Filmkritik: „Spectral“ (2016)

Filmtyp: Spielfilm (VOD-Produktion)
Regie: Nic Mathieu
Mit: James Badge Dale, Bruce Greenwood, Emily Mortimer u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 108 Minuten
FSK: keine Angabe
Genre: Science Fcition / Action
Tags: Krieg | Zukunft | Technologie | Übernatürlich | Lichtspektrum

Da hätten die Herren Bose und Einstein wohl noch ein Wörtchen mitzureden.

Inhalt: In der nahen Zukunft sieht es nicht allzu rosig aus für das Land Moldawien – es tobt eine Art Bürgerkrieg, und die wenigen dort stationierten US-Soldaten können nur wenig gegen die Aufständischen ausrichten. Entsprechend mitgenommen erscheint auch der Stadtkern, in dem sich kaum noch Zivilisten aufhalten – doch die wirkliche Gefahr scheint den Militärs und Dr. Mark Clyne (James Badge Dale) erst noch zu offenbaren. Denn: die zuvor entwickelten Helmkameras, die den Soldaten im Kriegsgeschehen helfen sollten; machen plötzlich einige seltsame Erscheinungen sichtbar – wobei zunächst unklar bleibt, worum genau es sich dabei handeln könnte. Nur eines ist bereits früh klar: die so flüchtig wie Rauch erscheinenden Strukturen sind nicht nur merkwürdig, sondern unter Umständen auch tödlich. So rückt das eigentliche Einsatzziel alsbald in den Hintergrund. Aber was auch immer es ist, es sollte eine Ursache dafür geben…

Kritik: Für eine reine VOD- respektive Netflix-Produktion macht SPECTRAL eine überraschend gute Figur – insbesondere was die Kulissen, die Requisiten, die Special Effects und viele weitere optisch-handwerkliche Aspekte betrifft. Auch die etablierte Spannung und Atmosphäre in Bezug auf das gezeigte Endzeit-Setting vor einem keineswegs abwegigen Kriegshintergrund weiß zu gefallen – und doch ist der Film nicht vor Problemen gefeit. Das eine ist, dass die Darsteller eher blass bleiben und die einseitig porträtierten Charaktere nur allzu oft eine merkwürdig patente Lösung für alle auftauchenden Schwierigkeiten haben – und das andere, dass die zugrundeliegende Story selbst für einen einschlägigen Science Fictioner etwas zu weit hergeholt erscheint. Auch die großzügig eingestreuten Erklärungen ändern daran nicht viel, eher im Gegenteil. So präsentiert sich SPECTRAL gerade im Hinblick auf seine eigentlichen Sci-Fi-Kernelemente von einer vergleichsweise oberflächlichen Seite, was zu dezenten Enttäuschungen führen kann. Der hohe Unterhaltungswert und die engagierte Gesamtwirkung heben den Film aber dennoch von so manch grundstupider oder allzu plump produzierter Sci-Fi-Kost der Marke Hollywood ab.

Bilder / Promofotos / Screenshots: © Netflix

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„Nicht weltbewegend und vor allem inhaltlich problematisch – aber durchaus nett anzusehen, und wenn man das ein oder andere Auge zudrückt auch mit einer ordentlichen Portion Atmosphäre.“

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Filmkritik: „Shin Godzilla“ (2016)

Originaltitel: Shin Gojira
Regie: Hideaki Anno
Mit: Hiroki Hasegawa, Satomi Ishihara, Yutaka Takenouchi u.a.
Land: Japan
Laufzeit: ca. 120 Minuten
FSK: ab 12 freigegeben
Genre: Science Fiction / Drama
Tags: Godzilla | Monster | Japan | Zerstörung | Katastrophe

Da stampft er wieder.

Kurzinhalt: Als sich im Küstengebiet Japans einige seltsame Zwischenfälle ereignen, sind die Verantwortlichen schnell alarmiert. Viel mehr als der Dinge zu Harren die da noch kommen bleibt ihnen allerdings nicht übrig – denn zunächst bleibt die eigentliche Ursache unklar. Bis, ja bis die schlimmsten und als Geschwätz abgetanen Befürchtungen einiger weniger doch noch wahr werden: es scheint sich um ein gleichermaßen riesiges wie mysteriöses Seeungeheuer zu handeln. Eines, von dem man nicht genau weiß was es als nächstes vorhaben könnte – doch auch so sind die durch die Kreatur verursachten Zerstörungen enorm. Schließlich scheint sich der Organismus in spezieller Weise weiterzuentwickeln, sodass die alsbald als GODZILLA getaufte Kreatur auch an Land geht und sich bald darauf in Richtung des Landesinneren aufmacht. Neben dem Versuch, möglichst viele Informationen über die Bestie einzuholen werden eifrig Pläne geschmiedet, wie man den nicht nur massiven wirtschaftlichen Schaden hinterlassenden GODZILLA aufhalten könnte – und das im besten Fall ohne die Zivilbevölkerung zu gefährden.

