Filmkritik: „Inside Man“ (2006)

Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Originaldrehbuch
Regie: Spike Lee
Mit: Denzel Washington, Clive Owen, Jonnie Brown u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 130 Minuten
FSK: ab 12 freigegeben
Genre: Thriller (50 %), Krimi(50 %)
Tags: Bankraub | Heist | Überfall | Geiselnahme | Raub | Erpressung

Diebstahl ist (nicht) gleich Diebstahl.

Inhalt: Der gewiefte Dalton Russell (Clive Owen) ist mit seinem Team gerade dabei, den Coup des Jahres zu landen. Als Maler getarnt haben sie es geschafft, die Kontrolle über eine große New Yorker Bank zu erlangen – inklusive aller sich im Gebäude befindenden Personen. Dabei scheinen sie recht gut vorbereitet zu sein, denn schon kurz nach der Erstürmung der Bank verpassen sie den Geiseln eine einheitliche Kleidung – sodass es den von Detective Keith Frazier (Denzel Washington) angeführten Ermittlern zusehends schwerfällt, die Lage zu überblicken. Ebenfalls zu einem Problem wird, dass der Gründer und Inhaber der Bank (Christopher Plummer) eine gewisse Madaline White (Jodie Foster) beauftragt, sich um den Inhalt eines seiner Schließfächer zu kümmern – ausgerechnet jetzt sollte man wohl sagen, und selbst wenn das bedeutet mit den Bankräubern kooperieren zu müssen. Was also ist im besagten Schließfach, das offenbar auf keiner Inventarliste auftaucht; und vor allem: wissen auch die Bankräuber davon ?

Kritik: INSIDE MAN ist ein von Spike Lee inszenierter Thriller, der sich für seine Darstellung eines etwas anderen Bankraubs auf eine Vorlage des US-Amerikanischen Drehbuchautors Russell Gerwitz stützt. Etwas anders ist vielleicht auch, dass der Film dabei tatsächlich mit einigen neuen respektive für das Genre der sogenannten Heist-Movies erfrischenden Ideen auftrumpfen kann – und die Darsteller alles daran setzen, ihre Charaktere glaubhaft zu verkörpern. Im Zusammenspiel mit dem nicht allzu schnell zu durchschauenden Plan der Bankräuber vermag es der Film so durchaus, einen gewissen Reiz oder auch Sog zu entwickeln – einen Reiz, dem man sich als Zuschauer kaum entziehen kann. Und einen, der die eigentlich eher hoch angesetzten 130 Minuten Spielzeit grundsätzlich zu alles anderem als einer langatmigen Angelegenheit avancieren lässt. Dafür, dass der Film zu keinem Zeitpunkt auf eine nennenswerte geschweige denn übertriebene Gewaltdarstellung oder größere Action-Szenen setzt; ist das durchaus ein Verdienst – wobei vor allem Fans von vergleichsweise ausführlichen Dialogen, Machtspielchen und einer wohldosierten Priese Humor auf ihre Kosten kommen sollten.

Und dennoch: im Falle von INSIDE MAN von einer qualitativen Ausnahme oder gar einem waschechten Genre-Highlight zu sprechen, trifft es dann auch nicht ganz genau. Der Grund dafür ist schnell gefunden: interessanterweise scheinen so gut wie jedem Vorteil des Films immer auch Elemente gegenübergestellt zu sein, die vorschnelle Begeisterungsstürme schnell wieder im Keim ersticken können. Beispielsweise halten die eingangs erwähnten frischen Ideen nicht immer das, was sie versprechen – wobei man erst gar nicht in Versuchung kommen sollte, viele der hier eingebrachten Aspekte logisch zu hinterfragen. Aber auch das prinzipiell engagierte Schauspiel steht in INSIDE MAN teilweise auf der Kippe. Allein die Darbietung von Denzel Washington bewegt sich hart im Rande des Overactings, vor allem hinsichtlich des für die Dramaturgie des Films doch etwas zu abgebrühten und an Filme wie SHAFT erinnernden Porträts. Und überhaupt: dass sein Charakter derart im Fokus steht, und selbst potentiell interessantere Figuren wie die des von Clive Owen gespielten Anführers der Bankräuber zu quasi-Nebenfiguren macht; mag im Sinne des Erfinders sein – wirkt sich hier aber ebenfalls nicht unbedingt positiv aus.

