Metal-CD-Review: NOCTURNAL RITES – Grand Illusion (2005)

Alben-Titel: Grand Illusion
Künstler / Band: Nocturnal Rites (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 19. September 2005
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal
Label: Century Media Records

Alben-Lineup:

Owe Lingvall – Drums
Jonny Lindqvist – Vocals
Fredrik Mannberg – Guitars
Nils Norberg – Guitars
Nils Eriksson – Bass

Track-Liste:

1. Fools Never Die (03:54)
2. Never Trust (04:44)
3. Still Alive (04:02)
4. Something Undefined (04:09)
5. Our Wasted Days (05:17)
6. Cuts like a Knife (05:11)
7. End of Our Rope (05:27)
8. Never Ending (04:29)
9. One by One (04:24)
10. Deliverance (05:01)

Das Leben ist… hoffentlich mehr als nur eine große Illusion.

Betrachtet man die schwedischen Power Metaller der NOCTURNAL RITES und ihre Schaffensperiode in den späten 90ern und frühen 2000er Jahren, stellen sich einem unweigerlich mehrere Fragen. Zum einen natürlich, wie es die Band nur schaffen konnte sich stetig in die absolut richtige Richtung weiterzuentwickeln – und sich entsprechend effektiv hochzuarbeiten, noch dazu ohne sich einen größeren qualitativen Schnitzer geleistet zu haben. Daran könnte bekanntlich auch der potentiell einschneidende Wechsel des Leadsängers im Jahre 2000 nichts ändern – manche behaupten sogar im Gegenteil. Zum anderen aber, und dafür sorgte spätestens das 2004 erschienene NEW WORLD MESSIAH (siehe Review); hatte man sich früher oder später wohl doch die Frage stellen müssen, wie genau es mit der Band weitergehen sollte. Lange überlegen brauchten die NOCTURNAL RITES aber offenbar nicht – schließlich lieferten sie mit dem vorliegenden GRAND ILLUSION ihre ganz eigene Antwort ab, die das mit NEW WORLD MESSIAH zumindest leicht rissig gewordene musikalische Konstrukt der Power Metal-Pioniere ganz schnell wieder kitten sollte. Das ist an und für sich eine gute Sache, und unterstreicht das von der Bands stets nach außen getragene Engagement niemals wirklich stillstehen zu wollen – wenn, ja wenn das kleine Wörtchen wenn nicht wäre. Denn, und dafür reicht eventuell schon ein Blick auf den extrem knapp bemessenen Zeitraum in dem all diese Entwicklungen stattfanden: so stilsicher und im positiven Sinne überraschend wie dereinst konnten die Schweden nicht mehr auftreten.

Eben das merkt und hört man THE GRAND ILLUSION auch relativ zweifelsfrei an. Und das vornehmlich, da die NOCTURNAL RITES hier abermals einen für sie großen Schritt gegangen sind. Nicht unbedingt in die gänzlich falsche Richtung – aber doch in eine, die sich unter Umständen nicht vollständig mit der bis dato eingeschlagenen Marschrichtung der Band vereinbaren lässt. Ein gewisser Anflug von Wehmütigkeit wäre jedenfalls verständlich – insbesondere natürlich in Anbetracht der zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht allzu lange zurückliegenden hervorragenden Band-Alben THE SACRED TALISMAN (Review) , AFTERLIFE (Review) und SHADOWLAND (Review). Fakt ist: mit dem nicht sicher nicht tadellosen, aber noch immer höchst soliden NEW WORLD MESSIAH als Bindeglied präsentierten die NOCTURNAL RITES auf GRAND ILLUSION eine gewisse Form der Verwandlung – hin zu einer nicht mehr allein dem europäischen Power Metal zuzuordnenden Combo. Einer, die es zwar weiterhin relativ einwandfrei im Bereich des melodischen Heavy Metals zu veroreten galt – neben der potentiellen Vergrätzung alter Fans aber Gefahr lief, es etwas zu bunt zu treiben. So könnte man der Band durchaus die Abkehr von ihrer alten, augenscheinlich besser funktionierenden Spielart ankreiden – sowie auch die Absicht, plötzlich vermehrt auf vergleichsweise unkompliziertere, freundliche und stellenweise gar problemlos als radiotauglich zu bezeichnende Momente zu setzen.