Kritik: Die Japaner und ihr gleichermaßen kultiges wie heißgeliebtes GODZILLA-Franchise – es kennt kein Ende. Während man das furchteinflößende Leinwandmonster in der westlichen Welt höchstens alle paar Jahre zu Gesicht bekommt (entweder in Form von starbesetzten amerikanischen Blockbustern, oder aber durch die hie und da ausgestrahlten alten japanischen Filme), scheint die Faszination im Heimatland der ursprünglich im Jahre 1954 von Ishiro Honda ins Leben gerufenen Kreatur ungebrochen. Sicher auch, da man den Mythos GODZILLA seit jeher mit durchaus realen Ereignissen innerhalb der jüngeren japanischen Geschichte in Verbindung bringen konnte; woran auch SHIN GODZILLA nichts ändert – in Anbetracht der noch nicht allzu lange zurückliegenden Katastrophe in Fukushima sogar eher im Gegenteil. Jedoch, und diese Herausforderung galt es speziell in Bezug auf SHIN GODZILLA zu meistern – hatte das Franchise bereits mit einigen Alterserscheinungen zu kämpfen und drohte sich zumindest aus einer künstlerisch etwas gehobeneren Sicht, in einem unwiederbringlichen Maße abzunutzen. Die vielen über die Jahre gesammelten, dabei aber nicht immer besonders herausragenden Filme zum Thema erledigten hier wohl ihr übriges – sodass SHIN GODZILLA tatsächlich als eine Art Wendepunkt fungiert.

Schließlich standen die Chancen in beide Richtungen gut. Entweder, man würde das Franchise langsam aber sicher zu Grabe tragen – oder aber es doch noch einmal neu beleben. Mit dem nötigen Fingerspitzengefühl und gewissen stilistischen Raffinessen, versteht sich – wofür in Anbetracht von SHIN GODZILLA niemand geringeres als Hideaki Anno auserkoren wurde. Vielen dürfte das japanische Ausnahmetalent aber eher nicht als Meister des Kaiju-Films geläufig sein – sondern vielmehr als Schöpfer der Anime-Serie NEON GENESIS EVANGELION und des einige Jahre später realisierten Reboots in Form von 4 neuen Filmen. Realfilme hat er zwar auch einige gedreht, doch rangieren diese eher unter ferner Liefen – wie etwa der 2004 erschienene und recht alberne Spielfilm CUTIE HONEY (siehe Review). Dass er dennoch für die Wiederbelebung des GODZILLA-Franchise auserkoren wurde hat andere Gründe – vornehmlich solche, für die man schon etwas tiefer graben muss. So hat ihn seine gleichermaßen intensive wie durchdachte Arbeit an EVANGELION durchaus für ein zumindest oberflächlich vergleichbares, so gesehen endzeitlich-apokalyptisches Szenario wie das in SHIN GODZILLA porträtierte qualifiziert. Auch die nahe Verbindung zu Kollegen wie Hayao Myazaki (Studio Ghibli), daraus resultierende Projekte wie GIANT GOD WARRIOR (siehe Artikel) und die Liebe zur traditionellen japanischen Kinotechniken – die sich in etwa im weitestgehenden Verzicht auf im Westen nur zu gern genutzte CGI-Effekte beziehen – machte ihn zu einem interessanten, ja wenn nicht dem einzigen in Frage kommenden Kandidaten.

Ob ihm das große Unterfangen auch gelungen ist, ist dagegen eine ganz andere Frage. Eine, die man wohl auch nicht ohne eine gewisse Trennung beantworten kann; denn: SHIN GODZILLA hat höchst unterschiedliche Kompetenzen – und darüber hinaus noch solche, die man hierzulande gänzlich anders bewerten oder einstufen würde als im eigentlichen Entstehungsland.

