmkritik: „Dobermann“ (1996)

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Originaltitel: Dobermann
Regie: Jan Kounen
Mit: Vincent Cassel, Tchéky Karyo, Monica Bellucci u.a.
Land: Frankreich
Laufzeit: ca. 103 Minuten
FSK: ab 18 freigegeben
Genre: Action, Thriller, Komödie
Tags: Bankraub | Verbrecher | Bande | Feldzug | Massaker

Vorsicht, der könnte beißen.

Kurzinhalt: Geschenke zum feierlichen Anlass einer Geburt sind sicher nichts ungewöhnliches. Doch dass ein neugeborenes französisches Baby ausgerechnet einen Revolver in die Wiege gelegt bekommt, schon eher. Eben das ist Yann Lepentrenc (Vincent Cassel) in jungen Jahren passiert, offenbar in weiser Voraussicht – denn Jahre später wird er zum berühmt-berüchtigten DOBERMANN, einem furchtlosen Killer und keine Gelegenheit auslassenden Gangster. Gemeinsam mit seiner gehörlosen Freundin Nathalie (Monica Belucci) plant er so manchen Diebeszug – und spannt dabei des öfteren einige seiner ebenfalls fähigen, dabei aber stets etwas unberechenbaren Kumpanen ein. Dass das auch die hiesige Polizei auf den Plan ruft, ist kein allzu großes Wunder – doch bisher haben es der DOBERMANN und seine Leute noch immer geschafft, einer Festnahme aus dem Weg zu gehen. Eines Tages jedoch wittert ein gewisser Inspektor Christini (Tchéky Karyo) seine große Chance. Würde er den DOBERMANN allein festmachen, würde er vermutlich nicht nur befördert werden – man würde vielleicht auch eher geneigt sein, über seine einstweilen recht ungewöhnlichen Ermittlungsmethoden hinwegzusehen…

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Kritik: Wenn man einen Film im Verlaufe des kreativen Entstehungsprozesses auf den schlichten Namen DOBERMANN tauft, hat man eigentlich nur zwei Möglichkeiten. Entweder, man plant eine harmlose Dokumentation über die hiesige Flora und Fauna – oder inszeniert sogleich eine fleischgewordene Kampfansage. Zu welcher Alternative der bis dato unbekannte Regisseur Jan Kounen in Bezug auf seine erste größere Regie-Arbeit tendierte, bleibt indes nicht lange ein Geheimnis. Glücklicherweise, sollte man meinen – denn ganz offensichtlich verstand sich der Franzose schon früh auf fachmännische Kunstgriffe, trotz der Ermanglung vorheriger Erfahrungen. So fand die Titel-gebende Hunderasse in DOBERMANN gleich als doppelte Metapher Verwendung: zum einen als lautes Gebell in Richtung anderer Regisseure und Filmemacher, die vielleicht nicht den Mut hatten und haben etwas vergleichbares auf die Beine zu stellen – und zum anderen in Richtung des Zuschauers, der mit der hier dargestellten Charakter-Riege tatsächlich ein Rudel wild gewordener, dezent irrer Hauptprotagonisten vorgesetzt bekommt.  Dass im Verlaufe des Films dann auch noch ein echter Hund eine Rolle spielt (allerdings kein Dobermann), ist damit schon wieder eine der weniger spannenden Angelegenheiten. Auch wenn der Abgang des Tieres so sicher nicht zu erwarten war – und lediglich zu einer der unzähligen Kuriositäten des Films zu zählen ist.

