Metal-CD-Review: DOMINE – Stormbringer Ruler (The Legend Of The Power Supreme) (2001)

Alben-Titel: Stormbringer Ruler – Legend Of…
Künstler / Band: Domine (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 06. Januar 2001
Land: Italien
Stil / Genre: Power Metal
Label: Dragonheart Records

Alben-Lineup:

Morby – Vocals
Enrico Paoli – Guitars
Riccardo Paoli – Bass
Riccardo Iacono – Keyboards
Stefano Bonini – Drums

Track-Liste:

1. The Legend of the Power Supreme (01:30)
2. The Hurricane Master (04:32)
3. Horn of Fate (The Chronicles of the Black Sword – The End of an Era Part 2) (07:33)
4. The Ride of the Valkyries (07:15)
5. True Leader of Men (06:19)
6. The Bearer of the Black Sword (The Chronicles of the Black Sword – The End of an Era Part 1) (07:21)
7. The Fall of the Spiral Tower (06:14)
8. For Evermore (The Chronicles of the Black Sword – The End of an Era Part 3) (06:24)
9. Dawn of a New Day – A Celtic Requiem (The Chronicles of the Black Sword – The End of an Era Part 4) (10:58)

Wenn die Herrschaft über Drachen nicht ausreicht.

Ja, die Italiener von DOMINE hatten nicht unbedingt einen guten Start. Zumindest keinen, den man so hätte erwarten können – wofür allein die lange Wartezeit von immerhin 14 Jahren steht, die die Band seit ihrer Gründung bis hin zum Debütalbum CHAMPION ETERNAL (siehe Review) verstreichen ließ. Doch offenbar musste die Zeit erst reif werden für die Italiener respektive ihre Musik, mit der DOMINE in den späten 90ern Jahren auf einen äußerst fruchtbaren Boden stießen – und das nicht nur in ihrem Heimatland Italien. Sicher, das Debütalbum hatte seine Schwächen; und das vor allem in Bezug auf die akustische Qualität der heroisch angehauchten Inszenierung – doch spätestens mit dem Zweitwerk DRAGONLORD (siehe Review) konnten derlei Probleme vollständig aus dem Weg geräumt werden. Wie man heute weiß, wurde es daraufhin aber noch lange nicht still um DOMINE; die schlicht ihr musikalisches Ding durchzogen und sich nicht wirklich um das scherten was all die anderen Genre-Bands fabrizierten – sodass mit dem dritten offiziellen Studioalbum STORMBRINGER RULER gewissermaßen zu rechnen war.

Entsprechend wenig überraschend ist, dass das Album in etwa dort ansetzt wo man mit und auf DRAGONLORD aufgehört hatte – wobei man aber keineswegs von einem Wiederholungseffekt im negativen Sinne ausgehen sollte. Anders gesagt: auch wenn STORMBRINGER RULER zweifelsfrei als DOMINE-Release zu identifizieren ist und einige der hier vertretenen Nummern genauso gut auf dem Vorgänger hätten Platz finden können, stellen sich dennoch kaum Ermüdungserscheinungen ein. Schließlich macht schon der Auftakt des Albums klar, wohin die Reise gehen soll: während das eigentliche Intro THE LEGEND OF THE POWER SUPREME bereits ordentlich Stimmung macht (und in der Retrospektive dezent an DRAGONLAND’s Intro zu UNDER THE GREY BANNER erinnert); gelang den Italienern mit THE HURRICANE MASTER eine ihrer wohl schlagkräftigsten Nummern überhaupt. Die hier präsentierte Energie, Spielfreude und auch Sangeslust seitens des sich alles andere als zurückhaltenden Leadsängers Adolfo Morviducci aka Morby wird man jedenfalls nur allzu gerne annehmen – und das vermutlich auch dann, wenn man der italienischen Power Metal-Szene schon immer ein wenig skeptisch gegenübersteht.

