Metal-CD-Review: BLIND GUARDIAN – Imaginations From The Other Side (1995)

Alben-Titel: Imaginations From The Other Side
Künstler / Band: Blind Guardian (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 05. April 1995
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Virgin Records

Alben-Lineup:

Hansi Kürsch – Vocals, Bass
André Olbrich – Guitars
Marcus Siepen – Guitars
Thomen Stauch – Drums

Track-Liste:

1. Imaginations from the Other Side (07:19)
2. I’m Alive (05:31)
3. A Past and Future Secret (03:48)
4. The Script for My Requiem (06:09)
5. Mordred’s Song (05:28)
6. Born in a Mourning Hall (05:14)
7. Bright Eyes (05:16)
8. Another Holy War (04:32)
9. And the Story Ends (06:00)

Vom grünen Gras und der anderen Seite.

IMAGINATIONS FROM THE OTHER SIDE ist das fünfte offizielle Studioalbum aus der illustren Diskografie von BLIND GUARDIAN – einer bereits im Jahre 1984 als LUCIFER’S HERITAGE gegründeten Speed- und Power Metal-Combo, die im Laufe der Jahre eine immer größere Fanbase gewann und sich dabei nicht von ungefähr einen gewissen Kultstatus sichern konnte. Neben der für den Sound von BLIND GUARDIAN maßgeblichen Entwicklung, die die Band insbesondere zu Beginn der 90er Jahre durchmachte; sollte es in Bezug auf den weiteren Werdegang der Power Metal-Pioniere aber weit mehr als nur einmal spannend werden. Einer der diesbezüglich interessanteren – und unter Umständen auch kritischen – Momente bezieht sich dabei auf die von der Band an den Tag gelegte Kontinuität oder auch Stilsicherheit, die zur Mitte der 90er Jahre und speziell in Anbetracht eines Release wie IMAGINATIONS FROM THE OTHER SIDE noch gewissen Schwankungen ausgesetzt war.

Im Falle dieses Albums von einer genau so erwarteten, den bisherigen Werdegang der Band gewissermaßen sinnig fortführenden Maßnahme zu sprechen trifft es schließlich nicht wirklich. Anders gesagt: so zielstrebig und entschlossen wie der direkte Vorgänger SOMEWHERE FAR BEYOND klingt das Album nicht. Vielmehr scheint es, als wären BLIND GUARDIAN inmitten einer für sie maßgeblichen Experimentierphase gewesen – eben jener, die sich für den weiteren Werdegang der Band als geradezu essentiell herausstellen sollte. Der zweifelsohne interessante, aber eben auch alles andere als vollständig überzeugende Opener und Titeltrack IMAGINATIONS FROM THE OTHER SIDE gibt hier einen ersten Hinweis: am ehesten scheint es, als hätten BLIND GUARDIAN hier versucht die Vorzüge des Vorgängers mit der unbändigen Kraft und Härte ihrer noch früheren Alben zu verbinden. Im Endergebnis aber entsteht ein so nicht unbedingt erwartetes Durcheinander – und ein Gefühl, dass Blind GUARDIAN hier noch weit hinter ihren eigentlichen Möglichkeiten (oder auch ihrer Effektivität) zurückgeblieben sind.

Eben dieses Gefühl ist es dann auch, welches einige der noch folgenden Nummern begleitet. Mit ein Grund dafür könnte auch das Zusammenspiel der instrumentalen Strukturen und der Stimme von Hansi Kürsch sein – die man zweifelsfrei als unverkennbar bezeichnen kann, sich im Falle von IMAGINATIONS FROM THE OTHER SIDE aber durchaus den ein oder anderen Ausrutscher in eine zu forcierte, zu aggressive und zu überspitzte Richtung leistet. Das Problem ist hier aber weniger die raue und letztendlich eher wenig Feingefühl zulassende Herangehensweise selbst – sondern vielmehr die Tatsache, dass die Nummern dennoch nicht kräftiger oder antreibender klingen als beispielsweise das auf FOLLOW THE BLIND enthaltene Material. Einen nicht unerheblichen Anteil daran hat auch die Abmischungs- und Produktionsarbeit, die insgesamt eher auf den Gesang ausgerichtet zu sein scheint – und die Kompositionen weit weniger spektakulär und druckvoll dastehen lässt, als es potentiell möglich gewesen wäre.

