Metal-CD-Review: BLIND GUARDIAN – Beyond The Red Mirror (2015)

Alben-Titel: Beyond The Red Mirror
Künstler / Band: Blind Guardian (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 30. Januar 2015
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Nuclear Blast

Alben-Lineup:

Hansi Kürsch – Vocals
André Olbrich – Guitars
Marcus Siepen – Guitars
Frederik Ehmke – Drums

Track-Liste:

1. The Ninth Wave (09:28)
2. Twilight of the Gods (04:50)
3. Prophecies (05:26)
4. At the Edge of Time (06:54)
5. Ashes of Eternity (05:39)
6. The Holy Grail (05:59)
7. The Throne (07:54)
8. Sacred Mind (06:22)
9. Miracle Machine (03:03)
10. Grand Parade (09:28)

Vom Wunderland hinter dem Spiegel.

Gute 5 Jahre nach ihrem neunten Studioalbum AT THE EDGE OF TIME (siehe Review) erschien 2015 das bis heute letztaktuelle BLIND GUARDIAN-Album BEYOND THE RED MIRROR. Und damit auch ein Album, welches die Tradition der Band in vielerlei Hinsicht fortsetzte – und das nicht nur in Bezug auf das fantastische Artwork oder die Anzahl von exakt 10 vollwertigen Alben-Titeln. Mindestens einen Unterschied zum Vorgänger gibt es dann aber doch, und der spielt (wie nicht selten in der hiesigen Diskografie) auf das durchaus ehrenwerte Bestreben der Band an, sich mit ihrem jeweils neuesten Album nicht bloß wiederholen zu wollen. Ehrenwert ist das vor allem deshalb, da man so erst die Chance erhält näher zwischen den Alben der Genre-Pioniere differenzieren zu können – die sich seit dem früh vollzogenen Wandel der Band von einer Speed Metal-Combo in eine auf eine gewisse Epik ausgerichtete Power Metal-Formation allesamt in einem stilistisch gut zueinander passenden Fahrwasser bewegen. Dennoch, und wie sich zeigt birgt diese Form des minimalen, sich aber doch hörbar auswirkenden Neu-Erfindens auch eine gewisse Gefahr. Im größeren Kontext und in Bezug auf die gesamte Diskografie der Band bedeutet dies, dass BLIND GUARDIAN eine der; man nenne es qualitativ abwechslungsreichsten Diskografien überhaupt vorweisen können – und im kleinen Kontext, das heißt in Bezug auf das vorliegende BEYOND THE RED MIRROR; dass sich die Band abermals einen Schritt in eine so nicht unbedingt wünschenswerte Richtung erlaubt hat.

Sicher handelt es sich hierbei um eine etwas zugespitzte Formulierung, aber dennoch: gerade im Vergleich mit dem direkten Vorgänger AT THE EDGE OF TIME macht BEYOND THE RED MIRROR eine wesentlich schlechtere Figur als erwartet. Zwar legen es BLIND GUARDIAN hörbar darauf an, gerade das zu vermeiden – beispielsweise in Form ihrer dieses Mal doch recht üppig inszenierten symphonischen Facette inklusive eines echten Orchesters und Chors. Doch trotz der somit eigentlich zu erwartenden klanglichen Reichhaltigkeit ist das Album kurioserweise alles andere als spannend oder nennenswert facettenreich ausgefallen; oder mehr noch: über weite Strecken klingt es einfach nur ärgerlich langatmig. Woran genau das liegen könnte, ist schwer zu sagen – Fakt ist nur, dass es nicht auf die Leistungen der einzelnen (und der Band schon seit unzähligen Jahren die Treue haltenden) Mitglieder oder aber die zahlreichen anderen am Album beteiligten und dabei ebenfalls ihr Handwerk verstehenden Musikern zurückgeführt werden kann. Wobei, ganz stimmt das nicht – denn letztendlich muss sich ja irgendjemand für das Songwriting und das Konzept als vermutlich einzigen und wahren Knackpunkt von BEYOND THE RED MIRROR verantwortlich zeichnen. Wer genau hier welche Entscheidung zu welchem Zeitpunkt herbeigeführt hat, spielt dabei allerdings keine allzu große Rolle – nur, dass sie sich eher schlecht als recht auf das Album auswirken.

