Filmkritik: „Wunder Einer Winternacht – Die Weihnachtsgeschichte“ (OT: Joulutarina, 2007)

Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Originaldrehbuch
Regie: Juha Wuolijoki
Mit: Hannu-Pekka Björkman, Ville Virtanen, Otto Gustavsson u.a.
Land: Finnland
Laufzeit: ca. 83 Minuten
FSK: ab 6 freigegeben
Genre: Drama, Abenteuer
Tags: Weihnachten | Weihnachtsmann | Weihnachtsfest | Santa Claus

Es könnte sich so zugetragen haben – so, oder so ähnlich…

Inhalt: Der in einem kleinen Dorf in Lappland aufwachsende Nikolas hat wahrlich kein leichtes Schicksal. Nachdem seine Eltern und seine Schwester auf tragische Weise ums Leben gekommen waren, streiten sich die Dorfbewohner darum, wer fortan die Fürsorge für den kleinen Jungen übernehmen würde. Oder eher könnte – schließlich leben die Bewohner in einfachen Verhältnissen und haben teilweise schon Schwierigkeiten, ihre eigenen Familien durchzubringen. So einigt man sich kurzerhand darauf, Nikolas nur für jeweils ein Jahr bei einer Gastfamilie leben zu lassen – wobei er alle Dorfbewohner näher kennenlernt und viele Freunde findet. Zum Dank schnitzt er den Kindern der jeweiligen Familie am Ende eines jeden Jahres opulente Holzfiguren, die er ihnen aber nicht direkt übergibt – sondern heimlich vor die Tür legt. Doch als bald darauf der kauzige Händler Iisakki Interesse an Nikolas und seiner Arbeitskraft anmeldet, gerät Nikolas‘ jährliches Vorhaben in Gefahr. Und tatsächlich: als er in der Werkstatt des offensichtlich verbitterten Mannes ankommt, scheint ihn dieser nur als Handlanger für niedere Aufgaben zu benötigen – wobei er ihm außerdem verbietet, weiter an seinen geliebten Holzfiguren zu arbeiten…

Kritik: Weihnachtsfilme, die ausnahmsweise mal nicht aus den Untiefen Hollywoods stammen; sieht man im allgemeinen viel zu selten. So muss man schon etwas Glück haben, um über einen Film wie WUNDER EINER WINTERNACHT zu stolpern – der eigentlich auf den Namen JOULUTARINA horcht und vom finnischen Regisseur und Produzenten Juha Wuolijoki stammt. Belohnt wird man dabei gleich in mehrerlei Hinsicht: die Geschichte wird insgesamt eher ruhig und vergleichsweise ungekünstelt erzählt, es gibt ausreichend Platz für allerlei interessante zwischenmenschliche Untertöne; und die technisch-handwerkliche Komponente macht mit dem netten Setdesign, der stimmigen Schauplatzwahl sowie nicht zuletzt den wunderbar atmosphärischen Landschaftsaufnahmen ordentlich was her. Die größte Stärke von JOULUTARINA aber ist die anberaumte Erzählstrategie, die ihre Wirkung keinesfalls verfehlt – und das auch ohne einer Zuhilfenahme des schon eher als typisch zu bezeichnenden Soundtracks, der aber glücklicherweise nicht flächendeckend eingesetzt wird. So ist der Film zum einen als relativ zeitloses Porträt zu verstehen, wobei sich stets nur erahnen lässt wann und wo genau sich das Ganze zugetragen haben könnte – und zum anderen erweist sich die Entscheidung, die Geschichte als ein ganzes Leben abdeckende Erzählung zu inszenieren; als äußerst glückliche Entscheidung. Das Gefühl einer (emotionalen) Bedeutung wird also weniger aus einer Ansammlung potentiell kitschiger Bilder oder anderen zielführenden, zumeist aber eben reichlich prätentiösen Stilmitteln generiert – sondern schlicht und ergreifend aus dem sich durchaus auf den Zuschauer übertragenden Gefühls heraus, dass es sich um die Darstellung eines Lebenswerks handelt. Ob um ein mehr oder weniger bedeutsames, dass muss ein jeder für sich selbst entscheiden – aber das durch und durch annehmbare Angebot ist gemacht. Wäre man mit dem pompösen Ende nicht doch noch ein wenig über das Ziel hinausgeschossen, wäre sogar noch mehr drin gewesen.