Immerhin: in Bezug auf das an den Tag gelegte Handwerk und die Art der Inszenierung sollte das Urteil schon eher eindeutig ausfallen respektive ohne das in Betracht ziehen weiterer Faktoren gefällt werden können. Anders gesagt: ob man der von Hideaki Anno verwirklichten GODZILLA-Variante optisch etwas abgewinnen kann, ist stark geschmacksabhängig. So ist es einerseits angenehm und höchst erfrischend zu sehen, dass man einen sogenannten Blockbuster auch ohne allzu teure und rein am Computer hergestellten Special Effects realisieren kann – wenn im Ausgleich dazu ein großes Augenmerk auf Handarbeit gelegt wurde. Doch während das Konzept vor allem in Bezug auf die stattfindende Panik und Zerstörung wunderbar aufzugehen scheint, fallen gerade die Ansichten der Kreatur selbst zutiefst gewöhnungsbedürftig aus. Mindestens, sollte man sagen – denn gerade der GODZILLA der ersten bzw. zweiten Evolutionsstufe sieht dank seiner unecht wirkenden Haut und der riesig-glasigen Augen alles andere als furchteinflößend aus. Eher befremdlich, was sicher auch Sinn und Zweck der Gestaltungsarbeit war – doch das letztendliche Ergebnis offenbart dann wohl doch etwas zu viel des Guten.

Ähnliches gilt auch für den weiteren mit der Kreatur verbundenem Lauf der Geschichte. Zwar sieht GODZILLA hier schon wesentlich besser und so gesehen auch wirkungsvoller aus – doch die relative Starrheit seiner Bewegungen sowie die wieder überaus künstlich erscheinenden besonderen Fähigkeiten (wie die im Westen eher nicht bekannten Energieausstöße in Form von alles zerstörenden Strahlen) sorgen eher für ein müdes Lächeln denn für eine wirkliche Atmosphäre. Das gilt hingegen nicht für den ganz und gar hervorragenden Soundtrack von Shiro Sagisu, der schon des öfteren mit Hideaki Anno zusammenarbeitete – und auch dieses Mal eine kleine Meisterleistung abliefert. Dass gerade durch die gespielten Stücke zusätzliche Seitenhiebe auf das EVANGELION-Franchise erkennbar werden, ist hier wohl nur ein i-Tüpfelchen. Während die verpflichteten Darsteller einen soliden Job machen; fällt die sonstige handwerkliche Arbeit nicht sonderlich spektakulär, aber doch weitestgehend zufriedenstellend aus. Die Wahl und Gestaltung der Schauplätze ist gelungen, die Kamera-Arbeit überzeugt durch teils gewagte aber niemals überdreht inszenierte Ansichten, die zwischengeschobenen Aufnahmen diverser Stadtansichten und der Panik der Bevölkerung erfüllen ihren Zweck.

Woran sich die Geister in Bezug auf SHIN GODZILLA scheiden werden sind aber ohnehin nicht die technischen Spezifikationen oder das zumindest dezent in Frage zu stellende handwerkliche Geschick der Verantwortlichen – sondern vielmehr die letztendliche Gewichtung des Films. Die sieht schließlich vor, dass weitaus mehr geredet als gehandelt wird – und das auf so gut wie allen Ebenen. Entsprechend ausschweifende Action-Szenen oder inhaltlich allzu rasant voranpreschende Abschnitte (bei denen eine hohe Aufmerksamkeit gefragt wäre) sollte man also keineswegs erwarten. SHIN GODZILLA ist ein ungewöhnlich politischer Film geworden, bei dem analog zu realen Bedrohungssituationen wie der in Fukushima versucht wurde; ein möglichst realistisches Porträt der handelnden Verantwortlichen zu zeichnen. So ist die Kamera stets nah am Geschehen, auch wenn nicht viel mehr geschieht als das hektische Zusammentragen von Informationen wie zum Auftakt des Films. Dementsprechend kann es durchaus vorkommen, dass mehrere Protagonisten wild durcheinander reden und dabei nicht immer sinniges respektive wichtiges von sich geben – was in Anbetracht des doch enormen Fokus auf die entsprechenden Konversationen irgendwann zu einer recht ermüdenden Angelegenheit werden kann.

Das potentielle Problem: zu einer dahingehenden Erlösung des Zuschauers kommt es nicht wirklich – selbst die wenigen Action-Szenen werden durch das Einstreuen minutiöser Planung und der Abschätzung aller erdenklichen Eventualitäten garniert. Anders gesagt: jeder, der etwas zum Thema zu sagen hat kommt auch zu Wort. Ob eine Vorgehensweise wie diese tatsächlich Vorteile mit sich bringen kann, bleibt fraglich. Fakt ist nur, dass SHIN GODZILLA gerade dadurch einen äußerst zähen Fluss bekommt, erst Recht natürlich aus der Sicht des westlichen Zuschauers. Dabei hätte es gar nicht erst ein Mehr an weiteren ellenlangen und im schlimmsten Fall substanzlosen Actionszenen sein müssen, mit denen man im Westen gerne mal etwas zu oft und aufdringlich konfrontiert wird – doch ein wenig mehr Witz oder Charme hätte man durchaus einbringen dürfen. Ja, selbst die Charaktere bleiben allesamt relativ unsympathisch und erscheinen kaum greifbar – was abermals im krassen Gegensatz zu diversen Star-Allüren der Marke Hollywood steht und grundsätzlich erfrischend ist, doch eine wie auch immer geartete Empathie entsteht so kaum. Und: dass eigentlich nur die allerletzte Szene des Films für ein wenig Aufsehen sorgt (genauer gesagt bei einer Nahaufnahme des Schwanzes des nunmehr eingefrorenen GODZILLA) und dezent auf eine der maßgeblichen Themengebiete von END OF EVANGELION verweist, ist in Anbetracht der in dieser Hinsicht kaum genutzten vorangegangenen zwei Stunden (!) fast schon ein Schlag ins Gesicht.