Auch die einerseits durch die vergleichsweise netten Bankräuber, andererseits – und vor allem – durch die Nazi-Thematik aufkommenden moralischen Fragen fallen im hier anberaumten Zusammenhang etwas zu abstrakt aus, als dass der Zuschauer wirklich etwas mit ihnen anfangen könnte. Immerhin verzichtet Spike Lee auf ein allzu gewöhnliches gut gegen böse-Gefälle – und überlässt es weitestgehend dem Zuschauer, etwaige (dann: sich zumeist im Graustufenbereich befindende) Urteile zu fällen. Das gilt dagegen weniger für die angedeuteten Strippenzieher im Hintergrund, wie etwa die von Juliane Moore gespielte Madeleine White – die eher wie eine (absichtlich überakzentuierte) Karikatur denn wie ein menschliches Wesen wirkt. Letztendlich bleiben INSIDE MAN damit vor allem zwei Dinge: eine super-solide Inszenierung, die ihr Augenmerk eher auf die Darsteller und Kulissen als auf etwaige Special Effects legt; sowie ein überraschend hoher Unterhaltungswert. Der tröstet über vieles hinweg – aber eben auch nicht über alles.

Bilder / Promofotos / Screenshots: United International Pictures (UIP)

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„Ein nicht vor Schwächen gefeites, aber doch recht solide gemachtes und vor allem spannendes Porträt eines etwas anderen Bankraubs.“

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Metal-CD-Review: AXENSTAR – The Final Requiem (2006)

Alben-Titel: The Final Requiem
Künstler / Band: Axenstar (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 8. September 2006
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal
Label: Massacre Records

Alben-Lineup:

Magnus Winterwild – Vocals, Guitars, Keyboards
Joakim Jonsson – Guitars
Magnus Ek – Bass
Pontus Jansson – Drums

Track-Liste:

1. Final Requiem (03:53)
2. Condemnation (04:03)
3. The Divine (04:19)
4. Edge of the World (05:19)
5. Thirteen (04:41)
6. The Hide (04:59)
7. Underworld (05:46)
8. Spirit (04:07)
9. Pagan Ritual (03:56)
10. Seeds of Evil (04:37)
11. End of the Line (03:59)
12. Beyond the Lies (04:48)

Gut Ding will Weile haben.

Wenn eine Band mehrere Studioalben innerhalb eines vergleichsweise kurzen Zeitraums auf den Markt bringt, kann das eigentlich nur zweierlei bedeuten. Entweder die Band hat viel zu sagen und legt neben vielen guten Ideen auch einen ausgesprochenen Tatendrang an den Tag – oder aber ihr fehlt schlicht das Gefühl für ein gutes Timing. Schließlich gilt auch oder gerade bei guter Musik (oder solcher von jeweils persönlichen Helden), dass man die Hörerschaft durchaus etwas zappeln lassen sollte und nicht zu schnell nachliefert – nicht zuletzt aufgrund der Gefahr, sich bloß zu wiederholen oder kaum Differenzierungsmöglichkeiten zwischen den einzelnen Releases anzubieten. Etwas ganz ähnliches ist wohl auch den Jungs von AXENSTAR passiert, die sich bereits 1998 als POWERAGE zusammengefunden und ab dem Jahre 2002 einen Namen gemacht hatten. Und das vornehmlich aufgrund ihrer recht konsequenten Veröffentlichungs-Strategie, die mit dem gelungenen Debütalbum PERPETUAL TWILIGHT (siehe Review) noch geradezu vorzüglich begann. Während auch das überraschend schnell nachgeschobene Zweitwerk FAR FROM HEAVEN (Review) noch relativ gnadenlos überzeugen konnte, sah es für das 2005 veröffentlichte THE INQUISITION (Review) schon nicht mehr ganz so gut aus – wobei auch das vorliegende THE FINAL REQUIEM mit ganz ähnlichen Problemen zu kämpfen hat.

