THORNBRIDGE – Gallery Of Horror (Official Tracks)

Metal-CD-Review: HOPES OF FREEDOM – Hopes Of Freedom (2012)

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Alben-Titel: Hopes Of Freedom
Künstler / Band: Hopes Of Freedom (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 01. Dezember 2012
Land: Frankreich
Stil / Genre: Power Metal
Label: Keins / Independent

Alben-Lineup:

Lucas Lambert – Vocals, Guitars
Loris Brix – Bass, Vocals (backing)
Clément L’Heryenat – Drums
Thibault Hennart – Guitars, Vocals (choir)

Track-Liste:

1. …and the Manuscript Unfolds (02:26)
2. Your Life in My Hands (05:22)
3. Through the Winds and the Rain (06:34)
4. Ride in the Sky (06:54)
5. The Fight (07:33)
6. Masters of the World (05:31)
7. Run Away (05:44)
8. Death Should We Falter (08:05)
9. The Call (05:52)
10. Hopes of Freedom (11:29)

Eine neue Hoffnung für die Power Metal-Welt ?

Aus Frankreich und mit der Ankündigung einer ansprechenden Symbiose aus Elementen des Folk- und Power Metal kommt die 4-köpfige, frisch durchstartende Genre-Combo HOPES OF FREEDOM daher. Auch wenn die Band bereits Ende 2007 gegründet wurde, dauerte es noch ein ganzes Weilchen bis ihr Debütalbum erscheinen sollte – aber gut Ding will eben Weile haben. Und tatsächlich: das mit 10 Titeln bestückte, schlicht HOPES OF FREEDOM betitelte Erstwerk der Franzosen macht gleich von Beginn an einen guten Eindruck. Irgendwo zwischen Bands wie FALCONER, VEXILLUM, SUNRISE und einem eher unbekannten, dafür aber auffallend ähnlich klingenden Genrevertreter wie INSTANZIA inszeniert sich die Band überraschend stilsicher – und zeigt schnell klare Stärken in den Bereichen des an den Tag gelegten Handwerks, des Songwritings und der rundum gelungenen Präsentation. Besonders in Anbetracht des Silberlinges als Independent-Produktion scheint hier von vorne bis hinten alles stimmig – selbst die schön druckvolle, differenzierte Produktion lässt keine Wünsche offen.

Dabei sollte man sich nicht vom überaus ansehnlichen, aber doch in gewisser Weise vorbelasteten Artwork täuschen lassen – HOPES OF FREEDOM haben weniger mit Drachen am Hut als eventuell vermutet. Im Gegensatz zu vielen anderen Combos setzt die Band schließlich eher auf akustische Klangpassagen denn auf pompöse symphonische Spielereien, sodass auch kein Keyboard-Posten im Lineup vorgesehen ist. Das scheint auch gar nicht nötig, sorgen speziell die schmackigen Gitarren, das variable Schlagzeug und die arrangierten Chöre für das gewisse Etwas. Selbige können in Titeln wie THE FIGHT gar für ein lang vergessen geglaubtes Gänsehaut-Gefühl sorgen, was nur begrüßenswert ist. Trotz allen Lobes – ein oder zwei Abstriche muss man dann aber doch machen. Etwas schade ist beispielsweise, dass die Gitarren zwar gut gehandhabt werden – aber in einigen Momenten (speziell den Soli und einigen eigentlich markanten Rhythmus-Passagen) noch zu wenig prägnant und ungünstig abgemischt klingen. Eben so, als wollte man ihren Sound absichtlich unterdrücken.

Daran sollte man unbedingt noch arbeiten – wie sicher auch am Leadgesang von Lucas Lambert. Gerade der ist wie dafür gemacht, die Geister zu scheiden – zumal er leichte Probleme mit seiner Aussprache zu haben scheint und es sich einstweilen so anhört, als wären zusätzliche Effekte über seine Stimme gelegt. Sollten HOPES OF FREEDOM diese Schwächen in Bezug auf ein potentielles nächstes Album ausbügeln, so stünde einem unvergleichlichen Höhenflug wohl nichts mehr im Wege. Das ändert indes kaum etwas daran, dass schon das Debütalbum stark und überzeugend ausgefallen ist. Eine über weite Strecken frische Atmosphäre, eine angenehm hymnische Wirkung und das Wechselspiel aus andächtigen und markant-kräftigen Momenten (RUN AWAY) machen Laune – und das Album zu einer Empfehlung.

