Metal-CD-Review: BLIND GUARDIAN – Somewhere Far Beyond (1992)

Alben-Titel: Somewhere Far Beyond
Künstler / Band: Blind Guardian (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 29. Juni 1992
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Virgin Records

Alben-Lineup:

Hansi Kürsch – Vocals, Bass
André Olbrich – Guitars
Armin Siepen – Guitars
Thomen Stauch – Drums

Track-Liste:

1. Time What Is Time (05:46)
2. Journey Through the Dark (04:48)
3. Black Chamber (00:58)
4. Theatre of Pain (04:17)
5. The Quest for Tanelorn (05:57)
6. Ashes to Ashes (06:00)
7. The Bard’s Song – In the Forest (03:10)
8. The Bard’s Song – The Hobbit (03:54)
9. The Piper’s Calling (00:59)
10. Somewhere Far Beyond (07:30)
11. Spread Your Wings (Queen cover) (04:15)
12. Trial by Fire (Satan cover) (03:45)
13. Theatre of Pain (Classic Version) (04:15)

Was ist schon Zeit…

Ja, die späten 80er und frühen 90er waren eine gute Zeit für den europäischen Power Metal. Und das nicht zuletzt dank der frühen Ambitionen der drei vielleicht größten und für das Genre maßgeblichsten Bands, die glücklicherweise auch heute noch aktiv sind – und ihr musikalisches Erbe so gesehen mit vielen anderen, neueren Combos teilen. Dass die Rede hier hauptsächlich von HELLOWEEN, GAMMA RAY und BLIND GUARDIAN ist sollte eigentlich keine allzu große Überraschung sein – zumal insbesondere die jeweils frühesten Alben der Bands einen bis heute nachhallenden Eindruck hinterlassen haben. Im Falle von BLIND GUARDIAN wären das etwa das Debütalbum BATTALIONS OF FEAR (siehe Review), der Nachfolger FOLLOW THE BLIND (Review) und sicher auch das 1990 erschienene TALES FROM THE TWILIGHT WORLD (Review) – das als erstes Album dezent mit den bis dato von der Band an den Tag gelegten Gewohnheiten gebrochen hatte. Und das vornehmlich, indem es die deutschen Genre-Urgesteine nicht mehr nur von einer relativ explizit dem Speed Metal zuzuordnenden Seite zeigte – und Platz bot für jene Strömungen, mit der sich die Band wenig später endgültig profilieren sollte. Auf einem sowohl stilistisch als auch qualitativ mit dem Werk von HELLOWEEN und GAMMA RAY gleichzusetzenden Niveau, versteht sich.

Auch das 1992 veröffentlichte, vierte BLIND GUARDIAN-Studioalbum SOMEWHERE FAR BEYOND war ein wichtiger Meilenstein auf eben diesem Weg – schließlich hatten die Power Metal-Recken hörbar an ihrer Symbiose aus kräftigen Elementen des Speed Metal, dem mit mehr als nur einem Auge in Richtung TOLKIEN schielenden Fantasy-Kontext sowie der ebenso melodischen wie antreibenden Spielart des Power Metal gearbeitet. In der Folge entstanden Nummern wie der hier vertretene Opener TIME WHAT IS TIME oder das darauf folgende JOURNEY THROUGH THE DARK – die grundsätzlich alles beinhalten, was der geneigte Genre-Konsument als angenehm empfinden sollte. Seien es die knackig und alles andere als spannungsarm inszenierten Strophen, die melodisch-hymnischen Refrains, die extravaganten Soli-Parts oder die alles abrundenden handwerklichen Leistungen der Mitglieder – viel auszusetzen gab und gibt es hier nicht.

