Metal-CD-Review: MESSENGER – Asylum X-T-C (1994)

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Alben-Titel: Asylum X-T-C
Künstler / Band: Messenger (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 1994
Land: Deutschland
Stil / Genre: Heavy / Power Metal
Label: Destroy All Records

Alben-Lineup:

Patrik Deckarm – Guitars
Patrick Pytlik – Bass
Martin Schneider – Guitars
Markus Selinger – Vocals, Guitars

Track-Liste:

1. Modern Day Communication (04:21)
2. Asylum X-T-C (05:26)
3. Revolution (03:21)
4. Broken Home (05:22)
5. Difference (04:07)
6. Make It Right (04:19)
7. No More Cryin‘ (04:45)
8. Why (06:12)
9. Hurricane (07:50)
10. Enola Gay (05:17)
11. My Hope Shatters (06:10)
12. Impression (03:08)

Die Botschaft ward erstmals erhört.

Nach ihrem sicherlich ambitionierten, insgesamt aber deutlich zu ungeschliffenen und letztendlich relativ belanglosen Debütalbum TITANIC SUICIDE (Review) schickten sich die Deutschen Heavy Metaller von MESSENGER 1994 erneut an, ein aussagekräftiges und im besten Falle kultiges Genre-Album auf die Beine zu selten. Herausgekommen ist ASYLUM X-T-C, das gegenüber dem Vorgänger schon einmal zwei markante Vorteile offenbart: zum einen wurde der Leadgesangsposten mit Markus Selinger neu besetzt, was dem Album hörbar gut bekommt – und zum anderen wurde der vielleicht gerade noch charmante Demo-Sound gegen den Eindruck einer soliden Produktion eingetauscht. Bereits diese beiden Elemente führen dazu, dass der  Einstieg in das Zweitwerk der Saarländer weitaus angenehmer ausfällt; das Album eine schön griffige Gesamtwirkung entfaltet. Dennoch gilt auch dieses Mal: MESSENGER inszenieren sich hier weniger als Pendant zu wuchtigen internationalen Genre-Combos a’la MANOWAR, geschweige denn als sinnige Alternative zu den europäischen  Power Metal-Pionieren HELLOWEEN – sondern setzen auf einen eher unkomplizierten, deutlich weniger kantigen und schlussendlich massenkompatibleren Sound.

Sicher lebt ASYLUM X-T-C von seiner schroffen, explizit Gitarren- und Bass-lastigen Hardrock-Attitüde – doch letztendlich überwiegt das Gefühl, als hätten MESSENGER doch noch die ein oder andere Füll-Nummer zu viel verbaut. So kann erst das schmackige REVOLUTION für ein markantes Aufhorchen sorgen, oder aber MAKE IT RIGHT – die eindeutig flotteste und raueste Party-Nummer des Albums. Auf der Gegenseite stehen dann die sehr zarten Balladen BROKEN HOME, NO MORE CRYING und IMPRESSION – während es eigentlich immer deutlich angenehmer wird, wenn MESSENGER neben den anberaumten Emotionen auch noch eine gehörige Portion Kraft obendrauf legen. WHY oder HURRICANE können so als interessante Kombination von balladesken Elementen und Ansätzen wuchtiger Metal-Hymne angesehen werden. Insgesamt kann das Album so speziell Freunden des Hardrocks und des explizit klassisch orientierten Heavy Metals empfohlen werden, die hier zwar keine Offenbarung erwarten sollten – aber ein höchst solides Album.

Absolute Anspieltipps: REVOLUTION, MAKE IT RIGHT, HURRICANE


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„Noch nicht am Ziel, aber auf dem richtigen Weg.“

Metal-CD-Review: STRATOVARIUS – Dreamspace (1994)

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Alben-Titel: Dreamspace
Künstler / Band: Stratovarius (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 1994
Land: Finnland
Stil / Genre: Power Metal
Label: T&T Records

Alben-Lineup:

Timo Tolkki – Vocals, Guitars
Jari Kainulainen – Bass
Tuomo Lassila – Drums
Antti Ikonen – Keyboards

Track-Liste:

1. Chasing Shadows (04:38)
2. 4th Reich (05:49)
3. Eyes of the World (05:57)
4. Hold On to Your Dream (03:34)
5. Magic Carpet Ride (04:49)
6. We Are the Future (05:20)
7. Tears of Ice (05:15)
8. Dreamspace (05:58)
9. Reign of Terror (03:29)
10. Thin Ice (04:23)
11. Atlantis (01:08)
12. Abyss (04:59)
13. Shattered (03:30)
14. Wings of Tomorrow (05:08)

Auf, auf zum ersten Höhepunkt.