Bilder / Promofotos / Screenshots: © KSM GmbH

border_01

„Ein gut gemachter, angenehm anrührender Weihnachtsfilm.“

filmkritikborder

Metal-CD-Review: DOMINE – Ancient Spirit Rising (2007)

Alben-Titel: Ancient Spirit Rising
Künstler / Band: Domine (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 12. Februar 2007
Land: Italien
Stil / Genre: Power Metal
Label: Dragonheart Records

Alben-Lineup:

Riccardo Paoli – Bass
Stefano Bonini – Drums
Riccardo Iacono – Keyboards
Enrico Paoli – Guitars
Morby – Vocals

Track-Liste:

1. The Messenger (06:24)
2. Tempest Calling (05:59)
3. The Lady of Shalott (09:14)
4. I Stand Alone (After the Fall) (04:28)
5. Ancient Spirit Rising (09:28)
6. On the Wings of the Firebird (06:32)
7. Another Time, Another Place, Another Space (07:10)
8. Sky Rider (04:56)
9. How the Mighty Have Fallen (07:42)

Ein Aufstieg in ungeahnte Sphären ?

ANCIENT SPIRIT RISING ist das fünfte offizielle Studioalbum aus der italienischen Power Metal-Schmiede DOMINE. Aus einer vergleichsweise starken und musikalisch prägnanten, sollte man wohl sagen – schließlich schien die bereits 1983 (!) ins Leben gerufene Combo auf dem besten Wege zu sein, den ein oder anderen Rekord aufzustellen. Und, das versteht sich von selbst; dabei auch eine handvoll höchst gelungener Alben abzuliefern – von denen insbesondere das 1999 erschienene DRAGONLORD (siehe Review) sowie das 2001 nachgeschobene STORMBRINGER RULER (Review) noch lange nachhallen sollten. Nach dem etwas zumindest im direkten Diskografie-Vergleich etwas schwächeren EMPEROR OF THE BLACK RUNES (Review) erschien 2007 dann ANCIENT SPIRIT RISING, das heute zu Rezensionszwecken vorliegt. Gleichzeitig handelt es sich um das bis heute aktuellste Album der Italiener, die direkt nach der Produktion in eine Art Kältestarre verfielen – und das aus bisher ungeklärten Gründen. Immerhin: mittlerweile scheint die Band wieder etwas aktiver zu sein, von einer Auflösung scheint keine Rede – sodass man gespannt sein darf, ob DOMINE eines Tages doch noch mit ihrem sechsten Album um die Ecke kommen werden.

Bis es soweit ist, bleibt einem indes nicht viel mehr als die illustre Diskografie der Italiener zu durchstöbern. Eventuell ja auch, um das mit 9 Titeln bestückte und mit einer Gesamtspielzeit von einer guten Stunde ausgestattete ANCIENT SPIRIT RISING für sich zu entdecken. Zweifelsohne handelt es sich hierbei um ein Album, das etwas anders ist als die bisherigen DOMINE-Werke – und das nicht nur, da die berühmte (und zugegebenermaßen nicht gerade hübsche) Band-´Figur mit ihrer unverkennbaren Fratze nicht mehr im Mittelpunkt des Artworks steht. Vielmehr scheint sie das zeitliche gesegnet zu haben, was sicher auch den Alben-Titel erklärt – und vielleicht ja auch, warum sich DOMINE auf ihrem fünften Album etwas experimenteller inszenierten als noch zuvor. Ob sie selbiges allerdings wirklich im Sinne eines qualitativen Aufstiegs taten, sei einmal dahingestellt – denn gänzlich vor Schwächen gefeit ist ANCIENT SPIRIT keineswegs. In Anbetracht einer vergleichsweise hochkarätigen Gesamt-Diskografie wie der von DOMINE fällt das natürlich zusätzlich auf – auch wenn es nach dem Einlegen des Silberlings noch etwas dauert, bis die ersten wirklichen Streitpunkte auftauchen.

