Filmkritik: „Das Geheimnis Von Marrowbone“ (OT: MARROWBONE, 2017)

Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Originaldrehbuch
Regie: Sergio G. Sánchez
Mit: Anya Taylor-Joy, George MacKay, Mia Goth u.a.
Land: Spanien, Großbritannien
Laufzeit: ca. 111 Minuten
FSK: ab 16 freigegeben
Genre: Thriller, Drama, Horror
Tags: Familie | Flucht | Umzug | Verfolgung | Fluch

Spieglein Spieglein an der Wand…

Inhalt: Um den Fängen ihres ihrer Familie offenbar aggressiv nachstellenden (noch-)Ehemannes  zu entkommen, trifft die verzweifelte Rose (Nicola Harrison) eine schwerwiegende Entscheidung: gemeinsam mit ihren insgesamt vier Kindern flieht sie Ende der 60er Jahre von Großbritannien in die Vereinigten Staaten von Amerika. Einmal in ihrem neuen Heim an einer ebenso idyllischen wie verlassenen Küste angekommen, nimmt die Familie einen neuen Namen an und versucht, möglichst wenig Kontakt zu den Einheimischen aufzubauen. Doch schon kurz bevor sich die Kinder Jack (George MacKay), Jane (Mia Goth), Billy (Charlie Heaton) und der junge Sam (Matthew Stagg) richtig einleben können, erliegt ihrer Mutter ihrer schweren Krankheit – und hinterlässt ihren ältesten Sohn Jack mit einer wichtigen Aufgabe. Fortan soll er die Geschicke der Familie lenken und auf sie aufpassen – zumindest bis er 21 ist, und die Familie nicht mehr von den Behörden auseinandergerissen werden könnte. Tatsächlich scheint ihm das auch ganz gut zu gelingen – zumal er von seiner Liebe zur Bibliothekarin Allie (Anya Taylor-Joy) beflügelt wird. Problematisch ist indes, dass sich im großen Anwesen der Familie selbst einige höchst unheimliche Dinge ereignen… was insbesondere den jüngeren Geschwistern reichlich Sorge, ja wenn nicht gar panische Angst bereitet.

Kritik: Auch wenn der Filmtitel nicht sperriger hätte ausfallen können und die Geschichte von DAS GEHEIMNIS VON MARROWBONE nach nicht viel klingt – oder eher nur nach einer weiteren von so vielen, in denen eine vom Schicksal gebeutelte Familie in ein gruseliges Anwesen zieht und somit erst Recht Probleme bekommt – erweist es sich als ratsam, der von Sergio G. Sánchez (unter anderem der Ideengeber für DAS WAISENHAUS, siehe Review) erdachten Schauermär eine Chance zu geben. Und das vornehmlich, da es sich entgegen den ersten Vermutungen weniger um einen klassischen Horrorfilm als vielmehr um einen überraschend intensiven Thriller handelt – dem anstelle des plakativen Horrors weitaus mehr Elemente des Dramas inklusive einer vergleichsweise starken Charakterzeichnung innewohnen. Und um einen Thriller der – der mittlerweile vorhandenen Erfahrung des spanischen Schauspielers, Drehbuchautors und Regisseurs Sánchez sei Dank – schnell eine ähnlich klaustrophobische und in sich stimmige Atmosphäre etablieren kann wie einst DAS WAISENHAUS.

Die wohl aber größte Überraschung des Films ist, dass er im späteren Verlauf mit einem so nicht unbedingt erwarteten Twist daherkommt – und damit vielleicht sogar einen ähnlichen Effekt zu hinterlassen vermag wie der Genre-Klassiker THE SIXTH SENSE. Damit steht fest, dass sich DAS GEHEIMNIS VON MARROWBONE am ehesten in die Riege der eher ebenso mysteriös wie psychologisch angehauchten Thriller im Stile der bereits erwähnten Titel, sowie eventuell auch ICH SEH, ICH SEH (Review), SIEBEN MINUTEN NACH MITTERNACHT (Review) oder DER BABADOOK (Review) einreiht – und dabei eine alles andere als schlechte Figur macht. So kann nicht nur die Schauplatzwahl inklusive eines überraschenden Settings in den späten 60er Jahren überzeugen – auch das Setdesign, die Kostüme, der gesamte handwerkliche Part und die darstellerischen Leistungen der teils bekannten, hier recht erfrischend agierenden Nachwuchs-Akteure stimmen. Lediglich die sich dann doch etwas länglich anfühlende Auftaktphase mit einigen verzichtbaren Momenten sowie der doch noch vorhandene Impuls, sich den gängigen Konventionen des Horrorfilms zu näheren (Stichwort Jumpscares) verhindert hier größeres – was aber nichts daran ändert, dass man DAS GEHEIMNIS VON MARROWBONE problemlos empfehlen kann.

