Metal-CD-Review: EMERALD SUN – The Story Begins (2005)

Alben-Titel: The Story Begins
Künstler / Band: Emerald Sun (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 11. November 2005
Land: Griechenland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Encore Records

Alben-Lineup:

Johnnie Athanasiadi – Guitars
Bill Kanakis – Drums
Teo Savage – Guitars
Jim Tsakirides – Keyboards
Jimmy Santrazami – Vocals
Spyros Babatzanides – Bass

Track-Liste:

1. Sunrise (01:00)
2. Scream Out Loud (05:22)
3. Sword of Light (06:54)
4. High on the Sky (06:43)
5. Eyes of Prophecy (04:51)
6. Emerald Sun (05:56)
7. Not Alone (05:18)
8. Escape (05:38)
9. And the Story Begins (04:48)
10. H/M (04:44)

Jede Geschichte hat einen Anfang.

Auch wenn sich die aus Griechenland stammenden Power Metaller von EMERALD SUN bereits im Jahre 1998 zusammengefunden hatten, sollte es bis zu ihrem ersten offiziellen Studioalbum noch etwas dauern. Nach zwei kleineren Demos und einigen frühen Mitgliederwechseln war es dann aber endlich soweit – und THE STORY BEGINS erblickte 2005 über das Label Encore Records das Licht der Welt. Enthalten sind insgesamt 10 Titel bei einer Gesamtspielzeit von knapp 51 Minuten – was im Zusammenspiel mit dem zugegebenermaßen eher schlichten Cover-Artwork und dem seinerzeit noch nicht wirklich vorhandenen Bekanntheitsgrad der Band auf nicht allzu viel schließen ließ. In Anbetracht des relativen Überraschungseffektes (der teilweise auch daraus resultierte, dass die Band als eine der wenigen nennenswerten aus Griechenland stammt) war und ist das, was EMERALD SUN hier in einem ihrer frühesten Stadien auf die Beine gestellt hatten; aber durchaus überzeugend – auch wenn das Genre-Rad beileibe nicht neu erfunden wurde und THE STORY BEGINS letztendlich nicht sonderlich anders klingt als so viele andere Power Metal-Alben der frühen 2000er Jahre.

Dennoch lässt sich einfach nicht verhehlen, dass dem Album sowohl eine auffallende und sich auf den Hörer übertragende Spielfreude, als auch einen relativ hohen Spaßfaktor mitbringt – wofür sich vornehmlich die recht hymnische, aber auch abwechslungsreiche Aufmachung der einzelnen Titel verantwortlich zeichnet. Anders gesagt: wer nichts gegen einen eher klassisch aufgemachten Power Metal mit einem typisch hohen Leadgesang, antreibenden Drums inklusive zahlreicher Doublebass-Einlagen, energetische Riffs sowohl im Rhythmus- als auch Solibereich sowie einen nicht immer knapp bemessenen, insgesamt aber noch angenehm zurückhaltenden Einsatz eines Keyboards einzuwenden hat; der sollte mit einem Album wie THE STORY BEGINS relativ problemlos warm werden können. Und das auch oder gerade weil die meisten Nummern absolut problemlos zünden – wie der schlagkräftige Opener SCREAM OUT LOUD, das einige Herausforderungen an den damaligen Leadsänger Jimmy Santrazami stellende aber ebenfalls recht gut funktionierende SWORD OF LIGHT oder das offenbar stark an BLIND GUARDIAN angelehnte AND THE STORY BEGINS.

Aber auch die meisten der anderen Titel machen eine gute Figur – wobei es eigentlich nur Kleinigkeiten sind, die man hätte vermeiden oder anders lösen können. Sei es ein deutlich zu vordergründiges und auf elektronisch getrimmtes Keyboard hier (HIGH IN THE SKY, das eine überaus gelungenen Mittelteil vorzuweisen hat), ein absolut unpassender Fadeout dort (EMERALD SUN, das als instrumentales Zwischenspiel grundsätzlich stimmig inszeniert ist) – oder die sich auf so gut wie alle Titel beziehende Tatsache, dass die Griechen hier noch nicht wirklich aus dem Vollen zu schöpfen schienen. Der grundsätzlich annehme aber eben doch relativ austauschbare und alles andere als spektakuläre Leadgesang sowie die für ein Independent-Release überzeugende aber noch stark ausbaufähigen Abmischungs- und Produktionsfaktoren jedenfalls ließen hier noch reichlich Luft nach oben – von der ganz und gar unsäglich schnulzigen Ballade NOT ALONE sowie dem etwas besseren (aber letztendlich auch nicht viel erreichenden) THE EYES OF PROPHECY gar nicht erst zu sprechen.