In Bezug auf eben diese Feststellung ändert dann auch ein Experiment wie das in CUTS LIKE A KNIFE anberaumte wenig. Eben weil es sich nur um ein Experiment handelt – welches zudem wenig mit der allgemeinen Gangart des Albums korrespondiert – und im schlimmsten Fall komplett zu überspringen ist. Erst lange nach dem schwachen Alben-Auftakt können sich die NOCTURNAL RITES noch einmal aufrappeln, und mit Nummern wie dem schon etwas prägnanter stampfenden NEVER ENDING, dem überraschend mächtig daherkommenden DELIVERANCE, dem knackigen FADE AWAY oder dem rassigen Power Metal-Rausschmeißer UNDER THE ICE punkten. Insgesamt aber reicht es in diesem Fall einfach nicht, zumindest nicht im Sinne um mit den früheren Releases der Band mithalten zu können – wofür man sich nicht erst als großer Gegner von stilistischen Veränderungen innerhalb einer langjährig aktiven Genre-Combo bezeichnen muss. Nein, vielmehr ist es der relative Überschwang von sich letztendlich recht deckungsgleich anfühlenden Midtempo-Nummern mit etwas zu viel auflockernden Elementen seitens des Keyboards – und das stellenweise drastisch zurückgefahrene Tempo inklusive einer mit der Produktion einhergehenden, hier eher ärgerlichen Form der Sanftheit. Wenn das Album eine klare Stärke hat, dann ist das die gesangliche Darbietung von Jonny Lindqvist – die im Zusammenspiel mit dem soliden Handwerk der anderen Mitglieder und des glücklicherweise doch noch einigen Raum einnehmenden schroffen Riffings schlimmeres verhindert.

Absolute Anspieltipps: STILL ALIVE,  DELIVERANCE, FADE AWAY, UNDER THE ICE


„Aufgrund einiger einfach nicht zündender Momente eines der schwächeren NOCTURNAL RITES-Alben, leider. Dennoch kann man von einem soliden Genre-Release ausgehen, erst Recht wenn man die Vergangenheit der Band einmal dezent ausblendet.“

Metal-CD-Review: 7 SEALS – Mooncurse (Demo, 2005)

Alben-Titel: Mooncurse (Demo)
Künstler / Band: 7 Seals (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 22. Oktober 2005
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Keins / Independent

Alben-Lineup:

Thomas Luther – Bass
Götz Von Selle – Guitars
Dominik Fiekens – Guitars
Markus Wagner – Vocals
Hilke Saathoff – Vocals
Torben Schmidt – Drums

Track-Liste:

1. Illuminate the Darkness (01:20)
2. My Own Secret (05:20)
3. Mooncurse (04:46)
4. Dawn of Winter (04:55)
5. The Necromancer (03:42)
6. Prophecies of Nostradamus (05:48)

Mit dem Mann im Mond ist nicht zu scherzen.

MOONCURSE ist die erste offiziell erschienene Demo-EP aus dem Hause 7 SEALS, einer bereits im Jahre 2003 gegründeten Power Metal-Formation aus Deutschland. Einer seit geraumer Zeit nicht mehr wirklich aktiven, wie es scheint – schließlich ließ die Band nach ihrem zuletzt erschienenen Studioalbum MORIBUND – EVERY KINGDOM HAS TO PASS (2008, siehe Review) nicht mehr viel von sich hören. Da im Laufe der Jahre schon so manche einst vielversprechende Genre-Combo mehr oder weniger urplötzlich von der Bildfläche verschwunden ist, mag es sich dabei um keine allzu seltene Angelegenheit handeln – und doch erscheint es gerade im Falle der 7 SEALS ungünstig, erst Recht in Anbetracht des teils immensen und schon früh von der Band offenbarten Potentials. Immerhin zeigten die Musiker schon auf der vorliegenden Demo respektive Erst-EP MOONCURSE auf, was in ihnen steckt – wobei sie vor allem durch den zweistimmigen Leadgesang im Stile der späteren VISIONS OF ATLANTIS sowie einem letztendlich doch überraschend reichhaltigen Sound auffallen konnten.