Mit dem Wissen um das langjährig erfolgreiche und allseits beliebte GODZILLA-Franchise, die Vorliebe für aus internationaler Sicht etwas eigen erscheinenden Stilmittel und nicht zuletzt die vergangenen Atomkatastrophen wird so vor allem eines klar: SHIN GODZILLA ist nicht nur ein zutiefst japanischer Film, sondern auch einer der fast ausschließlich für das hiesige Publikum gemacht wurde. Schlussendlich besitzt der Film so eine deutlich geringere universelle oder auch Faszinationskraft als etwa das vergleichsweise offene und prinzipiell für jedermann zugängliche EVANGELION-Franchise – sodass es äußerst wahrscheinlich ist, dass SHIN GODZILLA auf dem internationalen Markt nur wenig Erfolg haben wird. Ob das schade ist oder eine zu vernachlässigende Feststellung, muss ein jeder für sich ausmachen. Fest steht wohl nur: die Geschichten um und mit GODZILLA werden weitergehen – jetzt erst Recht.

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„Eine eher Japan-exklusive Monster-Mär mit teils gravierenden Problemen hinsichtlich der Gestaltung und der inhaltlichen Gewichtung.“

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Filmkritik: „Shut In“ (2016)

Originaltitel: Shut In
Regie: Farren Blackburn
Mit: Naomi Watts, Oliver Platt, Charlie Heaton u.a.
Land: Frankreich, Kanada
Laufzeit: ca. 90 Minuten
FSK: ab 16 freigegeben
Genre: Horror, Thriller
Tags: Mutter | Sohn | Familie | Unfall | Wachkoma

Willkommen im Land der (un)begrenzten Möglichkeiten.

Kurzinhalt: Nachdem ihr Mann Richard (Peter Outerbridge) und ihr Stiefsohn Stephen (Charlie Heaton) bei einem Autounfall schwer verunglückten, lebt die als Kinderpsychologin arbeitende Mary (Naomi Watts) zurückgezogen in einem großen Anwesen im ländlichen Neuengland. Neben ihrer Arbeit kümmert sie sich vor allem um ihren seit dem Unfall stark beeinträchtigten, pflegebedürftigen Stiefsohn – und hat bis auf gelegentliche Videochats mit ihrem Kollegen Dr. Wilson (Oliver Platt) kaum Kontakte zur Außenwelt. Eines Tages taucht plötzlich der Waisenjunge Tom (Jacob Tremblay) auf, der nach der bereits bei ihr absolvierten psychologischen Behandlung in einem speziellen Heim untergebracht werden sollte – sich aber offenbar von der einfühlsamen Mutter angezogen fühlt. Das Problem: so schnell und unerwartet er aufgetaucht ist, so schnell verschwindet er auch wieder. Und das in Richtung der verschneiten Wälder, ohne zusätzliche Winterkleidung. Mary macht sich Vorwürfe, und wird neben den ohnehin allgegenwärtigen Sorgen um ihren Stiefsohn nun auch noch von der Ungewissheit über den Verbleib des kleinen Jungen geplagt. Dass sie bald darauf starke Schlafprobleme entwickelt, gehört noch zu den kleineren Übeln…

