Filmkritik: „Inglorious Basterds“ (2009)

Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Originaldrehbuch
Regie: Quentin Tarantino
Mit: Brad Pitt, Mélanie Laurent, Christoph Waltz u.a.
Land: USA, Deutschland
Laufzeit: ca. 153 Minuten
FSK: ab 16 freigegeben
Genre: Action, Drama, Kriegsfilm
Tags: Zweiter Weltkrieg | USA | Deutschland | Rache | Feldzug

Von unbekannten Sammelleidenschaften des 20sten Jahrhunderts, Folge Eins: Nazi-Skalps.

Inhalt: Während der zweite Weltkrieg noch in vollem Umfang tobt, landet ein US-amerikanisches Team aus einer handvoll Elitekämpfern im von Nazis besetzten Frankreich. Ihr Auftrag ist simpel, aber in der Durchführung keinesfalls einfach: sie sollen so viele Nationalsozialisten wie nur irgendwie möglich zur Strecke bringen – egal auf welche Art und Weise. Während sie also mit einer Vorliebe für Nazi-Skalps als makabere Trophäe durch Frankreich schleichen rückt schon bald ein neues, potentiell kriegsentscheidendes Ziel in ihre Nähe. Die gesamte deutsche Heeresführung inklusive niemand geringerem als Adolf Hitler würde sich bald zu einem illustren Propagandafilm-Abend in einem französischen Kino versammeln. Was läge da also näher, als den Krieg mit dem Ableben Hitlers vorzeitig zu beenden ? Doch auch die Gegenseite schläft nicht – allen voran hat es sich ein perfider Nazi-Inspektor (Christoph Waltz) zum Ziel gemacht, Juden und allgemeine „Vaterlandsverräter“ zu enttarnen. Und so scheint er recht schnell zu bemerken, dass sich hinter den als italienische Filmfreunde ausgebenden Subjekten ganz andere, hochkarätige Gegner verbergen… nämlich Lt. Aldo Raine (Brad Pitt) und sein Team.

Kritik: Sicher; man kann von Quentin Tarantino beziehungsweise seiner bereits mit frühen Filmen wie Reservoir Dogs – Wilde Hunde (1992) oder Pulp Fiction (1994) etablierten Marke halten was man will. So gut wie fest steht indes, dass seine Filme nicht selten mit einem immensen Unterhaltungswert einhergehen – ganz gleich, ob dabei etwaige Grenzen des guten oder schlechten Geschmacks neu ausgelotet werden. Überhaupt fühlt es sich gut an zu wissen, dass es auch in der heutigen Zeit noch Filmschaffende gibt, die trotz eines wie im Falle von Tarantino rasant gewachsenen Bekanntheitsgrades an ihren Wurzeln (oder wahlweise auch: Grundsätzen) festhalten und sich nicht großartig darum scheren, was andere sagen respektive von ihren Werken halten. Auch INGLORIUS BASTERDS zeugt von dieser schlicht für Tarantino typischen Mission, eine auf den ersten Blick gewöhnliche Geschichte unter Zuhilfenahme seines offensichtlich großzügig ausgestatteten Ideen-Fundus und einer großen Portion Eigeninitiative zu einem so noch nicht dagewesenen, reichlich grotesken Ganzen zu verweben. Das mündet hier zwar nicht in einem nennenswert gehaltvollen, geschweige denn politisch oder historisch korrekten Machwerk – dafür aber in einem direkt dem Regisseur zuzuordnenden, angenehm eigenwilligen, von der ersten Minute an unterhaltsamen und nicht zuletzt enorm eigenständigen Film – der nicht wirklich etwas mit dem (fast) gleichnamigen Film INGLORIOUS BASTARDS aus dem Jahr 1978 (siehe Review) gemeinsam hat.