Zwar wurde diese Elemente erst auf dem späteren MORIBUND zu einem noch ausgewogeneren Ganzen verwoben und mit einer noch wirkungsvolleren Abmischungs- und Produktionsarbeit garniert – doch schon hier und in ihrer relativen Rauheit konnten und können Nummern wie das abwechslungsreiche MY OWN SECRET, das ebenso flotte wie hymnische MOONCURSE oder die kraftvolle Ballade DAWN OF WINTER recht kompromißlos überzeugen. Und wenn es schon nicht diese Titel sind die für den nötigen Ausschlag sorgen können, dann doch spätestens ein Riff-geladenes und angenehm melodisch-stampfendes Kraftpaket vom Schlage eines THE NECROMANCER – oder der episch angelegte Rausschmeißer PROPHECIES OF NOSTRADAMUS, der die 7 SEALS ein wenig wie eine härtere Version der frühen ORATORY klingen lässt. So oder so handelt es sich hier um eine starke EP, die als Vorprogramm zum noch ausgefeilteren MORIBUND bestens funktionierte – und diesen Zweck bis heute nicht verfehlt. Schade bleibt natürlich, dass das hier enthaltene Material nie wiederverwendet und nochmals vernünftig (das heißt in einer aufpolierteren Version und unter einem Label) veröffentlicht wurde.

Absolute Anspieltipps: MY OWN SECRET, MOONCURSE, THE NECROMANCER


„Eine grundsätzlich hervorragende erste Werkschau einer einst aufstrebenden Band.“

Metal-CD-Review: ARIADNA PROJECT – Mundos Paralelos (2005)

Alben-Titel: Mundos Paralelos
Künstler / Band: Ariadna Project (mehr)
Veröffentlichungsdatum: Oktober 2005
Land: Argentinien
Stil / Genre: Power Metal
Label: NEMS Enterprise

Alben-Lineup:

Javier Yuchechen – Vocals
Rodrigo Alejandro Gudiña – Guitars
Guillermo Adrián D’Medio – Guitars, Keyboards
Alexis Espinosa – Bass
Pablo Garrocho – Drums

Track-Liste:

1. En la tempestad (05:40)
2. Nuevo amanecer (05:19)
3. Muere la noche (05:36)
4. Aprendiendo a creer (05:45)
5. Y las sombras quedarán atrás (Barilari cover) (06:35)
6. Lejos de la soledad (05:33)
7. Hacia el portal (00:49)
8. La llave (06:23)
9. Entre luces y oscuridad (05:21)
10. Cuento mágico (03:51)
11. Mundos paralelos (07:17)
12. Horizonte perdido (04:56)
13. More than Meets the Eye (Europe cover) (03:21)

Gut bestückt ist halb gewonnen.

Sicher – den Preis für das innovativste oder schönste Cover-Artwork konnten und können die Argentinier von ARIADNA PROJECT mit ihrem Debütalbum MUNDOS PARALELOS nicht gewinnen. Dafür kristallisierte sich aber schon zum Zeitpunkt der Veröffentlichung (das war 2005) ein anderer, für den weiteren Werdegang der Band eher positiv zu wertender Aspekt heraus. So könnte man durchaus behaupten, dass ARIADNA PROJECT eine der am meisten unterschätzten oder fatalerweise gleich gänzlich übersehenen Genre-Combos waren – und dies noch immer sind. Zwar gibt es nicht wenige andere gute Bands aus Spanien und anderen sprachlich verwandten Gefilden, die zumeist mit ihrer angestammten Landessprache unterwegs sind – doch ARIADNA PROJECT hatten es schon auf ihrem Debütalbum geschafft, sowohl für markante Alleinstellungsmerkmale als auch einen rundum zufriedenstellenden Gesamteindruck zu sorgen.

