Metal-CD-Review: DOMINE – Emperor Of The Black Runes (2004)

Alben-Titel: Emperor Of The Black Runes
Künstler / Band: Domine (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 02. Februar 2004
Land: Italien
Stil / Genre: Power Metal
Label: Dragonheart Records

Alben-Lineup:

Riccardo Paoli – Bass
Stefano Bonini – Drums
Riccardo Iacono – Keyboards
Enrico Paoli – Guitars, Vocals (choirs)
Morby – Vocals

Track-Liste:

1. Overture Mortale (Intro) (01:09)
2. Battle Gods (of the Universe) (04:58)
3. Arioch, the Chaos Star (05:06)
4. The Aquilonia Suite – Part I (11:01)
5. The Prince in the Scarlet Robe (The Three Who Are One – Part I) (06:53)
6. Icarus Ascending (06:29)
7. The Song of the Swords (05:41)
8. The Sun of the New Season (An Homecoming Song) (08:41)
9. True Believer (05:58)
10. The Forest of Light (03:28)

Ein Feldzug der allemal überzeugenden Sorte.

Nein, wirklich hübsch waren die Cover zu den DOMINE-Alben noch nie. Dass das vorliegende, 2004 erschienene vierte Studioalbum EMPEROR OF THE BLACK RUNES den diesbezüglichen Vogel sogar noch einmal abschießt; muss indes nicht viel bedeuten. Immerhin hatten sich die Italiener mit ihren vorherigen Alben alles andere als die Blöße gegeben – und sich zu einer starken Power Metal-Combo entwickelt, mit der man um die Jahrtausendwende herum einfach rechnen musste. Alben wie DRAGONLORD (siehe Review) und STORMBRINGER RULER (Review) sollten jedenfalls in keiner gut sortierten Genre-Sammlung fehlen – so klischeehaft und vorhersehbar die dahinterstehenden Konzepte auch erscheinen mögen. Dabei zeigte sich gerade im Falle einer Band wie DOMINE, dass es sich durchaus lohnt einmal genauer hinzuschauen – und entsprechende Äußerlichkeiten (wie etwa auch die zutiefst gewöhnungsbedürftigen Artworks) einfach mal gekonnt zu ignorieren. Entsprechend wenig überraschend war und ist in jedem Fall, dass auch EMPEROR OF THE BLACK RUNES keinen nennenswerten Keil in die grundsätzlich hervorragende Diskografie der Italiener getrieben hatte – und mit seinem überschwänglichen Konzept sowie der für DOMINE typischen Gangart irgendwo zwischen einer ordentlichen Portion Pomp und einer noch größeren Portion Kraft alle Fans der Combo zufriedenstellen sollte. Und sicher auch generelle Freunde eines zünftigen italienischen Power Metals, der mit frühen Bands wie DRAKKAR ganz ähnliche und durchaus mit DOMINE vergleichbare Genre-Combos anzubieten hatte.

Allerdings, und diesen Vorwurf muss man EMPEROR OF THE BLACK RUNES unter Umständen machen: ganz so frisch, feurig und gnadenlos stampfend wie seine Vorgänger ist das Album dann doch nicht ausgefallen, was man schon mit dem dezent überzeichneten Intro OVERTURE MORTALE sowie dem Opener BATTLE GODS feststellen wird.  Zwar hatten sich DOMINE diese Messlatte durch allerlei denkwürdige Auftakte (wie zuletzt etwa mit dem furiosen THE HURRICANE MASTER) quasi selbst auferlegt – doch ein wenig mehr wäre sicher auch hier drin gewesen. Zumal die symphonischen Ausstaffierungen in BATTLE GODS nicht unbedingt das gelbe vom Ei sind, was auch für die hier ausnahmsweise mal eher plump wirkenden Chöre gilt – und DOMINE ihre Stärken weiterhin in der lebhaften Auslegung des Zusammenspiels aus wunderbar frickelnden Gitarren, einem antreibenden Schlagzeug und der unverkennbaren Leadstimme von Morby hatten. Der Bass wird in diesem Zusammenhang nicht explizit erwähnt, was man EMPEROR OF THE BLACK RUNES ebenfalls anlasten könnte – hier wurde einiges zugunsten eines noch, man nenne es voluminöseren Sounds links liegen gelassen.