Anders gesagt: bei Tarantino – und damit auch bei INGLORIOUS BASTERDS – wird ein sonst essentieller Bestandteil wie der der eigentliche Geschichte zu einem bloßen Aufhänger degradiert, um noch mehr Platz für ein wildes Intermezzo aus kunterbunten Charakteren, aberwitzigen Dialogen und gefühlt im Sinne des Films zurechtgebogenen Ereignissen zu lassen. Dass diese Achterbahnfahrt nicht nur nett anzuschauen ist sondern auch einer gewissen Substanz nicht entbehrt, etwa in Bezug auf die psychologische Komponente – macht die Tarantino-Filme so reizvoll; und lässt sie eben nicht nur zu stilistisch herausragenden Kunstwerken avancieren, sondern zu ganzheitlichen. INGLORIOUS BASTERDS bildet da keine Ausnahme, auch wenn man sich an den Gedanken einer Verquickung einer Weltkriegsthematik mit dem typischen gehobenen Exploitation-Flair (inklusive einer letztendlich doch recht explizit ausgeführten und dargestellten Form der, man nenne es späten Rache) erst gewöhnen muss. Lässt man sich aber erst einmal auf den Film ein und genießt den von den ersten Minuten an hochgehaltenen Ideenreichtum inklusive vieler auch in handwerklicher und darstellerischer Hinsicht bemerkenswerter Raffinessen; so wird einem der unrühmliche Feldzug der INGLORIOUS BASTERDS so schnell nicht mehr aus dem Kopf gehen.

Bilder / Promofotos / Screenshots: © The Weinstein Company

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„Ja, Inglourious Basterds ist ein brutal-makaberer Rachefeldzug, an dem sich die Geister scheiden werden – aber auch eine ebenso markante wie einzigartige Hommage an das Kino beziehungsweise die Geschichte des Films selbst.“

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Filmkritik: „Bronson“ (2009)

Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Biografie / Originaldrehbuch
Regie: Nicolas Winding Refn
Mit: Tom Hardy, Matt King, James Lance u.a.
Land: Großbritannien
Laufzeit: ca. 92 Minuten
FSK: ab 16 freigegeben
Genre: Biografie, Drama, Thriller
Tags: Charles Bronson | Verbrecher | Krimineller | Schläger | Gefängnis | Gewalt

Entdecke Deine künstlerische Ader.

Inhalt: Nachdem der junge Michael Peterson (William Darke) schon im Kindesalter mit einer recht offenen Einstellung zum Thema Gewalt auffällig geworden ist, scheint sich auch im weiteren Werdegang des jungen Mannes (dann: Tom Hardy) wenig zu ändern. Eher ist das Gegenteil der Fall – sodass es keine allzu große Überraschung ist, dass er bei dem Versuch eine Postfiliale auszurauben geschnappt wird. Daraufhin landet er für satte sieben Jahre im Gefängnis, zumindest wenn es nach den Richtern geht – doch für den exzentrischen Michael scheint das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht. So beginnt er auch hinter Gittern, sich den Regeln zu widersetzen und inbesondere heftige Prügeleien anzufangen – was ihm sogar einen Aufenthalt in einer psychiatrischen Gefängnis-Abteilung einbringt. Doch selbst hier scheint man nicht so recht zu wissen, wie man am ehesten mit einem Mann wie Michael umgehen sollte – der sich, nachdem er eines Tages doch noch unerwartet freikommt; kurzerhand den Künstlernamen Charles Bronson zulegt und eine Karriere als beinharter Straßenboxer beginnt. Der nächste Gefängnisbesuch soll indes weniger lange auf sich warten lassen als gedacht…

Kritik: In der Tat, und darauf weist längst nicht nur die Inhaltsbeschreibung des 2009 erschienenen Spielfilms BRONSON hin – ein wenig wahnsinnig ist das, was der dänische Regisseur und Drehbuchautor Nicolas Winding Refn in Form seiner quasi-Hommage an das Leben des tatsächlich existierenden Schwerverbrechers Charles Arthur Salvador auf die Beine gestellt hat; durchaus. Mindestens aber ist es gewagt, wie nicht wenige Projekte des nach eigenen Angaben farbenblinden Multitalents Refn – der sich für BRONSON offenbar explizit von Stanley Kubrick’s Meisterwerk A CLOCKWORK ORANGE (siehe Filmkritik) inspirieren ließ. So sollte auch BRONSON so manchem Zuschauer einen gehörigen Schlag in die Magengrube verpassen – erst Recht natürlich, wenn man völlig unvoreingenommen ans Werk geht und sich entsprechend überraschen; ja wenn nicht gar von der schier hypnotischen Bilderflut überwältigen lässt.