Im besten Fall schafft es irgendwann jede ambitionierte Band, über ihren eigenen Schatten zu springen. Vorausgesetzt natürlich, die entsprechenden Vorläufer (in diesem Fall FRIGHT NIGHT und TWILIGHT TIME) ließen überhaupt Luft nach oben; und konnten sich als solide Basis für noch folgendes erweisen. So oder so ähnlich verhielt es sich wohl auch bei den Finnen von STRATOVARIUS – die zunächst zwei grundsolide Genre-Alben auf den Markt brachten, aber erst mit dem dritten Werk DREAMSPACE so richtig absahnen konnten. Der Grund dafür wird insbesondere dann ersichtlich, wenn man sich die ersten drei Alben der Band in einer zusammenhängenden Session anhört – und daraufhin Vergleiche zieht. Tatsächlich machte die Band speziell von TWILIGHT TIME hin zum gerade einmal 2 Jahre später erschienen DREAMSPACE einen Riesensprung – und das in so gut wie allen Belangen.

Zunächst wäre da Leadsänger und Gitarrist Timo Tolkki zu nennen – der im Verlauf von drei Alben wahrlich gemausert hat und sich auf DREAMSPACE wesentlich variabler, stilsicherer und wenn man so will auch erhabener inszeniert. Das gilt in erster Linie für den Gesang, der nun auch in den hohen Lagen begeistert – in Bezug auf sein Gitarrenspiel gab es auch schon vorher nichts zu mäkeln. Aber auch diesbezüglich zeigt DREAMSPACE unglaublicherweise noch Steigerungen. Mindestens ebenso wichtig wie diese schon einmal klar erkennbaren Verbesserungen sind dann zweierlei Dinge: die gefühlte Effektivität und Brillanz der einzelnen Nummern, sowie der Faktor der Abwechslung in Bezug auf das gesamte Werk. Gerade in diesen Angelegenheiten hat sich auf DREAMSPACE einiges getan: das Album wirkt keinesfalls mehr wie aus einem (dezent langatmigen) Guss, sondern offeriert dem Hörer viele Höhen und Tiefen. Musikalische versteht sich, nicht qualitative. Auch wenn es einstweilen ähnlich düster daherkommt wie der Vorgänger TWILIGHT TIME, lassen sich immer wieder Auflockerungen und vermehrt auch Highlights entdecken.

Sicher auch, da für so gut wie jeden etwas dabei ist: das Verhältnis von eher getragenen Titeln (EYES OF THE WORLD, TEARS OF ICE, ABYSS) und absolut Hymnen-tauglichen Brechern (CHASING SHADOWS, HOLD ON TO YOUR DREAM, WE ARE THE FUTURE) erscheint ausgewogen und sinnig. Dann und wann präsentieren STRATOVARIUS auch die ein oder andere Nummer, die nicht von dieser Welt zu stammen scheint und an die man sich erst gewöhnen muss – wie etwa das mystische, im Endeffekt zutiefst atmosphärische MAGIC CARPET RIDE oder das gewichtige, eine ganz eigene Geschichte erzählende 4TH REICH. Ebenfalls eher experimentell geht es in THIN ICE zu – wobei endlich die erhofften (Kraft-)Ausbrüche in Bezug auf den Leadgesang oder einzelne Instrumente stattfinden. Ja, selbst das knappe Instrumental ATLANTIS ist eine Perle für sich, und klingt schlicht deutlich anders als vieles, was man aus dieser vergleichsweise frühen Ära des Power Metal kennt. Und mit dem flott-knackigen, herrlich unkomplizierten SHATTERED hätte gegen Ende des Albums wohl auch niemand mehr gerechnet.