Denn: sowohl der Opener THE MESSENGER als auch das flotte TEMPEST CALLING sind zwei typische DOMINE-Gassenhauer, die wie so oft auf ein bestmögliches Zusammenspiel der Instrumente und den Einsatz des unverkennbaren Frontmanns Adolfo Morviducci aka Morby abzielen – was im Hinblick auf die schroffen Gitarren, den deutlich hörbaren Bass und den gewohnt wuchtigen bis epischen Anspruch auch relativ tadellos gelingt. Mit dem überlangen THE LADY OF SHALOTT indes brechen DOMINE erstmals deutlicher mit ihrer bisherigen Tradition – und präsentieren dem Hörer eine zutiefst gewöhnungsbedürftige Mixtur aus einer Ballade und – man will es eigentlich kaum aussprechen – einer Art Musical-Soundtrack. Der kaum aneckende, auffällig seichte Auftakt und die späteren Chorgesänge jedenfalls sprechen klar dafür – und weisen dezent darauf hin, dass nicht alles was DOMINE anfassen automatisch zu Gold wird. Das hie und da doch noch etwas mehr Feuer eingestreut wird, und das hauptsächlich seitens des Schlagzeugs; macht es schließlich auch nicht mehr viel besser. Unglücklicherweise ist jene Nummer aber noch nicht das Ende der qualitativ höchst diskutablen Fahnenstange – denn auch das folgende I STAND ALONE hat trotz seines immensen Tempos Tendenzen, die DOMINE einfach nicht gut zu Gesicht stehen. Der abermals Musical-artige Chorgesang sowie die generell eher schwachen Lyrics jedenfalls wollen einfach nicht so recht zur bisherigen, manche nennen sie mächtigen Diskografie der Italiener passen.

Entsprechend wenig verwunderlich ist demnach, dass auch der Titeltrack ANCIENT SPIRIT RISING die bisher gewonnen Eindrücke nicht mehr wirklich konterkarieren kann – und das bei einer Spieldauer von satten 9 Minuten. Stellenweise wirkt und klingt es gar so, als wären DOMINE hier einfach nicht sie selbst – was sowohl für die plötzlich arg langatmig erscheinende, man ist geneigt zu sagen dahindudelnde instrumentale Komponente als auch den wie aus dem Nichts an Alessio Garavello erinnernden Adolfo Morviducci gilt. Sicher, beides sind gute bis hervorragende Genre-Künstler – doch der Domine-Frontmann klang einfach deutlich besser, wenn er in tieferen Lagen und mit etwas mehr feurig-variabler Inbrunst sang. Und es geht weiter: während eine Combo wie ANGRA sicher mehr aus einer Nummer wie ON THE WINGS OF THE FIREBIRD hätte machen können, schweifen die Italiener auch mit den verbleibenden Titeln deutlich ab. Und das zumeist in Gefilde, die man so einfach nicht von der ehemals ebenso kraftvollen wie einzigartigen Combo gewohnt ist – und die man sich wenn überhaupt eher bei anderen Bands vorstellen könnte. Was das Album gerade noch im Mittelmaß hält, ist die wie immer hervorragende handwerkliche Komponente und die grundsätzlich keine Wünsche offenlassende Abmischung und Produktion – doch davon, und mit Ausnahme einiger vereinzelter Nummern sollte man besser nicht zu viel erwarten oder lieber gleich zu den anderen DOMINE-Alben greifen.

Absolute Anspieltipps: THE MESSENGER, TEMPEST CALLING


„Nach den bisherigen DOMINE-Alben eine ebenso herbe wie unerwartete Enttäuschung, leider.“

Metal-CD-Review: EMERALD SUN – Escape From Twilight (2007)

Alben-Titel: Escape From Twilight
Künstler / Band: Emerald Sun (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 23. März 2007
Land: Griechenland
Stil / Genre: Power Metal
Label: LMP

Alben-Lineup:

Bill Kanakis – Drums
Johnnie Athanasiadis – Guitars
Teo Savage – Guitars
Jim Tsakirides – Keyboards
Jimmy Santrazami – Vocals
Spyros Babatzanides – Bass

Track-Liste:

1. Sunrise (01:30)
2. Scream Out Loud (05:08)
3. High in the Sky (06:49)
4. The Traveller (00:58)
5. Sword of Light (05:59)
6. Eyes of Prophecy (04:40)
7. Escape from Twilight (05:49)
8. Emerald Sun (06:45)
9. H.M. (04:33)
10. The Story Begins (04:36)
11. Not Alone (05:38)

Ein Déjà-vu der nicht ganz unproblematischen Art.