Das sich DOMINE aber nicht nur wiederholten oder versuchten Abwandlungen des immer gleichen musikalischen Schemas an den Mann zu bringen, zeigt sich mit Nummern wie HORN OF FATE (das eine für die Italiener typisch mitreißende bis extrem hymnische Wirkung etablieren kann, im Refrain aber etwas andere Wege geht), dem vergleichsweise ruhig-stampfenden sowie mit einigen klassischen Bezügen und symphonischen Verzierungen ausgestatteten THE RIDE OF THE VALKYRIES, dem von einer längeren Akustik-Passage eingeleiteten THE BEARER OF THE BLACK SWORD oder dem gesanglich erfrischenden THE FALL OF THE SPIRAL TOWER. Während TRUE LEADER OF MEN problemlos als weiterer hochkarätiger DOMINE-Brecher durchgeht, offenbaren sich mit FOR EVERMORE und DAWN OF A NEW DAY dann aber die vielleicht einzigen wirklichen Knackpunkte des Albums. Der Grund dafür ist schnell gefunden: im ersten Fall haben DOMINE zum ersten Mal in ihrer Bandgeschichte nicht davor zurückgeschreckt, eine waschechte Ballade zu inszenieren – und dazu noch eine, die grundsätzlich alle typischen Genre-Klischees bedient. Immerhin, einen in jedem Fall positiven Aspekt hat das Ganze: man bekommt erstmals auch eine gänzlich andere Seite von Leadsänger Adolfo Morviducci zu Gesicht, der den hier dargebotenen Stimmen-Spagat überraschend vorzüglich meistert. Im zweiten Fall dagegen haben DOMINE schlicht etwas zu viele Durststrecken eingebaut, und die albern gesprochene Einleitung hätte ebenfalls nicht sein müssen.

Schlussendlich: mit ihrem STORMBRINGER RULER haben sich DOMINE alles andere als die Blöße gegeben. Einfach und schlicht ausgedrückt bedeutet das vornehmlich eines: wer schon dem Vorgänger DRAGONLORD eine gewisse Wertschätzung gegenüberbringen konnte, wird auch mit dem dritten Album der Italiener glücklich werden. Und das beinahe wunschlos, zumal auch dieses Mal absolut keine Schwächen in Bezug auf die Handhabung und klangliche Präsentation der Instrumente, die Abmischung oder andere Sound-relevante Aspekte festzustellen sind. An die generelle Ausreizung diverser Klischees, die überladenen Alben- und Titelbezeichnungen sowie die stets nicht gerade ansehnlichen Alben-Artworks wird man sich dann wohl auch noch gewöhnen können… vielleicht auch, da sie einfach typisch DOMINE sind.

Absolute Anspieltipps: THE HURRICANE MASTER, HORN OF FATE, THE RIDE OF THE VALKYRIES, TRUE LEADER OF MEN


„Der Stoff, aus dem (Power Metal-)Träume sind.“

Filmkritik: „A.I. – Künstliche Intelligenz“ (2001)

Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Supertoys Last All Summer Long von Brian Aldiss
Regie: Steven Spielberg
Mit: Haley Joel Osment, Jude Law, Frances O’Connor u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 140 Minuten
FSK: ab 12 freigegeben
Genre: Science Fiction / Drama
Tags: AI | Künstliche Intelligenz | Roboter | Haley Joel Osment | Kinderstar

Wenn Dein Roboter-Nachbar menschlicher ist als Du.

Inhalt: Auch wenn man meinen müsste, dass man mit dem jungen David (Haley Joel Osment) einen ganz normalen kleinen Jungen vor sich hat; trügt der äußere Schein. Tatsächlich handelt es sich um ein neues und extrem fortschrittliches Roboter-Modell – das im Gegensatz zu seinen vielen Vorgänger-Modellen erstmals dazu in der Lage ist, echte Liebe zu empfinden. Für seinen ersten größeren Feldversuch hat sich der Erschaffer des Roboters, Dr. Hobby (William Hurt) die Familie der Swintons (Sam Robards, Frances O’Connor) ausgesucht. Schließlich liegt deren Sohn Martin (Jake Thomas) schon seit längerem im Koma – und David könnte den Eltern helfen, die schwere Zeit der Ungewissheit zu überstehen. Offenbar klappt das auch recht gut – bis Martin eines Tages wie durch ein Wunder erwacht, und es zu ersten handfesten Spannungen zwischen ihm und seinem neuen mechanischen Bruder kommt. Einige unglückliche Umstände führen dazu, dass David in einem verlassenen Waldstück ausgesetzt wird – und sich nach dem Zusammenschluss mit einem anderen, erwachsenen Roboter (Jude Law) auf die Suche nach einer Möglichkeit macht zu einem echten Jungen zu werden. Schließlich glaubt er, nur so die Liebe seiner Mutter zurückgewinnen zu können…