Denn: mit DOBERMANN legt es Kounen im wahrsten Sinne des Wortes darauf an, öffentlich seine Zähne zu fletschen. Und das ganz ohne Rücksicht auf potentielle Verluste. Dass der Film nicht gerade dem entspricht, was man im allgemeinen von einem handelsüblichen Actioner (oder noch spezifischer: einem Film über einen Bankraub) erwarten würde; ist dabei noch die kleinste Auffälligkeit. Analog zur unkonventionellen, dabei fast schon gleichermaßen gewöhnungsbedürftigen wie auch erfrischenden Machart gesellen sich schließlich auch noch eine mitunter schmerzliche Portion Brutalität; sowie allerlei Überschreitungen der Grenzen des guten Geschmacks hinzu. Unter anderem deshalb stand er hierzulande auch für viele Jahre auf dem Index für jugendgefährdende Medien – bis er 2011 wieder freigegeben wurde. Das mag noch lange kein Qualitätsmerkmal sein, gibt aber schon einmal die grobe Marschrichtung von DOBERMANN vor. Um einen allzu tumben, nur auf heftigste Gewaltausschreitungen ausgelegten Film oder einen puren Slasher handelt es sich aber auch nicht – sondern vielmehr um ein zumindest von seiner Struktur her an andere Actioner erinnerndes Machwerk, noch dazu mit einer echten Story und äußerst lebendigen Charakteren. Fest steht aber: eher zart besaitete sollten einen großen Bogen um DOBERMANN machen. Andererseits sollten die, die ihn dennoch oder gerade deshalb sehen möchten; unbedingt nach der ungeschnittenen Fassung Ausschau halten.

Denn nur dann kann DOBERMANN eine mitunter ureigene und dezent verstörende, aber dennoch unterhaltsame Atmosphäre etablieren. Eine, die gerade deshalb entsteht; da der Film respektive das Gezeigte niemals zu abwegig erscheint – entgegen der teils enormen Eskapaden, die sich speziell im Blick auf die Charakterporträts ergeben. Trotz der gegenwärtigen Anarchie steckt so auch immer ein potentielles Fünkchen Wahrheit in DOBERMANN und seinen absichtlich überzeichneten Figuren – was auch die hie und da auftretenden Seitenhiebe unterstreichen, die in erster Linie die französische Polizei (oder eher die Polizeiarbeit im gesamten) betreffen. Wie geschickt der Film dabei vorgeht, oder ob man in einem Film wie diesem überhaupt erst nach Botschaften suchen sollte ist eine ganz andere Frage. Fakt ist nur, dass Kounen bei keiner Gelegenheit Samthandschuhe anzieht – und der Film auch ohne weiterführende oder gar politische Bezüge das Zeug dazu hat, einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen.

Mit verantwortlich ist hier allerdings nicht die Story, die im Vergleich sogar als das schwächste Glied in der Kette der DOBERMANN-Anarchie daherkommt. Sicher, es gibt einen roten Faden – doch eine allzu außergewöhnliche Idee, nachvollziehbare Ambitionen der Protagonisten oder überraschende Wendungen werden nicht präsentiert. Und doch schafft es DOBERMANN, selbst diesen potentiellen Nachteil auszunutzen. Denn: wo kein wirklicher Einstieg in ein Handlungsuniversum stattfindet und wo ganz absichtlich in einem übertriebenen Comic-Stil erzählt wird; entstehen auch keine Probleme hinsichtlich einer wie auch immer gearteten Glaubwürdigkeit. Anders gesagt: man braucht erst gar keine Fragen zu stellen, sondern kann sich stattdessen voll ganz auf die Figuren und ihre wenn man so will spontan wirkenden Aktionen einlassen. Die sind dann auch das eigentliche Highlight von DOBERMANN – auch wenn Kounen hier nicht wirklich Kultpotential erreicht, und gerade die Dialoge noch etwas prägnanter hätten ausfallen können. Immerhin biedert er sich so nicht allzu auffällig bei Kollegen wie Tarantino an, und sorgt mit hie und da eingestreuten Sprüchen (wie etwa seitens des Polizisten, der immer mal wieder ein englisches Statement von sich gibt) für die nötigen Aha-Momente.

Ein besonderes Augenmerk sollte aber auch der visuellen Umsetzung gelten – denn hier ist Kounen gar zu einer absoluten Höchstform aufgelaufen. Von den rasanten, aber niemals zu hektischen Schnitten über die teils ungewöhnlichen Nahaufnahmen bis hin zur Szenenwahl und der Farbgebung stimmt einfach alles. Und das so sehr, dass selbst eine eher simple Choreografie – wie die einer Gruppe Polizisten, die eine Treppe Richtung Bank hinunterpirscht – zu einem kleinen Highlight avanciert. Ein sicherlich nicht jedermanns Geschmack treffender, letztendlich aber ebenfalls äußerst passiger Soundtrack und die bezeichnende Auftritte von Vincent Cassel als DOBERMANN und Tchéky Karyo als sein Widersacher Christini runden das Ganze nach oben hin ab.