Absolute Anspieltipps: THROUGH THE WINDS AND THE RAIN, THE FIGHT, THE CALL


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„Eine echte Überraschung.“

Metal-CD-Review: SKYLARK – Twilights Of Sand (2012)

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Alben-Titel: Twilights Of Sand
Künstler / Band: Skylark (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 11. Januar 2012
Land: Italien
Stil / Genre: Symphonic Power Metal
Label: Radtone Music

Alben-Lineup:

Roberto „Brodo“ Potenti – Bass, Guitars
Eddy Antonini – Keyboards
Ashley Watson – Vocals

Track-Liste:

1. The Tears of Jupiter (01:36)
2. とべ!グレンダイザー (02:33)
3. The Princess and Belzebú (06:57)
4. She (06:06)
5. Love Song (05:08)
6. Tears (03:20)
7. Lions Are the World (07:29)
8. The Wings of the Typhoon (05:04)
9. Sands of Time (03:18)
10. Mystery of the Night (05:59)
11. Road to Heaven (05:07)
12. Believe in Love (05:43)
13. Follow Your Dreams (06:03)
14. Eyes (00:49)
15. とべ!グレンダイザー (karaoke version) (02:37)
16. Faded Fantasy (03:48)
17. Follow Your Dreams (female voice version) (05:39)

Vielleicht klappt es ja dieses Mal.

TWILIGHTS OF SAND ist das achte Studioalbum der italienischen Symphonic- und Power Metaller von SKYLARK. Eines, dass mit einigen Neuerungen daherkommt – wie etwas in Bezug auf den Leadgesangsposten, der nun von Ashley Watson bekleidet wird. Immerhin, einen Vorteil hat das Ganze – schließlich kommt die neue SKYLARK-Frontfrau mit einer wesentlich angenehmeren Stimmfarbe daher als ihre Vorgänger. Nicht ganz so gut ist indes, dass auch ihre Darbietung nicht wirklich mit den Instrumentalparts zu harmonieren scheint – und sie teils starke Probleme mit höheren Gesangslagen sowie ihren eher klassischen Intermezzi zu haben scheint. Am besten klingt sie ausgerechnet in SANDS OF TIME – ausgerechnet, da es sich hier um eine vor Schmalz triefende Pop-Ballade handelt.

Die markanteren Probleme des Albums ergeben sich aber ohnehin nicht allein aufgrund der insgesamt eher zu vernachlässigenden Gesangsleistungen (die Darbietung in THE PRINCESS AND BELZEBU beispielsweise hat etwas ganz und gar bezeichnendes)  vielmehr kommen sie aus gänzlich anderen Richtungen. Vornehmlich solchen, von denen man hätte annehmen müssen dass sie längst der Vergangenheit angehören. Doch weit gefehlt: TWILIGHTS OF SAND ist in Bezug auf das Instrumentenspiel, die Arrangements und Produktion abermals eine mittelprächtige Katastrophe. Allzu lange dauert es auch gar nicht, bis das festzustellen ist: bereits der Opener TOBE! GLENDZIER (der auf japanisch eingesungen wurde) zeigt beherzt auf, wie arg es aktuell um SKYLARK bestellt ist.

Anders gesagt: so gut wie alle Titel klingen rein Sound-technisch extrem unausgefeilt, flach – und werden zudem mit arg kitschigen Zusatzelementen seitens des Keyboards ausstaffiert. Was dezent verwunderlich ist; hatte man auf DIVINE GATES PART 3 doch immerhin ansatzweise gezeigt, dass man zu mehr imstande wäre. Theoretisch natürlich, mit einer großen Portion Engagement und dem Willen sich wirklich zu verändern. TWILIGHTS OF SAND aber ist eher als Schritt zurück zu bezeichnen – sodass SKYLARK auch mit ihrem mittlerweile achten Album keinen Blumentopf gewinnen können.