Vielleicht wollten BLIND GUARDIAN aber auch einfach zu viel – worauf bereits der überlange, mit wuchtigen Chor-Passagen ausgestatteter Opener THE NINTH WAVE hinweist. Aber auch wenn insbesondere der Orchester-Auftakt einen für BLIND GUARDIAN eher ungewöhnlichen Eindruck hinterlässt, ist der gar nicht erst das eigentliche Problem. Dieses findet sich schließlich erst im weiteren Verlauf, und folglich auch mit der Entwicklung der Nummer – der dabei ganz offensichtlich einige Stolpersteine in den weg gelegt wurden. Anders sind die stellenweise auftretenden, in Anbetracht des bisherigen Werdegangs der Band überraschend langatmigen und unspektakulären Momente wohl kaum zu erklären – wobei es sich um eine Form der Gleichförmigkeit handelt, die sich unglücklicherweise auch durch den Rest des Albums zieht. Viel zu oft hat man das Gefühl, als würden sich BLIND GUARDIAN aus unbestimmten gründen zurückhalten – was sich hier insbesondere durch die sich stark ähnelnden Strukturen und Stimmungen, das Ausbleiben von nennenswert andersartigen und die Atmosphäre befeuernden Titeln (MIRACLE MACHINE ist eine Ausnahme, aber leider keine besonders gute), das Fehlen von klaren Highlights sowie die relative klanglichen Dissonanzen in Bezug auf die nicht ganz glückliche Abmischungs- und Produktionsarbeit beziehen.

Ein in diesem Fall ebenfalls nicht zu verachtender Kritikpunkt (mit dem die Band im übrigen schon des öfteren zu kämpfen hatte) bezieht sich auf die überlagerten Gesänge sowie die Inszenierung der Chöre, die auf BEYOND THE RED MIRROR einen alles andre als wuchtigen oder ausgewogenen Eindruck hinterlassen – und so dazu führen, dass sich die Nummern noch gleichförmiger anfühlen als ohnehin schon. Aber auch Leadsänger Hansi Kürsch hat schon einmal eine bessere Figur gemacht – was den insgesamt doch eher enttäuschenden Eindruck des Albums unterstreicht. Momentan mag es zwar ein schwacher Trost sein, aber: wenn man so will und der bisher eigentlich immer bei der Betrachtung von BLIND GUARDIAN aufgegangen Rechnung traut, sollte das nächste Album wieder ein Highlight werden…

Absolute Anspieltipps: AT THE EDGE OF TIME, THE HOLY GRAIL


„Das erste deutlicher enttäuschende BLIND GUARDIAN-Album als hoffentlich nur einmaliger Ausrutscher.“

Metal-CD-Review: SECRET SPHERE – A Time Never Come 2015 Edition (2015)

Alben-Titel: A Time Never Come – 2015 Edition
Künstler / Band: Secret Sphere (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 28. April 2015
Land: Italien
Stil / Genre: Power Metal
Label: Scarlet Records

Alben-Lineup:

Aldo Lonobile – Guitars
Michele Luppi – Vocals
Andrea Buratto – Bass
Marco Lazzarini – Drums
Gabriele Ciaccia – Keyboards
Marco Pastorino – Guitars

Track-Liste:

1. Gate of Wisdom (00:59)
2. Legend (06:15)
3. Under the Flag of Mary Read (07:22)
4. The Brave (07:13)
5. Emotions (02:35)
6. Oblivion (04:34)
7. Lady of Silence (05:27)
8. The Mystery of Love (06:55)
9. Paganini’s Nightmare (01:11)
10. Hamelin (04:42)
11. Ascension (01:07)
12. Dr. Faustus (08:26)
13. Lie to Me (live) (04:12)
14. Wish & Steadiness (live) (04:55)

Vorsicht vor dem einen großen Fehler.