Nein, ein absolut hervorragendes oder gar kultverdächtiges Debüt hatten die griechischen Power Metaller von EMERALD SUN mit ihrem Erstwerk THE STORY BEGINS (2005, siehe Review) nicht hingelegt – und doch handelte es sich um ein recht spielfreudiges und grundsätzlich angenehmes Genre-Album, auf das man hätte aufbauen können. Gut, letztendlich haben die Griechen auch genau das getan – wenn auch in einer eher unerwarteten Art und Weise. Mit dem vorliegenden ESCAPE FROM TWILIGHT haben sie respektive Limb Music schließlich eine beinahe deckungsgleiche zweite Variante ihres Debütalbums an den Start gebracht. Beinahe deckungsgleich war und ist sie deshalb, da man das Album zwar nicht komplett neu aufgenommen hatte – dafür aber einen neuen Mastering-Prozess vorsah. Einen, der letztendlich weniger am betroffenen Liedgut veränderte – zumal sich weitere Veränderungen an den einzelnen Titeln auf ein absolutes Minimum beschränken. Als ein Beispiel sei hier gennant, dass das Instrumental EMERALD SUN nun nicht mehr mit einem ärgerlichen Fadeout endet – was nicht viel ist, aber immerhin. Dem sicherlich löblichen Grundgedanken zum Trotz ergibt eine Vorgehensweise wie diese aber natürlich auch Schwierigkeiten – die sich hier in mindestens zweierlei Richtungen offenbarten.

Ein Problem liegt beispielsweise schlicht darin begründet, dass die Entscheidung bezüglich der Neuveröffentlichung für einen dezenten Anflug von Verwirrung sorgte – und auch heute noch bei nicht jedermann auf Verständnis stoßen wird. Dass THE STORY BEGINS und ESCAPE FROM TWILIGHT letztendlich ein und dasselbe Album sind ist dabei nur der (glücklicherweise schnell zu bemerkende) Anfang – die Frage nach dem besseren, wertigeren; und vielleicht auch von der Band am ehesten abgesegneten Release eine ganz andere. Schließlich brachte der Prozess des Remasterings nicht nur Vorteile mit sich, oder anders gesagt: während der insgesamt ausgewogenere und auch druckvollere Soundeindruck im Vergleich zur Urfassung grundsätzlich überzeugt, scheint die Neufassung auch die ein oder andere instrumentale Schwäche zu offenbaren. Vornehmlich solche, die in der etwas raueren Urfassung nicht ganz so deutlich aufgefallen waren – und ESCAPE FROM TWILIGHT somit erst Recht zu einem eher streitbaren und im schlimmsten Fall sogar fast schon klinisch oder generisch wirkenden Genre-Album avancieren lassen. Denn, und daran ändert auch die Neufassung nichts: einen wie auch immer gearteten Innovationspreis haben EMERALD SUN für ihren Karriere-Auftakt nicht verdient, wobei es eine fragliche Veröffentlichungsstrategie wie die vorliegende natürlich nicht gerade besser macht.

Da das Album aber im Kern dasselbe geblieben ist und sich so gesehen auch nichts an der Qualität des offerierten Materials geändert hat (mit Ausnahme des hier seltsamerweise schlechter als im Original klingenden H.M.) – könnte man zumindest theoretisch die Endpunktzahl des Vorgängers übernehmen. Da es sich aber doch um eine eher fragliche Strategie handelt, die Neuveröffentlichung etwas mehr Schwächen innerhalb des EMERALD SUN-Handwerks offenbart und ein Recycling-Produkt niemals die gleiche Bedeutung haben sollte wie das jeweilige Orginal; gibt es einen dezenten Abzug. Man entscheide selbst…

Absolute Anspieltipps: SCREAM OUT LOUD, HIGH IN THE SKY, ESCAPE, AND THE STORY BEGINS


„Kein zweites Album – sondern eine grundsätzlich diskutable Neuveröffentlichung, die die Urfassung kaum verbessert.“

Metal-CD-Review: NOCTURNAL RITES – The 8th Sin (2007)

Alben-Titel: The 8th Sin
Künstler / Band: Nocturnal Rites (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 28. Mai 2007
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal
Label: Century Media Records

Alben-Lineup:

Jonny Lindqvist – Vocals
Fredrik Mannberg – Guitars
Nils Norberg – Guitars
Nils Eriksson – Bass
Owe Lingvall – Drums

Track-Liste:

1. Call Out to the World (03:48)
2. Never Again (03:19)
3. Not the Only (05:16)
4. Tell Me (04:13)
5. Not like You (04:25)
6. Leave Me Alone (03:00)
7. Till I Come Alive (03:45)
8. Strong Enough (03:13)
9. Me (04:13)
10. Pain & Pleasure (03:53)
11. Fools Parade (02:37)

Eine kleine Sünde hat doch wohl jeder frei.