Doch sind dies noch nicht alle der eventuell aufkommenden Probleme – schließlich zeigen sich insbesondere in Bezug auf die überlagerten Gesänge und Hintergrundchöre kleinere Mankos oder eher Wiederholungs-Effekte. So offenbart IMAGINATIONS FROM THE SIDE als erstes BLIND GUARDIAN-Album bis 1995 expliziter, dass einige von der Band inszenierten Soundelemente dazu neigen, sich zu wiederholen. Das gilt insbesondere für die sich oft recht ähnlich anfühlende Gangart der Refrains, aber eben auch in Bezug auf die wenig Spielraum offenbarende Darbietung von Hansi Kürsch. Die Sache nicht gerade besser macht dann ausgerechnet das vielversprechende MORDRED’S SONG als Zwitter-Wesen irgendwo zwischen atmosphärischer Ballade und knackigem Stampfer – die Gesangsstrukturen klingen ärgerlich unvorteilhaft, und auch an den Instrumenten gibt es bis auf den Soli-Part wenig zu holen.

Immerhin; und zur Beschwichtigung haben BLIND GUARDIAN spätestens mit der herausragenden Ballade A PAST AND FUTURE SECRET aufgezeigt, dass sie auch bestens mit eher ruhigen Stimmungen umgehen und dabei auch ohne das Bedienen von gängigen Klischees echte Emotionen entstehen lassen können – zumal die durch ihre harsche Gangart in den Strophen sowie den eingängigeren Momenten in den Refrains doch noch relativ problemlos zündenden Hymnen THE SCRIPT FOR MY REQUIEM, BORN IN A MOURNING HALL und ANOTHER HOLY WAR doch noch für sich sprechen. Dennoch, und wenn es nur eine Tendenz ist: die zuvor veröffentlichten Alben schienen noch ein stückweit stärker zu sein als IMAGINATIONS FROM THE THE OTHER SIDE.

Absolute Anspieltipps: A PAST AND FUTURE SECRET, THE SCRIPT FOR MY REQUIEM, BORN IN A MOURNING HALL


„Der letzte Schliff fehlt – es bleibt aber bei einem guten BLIND GUARDIAN-Album.“

Metal-CD-Review: EDGUY – Savage Poetry (1995)

Alben-Titel: Savage Poetry
Künstler / Band: Edguy (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 1995
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Keins / Independent

Alben-Lineup:

Tobias Sammet – Vocals, Bass, Keyboards
Jens Ludwig – Guitars
Dirk Sauer – Guitars
Dominik Storch – Drums

Track-Liste:

1. Key to My Fate (04:36)
2. Hallowed (06:30)
3. Misguiding Your Life (04:11)
4. Sands of Time (05:07)
5. Sacred Hell (06:09)
6. Eyes of the Tyrant (08:32)
7. Frozen Candle (07:57)
8. Roses to No One (05:48)
9. Power and Majesty (05:10)

Ob mit oder ohne Narrenkappe – wo EDGUY draufsteht, ist auch EDGUY drin.

Irgendwann hat alles einmal angefangen. Wie auch die Erfolgsgeschichte von EDGUY – einer heutzutage allseits bekannten Power Metal-Combo aus Hessen, die von einem noch bekannteren Frontmann angeführt wird. Schließlich schrieb Tobias Sammett nicht nur mit dieser, das heißt seiner eigentlichen und ursprünglichen Band Geschichte – sondern auch mit dem um die Jahrtausendwende entstandenen Allstar-Projekt AVANTASIA. Vor etwas mehr als 20 Jahren aber sah die Sache noch ein wenig anders aus: die damals allesamt gerade mal 18-jährigen Bandmitglieder hatten ihre Combo EDGUY gerade erst gegründet, 2 Demos veröffentlicht – und mit THE SAVAGE POETRY ihr erstes offizielles Studioalbum vorgelegt. Als reines Independent-Release, versteht sich – und mit immerhin 9 vollwertigen Titeln.

Und auch wenn man diesem ersten EDGUY-Album sicher noch keine wie auch immer geartete Wegbereiter-Funktion unterstellen kann – ausser natürlich für die Band selbst – ist es überaus interessant, einen Blick auf dieses frühe Schaffen der Band zu werfen. Und damit auch einem Album, das von einer ebenso ungestümen wie jugendlichen Performance des Leadsängers Tobias Sammett (markant: der Rausschmeißer POWER & MAJESTY), einem insgesamt eher an eine Demo-Produktion erinnernden Sound sowie einer am ehesten als klassisch zu bezeichnenden Auslegung des Genres lebt. So wartet THE SAVAGE PEOTRY mit hörbar weniger Schnörkeln, Bombast oder anderen Spielereien auf als etwaige spätere EDGUY-Alben – und serviert dem Hörer schon vom Opener HALLOWED an ein vergleichsweise schroffes, Riff-orientiertes und höchst authentisch klingendes Brett.