Absolute Anspieltipps: /


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„Ein Album, welches man am besten mit Kopfhörern verköstigen sollte – Schallschutzkopfhörern. Leider…“

Filmkritik: „Alexandre Ajas Maniac“ (2012)

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Originaltitel: Maniac
Regie: Franck Khalfoun
Mit: Elijah Wood, Nora Arnezeder, America Olivo u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 89 Minuten
FSK: ab 18 freigegeben
Genre: Thriller
Tags: Mörder | Gewalt | Wahnsinn | Amoklauf | Psychose

Die wahnsinnige Welt eines Serienkillers – Teil 2.

Kurzinhalt: Frank (Elijah Wood) ist von Beruf Restaurator, der sein Leben seinem Geschäft und den zahlreichen darin enthaltenen Schaufensterpuppen gewidmet hat. Doch offenbar geht diese Vorliebe dann doch etwas zu weit – in seinem verwahrlosten Hinterzimmer haust Frank nicht nur mit weiteren Schaufensterpuppen, sondern auch solchen die eine echte Haarpracht ziert. Diese hat er von seinen regelrechten Beutezügen als brutaler Mörder – der es allein auf Frauen abgesehen hat und diese nach deren Tod skrupellos skalpiert. Offenbar hat er als Kind zahlreiche traumatische Erlebnisse durchmachen müssen – die sich stets auf seine Mutter beziehen, was er nun in einer wahnhaft-kranken Art und Weise aufarbeitet. Eines Tages begegnet er der Fotografin Anna (Nora Arnezeder), in der er mehr zu sehen scheint als ein weiteres Opfer – doch wie lange er seine krankhaften Triebe zurückhalten könnte, bleibt ungewiss…

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Kritik: Achtung, Spoiler ! Man kann dem allgemeinen Remake-Wahn gegenüberstehen wie man will. Fakt ist wohl nur, dass auch in Zukunft zahlreiche frühere Werke zwecks einer Neuverfilmung aus der Mottenkiste geholt werden – mit einem mal mehr, mal weniger verständlichen Hintergedanken. Denn wie so oft stellt sich die Frage, in wie weit ein Remake eines potentiellen Kultfilms tatsächlich Sinn ergibt – und aus welchen Gründen man überhaupt eines anstrebt. Von allzu perfiden, rein marketing-orientierten Gründen über eine zeitliche, geografische und / oder optische Anpassung bis hin zu inhaltlichen Neuinterpretationen kann alles vertreten sein – wobei es eigentlich nur zwei einzuhaltende Ziele gibt.

Zum einen sollte sich das Remake auch vom jeweiligen Original unterscheiden – und zum anderen; und das ist die Schwierigkeit, sollte es dem Originalstoff und der ursprünglichen Intention der Schöpfer dennoch treu bleiben. Trifft beides nicht zu, so sollte das Original entweder gleich unangetastet lassen – oder aber ein eigenes Werk erschaffen, dass sich nicht auf potentiell große Namen und einen vorangegangenen Erfolg stützt. Doch wie passt ALEXANDRE AJAS MANIAC nun in dieses Schema ? Wobei der deutsche Titel etwas verwirrend ist,  schließlich führt eben nicht Alexdandre Aja Regie, sondern sein Kollege Franck Khalfoun. Immerhin haben beide am Drehbuch geschrieben; und zur Produktionsriege gesellt sich noch ein weiterer spannender Name: William Lustig, seines Zeichens der Regisseur des originalen MANIAC von 1980 (Review), der hier als Produzent auftritt und dem Remake so offenbar seinen Segen gab.