Kritik: Wann, wo und von wem das erste Mal stichhaltigere Gedanken zum Thema der Robotik und der künstlichen Intelligenz geäußert wurden, lässt sich nicht mehr eindeutig feststellen. Fakt ist nur, dass die Theorie einer Deus Ex Machina eine relativ zeitlose ist und dabei nicht unbedingt einer tatsächlichen Umsetzung (oder der Möglichkeit zu einer Umsetzung, der man sich mittlerweile immer weiter nähert) bedarf – und durch berühmtere literarische Abrisse immer wieder befeuert wird. Einer davon findet sich etwa in Form der Kurzgeschichte SUPERTOYS LAST ALL SUMMER LONG des britischen Schriftstellers Brian Aldiss – die im Sinne einer filmischen Aufarbeitung ursprünglich das Interesse des legendären Regisseurs Stanley Kubrick geweckt hatte, nach seinem Tod aber in die Hände von Steven Spielberg übergeben wurde. Letztendlich dabei herausgekommen ist der 2001’er Spielfilm A.I. – KÜNSTLICHE INTELLIGENZ – und das einerseits als recht typisches und vielleicht auch genau so erwartetes rundum-sorglos-Paket der Marke Hollywood; andererseits aber auch als überraschend tief schürfendes und emotional anspruchsvolles, im Sinne der eigenen Spielberg-Vorlage E.T. – DER AUSSERIRDISCHE (siehe Review) magisches Leinwandspektakel für jung und alt.

Ob man das Ganze dabei nun aus der Sicht der entsprechenden Vorlage, der Spielberg-Filmografie oder gar der einige Parallelen aufweisenden PINOCCHIO-Geschichte betrachtet, spielt dabei keine allzu große Rolle – schließlich ermöglicht Spielberg seinen Zuschauern hier einen möglichst unkomplizierten, unmittelbaren Einstieg in die Geschichte. Kurioserweise mündet diese alles andere als spezifische Vorgehensweise hier aber nicht in einem oberflächlichen Durcheinander – vielmehr untersützt sie den Eindruck, dass Spielberg seine Stärken als vergleichsweise universeller, aber eben auch nicht gänzlich substanzloser Hollywood-Unterhalter ausspielen konnte. Dazu passt auch die Feststellung, dass A.I. weder in inhaltlicher noch gestalterischer Hinsicht nennenswerte Probleme offenbart – und selbst potentielle Schwächen (wie eben auch die alles andere als auf Konfrontation gebürstete, eher in Richtugn eines modernen Märchens driftende Machart) ins positive verklehrt werden können.

Letztendlich ist A.I. damit ein Film geworden, der sich trotz seines gerne auch mal hochmodern dargestellten Technologie-Bezugs und der eingeschobenen Kubrick-Hommage an der absoluten Basis orientiert – und den Zuschauer weniger mit kopflastigem Dystopie-Gebrabbel als mit vielen zu Herzen gehenden Momenten ködert, gut unterhält und mit Sicherheit auch über den Film-Kontext hinaus beschäftigen wird. Große bonuspunkte gibt es dementsprechend auch für den atmospährischen Score von John Williams, sowie die Liestung des damals hochkarätigsten Kinderdarstellers überhaupt – Haley Joel Osment. Sofern es hier bei einer einmaligen Ambition bleibt – und sich Spielberg nicht etwa doch noch zu einem potentiell kruden Sequel hinreissen lässt – geht diese Form der prinzipiell etwas seichter aufgemachten Science Fiction speziell auch für ein jüngeres Publikum absolut in Ordnung. Im besten Fall wirkt sie sogar leicht kukltverdächtig – sodass man hier durchaus von Spielberg’s zweiten E.T. sprechen könnte.

Bilder / Promofotos / Screenshots: © Warner Bros Film GmbH

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„Ein rundum stimmiges, brillant gespieltes und angenehm zeitloses Meisterwerk der Science Fiction.“

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Metal-CD-Review: EDGUY – Mandrake (2001)

Alben-Titel: Mandrake
Künstler / Band: Edguy (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 24. September 2001
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: AFM Records

Alben-Lineup:

Tobias Sammet – Vocals, Keyboards
Jens Ludwig – Guitars
Dirk Sauer – Guitars
Tobias Exxel – Bass
Felix Bohnke – Drums

Track-Liste:

1. Tears of a Mandrake (07:11)
2. Golden Dawn (06:08)
3. Jerusalem (05:27)
4. All the Clowns (04:49)
5. Nailed to the Wheel (05:41)
6. The Pharaoh (10:37)
7. Wash Away the Poison (04:40)
8. Fallen Angels (05:15)
9. Painting on the Wall (04:38)
10. Save Us Now (04:37)

Ein bisschen Spaß muss sein ?