Anders gesagt: zwar haben AXENSTAR mit ihren ersten vier Alben zweifelsohne bewiesen, dass sie ihr Handwerk verstehen und problemlos dazu in der Lage sind; einen nicht zu weichen Melodic Power Metal mit dem ein oder anderen Alleinstellungsmerkmal (vornehmlich: der unverwechselbare Leadgesang des angestammten Frontmanns Magnus Winterwild) zu inszenieren – doch schienen sie es andererseits und mit der Veröffentlichung von 4 Alben innerhalb von gerade einmal 4 Jahren auch geradezu darauf anzulegen, die Gemüter zu spalten. Dass ein Album wie THE FINAL REQUIEM damit – und verständlicherweise – keinen ähnlichen Überraschungseffekt generieren kann wie einst das Debütalbum PERPETUAL TWILIGHT ist aber nur der Anfang. Relativ problematisch ist beispielsweise, dass AXENSTAR schon immer eine vergleichsweise gradlinige; man will nicht sagen simpel vorgehende Genre-Combo waren – mit entsprechenden klaren Strukturen und wenigen Überraschungen innerhalb der einzelnen Titel, dafür aber einer tadellosen handwerklichen Komponente und einem angenehm emotionalen Unterton. Dementsprechend hätte man durchaus damit rechnen sollen, dass eben jenes Konzept spätestens auf THE FINAL REQUIEM etwas ausgelutscht erscheinen respektive eine eher ernüchternde Wirkung etablieren würde – und mit entsprechenden Gegenmaßnahmen kontern sollen.

Doch von eben solchen hat man auf THE FINAL REQUIEM leider nicht Gebrauch gemacht. Immerhin fällt schon die oberflächliche Strukturierung des Albums eher ungünstig aus, gelinde gesagt – auch wenn es grundsätzlich eine nette Sache ist, dem Hörer ganze 12 vollwertige Titel ohne viel Schnickschnack zu servieren. Im Falle von THE FINAL REQUIEM aber wirkt sich das Ganze zusätzlich negativ aus, zumal sich alle Titel stets grob um die 4-Minuten-Marke herum bewegen und in vielerlei Hinsicht ähnlich aufgemacht sind – woran auch ein hie und da eingeschobener Stimmverzerrungs-Effekt wie in EDGE OF THE WORLD oder das alles andere als atmosphärische PAGAN RITUAL nicht viel ändern. Überhaupt ist es kaum zu verstehen, dass es AXENSTAR hier nicht einmal schaffen den einzelnen Titel-Erwartungen ansatzweise gerecht zu werden – und sich selbst die vermeintlich bösen oder zumindest eine gewisse Härte versprechenden Titel (SEEDS OF EVIL) als absolut typische AXENSTAR-Nummern ohne viel Biss herausstellen. Demnach kann es durchaus vorkommen, dass man nach dem noch recht prägnanten Opener und Titeltrack FINAL REQUIEM nicht mehr so recht weiß wo und woran man jeweils ist – und das schlicht, da das Album im weiteren Verlauf deutlich zu gleichförmig und überraschungsarm daherkommt.

Sicher, all das ändert wenig an der grundsätzlich tadellosen handwerklichen Leistung der einzelnen Mitglieder sowie der im Vergleich zum Vorgänger sogar noch verfeinerten Abmischungs- und Produktionsqualität – die Fähigkeit wirklich kultverdächtige oder zumindest nachhaltig wirkende Song-Momente zu kreieren schien den Schweden auf THE FINAL REQUIEM aber dezent abhanden gekommen zu sein. Vielleicht könnte man auch sagen, dass zu viele Köche den Brei verderben – was unter Umständen auch für eine Flut von grundsätzlichen guten Genre-Nummern einer einzelnen Band gelten kann, die sich in ihrer Gesamtheit als überraschend zäh erweisen und sich letztendlich doch nur auf einem durchschnittlichen Niveau einpendeln können.

Absolute Anspieltipps: FINAL REQUIEM, CONDEMNATION


„Handwerklich und klangtechnisch über viele Zweifel erhaben – aber wie so oft zeigt sich, dass das längst nicht alles ist.“

Metal-CD-Review: BLIND GUARDIAN – A Twist In The Myth (2006)

Alben-Titel: A Twist In The Myth
Künstler / Band: Blind Guardian (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 01. September 2006
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Nuclear Blast

Alben-Lineup:

Hansi Kürsch Vocals
André Olbrich – Guitars
Marcus Siepen – Guitars
Frederik Ehmke – Drums

Track-Liste:

1. This Will Never End (05:07)
2. Otherland (05:14)
3. Turn the Page (04:16)
4. Fly (05:43)
5. Carry the Blessed Home (04:03)
6. Another Stranger Me (04:36)
7. Straight Through the Mirror (05:48)
8. Lionheart (04:15)
9. Skalds and Shadows (03:13)
10. The Edge (04:27)
11. The New Order (04:49)

Ganz so groß ist die Überraschung dann doch nicht.