Doch zurück zum Status von ALEXANDRE AJAS MANIAC als Remake eines seinerzeit durchaus umstrittenen Psycho-Thrillers mit dem authentisch-schockierenden Porträt eines wahnsinnigen Serienkillers. Zunächst fällt auf, dass sich das Remake rein inhaltlich und inszenatorisch nah am Original bewegt – von den offensichtlicheren Maßnahmen einmal abgesehen. Schließlich sieht der neue MANIAC gemäß seines Produktionsjahres entsprechend frisch aus, und bewegt sich mit seinen Bildern irgendwo zwischen Hochglanzoptik, durch diverse Licht- und Kulissenspiele auf alt getrimmte Ansichten und einer dezent kunstvollen Art der Inszenierung. Eine, die ein wenig an Nicolas Winding Refn’s DRIVE (Review) erinnert, aber natürlich niemals dessen poetische Kraft erreicht – zumal es ohnehin eher die spezielle Kameraführung ist, mit der sich das MANIAC-Remake profilieren möchte. Tatsächlich gelingt das Spiel mit der Ego-Perspektive gut – und sorgt dafür, dass man noch mehr Einblicke in die Seelenwelt des Hauptprotagonisten erhält. Sofern man diesen Aspekt als eine der Stärken des Franchise ansieht, versteht sich. Denn abermals stellt sich die Frage, wie weit man innerhalb des Mediums Film als Kunstform überhaupt gehen darf oder sollte. Diese Frage wird schließlich auch direkt an den Zuschauer weitergeleitet, wenn auch in etwas anderer Form: möchte ich mir wirklich einen Film ansehen, in dem mir ein möglichst authentisches Porträt eines Serienmörders ohne eine jegliche Wertung dargeboten wird ? Sollte diese Sorte von Menschen, respektive deren kranken Gedankenwelten tatsächlich eine Bühne erhalten, auf dass diese Elemente eine möglichst große Schockwirkung entfalten ?

Doch da sich bereits das Original mit diesen Fragen konfrontiert sah, soll es an dieser Stelle nicht vordergründig darum gehen, in wie weit das Gezeigte möglicherweise moralisch bedenklich ist (noch nicht einmal explizit auf das Ergebnis bezogen, sondern vor allem auf die dahinterstehende Theorie) oder nicht. Vielmehr geht es darum, ob das Remake tatsächlich einen Mehrwert besitzt, oder das Original sogar zu übertreffen vermag – wie es offenbar laut einiger Kritiker der Fall sein soll.

Warum genau, bleibt allerdings fraglich – denn tatsächlich bleibt das Remake in vielerlei Hinsicht hinter dem Original zurück. Dass die Optik nun ein wenig stimmiger und vor allem stilvoller (erst Recht durch die Ego-Perspektive, mit der aber auch das ein oder anderen Mal gebrochen wird) ausfällt, reicht schließlich nicht aus. Doch auch wenn sich das Remake nah am Original orientiert, lässt es ausgerechnet jene Szenen vermissen die dieses so auszeichnen – wie etwa eine spannungsgeladene Szene auf einer U-Bahn-Toilette. Im Remake gibt es zwar auch eine entsprechende U-Bahn-Station zu sehen – doch kann hier kaum das beklemmende Gefühl des Originals eingefangen werden. Ähnliches gilt auch für die heftigen Gewalt- bzw. Splatterszenen: bereits im Original waren sie schon nicht ohne, doch nun bewegt sich das Gezeigte trotz fehlender Kopfschuss-Szene bar einer jeden Kunst und erinnert so an perverse Gewaltorgien a’la HUMAN CENTIPEDE 2 (Review). Natürlich kommen derlei Szenen in MANIAC nur vereinzelt vor – aber dennoch bleibt es fraglich, ob es tatsächlich eine inszenatorische Raffinesse ist das Leid der Protagonisten explizit zur Schau zu stellen und dabei auch noch mit einer möglichst glaubhaften Anatomie (wer wollte nicht schon immer mal wissen, wie so eine Kopfhaut von unten aussieht) zu glänzen.