Dass sich eine Band aus irgendeinem Grund für eine Neuaufnahme eines ihrer älteren Alben entscheidet, ist längst nichts neues mehr. Wie sehr man sich mit einem eben solchen Projekt verhaspeln kann, überrascht dagegen immer wieder – zumal, und das ist das eigentlich fatale; es erst gar keinen offensichtlichen Grund für eine entsprechende Neufassung gab. Vor exakt diesem Problem stehen nun auch die italienischen Power Metaller von SECRET SPHERE – die sich für ihre 2015’er Edition von A TIME NEVER COME die gleich betitelte Urfassung aus dem Jahre 2001 (siehe Review) zur Brust nahmen um sie analog zum kürzlichen Lineup-Wechsel (für den angestammten Leadsänger Roberto „Ramon“ Messina kam erst kürzlich der von VISION DIVINE bekannte Michele Luppi) für die Zukunft der Band aufzubereiten. So oder so ähnlich müssen SECRET SPHERE jedenfalls gedacht haben – wobei das gar nicht erst nicht ihr größter Fehler war. Der liegt vielmehr und schlicht darin begründet, dass A TIME NEVER COME das markanteste und vielleicht auch beste Album der Italiener war und bis heute ist – und niemand der bei klarem Verstand ist, auf eine unnötige Neuaufnahme des bereits erstklassigen Materials setzen würde. Auch oder gerade dann nicht, wenn man in der Zwischenzeit einen neuen Leadsänger akquiriert hat – der das Erbe seines Vorgängers eigentlich nur mit Füßen treten kann. Und das selbst, wenn er sein Handwerk versteht.

So kann die 2015’er Edition eigentlich nur im Hinblick auf jene Aspekte punkten, von denen man erwarten konnte dass sie auch genau so eintreten. Namentlich wären das eine Aufnahme-, Abmischungs- und Produktionsqualität die den aktuellen qualitativen Standards entspricht – und eine Herangehensweise, die selbst kleinere Fehler oder Unstimmigkeiten vollständig ausmerzt. Das Problem: trotz dessen, dass A TIME NEVER COME in den ersten Momenten wesentlich klarer und druckvoller durch die Boxen rauscht; geht die einst anberaumte Magie fast vollständig verloren. Anders gesagt: die unbeirrte Kraft und der vom Originalmaterial ausgehende Wille der Band etwas großes zu erreichen, geht auf der Neufassung verständlicherweise verloren – und wird gegen eine eigentlich eher unliebsame Form der Perfektion ausgetauscht. Einer im schlimmsten Fall als seelenlos zu bezeichnenden noch dazu – auch wenn sich in Bezug auf die eigentliche Qualität des Materials nicht allzu viel ändert. Die wahre Crux liegt hier schlicht in der Darbietungsform begründet, die die 2015’er Edition eines legendären Albums zu alles andere als einem Genuss macht – und das schon mit dem Vorgänger PORTRAIT OF A DYING HEART eher wackelig erscheinende musikalische Konstrukt der Band nicht nennenswert festigt. So kann oder sollte es jedenfalls nicht weitergehen mit einer Band, die einst Power Metal-Geschichte schrieb.

Absolute Anspieltipps: /


Schon in der Theorie problematisch – und in der Praxis umso ernüchternder.“

Metal-CD-Review: BANE OF WINTERSTORM – The War Of Shadows II (EP, 2015)

Alben-Titel: The War of Shadows II: Upon the Throne of Râvnöraak (EP)
Künstler / Band: Bane Of Winterstorm (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 11. November 2015
Land: Australien
Stil / Genre: Symphonic Power Metal
Label: Keins / Independent

Alben-Lineup:

Anthony J. Finch – Guitars, Vocals, Orchestrations
Tristan Petersön – Bass
Alberto di Biase – Drums, Percussion
Riccardo Mecchi – Vocals

Track-Liste:

1. Behold, a Pale Winter (02:30)
2. And the Kingdom Fell (05:38)
3. In the Shadow of the Devourer (06:34)
4. Ghosts of the Earth (03:52)
5. Dust upon the Throne (13:08)

Wenn’s mal wieder etwas düsterer werden soll.

Nein, und auch wenn es bei der Verlautbarung des Bandnamens nicht bei jedermann gleichermaßen klingen wird – BANE OF WINTERSTORM sind kein gänzlich unbeschriebenes Blatt. Immerhin haben die bereits seit 2009 als WINTERSTORM aktiven Australier schon ein respektables Debütalbum veröffentlicht, mit dem sie sich in jedem Fall für so manche Merkliste der interessanteren Power Metal-Formationen aus dem symphonischen Bereich qualifiziert haben. Und das vornehmlich, da der hier gemeinte Erstschlag THE LAST SONS OF PERYLIN (siehe Review) als überraschend wuchtiges, vergleichsweise düsteres und gut durchdachtes Konzeptalbum daherkam – dass seine Spielzeit von guten 50 Minuten auf gerade einmal 5 Titel verteilte und von zahlreichen Gastauftritten anderer Genre-Pioniere (wie etwa Jonas Heidgert von DRAGONLAND) geschmückt wurde. Umso merkwürdiger erscheint es, dass die Band schon kurz nach dem so gesehen sensationellen Debüt abermals eine verdächtige Auszeit nahm. Eine, von der sich BANE OF WINTERSTORM offenbar bis heute nicht erholt haben – schließlich lassen die Australier momentan über keinen der ihnen zur Verfügung stehenden Kanäle etwas von sich hören.