Eines, das trotz des nicht optimal inszenierten Sounds über eine gewisse Hymnentauglichkeit verfügt – und das zuletzt dank der guten, aber nicht übertrieben eingängigen Refrains – und in grundsätzlich tadellosen Genre-Nummern wie MISGUIDING YOUR LIFE oder KEY TO MY FATE angenehm an die Anfangszeiten von anderen deutschen Combos wie HELLOWEEN oder IRON SAVIOR erinnert. Für das hier abgelieferte Material schämen müssen sich EDGUY jedenfalls nicht, erst Recht nicht für das an Tag gelegte Handwerk – wie es bei manchen anderen Bands dann und wann doch mal der Fall ist, gerade nach vielen vergangenen Jahren und in der retrospektiven Betrachtung. Anders gesagt: THE SAVAGE POETRY markiert einen ebenso wichtigen wie auch heute noch problemlos zu genießenden ersten Meileinstein in Bezug auf die hiesige, über die Jahre markant gewachsene EDGUY-Diskografie.

Ein Meilenstein, der lediglich mit seiner eher schwachen Präsentation (von der immerhin der Bass profitiert), dem letzten fehlenden I-Tüpfelchen sowie der kläglich-seicht klimpernden Ballade SANDS OF TIME zu kämpfen hat. Davon abgesehen, und gerade in Anbetracht der weitaus wirksameren balladesken Ambition in Form von ROSES TO NOONE sowie eines puren Genre-Feuerwerks a’la SACRED HELL oder EYES OF THE TYRANT (diese 8 Minuten vergehen wie im Flug) gibt es aber kaum etwas zu mäkeln. Fest steht: dieses Stück Geschichte sollte ein jeder Genre-Enthusiast auf jeden Fall in seiner Sammlung haben, ob explizitzer EDGUY-Fan oder nicht.

Absolute Anspieltipps: HALLOWED, KEY TO MY FATE, SACRED HELL, EYES OF THE TYRANT


„Die klangliche Inszenierung ist nicht perfekt, die Stimme von Tobias Sammett noch rau und ungeschliffen – und doch zeugt schon dieses frühe EDGUY-Material von einem später glücklicherweise noch ausgeschöpften Potential.“

Metal-CD-Review: NOCTURNAL RITES – In A Time Of Blood And Fire (1995)

Alben-Titel: In A Time Of Blood And Fire
Künstler / Band: Nocturnal Rites (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 1995
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal
Label: Megarock Records

Alben-Lineup:

Anders Zackrisson – Vocals
Fredrik Mannberg – Guitars
Mikael Söderström – Guitars
Nils Eriksson – Bass
Ulf Andersson – Drums

Track-Liste:

1. Sword of Steel (03:21)
2. Skyline Flame (05:30)
3. Black Death (04:08)
4. In a Time of Blood and Fire (05:01)
5. Dawnspell (05:38)
6. Lay of Ennui (05:02)
7. Winds of Death (04:17)
8. Rest in Peace (03:37)
9. Dragonisle (06:53)

Ach ja, da war doch noch was…

In der Tat haben sie sich bisher eher rar gemacht auf diesem Blog und innerhalb der korrespondieren Power Metal-Chronik – und doch wurden die Schweden von NOCTURNAL RITES nie gänzlich ausgeklammert. Und das sollte man wohl auch nicht – schließlich kann die bereits im Jahre 1990 als NECRONOMIC gegründete Combo problemlos als eine der interessanteren klassischen Power Metal-Formationen aus dem hohen Norden bezeichnet werden. Und sicher auch als eine der hochkarätigeren, die im Verlauf ihrer Karriere für reichlich Wirbel gesorgt hat – sodass es an der Zeit ist, endlich einige der dringend überfälligen Rezensionen zu den hiesigen Studioalben nachzuholen. Von denen haben sich im Laufe der Jahre immerhin ganze 9 angesammelt – oder 8, wenn man das bereits rezensierte aktuelle Album PHOENIX (siehe Review) einmal gedanklich abzieht.