Neben den gewissermaßen zu erwartenden, typischen BLIND GUARDIAN-Brechern enthält SOMEWHERE FAR BEYOND dann aber auch eine größere Portion jener Elemente; die die Band schon auf dem Vorgänger TALES FROM THE TWILIGHT WORLD angedeutet hatte. Interessant ist, dass man ausgerechnet in Bezug auf eben diese von einer gewissen Zweischneidigkeit sprechen könnte; denn: einerseits schlossen sie die Verwandlung von BLIND GUARDIAN zu einer der bekanntesten, beliebtesten und unverkennbarsten Genre-Combos überhaupt ab – andererseits aber hatten sie das musikalische Konstrukt der Barden teils hörbar aufgeweicht. Zumindest wenn man so will, und in einem direkten Vergleich mit den insgesamt doch etwas zünftiger voranpreschenden Vorgängern. Das ist generell nichts schlechtes, ändert nichts an der letztendlich offenbarten musikalischen Qualität und spielt hier vornehmlich auf die doch recht großzügig in Szene gesetzte akustische Seite der Band an – sollte aber gerade in Bezug auf jene Erwähnung finden, die die alten BLIND GUARDIAN lieb gewonnen hatten und Veränderungen generell kritisch gegenüberstehen.

So muss letztendlich ein jeder für sich selbst entscheiden, ob er sanftere Zwischenspiele wie BLACK CHAMBER, den längst als kultig geltenden sanften ersten Teil von THE BARD’S SONG oder das zugegebenermaßen etwas gewöhnungsbedürftige Dudelsack-Intermezzo in THE PIPER’S CALLING nun als atmosphärische Aufwertungen oder Maßnahmen im blick auf einen noch variantenreicheren Sound der Band betrachtet – oder doch nur als eigentlich unnötiges Füllwerk. Immerhin: bei einer Nummer wie THEATRE OF PAIN, das die Band ebenfalls von einer bis dato unbekannten Seite zeigt; sollte die Entscheidung schon wesentlich leichter fallen. Die recht klassische, angenehm stampfende und gesanglich herausragende Darbietung passt einfach zu BLIND GUARDIAN – ob nun in der regulären Version oder die symphonischen Anteile noch mehr hervo4hebenden Bonus-Variante. Das wirkliche Highlight des Albums ist dann aber vermutlich erst der Titeltrack SOMEWHERE FAR BEYOND – der noch einmal alles abräumt was geht.

Absolute Anspieltipps: TIME WHAT IS TIME, SOMEWHERE FAR BEYOND


„Ein weiteres nicht zu verachtendes Werk aus einer der spannendsten Genre-Diskografien überhaupt.“

Filmkritik: „Flug Ins Abenteuer Aka Radio Flyer“ (1992)

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Originaltitel: Radio Flyer
Regie: Richard Donner
Mit: Elden Henson, Lorraine Bracco, John Heard u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 114 Minuten
FSK: unbekannt
Genre: Drama
Tags: Erinnerungen | Kindheit | Vergangenheit | Familie | Leben

Wenn sich schöne und schreckliche Erinnerungen kreuzen.

Kurzinhalt: Die Brüder Mike (Elijah Wood) und Bobby (Joseph Mazzello) haben es nicht leicht – und doch sind sie ein eingeschworenes Team. Gemeinsam mit ihrer getrennt lebenden Mutter Mary (Lorraine Bracco) haben sie bereits viele verschiedene Stationen hinter sich gelassen, und hoffen mit dem Umzug in eine ländliche Kleinstadt endlich der problematischen Vergangenheit entkommen zu können. Was ihnen aber fehlt ist eine Vaterfigur; jemand der die Familie endlich wieder komplett macht. Tatsächlich lernt Mary bald darauf einen neuen Mann (Adam Baldwin) kennen, der auch prompt mit ihr zusammenzieht. Das Glück der jungen Familie könnte perfekt sein – wäre da nicht doch etwas, was die neuerliche Lebensfreude markant trübt. Denn: Mary’s neuer Freund stellt sich als Trinker heraus, und wird im Laufe der Zeit immer aggressiver – vor allem den Kindern gegenüber. Selbst, als Bobby’s Rücken von blauen Flecken übersät ist wenden sich die beiden Brüder nicht an ihre Mutter – sie wollen ihr vermeintliches Glück nicht zerstören. Und so beschließen sie, Bobby mithilfe des RADIO FLYERS in eine sichere Welt zu bringen – eine, in der ihm kein Leid mehr zuteil wird.