Dass das mehr als nur schade ist, braucht man dabei nicht nur anhand des bereits erwähnten THE LAST SONS OF PERLYN erörtern – sondern eventuell auch im Hinblick auf die etwas später veröffentlichte EP mit dem schier unausschreiblichen Titel THE WAR OF SHADOWS II – DUST UPON THE THRONE OF RÂVNÖRAAK. Wichtig erscheint in diesem Zusammenhang, dass die EP aus dem Jahre 2015 stammt – und damit ein Relikt einer Zeit ist, in der schon gewisse Unruhen innerhalb der Band geherrscht haben müssen. Und das merkt man das den 5 enthaltenen Titeln auch irgendwie an – zumindest im direkten Vergleich mit dem schlicht noch etwas runder wirkenden THE LAST SONS OF PERLYN. Wobei, und das ist die eigentliche Überraschung; selbst das nicht verhindern kann, dass die EP eine vergleichsweise markante Wirkungskraft entfalten und den Hörer im besten Fall nachhaltig fesseln kann. So düster, atmosphärisch und schlicht episch klang schließlich schon lange keine Symphonic Power Metal-Combo mehr. Mit Ausnahme von RHAPSODY OF FIRE eventuell, deren Status aber mittlerweile als dezent prekär einzustufen ist – oder die ANCIENT BARDS; die aufgrund des weiblichen Leadgesangs und dem Hang zu auch mal etwas balladeskeren Strömungen eine mindestens ebenso qualitative, aber eben auch etwas weichere Vergleichsmöglichkeit bieten.

BANE OF WINTERSTORM sind damit eine der wenigen Genre-Combos, die sich nicht davor scheuen einen vergleichsweise bombastisch angehauchten Symphonic Power Metal inklusive allerlei Filmsoundtrack-Bezüge (dann: aus dem Genre der düsteren Fantasy) sowie einer ordentlichen Priese Härte zu inszenieren – aber das eben stets ohne sich dabei dem Kitsch hinzugeben, oder auf irgendeine andere Art und Weise unglaubwürdig zu klingen. Im Zusammenspiel mit der vermittelten Tragweite der erzählten Geschichten, dem höchst soliden Handwerk und der schier perfekten Abmischungs- und Produktionsarbeit ergibt sich so ein recht überzeugendes Gesamtbild – dass lediglich von zwei Faktoren gestört wird, und auch in Zukunft noch gestört werden könnte. So sollten sich BANE OF WINTERSTORM früher oder später entgültig entscheiden, ob und wie sie mit ihrer Band weitermachen wollen – und dementsprechend auch mit einer klaren Besetzung und Mission auftreten. Ein allzu wildes hin- und her kann sich schließlich nur negativ auswirken. Zum anderen, und das ist momentan noch ein eher zu vernachlässigender Faktor; sollten die Australier darauf achten hie und da doch mal das ein oder andere für sie frische Element einzubauen – schlicht, da sich irgendwann eine gewisse Form der Eintönigkeit einschleichen könnte, die sich trotz des insgesamt positiv ausfallenden Eindrucks schon im Rahmen der knapp 31 Minuten der EP bemerkbar machen könnte.

Absolute Anspieltipps: AND THE KINGDOM FELL, IN THE SHADOW OF THE DEVOURER


„Ein hervorragend funktionierender, düsterer Symphonic Power Metal – und eine Band mit einer ungewissen Zukunft.“

TV-Kritik / Anime-Review: ONE PUNCH MAN

Originaltitel: ワンパンマン
Typ: Anime-TV-Serie
Umfang / Laufzeit: 12 Folgen (je ca. 25 Minuten)
Land: Japan
Regie: Shingo Natsume
Studio: Madhouse
Genre: Action / Sci-Fi / Fantasy
Tags: Schlag | Kraft | Verantwortung | Helden | Außerirdische | Mutanten

Die Liste der 12 Episoden (deutsche Titel):

01 Der Stärkste
02 – Ein entrückter Cyborg
03 – Beharrlicher Wissenschaftler
04 – Ninja von heute
05 – Ultimativer Lehrer
06 – Furchterregendste Stadt
07 – Überlegender Schüler
08 – König der Tiefsee
09 – Unbeugsame Gerechtigkeit
10 – Nie da gewesene Krise
11 – Gebieter über das All
12 – Der stärkste Held

Vorsicht vor dem einen, wirklich ernsthaften Schlag.