Somit hebt sich das Album auch locker von denen der Konkurrenz (wie zu dieser Zeit etwa HELLOWEEN, zu denen es z.B. in REIGN OF TERROR dezente Parallelen gibt) ab. Was bleibt, ist eine minimale Anzahl von Titeln auf die man hätte verzichten können – und der Eindruck, dass zumindest die Produktion nicht ganz ausgefeilt ist. Denn zumindest der Leadgesang scheint nicht optimal abgemischt und klingt einstweilen etwas zu hintergründig und dezent Echo-lastig. Davon absehen kann das Album zweifelsfrei als Meilenstein angesehen, und trotz des späteren Erscheinungstermins auf eine Stufe mit den beiden wegweisenden KEEPER-Alben von HELLOWEEN gestellt werden.

Absolute Anspieltipps: CHASING SHADOWS, 4TH REICH, HOLD ON TO YOUR DREAM, WE ARE THE FUTURE


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„Düster und heiter, getragen und flott, gefühlvoll und kräftig, handwerklich hervorragend – STRATOVARIUS schöpften erstmals aus dem Vollen.“

Metal-CD-Review: THUNDERCROSS / RHAPSODY: Land Of Immortals (Demo, 1994)

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Alben-Titel: Land Of Immortals (Demo)
Künstler / Band: Thundercross / Rhapsody (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 1994
Land: Italien
Stil / Genre: Symphonic Power Metal
Label:
Keins / Independent

Alben-Lineup:

Andrea Furlan – Bass
Daniele Carbonera – Drums
Luca Turilli – Guitars
Alex Staropoli – Keyboards
Cristiano Adacher – Vocals

Track-Liste:

1. Invernal Fury (04:33)
2. Warrior of Ice (04:04)
3. Land of Immortals (05:23)
4. Holy Wind (03:32)

Warum nicht einfach mal noch einen Schritt zurückgehen…

Eigentlich war die ETERNAL GLORY-Demo (Link) von RHAPSODY das älteste noch verfügbare und hier rezensierte Werk der Italiener und Genre-Größen des symphonischen Power Metals, die heutzutage unter dem Namen RHAPSODY OF FIRE unterwegs sind. Der wahrlich allerletzte Schritt ist nun die Behandlung der etwa 1 Jahr älteren LAND OF IMMORTALS-Demo, die bereits 1994 und unter dem ersten Bandnamen THUNDERCROSS veröffentlicht wurde. Auch hier gilt: besitzt man diese ebenfalls nur in der guten alten Kassettenform veröffentlichte Demo im Original, kann man sich nur glücklich schätzen – viel rarer geht es eigentlich nicht mehr. Und noch etwas gilt für diese Demo, vielleicht noch etwas mehr als in Bezug auf das ein Jahr jüngere ETERNAL GLORY – man sollte wahrlich nicht zu viel erwarten, wenn es um die Tonqualität und den entstehenden Höreindruck im Gesamten geht.

Denn: mit dem späteren Bombast-Faktor der Band hat das hier Dargebotene nur wenig zu tun. Nicht, weil sich das Material nicht dafür eignete (die Nummern wurden später schließlich alle bearbeitet und auf das Debütalbum übernommen) – sondern schlicht, da die Aufnahmebedingungen noch weit entfernt von einer wie auch immer gearteten Professionalität waren und es sehr, sehr schwerfällt überhaupt irgendetwas aus diesem regelrechten Sound-Brei herauszuhören. Das ist beileibe keine wirklich ernst gemeinte Kritik, denn wie sich zeigte haben diese und auch die spätere Demo beide ihren Zweck erfüllt – nur lohnt es sich nur äußerst bedingt, dieses Material in seiner Sammlung zu haben. Erst Recht nicht, wenn man bereits die wesentlich bessere Demo ETERNAL GLORY besitzt; in welcher Form auch immer – diese beinhaltet schließlich dieselben Nummern wie das vorliegende Release, und noch einige mehr. Während es in Bezug auf die Strukturierung der Titel kaum nennenswerte Unterschiede gibt, bleibt es vor allem an der Klangqualität die den (doch überraschend markanten) Unterschied macht.