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Kritik: Achtung, Spoiler ! Eines ist Regisseur Richard Donner und Drehbuchautor David M. Evans mit RADIO FLYER definitiv gelungen: ihr nach einem bekannten Spielwarenhersteller benannte Film vermag es, den Zuschauer zu überraschen. Dass dies auf eine eher erschreckende Art und Weise geschieht schmälert diese Feststellung nicht, im Gegenteil: der bereits mit angedeuteten Problemen beschriebene, aber noch weitestgehend idyllische Auftakt des Films mit dem Porträt zweier Brüder führt den Zuschauer wirkungsvoll auf eine falsche Fährte. Was früher oder später folgt, ist der erbarmungslose Schlag in die Magengrube: RADIO FLYER bleibt nicht länger ein vermeintlicher Kinder- und Abenteuerfilm mit Fantasy-Elementen, sondern avanciert zu einem emotional aufwühlenden Drama. Eines dass deshalb so eindringlich wirkt, da es um ein eher heikles Thema geht: das der Kindesmisshandlung. Markant ist, dass RADIO FLYER dabei niemals direkt anprangert oder polemische Schlüsse zieht – das entstehende Leid wird an der Beziehung der beiden Brüder festgemacht, mit denen man sich als Zuschauer direkt identifizieren wird.

Und nicht nur das, schließlich wird man auch zusammen mit ihnen leiden. Überhaupt verfehlt die Darstellung der Ereignisse aus einer weitestgehend kindlichen Erzählperspektive ihren Zweck nicht. RADIO FLYER ist tief-traurig, zutiefst melancholisch – doch werden diese Stimmungen nicht wie sonst oft durch eher perfide Mittel generiert; beispielsweise gibt es keine Szenen einer expliziten Ausführung der Gewalt. Sie entstehen aus der Geschichte selbst, aus den Charakteren und den hervorragenden Leistungen der Darsteller – wobei der ausgewogene Soundtrack von Hans Zimmer nur das i-Tüpfelchen bildet und niemals zu aufdringlich wirkt. Eine weiter gute Entscheidung war es, den Film aus einer Rückblende heraus zu erzählen – und die Geschichte sowohl als beispielhaftes Mahnmal, aber eben auch eine generelle Ode an die Kindheit zu inszenieren. Ebenfalls interessant ist, dass man sich durchaus darüber streiten könnte ob ein gewisser Hauptcharakter tatsächlich existiert oder es sich um ein psychologisches Phänomen handelt – Anhaltspunkte respektive Andeutungen gibt es schließlich in beide Richtungen.

Gravierende Negativaspekte weist RADIO FLYER nicht auf – lediglich der leicht verwaschene Eindruck hinsichtlich der angepeilten Zielgruppe (die man tatsächlich nicht genau festmachen kann) könnte sich als störend erweisen. Und: hie und da scheint RADIO FLYER doch noch die ein oder andere Grenze der Verklärung und Romantik zu überschreiten – sicher auch, wenn es um das Finale geht.

Fazit: Der Ansatz, das ernste Thema der Kindesmisshandlung im Zusammenspiel mit einer nostalgischen und leicht verklärten Kindheitserinnerung zu verbinden ist gewagt – und doch geht das Konzept weitestgehend auf. RADIO FLYER ist handwerklich gut gemacht, weiß mit hervorragenden Darsteller-Leistungen vor allem seitens des jungen Elijah Wood und seines Film-Bruders Joseph Mazello aufzuwarten – und die abenteuerlich erzählte, letztendlich aber tieftraurige Geschichte bewegt nachhaltig. Ein Meisterwerk mag RADIO FLYER vielleicht nicht geworden sein, doch für eine in Anbetracht der unklaren Zielgruppe dezent eingeschränkte Empfehlung reicht es allemal.