Man erinnert sich: um die Jahrtausendwende herum hat es nicht nur in Bezug auf etwaige Feuerwerksspektakel gekracht. Denn auch und gerade in den musikalischen Gefilden des europäischen Power Metals ging es verdammt heiß her. Im Kampf um die potentielle Genre-Krone der aus Deutschland stammenden Combos war die Rechnung in jedem Fall nicht ohne die Jungs von EDGUY zu machen – die mit ihrem auffällig starken Alben-Trio aus VAIN GLORY OPERA (siehe Review), THATER OF SALVATION (Review) und THE SAVAGE POETRY (Review) sicher einen der markanteren Soundtracks zum Millenniums-Übergang ablieferten. Darauf ruhten sich die Fulderaner indes nicht aus – schließlich stand der hiesigen Power Metal-Welt schon 2001 das nächste EDGUY-Album ins Haus. Selbiges horcht auf den Namen MANDRAKE, beinhaltet 10 Titel bei einer Gesamtspielzeit von einer guten Stunde – und markierte eventuell einen dezenten Umbruch in der stilistischen Ausrichtung der Band, der mit dem 2004 erschienenen HELLFIRE CLUB noch expliziter ausgeführt wurde.

Ein Umbruch, der sich indes weniger auf die feucht-fröhliche und für das Genre typische Spielart, das nach wie vor perfekte Handwerk oder potentiell einschneidende Besetzungswechsel bezog. Nein, vielmehr spielte der hier gemeinte frische Wind auf die von EDGUY angestrebte inhaltliche und damit auch atmosphärische Komponente an – schließlich sollte die auf MANDRAKE erstmals auftauchende Frage nach etwaigen musikalischen Clowns nicht von ungefähr gestellt werden. Wenn man so will, markierte das auch als Videosingle ausgekoppelte ALL THE CLOWNS (und selbstverständlich auch Titel wie SAVE US NOW) so den Auftakt einer neuen EDGUY-Ära – einer Ära, in der sich die Band etwas weniger ernst nehmen und mit einer entsprechenden Lockerheit auftreten würde. Allerdings immer, und das gilt es in jedem Fall hochzuhalten; ohne dabei ihre tatsächlichen musikalischen Fähigkeiten zu vernachlässigen. Von einer wie-auch-immer gearteten Blödelei war und ist das hier vertretene Material jedenfalls weit entfernt – sodass MANDRAKE grundsätzlich alle ansprechen sollte, die auch schon mit den vorherigen EDGUY-Releases warm werden konnten.

Immerhin gibt es mit Titeln wie NAILED TO THE WHEEL auch auf diesem EDGUY-Album den ein oder anderen deutlich zünftigeren Moment, während aussagekräftige Brecher vom Schlage eines FALLEN ANGELS auch genauso gut auf dem seinerzeit erschienenen AVANTASIA-Debütalbum (Review) hätten erscheinen können. Dies gepaart mit einigen für die Band neuen Eindrücken – wie etwa dem bereits erwähnten ALL THE CLOWNS oder auch dem alles andere als alltäglichen, aber doch angenehm hymnischen PAINTING ON THE WALL – macht MANDRAKE erst perfekt, oder zumindest zu einer höchst zufriedenstellenden Angelegenheit. Einer, die durch wunderbar funktionierende Uptempo-Hymnen wie GOLDEN DAWN oder kräftigen Stampfern a’la JERUSALEM abgerundet wird – und lediglich einige wenige Momente bereithält, die sich als etwas zäher erweisen. In diesem Zusammenhang wären wohl am ehesten das gute, aber eben nicht nur in Bezug auf seine Spieldauer vergleichsweise überlange THE PHARAOH zu nennen – oder aber die Ballade WASH AWAY THE POISON, die gefühlt doch etwas zu sehr über das Ziel hinausschießt. Und auch der Rausschmeißer THE DEVIL & THE SERVANT schneidet nicht unbedingt gut ab, trotz des guten Handwerks und des ausnahmsweise mal stärker hervorgehobenen Basses – vor allem, da EDGUY hier ein wenig zu sehr nach einer Kopie der DESTINY-Ära von STRATOVARIUS klingen.