Schlussendlich: DOBERMANN ist ein höchst unterhaltsames, wenn man so will einfach gestricktes aber schlicht herrlich durchtriebenes Machwerk für Freunde des etwas anderen Actionkinos. Vornehmlich eines solchen, in dem gerne Regeln gebrochen und Grenzen neu ausgelotet werden – etwa die des guten Geschmacks. Das DOBERMANN dennoch einen verdächtig stilvollen Eindruck hinterlässt, liegt wiederum nicht an etwaigen einzelnen Aspekten – sondern vielmehr am rundum stimmigen Gesamtpaket.


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„Ein mehr als ordentlicher und ordentlich anarchistischer Indie-Film-Happen aus Frankreich.“

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Filmkritik: „Warcraft: The Beginning“ (2016)

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Originaltitel: Warcraft
Regie: Duncan Jones
Mit: Travis Fimmel, Toby Kebbell, Paula Patton u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 124 Minuten
FSK: ab 12 freigegeben
Genre: Fantasy, Action, Abenteuer
Tags: Warcraft | Blizzard | WoW | WC III | Realfilm | Adaption

Als hätten sich DER HOBBIT und AVATAR kurz ins stille Kämmerlein zurückgezogen.

Kurzinhalt: In Azeroth, dem hiesigen Königreich der Menschen; herrscht ein seit vielen Jahren währender Frieden. Der gütige König Llane Wrynn (Dominic Cooper) genießt die Situation, die ihm derzeit wenig abzuverlangen scheint – zumindest bis eine wilde Horde Orks durch ein mächtiges Portal stürzt und droht, das Land mitsamt seiner Bewohner zu überrennen. Angeführt werden sie von einem furchteinflößenden Ork-Magier namens Gul’dan (Daniel Wu), der sich für sein Vorhaben einer besonders gefährlichen Macht bedient. So kommt es, dass sich selbst einige seiner Verbündeten darüber streiten ob der eingeschlagene Weg tatsächlich der richtige ist. Doch obwohl es scheint, als ob die Orks in Anbetracht der Zerstörung ihrer Heimatwelt ohnehin keine Wahl hätten; entscheidet sich ausgerechnet Ork-Häuptling Durotan (Toby Kebbell) zu einem Bündnis mit den Menschen um Anduin Lothar (Travis Fimmel). Das Problem: nicht nur auf Seiten der Orks sind die Lager gespalten, auch die Menschen sind mit internen Machtkämpfen beschäftigt – wobei speziell der eigentliche Wächter des Menschenreiches, Medivh (Ben Foster) nicht mit offenen Karten zu spielen scheint.

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Kritik: Achtung, Spoiler ! Nun also ist er endlich da, der erste offizielle WARCRAFT-Realfilm – der sich explizit auf das bekannte Computerspiel-Franchise von BLIZZARD sowie die dazugehörigen Buch-Adaptionen bezieht. Ein Franchise, das seit jeher einen hohen Beliebtheitsgrad bei Spielern und Fantasy-Freunden genießt; seinen eigentlichen kommerziellen Höhepunkt aber erst mit dem seit 2004 in vielen Ländern gespielten Online-Spiel WORLD OF WARCRAFT fand. Doch während jenes sogenannte MMORPG vor allem auf unendliche Spielstunden im Konkurrenzkampf mit anderen Spielern abzielt, glänzten die vornehmlich offline zu spielenden Vorgänger mit der Zeichnung einer glaubhaften Spielwelt und einer beeindruckenden atmosphärischen Dichte – was eventuell auch den Ausschlag in Richtung einer potentiellen Real-Verfilmung gegeben haben könnte. Schließlich versprühten schon einige der frühen Zwischensequenzen aus älteren WARCRAFT-Spielen eine gewisse Magie, und etablierten nicht zuletzt durch den großen Konflikt zwischen verschiedenen Rassen (hier hauptsächlich den Menschen, Orks und Elfen; aber auch die Natur selbst spielt eine Große Rolle) eine enorme Spannung.