Das könnte auch an der mitunter immensen Vielfalt liegen, die das insgesamt 13 Titel enthaltene Album an den Start bringt – und das ohne, dass die Band jemals unglaubwürdig klingt. So zeigt bereits der Opener EN LA TEMPESTAD auf, dass ARIADNA PROJECT kein Problem damit haben verschiedenste Einflüsse in ihren Kompositionen zusammenkommen zu lassen. Und das ist nicht nur auf die eigentlichen Stilmittel zu beziehen, die sich vom europäischen Power Metal über dezente symphonische und neoklassische Einschübe bis hin zum Gefühl einer vermittelten Tradition im Sinne von Bands wie ANGRA bewegen – sondern auch auf die anberaumten Stimmungen und die dichte Atmosphäre. So halten nicht wenige der Titel die ein oder andere Überraschung bereit. Überraschungen, die sich entweder gleich auf komplette Einzeltitel beziehen (wie etwa MUERE LA NOCHE, das eine recht wirkungsvolle Mixtur aus balladesken, symphonischen und vergleichsweise düsteren Elementen bereithält) – oder aber auf spezielle Gegenüberstellungen in Form der gerne mal etwas zurückhaltenden, stark auf den Leadgesang fokussierten Strophen und der dafür umso ausgelasseneren Refrains (wie in NUEVO AMANECER).

Das besondere dabei ist, dass es kaum eine Rolle zu spielen scheint in welche Richtung sich ARIADNA PROJECT gerade verdingen. So sind es nicht nur die direkt wirksamen, flotten und verspielten Hymnen die überzeugen – sondern auch viele der anderen innerhalb des ureigenen Alben-Kosmos eingeschlagenen Marschrichtungen. Das explizit balladeske, dezent auf die Tränendrüse drückende LEJOS DE LA SOLEDAD beispielsweise überzeugt ebenso wie das großzügig und wird zu weit mehr als einem im Genre obligatorischen Einschub. Hinzu kommt das auffallend versierte Handwerk der einzelnen Mitglieder: das variable Gitarrenspiel bewegt sich auf höchstem Niveau und ist gerade in den zahlreichen Soli-Momenten angnehm abwechslungsreich, der Leadgesang von Javier Yuchechen ist gleichermaßen kräftig wie emotional; und auch am Schlagzeug und Bass gibt man sich alles andere als eintönig oder lustlos. Als kleines Manko könnte man indes erachten, dass das Keyboard wirklich viel Raum einnimmt. Auch wenn die Einschübe niemals allzu künstlich aufdringlich klingen, hätte man die Gewichtung hier ein wenig anders gestalten können. Davon abgesehen überzeugt die akustische Aufmachung des Albums in ganzer Hinsicht: die Abmischung fällt für alle Seiten vorteilhaft aus, die Produktion klingt rund und wuchtig.

Insgesamt betrachtet handelt es sich um eine äußerst starkes, vielschichtiges Genre-Album aus Argentinien – das sogar noch stärker hätte ausfallen können, hätten ARIADNA PROJECT nicht doch den ein oder anderen schwächeren Moment eingebaut. Die finden sich indes nicht im gleichermaßen furiosen wie kompromißlosen Auftakt des Albums, der sich gefühlt bis zum atmosphärischen Interlude HACIA EL PORTAL und das darauf folgende LA LLAVE erstreckt – sondern eher im hinteren Bereich. Das eigentlich nur aus einer einzigen Bass-Line bestehende ENTRE LUCES Y OSCURIDAD beispielsweise kann der vorangegangenen Ballade LEJOS DE LA SOLEDAD nicht mehr viel hinzufügen, der Titeltrack MUNDOS PARALELOS fällt in Anbetracht seiner eigentlichen Funktion deutlich zu unspektakulär aus – und mit HORIZONE PERDIDO hat man es dann doch etwas in Richtung einer fast schon unfreiwillig komisch wirkenden Ballade übertrieben. Auch das interessanterweise auf Englisch eingesungene EUROPE-Cover MORE THAN MEETS THE EYE hätte man sich grundsätzlich sparen können – nicht unbedingt da es schlecht wäre, sondern vielmehr da es nicht so Recht zum restlichen Albenkontext passen will. Mit der ersten Alben-Hälfte haben ARIADNA PROJECT aber durchaus eine Meisterleistung vollbracht – eine, die für vieles entschädigt und den geneigten Genre-Hörer über den nicht mehr ganz so starken Ausklang des Albums hinwegsehen lässt. Im besten Fall, versteht sich.