Sicher kann und sollte man dabei nicht behaupten, dass BRONSON Filme wie A CLOCKWORK ORANGE übertrifft – zumal er das auch gar nicht will, und eher eine alternative (unter Umständen sogar eine greifbarere) Ansicht auf das von Gewalt gezeichnete Leben einer gesellschaftlichen Randfigur darstellt. Anders gesagt: Refn’s BRONSON ist am Ende nicht ganz so substanziell und kultverdächtig wie Kubrick’s Vorlage, vermag es aber dennoch für einen nachhaltigen Eindruck zu sorgen. Und das – womit sich die beiden Werke doch wieder näher kommen als gedacht – eher als ein auf die Leinwand gebanntes Kunstwerk denn als typischer Spielfilm. Das wilde und freigeistig inszenierte Aufeinandertreffen von schonungslos dargestellten Elementen der Gewalt, der stellenweise surreal anmutenden Bilder und Innenansichten des Hauptcharakters, des zugegebenermaßen großartigen Schauspiels des Hauptdarstellers Tom Hardy und nicht zuletzt des aussergewöhnlichen Soundtracks sollte jedenfalls niemanden gänzlich kalt lassen.

Streiten könnte man sich demnach am ehesten über den Sinn oder Unsinn von BRONSON als filmisches Kunstwerk und quasi-Biografie eines notorischen Schlägers, dem es völlig egal war und ist was mit ihm geschieht – wobei man den diesbezüglich auch im Film zitierten Begriff des Nihilismus leider nicht gänzlich von der Hand weisen kann, geht es um ein möglichst treffendes Gesamturteil. Das beste ist noch, man macht sich selbst ein Bild – denn einmal gesehen haben sollte man einen unkonventionellen Film wie BRONSON allemal. Natürlich nur, und dafür braucht es eigentlich keine Vorwarnung; wenn man die entsprechenden Nerven mitbringt…

Bilder / Promofotos / Screenshots: © STUDIOCANAL

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„Ein bemerkenswerter Spagat zwischen einem fleischgewordenen Prügel-Alptraum und einer ebenso makaberen wie überraschend faszinierenden Erzählart inklusive einiger gut gemeinter Kubrick-Analogien.“

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Metal-CD-Review: CONQUEST – Empire (2009)

Alben-Titel: Empire
Künstler / Band: Conquest (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 20. Oktober 2009
Land: Ukraine
Stil / Genre: Power Metal
Label: Metalism Records

Alben-Lineup:

Erland – Drums
Lady Dea – Keyboards
W. Angel – Vocals, Guitars
Kull – Bass

Track-Liste:

1. In the Darkness (Intro) (01:42)
2. It Begins from Your Heart (05:05)
3. Far Beyond (05:26)
4. Prisoner of the Universe (04:54)
5. We Have Returned (03:48)
6. When the Skies Fall (04:46)
7. We Are the Ones (04:43)
8. Faith Within (05:27)
9. The Never-Ending Quest Will End (04:46)
10. Empire (06:22)

Auf, auf zur großen Eroberung.

Geht es um das Schaffen der bereits 1996 in der Ukraine gegründeten Power Metal-Formation CONQUEST, sollte einem vornehmlich ein Studioalbum der stets gut aufgestellten Recken um Band-Mastermind W. ANGEL in den Sinn kommen: das 2005 veröffentlichte FROZEN SKY (siehe Review), dass den knapp 3 Jahre älteren Vorgänger ENDLESS POWER (Review) noch einmal toppen und sich als echter Genre-Geheimtipp profilieren konnte. Als fast perfekter noch dazu – hätten sich nicht doch noch einige Schwächen in Bezug auf die Produktion sowie insbesondere den damaligen Leadgesang von Alex G.L. eingeschlichen. In der Folge reagierten CONQUEST respektive Band-Mastermind W. ANGEL mit einer Umstrukturierung und Neuaufstellung, sodass bis zum vorliegenden und erstmals über ein entsprechendes Label (Metalism Records) veröffentlichten dritten Studioalbum EMPIRE ordentlich am Lineup geschraubt wurde – mit mindestens einer größeren Überraschung. Schließlich, und als Reaktion auf den bisher nicht optimalen Leadgesang schlüpfte auf EMPIRE niemand geringeres als W. ANGEL selbst in die Rolle des Leadsängers – woraufhin sich das Repertoire des Multitalents (der natürlich weiterhin an den Gitarren werkelte und das Album in kompletter Eigenregie aufnahm, abmischte und produzierte) noch einmal ordentlich erweiterte.