Ja, die 2000er Jahre markierten eine recht aktive Zeit für die schwedischen Power Metaller der NOCTURNAL RITES – auch oder gerade aufgrund des markanten Lineup-Wechsels zu Beginn des neuen Jahrtausends, bei dem der auch heute noch in der Band aktive Jonny Lindqvist für den einstigen Frontmann Anders Zackrisson kam. Gleichzeitig aber handelte es sich auch um eine Zeit, in der nicht immer alles rund lief für die Schweden – die sich mit Alben wie THE SACRED TALISMAN (siehe Review) oder dem hervorragenden Alben-Duo aus dem 2000’er AFTERLIFE (Review) sowie dem 2002 erschienenen SHADOWLAND (Review) die Messlatte selbst ziemlich hoch gelegt hatten. Eine der somit fast schon abzusehenden Folgen war, dass bereits das 2005 veröffentlichte NEW WORLD MESSIAH (Review) dezente Probleme hatte die hohen Erwartungen zu erfüllen – woraufhin sich die Band abermals zusammensetzte und beschloss, etwas neues auszuprobieren.

Denn, und das muss man den Schweden zumindest in der Theorie hoch anrechnen: sich nur wiederholen, das wollten sie nicht – vielmehr ward der Blick stets explizit nach vorn gerichtet, was auch die teils neuerlichen stilistischen Ausrichtungen auf dem 2005 erschienenen GRAND ILLUSION (Review) erklärt. Eben diese Einstellung oder auch Vorgehensweise geriet den NOCTURNAL RITES aber spätestens auf dem vorliegenden THE 8TH SIN zu einem echten Nachteil. Einen, der die Band sogar in relative Existenznöte brachte – und dafür sorgte, dass bis zu einem neuen NOCTURNAL RITES-Release (namentlich das 2017 veröffentlichte PHOENIX, Review) ganze 10 weitere Jahre vergehen sollten. Aber wie es eben so ist: manchmal muss man tief fallen, um zu erkennen was man möglicherweise falsch gemacht oder zumindest anders hätte lösen können – wofür THE 8TH SIN wie fast kein zweites Genre-Album Pate steht. Sicher, unter gewissen Gesichtspunkten kann das Album durchaus bestehen; aber – und das ist das Problem – eher nicht unter jenen, die die NOCTURNAL RITES einst definierten.

Anders gesagt: wenn die Band schon auf GRAND ILLUSION gewisse Andeutungen machte sich immer weiter von ihren Power Metal-Wurzeln ezu entfernen, so beschreibt das vorliegende THE 8TH SIN die endgültige Umwandlung oder auch Konvertierung der NOCTURNAL RITES. Und die wird beileibe nicht bei jedermann Anklang finden, erst Recht natürlich im Hinblick auf und im Vergleich mit den früheren Alben der Band. Und sei es, dass man sich doch noch mit der auf THE 8TH SIN postulierten musikalischen Atmosphäre anfreunden kann (was mindestens eine enorme Eingewöhnungszeit erfordert) – ein wenig nachdenklich sollte einem eine Entwicklung wie diese in jedem Fall stimmen. Sicher, gegen etwaige Weiterentwicklungen oder Erprobungen in anderen Genres hat wohl niemand etwas einzuwenden – doch wenn eine vollständige Abkehr von alten Tugenden plötzlich zum Programm wird – und genau ist das somit auch gewissermaßen passend betitelte THE 8TH SIN – dann sollten vielleicht doch eher die Alarmglocken läuten.

Immerhin, und dafür braucht man gar nicht erst die Geschichte der Band oder ihre andern Alben zu kennen; weiß das Album auch von allen Umständen abgesehen nicht gerade aufregendes oder besonders gutes anzubieten. Eher absolut standardisierte AOR-Kost mit einem – und das wiegt wesentlich schlimmer – teils ärgerlichen und im Metal eher zu vermeidenden modernen Einschlag. Einen; der im Zusammenspiel mit der teils auffällig zurückgefahrenen Härte, dem wenig aufregenden Tempo, den recht generisch klingenden Gitarren und den absolut austauschbaren Refrains dafür sorgt; dass im direkten Vergleich selbst etwaige spätere AVANTASIA-Alben wie steinharte musikalische Bretter klingen. Oder die von KAMELOT. Immerhin könnte der Rausschmießer PAIN & PLEASURE genauso gut von eben jenen Amerikanern stammen – mit dem Unterschied, dass sie sicher etwas geschickter mit der hier anberaumten symphonischen Komponente umgegangen wären. All das wäre unter Umständen absolut fatal – wenn, ja wenn da nicht doch noch die ebenso markante wie angenehme Stimme von Jonny Lindqvist wäre. Die kann das Album gerade noch vor der absoluten qualitativen Versenkung retten und immerhin einen Grund dafür liefern, warum man sich ein Album wie THE 8TH SIN überhaupt zu Gemüte führen sollte. Ob das in einem Fall wie diesem ausreicht, muss ein jeder aber für sich selbst herausfinden.