Inhalt: Wenn man seinen eigenen Worten glaubt, dann führt der in der Z-Stadt lebende Kämpfer und Hobbyheld Saitama ein recht langweiliges Leben. Als Außenstehender jedoch kann man kaum anders, als nachhaltig beeindruckt zu sein – immerhin erledigt der durch sein hartes Training glatzköpfig gewordene Supermarkt-Schnäppchenfan jeden nur erdenklichen Gegner, und das mit nur einem Schlag. Eben das scheint ihm auch eine gewisse Routine beschert zu haben, sodass er selbst bei Angriffen der größten und furchteinflössendsten Kreaturen kaum eine Miene verzieht. Der junge Cyborg-Kämpfer Genos indes weiß um die unglaubliche Stärke des äußerlich unscheinbaren Naturtalents – und versucht trotz seiner ebenfalls nicht zu verachtenden Kampfkraft alles, um Saitamas neuer Schüler zu werden. Und auch wenn der sich zunächst merklich sträubt, entwickeln die beiden tatsächlich eine besondere Form des Zusammenhalts – die immer wieder gespickt ist von allerlei freundschaftlichen Rivalitäten und Wettkämpfen. So kommt es den beiden auch recht gelegen, dass sie als neue Mitglieder in der sogenannten Heldenvereinigung aufgenommen werden – in die nur die stärksten Helden kommen, und bald darauf nach speziellen Fähigkeits- und Beliebtheitsrankings aufgeteilt werden. Die alles entscheide Frage aber ist, ob Saitama und seine neuen Kollegen wirklich jeder Bedrohung entgegentreten können – im besten Fall ohne dabei doch noch draufzugehen…

Vorwort & Ersteindruck: ONE PUNCH MAN ist eine 2015 erstmals in Japan ausgestrahlte Anime-Serie, die ihren Ursprung in einer erfolgreichen Webcomic-Serie und einem darauf folgenden Manga hat. Dieses Jahr erschien die insgesamt 12 Episoden und einige Specials umfassende Serie endlich auch auf dem Heimkinomarkt in Deutschland – und das sogar mit einer zur Abwechslung mal wieder vortrefflich gelungenen Synchronisation. Der Chance, dass das in Japan längst enorm populäre Franchise auch hierzulande weiter an Bekanntheit gewinnen wird; steht somit kaum etwas im Weg. Und das sollte es auch nicht. Schließlich sind die Geschichten um den makaberen Anti-Helden Saitama nicht nur bei eingefleischten Manga- und Animefans beliebt, oder anders gesagt: wann wenn nicht jetzt besteht die Chance, seine sonst gegenüber Animes eher verhalten reagierenden Freunde mit einer unterhaltsamen und gut gemachten Serie wie ONE PUNCH MAN ganz im Sinne der fälschlicherweise gerne mal belächelten japanischen Kunstform zu bekehren ? Eines muss man dabei allerdings festhalten, und das geht eher gegen den typischerweise üblichen Anime-Kodex einer zumeist tiefgründigen und vielschichtigen inhaltlichen Komponente: ONE PUNCH MAN hat alles, nur keine ausgefeilte Story. Zumindest noch nicht, das heißt mit dem aktuellen Status Quo einer einzigen Staffel mit nur 12 recht knappen Episoden.

Story / Inhalt

In Bezug auf seine Story sowie etwaige potentielle Hintergrundgeschichten lässt es ONE PUNCH MAN zumeist extrem vereinfachend bis gekonnt umschiffend angehen. Abgesehen von den immer neuen und immer größeren Bedrohungen die es für Saitama und die anderen Helden zu bekämpfen gilt, machen eigentlich nur die Charaktere selbst gewisse Sprünge respektive Entwicklungen durch. Eine detaillierte oder weitestgehend nachvollziehbare Erläuterung möglichst aller Umstände innerhalb der hier gezeichneten Welt ist demnach zu keinem Zeitpunkt vorgesehen.