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„Ein effektiv erzählter, melancholischer Klassiker.“

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Metal-CD-Review: STRATOVARIUS – Twilight Time (1992)

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Alben-Titel: Twilight Time
Künstler / Band: Stratovarius (mehr)
Veröffentlichungsdatum: Oktober 1992
Land: Finnland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Shark Records

Alben-Lineup:

Tuomo Lassila – Drums
Timo Tolkki – Vocals, Bass, Guitars
Antti Ikonen – Keyboards

Track-Liste:

1. Break the Ice (04:41)
2. The Hands of Time (05:36)
3. Madness Strikes at Midnight (07:20)
4. Metal Frenzy (02:20)
5. Twilight Time (05:51)
6. The Hills Have Eyes (06:19)
7. Out of the Shadows (04:10)
8. Lead Us into the Light (05:46)

Schauen wir, was die nächste Dämmerung bringt.

Als einer der Genre-Urgesteine lieferten die Finnen von STRATOVARIUS auch schon zu ihrer Anfangszeit in den späten 80ern und frühen 90ern ordentlich ab. Nach dem Debütalbum FRIGHT NIGHT von 1989 (Review) folgte bereits 1992 TWILIGHT TIME (in einigen Editionen auch schlicht ‚II‘ betitelt), das zweite Album mit dem klassischen Lineup unter der Führung von Leadsänger, Gitarrist und Bassist Timo Tolkki. Und auch wenn das Album kaum mit den späteren unter der neuen Führung von Timo Kotipelto zu vergleichen ist, hatten STRATOVARIUS schon damals eine Richtung vor Augen – und steuerten langsam aber sicher auf ihre letztlich auch wahr gewordene Bestimmung zu. TWILIGHT TIME fungiert so am ehesten als frühes Anschauungswerk des breit gefächerten Repertoires der Finnen. Ein Album, das wie schon das vorherige Debütalbum eher ungeschliffen und lange nicht perfekt klingt.

Der Gründe dafür sind es wohl hauptsächlich zwei: zum einen erscheint der Leadgesang von Timo Tolkki; auch wenn er zum insgesamt eher düsteren Klangeindruck des Albums passt, weitestgehend unspektakulär – und zum anderen zieht sich die anberaumte getragene Stimmung auch über das gesamte Album. Hinsichtlich einer gewissen Variation sieht es also im wahrsten Sinne des Wortes düster aus – das Album wirkt wie aus einem Guss, und bietet letztendlich kaum Überraschungen. Dennoch ist es interessant, speziell Nummern wie THE HANDS OF TIME oder OUT OF THE SHADOWS als geistige Vorläufer der späteren Alben zu hören. Eine großzügige Portion Melodic Metal hier, einige dezente symphonische Einflüsse dort – und ein generell ausgefeiltes Songwriting müssen schon damals Lust auf mehr gemacht haben. Ein Großteil der anderen Nummern kommt dann aber tatsächlich etwas behäbig daher – und weist noch einmal explizit darauf hin, dass man gewisse Ausbrüche (in Bezug auf das Tempo, den Gesang oder anderes) sowie ausgefeilt-abwechslungsreiche Strukturen zumindest in der Anfangszeit der Band mit der Lupe suchen musste. TWILIGHT TIME besinnt sich viel eher auf seine gleichermaßen stampfende wie melancholische Gesamtwirkung und gönnt dem Hörer dabei zahlreiche Verschnaufpausen.

Zwischendurch blitzt sie aber immer wieder auf – eine Genialität die schon immer vorhanden war, die man später aber einfach effektiver zur Schau stellen konnte. Vor allem die Gitarren-Arbeit von Timo Tolkki kann hier durchgehend überzeugen – auch in den Soli oder sonst eher langatmigen Nummern LEAD US INTO THE LIGHT; die ohne ihn vermutlich nur halb soviel wert wären. Für eingefleischte Fans der Band ist auch dieses Album ein Muss – für alle anderen eignet sich aber vielleicht ein späterer einstieg in die Diskografie.