Gute 4 Jahre nach dem ebenso überraschenden wie überraschend guten A NIGHT AT THE OPERA (2002, siehe Review) legten die angestammten Genre-Pioniere von BLIND GUARDIAN ihr zum Zeitpunkt der Veröffentlichung achtes Studioalbum A TWIST IN THE MYTH nach. Selbiges beinhaltet 11 Titel bei einer Gesamtspielzeit von knapp 51 Minuten, kommt mit einem für die Band typisch-fantastischen Artwork daher – und schickte sich an, die ebenso wahnwitzige wie unvergleichliche Erfolgsgeschichte der bereits seit 1984 aktiven Kult-Band fortzusetzen. Ob dies den stets in vielerlei Hinsicht engagierten Recken um Frontmann Hansi Kürsch aber auch tatsächlich gelungen ist, ist eine andere Frage. Denn wie so oft – und speziell in Anbetracht der doch recht turbulenten (und teilweise umstrittenen) Diskografie der Band – zeigte sich, dass auch hinter einer legendären Combo wie BLIND GUARDIAN nur Menschen stecken. Menschen, die sich glücklicherweise als waschechte Vollblut-Musiker profilierten – und der Metal-Welt dabei das ein oder andere hochkarätige, im besten Fall auch bis heute nachhallende Geschenk bereiteten. Gleichzeitig sollte man aber auch von Musikern ausgehen, die in ihrem Geschäft – und im Hinblick auf die nicht selten über viele Jahre (oder Jahrzehnte) aktive Konkurrenz – nicht gänzlich davor gefeit sind, Fehler zu begehen.

Und auch wenn es sich hierbei um eine absichtlich etwas zugespitzte Formulierung handelt – und A TWIST IN THE MYTH folglich weit davon entfernt ist, um als Fehler durchgehen zu können – schienen sich BLIND GUARDIAN nach ihren bis dato an den Tag gelegten Erfolgen erst einmal dezent zurückgelehnt zu haben. Sicher taten sie das nicht wirklich, zumal auch A TWIST IN THE MYTH ein rundum spannendes, vielschichtiges und alles andere als dahingeschludertes Genre-Album ist – doch im Vergleich mit einigen der Vorgänger-Alben konnte sich schlicht kein ähnlich intensiver Eindruck einstellen. In wie weit das zwischenzeitliche Ausscheiden des Gründungsmitgliedes Thomen „The Omen“ Stauch mit einer Feststellung wie dieser korrespondiert oder korrespondieren kann, ist ohne eine intensivere Nachforschung kaum zu belegen – doch vermutlich lag es nicht allein an seinem Weggang. Weitaus wahrscheinlicher ist, dass BLIND GUARDIAN nach seinem Weggang schlicht und ergreifend nicht in ihrer besten Form waren – und das Album so etwas weniger an Kraft, Ausdruck und Variabilität mitbringt, als man es eigentlich von der Band gewöhnt ist.

Vielleicht könnte man auch behaupten, dass A TWIST IN THE MYTH ziemlich genau da weitermacht wo A NIGHT AT THE OPERA aufgehört hatte – nur in einer gefühlt etwas abgespeckteren Version, und folglich auch mit weitaus weniger Überraschungen. Besonders markant ist in diesem Zusammenhang die auf A TWIST ON THE MYTH zusätzlich hervorgehobene Komponente in Richtung einer Rock-Oper – was den insgesamt eher weichen und zugänglich wirkenden Eindruck des Albums auch recht gut beschreibt. Doch das ist nicht das Hauptproblem – wobei es generell schwerfällt wirklich den einen Knackpunkt auszumachen, der so nur auf A TWIST IN THE MYTH vorkommt. Vielmehr steckt der Teufel im Detail, und offenbart sich stets häppchenweise – etwa in Bezug auf die vielen eher harmlos-rockigen Stampfer a’la TURN THE PAGE, CARRY THE BLESSED HOME, ANOTHER STRANGER ME, THE NEW ORDER oder DEAD SOUND OF MISERY. Selbstverständlich gilt auch hier, dass BLIND GUARDIAN ihr Handwerk nicht verlernt haben und selbst in Nummern wie diesen immer wieder auf das ein oder andere Highlight aus sind – beispielsweise in Form von schmackigen Soli. Doch das Gefühl, als würde die Band hier um ihr Leben spielen respektive wirklich alles geben; stellt sich eher nicht ein.