Allerdings, und das muss man dem Anime zugute halten; wirkt sich das im Falle von ONE PUNCH MAN kaum negativ aus. Dass man viele – oder eher alle – der kunterbunt-schrillen Besonderheiten schon ab der ersten Episode einfach so hinnehmen muss, gehört schlicht zum abgedrehten Gesamteindruck der Serie. ONE PUNCH MAN will keine großartige oder gar innovative Geschichte erzählen – sondern den Zuschauer stattdessen mit dem Auftreten immer neuer Helden und analog dazu auch immer verrückteren Kampf- und Actionszenen bei Laune halten. Und das ist etwas, was die Serie auch problemlos schafft – die 12 Episoden wirken kurz und knackig, und vergehen dabei wie im Flug.

Einen negativen Aspekt, der nicht immer ganz vom enormen Unterhaltungsfaktor der Serie überdeckt werden kann; gibt es dann aber doch. Begründet liegt er in der Tatsache, dass Saitama seinem Namen wahrlich alle Ehre macht – und jeden Gegner mit nur einem Schlag besiegt. Gut, im Endkampf waren es dann doch einige mehr – aber im Großen und Ganzen gerät das eigentliche Alleinstellungsmerkmal der Serie auch leicht zu ihrem Nachteil. Sonderlich spannend sind die Kämpfe so schließlich nicht, es sei dann natürlich etwaige andere Helden springen ein und demonstrieren was sie können – oder aber die jeweiligen Gegner sind so von sich überzeugt, dass ihre quasi-Monologe fast schon mehr Spaß machen als die Kämpfe selbst. Fest steht aber: sollte es eine zweite Staffel geben, wären hier sicher noch einige weitere Variationen von Nöten – denn sonst könnte sich vielleicht doch noch eine gewisse Form der Eintönigkeit breit machen.

Charaktere

Sicher, in Bezug auf die Story und die grundsätzlich auch nicht unbedingt als innovativ zu bezeichnenden Inhalte kann ONE PUNCH MAN nicht wirklich punkten. Bei seiner ebenso starken wie abwechslungsreichen Charakter-Riege aber fährt die Serie dann doch noch alle Geschütze auf – und präsentiert dem Zuschauer ein ebenso kunterbuntes wie zutiefst unterhaltsames Ensemble. Vielleicht sogar eines der unterhaltsamsten, die es je in einer Anime-Serie gegeben hat – wobei sich ONE PUNCH MAN gar nicht mit sonst gerne bedienten Niedlichkeits-Klischees oder sexuellen Anspielungen aufhält, was man als zusätzlichen Pluspunkt betrachten könnte. Das einzige, was ansatzweise in diese Kategorie fallen könnte; wäre wohl der Auftritt des Puri Puri Prisoners – doch auch hier geht ONE PUNCH MAN derart überdreht und schlicht sympathisch vor, dass man sich erst gar keine weiterführenden Gedanken machen muss.

Ja, ONE PUNCH MAN macht einen Heidenspaß – was auch für das Porträt des Hauptcharakters Saitama gilt, dem sein Helden-Dasein eher langweilig vorkommt. Doch gerade dass er damit genau das verkörpert, was man von einem gestandenen Superhelden eher nicht erwarten würdesorgt für einen reichlich frischen Wind – und spendiert den oft unerbittlichen Kämpfen eine so noch nicht dagewesen komödiantische Facette. Analog zu einer auch sonst immer wieder anberaumten Alltags- und Situationskomik im Zusammenspiel mit anderen Charakteren, versteht sich – wobei dem Zuschauer kaum Zeit gelassen wird, sich zu erholen. Etwas zu entdecken gibt es schließlich immer – und das hohe Erzähltempo und die gerne mal direkt aneinandergereihten verrückten Ideen lassen schlicht keine Langeweile aufkommen.

Neben Saitama ist es so auch sein Sidekick Genos, der einige Sympathiepunkte einheimsen kann. Vornehmlich, da er das absolute Gegenteil von Saitama darstellt – und sein Handeln von einer eher ernst- und gewissenhaften Natur ist. Sicher, wirklich große Veränderungen machen beide nicht durch – doch ist es interessant zu sehen, wie genau sich ihr Zusammenspiel im Verlauf der Serie entwickelt.