Kritik: Ja, sie haben wieder Hochkonjunktur – Horrorfilme der guten alten Schule, die trotz vergleichsweise geringer Mittel eine möglichst große Wirkung erzielen sollen. Die gegen Ende 2016 in den Kinos erschienene Grusel-Mär SHUT IN bildet da keine Ausnahme – womit sich der vom bis dato eher unbekannten britischen Regisseur Farren Blackburn inszenierte Film auch einer entsprechenden Konkurrenz stellen muss. Zwar keiner durchweg hochkarätigen, schließlich impliziert die Rückkehr zu gleichermaßen bekannten wie altbewährten Stilmitteln nicht automatisch ein gelungenes Werk – doch in Anbetracht ihrer schieren Anzahl sollte man sich mit Filmen wie SHUT IN zumindest bemüht zeigen, für entsprechende Alleinstellungsmerkmale zu sorgen. Gerade das scheint in diesem Fall aber nicht allzu leicht, was gleich mehrere Gründe hat. Beispielsweise sieht SHUT IN abermals ein großes, selbstverständlich mit vielen Holzdielen ausgestattetes (Geister-)Haus als Schauplatz vor, bezieht sich wie im Genre typisch auf das gespenstische Erleben einiger weniger beteiligter Hauptpersonen – und treibt die Geschichte grundsätzlich nur mit jenen Zutaten voran, die man auch genau so von einem Film wie diesem erwartet hätte.

Anders gesagt: um einen allzu erfrischenden, gar Neuland betretenden Genre-Film handelt es sich nicht. Eher ist das Gegenteil der Fall – wobei es fast schon ironisch wirkt, dass man dem allgemein gefeierten Nachwuchsdarsteller Jacob Tremblay auch in SHUT IN eine Rolle gegeben hat. Schließlich konnte man den durchaus fähigen, seit RAUM weltweit bekannten Darsteller erst kürzlich – dass heißt im nur wenige Monate älteren BEFORE I WAKE (siehe Review) erleben. Hierbei handelt es sich um einen insgesamt ebenfalls nicht gerade herausragenden Film – aber doch zumindest einen, der sich das Potential des Jungdarstellers zunutze machte. In SHUT IN dagegen scheint er fast schon unterfordert zu sein, zumal seiner Rolle als Waisenjunge Tom eine eher geringe Bedeutung zuteil wird. Immerhin: während die eigentliche Hauptdarstellerin Naomi Watts eigentlich nur das typische Genre-Repertoire aufruft und bis auf ein entsprechenden Mienenspiel kaum aus sich herausgehen muss, sieht es in Bezug auf den 1994 geborenen Charlie Heaton (u.a. STRANGER THINGS) schon wesentlich besser respektive interessanter aus. Gerade im späteren Verlauf des Films verkörpert er die Rolle des eigentlich im Wachkoma liegenden Film-Sohnes Stephen Portman mit einer gewissen; man nenne es Vehemenz – unter hinterlässt damit einen intensiveren Eindruck als alle anderen Beteiligten des Films zusammen.

Allerdings keinen, der sich nachhaltig festsetzen würde – wofür sich aber vornehmlich nicht die Darsteller, sondern das grundsätzlich reichlich spröde, uninspirierte und einstweilen auch schlicht sinnlose Drehbuch verantwortlich zeichnet. Sicher, Filme die ausnahmsweise mal nicht auf einer entsprechenden Buchvorlage basieren und somit perfekt auf das Medium Film zugeschnitten werden könnten; sind immer öfter eine Seltenheit – und haben im besten Falls das Zeug dazu, für einen angenehm frischen Wind zu sorgen. Wenn, ja wenn denn das nötige Fingerspitzengefühl und vor allem auch einige guten Ideen vorhanden sind – was bei SHUT IN offensichtlich kaum der Fall war. Somit ist der eher lauwarme, sich dezent in die Länge ziehende; ja schlicht ärgerlich typische Auftakt des Films auch erst der Anfang der Misere – wobei man gar nicht erst anfangen sollte, gewisse Dinge zu hinterfragen (beispielsweise wie der junge Tom zur und in die Garage von Mary kommt). Richtig übel wird es schließlich erst wenn SHUT IN seinen großen Twist, oder so gesehen auch seinen eigentlichen Höhepunkt präsentiert. Immerhin: langweiliger wird er dadurch nicht – dafür aber umso abstruser und unglaubwürdiger. Dabei spielt es übrigens auch keine Rolle, ob man als Zuschauer bereits entsprechende Vorahnungen hegt oder wirklich vom Film überrascht wird. Denn: die Mühe, die speziell in Bezug auf die Atmosphäre von SHUT IN investiert wurde; war und ist schlicht zu gering.