Insgesamt aber kann THE STORY BEGINS als Erstwerk einer bis dato unbekannten Combo aus Griechenland relativ konsequent überzeugen – wobei man lediglich abwägen muss ob man mit der hier behandelten ersten Fassung, oder aber der Remastered-Version ESCAPE FROM TWILIGHT (siehe Review) Vorlieb nimmt – die kurioserweise 2 Jahre später veröffentlicht wurde und dabei nicht nur Verbesserungen bereithält.

Absolute Anspieltipps: SCREAM OUT LOUD, HIGH IN THE SKY, ESCAPE, AND THE STORY BEGINS


„Ein ebenso klassisches wie überzeugendes Debüt-Werk einer heutzutage nicht mehr ganz so attraktiven Power Metal-Combo.“

Metal-CD-Review: CONQUEST – Frozen Sky (2005)

Alben-Titel: Frozen Sky
Künstler / Band: Conquest (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 2005
Land: Ukraine
Stil / Genre: Power Metal
Label: Keins / Independent

Alben-Lineup:

Lady Dea – Keyboards
W. Angel – Guitars
Louis Ray – Bass
Alexander Can – Drums
Alex G.L. – Vocals

Track-Liste:

1. Intro (01:22)
2. The Ways of Vice (04:52)
3. My Aim (03:25)
4. The Road to Nowhere (05:15)
5. Flying in the Rain (04:40)
6. The Temple of Fear (05:25)
7. Don’t Tell Me Farewell (04:54)
8. Sunset (04:16)
9. Before the War (01:31)
10. Warbeast (05:27)
11. Frozen Sky (04:53)

Eisig und doch herzerwärmend.

W. ANGELS CONQUEST (bis 2011 einfach nur CONQUEST) sind zweifelsohne eine der markanteren Power Metal-Institutionen aus der Ukraine – was mehrere Gründe hat. Zum einen sollte man eigentlich nicht erwarten, dass die Band bereits in einer Zeit gegründet wurde in der so manch andere europäische Combo noch nicht mehr als ein feuchter Traum war – auch wenn es vom entsprechenden Stichtag (das war 1996) bis zum Debütalbum ENDLESS POWER (siehe Review) noch eine ganze Weile dauern sollte. Zum anderen aber, und auch das sollte man nicht verachten; scheint so gut wie jeder namhafte Genre-Künstler aus der Ukraine schon einmal Mitglied in der Band gewesen zu sein – die damit mehr internen Entwicklungen ausgesetzt war als viele andere. Nur einer hat der Combo seit jeher die Treue gehalten, weshalb sie wohl auch zu Recht (und das besser spät als nie) nach dem Gründungsmitglied W. ANGEL benannt wurde. Doch ob nun unter der neuen oder der alten Flagge – weitaus wichtiger erscheint, was die Band tatsächlich in Petto hat. In Bezug auf die grundsätzlich recht übersichtliche CONQUEST-Diskografie wäre das etwas das 2005 erschienene FROZEN SKY als zweites offizielles Studioalbum der Ukrainer – dass dabei recht überraschend abschneidet, und das in mehrere Richtungen.

Beispielsweise wäre da die Tatsache, dass sich CONQUEST auf ihrem Zweitwerk schon deutlicher von der ursprünglich eingeschlagenen Marschrichtung eines ebenso temporeichen wie zünftigen Speed Metals der Marke ENDLESS POWER verabschiedet hatten – und nun einen ausgewogeneren europäischen Power Metal anstrebten, der in diesem Fall erstaunlich gut aufgegangen ist. Allerdings, und wie bei so vielen anderen verwandten Combos; gilt das nicht unbedingt in Bezug auf wirklich alle Aspekte des Gesamtwerks – sondern vielmehr auf einzelne, dafür aber immerhin nicht allzu spärlich gesäte Highlight-Momente. Der hervorragende Opener THE WAYS OF VICE etwa markiert den diesbezüglichen Auftakt – derart stilsicher, atmosphärisch und markant-stampfend klangen CONQUEST noch nicht; zumindest nicht bis dato. Gleichzeitig aber weist schon selbiger Opener auf eine der potentiellen Schwächen des Albums hin – die leider Gottes zu einem nicht unerheblichen Teil auf die Darbietung des damaligen Leadsängers Alex G.L. zurückzuführen sind.