Schlussendlich kann, sollte oder muss man in diesem Fall aber von einem der gelungeneren EDGUY-Alben sprechen. MANDRAKE mag nicht perfekt sein und seine schwächeren Momente haben – doch die für das Album passend erscheinende klare Produktion, das von Band an den Tag gelegte Handwerk; das gut aufgehende Songwriting und der der teils enorme Hymnen-Faktor im Wechselspiel mit mal getrageneren, mal deutlich zupackenderen Elementen lassen einfach keinen Zweifel daran, dass EDGUY hier mehr als ordentlich abgeliefert haben.

Absolute Anspieltipps: JERUSALEM, NAILED TO THE WHEEL, FALLEN ANGELS, SAVE US NOW


„Ein höchst solides Album aus der bunten EDGUY-Diskografie.“

Metal-CD-Review: FORGOTTEN TALES – The Promise (2001)

Alben-Titel: The Promise
Künstler / Band: Forgotten Tales (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 2001
Land: Kanada
Stil / Genre: Symphonic Power Metal
Label: Union Metal International

Alben-Lineup:

Patrick Vir – Bass
Sonia Pineault – Vocals
Martin Desharnais – Guitars
Frédéric Desroches – Keyboards
Cédric Prévost – Drums

Track-Liste:

1. Intro (01:41)
2. Word of Truth (05:22)
3. Cold Heart (04:52)
4. Far Away (06:03)
5. Gates Beyond Reality (03:57)
6. Sanctuary (04:18)
7. Part I – She’s Falling (03:58)
8. Part II – Deadly Grasp (04:08)
9. Part III – Endless Dream (05:48)
10. Part IV – The Promise (05:21)

Manche Geschichten eignen sich zum Vergessen – andere nicht.

THE PROMISE ist das 2001 erschienene Debütalbum der aus Kanada stammenden Power Metaller von FORGOTTEN TALES – einer Band, die einst aus einer Hardrock-Formation hervorging und die von einer starken Frontfrau namens Sonia Pineault angeführt wird. Stark erscheint sie deshalb, da sie nicht nur über eine recht angenehme Stimmfarbe mit einem dezenten (und niemals allzu forcierten) Hang zur Klassik verfügt – sondern auch, da sie nicht unwesentlich an der überraschend stimmigen Gesamtwirkung des FORGOTTEN TALES-Konzeptes beteiligt ist. Wie es schon das Cover und die generelle Aufmachung der Scheibe vermuten lassen, lehnt sich die Band dabei gar nicht erst allzu weit aus dem Fenster – es wird ein ebenso symphonischer wie klassischer Power Metal kredenzt, der am am ehesten mit dem Output von ganz ähnlich vorgehenden Italo-Bands a’la RHAPSODY OF FIRE zu vergleichen ist. Nur, und diesen Unterschied sollte man durchaus noch einmal hervorheben; dass FORGOTTEN TALES von einer Frau angeführt werden.

Anders gesagt: ein wenig klingt THE PROMISE so, als würde es sich hier um eine von einer Frau dargebotene Fassung der fantastisch-pompösen Geschichten und Heldensagen der allseits bekannten Italiener handeln. Doch eben nur ein wenig – schließlich haben die FORGOTTEN TALES weit mehr drauf, als ihre potentiellen Vorbilder zu kopieren. Analog zur ausgeprägten, recht wohlklingenden symphonischen Komponente kommt so noch ein dezent progressiver oder zumindest sehr auf das variable Instrumentenspiel bezogene Anstrich hinzu – der einen stellenweise an das frühe Schaffen von FALCONER denken lässt. Dabei handelt es sich um einen Vergleich, der auch sonst nicht allzu abwegig erscheint – schließlich vermag es die hiesige Frontfrau Sonia Pineault locker, einen ebenso markanten Eindruck wie Mathias Blad zu hinterlassen. Einen ebenso stilsicheren, akzentfreien und schlicht enorm ausdrucksstarken. In gesanglicher Hinsicht sollten die Kanadier also schon einmal keine Probleme haben – wobei es umso schöner ist, dass es sich mit dem Rest kaum anders verhält.