Und das ist vermutlich auch das größte Problem des Albums: es klingt stellenweise einfach etwas zu aufgeblasen, und Nummern wie ICARUS ASCENDING oder THE SONG OF THE SWORDS kommen schlicht mit zu vielen ungünstigen bis dezent nervigen Elementen daher. Zwar ist es angenehm zu hören, dass DOMINE mit Maßnahmen wie diesen eine dezente Weiterentwicklung ihres Sounds angestrebt hatten – doch wenn dafür die ursprünglich so einzigartige, schlicht unwiderstehlich packende und mitreißende Gesamtwirkung des Liedguts auf der Strecke bleibt; ist klar wofür man sich eher entscheiden würde. Geht man noch weiter ins Detail und vergleicht etwa die Gesangsdarbietung von Morby mit den vorherigen, wären theoretisch auch hier einige Abstriche zu machen (was sicher auch für einen explizit balladesken Einschub wie THE FOREST OF LIGHT gilt), doch davon soll an dieser Stelle abgesehen werden. Und das auch, da EMPEROR OF THE BLACK RUNES trotz allem ein gutes bis sehr gutes Power Metal-Album geworden ist. Eines, dass den Vergleich mit den Werken anderer Genre-Combos keineswegs scheuen muss – und mit Titeln wie THE AQUILONIA SUITE oder TRUE BELIEVER noch immer einige waschechte Kracher im Gepäck hat. Lediglich im Vergleich mit den vorherigen drei Alben muss es dezent hintenan stehen – trotz der wahrlich sagenhaften Ideen-Konstrukte und der neuerlichen weiblichen Gesangsunterstützung in zumindest zwei Titeln.

Absolute Anspieltipps: BATTLE GODS, THE AQUILONIA SUITE, TRUE BELIEVER


„Kommt nicht ganz an die Vorgänger heran – viel falsch machen kann man aber auch hier nicht.“

Metal-CD-Review: ULTIMATIUM – New Dawn (2004)

Alben-Titel: New Dawn
Künstler / Band: Ultimatium (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 08. September 2004
Land: Finnland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Mastervox

Alben-Lineup:

JT Partanen – Vocals
Harri Niskanen – Drums, Guitars
Matti Pulkkinen – Keyboards
Tuomo Juntunen – Bass
Tero Maijala – Drums

Track-Liste:

1. Follow Me (03:33)
2. New Dawn (04:19)
3. Cut Deep Eternally (04:49)
4. Dysfunctional (02:36)
5. In Winter Nights (04:22)
6. In My Dreams (04:06)
7. Rain & Storm (04:49)
8. Through Winterland (04:39)
9. Fly High, Rise to the Sky (09:29)

Wer wird denn gleich ein ULTIMATUM stellen ?

In der Zeit um die Jahrtausendwende, in der der europäische Power Metal zweifelsohne eine weitere bemerkenswerte Blütezeit erlebte; erblickten viele neue Genre-Combos das Licht der Welt. Auch die 2001 gegründeten und bald darauf mit ihren ersten Demos im Gepäck die Szene unsicher machenden Finnland von ULTIMATIUM bilden so gesehen keine Ausnahme – auch wenn es bis zum vorliegenden Debütalbum NEW DAWN noch etwas gedauert hatte. 2004 war es dann aber endlich soweit: ULTIMATIUM konnten die bisher gesammelten Erfahrungen kumulieren, sich einige ihrer früheren Titel erneut vorknöpfen – und das insgesamt 9 Titel starke NEW DAWN über das Label MAstervox veröffentlichen. Dennoch, und trotz der offensichtlichen Ambitionen wurden ULTIMATIUM eigentlich erst mit ihrem späteren Zweitwerk HWAINOO bekannt und stellenweise auch berüchtigt – wofür unter Umständen auch das zu den Zeiten von NEW DAWN noch etwas anders aussehende Lineup der Finnen mitverantwortlich war.