Sicher, am ehesten sind die vorhandenen Defizite zu verschmerzen; wenn CONQUEST ordentlich aufs Gaspedal treten – oder mit anderweitig beeindruckenden respektive ablenkenden Maßnahmen glänzen. Spätestens aber wenn es hinüber zu den reinen Balladen (wie etwa FLYING IN THE RAIN) geht, sieht es recht düster aus für den Frontmann – auch wenn die Gitarrenarbeit hier offenbar explizit darauf ausgerichtet ist, über die teils auffällig schiefen Töne hinwegzutäuschen. Auch das ein wenig an die früheren ORATORY erinnernde DONT TELL ME FAREWELL hat dementsprechend stark zu kämpfen – wobei es die merkwürdige Aussprache des Sängers sowie das hier etwas repetitive Riffing nicht viel besser machen. Unglücklicherweise findet sich mit SUNSET noch ein weiterer Kandidat für die Riege der vielleicht ungünstigsten Genre-Balladen aller Zeiten – sodass man durchaus etwas Durchhaltevermögen mitbringen muss, will man in den eigentlichen Genuss von FROZEN SKY kommen. Sieht man über die natürlich auch in den anderen Titeln vorhandenen, aber eben nicht so stark zum Tragen kommenden gesanglichen Schwächen hinweg; ergibt sich der nämlich durchaus – wobei schon das Intro sowie das Zwischenspiel BEFORE THE WAR einen respektablen Eindruck machen.

Neben diesen kleinen Beigaben aber sind es dann vor allem der bereits erwähnte Opener THE WAYS OF VICE, das ebenso rasante wie mitreißende MY AIM, das wandelbare und in den richtigen Momenten schier abgrundtief hymnische THE ROAD TO NOWHERE oder das stampfende und Riff-geladene TEMPEL OF FEAR; die den Ausschlag geben. Hier haben CONQUEST wahrlich nicht viel liegen lassen – auch nicht im gelungenen WARBEAST als gefühlte Erweiterung des frühen Sounds von KALEDON oder aber im Rausschmeißer und Titeltrack FROZEN SKY. Eine Empfehlung kann also in jedem Fall ausgesprochen werden – auch wenn der Leadgesang verhindert, dass es sich hier um ein absolutes Must-Have handelt.

Absolute Anspieltipps: THE WAYS OF VICE, MY AIM, THE ROAD TO NOWHERE, FROZEN SKY


„Über zwei oder drei Titel muss man komplett hinwegsehen, sowie sicher auch über den nicht optimalen Leadgesang – doch in den richtigen Momenten entfaltet FROZEN SKY eine ungeahnte Wirkungskraft.“

Metal-CD-Review: AXENSTAR – The Inquisition (2005)

Alben-Titel: The Inquisition
Künstler / Band: Axenstar (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 06. Mai 2005
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal
Label: Arise Records

Alben-Lineup:

Magnus Winterwild – Vocals, Keyboards
Magnus Ek – Bass
Pontus Jansson – Drums
Thomas Eriksson – Guitars (lead)
Peppe Johansson – Guitars

Track-Liste:

1. The Fallen One (03:51)
2. Under Black Wings (05:38)
3. Salvation (03:57)
4. Inside Your Mind (05:52)
5. Daydreamer (04:32)
6. Drifting (02:27)
7. The Burning (07:16)
8. Run or Hide (05:04)
9. The Sands of Time (04:30)

Inquisition’s still alive.