Und nun kommt die knapp 130 Millionen US-Dollar schwere Adaption WARCRAFT – THE BEGINNING (im Original nur WARCRAFT) daher, der man zumindest eines nicht nachsagen kann – dass sie ihrem Titel nicht gerecht werden würde. Tatsächlich handelt es sich hier lediglich um einen Auftakt-Film einer größeren Filmreihe, mit einer bisher unbekannten Zahl an Nachfolgern – was Vor- und Nachteile hat. Die erste diesbezügliche Überraschung ist, dass man trotz der möglichen Aufsplittung des geplanten Inhaltes auf mehrere Filme den Fuß dennoch nicht vom Gaspedal genommen hat – und die ersten Minuten des Films vor allem Franchise-Neulinge überrumpeln könnten. Hinzu kommt dass sich gerade die, aber auch viele andere erst einmal an die reichlich bunten Bilder inklusive eines teilweise übernommenen Videospiel-Looks sowie das wilde Gebaren der zu Beginn ausschließlich gezeigten Orks gewöhnen müssen.

Jene erste Phase der Eingewöhnung und eine trotz des hohen Erzähltempos unbedingt notwendige Geduld wird im weiteren Verlauf jedoch eher belohnt als negativ untermauert: WARCRAFT beginnt erst nach und nach mit der Ausführung einiger wichtiger Hintergrundinformationen, führt wichtige Charaktere vergleichsweise spät ein – und wird dementsprechend auch erst in der zweiten Hälfte atmosphärisch dichter. Die Folge: obwohl man sich über den etwas holprigen Start des Films streiten könnte, ist den Machern eines in jedem Fall gelungen – WARCRAFT ist eben nicht das eventuell von einigen erwartete seelenlose Effektspektakel geworden. Wohl auch, da sich die Namen der Verantwortlichen ausnahmsweise mal ein wenig anders lesen als man es sonst von derartigen Fantasy-Blockbustern gewöhnt ist. Der britische Regisseur Duncan Jones war zuvor eher durch ungewöhnliche Projekte wie MOON (Review) oder aber den schon bekannteren Sci-Fi-Kopfzerbrecher SOURCE CODE (Review) aufgefallen, der Soundtrack stammt von Ramin Djawadi (und damit dem Schöpfer der Titelmelodie von GAME OF THRONES), viele der Darsteller wird man dank ihrer hierzulande vergleichsweise unverbrauchten Gesichter nicht direkt wiedererkennen.

Und doch scheinen gerade diese weise gewählt worden zu sein. Travis Fimmel als einer der wichtigsten Krieger auf der Seite der Menschen beispielsweise hat durch seine Erfahrungen in der bekannten TV-Serie VIKINGS schon einiges an wilder Kampferfahrung (inklsuive eines dazu passenden Looks) sammeln können, Paula Patton spielt die Rolle der Völker-verbindenden Vermittlerin gut – und speziell Ben Schnetzer fällt als auflockernder, magisch begabter und niemals zu blödelnder Siedekick überaus positiv auf. Etwas schade ist dagegen, dass man zu den Orks trotz der angestrebten Gleichberechtigung im Sinne der vom Film verteilten Sympathien kaum eine Bindung aufbauen kann. Zum einen, da sie größtenteils als wild schlachtende Horde gezeigt werden – und zum anderen, da die Darsteller unter den Masken-Bergen und den unterstützenden Computereffekten eher entstellt als wirklich verwandelt wirken. Doch handelt es sich hierbei eher um Kleinigkeiten, die wenig oder zumindest weniger Auswirkungen auf den Film im Gesamten haben.