 

Bilder / Promofotos / Screenshots: © Metropolitan FilmExport, Universal Pictures

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„Das Rad mag mit DAS GEHEIMNIS VON MARROWBONE nicht neu erfunden werden – und doch handelt es sich um einen ebenso gut gemachten wie spannenden Film mit dem gewissen Etwas und einem überraschenden Ende.“

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Filmkritik: „Star Wars Episode 8: Die Letzten Jedi“ (2017)

Originaltitel: Star Wars: The Last Jedi
Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Originaldrehbuch
Regie: Rian Johnson
Mit: Daisy Ridley, John Boyega, Oscar Isaac u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 152 Minuten
FSK: ab 12 freigegeben
Genre: Science Fiction
Tags: Star Wars | Episode 8 | Jedi-Ritter | Luke Skywalker | Imperium | Erste Ordnung | Rebellen

Spiele nicht mit der Macht, sonst setzt es eine Tracht.

Inhalt: Auch wenn der von Generalin Leias (Carrie Fisher) geführte Widerstand die furchteinflößende Starkiller-Basis der Ersten Ordnung zerstört hat, ist noch immer kein Frieden in Sicht. Mit verantwortlich dafür ist der eigentliche Strippenzieher der dunklen Seite der Macht, Snoke (Andy Serkis) – der weiterhin große Hoffnungen in seinen Schüler Kylo Ren (Adam Driver) setzt. Dennoch setzen der tollkühne Pilot Poe Dameron (Oscar Isaac), der desertierte Ex-Sturmtruppler Finn (John Boyega) und die offenbar von der Macht profitierende Rey (Daisy Ridley) alles daran, den finsteren Mächten die Stirn zu bieten. Da sie selbst wissen dass die Lage beinahe aussichtslos ist, planen sie den legendären Luke Skywalker (Mark Hamill) mit in die Kämpfe einzubeziehen. Das Problem ist nur, dass sich der mittlerweile zu einem waschechten Einsiedler gemausert hat, der augenscheinlich nur noch wenig Interesse daran hat das Gute zu verteidigen…

Kritik: Ob man will oder nicht – die STAR WARS-Maschinerie läuft immer weiter. Erst Recht natürlich seit der umstrittenen Übernahme des ursprünglichen Produktionsstudios Lucasfilm durch den Disney-Konzern im Jahre 2012, der längst nicht mehr nur an der eigentlichen Filmreihe arbeitet. Während manche Franchise-Fans eben diesen – und dabei mittlerweile zahlreichen – Prequels und Spin-Offs von vorne herein aus dem Weg gehen, steht zumindest die bereits im Jahre 1977 mit dem legendären KRIEG DER STERNE losgetretene STAR WARS-Hauptreihe weiterhin im Fokus vieler Anhänger der Sternensaga – die damit umso mehr Aufmerksamkeit erhält. Und stellenweise auch deutlich mehr Kritik; wie es das noch nicht allzu lang zurückliegende, groß angekündigten Franchise-Revival in Form von EPISODE VII – DAS ERWACHEN DER MACHT (siehe Review) mit Nachdruck aufzeigte. Die Behauptung, dass die Verantwortlichen nicht viel mehr gemacht haben als eine vergleichsweise seelenlose Kopie des Materials der Originalfilmreihe aus den Jahren 1977 bis 1983 abgeliefert zu haben; ist jedenfalls nicht von der Hand zu weisen – sodass es eine umso spannendere Angelegenheit war und ist zu sehen, wie man im neuesten Teil der Reihe verfahren würde.