Nachdem sich die schwedischen Musiker von AXENSTAR Anfang der 2000er Jahre erstmals aufgemacht hatten, die Power Metal-Szene mit ihren beiden überraschenden Erstwerken PERPETUAL TWILIGHT (siehe Review) und FAR FROM HEAVEN (Review) zu erobern; legten der angestammte Band-Frontmann Magnus Winterwild und sein Gefolge relativ schnell nach. So sollte es gerade einmal drei Jahre nach dem Debütalbum schon wieder so weit sein: THE INQUISITION erschien als offizielles drittes Studioalbum der Band, wobei sich weder das Label noch die Besetzung verändert hatte. Im Gegenzug dafür aber ergaben sich durchaus einige Änderungen am Soundkonstrukt der Schweden, die sich schon beim Sprung vom Debütalbum zum Nachfolger FAR FROM HEAVEN experimentierfreudig zeigten – auch wenn das längst nicht dazu führte, dass AXENSTAR ihr Debütalbum noch hätten übertreffen können. Dennoch schickte man sich auch auf THE INQUISITION an, die Entwicklungen in Richtung eines etwas bodenständigeren, erwachseneren und variableren Sounds weiter zu verfolgen – was die Bandbreite der Fähigkeiten der Band erneut ausgeweitet und ein in jedem Fall spannendes AXENSTAR-Album zur Folge hatte.

Dennoch – und wie schon beim Vorgänger – bleibt die Frage, in wie weit diese Entwicklungen im Falle von AXENSTAR überhaupt sinnig erscheinen. Immerhin starteten die Schweden als überaus prägnante, sich als wahres Kraftpaket herausstellende und mit zünftigen Genre-Hymnen nur so um sich werfende Genre-Combo mit einem entsprechenden Drang nach vorn – sodass es beileibe nicht jedermann gefallen wird, dass auch THE INQUISITION eher zurückhaltend wirkt und klingt. Zumindest im Vergleich und wenn man bedenkt, dass das Album grundsätzlich keine wirklich konsequent ausgeführte Uptempo-Nummer an den Start bringt – mit Ausnahme des späten Rausschmeißers IMAGINARY WORD eventuell, der aber auch eher markant stampft als tatsächlich in jeder Hinsicht über den Hörer hinwegzurollen. Sicher, Tempo ist nicht alles; und die grundsätzliche spielerische Kraft ist den Schweden auch in diesem Fall erhalten geblieben. Dennoch ist es dezent schade, dass es sich nicht so anfühlt als hätten AXENSTAR wirklich aus dem Vollen geschöpft – und das Album einen ganz ähnlichen Bremspedal-Effekt offenbart wie stellenweise auch der Vorgänger FAR FROM HEAVEN.

Selbiger ist dabei aber nicht nur auf das Tempo zu beziehen, sondern hauptsächlich auch auf das mittelmäßige Songwriting und die nicht gerade umwerfende Gesamt-Inszenierung des Albums – dass zwar handwerklich über so gut wie jeden Zweifel erhaben ist und mit einem soliden Produktions-Part aufwartet, dafür aber des Öfteren Gefahr läuft in der Bedeutungslosigkeit zu versinken. Und das macht sich schon mit dem Opener THE FALLEN ONE bemerkbar – bei dem trotz der ebenso versierten wie antreibenden Arbeit an den Gitarren und am Schlagzeug der Eindruck aufkommt, dass hier noch so viel mehr drin gewesen wäre. Unglücklicherweise handelt es sich dabei im ein Gefühl einer fehlenden Tiefe, dass auch einige der noch folgenden Nummern begleitet – wobei es tatsächlich keine einzige über das Niveau eines annehmbaren bis bestenfalls höchst soliden Genre-Beitrags schafft. Zwar ändert das nichts daran, dass sich AXENSTAR hier nicht die Blöße geben – doch gerade von einer Band wie dieser hätte man schlicht ein etwas knackigeres Gesamtpaket erwarten können.

Demnach gilt wie schon beim Vorgänger: das Bestreben von AXENSTAR, für einen noch reichhaltigeren und variableren Sound zu sorgen; avanciert ganz eindeutig zu einem zweischneidigen Schwert. Sicher, die Soli-Parts und die Instrumentalpassagen in den längeren Titel sind interessant und sorgen doch noch für die ein oder andere Überraschung; und wirklich langweilig wird es (fast) nie – doch ändert auch das nichts am insgesamt etwas zu gleichförmigen und vor allem Highlight-armen Eindruck. Ob die Schweden hier einfach etwas zu sehr auf Nummer sicher gegangen sind ist schwer zu sagen – in jedem Fall aber hört es sich so an, und lässt zweifelsohne den Wunsch nach einem erneuten Befreiungsschlag  von der Güte eines PERPETUAL TWILIGHT wach werden.