Schließlich offeriert auch das Instrumentenspiel einige Reize – im allgemeinen eher Genre-typische, aber eben doch mit einem ordentlich Schmackes und Nachdruck präsentierte. Das Spiel der Gitarren beispielsweise macht beinahe jeden Titel zu einem kleinen, im Zusammenspiel mit den furiosen Drums stets angenehm antreibenden Erlebnis – und das nicht nur in den unterhaltsamen Soli-Parts. Dass selbst der Bass die verdiente Aufmerksamkeit bekommt und die allgemeine Abmischungs- und Produktionsqualität ebenfalls keine Wünsche offen lässt; rundet das Ganze ab – zumindest in handwerklich-technischer Hinsicht. Somit bleibt es eigentlich nur noch an den einzelnen Titeln, für den entsprechenden Ausschlag zu sorgen.

Und auch hier sieht es gut aus, verdammt gut sogar – nur stellenweise sind deutlichere Abstriche zu machen, wie etwa in Bezug auf das dann doch etwas zu viel wollende und alles andere als optimal inszenierte COLD HEART; oder einige langatmigere Momente in der das Album abschließenden THE TALE OF NEERIS-Saga. Zusätzlich könnte oder müsste man sicherlich auch ganz generell einwenden, dass THE PROMISE wahrlich kein Album für etwaige Genre- und so gesehen auch Kitsch-Verneiner ist. Die FORGOTTEN TALES greifen schließlich durchaus in die entsprechende Schatzkiste der für den heroisch angehauchten Symphonic Power Metal üblichen Zutaten – und laufen dabei wie so viele andere Gefahr, einstweilen doch mal etwas zu abgedroschen zu klingen. Aber eben auch nur stellenweise – und bis die griffigen Gitarren einsetzen, der nächste geniale Refrain erklingt oder zünftige Instrumentalstrecken abgefeiert werden. Viel falsch machen kann man mit einem Album wie diesem also nicht.

Absolute Anspieltipps: WORD OF TRUTH, GATES BEYOND REALITY, SANCTUARY


„Eine einerseits nicht allzu außergewöhnliche, andererseits aber doch angenehm erfrischende und kraftvolle Power Metal-Perle.“

Metal-CD-Review: MORGANA – Angel (2001)

Alben-Titel: Angel
Künstler / Band: Morgana (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 2001
Land: Italien
Stil / Genre: Power Metal
Label: Elevate Records

Alben-Lineup:

Marco Mesemi – Vocals
Christian Borgoglio – Guitars
Alberto Ronchi – Guitars
Massimo Colla – Bass
Maurizio Colla – Drums
Gianluca Bottazzi – Keyboards

Track-Liste:

1. Twilight (01:50)
2. The Downfall of Rain (04:43)
3. Beyound Our Truth (05:58)
4. The Syndrome (05:50)
5. Angel (06:08)
6. The Different (05:05)
7. Let’s Free the Essence (06:24)
8. Your Recall (05:29)
9. Road to Nowhere (Ozzy Osbourne cover) (05:09)
10. ∞ (02:13)

Engel kommen und gehen.

Was waren sie doch schön und spannend – jene Jahre, in denen das Genre des Power Metal endgültig seinen Kinderschuhen entwuchs und so gesehen eine gleichermaßen bunte wie neue Grenzen auslotende Phase der Jugendlichkeit erreichte. Am ehesten träfe die Attribuierung wohl auf den Zeitraum der Jahrtausendwende zu, in dem viele neue Bands das Licht der erblickten – und sich durch mal mehr, mal weniger aussagekräftigen Stilblüten profilierten. Grundsätzlich ging es dabei in ganz Europa entsprechend heiß her – doch neben den schön früh etablierten, sozusagen sicheren Power Metal-Herkunftsländern wie Deutschland schienen in dieser Zeit vor allem die Italiener auf dem Vormarsch zu sein. So ist es kaum verwunderlich, dass es nach der Vorarbeit von Genre-Galionsfiguren wie LABYRINTH, RHAPSODY oder VISION DIVINE plötzlich zahlreiche weitere Bands darauf anlegten, mit ihren Kreationen durchzustarten – die Zeit von neuen Acts wie THY MAJESTY, SECRET SPHERE, DOMINE oder KALEDON war gekommen. Gleichzeitig handelte es sich um eine Zeit, in der der italienische Power Metal immer spezieller und unverkennbarer wurde – womit er sich eine große Fangemeinde erspielen konnte. Doch natürlich blieben auch jene nicht aus, die für das Genre potentiell problematische Begriffe wie Kitsch oder Pathos nunmehr direkt mit der neuen italienischen Power Metal-Welle verbanden – und das nicht gänzlich unbegründet.