Schließlich gab sich seinerzeit noch nicht der vergleichsweise furios agierende und durch seine Mitarbeit bei Bands wie etwa DREAMTALE bekannte Sänger Tomi Viiltola die Ehre, die typischen Euro-Power-Kompositionen der Marke ULTIMATIUM zu veredeln – sondern sein eher unvorbelasteter respektive unbekannter Vorgänger JT Partanen. Das Problem: betrachtet man ein Album wie NEW DAWN, kommt man an der Darbietung eben jenes ehemaligen ULTIMATIUM-Frontmanns kaum vorbei. Selbige ist dabei allerdings alles andere als herausragend, ja wenn nicht gar als relative Herausforderung an den Hörer zu bezeichnen – was unter Umständen auch die bald nach der Veröffentlichung des Albums vollzogene Trennung erklärt. So sind es vornehmlich die recht STRATOVARIUS-affinen instrumentalen Strukturen inklusive des gerne mal anberaumten und die Melodien unterstützenden Keyboards, die hier für ein Aufhorchen sorgen – und nicht der eher limitierte und schnell eintönig wirkende Leadgesang. Immerhin: auch die Abmischungs- und Produktionsqualität des Albums kann überzeugen, zumal sie sich als recht differenziert und erweist und so auch einem gerne mal vernachlässigten Instrument wie dem Bass die nötige Aufmerksamkeit zukommen lässt.

Eine gewisse Vorliebe für einen alles andere als unvorhersehbaren und dabei auch mal explizit kitschig wirkenden Power Metal inklusive einiger typischer balladesker Momente (IN MY DREAMS oder CUT DEEP ETERNALLY, wobei der Leadgesang hier zusätzlich ungünstig ausfällt) sowie allerlei recht süßlich anmutende Melodien und Keyboard-Ausstaffierungen sollte man aber durchaus mitbringen, will man in den Genuss eines Albums wie NEW DAWN kommen – dass mit Nummern wie dem stampfenden Opener FOLLOW ME, dem trotz des überschwänglichen Keyboards recht kraftvoll daherkommenden IN WINTER NIGHTS, dem überraschend atmosphärischen THROUGH WINTERLAND oder dem überlangen Rausschmeißer FLY HIGH RISE TO THE SKY immerhin einige potentielle Highlights serviert. Bis auf die im allgemeinen recht ansehnliche Gitarren-Arbeit gibt es davon abgesehen aber auch tatsächlich nicht viel mehr zu holen: die Balladen des Albums sind gelinde gesagt kaum zu ertragen (und das in mehrerlei Hinsicht), das instrumentale Zwischenspiel DYSFUNCTIONAL ist nicht mehr als nett – und die Schwächen oder auch relativen Strapazen in Bezug auf den Leadgesang sowie die Nutzung des Keyboards einfach zu frappierend. Kurzum: an der Band interessierte sollten vielleicht lieber gleich zum wesentlich besseren und auch spannenderen Nachfolger HWAINOO greifen.