Passenderweise scheint es in Anbetracht der vergleichsweise turbulenten Diskografie der Schweden auch keine allzu große Rolle zu spielen, ob man erst kürzlich in die hiesige Werschau eingestiegen oder bereits seit den Anfangstagen dabei ist – denn zu beobachten gab und gibt es in jedem Fall einiges. So haben die Schweden nicht nur einige qualitativen Höhen und Tiefen mitgenommen, auch einige damit verbundenen einschneidenden Mitgliederwechsel und stilistische Neuorientierungen schmücken die Historie der Band. Einer Band, die bis heute eine wichtige Rolle innerhalb des europäischen Power Metals spielt; in ihren Anfangstagen aber eigentlich einer ganz anderen Spielart frönte – dem Death Metal. Dabei ist es nicht weniger als ein pures Mysterium was genau gesehen wäre, hätten sie sich die NOCTURNAL RITES auch weiterhin in Richtung dieser einst angepeilten Spielart verdingt. Von Glück kann man wohl dennoch sprechen – denn mit der Entscheidung, ab dem heute vorliegenden 1995’er Erstwerk IN A TIME OF BLOOD AND FIRE nur noch auf einen klassischen Power Metal zu setzen; sind die Schweden bekanntlich auch sehr gut gefahren.

Wobei das eine noch dezent untertriebene Formulierung zu sein scheint – schließlich konnte und kann schon das vorliegende Debütalbum für einiges an Aufsehen sorgen. Vornehmlich, da es als ebenso klassisch angehauchtes und durch die Metal-Musik der guten alten 80er Jahre inspiriertes Album wie auch als recht eigenständiges und zielstrebiges Werk überzeugt – und die entstehenden Parallelen wenn überhaupt auf eher großartige Vorgänger und Genre-Pioniere wie etwa IRON MAIDEN, JUDAS PRIEST oder auch RIOT hinweisen. Auch die wohlklingende und gut inszenierte Leadstimme von Anders Zackrisson lässt hier keine nennenswerten Zweifel zu – und die Leistungen an den Instrumenten hätten sowohl in den direkt zündenden Hymnen (SWORD OF STEEL, SKYLINE FLAME, DAWNFLAME, REST IN PEACE) als auch den etwas langsameren und komplexeren Arrangements (wie im Rausschmeißer DRAGONISLE) kaum treffender ausfallen können.

Was dem Album indes und trotz aller frühen Genialität fehlt – und es im Gegensatz zu RIOT’s THUNDERSTEEL (Review) knapp am Status eines zeitlosen Meisterwerks vorbeischrammen lässt – ist eine zu 100% zufriedenstellende Produktion, und eventuell auch ein wirklich durchgängig überzeugendes Songwriting. Schließlich wirken selbst die grundsätzlich schmackigen Hymnen so, als hätten sie ruhig noch etwas mehr Druck vertragen können – was vor allem auf die einstweilen etwas flach klingenden Refrains zu beziehen ist. Auch fühlt es sich hie und da so an, als hätten die NOCTURNAL RITES nicht wirklich jede einzelne der 43 Minuten so intensiv und meisterhaft genutzt wie es eventuell angedacht war – und beispielsweise im starken Titeltrack IN A TIME OF BLOOD AND FIRE bis ins kleinste Detail zelebriert wird. Dennoch, und ohne Zweifel: das Debütalbum der NOCTURNAL RITES ist ein ebenso wichtiges wie rundum ansprechendes Werk – und ein allemal lohnenswertes Stück Power Metal-Geschichte.

Absolute Anspieltipps: SWORD OF STEEL, IN A TIME OF BLOOD AND FIRE, DAWNSPELL, WIND OF DEATH, REST IN PEACE


„Ein gelungener (zweiter) Karriere-Auftakt – und ein Muss für Freunde eines ebenso klassischen wie zeitlosen Heavy- und Power Metals.“

Metal-CD-Review: KAMELOT – Eternity (1995)

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Alben-Titel: Eternity
Künstler / Band: Kamelot (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 23. August 1995
Land: USA
Stil / Genre: Power Metal
Label: Noise Records

Alben-Lineup:

Mark Vanderbilt – Vocals
Thom Youngblood – Guitars
Glenn Barry – Bass
David Pavlicko – Keyboards
Richard Warner – Drums

Track-Liste:

1. Eternity (05:42)
2. Black Tower (04:06)
3. Call of the Sea (05:15)
4. Proud Nomad (04:53)
5. Red Sands (04:09)
6. One of the Hunted (05:27)
7. Fire Within (04:55)
8. Warbird (05:23)
9. What About Me (04:20)
10. Etude Jongleur (00:51)
11. The Gleeman (06:23)

Frühe Geschichten von König Arthur & Co.