Dann gibt es da noch die zahlreichen anderen Helden aus der Heldenvereinigung, die entsprechend kurios in Szene gesetzt werden (und teilweise sogar recht spannend, was dem anberaumten Rängesystem zu verdanken ist) und so für weitere Steigerungen des Unterhaltungswertes sorgen. Der Wunsch nach mehr Screentime des ein oder anderen besonders befähigten könnte dabei durchaus aufkommen – denn wirklich uninteressant erscheint hier niemand. Anders gesagt: wenn es nicht die Fähigkeiten der Helden sind die für Aufsehen sorgen, dann doch die jeweilige Persönlichkeit oder aber entsprechende Persönlichkeits-Macken.

Zuletzt spendiert ONE PUNCH MAN seinen Helden natürlich auch entsprechende Widersacher – wobei sich die Macher abermals ordentlich ausgelassen haben.  Entweder punkten die Monster mit besonders schrillen Designs und Animationen, oder aber mit besonders spektakulär in Szene gesetzten Auftritten. In denen wird beispielsweise nicht selten ein herrlich-überzogenes Weltübernahme-Gefasel an den Tag gelegt – was man so auch aus anderen Anime-Serien kennt. Der Zusammenhang in ONE PUNCH MAN indes ist ein ganz anderer, sodass man selbst die Monster (die sich hie und da nochmal zum Abschluss einer Episode melden) liebgewinnen und nach deren Vernichtung irgendwie auch vermissen wird.

Optische Aspekte

ONE PUNCH MAN bietet zwar keine optischen Innovationen – überzeugt dafür aber mit einem äußerst soliden Handwerk. Seien es die ganz und gar prächtige Farbenvielfalt, das geniale Charakter- und Monsterdesign, die ebenso flotten wie geschmeidigen Kampf- und Actionszenen oder die generelle optische Vielfalt – die Serie ist nicht weniger als Zucker für die Augen. Und das ohne, dass man eine übertriebene Hektik oder eine zu schnelle Bildfolge befürchten müsste. Lediglich eine gewisse Vorliebe für allerlei zeichnerische Übertreibungen sowie den ein oder anderen (absichtlich) simpel animierten Abschnitt sollte man schon mitbringen – schließlich hält der allgemeine Slapstick auch im Bereich des handwerklichen Einzug, glücklicherweise aber pointiert und relativ stilvoll.

Akustische Aspekte

Schon der mitreißende Opener von ONE PUNCH MAN macht klar: es darf gerne mal etwas ausgelassener und energetischer zugehen. Abgesehen vom Outro, welches im Gegensatz dazu einen krassen Gegenpol bildet; punktet die Serie so auch in den Kampfszenen mit allerlei antreibenden bis hymnischen Tönen. Letztendlich spielt der Soundtrack aber keine allzu große Rolle – zumal er in der allgemein abgedrehten Szenerie auch so manches Mal unterzugehen droht. Nicht zuletzt die Soundeffekte und das Engagement der Sprecher machen aus ONE PUNCH MAN aber auch ein akustischen Vergnügen.

Fazit: Hinsichtlich seines potentiellen Publikumserfolges stellt ONE PUNCH MAN eigentlich nur eine Frage: kann man als Zuschauer einmal mehr (im japanischen Anime-Bezug wohl eher: ausnahmsweise) auf einen ausgefeilten Storyschwerpunkt verzichten, und sich stattdessen nur an einer kunterbunt-verrückten Welt inklusive vieler schmackiger Actionszenen und zahlreicher schriller Charaktere erfreuen ? Wenngleich die Frage besser nicht generell mit einem lauthalsen ja beantwortet werden sollte – und das schon gar nicht in Richtung der westlichen Unterhaltungsindustrie, die Ambitionen wie diese nur allzu gut kennt – so kann, sollte oder muss man für ONE PUNCH MAN einfach mal eine Ausnahme machen. Anders gesagt: so durchtrieben und unterhaltsam, dabei aber stets handwerklich ansprechend und mit einem angenehmen Humor versehen war schon lange keine Anime-Serie mehr.

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„Eine Serie (fast) so stark wie ein Schlag von Saitama selbst. Ausnahmsweise gilt: eine zweite Staffel darf gerne folgen.“

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Metal-CD-Review: TALES OF GAIA – Breaking Dawn (EP, 2015)

Alben-Titel: Breaking Dawn (EP)
Künstler / Band: Tales Of Gaia (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 31. Januar 2015
Land: Spanien
Stil / Genre: Power Metal
Label: Keins / Independent

Alben-Lineup:

Niceto Aguilera – Bass
Sergi Sabater – Drums
Javi Carrillo – Guitars
Raul Moriana – Guitars, Keyboards
Edgar Castro – Vocals

Track-Liste:

1. Intro (01:30)
2. The Conquerors (04:39)
3. The Magic Land (05:38)
4. Death to the King (05:12)
5. Tales of Gaia (07:33)

Früher war eben doch (fast) alles besser.