Absolute Anspieltipps: FOLLOW ME, IN WINTER NIGHTS, THROUGH WINTERLAND, FLY HIGH RISE TO THE SKY


„Ein interessantes, aber eben auch in vielerlei Hinsicht extrem ausbaufähiges Debütalbum.“

Metal-CD-Review: TOCCATA MAGNA – Incognite Soul (2004)

Alben-Titel: Incognite Soul
Künstler / Band: Toccata Magna (mehr)
Veröffentlichungsdatum: März 2004
Land: Brasilien
Stil / Genre: Power Metal
Label: Megahard Records

Alben-Lineup:

Juliano Ângelo – Bass
Ricardo Giordano – Drums
Everton Acosta – Guitars
David Amato – Guitars
Antônio Moraes – Vocals

Track-Liste:

1. Acqua Vitae / Tierra Mystica (Intro) (03:35)
2. Incognite Soul (06:12)
3. Forbidden Tears (04:52)
4. Siren Song (07:13)
5. Ashes of a Heaven (06:54)
6. Children of the Sun (06:02)
7. Golden Wings (Quriwayra) (06:03)
8. Transcending to the Light (05:09)
9. Inner Oblations (07:00)

TOCCATA und Fuge.

Auf der Suche nach etwaigen möglichst hochkarätigen oder zumindest ein gewisses Interesse weckenden Ein-Album-Wundern aus dem Genre des Power Metal kommt man kaum an den Brasilianern von TOCCATA MAGNA vorbei. Immerhin war die 2001 in Porto Alegre gegründete Combo eine der wenigen, die vergleichsweise explizit auf den Einfluss von indigenen Soundelementen setzte – mehr noch als die seinerzeit noch als UIRAPURU aktiven Kollegen von AQUARIA. Eben davon konnte man sich sowohl auf der 2002 erschienenen Demo FORBIDDEN TEARS FROM AN INCOGNITE SOUL sowie dem Titel-technisch etwas entschlackten 2004’er Debütalbum INCOGNITE SOUL überzeugen – wobei es TOCCATA MAGNA durchaus verstanden, die beiden anberaumten musikalischen Welten sinnig miteinander zu verknüpfen. Anders gesagt: die Brasilianer hatten es relativ problemlos geschafft, ihre traditionellen und für unsere Ohren durchaus exotischen Klänge in einen überraschenden Einklang mit den knackigen Power Metal-Elementen einer eigentlich typisch europäischen Spielart zu bringen.

Eben das führt in diesem Fall auch zu einer vergleichsweise dichten, einzigartigen Atmosphäre – die man bis dato eigentlich nirgendwo anders auf einem Power Metal-Album hätte entdecken können. Ein Problem gibt es dann aber doch, denn: sowohl das Spiel der noch am ehesten dem Metal zuzuordnen Instrumente sowie die recht typische und nicht gänzlich vor Schwächen gefeite Gesangsdarbietung von Antônio Moraes gehören zweifelsohne nicht zum besten, was das Genre jemals hervorgebracht hat. Die ebenfalls im Zeitraum um den Release von INCOGNITE SOUL herum aktiv gewordenen Musiker von AETHRA beispielsweise hatten in diesem Sinne sogar noch etwas mehr in Petto – vielleicht, und wenn man so will. Die ebenfalls nicht gänzlich rund erscheinende Produktion und einige nicht optimale Elemente in der Abmischung können den Hörgenuss ebenfalls dezent trüben – was schade ist, eignet sich ein Album wie INCOGNITE SOUL doch am ehesten dazu, als im besten Fall stimmiges Ganzes wahrgenommen werden.

Demnach bleibt es leider auch nicht aus, dass man nicht immer über die an den Tag gelegten Schwächen insbesondere in Bezug auf den Auftakt des Albums und die recht deckungsgleichen Instrumentalstrukturen (seitens der Drums, der Gitarren und des so gut wie gar nicht hörbaren Bass) hinwegsehen kann. Wagt man es aber dennoch, und versucht sich von der sich gewissermaßen einzigartigen Atmosphäre des Albums gefangennehmen zu lassen; erwartet einen doch noch eine Power Metal-Stunde der angenehm besonderen Art – gerade natürlich mit dem balladesken CHILDREN OF THE SUN sowie dem in jeder Hinsicht markanten GOLDEN WINDS als vermutliche Highlights des Albums.