Absolute Anspieltipps: BREAK THE ICE, THE HANDS OF TIME, OUT OF THE SHADOWS, LEAD US INTO THE LIGHT


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„Insgesamt etwas zu behäbig, lange nicht so spektakulär wie die späteren Alben – aber noch immer höchst solide.“

Filmkritik: „Basket Case 3 – Die Brut“ (1992)

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Originaltitel: Basket Case 3
Regie: Frank Henenlotter
Mit: Jim Grimshaw, Annie Ross, Jim O’Doherty u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 90 Minuten
FSK: ab 18 freigegeben
Genre: Horror / Komödie
Tags: Geschwister | Brüder | Zwillinge | Trennung | Rache

Menschen und Kreaturen auf Abwegen.

Kurzinhalt: Nachdem die beiden ungleichen Zwillingsbrüder Duane und Belial Bradley einen Unterschlupf bei Madame Ruth gefunden hatten; kommt es zu einem ernsten Zwischenfall. Der sorgt nicht nur dafür, dass Duane für den Tod einer schwangeren Mitbewohnerin verantwortlich wird; sondern auch dafür, dass sich beiden Zwillingsbrüder wieder einmal intensiv streiten. Dieses Mal scheint es allerdings etwas ernster zu sein – Duane scheint nach einem fehlgeschlagenen Versuch, seinen Bruder wieder an sich und seine alte Narbe anzunähen; endgültig dem Wahnsinn zu verfallen. Seinem eigentlich deutlich benachteiligteren Bruder scheint es dagegen immer besser zu gehen – er nutzte seine neu gewonnene Freiheit, um einer Liebschaft nachzugehen und sogar für Nachwuchs zu sorgen. Darüber freut sich besonders Madame Ruth – die zu diesem Anlass einen groß angelegten Ausflug zu einem befreundeten Arzt plant. Ein Ausflug, zu dem alle Mitbewohner des Hauses eingeladen sind… um den werdenden Vater und die stolze Mutter entsprechend zu unterstützen. Doch auch dieses Mal scheinen einige Störenfriede das Glück der merkwürdigen Großfamilie stören zu wollen…

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Kritik: Achtung, Spoiler ! Wie auch immer man dem gegenüberstehen mag – BASKET CASE 3 vervollständigt das 1982 begonnene Horror-Franchise um ein ungleiches Zwillingsbrüder-Paar im Sinne einer Trilogie. Das war vor allem nach dem wenig erfolgreichen ersten Teil (Review) kaum abzusehen – doch mit dem späteren Durchstarten auf dem Heimkinomarkt und der überraschenden, 8 Jahre später erschienenen Fortsetzung BASKET CASE 2 (Review) wurde der Weg für Ideengeber Frank Henenlotter und sein immer größere Kreise ziehendes Franchise doch noch geebnet. Mindestens ebenso interessant wie diese Tatsache ist dann auch die inhaltliche Ausrichtung und Wirkung der drei zweifelsohne zusammengehörenden, sich aber doch markant unterscheidenden Filme. Während der erste BASKET CASE noch auf mehreren Ebenen funktionierte und als erfrischende Mixtur aus Elementen des Horror-, Thriller- und Trashfilms angesehen werden konnte; schien sich Frank Henenlotter im Sequel leicht zu verzetteln. Nicht nur, dass sich der Film wie ein lauwarmer Neuaufguss des ersten Teils anfühlte – er schien sogar noch etwas plumper inszeniert und verhedderte sich irgendwo zwischen seinen kaum ausgearbeiteten Horror-Anteilen, den oberflächlichen gesellschaftskritischen Seitenhieben und der kruden Darstellung einer großen, kunterbunten Monster-Party. Einer Party, die zwar nun auch Pate für den vorliegenden dritten Teil steht – die aber grundsätzlich zu keiner der besseren Ideen des Franchise gehört, da die anatomische Einzigartigkeit von Zwillingsbruder Belial somit keine mehr ist.