Dass MANIAC dann doch noch einige neue inhaltliche Elemente einstreut, respektive die Vergangenheit des Hauptprotagonisten zum einen, und seine verqueren Gedankengänge in Bezug auf Frauen zum anderen näher beleuchtet, fällt dabei eigentlich kaum ins Gewicht. Trotz dessen, dass das Original nicht immer derart explizit vorgegangen ist, hat man sich in etwa einen Reim auf das machen können, was im Kopf des Mörders vorgeht – andererseits will man es vielleicht auch gar nicht so genau wissen. Somit bleibt dem Remake eigentlich nur eine Stärke, oder auch ein Faktor der locker mit dem Original mithalten kann: die darstellerischen Leistungen. Beziehungsweise die eine, damals von Joe Spinell und heute von Elijah Wood. Der spielt hier nicht nur alle anderen im Film auftretenden Darsteller an die Wand, sondern überzeugt auch generell mit seiner Darbietung des wahnsinnigen Psycho-Killers – der im Grunde ganz harmlos aussieht. Hier sogar noch mehr als im Original – das Alter und die vergleichsweise zierliche Erscheinung von Wood passen einfach perfekt auf die Rolle, und machen sie eventuell zu einer der stärksten und glaubwürdigsten, die er je gespielt hat. Zumindest aber eine der eindringlichsten, im wahrsten Sinne des Wortes unter die Haut gehenden…

Fazit: Es sie immer wieder – Remakes, deren Sinn sich nicht wirklich erschließt; so oft und aus welchen Perspektiven man das Ergebnis auch betrachtet. Und MANIAC ist weiteres ein Paradebeispiel dafür, wie schlimm es eine solche Produktion treffen kann. Auch wenn das Projekt handwerklich über viele Zweifel erhaben ist und vor allem darstellerisch überzeugen kann, scheint es wenig sinnig eine Handlung wie diese beinahe deckungsgleich zu wiederholen – mit einem Ergebnis, dass sogar weitaus weniger effektiv ist als das Original. Und das nicht nur, da man einige Szenen so bereits voraussehen kann – sondern vor allem, da dem Remake schlicht eine jegliche Spannung abhanden kommt und das Ganze im schlimmsten Fall sogar unfreiwillig komische Züge annehmen kann.

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„Optisch verständlicherweise wertiger als das Original – ansonsten aber eine blosse, reichlich sinnfreie und mitunter abstoßende Wiederholung eines umstrittenen Genre-Films.“

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Filmkritik: „Upside Down“ (2012)

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Originaltitel: Upside Down
Regie: Juan Solanas
Mit: Jim Sturgess, Kirsten Dunst, Timothy Spall u.a.
Land: Kanada, Frankreich
Laufzeit: ca. 109 Minuten
FSK: ab 6 freigegeben
Genre: Science Fiction / Drama
Tags: Zwei Welten | Schwerkraft | Oben Und Unten | Beziehung | Einzigartig

Es kommt eben doch auf den… Schwerpunkt an.

Kurzinhalt: Der junge Adam (Jim Sturgess) lebt in einem Universum, welches im wahrsten Sinne des Wortes einzigartig ist. Anstatt in den blauen Himmel schauen zu können, sieht er bei einem Blick nach oben eine andere, zweite Welt – die scheinbar über seiner schwebt und zum Greifen nah erscheint. Das Problem ist nur, dass die beiden nebeneinander existierenden Welten über eine jeweils eigene Schwerkraft verfügen – und so nicht möglich ist, von der einen zur anderen zu wechseln. Und doch plant Adam, genau das zu tun – er hat sich in eine dort lebende Frau (Kirsten Dunst) verliebt. Um sie nach vielen Jahren wieder  sehen zu können, bewirbt sich Adam bei dem einzigen Unternehmen, welches die beiden Welten miteinander verbindet – und geht bei der Kontaktaufnahme so manches Risiko ein. Denn nicht nur, dass es verboten ist nicht-beruflichen Kontakt zu einem anderen Bewohner der jeweils anderen Welt aufzunehmen – gelangt Materie von der einen in die andere Welt droht sie dort innerhalb weniger Stunden zu verbrennen…