Absolute Anspieltipps: FORBIDDEN TEARS, CHILDREN OF THE SUN, GOLDEN WINDS


„Eine klare Empfehlung, aber: mit ein wenig mehr Feinschliff wäre noch viel mehr dringewesen.“

Metal-CD-Review: NOCTURNAL RITES – New World Messiah (2004)

Alben-Titel: New World Messiah
Künstler / Band: Nocturnal Rites (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 24. März 2004
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal
Label: Century Media Records

Alben-Lineup:

Jonny Lindqvist – Vocals
Nils Norberg – Guitars
Fredrik Mannberg – Guitars
Nils Eriksson – Bass
Owe Lingvall – Drums

Track-Liste:

1. New World Messiah (04:08)
2. Against the World (04:19)
3. Avalon (04:20)
4. Awakening (05:28)
5. Egyptica (05:53)
6. Break Away (04:34)
7. End of Days (04:47)
8. The Flame Will Never Die (04:21)
9. One Nation (04:30)
10. Nightmare (04:37)

Siehe, ich verkünde euch eine neue Welt.

Nein, viel falsch machen konnten die NOCTUNRAL RITES wahrlich nicht. Zumindest nicht zum Auftakt des neuen Jahrtausends, und mit ihren bis dato veröffentlichten hervorragenden Alben im Gepäck – von denen sowohl die aus der früheren Ära mit Anders Zackrisson, als auch die mit dem später für ihn eingesprungen neuen Leadsänger Jonny Lindqvist einen zumeist tadellosen Eindruck hinterlassen konnten. Nach den beiden vergleichsweise schweren; man will nicht sagen düsteren Vorgängern AFTERLIFE (siehe Review) und SHADOWLAND (Review) aber wollten die Schweden offenbar wieder ein etwas verspielteres Album an den Start bringen – das vorliegende NEW WORLD MESSIAH, das aus dem Jahre 2004 stammt und im besten Fall einen weiteren markanten Meilenstein innerhalb der hiesigen Diskografie markiert.

Tatsächlich muss man den NOCTURNAL RITES eines in jedem Fall zugute halten, neben ihrem Talent sich bis dato absolut keinen Ausfall geleistet zu haben versteht sich. Und das ist die Tatsache, dass sich Band scheinbar niemals Gefahr läuft sich bloß zu wiederholen. So wohnt einem jedem NOCTURNAL RITES-Album eine spezielle Atmosphäre inne, die es gewissermaßen unverwechselbar macht – wobei auch NEW WORLD MESSIAH keine Ausnahme bildet. Sicher, etwas gänzlich neues hatten die Schweden auch dieses Mal nicht erschaffen – doch dafür überzeugte die hier an den Tag gelegte, so noch nicht dagewesene Zusammenführung und Harmonie der verschiedenen Band-internen Spielarten. Anders gesagt: das Album offenbart eine angenehme Mixtur aus den griffigen Elementen des Vorgängers SHADOWLAND, sowie einigen etwas verspielteren Zügen – die genauso gut vom früheren THE SACRED TALISMAN hätten stammen können. Nicht zuletzt dank ihres ebenso klassischen wie hymnischen Anspruchs.

Ein oder zwei kleinere Mankos gibt es dann aber doch – wobei man mit beiden nicht unbedingt hätte rechnen können. So fällt insbesondere zum Auftakt des Albums auf, dass die NOCTURNAL RITES durch ihre hier abermals etwas aufgelockerte Spielart und des noch geradlinigeren Sounds einstweilen stark an andere Genre-Vertreter wie etwa HAMMERFALL erinnern. Natürlich nur in einer eher oberflächlichen Betrachtung, und ohne die noch immer vorhandenen; so gesehen typischen NOCTURNAL RITES-Merkmale außer acht zu lassen. Aber dennoch, für NEW WORLD MESSIAH schien sich die Band durchaus in die ein oder andere Richtung angepasst zu haben. Das zweite, eventuell noch schwerwiegendere Manko bezieht sich dann auf eine so erstmals auf NEW WORLD MESSIAH anberaumte Komponente – den Backgroundgesang, inklusive einiger damit verbundener Faktoren in der Abmischung und Produktion.