So ist auch der dritte BASKET CASE-Film keine wirkliche Überraschung mehr. Im Gegenteil: wo man den ersten und zweiten Teil des Franchise zumindest noch aufgrund verschiedenster Aspekte auseinanderhalten konnte (und sei es aufgrund der zwischen den Werken liegenden Zeitspanne), stellt sich nun sogar eine explizite Verwechslungsgefahr ein. Die macht sich schon durch den etwas dreisten Filmauftakt bemerkbar, der schlicht noch einmal 5 Minuten des zweiten Teils einspielt – zieht sich aber auch durch den restlichen Film. Schließlich bleiben nicht nur die Hauptdarsteller dieselben; auch die Monster-Familie inklusive Oberhaupt Madame Ruth spielt erneut eine große Rolle, und der Zwist zwischen den beiden Zwillingsbrüdern wird abermals ausgeführt und aufgrund einer besonderen Begebenheit auf eine weitere Probe gestellt. Diese beschreibt dann auch den eigentlichen inhaltlichen Fortschritt, respektive den inhaltlichen Kern von BASKET CASE 3: der entstellte Zwillingsbruder Belial war zusammen mit einer Leidensgenossin irgendwie dazu imstande Nachwuchs zu produzieren, was die beiden Brüder nur noch weiter voneinander entfernt – während der nur augenscheinlich gesündere Duane immer mehr die Fassung verliert und kaum noch zu gebrauchen ist. Im wahrsten Sinne des Wortes – Frank Henenlotter hat es, ob beabsichtigt oder nicht; eindeutig geschafft seinen ehemaligen Hauptcharakter ins Aus zu bugsieren. Wie auch immer geartete Sympathien kann er jedenfalls nicht mehr einheimsen – und seine Rolle geht im immer groteskere Züge annehmenden Tumult ohnehin unter.

Stichwort groteskere Züge – die hat BASKET CASE 3 allemal anzubieten; und das ist auch gut so. Denn auch wenn der dritte Teil in vielerlei Hinsicht enttäuschend und natürlich absolut sinnfrei ist, so geht er doch zumindest den konsequenten Weg hinein in das Trashfilmgenre. Das bedeutet in etwa, dass Stil- oder Geschmacksfragen absolut keine Rolle mehr spielen – es regiert das pure Chaos, die pure Anarchie; sowohl auf den Inhalt des Films aber auch auf seine Machtart bezogen. Glücklicherweise spendiert Frank Henenlotter dem geneigten Zuschauer nun auch etwas mehr Splatter-Szenen – die kurioser nicht hätten ausfallen können und es sogar zu einem unabhängigen Kultstatus gebracht haben. Zwar werden auch jene rar gesäten blutigen Momente alles andere als stilvoll oder aufwendig inszeniert, doch sorgen sie immerhin für ein paar Lacher – wie auch das abenteuerliche Konstrukt, in das Belial später gesteckt wird um sich besser gegen Angreifer verteidigen zu können. Ein paar Ideen scheint Frank Henenlotter also doch noch gehabt zu haben – auch wenn sie in Anbetracht des sich irgendwie überflüssig anfühlenden Daseins des dritten Teils nicht vielmehr als ein Tropfen auf dem heißen Stein markieren.