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Kritik: Achtung, Spoiler ! Es war einmal ein groß angekündigter Blockbuster, der neben einer hübschen und fantasievollen Optik auch noch etwas ganz anderes zu bieten hatte. Natürlich ist die Rede von Juan Solanas Mammutprojekt UPSIDE DOWN, und jener den Film gewissermaßen auszeichnenden Prämisse – die nicht weniger als ein spektakuläres Weltbild vorsieht, in der sich zwei gegenüberliegende Welten in einer seltsamen Form der Koexistenz befinden. Doch nicht nur, dass die beiden Welten in einem äußerst geringen Abstand zueinander stehen, eine Umlaufbahn und so gesehen auch eine gemeinsame Atmosphäre teilen – es gilt ein spezielles Gesetz der Schwerkraft. Dieses sieht vor, dass sich Welt A und Welt B trotz aller anderen Gemeinsamkeiten keine gemeinsame Schwerkraft teilen, die jeweiligen Bewohner also nur von ihrer Seite aus von der Gravitation angezogen werden. Das bedeutet auch, dass man nur schwerlich auf die jeweils andere Seite wechseln kann – von dessen Oberfläche man folglich herunterfallen würde. Es sei denn natürlich, man bedient sich der Materie der anderen Seite; und beschwert sich damit. Dann ist man zwar dort – steht aber im wahrsten Sinne des Wortes auf dem Kopf, wie es auch der Haupt-Protagonist des Films des öfteren macht.

Das klingt nach einer gleichermaßen interessanten wie verwirrenden Prämisse – wobei man derlei Atttribuierungen vornehmlich zu Beginn des Films in den Raum werfen kann. Schließlich beginnt der UPSIDE DOWN noch im Vorspann mit gewissen Erklärungsansätzen zur Welt und deren Funktionsweise, bevor es auch relativ schnell hinübergeht zu einer ersten, offenbar verbotenen Kontaktaufnahme zweier Kinder die durch das seltsame Welten-Konstrukt voneinander getrennt sind. Dabei sorgt nicht nur der inhaltliche Ansatz für einen reichlich fantastischen und erfrischenden Eindruck – auch die geradezu malerischen Bilder schaffen es, auch wenn sie komplett aus dem Computer stammen; eine markante Form des Interesses zu entfachen. Und sei es allein darin begründet, dass man einfach wissen möchte was die Ideengeber und ausführenden verantwortlichen aus einer Idee wie dieser gemacht haben; ein entsprechendes Budget natürlich mit eingeschlossen. Doch dann geschieht es – zunächst nur Stück für Stück, und später in einem schier unerträglichen Maße.

Die Rede ist von nicht weniger als der eigentlichen Gewichtung des Films – der überraschenderweise nur wenig von einem Science Fiction-Werk hat. Ja, nicht einmal die Zeichnung der angedeuteten, dystopischen Gesellschaft mit einem Zwei-Klassen-System (welches sich praktischerweise auch gleich räumlich trennen lässt) wird nennenswert ausgeführt – sodass es eigentlich nur bei den wenigen bereits zu Beginn des Films eingestreuten Informationen bleibt, die man über die Welt erhalten wird. Sicher, über das wie, wo und warum einer solchen Doppel-Welt hätte man nicht unbedingt eine nähere Ausführung erwarten können – schlicht, da es sich viele Filme vergleichsweise einfach machen mit derartigen Prämissen, und nur noch selten gewagte Geniestreiche abgeliefert werden. Verständlicherweise führt eben diese Vorgehensweise auch dazu, dass der Film nicht wenige Logikfehler respektive ungeklärte Angelegenheiten in den Raum wirft – bei denen man des öfteren nur den Kopf schütteln wird. Aber all das wäre vielleicht noch gar kein so großer Beinbruch, nicht nur weil man vergleichbares gewohnt ist – sondern auch, da der Film noch ganz andere Stärken hätte etablieren können.