Und tatsächlich: der hier gemeinte achte STAR WARS-Teil DIE LETZTEN JEDI ist wieder etwas mehr geworden als eine gefühlte Neu- oder Nacherzählung der intergalaktischen Abenteuer der Vergangenheit. Und beileibe auch mehr als das, was George Lucas mit den viel diskutierten ersten Episoden aus den Jahren 1999 bis 2005 an (hier: reichlich buntem) STAR WAR-Material nachgelegt hatte. Anders gesagt: DIE LETZTEN JEDI ist als zweiter Teil der dritten Trilogie etwa kaum mit dem ebenso oberflächlich-klinischen wie schlicht fürchterlichen zweiten Teil der ersten (ANGRIFF DER KLONKRIEGER, siehe Review) zu vergleichen – und profitiert letztendlich sogar von der neuerlichen Disney-Ägide. Und das beispielsweise, indem man den Wünschen der Fans ganz offensichtlich wieder mehr Gehör schenkt. So ist DIE LETZTEN JEDI eine recht ansehnlicher STAR WARS-Teil geworden, der eine grundsätzlich angenehme Mixtur aus typischen Franchise-Elementen (wie etwa dem düster-dystopischen Setting, das man dennoch immer wieder mit einem gewissen Witz und Charme auflockert) und einer eher modernen Herangehensweise in Form von neuen Geschichten, Charakteren und Effekten.

Gerade die sehen im neusten Ableger übrigens ganz und gar hervorragend aus – auch wenn dies weniger auf potentiell hochkarätige Lichtschwert-Auseinandersetzungen zu beziehen ist, als vielmehr auf die Gestaltung der Weltraum-Szenen, die Kulissen und die Kostüme. Gerade in Anbetracht der schmackigen Kämpfe, die sogar den ein oder anderen Gänsehaut-Moment bereithalten (wie etwa den, als der Hypersprung eines Rebellenschiffes als Waffe eingesetzt wird); muss sich DIE LETZTEN JEDI also keineswegs hinter seinen Vorgängern verstecken – und das auch oder gerade weil hier augenscheinlich noch immer viel Wert auf ein geschicktes Handwerk gelegt wurde, und man nicht von einer Sound- und Effektflut der Marke TRANSFORMERS erschlagen wird. Dass J.J. Abrams (u.a. CLOVERFIELD) seine Finger mit im Spiel gehabt hat, merkt man übrigens auch – wobei die Überraschung umso größer ist, dass seine visuellen Konzepte gut in das STAR WARS-Universum zu passen scheinen.

Der größte Vorteil an EPISODE 8 aber ist und bleibt die Tatsache, dass man nach dem Wiederholungs-Effekt von EPISODE 7 endlich wieder eine neue (und dabei recht spannende) Geschichte erzählt – es dabei aber nicht verpasst, das gute alte STAR WARS-Gefühl inklusive der entsprechend unverwechselbaren Atmosphäre wieder aufleben zu lassen. Dass dafür auch oder sogar hauptsächlich die zahlreichen Auftritte wichtiger STAR WARS-Charaktere verantwortlich sind, versteht sich von selbst – wobei es sich unerwartet gut und stimmig anfühlt, im Sinne des Werdegangs von Meister Yoda, Luke Skywalker, Chewbacca oder Leia Organa auf den neuesten Stand gebracht zu werden. DIE LETZTEN JEDI kann damit getrost allen Franchise-Fans (und solchen, die es werden wollen) empfohlen werden – auch wenn man verständlicherweise nicht erwarten kann, dass es die achte Episode im Sinne der Qualität und des Flairs mit den altehrwürdigen Originalfilmen aufnehmen kann.

Bilder / Promofotos / Screenshots: © Lucasfilm / Disney

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„DIE LETZTEN JEDI ist ein unerwartet stimmiger STAR WARS-Teil geworden, der der neuen Trilogie durchaus zu neuem Glanz verhilft. Es gilt jedoch weiterhin – und speziell in Anbetracht der quantitativen Auswüchse des Franchise – Vorsicht walten zu lassen.“

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TV-Kritik / Serien-Review: THE WALKING DEAD (Staffel 8)

Originaltitel: The Walking Dead Season 8
Relation: Fortsetzung der siebten Staffel
Typ: TV-Serie
Umfang / Laufzeit: 16 Folgen (je ca. 45 Minuten)
Land: USA
Produktion: Circle of Confusion, Valhalla Motion Pictures
Idee: Frank Darabont, Robert Kirkman (Comic), Tony Moore (Comic)
Genre: Drama / Horror / Endzeit
Tags: The Walking Dead | Rick Grimes | Zombies | Überleben

Staffel 8 | Episodenliste (Deutsche & Englische Titel)

8×01 – Erster Kampf (Mercy)
8×02 – Die Verdammten (The Damned)
8×03 – Wir oder die (Monsters)
8×04 – Nur irgendwer (Some Guy)
8×05 – Die Beichte (The Big Scary U)
8×06 – Der König, die Witwe und Rick (The King, the Widow, and Rick)
8×07 – Für danach (Time for After)
8×08 – Kampf um die Zukunft (How It’s Gotta Be)
8×09 – Ehre (Honor)
8×10 – Botschaften (The Lost and the Plunderers)
8×11 – Flucht nach Hilltop (Dead or Alive Or)
8×12 – Der Schlüssel zur Zukunft (The Key)
8×13 – Der Weg der Toten (Do Not Send Us Astray)
8×14 – Ich sterbe nicht (Still Gotta Mean Something)
8×15 – Die rechte Hand (Worth)
8×16 – Zorn (Wrath)

Das alles kommt mir nicht bekannt vor.