Fazit: BASKET CASE 3 schließt die mehr als kuriose Horrorfilm-Trilogie von Frank Henenlotter ab – fügt dem zweiten Teil aber grundsätzlich nur wenig neues hinzu und wirkt trotz der an den Tag gelegten künstlerischen Freiheit und -Verrücktheit einfach nicht zielstrebig genug. Immerhin bewegte sich das Ganze nun etwas weiter weg von den kruden gesellschaftskritischen Ansätzen hin zu einem feucht-fröhlichen Trash-Feuerwerk mit allerlei merkwürdig anzuschauenden Gestalten – doch selbst in diesem Sinne reicht das hier Dargebotene einfach nicht aus, um einen nennenswerten geschweige denn markanten Unterhaltungsfaktor zu generieren. Die verschiedenen Kreaturen hat man schon im zweiten Teil bewundern dürfen, der neue und mindestens ebenso schräge Nachwuchs spielt kaum eine Rolle – und die handwerklichen Aspekte und die Splatter-Anleihen sorgen nur selten für einen Aha-Effekt; viel eher wird man sich dezent fremdschämen. Hinzu kommt, dass die darstellerischen Leistungen nun endgültig die Grenze zum Overacting durchbrochen haben, die beiden eigentlichen Hauptdarsteller verdächtig in den Hintergrund gedrängt werden und dabei sogar massig Antipathien einheimsen. Sicher, auch Teil 1 (unter Vorbehalt) und 2 waren keine Meilensteine des Genres – der dritte aber ist es am wenigsten. Wer einfach mal wieder eine möglichst abgedrehten Horrorfilm sehen möchte der eigentlich gar keiner ist – denn die hier auftretenden Kreaturen wird man schneller lieb gewinnen als die menschlichen Akteure – der kann dagegen beim dritten Teil noch eher zugreifen als beim unentschlosseneren zweiten.

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„Weniger Ideen, mehr Chaos – und ein streitbarer Unterhaltungswert. Es ist wohl nur gut und richtig, dass es bei einer Trilogie geblieben ist.“

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Metal-CD-Review: MANOWAR – The Triumph Of Steel (1992)

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Alben-Titel: The Triumph Of Steel
Künstler / Band: Manowar (mehr)
Land: USA
Stil / Genre: Heavy Metal
Label: Atlantic Records

Alben-Lineup:

Eric Adams – Vocals
Rhino – Drums
Joey DeMaio – Bass
David Shankle – Guitars

Track-Liste:

1. Achilles, Agony and Ecstasy in Eight Parts (28:37)
2. Metal Warriors (03:59)
3. Ride the Dragon (04:30)
4. Spirit Horse of the Cherokee (06:00)
5. Burning (05:08)
6. The Power of Thy Sword (07:49)
7. The Demon’s Whip (07:44)
8. Master of the Wind (05:27)

Der Triumph, oder doch eher der Niedergang des Stahls ?

Nachdem die US-Amerikanischen Heavy Metaller von MANOWAR die 80er mehr als erfolgreich hinter sich gelassen haben, wurde Anfang der 90er eine neue Band-Ära eingeläutet. Nicht nur, dass zwischen zwei MANOWAR-Alben erstmals glatte 4 Jahre vergangen sind – besonders ein markanter Besetzungswechsel sollte über die weitere Zukunft der Band entscheiden. Würde es tatsächlich einen Ersatz für Ross The Boss an der Gitarre geben, der sich fortan auf andere Projekte (beispielsweise MANITOBA’S WILD KINGDOM) konzentrierte ? Für ihn kam David Shankle, ein bis dato noch relativ unbekannter Gitarrist ohne eigene Band. Doch auch Scott Columbus gab seinen Posten an den Drums auf – für ihn übernahm Kenny Earl Edwards aka Rhino. Ohne Zweifel: das Vorgänger-Album KINGS OF METAL festigte die Position der Band im Genre, versprach dem Titel nach keineswegs zu viel – während TRIUMPH OF STEEL so gesehen ein neues Schlachtfeld eröffnete.