Absolute Anspieltipps: EN LA TEMPESTAD, APRENDIENDO A CREER, Y LAS SOMBRAS QUEDARON ATRAS


„Ein gleichermaßen exklusiver wie effektiver Genre-cocktail aus Argentinien.“

Metal-CD-Review: ARTHEMIS – Back From The Heat (2005)

Alben-Titel: Back From The Heat
Künstler / Band: Arthemis (mehr)
Veröffentlichungsdatum: September 2005
Land: Italien
Stil / Genre: Power Metal
Label: Underground Symphony

Alben-Lineup:

Paolo Perazzani – Drums
Matteo Galbier – Bass
Alessio Garavello – Vocals
Andrea Martongelli – Guitars
Matteo Ballottari – Guitars

Track-Liste:

1. Rise Up from the Ashes (03:51)
2. Only Your Heart Can Save Us (04:01)
3. Free Spirit (03:56)
4. Desert Storm (03:52)
5. Star Wars (04:34)
6. Touch the Sky (03:46)
7. Here Comes the Fury (04:14)
8. Ocean’s Call (03:01)
9. The Vampire Strikes Back (05:06)
10. Thunder Wrath (04:12)

Eine Rückkehr – aber nicht ohne Blessuren.

Nachdem die italienischen Power Metaller von ARTHEMIS mit CHURCH OF THE HOLY GHOST (siehe Review), THE DAMNED SHIP (Review) und GOLDEN DAWN (Review) gleich zu Beginn ihrer Karriere drei respektable Studioalben abgeliefert hatten; folgte 2005 das vierte Werk aus der hiesigen und offenbar recht fleißigen Genre-Schmiede. BACK FROM THE HEAT beinhaltet 10 Titel bei einer Gesamtlaufzeit von übersichtlichen 40 Minuten – und könnte durchaus als eines der bis dato umstrittensten Alben der Band bezeichnet werden. Der Grund dafür liegt nicht unbedingt auf der Hand, wobei selbst ein Blick auf das doch eher dezent peinliche Artwork (merkwürdig, dass es sich hier nicht um ein SKYLARK-Album handelt) noch nicht den ausschlaggebenden Hinweis liefert. Erst ein tatsächliches Einsteigen in die einzelnen Titel bringt den geneigten Power Metal-Konsumenten näher an die potentielle Crux, denn: ARTHEMIS klingen auf ihrem BACK FROM THE HEAT schlicht deutlich weniger interessant und / oder einzigartig als noch zuvor.

Anders gesagt: was einst durch ein druckvolles Grundtempo, eine ansprechende Progressivität und zahlreiche Alleinstellungsmerkmale beschrieben werden konnte; mündet dieses Mal in einem vergleichsweise massentauglich wirkenden Erzeugnis. Einem, das in Bezug auf die handwerklichen Leistungen zwar noch immer eine gute Figur macht – doch allein aufgrund der spürbar weicher und schnörkelloser gewordenen Kompositionen sowie des häufiger eingestreuten Keyboards deutlich weniger griffig und beeindruckend daherkommt. Immerhin: man war offenbar bemüht, diesem Eindruck mit dem noch immer recht schroffen Sound der Gitarren und der Drums entgegenzuwirken, etwas längere und aufwendigere Soli-Passagen gibt es ebenfalls – doch wird der ARTHEMIS-Sound auf BACK FROM THE HEAT viel zu oft von balladesken und harmlos-rockigen Strömungen konterkariert. Die nehmen dem Album viel von seinem potentiellen Biss, sodass die ehemalige Band-Formel bezüglich einer gelungenen Verquickung verschiedener Elemente und Emotionen nicht mehr wirklich aufgeht. Denn: die Instrumentalstücke und der Leadgesang werden hier eher eins, als dass sie als stimmige und sich ergänzende Gegenpole fungieren.