Titel wie der Opener THIS WILL NEVER END, OTHERLAND oder auch das sich erst im weiteren Verlauf entwickelnde FLY schneiden da schon wesentlich besser respektive interessanter ab – wobei es schade ist, dass BLIND GUARDIAN nicht auch hier noch etwas öfter auf das Gaspedal gedrückt haben, und insbesondere die Refrains eher schlecht als recht abschneiden. Mit verantwortlich dafür ist die; man nenne sie einmal dezent ertränkende Klang-Komponente – die durch den recht großzügigen Sound der überlagerten Gesänge dazu führt, dass die Refrains alles andere als differenziert oder einzigartig klingen. Selbstverständlich gilt, dass es sich trotz allem um ein super-solides Genre-Album handelt (und vielleicht sogar eines, dass so manche Konkurrenzband vor Neid erblassen lassen sollte) – doch im Sinne der jeweils herauszupickenden absoluten Highlights der BLIND GUARDIAN-Diskografie sollte man die Rechnung vielleicht doch lieber ohne A TWIST IN THE MYTH machen.

Absolute Anspieltipps: THIS WILL NEVER END, OTHERLAND, SKALDS AND SHADOWS


„Ein nicht gänzlich vor Schwächen gefeites Album aus der BLIND GUARDIAN-Diskografie.“

Metal-CD-Review: EDGUY – Rocket Ride (2006)

Alben-Titel: Rocket Ride
Künstler / Band: Edguy (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 20. Januar 2006
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Nuclear Blast

Alben-Lineup:

Tobias Sammet – Vocals
Jens Ludwig – Guitars
Dirk Sauer – Guitars
Tobias „Eggi“ „Exxel – Bass
Felix Bohnke – Drums

Track-Liste:

1. Sacrifice (08:03)
2. Rocket Ride (04:49)
3. Wasted Time (05:48)
4. Matrix (04:10)
5. Return to the Tribe (06:07)
6. The Asylum (07:39)
7. Save Me (03:47)
8. Catch of the Century (04:03)
9. Out of Vogue (04:36)
10. Superheroes (03:20)
11. Trinidad (03:29)
12. Fucking with Fire (Hair Force One) (04:22)

Und ab geht die Post Rakete.

ROCKET RIDE ist das siebte offizielle Studioalbum von EDGUY – jener legendären und allseits bekannten Power Metal-Formation aus deutschen Landen, deren schillernde Galionsfigur Tobias Sammet grundsätzlich vieles richtig gemacht hat. Vor mindestens eine größere Bewährungsprobe wurde die hiesige Fangemeinde aber durchaus gestellt – wobei die hierbei gemeinte Entwicklung nicht wirklich an einem eindeutigen Zeitpunkt festzumachen ist. Fest steht indes, dass sich EDGUY ab ihrem 2001 erschienenen MANDRAKE (siehe Review), sowie speziell dem nachgeschobenen HELLFIRE CLUB (Review) von einer etwas anderen Seite zeigten als bis dato gewohnt – und nicht jeder mit der nunmehr deutlich ausgelasseneren, mitunter dezent blödelnden Stimmung innerhalb der Musik der Fulderaner warm werden konnte. Erst Recht natürlich, wenn man bedenkt dass EDGUY vor nicht allzu langer Zeit Alben wie VAIN GLORY OPERA (Review), THEATER OF SALVATION (Review) oder THE SAVAGE POETRY (Review) veröffentlicht hatten – Alben, die man relativ problemlos als Meilensteine in Bezug auf die damalige Power Metal-Szene bezeichnen könnte.