So gering, dass sich neben der sich deutlich zu hanebüchen anfühlenden Story auch keine nennenswerte Spannung ergibt und erst Recht keine Empathie für die Charaktere entsteht. Selbst wer auf einzelne Gänsehaut-Momente aus ist, wird eher enttäuscht – bis auf ein paar klischeehaft inszenierte, altbekannte Jumpscares gibt es einfach nichts zu holen. Insgesamt betrachtet ist SHUT IN eine echte Enttäuschung – zumindest, wenn man sich doch noch etwas mehr erhofft als einen weiteren absolut typischen Horrorfilm der Marke Hollywood zu entdecken. Da können auch Naomi Watts, Charlie Heaton und Jacob Tremblay nichts daran ändern – die in einem anderen Film ein wirklich starkes Charakter-Trio hätten ergeben können. Eventuell, und mit dem bereits erwähnten; unbedingt nötigen Fingerspitzengefühl…

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„Ein Film so platt, konstruiert und austauschbar wie eine Schablone.“

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Filmkritik: „Before I Wake“ (2016)

Originaltitel: Before I Wake
Regie: Mike Flanagan
Mit: Kate Bosworth, Thomas Jane, Jacob Tremblay u.a.
Land: USA, Kanada, Großbritannien
Laufzeit: ca. 97 Minuten
FSK: ab 16 freigegeben
Genre: Horror, Fantasy
Tags: Kind | Adoption | Träume | Realität | Monster | Dämon

Träumen war schon immer eine zwielichtige Angelegenheit.

Kurzinhalt: Auch viele Jahre nachdem die jungen Eltern Jessie (Kate Bosworth) und Mark (Thomas Jane) ihren Sohn Sean (Antonio Even Romero) bei einem tragischen Unfall verloren haben, sitzt die Trauer tief. Dennoch lassen sie sich nicht ihren Lebensmut nehmen – und entschließen sich analog zu ihrer Gruppentherapie dazu, ein Kind zu adoptieren. Tatsächlich scheint sich diese zweite Chance auch bezahlt zu machen: die beiden schließen den ihnen vorgestellten 8-jährigen Cody (Jacob Tremblay) schnell in ihr Herz. Der wiederum gewöhnt sich schnell in sein neues Zuhause ein – während es lediglich seine andauernden Schlafprobleme sind, die den Eltern Sorge bereiten. Dabei scheint das Problem nicht damit gelöst, dem Jungen einfach seine auffallend ausgeprägte Angst vor dem Einschlafen zu nehmen – denn wen Cody träumt, spielen sich tatsächlich allerlei seltsame Dinge ab. Und so können die Eltern nicht nur einen erstaunten Blick auf im Wohnzimmer umherfliegende Schmetterlinge werfen – sondern auch auf ihren toten Sohn, der urplötzlich wieder vor ihnen zu stehen scheint. Aber eben nur solange, wie Cody träumt…

Kritik: Betrachtet man das vergangene Kinojahr 2016 sowie die ersten Monate des aktuellen in der Retrospektive, wird jedem geneigten Hobby-Cineasten und professionellem Kritiker eine andere beobachtbare Besonderheit in den Sinn kommen. Eine diesbezüglich auffälligere, und so gesehen alle Zuschauer vereinende Feststellung aber wird sich zweifelsohne ergeben: dass das Genre der Horrorfilms wieder einmal ein Revival erfahren hat, und zwar in Richtung einer eher klassischen Ausprägung. So scheint es wieder gerne gesehen wenn sich Horrorfilme nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, möglichst schnell und einfach zu realisieren sind – und dabei dennoch eine maximale Wirkung erzielen. Im besten Fall natürlich, ohne dabei allzu plump und vorhersehbar vorzugehen – wie es etwa auch Überraschungserfolgen vom Schlage eines INSIDIOUS (siehe Review) oder dem fast schon kammerspielartigen Horror-Thriller DER BABADOOK (Review) gelang. Auf den Zug des günstigen aber guten Horrorfilms wollen nun auch zahlreiche andere Genrefilme aufspringen – wie Mike Flanigan’s BEFORE I WAKE, für den der US-Amerikanische Regisseur auch das Drehbuch schrieb.

Immerhin: trotz der hinreichend bekannten Vorgehensweise und allerlei bekannten inhaltlichen Elementen, die man am ehesten als zweckdienlich bezeichnen könnte; scheint der Film durchaus auch vielversprechende Aspekte zu besitzen. Da wäre zum Beispiel die Tatsache, dass die Hauptrolle in Gestalt des 8-jährigen Cody von Nachwuchstalent Jacob Tremblay verkörpert wird – der für seine vorherige Darbietung in RAUM beinahe für einen Oscar nominiert wurde, und derzeit klar zu den fähigsten Kinderdarstellern überhaupt zählt. Auch die grundsätzliche Idee, dass BEFORE I WAKE mit dem Gedanken von wahr- respektive fleischwerdenden Träumen spielt; klingt allemal spannend. Eine nicht zu überbordende, nette bis dezente handwerkliche Arbeit inklusive einiger kaum aufdringlicher Special Effects und eine gute Arbeit der Kostüm- und Maskenbildner scheinen das Projekt abzurunden. Zumindest theoretisch und auf den ersten Blick. Doch genau das ist das Problem.