Eben jener Leadgesang von Allesio Garavello ist es auch, der einen weiteren diskutablen Aspekt von BACK FROM THE HEAT offenbart. Garavello – der zur Zeit der Veröffentlichung von BACK FROM THE HEAT bereits maßgeblich bei den Jungs von POWER QUEST eingespannt war – klingt hier erstmals so, als wäre er nicht wirklich bei der Sache gewesen. Fakt ist, dass seine Auftritte auf den beiden vorherigen Alben wesentlich überzeugender wirkten – auch da sie insgesamt variabler erschienen. Auf BACK FROM THE HEAT bewegt er sich oftmals ausschließlich in sehr hohen Gefilden (DESERT STORM, HERE COMES THE FURY) oder steuert eine gewisse Form der Emotionalität bei, die hier nicht wirklich zum allgemeinen Soundeindruck der Band zu passen scheint – wie etwa bei STAR WARS. Wohl aber zu POWER QUEST und deren Blütezeit mit Alben wie NEVERWORLD (Review) und MAGIC NEVER DIES (Review), an die man bei der Verköstigung dieses Albums unweigerlich denken wird.

Doch auch ganz unabhängig von etwaigen Geschmacksfragen bezüglich des Leadgesangs wird man spätestens mit Nummern wie OCEAN’S CALL feststellen, dass ARTHEMIS hier einfach nicht mehr wirklich nach den einstigen ARTHEMIS klingen. Sicher, Veränderungen oder ein wie-auch-immer gearteter frischer Wind sind grundsätzlich nicht schlechtes – doch wenn anstatt wirklicher Innovationen schlicht eine ordentliche Portion Kitsch, Schmalz und Herzschmerz Einzug halten; läuft man verständlicherweise Gefahr alteingesessene Hörer zu vergrätzen. Etwas interessanter ist da schon die wenn man so will aggressivste Nummer des Albums, THE VAMPIRE STRIKES BACK – doch auch hier sind die Ähnlichkeiten zum quasi gleichzeitigen POWER QUEST-Output frappierend. Und überhaupt: wirklich authentisch wirkt die auf BACK FROM THE HEAT dargebotene Ansammlung an Titeln und behandelten Themen nur selten. Ob das Album dennoch Spaß machen kann, muss ein jeder für sich selbst ausprobieren – doch die früheren Releases von ARTHEMIS scheinen sich allgemein besser für einen Einstieg in die hiesigen musikalischen Welten zu eignen.

Absolute Anspieltipps: ONLY YOUR HEART CAN SAVE US, THE VAMPIRE STRIKES BACK


„Der Eindruck des Artworks täuscht in diesem Falle nicht, leider: ARTHEMIS klangen schon einmal wesentlich überzeugender.“

Metal-CD-Review: SABATON – Primo Victoria (2005)

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Alben-Titel: Primo Victoria
Künstler / Band: Sabaton (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 04. März 2005
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal
Label: Black Lodge Records

Alben-Lineup:

Joakim Brodén – Vocals, Keyboards
Pär Sundström – Bass
Rikard Sundén – Guitars
Oskar Montelius – Guitars
Daniel Mullback – Drums

Track-Liste:

1. Primo Victoria (04:10)
2. Reign of Terror (03:51)
3. Panzer Battalion (05:09)
4. Wolfpack (05:55)
5. Counterstrike (03:48)
6. Stalingrad (05:18)
7. Into the Fire (03:25)
8. Purple Heart (05:07)
9. Metal Machine (04:22)

Der Sieg scheint zum Greifen nah.

Es war einmal im Jahre 1999 – als sich einige talentierte schwedische Musiker zusammengefunden, eine Band gegründet und bald darauf erstmals offiziell gezeigt haben was in ihnen steckt. Die Rede ist natürlich von SABATON und ihrer ganz eigenen Interpretation des War Metal, wie er schon auf den frühen Demos respektive auch der Compilation FIST FOR FIGHT (siehe Review) zu hören war. Wenngleich jenes FIST FOR FIGHT auch gerne als Debütalbum der Band angesehen wird, nimmt selbigen Posten eigentlich das 2005 erschienene PRIMO VICTORIA ein – ein 9 Titel starkes, kompaktes und für die Band sicher wegweisendes Brachialwerk. Tatsächlich hört man dem Album auch definitiv an, dass sich im Laufe der Jahre einiges getan hatte im Hause SABATON – ein Umstand, der beileibe nicht nur auf die wesentlich ausdrucksstärkere und druckvollere Produktion zurückzuführen ist. So bietet PRIMO VICTORIA schlicht noch etwas griffigere, besser inszenierte SABATON-Nummern mit einem hörbar stärkeren und variableren Joakim Broden – und natürlich massig Hymnen-Potential.