Inhalt: Nachdem die Gemeinschaft um den ehemaligen Sheriff Rick Grimes bereits Bekanntschaft mit einer neuen, von einem skrupellosen Anführer namens Negan geleiteten Gruppe von Überlebenden gemacht hatte; droht die Auseinandersetzung zwischen den korrespondierenden Gemeinden Alexandria, Hilltop, dem Königreich und dem von den Saviors geführten Sanctuary endgültig zu eskalieren. Dabei ist nicht nur Negan selbst das Problem, der sich immer mehr auf seinen Zwist mit Rick versteift und nach wie vor versucht ihn zu brechen – auch innerhalb der verschiedenen Gemeinschaften ergeben sich teils unerwartete Entscheidungen, Intrigen und brutale Machtkämpfe. Immer mehr scheint es, als könnte es nur einen Sieger geben – einen, der die gegebenenfalls unterlegene Gruppe auch nicht mehr tolerieren und im schlimmsten Fall komplett auslöschen würde. Dass dabei das Leben jedes einzeln auf dem Spiel steht, ist beiden Seiten bewusst…

Kritik: Auch wenn es in Bezug auf die Einschaltquoten zur Schadenfreude mancher immer mauer aussieht, werden es die meisten Pay-TV-Zuschauer und Serienfans höchstwahrscheinlich mitbekommen haben: das ebenso berühmte wie berüchtigte THE WALKING DEAD-Franchise ist um eine weitere komplett ausgestrahlte Staffel reicher. Genauer gesagt handelt es sich um die mittlerweile achte – die im Grunde genommen direkt an die Ereignisse der vorangegangen siebten Staffel (siehe Review) anschließt und den Kampf zwischen den beiden TWD-Galionsfiguren Rick und Negan weiter intensiviert. Im Grunde genommen wurde in den bisherigen, zumeist ausführlichen Besprechungen der einzelnen Staffeln (siehe THE WALKING DEAD-TAG) bereits alles oder zumindest vieles über die Serie gesagt – sodass es an dieser Stelle nur eine kurze Übersicht über die Vor- und Nachteile der achten Staffel geben wird. Es sei allerdings angemerkt, dass selbst diese einige größere Spoiler enthalten können – weshalb man bei einem Vorhaben die Staffel noch zu verköstigen entsprechend vorsichtig sein sollte.

Die guten Seiten der achten THE WALKING DEAD-Staffel:

Neben den nach wie vor überdurchschnittlichen handwerklichen Aspekten der Serie – die sich beispielsweise in einem ansprechenden Setdesign, stimmigen Kostümen, einem aufwendigen Make-Up oder einer vergleichsweise ruhigen und nicht vom wesentlichen ablenkenden Kameraführung äußern – muss man speziell der achten Staffel des Franchise zugute halten, dass es bezüglich der zuvor nicht selten vernachlässigten (und damit umso mehr erwarteten) Action-Aspekte wieder etwas mehr zur Sache geht. Action bedeutet in diesem Fall gleich zweierlei: zum einen, dass die Szenenabfolgen selbst etwas rasanter inszeniert werden – und zum anderen, dass auch tatsächlich mehr innerhalb der einzelnen Folgen passiert; wobei die Interaktion zwischen den verschiedenen Charakteren, die Ereignisse auf dem Weg zum Endkampf zwischen Rick und Negan oder der Bildschirmtod von wichtigen Serien-Charakteren eine nicht unwesentliche Rolle spielen. Ebenfalls positiv hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang die teils merklich angezogene Spannung – die vor allem auch daraus resultiert, dass man den offensichtlich kaum noch zu vermeidende Endkampf immer wieder hinauszögert und sich dem Finale eher schrittweise (und das letztendlich sogar recht effektiv) nähert. Auch die Tatsache, dass man sich mittlerweile – und das gilt insbesondere oder auch zwangsläufig für Kenner der bisherigen Staffeln – recht intensiv mit den Kosmos von THE WALKING DEAD auseinandergesetzt hat (also beispielsweise die Charaktere, aber auch die eigentlichen Serien-Merkmale mit all ihren Vorzügen und Macken kennt), sollte sich in Bezug auf jede weitere Staffel eher positiv als negativ auswirken. Zumindest, und das ist die unweigerliche Voraussetzung; wenn man es überhaupt bis hierhin durchgehalten hat. Anders gesagt: auch wenn man bis dato einiges an der Serie auszusetzen hatte, ist es einem wahrscheinlich dennoch nicht gänzlich egal was passiert – auch oder gerade wenn die potentiellen Erwartungen wieder einmal enttäuscht werden.