Denn: je weiter der Film voranschreitet, umso vorhersehbarer und unspektakulärer gerät er. Dabei sind es nicht nur die etwas zu penetranten und plötzlichen Jumpscares die für Verdruss sorgen könnten, und dem geneigten Horrorfan schon lange kein Schauergefühl mehr über den Rücken jagen – sondern vor allem die letztendliche Umsetzung der titelgebenden Traum-Idee. Schließlich wird ausgerechnet jenes Element, welches BEFORE I WAKE von so vielen anderen Genre-Werken hätte abheben können; auf das absolut nötigste reduziert. Anders gesagt: Cody träumt stets klar, verständlich; und zudem in einer strikten Unterteilung von gut und böse. Die sich daraus ergebenden Szenen, in denen die anderen Protagonisten die Auswirkungen jener erstaunlich übersichtlichen Traumwelten erfahren; geraten dabei fast schon lächerlich. Mal sind sie viel zu kitschig, mal viel zu offensichtlich auf einen einzelnen dämonischen Widersacher beschränkt – von dem man schnell annehmen muss, dass er eben doch in irgendeiner Form zu bekämpfen ist. Und das natürlich auch so, dass ein möglichst unbeschwertes Finale erreicht werden würde. Ob es tatsächlich so kommt oder nicht, davon sollte man sich zwar immer noch selbst überzeugen – wirklich lohnenswert oder gar überraschend fällt die Angelegenheit aber nicht aus.

Letztendlich ist es schade, dass man vergleichsweise wenig aus dem Auftritt eines starken Nachwuchsdarstellers wie Jacob Tremblay, einer interessant bis fantastisch anmutenden Grundidee und einem durchaus tauglichen handwerklichen Part gemacht hat. Die finale Umsetzung der Story allein holt jedenfalls niemanden hinter dem Ofen hervor, schon gar keinen alteingesessenen Horror-Fan. Anders gesagt: BEFORE I WAKE ist absolutes Genre-Standardfutter, und könnte lediglich als Notfalllösung für einen eher harmlosen Horrofilm-Abend fungieren.


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„Gute Darsteller zu verpflichten ist das eine – für einen frischen Wind zu sorgen oder zumindest einen soliden Horror-Streifen auf die Beine zu stellen das andere.“

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Metal-CD-Review: NARNIA – Narnia (2016)

Alben-Titel: Narnia
Künstler / Band: Narnia (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 16. September 2016
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal
Label: Keins / Independent

Alben-Lineup:

CJ Grimmark – Guitars, Keyboards
Christian Liljegren – Vocals
Andreas „Habo“ Johansson – Drums
Martin Härenstam – Keyboards
Andreas Olsson – Bass

Track-Liste:

1. Reaching for the Top (03:38)
2. I Still Believe (04:30)
3. On the Highest Mountain (04:42)
4. Thank You (05:22)
5. One Way to the Promised Land (04:46)
6. Messengers (03:32)
7. Who Do You Follow? (04:10)
8. Moving On (03:42)
9. Set the World on Fire (03:40)

Das siebte Album der siebten Liljegren-Band… oder so ähnlich.

Man kann sie lieben oder aber einen großen Bogen um sie machen: Bands, die sich klar der übergeordneten Spielart des Power Metal verschrieben haben; sich thematisch aber auf einen ganz bestimmten Bereich beschränken respektive spezialisieren – und das längst nicht nur für die Dauer eines einzelnen Alben-Konzeptes. So hat das Genre des Heavy Metal schon manche Blütenpracht in Form verschiedener Subgenres hervorgebracht – wie etwa den sogenannten White Metal. Als Gegenentwurf zum düsteren und harschen Black Metal werden hier nicht etwa satanische oder gar fremdenfeindliche Inhalte besungen – sondern vielmehr direkt mit dem christlichen Glauben verbundene Herzensangelegenheiten. Tatsächlich könnte man behaupten, dass es relativ schwierig ist eben solche Inhalte möglichst sinnvoll und glaubwürdig in ein entsprechendes musikalisches Gewand zu packen – zumindest schwieriger als beim düsteren Genre-Pendant, das ohnehin seine eingeschworene Fanbase hat.