Eines steht beim ersten Durchhören von PRIMO VICTORIA jedenfalls relativ schnell fest: wenn man SABATON’s Spielart und Genre-Ausrichtung inklusive des Fokus auf allerlei kriegsbezogene Inhalte grundsätzlich mag, hat man hier ein gefundenes Fressen vor sich. Denn: viel mehr hätten die Schweden vermutlich nicht aus diesem ersten, zweifelsohne selbstbewussten Anlauf machen können. Sei es der direkt ins Ohr gehende, wenn man so will majestätische Titeltrack PRIMO VICTORIA mit seinem starken Refrain, das gleichermaßen aggressive wie melodische REIGN OF TERROR oder das stampfende PANZER BATTALION – SABATON zeigen sich hier von ihrer besten und vermutlich auch unterhaltsamsten Seite. Zumal es nicht nur in Bezug auf den Leadgesang von Joakim Broden inklusive seines herrlichen Akzents sehr gut aussieht – auch die rein instrumentale Schlagkraft der Band ist hier enorm. Vornehmlich mit einer eher klassischen Ausrichtung versehen, darf es hie und da auch mal ein besonders Keyboardelement oder ein eher ruhiges Zwischenspiel (wie etwa zum Auftakt von WOLFPACK) sein – was für Abwechslung, aber auch reichlich Atmosphäre sorgt.

Sicher muss sich auch ein Album wie PRIMO VICTORIA etwaige Vergleiche gefallen lassen, die sich vornehmlich auf das frühere Schaffen anderer beziehen – gerade auf das von etwaigen Pionier-Bands der 80er Jahre, wie etwa JUDAS PRIEST, GRAVE DIGGER oder gar BLACK SABBATH. Doch das macht nichts, denn SABATON haben spätestens mit dem vorliegenden RIMO VICTORIA eine ganz eigene Genre-Nische für sich gefunden; in der sie weitestgehend konkurrenzlos agieren – trotz der hie und da auftretenden, nur natürlichen Parallelen. Umso schöner ist, dass das Album auch in der zweiten Hälfte nicht schlappmacht – und mit einem schmackigen INTO THE FIRE wohl so gut wie alle von den Sitzen holt, während man das stampfende PURPLE HEART als gut funktionierenden Balladen-Ersatz betrachten könnte. Der Rausschmeißer METAL MACHINE macht ebenfalls Laune, wohingegen STALINGRAD vergleichsweise düster und dank der engagierten Performance von Joakim Broden auch überraschend emotional klingt.

Wie man es auch dreht und wendet – PRIMO VICTORIA bietet dem geneigten Genre-Hörer die pure Essenz dessen, was SABATON seit jeher verkörpern. Während man sich über die besungenen Inhalte streiten könnte, respektive sie sicher nicht immer jedermanns Geschmack treffen können; sieht es vor allem an der handwerklichen Front erstaunlich gut aus. Joakim Broden röhrt hier so kräftig und prägnant wie nie zuvor, das Instrumentenspiel ist antreibend und angenehm variabel, die nicht unnötig verkomplizierten Song-Strukturen klingen eingängig – und das ohne sich allzu schnell abzunutzen. Den Schweden ist demnach fürwahr ein großer Streich gelungen – wobei anzunehmen ist, dass der erste Sieg am längsten nachhallt.

Absolute Anspieltipps: PRIMO VICTORIA, REIGN OF TERROR, COUNTERSTRIKE, INTO THE FIRE, PURPLE HEART


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„Im wahrsten Sinne des Wortes ein erster großer Sieg.“