Besonders auffällig wird das spätestens bei einer stark Refrain-lastigen Nummer wie AVALON – die sich zwar als recht angenehme Hymne präsentiert, durch den hier aber fast schon aufdringlichen Sound der Backgroundvocals und -Chöre einen leicht zwiespältigen Eindruck hinterlässt. Das ist schon ein wenig kurios, erst Recht wenn betrachtet dass ein beinahe jedes NOCTURNAL RITES-Album irgendeine kleinere; letztendlich absolut vermeidbare Schwäche offenbarte. Waren es zuvor etwa der nicht gänzlich optimale Sound der Drums, ist es dieses Mal schlicht alles was mit den Refrains und etwaigen überlagerten Gesängen korrespondiert – was bei einem eher hymnisch aufgemachten Album wie diesem natürlich nachteilig ins Gewicht fällt. Davon abgesehen stimmt aber, was der markant tönende Frontmann Jonny Lindqvist und seine Kollegen hier abliefern – vor allem in Bezug auf den wie immer schmackig-schroffen Gitarrensound und die insgesamt angenehm wuchtige Präsentation.

Wenn das Album also scheitert, dann auf einem recht hohen Niveau – und vornehmlich in Bezug auf die dieses Mal deutlich schwächeren i-Tüpfelchen in den Backgroundgesängen, Refrains und einzelnen merkwürdig kraftlos anmutenden Passagen in sonst guten Titeln wie END OF DAYS. Wen das nicht weiter stört, den erwartet noch immer ein äußerst anständiges Genre-Album – und ein weiteres Werk der hiesigen NOCTURNAL RITES-Diskografie, mit welchem man nicht allzu viele Fehler machen kann.

Absolute Anspieltipps: NEW WORLD MESSIAH, AVALON, NIGHTMARE, ANOTHER STORM


„Das erste NOCTURNAL RITES-Album bis 2004, das deutlichere Schwächen aufweist. Insgesamt betrachtet kann es aber noch immer überzeugen.“

Metal-CD-Review: EDGUY – Hellfire Club (2004)

Alben-Titel: Hellfire Club
Künstler / Band: Edguy (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 15. März 2004
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Nuclear Blast

Alben-Lineup:

Tobias Sammet – Vocals, Keyboards
Jens Ludwig – Guitars
Dirk Sauer – Guitars
Tobias Exxel – Bass
Felix Bohnke – Drums

Track-Liste:

1. Mysteria (05:45)
2. The Piper Never Dies (10:07)
3. We Don’t Need a Hero (05:31)
4. Down to the Devil (05:28)
5. King of Fools (04:22)
6. Forever (05:41)
7. Under the Moon (05:05)
8. Lavatory Love Machine (04:26)
9. Rise of the Morning Glory (04:40)
10. Lucifer in Love (00:32)
11. Navigator (05:23)
12. The Spirit Will Remain (04:13)

Es gilt, den Bogen nicht zu überspannen.