Aber, und wie man weiß legte Tobias Sammet etwaige in diese Richtung gehenden Ambitionen nicht gänzlich ab – sondern verwirklichte sie fortan eher in seinem AVANTASIA-Projekt. EDGUY indes liefen durchaus Gefahr, sich nicht für eine klare Marschrichtung entscheiden zu können – oder im schlimmsten Fall gar als abgehalfterte Comedy-Band zu enden. Dezent problematisch ist, dass man mit dem 2006 erschienenen ROCKET RIDE nicht allzu viel unternommen hat um eben diese Entwicklung aufzuhalten – und den Hörer abermals der ein oder anderen Talfahrt ausgesetzt hat. Nummern wie das sich dezent überflüssig anfühlende MATRIX oder die kitschig-harmlose und in jeder Hinsicht Chart-taugliche Ballade SAVE ME markieren dabei aber erst den Anfang der relativen Misere – und das nach dem rundum gelungenen Auftakt des Albums. Mit dem überraschend mächtigen, nach einer typischen EDGUY- und AVANTASIA-Manier aufgepeppten Opener SACRIFICE, dem recht griffigen Titeltrack ROCKET RIDE oder dem angenehm Riff-orientierten WASTED TIME macht der schließlich noch eine recht überzeugende Figur – und lässt zunächst kaum vermuten, dass sich EDGUY doch noch derart verhaspeln respektive stilistisch verirren würden.

Doch es kommt, wie es kommen musste: mit den in CATCH OF THE CENTURY inszenierten, recht großkotzigen (und nicht wirklich pointiert wirkenden) Peinlichkeiten, der auffällig platten Videosingle SUPERHEROES sowie den letztendlich relativ unmöglichen Rausschmeißern TRINIDAD und FUCKING WITH FIRE setzten EDGUY zu einem absoluten Tiefflug an, der selbst noch die ärgsten Momente des Vorgängers HELLFIRE CLUB zu unterbieten vermag. Einem grundsätzlich unnötigen Tiefflug noch dazu, der ROCKET RIDE am ehesten für Freunde eines eher retrospektiv orientierten Hardrocks mit einer ordentlichen Priese Glam-Metal interessant machen sollte. Alle anderen – und vor allem jene, die einen Narren an den früheren Alben der Band gefressen haben – sei indes nur der solide Alben-Auftakt ans Herz gelegt. Anders gesagt: in Bezug auf das an den Tag gelegte Handwerk (insbesondere von Frontmann Tobias Sammet), die Produktion und einen nicht unwesentlichen Unterhaltungswert mag das Ganze noch ganz gut funktionieren – doch insgesamt klingt und fühlt sich ROCKET RIDE einfach deutlich zu unrund an.

Absolute Anspieltipps: SACRIFICE, WASTED TIME, RETURN TO THE TRIBE


„Auf eine gute erste Alben-Hälfte folgt eine zum Vergessen.“

Metal-CD-Review: DESTINATION’S CALLING – Invisible Walls (2006)

Alben-Titel: Invisible Walls
Künstler / Band: Destination’s Calling (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 29. September 2006
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Keins / Independent

Alben-Lineup:

Christian Gräter – Vocals, Guitars
Markus Göller – Guitars
Steffen Singler – Bass
Christian Frank – Drums

Track-Liste:

1. Intro (01:16)
2. Fallen from Grace (04:04)
3. Sinthetic (04:08)
4. Trapped in Silence (04:15)
5. Bleeding Again (04:05)
6. Prolog (01:22)
7. Invisible Walls (08:15)
8. Disconnected (03:29)
9. Sentenced (03:57)
10. Turning Away (04:14)
11. Destination’s Calling (06:39)

Reisse die unsichtbaren Wände ein, die dich umgeben… wenn die Kraft dazu ausreicht.