Somit stehen Musiker wie die von NARNIA vor einer zusätzlichen Herausforderung. Man möchte durchaus einen direkten Bezug zum christlichen Glauben herstellen, und im besten Fall auch andere Gläubige erreichen – aber eben auch nicht so, dass man Gefahr läuft sich dezent lächerlich zu machen. Demnach scheinen Bands wie NARNIA darauf bedacht noch ausreichend andere Elemente in ihrer Musik zu verbauen – denn auch die nicht explizit gläubigen Genre-Liebhaber wollen bedient werden. Wie gut oder fast schon genial ein solches Unterfangen funktionieren kann, zeigen etwa die US-Amerikanischen Power Metaller von THEOCRACY auf. Die könnte man schließlich nicht nur als eine der interessanteren Bands mit christlichen Inhalten bezeichnen – sondern auch als eine der besseren Genre-Bands im allgemeinen. Die Frage ist demnach, wie NARNIA im Vergleich zu dieser oder anderen Combos abschneiden – wobei man an einer Feststellung gewiss nicht vorbei kommt. Und das ist unter Umständen eine gleichermaßen markante wie problematische.

Denn: den Posten des NARNIA-Leadsängers hat niemand geringeres als Christian Liljegren inne. Oder eher: er hat ihn wieder inne, nachdem er sich ab 2008 von NARNIA verabschiedet hatte und erst im Jahre 2014 zurückkehrte. Sicher ist dabei weder etwas gegen seine Gesangsleistung im allgemeinen, oder aber sein enormes Engagement innerhalb des Genres zu sagen – zumal er seine Fähigkeiten bereits hinreichend unter Beweis gestellt hat. Ein mit Liljegren verbundener Aspekt schmälert den Gesamteindruck der neuen NARNIA-Platte dann aber doch – auch wenn es sich so gesehen um einen indirekten handelt. Denn: es bleibt schlicht nicht aus, dass NARNIA unter Liljegren’s Führung frappierend nach den Ergüssen von DIVINEFIRE oder GOLDEN RESURRECTION klingen. Daran ist zwar nicht allein der Leadgesang verantwortlich – im Zusammenspiel mit der jeweils ganz ähnlichen instrumentellen Marschrichtung sowie den schier deckungsgleichen Inhalten macht er den Eindruck aber perfekt. Somit ist es schwierig, dem neuen NARNIA-Album etwas abzugewinnen was man sich beispielsweise nicht schon auf GOLDEN RESURRECTION’s MAN WITH A MISSION oder dem Nachfolger ONE VOICE FOR THE KINGDOM (siehe Review) hat holen können.

Immerhin: dass gleichermaßen flotte wie hymnische I STILL BELIEVE kann beinahe mit der etablierten Wirkung eines schmackigen IDENTITY IN CHRIST mithalten – und die auf dem neuen NARNIA-Album anberaumte Abwechslung aus energischeren und eher balladesken Momenten ist grundsätzlich angenehm. Die Kehrseite der Medaille, die eng mit der bereits behandelten Verwechselungsgefahr zu Bands wie GOLDEN RESURRECTION verbunden ist; offenbart dagegen ganz und gar ernüchterndes. So kann keine der auf dem Album enthaltenen Nummern wirklich zünden oder sich nachhaltig einbrennen, der Gesang und das Instrumentenspiel wirken einstweilen wie festgefahren. Anders gesagt: NARNIA scheinen hier insgesamt eher auf Nummer sicher gegangen zu sein, und sich dabei vor allem hinsichtlich ihrer Refrains verhaspelt zu haben. Derart kraftlose und uninspirierte Anwandlungen wie die hier immer wieder vertretenen sorgen jedenfalls nicht gerade dafür, den Hörer bei der Stange zu halten.

Hinzu kommt, dass sich neben den schnell zu entdeckenden grundsoliden Nummern wie etwa REACHING FOR THE TOP, I STILL BELIEVE oder ONE WAY TO THE PROMISED LAND leider auch solche finden, die sich qualitativ eher unterhalb einer wie auch immer gearteten Mittelmäßigkeit wohlzufühlen scheinen. Das auffallend langatmige und alles andere als emotionsgeladene ON THE HIGHEST MOUNTAINS, das viel zu schnulzige und mit störenden Verzerr-Effekten versehene THANK YOU; oder allgemein wenig aussagekräftiges Material a’la WHO DO YOU FOLLOW oder MOVING ON verhindern letztendlich, dass das Album überhaupt eine nennenswerte Wirkung entfalten kann. Zu großen Teilen regiert eine pure Langeweile und eine ärgerliche Gleichförmigkeit – die das Album mit den nunmehr relativ platt wirkenden christlichen Bezügen weit unter den Rang anderer vergleichbare Werke katapultiert.

Absolute Anspieltipps: I STILL BELIEVE, ONE WAY TO THE PROMISED LAND


„Zwei oder drei solide Nummern können dieses Album leider nicht retten.“