Tatsächlich schien sich eben diese Entscheidung auch als richtig zu erweisen, oder anders gesagt: selbst wenn CONQUEST (die sich übrigens erst im Jahre 2011 in W. ANGELS CONQUEST umbenannten) noch immer weit davon entfernt waren, ihren überzeugenden Kompositionen auch einen wirklich kultverdächtigen Leadgesangspart gegenüberzustellen; konnte man ihnen zumindest in handwerklicher Hinsicht wenig vorwerfen. Das gilt natürlich insbesondere unter dem Gesichtspunkt, dass auch EMPIRE alles andere als ein allzu modernes oder auf Hochglanz poliertes Metal-Werk geworden ist – und sich die Ukrainer ihren ursprünglichen, schon vom Debütalbum bekannten Sound bewahren konnten. Trotz der Besetzungswechsel und der mittlerweile vergangenen Jahre, versteht sich – sodass EMPIRE in Sachen Energie und Spielfreude weniger weit hinter ENDLESS POWER und FROZEN SKY zurückstehen muss als gedacht. Und das ist nur gut und richtig, zählt die eher ungestüm und nach vorn preschende Herangehensweise (die zumindest noch hie und da eine Priese Speed Metal durchschimmern lässt) der Ukrainer seit jeher zu den absoluten CONQUEST-Markenzeichen; analog zur stets hervorragenden Gitarren-Arbeit und den griffigen Melodien – aber leider auch einem nicht ganz so optimal in Szene gesetzten Element.

Was genau hier gemeint sein könnte, erfährt man spätestens wenn man zu einer expliziten Alben-Ballade wie WHEN THE SKEIS FALL gelangt – mit der sich CONQUEST wahrlich keinen großen Gefallen getan haben. Sicher, mit einer Maßnahme wie dieser wollte man für Abwechslung sorgen und zeigen, dass man auch den Umgang mit großen Gefühlen nicht scheut – doch wenn das Ergebnis derart wenig überzeugend ausfällt wie in diesem Fall (und das auf so gut wie allen Ebenen), hätte man sich das Unterfangen doch besser zweimal überlegen sollen. Zumal CONQUEST schon auf dem Vorgänger FROZEN SKY einige alles andere als bemerkenswerte balladeseke Momente eingestreut hatten, aus denen man hätte lernen können (oder sollen). Immerhin: sieht man einmal großzügig über diesen allemal verzichtbaren Titel sowie eine handvoll anderer etwas zu handzahmer Passagen in anderen Nummern hinweg, ist an EMPIRE fast nichts auszusetzen – fast nichts. So könnte der doch etwas großzügig kalkulierte Einsatz des Keyboards dem ein oder anderen übel aufstoßen – erst Recht wenn CONQUEST damit wieder in eine etwas zu vorhersehbare und kitschige Ecke driften.

Das letzte größeres verhindernde I-Tüpfelchen ist aber nach wie vor der Leadgesang – der sich mit dem Einspringen von W. ANGEL höchstselbst zwar in eine angenehmere Richtung entwickelte, dabei aber immer noch weit davon entfernt war um als perfekt bezeichnet werden zu können. Allein der Refrain vom sonst recht guten FAR BEYOND etwa eignet sich als gutes diesbezügliches Anschauungsmaterial. Was einem bleibt ist der Fokus auf die wirklich starken Momente des Albums – wie auf den denkwürdigen Opener IT BEGINS FROM YOUR HEART, das ebenso verspielte wie stimmungsvolle PRISONER OF THE UNIVERSE, die beiden eher simplen aber gar nicht mal schlechten Stampfer WE HAVE RETURNED und WE ARE THE ONES; oder natürlich dem rasanten THE NEVER-ENDING QUEST WILL END. Letztendlich kann man mit einem Album wie diesem also nicht allzu viel falsch machen – auch wenn in diesem Fall sogar noch etwas mehr drin gewesen wäre für W. ANGEL und sein Gefolge.

Absolute Anspieltipps: IT BEGINS FROM YOUR HEART, PRISONDER OF THE UNIVERSE, WE ARE THE ONES, THE NEVER-ENDING QUEST WILL END


„Einfach typisch CONQUEST.“

Metal-CD-Review: DAMNATION ANGELS – Shadow Symphony (EP, 2003)

Alben-Titel: Shadow Symphony (EP)
Künstler / Band: Damnation Angels (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 5. September 2009
Land: Großbritannien / England
Stil / Genre: Power Metal
Label: Keins / Independent

Alben-Lineup:

Lewis Starfire – Vocals
Will Graney – Guitars, Orchestration
Dawn Trigg – Keyboards
Gabriel Scott – Bass
John Graney – Drums

Track-Liste:

1. Bringer of Light (05:25)
2. The Black Cancer (05:56)
3. Someone Else (05:54)
4. I Hope (06:01)
5. Against All Odds (04:42)
6. Bringer of Light (05:24)

Die ersten Schritte sind die schwierigsten – aber meist auch die interessanteren.