Die schlechten Seiten der achten THE WALKING DEAD-Staffel:

Bei aller Liebe zu THE WALKING DEAD und der wieder etwas besseren achten Staffel sollte man eines in keinem Fall außer acht lassen: das Franchise (oder eher die hier behandelte Umsetzung der Comicbuchvorlage) war und ist längst nicht perfekt. Wenn man so will strotzt sie sogar vor Schwächen – die sich natürlich auch in der achten Staffel bemerkbar machen. In Sachen Timing, einer schier unsäglichen zeitlichen Streckung von einzelnen Ereignissen respektive ganzen Story-Arcs (man erinnere sich an das Gefängnis – und nun auch Negan) oder einem gefühlt eher fehlgeleiteten Fokus auf weniger interessante Inhalte etwa hinkt THE WALKING DEAD so manch anderer TV-Serie hinterher – wofür es hinreichend Beispiele gibt. Hinsichtlich der achten Staffel soll allerdings nur – und stellvertretend – auf einen einzelnen Moment voller potentieller Fehlentscheidungen hingewiesen werden. Gemeint ist das Ableben von Carl, das als Cliffhanger zwischen der 8 und 9 Episode (zwischen der die bekannte Winterpause lag) schlichtweg nicht funktionierte; oder eher gar nicht erst dafür vorgesehen war. Schließlich wusste man vor der Winterpause schon recht genau, was passieren würde – wobei es nicht unbedingt ärgerlich ist, dass man die entsprechend erwarteten Szenen in Episode 9 auch tatsächlich zu sehen bekommt.

Mit dem so noch nicht bei einem Infizierten vorgekommenen langen Todeskampf – inklusive eines schier unerträglichen Trauerspiels sowohl von Seiten der Darsteller als auch der allzu forciert auf die Tränendrüse drückenden Drehbuchautoren – hat man es dagegen eindeutig übertrieben. Von den Zombies oder Untoten, die eigentlich noch immer eine entsprechende Rolle spielen sollten; gar nicht erst zu sprechen – doch das war in Anbetracht des nunmehr fast ausschließlich zwischenmenschlichen Kampfes innerhalb von TWD gewissermaßen abzusehen. Folglich fehlen – und das nach wie vor – auch viele weitere Aspekte, die man von einer apokalyptisch angehauchten Zombie- respektive Survival-Serie erwarten würde. Und wenn doch mal etwas dahingehendes gezeigt wird (wie in Bezug auf sich ergebende Machtstrukturen, die Essensbeschaffung oder die Errichtung neuer Gemeinden / Schutzbereiche) scheint man doch schnell wieder beim nächsten Thema zu sein – vornehmlich einem solchen, von dem man nur selten das Gefühl hat als würde es tatsächlich eine größere Rolle spielen.

Fazit: Auch wenn die mittlerweile achte Staffel von THE WALKING DEAD das Tempo teils merklich anzieht, einige intensive Action-Elemente bereithält, wichtige Charakter-Entscheidungen forciert und ein überraschend abgeschlossen wirkendes Finale bereithält; bleibt das TV-Franchise ein enorm zweischneidiges Schwert. Wirklich retten kann demnach auch die achte Staffel nichts, oder bestenfalls wenig – wobei es die Tatsache, dass höchstwahrscheinlich noch einige weitere Staffeln folgen sollen nicht unbedingt besser macht. Anders gesagt: es hätte einfach vieles anders laufen sollen (oder eher: müssen) im THE WALKING DEAD-Universum, damit man von einer rundum gelungenen TV-Portierung hätte sprechen können. So aber bleibt es bei einer vergleichsweise zähen und schleppenden Angelegenheit, deren wenige Highlights und Lichtblicke im Wust der mittlerweile unzähligen Episoden verpuffen. Da die achte Staffel insgesamt betrachtet aber weniger Schwächen hat als die vorangegangenen, gibt es eine leichte Wertungserhöhung – wobei man es sich nach wie vor und in jedem Fall überlegen sollte, überhaupt mit der Serie anzufangen. Ist es erst einmal soweit, fällt ein Aufhören bekanntlich schwer – selbst wenn man nur mäßig von einer Serie wie TWD angetan ist…