Im Gegensatz zur ETERNAL GLORY-Demo muss man das allererste von THUNDERCROSS respektive RHAPSODY OF FIRE veröffentlichte Werk also nicht unbedingt besitzen. Die einzige Ausnahme wäre wohl allein dieser Grund – schließlich ist die Sammlung erst mit dieser ersten handfesten, sicher irgendwo legendären Demo wirklich komplett. Wer allerdings die Wahl hat oder sich entscheiden muss, sollte sich vielmehr die spätere Demo sichern – die wesentlich aussagekräftiger ist. Auch wenn schon in diesen vier Titeln das Potential der Band durchschimmert – irgendwo inmitten des doch recht dumpfen Sound-Gemischs – entfaltet jenes Material noch die größte Wirkung, wenn man es (in Kasettenform) im Regal stehen hat. Und es dort stehen lässt… denn alles andere ist bekanntlich längst Geschichte.

Absolute Anspieltipps: /


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„Die Demo, die den ersten Grundstein legte. Rückblickend betrachtet handelt es sich aber um ein zu vernachlässigendes Release, dass sich rein Klang-technisch nur schwerlich verkosten lässt; erst Recht in Anbetracht der späteren Alternativen.“

Filmkritik: „Green Hornet – Die Rückkehr Der Grünen Hornisse“ (1994)

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Originaltitel: Qing Feng Xia
Regie: Ching-Ying Lam
MitKar Lok Chin, Esther Kwan, Rongguang Yu u.a.
Land: China
Laufzeit: ca. 84 Minuten
FSK: ab 18 freigegeben
Genre: Action
Tags: Grüne Hornisse | Kato | Trash | Gerechtigkeit | Kampf | Kung Fu

Neue Helden braucht das Land.

Kurzinhalt: Wo immer er auftaucht, lehrt er den kriminellen Schergen das Fürchten. Die Grüne Hornisse hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Böse zu bekämpfen – und folgt damit einer Jahrhunderte währenden Tradition. Darauf wird auch eine junge Reporterin aufmerksam, die dem kampferprobten Maskenmann fortan nicht mehr von der Seite weicht – auch wenn der seine Identität lieber geheimhalten möchte. Doch bleibt ohnehin kaum Zeit, sich näher kennenzulernen – die beiden stoßen auf kriminelle Machenschaften, die sich mit dem Schmuggel von Menschen und Waffen über Wasser halten. Und auch wenn bisher niemand die Grüne Hornisse hat bezwingen können, so wäre es fatal unvorsichtig zu werden – ein besonders fähiger Kämpfer, der zudem eine Gruppe von zahlreichen Soldaten befehligt, will es mit dem friedliebenden Kämpfer für Gerechtigkeit aufnehmen.

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Kritik: Achtung, Spoiler ! Zum Franchise der sogenannten GRÜNEN HORNISSE gibt es mittlerweile einiges an Material. Der vorliegende, interessanterweise aus Hong Kong stammende Film – der den Namen der Titelfigur immerhin gleich zweimal im Titel trägt – hat jedoch nur bedingt mit den offiziellen, aus den USA stammenden Vorbildern zu tun. Ein wenig Titelklau hier, eine auffällige schwarze Maske dort – und fertig ist der Fernost-Abklatsch, der dabei auch noch so frech ist und so gut wie alle gängigen Filmregeln verneint. Eine aufgesetzte Story um Menschen- und Waffenschmuggel, platte und äußerst naiv agierende Charaktere, so gut wie keine brauchbaren Dialoge und eine plump erscheinende Szenengestaltung samt altbackener Gesamt-Optik lassen einen an ein schnell herunterproduziertes Schundwerk denken; dass durch die Titelvergabe zumindest einige verirrte Kunden zu einem Griff ins Regal animieren sollte.