Es war einmal in einer Zeit… als die DAMNATION ANGELS noch ohne den ab 2010 zugezogenen Leadsänger PELLEK ausgekommen sind, oder vielleicht auch eher auskommen mussten. Aus eben jener Zeit stammt die vorliegende EP SHADOW SYMPHONY als eines der ersten auch heute noch greifbaren Band-Releases – welches mit insgesamt 6 Titeln und einer eigentlich recht üppigen Spielzeit von knapp 33 Minuten aufwartet. Gerade bei einem retrospektiven Blick wie diesem muss man der Band eines in jedem Fall lassen: sie hat sich mehr als ordentlich gemausert. Denn, und trotz der bereits hier hör- und spürbaren Ambitionen klingt das auf SHADOW SYMPHONY dargebotene Material noch nicht ganz nach der später auf dem 2012 erschienenen Debütalbum BRINGER OF LIGHT (siehe Review) offenbarten Größe und vor allem auch Stilsicherheit der Band.

Dennoch konnten schon hier einige Momente nachhaltig überzeugen – wie etwa das variantenreiche I HOPE, dass die Festigung einer eigenen Identität der DAMNATION ANGELS schon damals entsprechend vorantrieb. Nicht ganz so gut schnitten und schneiden in eben diesem Zusammenhang der düster-symphonisch angehauchte Opener BRINGER OF LIGHT mit seinen teils offensichtlichen NIGHTWISH-Parallelen, sowie auch die recht langatmige Ballade SOMEONE ELSE ab – womit man die 3 später auf das Debütalbum übernommen Nummern abgehandelt hätte. Was bleibt, sind 3 EP-excklusive Titel mit einem entsprechenden Seltenheitswert – die insgesamt betrachtet aber ebenfalls einen leicht zwiespältigen Eindruck hinterlassen.

BLACK CANCER etwa scheint nicht wirklich aus dem musikalischen wie atmosphärischen Vollen zu schöpfen, und erinnert dezent an das parallele Schaffen von KAMELOT – während die Instrumental-Version zu BRINGER OF LIGHT ebenfalls nur als ebenso kleine wie nette Dreingabe betrachtet werde kann. Mit dem eigentlichen EP-Rausschmeißer AGAINST ALL ODDS aber kann die EP noch einmal ordentlich Punkte einheimsen – sodass sie vor allem für eingeschworene Fans der DAMNATION ANGELS interessant sein sollte, die wirklich alles verfügbare Material (und damit auch das der Pre-PELLEK-Ära) ihr eigen nennen wollen. Alle anderen können dagegen gleich und getrost zum Debütalbum greifen.

Absolute Anspieltipps: I HOPE, AGAINST ALL ODDS


„Eine alles andere als schlechte EP, die aus heutiger Sicht und in Anbetracht des erst auf dem Debütalbum perfektionierten Sounds aber nur für explizite Fans der Band interessant sein sollte.“

Metal-CD-Review: QANTICE – The Cosmocinesy (2009)

Alben-Titel: The Cosmocinesy
Künstler / Band: Qantice (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 10. April 2009
Land: Frankreich
Stil / Genre: Power Metal
Label: Brennus Music

Alben-Lineup:

Vincent Pichereau – Vocals
Tony Beaufils – Guitars
Yosh Otias – Violin

Track-Liste:

1. Budding from the Mist (01:46)
2. Head over Worlds (06:04)
3. Pirates (06:36)
4. Megantrop (05:37)
5. Ocean Eclipse (04:56)
6. The Hero That You Need (06:32)
7. Burial Wave (06:25)
8. The Question (05:07)
9. Best in the Well (05:30)
10. The Least Worst Ending (04:19)

Frisch gewagt ist halb gewonnen.