Heutzutage gibt es wohl kaum jemanden, der sie nicht kennt – die US-Amerikanischen Power Metaller von KAMELOT. Spätestens unter der Führung von Roy Khan, der ab 1998 für den Leadgesang zuständig war und den Stil der Band entscheidend mitprägte; preschte die Band langsam aber sicher in den Genre-Olymp vor. Eben weil KAMELOT schon immer etwas anders klangen als viele ihrer internationalen Genre-Kollegen – sowohl auf der musikalischen als auch der inhaltlichen Ebene. Doch gab es auch eine Zeit davor, respektive eine Zeit in der sich die Band erst noch finden sollte – immerhin wurde sie bereits 1991 gegründet. Das erste handfeste Lebenszeichen; oder positiv ausgedrückt der erste wichtige Meilenstein aus jener Zeit ist dabei das Studioalbum ETERNITY aus dem Jahre 1995. Wenngleich man nun jedoch annehmen könnte oder müsste, das KAMELOT bereits derart früh aus dem Vollen schöpften; liegt man dezent falsch – ETERNITY klingt zwar nicht unbedingt Genre-typisch, aber insgesamt doch alles andere als ausgefeilt.

Das hat mehrere Gründe – von denen einer im frühen, damals längst nicht perfekten Lineup der Band zu finden ist. Vor allem Leadsänger Mark Vanderbilt hat auf dem Debütalbum nicht gerade eine Glanzleistung abgeliefert – sodass ausgerechnet der für eine Band wie KAMELOT so wichtige Gesang samt der transportierten Inhalte und Botschaften das schwächste Element von ETERNITY markiert. Aber auch sonst, und selbst für Band-Mastermind Thomas Youngblood galt hier noch eher: gute Ansätze wurden präsentiert, doch die theoretische (und später glücklicherweise verwirklichte) Ausbaufähigkeit überstrahlte vieles. Titel wie der Rausschmeißer THE GLEEMAN fungieren hier als Paradebeispiele: grundsätzlich wuchtig und mit einer leicht progressiven Note inklusive eines markanten tempo-Wechsels versehen; gleiten KAMELOT hier letztendlich ins musikalische Nirgendwo. Das gilt sicher auch für eine Ballade wie WHAT ABOUT ME – die aufgrund des hier noch im Vordergrund stehenden Leadgesangs erst Recht nicht zünden will.

Immerhin: der eher schroffe, wenn man so will gar düstere Soundeindruck sowie die gediegene Spielart ohne großartige Schnörkel (und einem dezenten, stets wohlklingenden Einsatz des Keyboards) klingt selbst auf dem Debüt anders als vieles, was man sonst vom Genre gewöhnt ist. Für Alleinstellungsmerkmale haben KAMELOT also schon früh gesorgt. Problematisch ist dabei nur, dass ETERNITY den Hörer kaum zu packen vermag. Die 11 Titel fühlen sich letztendlich sogar verdächtig gleichförmig an, der eher schwache Leadgesang und das solide aber doch harmlose Spiel der Instrumente kann einfach nicht für Aufsehen sorgen. Speziell das doch sehr repetitiv erscheinende Riffing und die generell fehlende Variabilität könnten früher oder später für Verdruss sorgen. Denn: keiner der hier präsentierten Titel will auch nur ansatzweise aus der Masse der 11 (oder 10, abzüglich des Interludes) hervorstechen.

Absolute Anspieltipps: /


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„Ein eher lauwarmer Auftakt.“

Metal-CD-Review: STRATOVARIUS – Fourth Dimension (1995)

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Alben-Titel: Fourth Dimension
Künstler / Band: Stratovarius (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 1995
Land: Finnland
Stil / Genre: Power Metal
Label: T&T Records

Alben-Lineup:

Timo Kotipelto – Vocals (lead)
Timo Tolkki – Guitars, Vocals (backing)
Jari Kainulainen – Bass
Tuomo Lassila – Drums
Antti Ikonen – Keyboards

Track-Liste:

1. Against the Wind (03:48)
2. Distant Skies (04:10)
3. Galaxies (05:01)
4. Winter (06:32)
5. Stratovarius (06:22)
6. Lord of the Wasteland (06:10)
7. 030366 (05:47)
8. Nightfall (05:09)
9. We Hold the Key (07:53)
10. Twilight Symphony (07:00)
11. Call of the Wilderness (01:30)

Wenn der Lineup-Wechsel breite Wellen schlägt.