Und auch wenn diese Befürchtungen im eigentlichen Filmverlauf und über die Gesamtspielzeit niemals widerlegt werden können; genießt das 1994 veröffentlichte Werk bei manchen eine Art Sonderstatus – nicht unbedingt als ernstzunehmende Actionkomödie, sondern als waschechte Trashperle. Was DIE RÜCKKEHR DER GRÜNEN HORNISSE auch zweifelsfrei ist – wie viel gewollte oder eher zufällige Ansätze zu einer Genre-Attribuierung wie dieser geführt haben, bleibt indes offen. Klar ist nur, dass der Film über weite Strecken gnadenlos gut unterhält; und zudem mit einigen aberwitzigen Actionszenen gespickt ist. Diese werden temporeich inszeniert, glänzen mit einer guten (aber eben herrlich übertriebenen) Choreografie; und veranschaulichen so manch mannigfaltige Fähigkeit des maskierten Superhelden – wie etwa das Fangen von Wurfmessern, dem Ausweichen von Kugeln oder der Handhabung eines ganz speziellen Bumerangs. Eine unter gängigen Maßstäben als reichlich misslungen zu bezeichnende deutsche Synchronisation sowie die stumpfen Soundeffekte komplettieren den makaberen Gesamteindruck – und machen diese frei interpretierte Version der GRÜNEN HORNISSE doch noch zu einem Schmankerl für einen geselligen Abend unter (Film-)Freunden.

Hierbei handelt es sich jedoch um ein potentielles Vorhaben oder auch Experiment, dass nur unter einer Bedingung funktioniert – nämlich dann, wenn man die ungeschnittene Fassung zu sehen bekommt. So kursiert analog zur eigentlichen FSK-18 Version auch eine geschnittene FSK 16-Fassung, die um sage und schreibe 17 Minuten gekürzt ist. Das ist kurios, da der Film (auch wenn es sich sicher angeboten hätte) keinerlei Splatterszenen enthält; nur einige ruppige Gewaltmomente die vornehmlich aus den zahlreichen – und größtenteils unblutigen – Kampfszenen entstehen. Waffen werden erst gegen Ende des Films benutzt; es scheint aber ohnehin als hätte die Schere vor allem in Bezug auf eine ganz spezielle Figur des Films zugeschlagen. Jenem Soldaten nämlich, dem die Macher ein Eisernes Kreuz umgehängt haben und der mit rassistischen Bemerkungen nur so um sich wirft. Es ist sinnlos, sich über das Für und Wider einer solch drastischen Zensierung auszulassen – Fakt ist nur, dass es in diesem Fall dazu führt dass der Film nicht mehr funktioniert; zumal gerade jener Charakter zu einem ernstzunehmenden Gegenspieler für die GRÜNE HORNISSE avanciert.

Fazit: Titel- und Ideenklau hin oder her – DIE RÜCKKEHR DER GRÜNEN HORNISSE geizt nicht mit herrlich makaberen Einfällen und versprüht trotz der reinen Platzhalter-Story und den lachhaften Chrakterporträts einen gewissen Charme. Den eines Trashfilms, das mag sein – und doch ist er immer noch um ein vielfaches sehenswerter als so manch pompös inszenierter Hollywood-Erguss zum Thema. Frechheiten werden nicht immer belohnt, doch in diesem Fall kann und sollte man getrost eine Ausnahme machen. Mit dieser GRÜNEN HORNISSE wird man jedenfalls reichlich Spaß haben – die ungeschnittene Fassung vorausgesetzt. Einige Längen im Mittelteil, sowie die einstweilen etwas nervige Figur der Reporterin (mit der die GRÜNE HORNISSE im weiteren Verlauf anbändelt) schmälern das durchtriebene Filmvergnügen nur dezent.

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„Unterhaltsames Trash-Feuerwerk mit herrlichen Actionszenen.“

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Filmkritik: „Pom Poko“ (1994, Studio Ghibli #8)

Originaltitel: Heisei Tanuki Gassen Pompoko
Regie: Isao Takahata (Studio Ghibli)
Mit: /
Laufzeit: 118 Minuten
Land: Japan
Genre: Animationsfilm