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„Die achte Staffel von THE WALKING DEAD bleibt sich im Kern (und damit auch in Bezug auf so gut wie alle bisherigen Stärken und Schwächen) treu – und wirkt entsprechend altbekannt. Das angezogene Tempo und der potentiell schon jetzt endgültige Abschluss der Negan-Arc aber führen zu einer dezenten Wertungserhöhung im Vergleich mit den Vorgängerstaffeln.“

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Filmkritik: „Thor 3: Tag Der Entscheidung“ (2017)

Auch Bekannt Als: Thor: Ragnarok
Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Originaldrehbuch
Regie: Taika Waititi
Mit: Chris Hemsworth, Tom Hiddleston, Cate Blanchett u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 131 Minuten
FSK: ab 12 freigegeben
Genre: Action / Science Fiction
Tags: Thor | Asgard | Mjölnir | Odin | Loki | Midgard | Marvel | Comic

Donnerbuddys für immer.

Inhalt: Nachdem Donnergott Thor (Chris Hemsworth) und sein Bruder Loki (Tom Hiddleston) ihren Vater Odin (Anthony Hopkins) auf der Erde ausfindig gemacht haben, müssen die sich nicht immer gut verstehenden Geschwister gleich mit mehreren Hiobsbotschaften zurechtkommen. Dass ihrer Heimatwelt Asgard eine Katastrophe in Form des sogenannten Ragnarök bevorsteht und sich ihr Vater vor ihren Augen in die Gefilde von Walhalla aufmacht ist dabei nur der Anfang – schließlich erfahren sie auch von einer ihnen bisher unbekannten Schwester namens Hela (Cate Blanchett). Die ist jedoch nicht gekommen, um den beiden Brüdern in dieser schweren Zeit beizustehen – sie will selbst nach Asgard, um sich an den mächtigen Kräften der Stadt zu laben und das Universum zu unterjochen. Und genau das wollen Thor und sogar Loki verhindern. Dumm nur, dass sie bei ihrer Reise nach Asgard auf einem seltsamen Müllplaneten namens Sakaar landen, der von einem noch seltsameren Herrscher kontrolliert wird – und auf dem selbst ein mächtiger Gott wie Thor dazu gezwungen werden kann, an blutrünstigen Turnieren teilzunehmen.

Kritik: Nach der ebenso überraschenden wie guten ersten THOR-Verfilmung (2011, siehe Review) sowie dem deutlich düstereren Nachfolger THE DARK KINGDOM (2013, Review) wagt sich der beliebte Marvel-Held mit dem TAG DER ENTSCHEIDUNG bereits zum dritten Male auf die große Kinoleinwand. Wobei, und diesen Einschub sollte man in Anbetracht der aktuellen Marvel-Filmflut durchaus vornehmen; sich diese Zahl natürlich nur auf die Auftritte in seinem eigenen Franchise bezieht – und er dementsprechend auch in zahlreichen anderen Partner-Werken wie etwa der AVENGERS-Reihe ein Wörtchen mitzureden hat. Fakt ist: Comic-Verfilmungen sind in der aktuellen Kinolandschaft beliebter denn je, und gerade die Helden und Geschichten aus dem Hause MARVEL scheinen dabei den ein oder anderen Zuschauer-Nerv zu treffen. Das bedeutet indes nicht, dass sich die Geschichten nicht doch irgendwann abnutzen könnten – wofür gewissermaßen auch der neueste THOR-Teil Pate steht.

Interessanterweise ist es in diesem Fall aber nicht die zugrundeliegende Idee, die den ebenso apokalyptischen wie teils fast schon albernen Filmgenuss der Marke THOR markant trüben würde. Eigentlich ist sogar das Gegenteil der Fall, denn die eher einen Schritt zurückgreifende Geschichte macht mit ihren mythischen Bezügen durchaus Spaß – und markiert eine willkommene Abwechslung zum inhaltlich deutlich schwächeren Vorgänger. Anders gesagt: THOR 3 erzählt nichts wirklich neues; greift dafür aber einige grundsätzlich spannende, bis dato aber vernachlässigte Themen und Personen aus dem entsprechenden Handlungskosmos auf. Sicher, eine allzu große Erzählkunst sollte man auch dieses Mal nicht erwarten; zumal das THOR-Franchise ein vergleichsweise triviales ist und weiterhin auf einen bestmöglichen Unterhaltungsfaktor abzielt – und doch ist die eigentliche Crux des Films nicht in der Geschichte zu suchen. Und auch nicht unbedingt in Bezug auf die auftretenden Charaktere sowie ihre auffallend flachen, nur selten glaubwürdigen und auf einer wie auch immer gearteten emotionalen Ebene überhaupt nicht mehr funktionierenden Porträts. THOR ist und bleibt eben ein Werk auf dem Hause Marvel – und damit auch eines, von dem man nicht unbedingt allzu tiefgründige Inhalte erwarten sollte.