Absolute Anspieltipps: INSIDE YOUR MIND, IMAGINARY WORD


„Trotz des hervorragenden Handwerks bleibt das Album klar hinter seinen eigentlichen Möglichkeiten zurück.“

Metal-CD-Review: CRYONIC TEMPLE – In Thy Power (2005)

Alben-Titel: In Thy Power
Künstler / Band: Cryonic Temple (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 30. Mai 2005
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal
Label: LMP / Limp Music Productions

Alben-Lineup:

Sebastian Olsson – Drums
Esa Ahonen – Guitars
Jan J. Cederlund – Bass
Leif Collin – Guitars
Jan Söderlund – Keyboards
Glen Metal – Vocals

Track-Liste:

1. The Sleep of the Innocent (01:23)
2. When Hell Freezes Over (05:40)
3. In Thy Power (05:36)
4. Travellers in Time (05:14)
5. Beast Slayer (05:22)
6. Wolfcry (06:36)
7. Mr. Gold (04:58)
8. A Soldiers Tale (05:01)
9. Shark Attack (04:30)
10. Rapid Fire (04:22)
11. Eternal Flames of Metal (06:44)

Eine weitere willkommene Macht- und Kraftdemonstration.

IN THY POWER ist das dritte offizielle Studioalbum aus dem Hause CRYONIC TEMPLE – und damit auch die Fortsetzung der Erfolgsgeschichte jener eifrigen Power Metaller, die kurz nach der Jahrtausendwende endlich vollends mit ihren Genre-Beiträgen durchstarten konnten. Mit ihrem Debütalbum CHAPTER I (siehe Review) sowie dem bald darauf nachgeschobenen BLOOD, GUTS & GLORY (Review) konnten die Schweden jedenfalls relativ gnadenlos überzeugen – und das auch oder gerade weil sie erst gar keinen allzu großen Aufriss um ihre Musik machten. Stattdessen schienen sich die Recken um den damaligen Frontmann Glen Metal (eigentlich Johan Johansson) schon früh auf das zu besinnen, was sie am besten können – und das war und ist ein ebenso klassisch gestimmter wie zutiefst hymnisch angehauchter Power Metal der typisch europäischen Spielart. Das vorliegende dritte Album aus der hiesigen Power Metal-Schmiede bildet da so gesehen keine Ausnahme – auch wenn sich hie und da doch kleine Veränderungen bemerkbar machen.

Die beziehen sich indes weniger auf die grundsätzliche Spielart der Band, als vielmehr auf die Darbietung des Leadsängers Johan Johansson – der auf IN THY POWER teils deutlich bestimmter und aggressiver vorgeht als noch auf den Vorgängern. Vor allem der Auftakt mit dem in den Strophen ungewöhnlich harschen WHEN HELL FREEZES OVER bietet hier als treffendes Anschauungsmaterial an – wobei man sich durchaus erst an diese neue Herangehensweise gewöhnen muss. Aber eben auch nur kurz – schließlich merkt man schon dem Refrain an, dass CRYONIC TEMPLE keinesfalls auf ihre typischen Markenzeichen verzichtet hatten. Noch deutlicher wird dies im folgenden Titeltrack IN THY POWER – der ein für die Schweden typisches Power Metal-Feuerwerk abfackelt und dabei alles andere als eine schlechte Figur macht. An die schier umwerfende Wirkung der Vorgänger aber kommt das Album im weiteren Verlauf dann doch nicht ganz heran – was mehre Gründe hat.

Zum einen schienen CRYONIC TEMPLE hier nicht mehr ganz so spielfreudig zu agieren respektive aus wirklich allen Rohren zu feuern – was aller Wahrscheinlichkeit nach auf die bis zu diesem Zeitpunkt von der Band gewonnene Erfahrung und sicher auch Routine zurückzuführen ist. Zwar führt das nicht dazu, dass auch nur einer der insgesamt 11 Titel komplett zu vernachlässigen wäre – aber der zuvor noch vorhandene Überraschungsfaktor bleibt verständlicherweise aus. Auch scheint es, als wären die Schweden hie und da einfach etwas zu sehr auf Nummer sicher gegangen – was hier einige höchst solide, aber eben auch nicht herausragende (und den Refrains etwas schwächere, zumindest im Vergleich mit den Vorgängern) Titel wie etwa TRAVELLERS IN TIME, WOLFCRY, MR. GOLD, SHARK ATTACK oder RAPID FIRE zur Folge hat. Der Band absolut erhalten geblieben sind dagegen – und das auch in den nicht ganz so überzeugenden Titeln – ihre handwerklichen Fähigkeiten sowie das nötige Feingefühl in Bezug auf eine möglichst effektive Inszenierung und einen rundum zufriedenstellenden technischen Part.