Bis 1995 hatten die Finnischen Power Metaller von STRATOVARIUS schon drei aufsehenerregende Alben abgeliefert – von denen mindestens eines bis heute nachhalt und nach wie vor Genre-Fans aller Herren Länder begeistert (DREAMSPACE, Review). Mit FOURTH DIMENSION folgte dann aber nicht nur das vierte Studioalbum der ambinionierten Band – sondern auch das erste, dass einen bis dato kaum bekannten Leadsänger vorstellte. Ind er Tat beschränkte sich der eisntige Sänger, Gitarrist, Bassist und Frontm,ann Timo Tolkki nur noch auf die Gitarren und ein wenig Hintergrundgesang – während er das Zepter an seinen Vornamens-Vetter Timo Kotipelto weiterreichte. hierbei handelte es sich zweifelsohne um eine Entwicklugn oder auch Etnscheidung, die STRATOVARIUS nachhaltig prägte – nach der Meinung vieler in einer durchweg positiven Hinsicht. Und tatsächlich: bereits auf FOURTH DIMENSION wurde schnell offenbar, was der 1969 geborene neue Frontmann alles auf dem Kasten hat.

Die Folge war, dass man zumindest hinsichtlich des Leadgesangs keinerlei Abzüge mehr geltend machen konnte – und da Timo Tolkki schon zuvor mit seiner Gitarrenarbeit überzeugte, auch diesbezüglich nicht. Analog dazu hatte sich auch die allgemeine Produktion und die Gewichtung der einzelnen Instrumente verbessert, was sich inbesondere bei einem Instrumentalstück wie dem Titeltrack STRATOVARIUS heraushören lässt. Handwerklich gab es wahrlich nichts mehr zu mäkeln, STRATOVARIUS hatten ihren technischen Höhepunkt zweifelsohne erreicht. Worauf es nun nur noch ankam ist die Brillanz und Effektivität der einzelnen Nummern – und wie das Album insgesamt (und auch im Vergleich zum grandiosen DREAMSPACE) wirkte. Hier gilt es dann, zweierlei Dinge festzuhalten. Zum einen, dass der gesamte Alben-Auftakt und auch Mittelteil grandios ausgefallen ist. Die Über-Hymne AGAINST THE WIND führt den Hörer fesselnd in das Album ein, DISTANT SKIES wirkt gewichtig und ebenfalls angenehm hymnisch, GALAXIES überzeugt als eher Bass- und Keyboard-lastiger Stampfer mit einem herovorragenden Refrain.

Mit Folgenummern wie WINTER wirkt das Album überhaupt deutlich getragener, aber in gewisser Weise auch mächtiger als der verspielte Vorgänger – ohne melodische Uptempo-Brecher wie LORDS OF THE WASTELAND außen vor zu lassen. Mit dem höchst experimentellen 030366 aber hat man eine der wohl sperrigsten STRATOVARIUS-Nummern aller Zeiten geschaffen – wenn auch beliebe keine schlechte; denn interessant ist diese ungewohnt progressive Seite allemal. Über das eher behäbige NIGHTFALL und das sich nciht ganz wie erhofft entwickeldne WE HOLD THE KEY könnte man dagegen streiten – sie sind nicht schlecht, aber eben auch nicht allzu packend. Da macht das ebenfalls nicht wirklich flotte, aber doch angenehm erhabene TWILIGHT SYMPHONY schon eher eine gute Figur. Insgesamt kann das Album über weite Strecken überzeugen, der Lineupwechsel schien sich positiv ausgeworkt zu haben – doch in bezug auf den allgemeinen Genialitäts- und Wirkungsfaktor schneidet das vorherige DREAMSPACE noch ein klein wenig besser ab.

Absolute Anspieltipps: AGAINST THE WIND, DISTANT SKIES, GALAXIES, LORDS OF THE WASTELAND, TWILIGHT SYMPHONY


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„Mit dem neuen Lineup gesanglich und handwerklich perfekt – aber insgesamt nicht ganz so wuchtig wie zuvor.“