DESTINATION’S CALLING sind eine bereits 1997 gegründete Power Metal-Formation aus Deutschland, die nach einem nicht ganz so gradlinigen Start und einigen Demo-Veröffentlichungen erst 2006 ihr Debütalbum INVISIBLE WALLS vorlegte. Selbiges enthält insgesamt 11 oder auch 9 vollwertige Titel bei einer Gesamtspielzeit von knapp 45 Minuten – und ist grob im Bereich des melodischen Power Metals einzuordnen. Des typisch europäischen, sollte man wohl noch dazu einschieben – denn wie ihre potentiellen Vorbilder setzen auch DESTINATION’S CALLING auf eine möglichst ausgewogene Mischung aus gleichermaßen stampfenden wie auch mal etwas flotteren Hymnen auf der einen, sowie deutlich softeren bis explizit balladesken Momenten auf der anderen Seite. Eine Band, die sich für einen schier perfekten Vergleich anbietet, wäre etwa DIONYSUS – auf ihren insgesamt drei Studioalbum legten die mittlerweile wieder getrennte Wege gehenden Schweden eine ganz ähnliche Marschrichtung vor wie nun auch die Deutschen von DESTINATION’S CALLING.

Aber, und das ist eventuell auch einer der Knackpunkte an und auf dem Debütalbum INVISIBLE WALLS – einen zweiten Olaf Hayer konnten die Deutschen für ihren ersten handfesten musikalischen Output nicht an den Start bringen. Sicher ist ein Vergleich wie dieser eher oberflächlicher Natur – und doch spricht er nicht unbedingt für DESTINATION’S CALLING und ihren hiesigen Leadsänger Markus Göller. Schließlich scheint gerade der noch mit einigen anderen Schwierigkeiten zu kämpfen zu haben – vornehmlich solchen, die sich auf sein alles andere als akzentfreies und so gesehen auch wenig stilsicher inszeniertes Englisch beziehen. Dabei spielt es kaum eine Rolle, ob man diese Feststellung auf die potentiell kräftigeren Momente oder aber die emotionaleren bezieht – einen wirklich guten respektive besonders einprägsamen Eindruck hinterlässt er nicht. Sicher auch, da seine Bandbreite ganz allgemein einen recht limitierten Eindruck macht – oder zumindest keine nennenswerten Ausbrüche in eine wie auch immer geartete Richtung vorgesehen sind.

An der Instrumenten-Front sieht es dagegen schon etwas besser aus für DESTINATION’S CALLING – auch wenn hier ebenfalls keine neuerlichen Maßstäbe gesetzt werden. Anders gesagt: die insgesamt eher ruhige bis retrolastig-rockige Ausrichtung des Albums weiß mit ihrem überraschend starken Fokus auf den Bass zu gefallen und geht gut ins Ohr – doch allzu spektakuläres wird hier weder in Bezug auf den bereits erwähnten Gesang noch das Songwriting oder die eher zurückhaltende Gitarrenarbeit geboten. Darüber hinaus kann man sich einstweilen kaum des Eindrucks erwehren, dass DESTINATION’S CALLING hier einfach nicht wirklich in die Vollen gegangen sind – Nummern wie der Titeltrack INVISIBLE WALLS fühlen sich schlicht deutlich zu kraftlos und uninspiriert an, um überhaupt irgendetwas zu reißen. Das Problem: gerade diese eher mittelprächtigen Nummern umgeben meist belanglose Balladen wie das darauf folgende, äußerst minimalistisch gehaltene DISCONNECTED.

Und die ändern eben auch nicht mehr viel am insgesamt deutlich zu ernüchternden Eindruck des Albums. Immerhin: die Abmischung und Produktion sind gelungen, und mit dem Rausschmeißer DESTINATION’S CALLING erwartet den Hörer doch noch eine kleine Kraftexplosion. Zumindest im Verhältnis, also etwa in Bezug auf das Schlagzeug und das Gitarrenspiel – wobei es viel mehr von eben solchen schon eher packenden Momenten (wie zum Alben-Auftakt eventuell noch das dezent an die CRYSTAL EYES erinnernde SINTHETIC) hätte geben müssen. Dass der Weg bis dahin aber einfach zu beschwerlich ist um zu begeistern – und das trotz der insgesamt recht übersichtlichen Spielzeit – spricht aber leider kaum für INVISIBLE WALLS. Vielleicht ist beim nächsten Mal ja eine größere Portion (Überzeugungs-)Kraft drin…

Absolute Anspieltipps: SINTHETIC, DESTINATION’S CALLING


„Ein insgesamt eher austauschbares und gesanglich problematisches Album, dass sich kaum gegen die auf der Hand liegenden Alternativen durchsetzten kann.“