Alles in allem wäre also definitiv davon auszugehen, dass IN THY POWER deutlich hinter seinem Vorgänger BLOOD, GUTS & GLORY zurückstecken müsste. Wenn, ja wenn sich da nicht doch noch das ein oder andere Highlight versteckt hätte. Vornehmlich zu nennen wären hier der bereits erwähnte, extrem knackige Opener WHEN HELL FREEZES OVER sowie natürlich der Titeltrack – aber auch das furiose und variantenreiche BEAST SLAYER, das zeitlos-hymnische A SOLDERS TALE sowie der Rausschmeißer THE ETERNAL FLAMES OF METAL als exzellente Band- und Genrehymne sorgen hier für den nötigen Ausschlag. Eben diese Nummern sind es dann auch, die eine allzu explizite Einstufung unter dem Niveau des Vorgängers vermeiden – und IN THY POWER letztendlich fast auf eine Stufe mit den ersten beiden Werken der Schweden hieven.

Absolute Anspieltipps: WHEN HELL FREEZES OVER, IN THY POWER, BEAST SLAYER, A SOLDIERS TALE, ETERNAL FLAMES OF METAL


„Fast so gut wie der Vorgänger, aber eben auch nur fast. Die Blöße geben sich CRYONIC TEMPLE hier dennoch nicht – auch für das dritte Album kann eine absolute Empfehlung ausgesprochen werden.“

Metal-CD-Review: SECRET SPHERE – Heart & Anger (2005)

Alben-Titel: Heart & Anger
Künstler / Band: Secret Sphere (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 30. Mai 2005
Land: Italien
Stil / Genre: Power Metal
Label: Nuclear Blast

Alben-Lineup:

Roberto „Ramon“ Messina – Vocals
Aldo Lonobile – Guitars
Paolo „Paco“ Gianotti – Guitars
Andrea Buratto – Bass
Daniel Flores – Drums
Antonio Agate – Keyboards

Track-Liste:

1. Endless (01:53)
2. Where the Sea Ends (05:03)
3. First Snake (06:28)
4. Loud & Raw (04:57)
5. Dance with the Devil (05:22)
6. Set Me Free (05:17)
7. I Won’t Say a Word (05:02)
8. Lights On (05:36)
9. Leonardo da Vinci (05:22)
10. You Still Remain (05:03)
11. Bad Blood (04:05)
12. No Reason Why (06:35)
13. Faster Than the Storm (06:48)

Wenn nur alle so überzeugend aus Fehlern lernen würden…

Wenn man sich an die frühesten Alben der italienischen Power Metal-Combo SECRET SPHERE erinnert, so werden einem vermutlich – und leider – nicht nur ambitionierte Werke wie etwa das Debütalbum MISTRESS OF THE SHADOWLIGHT (siehe Review) oder der ebenso großartige wie kultige Nachfolger A TIME NEVER COME (Review) einfallen – sondern unter Umständen auch ein in Richtung von HELLOWEEN’s PINK BUBBLES GO APE schielender Totalausfall vom Schlage eines SCENT OF HUMAN DESIRE (Review). Interessant dabei ist, dass offenbar auch die Italiener selbst nicht wirklich mit ihrem hier an den Tag gelegten Sound inklusive einer kaum wirksamen Form der Ironie zufrieden waren – und in der Folge das einzig richtige taten. So besonnen sie sich auf ihrem vierten Studioalbum HEART & ANGER wieder auf das, was sie am besten konnten – einen ebenso knackigen wie hymnischen Power Metal der typisch europäischen Spielart zu inszenieren. Einen, der eigentlich nur einen potentiellen Nachteil hat: dass er mit dem Schaffen der Kollegen von LABYRINTH verwechselt werden könnte. Umso kurioser – aber in gewisser Hinsicht auch passend – erscheint, dass man ausgerechnet Roberto Tiranti (seit 1997 der angestammte Leadsänger von LABYRINTH) für einen Gastauftritt auf HEART & ANGER geladen hatte.