Wenn man schon nicht das 2001 erschienene MANDRAKE (siehe Review) als Wendepunkt oder zumindest den Auftakt einer neuen Gangart innerhalb der Diskografie von EDGUY bezeichnen würde, dann doch das 2004 nachgeschobene siebte Studioalbum HELLFIRE CLUB – das erstmals wesentlich deutlicher aus dem damals für die Band neuen Repertoire eines komödiantischen Slapsticks schöpfte. Damit markiert das Album automatisch einen der markanteren Gründe, weshalb sich die hiesige Fangemeinde nicht immer einig war und ist – und vielleicht auch, weshalb Frontmann Tobias Sammet das Projekt AVANTASIA ins Leben rief. Schließlich konnte er hier ziemlich genau da weitermachen, wo er auf früheren EDGUY-Alben wie VAIN GLORY OPERA (Review) oder THEATER OF SALVATION (Review) aufgehört hatte – während seine Arbeit bei EDGUY eine immer wildere und spaßigere Angelegenheit wurde. Eine, die in Titeln wie LAVATORY LOVE MACHINE ihren vorläufigen Höhepunkt fand – und die Band von einer bis dato noch nicht bekannten Seite zeigte. Immerhin: ihre handwerklichen Fähigkeiten hatten EDGUY auch auf HELLFIRE CLUB nicht vernachlässigt.

Ob das allerdings ausreicht, um die einstweilen merkwürdige bis ganz und gar krude Atmosphäre des äußerst wechselhaften Albums zu retten, ist eine andere Frage. Tatsächlich erscheinen in diesem Zusammenhang nicht nur stellvertretende Nummern wie eben LAVATORY LOVE MACHINE als kurzweilige gute-Laune-Nummern gewöhnungsbedürftig – auch der Einzug einiger Elemente, die man am ehesten im Bereich des Rock oder gar Pop verorten würde; sowie eine relative beliebig wirkende Aneinanderreihung einiger höchst unterschiedlicher und nicht wirklich miteinander harmonierender Nummern erweist sich als dezent problematisch. Bis es soweit kommt, steht der Hörerschaft allerdings erst einmal ein überraschend solider Alben-Auftakt ins Haus: der knackige Opener MYSTERIA, das klassisch-minimalistische THE PIPER NEVER DIES, das flotte WE DONT NEED A HERO und eventuell auch noch das stampfende DOWN TO THE DEVIL machen eine gute bis ganz und gar hervorragende Figur. So gesehen wäre es also durchaus von Vorteil gewesen, hätte das Album nach eben jenen vier Nummern geendet – und ein Dasein als EP gefristet.

Doch dem ist bekanntlich nicht so – womit es kein großes Geheimnis ist, dass grundsätzlich keine der noch auf HELLFIRE CLUB folgenden Nummern mit dem früh auf dem Album etablierten Qualitätsstandard mithalten kann. Eher scheint das Gegenteil der Fall zu sein: schon KING OF FOOLS erweist sich als relativer Langweiler ohne viel Biss, und das eigentlich recht annehmbare UNDER THE MOON kann dem Album ebenfalls nicht mehr viel neues hinzufügen. Richtig arg wird es aber erst mit RISE OF THE MORNING GLORY als Höhepunkt des nicht unbedingt niveauvollen komödiantischen Schwerpunkts des Albums, LUCIFER IN LOVE als nervigstem Interlude das je auf einem Genre-Album veröffentlicht wurde; sowie weiteren relativ nichtssagenden und vergleichsweise uninspirierten Titeln wie NAVIGATOR. Dass sich dann auch die auf dem Album enthaltenen Balladen FOREVER und THE SPIRIT WILL REMAIN als dezent problematisch herausstellen, mindestens aber ungünstiger wirken und klingen als die bis dato von EDGUY und AVANTASIA präsentierten; rundet die Sache ab.

Schlussendlich haben sich EDGUY mit ihrem HELLFIRE CLUB nicht den größten Gefallen getan. Und das, obwohl der enorm starke Alben-Auftakt und der hier und da anberaumte Spaßfaktor eigentlich für das Album sprechen sollten. Doch es gilt eben, den Bogen nicht zu überspannen – was bei HELLFIRE CLUB dann doch etwas zu oft vorkommt.

Absolute Anspieltipps: MYSTERIA, THE PIPER NEVER DIES, WE DONT NEED A HERO, DOWN TO THE DEVIL


„Weder Fisch noch Fleisch, leider.“