In eben diese Kerbe schläft auch das 2001 erschienene Debütalbum ANGEL von MORGANA ein, das wie schon die Erzeugnisse von gedachten Partner-Bands a’la RHAPSODY oder THY MAJESTY nicht an symphonischen und sonstigen Spielereien spart – und darüber hinaus mit einigen zusätzlichen, potentiell eher weichmachenden Elementen versehen ist. Im Gegensatz zu den schon immer dezent problematischen Ergüssen von Bands wie SKYLARK etwa entfaltet ANGEL aber schnell einen etwas anderen Ersteindruck: das insgesamt 11 Titel starke Album klingt engagiert und lebt von einer lebendigen, vergleichsweise vielschichtigen Inszenierung in Richtung eines recht wuchtig präsentierten Symphonic Power Metals. Einen der, und das einer der vordergründigsten Unterschiede zu anderen Bands jener Zeit; aber zusätzlich ein deutliches Augenmerk auf eingängige Melodien und Emotionen legt und damit insgesamt etwas zugänglicher klingt. Und dennoch: trotz einer relativen großen Portion Herzschmerz, nicht wenigen tatsächlich als kitschig zu bezeichnenden Elementen und einem alles andere als herausragenden Leadgesangspart von Marco Mesemi braucht man hier weder ein vollständig weichgespültes Pop-Erzeugnis noch ein generell zu vernachlässigen Genre-Album erwarten.

Im Gegenteil: ihr Handwerk verstanden MORGANA recht gut. Sicher, die vielen symphonischen Einschübe und Spielereien sind Geschmackssache – doch wirklich billig oder allzu plump klingen sie in keinem der 9 vollwertigen Titel, das Intro und Outro laufen hier noch am ehesten Gefahr zu Skip-Kandidaten zu avancieren. Die Handhabung der Gitarren, des Schlagzeuges und des Basses jedoch überzeugt weitestgehend; während die Chöre sogar richtig gut respektive herausragend abschneiden – und es im Zusammenspiel mit den auch sonst überaus starken Refrains locker vermögen, einige Konkurrenzbands jener Zeit in den Schatten zu stellen. Das alles klingt nach einem höchst interessanten Genre-Werk, was ANGEL letztendlich auch ist – aber von einer wie auch immer gearteten Perfektion war und ist es ebenfalls recht weit entfernt. Und das liegt nicht nur an der teils offensichtlichen Nähe zu den bereits erwähnten Partner-Bands und die damit einhergehende Verwechselungsgefahr. Denn: gerade Leadsänger Marco Mesemi hat einstweilen deutlich hörbare Probleme, gegen die schiere Wucht der üppig ausstaffierten Instrumentalstrukturen anzukommen respektive einen markanten gesanglichen Gegenpol zu bilden – die nicht allzu glückliche, eher verwaschen klingende Abmischung erledigt hier ihr übriges.

Hinzu kommt, dass das Album gleich eine handvoll klar hinter den anderen zurückstehenden Titel präsentiert. Wie etwa und ausgerechnet den Titeltrack ANGEL – der als gesanglich höchst problematische Herzschmerz-Ballade einfach nicht sonderlich gut funktioniert. Etwas besser, aber mit ähnlichen Problemen schneidet ROAD TO NOWHERE ab – und auch Titel wie THE DIFFERENT sind dank ihrer extremen symphonischen Zusatzelemente und ihrer nicht gerade sonderlich geistreichen Textinhalte mit Vorsicht zu genießen. Da gehen LETS FREE THE ESSENCE und FLY IN THE SKY schon wesentlich besser auf. Das flotte YOUR RECALL könnte dann sogar relativ problemlos als absoluter Anspieltipp des Album fungieren – trotz der sicher nicht zu verschweigenden Kitsch-Gefahr. Fest steht: eine Chance kann man einem vergleichsweise interessanten One-Album-Wonder wie MORGANA durchaus geben.

Absolute Anspieltipps: THE DOWNFALL OF RAIN, BEYOND OUR TRUTH, THE SYNDROME, YOUR RECALL


„Längst nicht perfekt – aber ein italienisches Paradebeispiel dafür, wie Bands wie SKYLARK vielleicht schon immer hätten klingen können oder sollen.“