Doch bleibt es auch hier bei einem schlichten hätte – denn ausgerechnet hinsichtlich seiner Zeichnung der vorgestellten Welt versagt UPSIDE DOWN völlig. Zwar sind einige der Bilder respektive Stillleben – die auch noch von einem entsprechend atmosphärischen Soundtrack untermalt werden – nett anzusehen, doch inhaltlich untermauert werden sie zu keinem Zeitpunkt. Schließlich werden nicht einmal die einfachsten, einigen automatisch auf den Fingern brennende Fragen behandelt – in Bezug auf das vorherrschende Gesellschaftssystem, der regelrechte Hass auf die jeweils andere Welt und vieles mehr. Die eigentliche Frechheit aber folgt erst, denn es stellt sich alsbald heraus warum der Film auf diesen – und nicht wenigen anderen – Gebieten versagt. Denn: es ist genau so gewollt. UPSIDE DOWN ist vordergründig eine schlichte Romanze, die eine eher gewöhnliche Liebesgeschichte unter außergewöhnlichen, letztendlich aber vollkommen unwichtigen Umständen erzählt. Ob diese Tatsache aber ausreicht, um die teils gravierenden Missstände zu rechtfertigen – das muss wohl ein jeder für sich selbst entscheiden.

Hinzu kommt, dass die darstellerischen Leistungen bestenfalls als solide zu bezeichnen sind – wobei auch die eher schmerzliche Figurenzeichnung ein Wörtchen mitzureden hat. Sowohl die im Film geäußerten Dialoge, als auch einige höchst unglaubwürdige Reaktionen und Verhaltensweisen der Charaktere führen schließlich eher zu weiterem Kopfschütteln – und nicht zu einem Aufkommen von Empathie. Davon abgesehen bleibt UPSIDE DOWN zwar recht bildgewaltig – bietet insgesamt aber weniger optische Raffinessen als erwartet. Vielmehr steht die eine oder die andere Welt Kopf – was zunächst noch ungewöhnlich und faszinierend anmuten mag, doch irgendwann nutzt sich auch dieser Effekt ab.

Fazit: Der hinter UPSIDE DOWN stehende Gedanke ist zwar nachzuvollziehen –  warum die Verantwortlichen sich aber erdreistet haben und die vermeintliche Kernbotschaft des Films (ungefähr: Liebe überwindet alle Grenzen) hinsichtlich ihrer Wichtigkeit über alle anderen Aspekte gehievt haben, bleibt ein Mysterium. So muss man sich spätestens im Verlauf des Abspanns ernsthaft fragen, wozu man sich überhaupt die Mühe gemacht hat; wenn die Botschaft eine explizit universelle ist und es eigentlich gar keine Rolle spielt, wo und unter welchen Umständen sich das Ganze zugetragen hat. Wahrlich, die hier investierte Zeit hätte man sich sparen können – passenderweise gleich im doppelten Sinne. Zum aus der Sicht des Zuschauers, der sicher weit mehr erwartet hätte als eine simple bis krude Love-Story in einem oberflächlichen Sci-Fi-Gewand – und zum anderen aus der Sicht der Macher, die die gleiche Wirkung mit einem Kurzfilm etablieren können. Zumindest wäre man in einem solchen Fall weniger verschwenderisch mit einer eigentlichen spannenden Prämisse wie dieser umgegangen, hätte nicht so viel potentiell interessantes angeschnitten respektive offengelassen (in Bezug auf alles, was die beiden Welten betrifft) – und die Zuschauer somit auch weniger verärgert. Es ist schade, aber – bis auf ein paar schöne Bilder und eine überraschend typische Liebelei (die weder der Einfall des frühen Unfalls inklusive Gedächtnisverlust noch das schier katastrophale Ende aufwertet, im Gegenteil) gibt es in UPSIDE DOWN nicht viel zu holen.

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„Neben vielen enthaltenen Peinlichkeiten wurde schlicht zu viel Potential verschenkt.“

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