Inhalt: Tokio in den sechziger Jahren. Im Tama-Hügelland wird ein komplettes Naturschutzgebiet gerodet und für den Bau einer neuen, modernen Vorortsiedlung verplant – schließlich wächst die japanische Bevölkerung mehr und mehr und braucht dementsprechend mehr Lebensraum. Dass der aber im Lebensgebiet einer ansehnlichen Marderhundbevölkerung erschlossen werden soll, sorgt bald für einige Probleme. Erst bekämpfen sich die Tiere noch gegenseitig und in Revierkämpfen, doch schnell müssen sie einsehen, dass der Mensch der eigentliche Feind aller Marderhunde ist – den es fortan zu bekämpfen gilt. Doch wie sollte man das anstellen, gegen einen so übermächtigen Feind vorzugehen ? Einige scheinen keine Skrupel zu kennen und wollen gar möglichst viele Bauarbeiter töten – andere suchen nach einer besonnenen Lösung. So besagt eine alte Legende, dass Marder neben den Füchsen wahre Meister der Gestaltwandlung sein können, würden sie nur hart genug trainieren – und genau damit beginnt das hier ansässige Volk. So lehren die älteren, weisen Marder den jüngeren diese Kunst – und halten sie an, die Menschen lediglich zu erschrecken. So könnte man ihnen vielleicht den nötigen Respekt vor der Natur und geheimnisvollen Kräften vermitteln – eine große Geisterparade stellt dabei den organisatorischen Höhepunkt dar. Alle Kräfte werden gebündelt, die Show ist ein großer Erfolg – doch wieder ist es ein Mensch, der ihnen dazwischenfunkt. Ein Vergnügungsparkdirektor behauptet nämlich, dass dies sein Werk gewesen sein soll… wird es für die Marderhunde und die Menschen eine friedliche Lösung geben ?

Kritik: Pom Poko ist eine weitere Anime-Produktion aus dem renommierten Hause Ghibli – und abermals zeichnet sich der erfahrene Isao Takahata als Regisseur verantwortlich, der mit Titeln wie Die Letzten Glühwürmchen oder Tränen Der Erinnerung große Erfolge feierte. Pom Poko schließt hierbei an eine Entwicklung an, die seit dem großen international Erfolg von Die Letzten Glühwürmchen ersichtlich ist: während dieser noch sehr universell und für jedermann zugänglich war, kam bereits Tränen Der Erinnerung etwas spezieller daher, es war ein Film der gewiss nicht für ein Massenpublikum gemacht worden ist. Ruhige Töne und eine persönliche Emotionalität prägten die Gesamtwirkung – und vor allem die explizite, größtmögliche Anlehnung an die Realität. Und so ist auch Pom Poko ein Werk, welches einen unübersehbaren Bezug auf die Gegenwartsrealität nimmt, und dabei wichtige Botschaft in Bezug auf Ökologie und Soziologie geschickt zu verpacken weiss. Wer also groß angelegte, geradezu fantastische Fantasywelten mit einigen wenigen „Helden“ als Charakteren erwartet, der wird hier nicht die vollste Erfüllung finden. Aber auch die eigentlich angepeilte Zielgruppe ist nicht derart eindeutig ersichtlich wie bei anderen Ghibli-Produktionen: hierzulande erhielt der Film eine Altersfreigabe ab 6, wobei er ohnehin nach einem sehr kindgerechten Werk aussieht. Putzige Marder, die schöne Natur die es zu beschützen gilt; und allerlei Szenen die sich um Freundschaft, Zusammenhalt oder sogar die Liebe drehen.