Analog zur Alben-Besprechung in der ein intensiverer Blick auf das erste offizielle Studioalbum der Spanischen Power Metaller von TALES OF GAIA geworfen wurde (siehe Kritik zu HYPERNOVA), soll die Uhr an dieser Stelle doch noch einmal um ein paar Jahre zurückgedreht werden. Vornehmlich, da sich die Spanier aktuell wahrlich nicht mit Ruhm bekleckert haben – und insbesondere der Leadgesang des aktuellen Frontmanns Néstor Català locker das Zeug dazu hat, eine mitunter verstörende Wirkung zu etablieren. Im gleichen Atemzug aber weckt eben jener Umstand auch ein gehöriges Interesse – und zwar in Richtung der früheren Marschroute der Band, die offenbar schon öfter Probleme mit der Besetzung des so wichtigen Leadgesangspostens hatte. Warum genau, das wissen wohl nur TALES OF GAIA selbst – eben so wie sie es hätten wissen müssen, dass Néstor Català womöglich doch nicht der richtige Mann für das Projekt ist.

Fakt ist aber auch, dass es eine Zeit gab in der es wesentlich besser aussah für die Ambitionen von TALES OF GAIA – worüber die vorliegende BREAKING DAWN-EP auch heute noch Zeugnis ablegt. Und das trotz der gerade einmal 5 respektive 4 enthaltenen vollwertigen Titel, die nach dem grundsätzlich überflüssigen Intro um die Gunst der Hörerschaft buhlen. Das besondere, und gewissermaßen erleichternde dabei ist: sie sind in eben diesem Bestreben auch recht erfolgreich – was vermutlich nur zwei Gründe hat. Zum einen wäre da die Tatsache, dass TALES OF GAIA ihr Handwerk durchaus verstehen, und vor allem das Spiel der Instrumente zu Gefallen weiß. Sicher, Anzeichen dafür findet man auch auf dem neuesten Album HYPERNOVA – doch die etwas abgespecktere (das heißt nicht überproduzierte, Sci-Fi-angehauchte und von dicken Keyboardteppichen unterlegte) Klangkulisse von BREAKING DAWN überzeugt dann eben doch noch ein stückweit mehr.

Der andere, in Anbetracht des neuen Albums noch wichtigere Grund aber sollte in der Darbietung des damaligen Leadsängers Edgar Castro zu finden sein. Zwar hat der keinen allzu hohen Wiedererkennungswert und klingt letztendlich wie nicht wenige seiner zahlreichen Genre-Kollegen – und doch wirkt seine Leistung vergleichsweise (stil-)sicher, engagiert und stimmig. Dies gepaart mit der der Band immer noch zu attestierenden Grundfähigkeit recht ansprechende Genre-Hymnen zu kreieren, führt dann eben zu Nummern wie THE MAGIC LAND – die wie so oft nicht vor diversen Klischees gefeit ist, aber schlicht einen Heidenspaß macht und vor allem gut klingt. Sicher, die EP mag in Anbetracht der hochkarätigen internationalen Konkurrenz nicht sonderlich interessant oder gar herausragend erscheinen; wobei sie am ehesten nach früheren Bestrebung von Combos wie etwa CRYSTALLION klingt.

Doch gerade wenn man BREAKING DAWN mit HYPERNOVA vergleicht, ist man geneigt über die kleineren Schwächen in der Abmischung (der Leadgesang beispielsweise ist deutlich zu laut und vordergründig), der nicht perfekten Darbietung von Edgar Castro und die letztendlich nicht ganz so aussagekräftige Gesamtwirkung hinwegzusehen. Anders gesagt: im Vergleich mit HYPERNOVA ist BREAKING DAWN schlicht Gold wert, und zeigt mit Nachdruck auf was einmal aus den Spaniern hätte werden können. Wobei die Geschichte der Band natürlich noch nicht zu Ende ist – und sich vielleicht doch noch alles zum Guten wendet.

Absolute Anspieltipps: THE MAGIC LAND, DEATH TO THE KING, TALES OF GAIA


„Weniger Innovation, mehr Wumms – das sind die eigentlichen TALES OF GAIA.“