Sicher trug das nicht unbedingt zum Wiedererkennungswert von SECRET SPHERE bei – andererseits aber änderte es auch nichts an der von den Italienern offerierten musikalischen Qualität. Eine Qualität, die glücklicherweise nichts mehr mit dem zuvor geleisteten Ausrutscher SCENT OF HUMAN DESIRE gemein hat – und die Italiener sowohl in den flotteren als auch kräftig-stampfenden und stellenweise auch balladesk angehauchten Momenten von einer äußerst vorteilhaften Seite zeigt. Schon der angenehm flotte und mit dezenten symphonischen Elementen unterlegte Opener WHERE THE SEA ENDS macht diesbezüglich klar, wohin die Reise auf HEART & ANGER geht – von den gut in Szene gesetzten Instrumenten über den ebenso hymnischen wie eingängigen Refrain bis hin zur Gesangsdarbietung von Roberto „Ramon“ Messina stimmt hier alles. Gerade der scheint hier auch den größten Sprung gemacht zu haben, betrachtet man HEART & ANGER im direkten Vergleich mit seinen Vorgängern – so stilsicher, variantenreich und schlicht angenehm hatte er bis dato noch nicht geklungen.

Dem Album ebenfalls zugute kommt die relative Vielfalt, die durch das Verhältnis von direkt zündenden Uptempo-Hymnen, mächtigen Stampfern und balladesken Einschüben erreicht wird. Während der Opener WHERE THE SEA ENDS, das durch Roberto Tiranti zusätzlich reizvoll erscheinende FIRST SNAKE, LIGHT ON oder der Rausschmeißer FASTER THAN THE STORM also vornehmlich aufgrund ihres Tempos und einer gewissen Hymnen-Tauglichkeit überzeugen; ist es bei Nummern wie LOUD AND RAW, DANCE WITH THE DEVIL oder dem ungewöhnlichen LEONARDO DA VINCI eher eine rockig-kraftvolle Komponente, die dank des überzeugenden Handwerks der Band ebenfalls gnadenlos gut aufgeht. Zwei grundverschiedene Gangarten, die in Bezug auf HEART & ANGER Erwähnung finden sollten; legen SECRET SPHERE dann aber auch noch an den Tag – wobei sie höchst unterschiedlich abschneiden. Zum einen wäre da die recht explizit ausgeführte balladeske Seite der Band, wie sie etwa in I WONT SAY A WORD, YOU STILL REMAIN oder NO REASON WHY präsentiert wird. Sicher, im direkten Genre-Vergleich sind auch Nummern wie diese nicht gänzlich zu vernachlässigen – und doch geraten sie SECRET SPHERE hier eher zum Nachteil.

Zum anderen, und das ist eine vergleichsweise erfreuliche Angelegenheit; inszenieren sich SECRET SPHERE gerade in Nummern wie SET ME FREE als Combo, die man nicht vorschnell in eine einzelne Schublade stecken sollte. Die hier anberaumte symphonische Komponente sorgt im Zusammenspiel mit den gar nicht mal schlecht klingenden Chören für einen ordentlichen Atmosphäre-Schub. Schlussendlich ergibt sich so ein gut durchmischtes Ganzes, dass seine Stärken klar in den handwerklichen Darbietungen der einzelnen Mitglieder und einigen teils hervorragend umgesetzten Einzel-Titeln hat – aber eben auch nicht vor kleineren Schwächen in Bezug auf eine nicht gerade spärliche Benutzung des Keyboards, die präsentierten Balladen sowie einige sich in sonst soliden Titeln versteckenden längliche Momente hat. Insgesamt aber kann man hier getrost von einem der besseren SECRET SPHERE-Alben sprechen.

Absolute Anspieltipps: WHERE THE SEA ENDS, FIRST SNAKE, SET ME FREE, LIGHTS ON, LEONARDO DA VINCI


„Nach einem eher enttäuschenden Album eine absolut willkommene Rückkehr.“