Aber, und das macht Pom Poko nicht zu einer uneingeschränkt empfehlenswerten Produktion für jüngere Zuschauer – kommt er auch mit allerlei stark gewöhnungsbedürftigen Aspekten und Inhalten daher. So ist es zwar nachvollziehbar, dass es in der Gruppe der Marder so etwas wie einen Provokateur gibt, der mit allen Mitteln gegen die Menschen vorgehen würde – dass dann aber tatsächlich auch Menschen sterben, ist etwas anderes und gehört nicht wirklich in einen kindgerechten Anime dieser Art. Doch nicht nur das, als äusserst makaber wird vielen auch die Tatsache daherkommen, dass die Marder sich ständig ihrer… Hoden bedienen, um im Zuge der Gestaltwandlung daraus andere Dinge entstehen zu lassen (!). Auch hier muss man ganz klar sagen: sehr subtil wirkt das nicht, auch wenn sich um eine anatomisch korrekte Darstellung der Marder bemüht wurde. Seinen Höhepunkt findet das Ganze, als eine Gruppe der aggressiveren Marder so etwas wie riesige Kanonenkugeln daraus formen (was doch merklich abstossend wirkt), oder als gar der Erzähler der Geschichte diesen Aspekt erwähnt (sie dehnten seine Hoden so weit es nur ging). Entschuldigung – es mag fraglich sein ob das nur hierzulande äusserst pietätlos wirkt… Internationalität ist auch das Stichwort in Bezug auf viele Gags, die hierzulande wohl nicht so gut und vor allem nicht so zweideutig daherkommen wie im Ursprungsland Japan. Schließlich finden sich auch allerlei Seitenhiebe auf die dortige Kultur und Historie wieder, bei denen hierzulande nicht immer klar sein wird, auf was angespielt wird. Man muss also von einer deutlich geringeren Universalität als noch bei Die Letzten Glühwürmchen oder Tränen Der Erinnerung sprechen.

Und das trotz der eigentlich recht klaren Hauptaussage, den eindeutige Botschaften in Bezug auf ein zu wünschendes, symbiotisches Leben von Menschen und Tieren. Definitiv muss man sich fragen, ob dem Film eine andere Herangehensweise nicht besser getan hätte als die vorliegende. Denn betrachtet man Pom Poko im Sinne eines Kinderfilms, eines Öko-Animes oder wie-auch-immer man ihn denn am liebsten kategorisieren würde – so stellt sich letztendlich heraus, dass ihm ein wichtiger Aspekt fehlt. Ein echter Spannungsbogen nämlich, eine immer bewegendere Entwicklung der Ereignisse, und bestenfalls ein fulminantes Finale mit einer netten Moral. Gut, die gibt es zwar – doch man könnte in Gedanken den gesamten Marder gegen Menschen-Teil ersatzlos streichen. Denn, die hier stattfindenden Ereignisse haben absolut keinen Einfluss auf das Finale, das Ergebnis wenn man so will. Dieses Resümee wie es im Finale stattfindet, hätte man auch direkt nach den ersten 5 Minuten ziehen können. Die Menschen stehen ganz oben in der Nahrungskette, das ist eben so – und die Tiere ziehen oftmals den kürzeren. Da bleibt ihnen nichts anderes, als sich mit weniger zufriedenzugeben und sich zu arrangieren – aber ohne, dass sie ihren „Stolz“ verlieren. Doch dafür braucht man beileibe keinen knapp 2stündigen Film, der ohnehin nicht gerade mit den markantesten, einprägendsten Charakterporträts aufwartet. Interessant: alle Ansätze, die aus dem Film „mehr“ gemacht hätten, werden einfach fallengelassen. Besonders ärgerlich und auffallend ist das in Bezug auf die Medienberichterstattung im Film, die dann wohl doch nicht mehr so realitätsbezogen daherkommt wie eigentlich angepeilt. Ja, was war denn nun eigentlich mit dem finalen Interview, in dem sich die Marder den Menschen offenbarten ?

Fazit: Keine Antwort. Immerhin, technisch ist das Ganze abermals sehr versiert und beeindruckend ausgefallen. Die Zeichnungen sind nett, die Charaktere wirken niedlich, die späteren Verwandlungen leicht gruselig-fantasievoll. Eigentlich die perfekte Voraussetzung für einen guten Kinder-Animefilm – doch oben genannte Aspekte machen diesen Eindruck wieder leicht zunichte. Diese Story ist einfach nicht sonderlich wirkungsvoll, im internationalen Sinne. Der Japaner mag mehr darin sehen und wiedererkennen – und selbst denen sollte die Story trotz des zusätzlichen Charmes viel zu flach, die Aussage plump und vorhersehbar, die vielen merkwürdigen Elemente eher lächerlich vorkommen. Absoluter Durchschnitt und sicherlich keiner der uneingeschränkt empfehlenswerten Ghibli-Filme.