Dass es dieses Mal ausgerechnet hinsichtlich des sich durch die Charaktere und die Szenerie fast schon automatisch ergebenden Unterhaltungsfaktors hapert, ist demnach umso fataler. Denn auch wenn THOR 3 gut aussieht, einige atemberaubende Schauplätze (die sich zumeist nicht auf der Erde befinden) bereithält, mit größtenteils nett gemachten Spezialeffekten gespickt ist und vor Situationskomik nur so trieft; scheinen es die Verantwortlichen vor allem im letztgenannten Sinne dezent übertrieben zu haben. Anders gesagt: die Atmosphäre, die der neueste THOR-Ableger etabliert; steht auf höchst wackeligen Beinen – und die anberaumte Komik, die sich über weite Strecken eher in einer ausgelassenen Albernheit offenbart; taugt eher für einen Anflug von Scham denn lauthalse Lacher. Ein auf einen einzelnen Filmabschnitt bezogenes Paradebeispiel dafür findet sich etwa mit den Ereignissen auf dem Müll-Planeten, die sich nicht so recht in das THOR-Universum fügen wollen – und im großen und Ganzen wie eine (allzu) wilde Mixtur aus verschiedenen Elementen der STAR WARS-Saga, TRON und DAS FÜNFTE ELELEMT wirken.

Aber irgendwie musste man die Geschehnisse aus den beiden Vorgängern ja noch toppen – mit einem einerseits konsequenten, sich andererseits aber auch dezent fehlgeleitet anfühlendem Ergebnis. Schlussendlich bleibt somit zu hoffen, dass THOR 3 der letzte Film aus dem Franchise ist und es bei einer insgesamt betrachtet akzeptablen Trilogie mit einem verhältnismäßig überqualifizierten ersten Teil bleibt – und derart turbulent-bunte wie in TAG DER ENTSCHEIDUNG Geschichten wenn überhaupt einen Platz in der GUARDIANS OF THE GALAXY-Reihe (die im besten Fall ebenfalls endlich ist) finden.

Bilder / Promofotos / Screenshots: © Marvel Studios 2017

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„Ein etwas zu rasantes und atmosphärisch krudes Sequel mit einem hohen Unterhaltungswert.“

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Metal-CD-Review: SECRET SPHERE – The Nature Of Time (2017)

Alben-Titel: The Nature Of Time
Künstler / Band: Secret Sphere (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 02. Juni 2017
Land: Italien
Stil / Genre: Power Metal
Label: Frontiers Records

Alben-Lineup:

Andrea Buratto – Bass
Aldo Lonobile – Guitars
Gabriele Ciaccia – Keyboards
Michele Luppi – Vocals
Marco Lazzarini – Drums

Track-Liste:

1. Intermission (01:39)
2. The Calling (05:14)
3. Love (04:13)
4. Courage (05:39)
5. Kindness (05:14)
6. Honesty (05:12)
7. Faith (04:49)
8. Reliance (06:05)
9. Commitment (03:33)
10. The Awakening (08:57)
11. The New Beginning (05:17)

Die Zeit kann einem in der Tat so manchen Streich spielen.

Nein, und wenn es um ihre beiden letzten Releases PORTRAIT OF A DYING HEART (siehe Review) und A TIME NEVER COME 2015 EDITION (Review) geht – mit Ruhm haben sich die durch die Verpflichtung von Micheli Luppi neu aufgestellten und so gesehen als SECRET SPHERE 2.0 zu bezeichnenden Italiener wahrlich nicht beckleckert. Zumindest noch nicht – aber was nicht ist, kann ja noch werden – oder sogar an die glorreichen Anfangszeiten der Band anknüpfen. Natürlich nur im besten Fall – und wenn die Power Metaller auf ihrem mittlerweile neunten offiziellen Studioalbum endlich den richtigen Weg einschlagen. Dass sie dieses Mal nicht auf eine (unnötige) Neuaufnahme eines Klassikers setzen ist dabei zweifelsohne ein Schritt in die richtige Richtung – doch ob die hier zur Schau gestellten Ambitionen wikrlich ausreichen um sowohl die alten als auch neuen Fans der Band zufriedenzustellen, ist eien gänzlich andere Frage.