Denn der steht und fällt hauptsächlich durch die Symbiose aus den optisch-inszenatorischen sowie den wichtigen inhaltlichen Elementen – sofern beides in gleichberechtigten Umfang vorhanden ist. Tatsächlich macht WARCRAFT rein optisch eine überraschend gute Figur, trotz des einstweilen heftigen Gewöhnungseffektes und des wenn man so will zusätzlich artifiziellen Looks. Sicher hätte man hie und da noch mehr auf gutes altes Handwerk setzen können, doch scheint der überbordernde Einsatz von computergenerierten Hintergründen und Effekten hier ausnahmsweise mal gut zum Konzept (und damit dem Ursprung des Franchise) zu passen. Enorm vorteilhaft ist, dass größere (Material)-Schlachten eher ausbleiben, die gut choreographierten Kämpfe übersichtlich bleiben – und man keiner inszenatorischen Hektik verfällt. Als besonderes optisches Schmankerl fungieren so eher die eingesetzten Fähigkeiten der magisch begabten Figuren – die sich mal einen Schutzschild formen, einen steinernen Golem zum Leben erwecken; oder aber gleich ein ganzes Gewitter bändigen.

Die Crux oder der Knackpunkt bleibt demnach – und wie so oft – der inhaltlich-erzählerische Ansatz, der allein durch das vorgelegte Tempo sowie zahlreichen ausbleibenden Hintergrundinformationen von Beginn an auf eher wackligen Beinen steht. Immerhin: in Anbetracht der Natur des Films stellen sich keine direkt aufdrängen Fragen, man ist eher gewillt das Ganze so hinzunehmen wie es kommt – wobei einiges auf den folgenden oder eher die folgenden Teile verschoben wird. Dennoch hätte man speziell die Porträts der Menschen und Orks als eigenständige Völker mit verschiedenen Lebensarten und Gebräuchen etwas näher beleuchten können – wie genau hier was funktioniert, bleibt einem zumindest als Nicht-WARCRAFT-Kenner völlig schleierhaft. Entsprechend schwer kann es auch fallen, sich für eine der Seiten zu entscheiden – wobei die bereits erwähnte grausame Natur der Orks wohl ohnehin einen Ausschlag in die aus ihrer Sicht feindliche Richtung geben wird. Trotz etwaiger Versuche, sie hie und da zu vermenschlichen – wie etwa in Bezug auf den Nachwuchs. Fast schon kurios ist dementsprechend wohl auch die angewandte Magie, oder eher das Vorkommen derselben – sicher sehen die Zauber schmuck aus, doch weiterführende Fragen dürfen abermals keine gestellt werden. Das trifft insbesondere jene höheren Magier, die aus unerfindlichen Gründen nicht in das Geschehen eingreifen. Wer hier – aus welchen Quellen auch immer – mehr weiß, ist klar im Vorteil. Der Film jedenfalls lässt vieles, vieles offen.

Fazit: Dass das große WARCRAFT-Realfilmprojekt kein Reinfall geworden ist, ist leicht überraschend und allemal eine schöne Sache. Dabei sind die Vorteile des Films nur zum Teil auf den eigentlichen Ursprung als Computerspiel-Franchise zurückzuführen – wie etwa in Bezug auf die in diesem Sinne passig erscheinende Optik und den Wiedererkennungs-Effekt. Anderes ist letztendlich nur durch richtige Entscheidungen herbeigeführt worden. Wie etwa hinsichtlich des großen Kampfes, bei dem die Fronten eben nicht klar definiert sind – sondern es durchaus auch eine Grauzone respektive entsprechende Ausreißer gibt. Das kommt der Spannung zugute und lässt den Film etwas vielschichtiger wirken – auch wenn man noch einen deutlicheren Fokus auf die Welt, oder eher den faszinierend-abenteuerlichen Schauplatz an sich hätte legen sollen. Doch ob der Film nun durch sein Backup durch das Computerspiel-Franchise profitiert oder nicht – in jedem Fall wirkt er nicht so seelen- und belanglos wie der ansatzweise vergleichbare JOHN CARTER (Review) oder die eventuell etwas ausgelutschen HOBBIT-Geschichten (Review zu Teil 1), mit denen man nicht einmal ansatzweise die Größe der eigentlichen HERR DER RINGE-Trilogie hat erreichen können.

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„Kein Meisterwerk, aber durchaus eine kleine Überraschung und eine der besseren Computerspiel-Verfilmungen. Es bleibt abzuwarten, was noch folgt.“

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