Wie viele Power Metal-Bands sich im Laufe ihrer Karriere bereits an ein größer angelegtes und entsprechend aufwendigeres Konzeptalbum gewagt haben, steht in den Sternen. Fest steht nur, dass es die sich bereits im Jahre 2002 in Frankreich zusammengefunden Musiker von QANTICE ebenfalls versucht haben – und man die eigens erdachte Hintergrundgeschichte zum etwas merkwürdig betitelten Debütalbum THE COSMOCINESY nicht nur in der vorliegenden musikalischen Form entdecken kann, sondern auch in einem separat veröffentlichten französischen Roman. In Anbetracht der anzunehmenden erzählerische Dichte des Materials sollte die Band also durchaus über einen ausgeprägten Ideenreichtum verfügen, der THE COSMOCINESY allemal zugute kommen könnte. Fest steht aber auch, dass sich auch ein Album wie dieses die Frage nach einer hoffentlich vorhandenen generellen musikalischen Wertigkeit gefallen lassen muss – und eine gute Geschichte noch kein hervorragendes Power Metal-Album macht.

Tatsächlich kann man THE COSMOCINESY auch bestens in Bezug auf die in eben diese Richtung gehende Zwiespältigkeit beschreiben, denn: das Bestreben, eine vergleichsweise kreative und intensive Geschichte erzählen zu wollen hat sich in diesem Fall allemal ausgezahlt. Anders gesagt: man merkt dem insgesamt 10 Titel starken Album durchaus an, das es vergleichsweise besonders ist und die Band absolut hinter den hier kredenzten Ideen steht. Andererseits, und das ist die Kehrseite der Medaille; spielen QANTICE hier einen letztendlich doch recht verwechselbaren Power Metal der typisch europäischen Spielart. Einen, der dabei auch nicht vor gewissen Schwächen gefeit ist – die hier speziell in Bezug auf den Leadgesang von Vincent Pichereau festzustellen sind. Immerhin scheint er vergleichsweise unsicher zu agieren und speziell in den des öfteren angestrebten höheren Lagen Probleme zu haben, was schon den Opener HEAD OVER WORLDS zu einer kleinen Herausforderung machen kann. In Bezug auf die Instrumente sieht es da schon wesentlich besser aus: die Gitarren klingen sowohl im Rhythmus- als auch Solibereich angenehm knackig, das Drumming ebenso organisch wie antreibend; und auch der Bass bekommt – nicht zuletzt Dank der exzellenten Abmischungs- und Produktionsarbeit – die nötige Aufmerksamkeit.

Doch auch wenn QANTICE im weiteren Verlauf immer wieder auf besondere Extras wie etwa eine gut funktionierende symphonische Komponente, längere Instrumentalstrecken mit allerlei Abwechslung und eine möglichst ausgewogene Mixtur aus getragenen und flotteren Momenten setzen; geht es nie wirklich verloren – das Gefühl, als würde man hier lediglich einer von so vielen anderen Genre-Bands lauschen. Die deutlichsten Parallelen ergeben sich dabei wohl zu den italienischen Kollegen von LABYRINTH oder auch THY MAJESTIE – sodass es insgesamt betrachtet durchaus ein paar mehr Alleinstellungsmerkmale und noch ungewöhnlichere Sounds hätten sein dürfen. Eben solche, die die Besonderheiten der zugrundeliegenden Geschichte noch zusätzlich unterstrichen und das Album zu einem einzigartigen Genuss gemacht hätten. So bleibt es nur bei einem grundsoliden, letztendlich gar nicht allzu auffälligen Album im Stile der späteren DAMNATIONS ANGELS – wobei es umso passender erscheint, dass ein gewisser PELLEK zwischenzeitlich von eben dieser Band zu QANTICE gewechselt ist.

Kurzum: THE COSMOCINESY weiß der Hörerschaft einen angenehm symphonisch angehauchten, abwechslungsreichen und vor allem in Bezug auf die Instrumentalisierung starken Power Metal inklusive einer netten Geschichte anzubieten – während die teils markanten Schwächen in Bezug auf den Leadgesang, einzelne deutlich unausgegorenere Momente (wie etwa die Ballade OCEAN ECLIPSE oder das recht langwierige THE HERO THAT YOU NEED) sowie die nicht wirklich aufgehenden lockeren, wie in PIRATES eher befremdlich klingenden Stimmungen noch größeres verhindern.

Absolute Anspieltipps: HEAD OVER WORLDS, MEGANTROP, THE QUESTION


„Dem Anspruch der Geschichte kann das Album nicht wirklich gerecht werden – aber solide ist das, was QANTICE hier abgeliefert haben allemal.“