Tatsächlich scheinen sich SECRET SPHERE auf ihrem THE NATURE OF TIME dann auch ziehmlich genau so zu orientieren, wie man es hätte erwarten können. Im Detail beddeutet das, dass sich die Italiener immer weiter von ihrem einstigen Schaffen entfernen und die bereits auf PORTRAIT OF A DYING HEART angedeutete Marschrichtung konsequent ausbauen; oder anders gesagt: SECRET SPHERE sind aktuell weniger als typische Power Metal-Combo zu bezeichnen, sondern vielmehr als eine sich explizit auf zwischenmenschliche Themen und entsprechend balladeske Momente spezialisierende Melodic Metal-Fraktion mit hie und da eingestreuten knackigeren Elementen (wie in COURAGE). Das sollte vor allem (und zu Recht) Fans und Freunde der früheren Gangart der Band verschrecken, die sich einst im Bereich eines ebenso symphonischen wie progressiv angehauchten Power Metals innerhalb einer aufstrebenden Band-Generation aus Italien verdingte – aber auch alle anderen, die im allgemeinen Probleme mit vergleichsweise aufgeweichten musikalischen Strukturen haben.

THE NATURE OF TIME sollte so am ehesten Freunde einer insgesamt eher balladesken Seite des Melodic Metal ansprechen, die nichts gegen eine musikalische Aufarbeitung diverser für die Bandmitglieder aktueller zwischenmenschlicher Angelegenheiten haben. Eines muss man SECRET SPHERE dabei in jedem Fall lassen: durch die konsequente Verfolgung ihrer neuen Identität haben sie sich mittlerweile stilistisch gefestigt, und sind so auch bestens dazu in der Lage in dem von ihnen angepeilten musikalischen Segment zu punkten. So scheint insbesondere Leadsänger Michele Luppi entgültig in der Band angekommen – so variabel, emotional und doch niemals abgedroschen klang er auf noch keinem SECRET SPHERE-Release. Auch die Mitglieder an den Instrumenten machen ihre Sache gut – wobei sie vor allem immer wieder mit allerlei abwechlungsreichen Spielereien aufwarten, die die einzelnen Nummern in einer recht ansprechenden Art und Weise aufpeppen. Und das trotz oder gerade wegen ihrer teils gefühlten Längen.

Ob das Ganze aber wirklich mit dem recht ähnlich gehaltenen Schaffen von Bands wie CAIN’S OFFERING oder den neueren ALMAH mithalten kann, sei einmal dahingestellt. Inbesondere in Anbetracht dessen, dass SECRET SPHERE den Bogen hie und da dezent zu überspannen drohen – wie etwa im deutlich zu harmlosen KINDNESS oder dem stark auf die Tränendrüse drückenden Rausschmeißer THE NEW BEGINNING als Paradebeispiel. Rein technisch, und speziell in Bezug auf den Leadgesang von Micheli Luppi ist der Band aber auch hier nichts vorzuwerfen. Schlussendlich handelt es sich mit THE NATURE OF TIME also am ehesten um ein Album, welches zwei GEsichter hat. Zum einen ist es kaum noch mit dem früheren Schaffen der Band vereinbar und schneidet gerade in den ersten Momenten entsprechend gewöhnungsbedürftig ab – zum anderen aber überzeugt es als grundsätzlich angenehmes Melodic Metal-Album mit einem teils überzeugend3en emotionalen Tiefgang. Doch wie man es auch dreht und wendet, es wäre wohl in jedem Fall besser die Vergangenheit der Band beim Genuss eines Albums wie THE NATURE OF TIME komplett auszublenden – und SECRET SPHERE als das zu sehen, was sie sind. Eine Band, die sich mitten in ihrer zweiten Blütephase befindet – und die sich nicht schämt, Gefühle zu zeigen.

Absolute Anspieltipps: COURAGE, RELIANCE, COMMITMENT, THE AWAKENING


„Stellenweise sehr weich – und doch mit einigen starken und im Sinne der ab 2012 eingeschlagenen Marschrichtung von SECRET SPHERE überzeugenden Highlights versehen.“