Absolute Anspieltipps: NOT THE ONLY, NOT LIKE YOU, LEAVE ME ALONE


„Bei weitem nicht so schlimm wie befürchtet – aber hoffentlich trotzdem nur eine einmalige Angelegenheit.“

Filmkritik: „Dog Days Of Summer“ (2007)

Filmtyp: Spielfilm
Regie: Mark Freiburger
Mit: Richard Herd, Devon Gearhart, Colin Ford u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 90 Minuten
FSK: keine Angabe
Genre: Thriller / Drama
Tags: Kleinstadt | Kinder | Fremder | Mysteriös | Veränderungen

Wie im Kleinen, so im Großen…

Inhalt: Ein einsamer Mann durchwandert die Straßen einer verlassenen und vermüllten Kleinstadt, in der nur noch das pfeifende Geräusch des Windes zu hören ist – und wenn man genau hinhört, auch die Stimmen der Vergangenheit. So erinnert sich der Hauptprotagonist Philip zurück an die Zeit, in der er hier als Kind (Devon Gearhart) viel Zeit mit seinem besten Freund Jackson (Colin Ford) verbrachte. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihm dabei ein ganz besonderer Sommer, in dem ein mysteriöser Fremder in der Stadt auftauchte. Sicher, Eli Cottonmouth (Will Patton) war ein äußerst fähiger Modellbauer, und erhielt seitens der Stadtverwaltung schnell den Auftrag auch von ihr ein detailliertes Modell anzufertigen. Im Großen und Ganzen aber machte er den Menschen eher Angst – und auch Philip wusste als Kind kaum, wie er den Fremden einschätzen sollte. Immerhin händigte er den beiden Freunden eine Kamera aus, und bat sie von möglichst vielen Objekten in der Stadt Bilder zu schießen. Das taten sie auch, ohne sich großartig Gedanken darüber zu machen – bis sich die Lage mit dem plötzlichen Verschwinden einer hochschwangeren Frau zuspitzte. So sollten die Menschen doch noch herausfinden, was es mit dem seltsamen Fremden und seinen Modellen tatsächlich auf sich hatte…

Kritik: Die US-Amerikanische Produktion DOG DAYS OF SUMMER ist alles andere als ein gewöhnlicher Spielfilm – und gleichzeitig auch einer, mit dem man erst warm werden muss. So können sich schon die ersten Minuten als recht zäh erweisen, und welche Marschrichtung das filmische Erstwerk von Regisseur Mark Freiburger letztendlich einschlagen würde; ist zunächst kaum zu erahnen. Aber auch in seinem weiteren Verlauf wirkt der Film etwas zu unentschlossen, zumindest stellenweise. Am ehesten wird der Zuschauer so einem wahren Wechselspiel aus verschiedenen Emotionen und Eindrücken ausgesetzt, ohne dass eine der vielen inhaltlichen Komponenten nachhaltig fokussiert wird. In seinem Dasein irgendwo zwischen einer klassischen Coming Of Age-Geschichte, einem netten Mystery-Thriller und einem Gesellschaftsdrama mit teils kritischen Botschaften lebt DOG DAYS OF SUMMER vor allem von seinen ungewöhnlichen Charakteren, dem soliden bis hervorragenden Schauspiel, der teils eindringlichen Filmmusik sowie seinem stimmig in Szene gesetzten Vergangenheits-Setting inklusive einer entsprechenden Erzähl-Perspektive.

Bilder / Promofotos / Screenshots: © Anchor Bay Entertainment

border_01

„Eine insgesamt noch etwas zu konfuse und unentschlossene Angelegenheit – aber das an den Tag gelegte Handwerk überrascht, wie auch der allgemein ambitionierte und gewissermaßen erfrischende Gesamteindruck.“

filmkritikborder