THE TRIUMPH OF STEEL kommt mit 8 Titeln daher, wobei eine Besonderheit recht schnell ersichtlich wird: der Opener ACHILLES, AGONY AND ECSTASY IN EIGHT PARTS kommt allein auf eine Laufzeit von knapp 30 Minuten. Eine absolute Einzigartigkeit; und eine interessante noch dazu. Schließlich sollte ein wie auch immer aufgemachtes musikalisch Opus über den griechischen Held Achilles sicher einiges zu bieten haben – und noch dazu perfekt zu MANOWAR passen. Doch kann das Stück in der vorliegenden Form leider nicht durchgängig überzeugen; auch ohne dass man etwaige geschichtlich-inhaltliche Elemente hinterfragen müsste. Die 28 Minuten werden schlicht nicht sinnig, respektive ausreichend spannend gefüllt – sodass man letztendlich für nur etwa die Hälfte der Spielzeit unterhalten wird. Das hat mindestens zwei Gründe: zum einen wirken die Übergänge zwischen den einzelnen Passagen (immerhin gibt es 8 davon) nicht stimmig, sondern eher abrupt. Oftmals regieren hier sogar mehrere Sekunden der Stille; es ergibt sich kein wirklich zusammenhängendes Bild. Und zum anderen wissen einige der Passagen selbst eher nicht zu überzeugen – beispielsweise jene, in denen man die Bühne komplett einem einzelnen Instrument überlässt. Zwar können so auch die neuen Mitglieder zur Schau stellen, was sie draufhaben – doch ein wirklich durchdachtes Epos sieht anders aus, und sollte auch weitaus mehr Highlights offerieren. Somit ist MANOWAR auf THE TRIUMPH OF STEEL eines schon einmal nicht gelungen: einen überragenden Start hinzulegen.

So schwer es in Anbetracht einiger wirklich gut gelungener Passagen auch erscheint; bleibt es eher an den verbleibenden 7 Nummern, das Ruder in die richtige Richtung herumzureißen. Doch auch hier kann man nicht an den fulminanten Eindruck von KINGS OF METAL anschließen: bereits die Folgenummer METAL WARRIORS ist ein typisch-preisender MANOWAR-Lobgesang auf den Heavy Metal, welche nicht nur inhaltlich kaum etwas zu bieten hat – sondern auch in instrumenteller Hinsicht eher abflacht. Und das ist auch das Problem in den folgenden Nummern: selbst eine theoretische Uptempo-Hymne wie RIDE THE DRAGON hat einfach nicht viel mehr anzubieten als… genau, dass sie schnell ist. Das Drumming mitsamt dem kontinuierlichen Doublebass wirkt etwas zu monoton, die Gitarrenarbeit auf das nötigste beschränkt (mit Ausnahme des Solos). Wirklich mächtig und erhaben, wie MANOWAR auf ihren Alben zuvor klangen, klingen sie auf THE TRIUMPH OF STEEL nicht mehr. Da hilft auch kein Experiment a’la SPIRIT HORSE OF THE CHEROKEE; welches zwar irgendwie exotisch erscheint, aber letztendlich in keinem vollwertigen Titel mündet (langes Intro, etwaige Passagen in denen musikalisch kaum etwas passiert). Auch die noch folgenden Titel lassen allesamt einen ganz ähnlichen Eindruck entstehen: es scheint, als hätte man für THE TRIUMPH OF STEEL zu noch liegengebliebenen Ideen gegriffen, und diese entsprechend halbherzig umgesetzt.

Fazit: Den Titel Könige des Metals haben sich MANOWAR in den 80ern verdient – das, was mit und auf THE TRIUMH OF STEEL folgen sollte, ist nur noch ein Schatten dessen. Das muss aber nicht unbedingt am einschneidenden Besetzungswechsel gelegen haben, denn auch die neuen Mitglieder machten ihre Sache gut. Vielmehr scheint es, als hätten MANOWAR hier eine Art Resteverkauf veranstaltet, der nicht viel mehr zutage brachte als halbfertig wirkende Nummern, experimtellere Versatzstücke und in die Länge gezogenen Kompositionen ohne viel Bumms. Selbst die Produktionsqualität wirkt im Gegensatz zur schieren Urkraft von KINGS OF METAL geradeezu belanglos, sodass lediglich der Gesang von Eric Adams als qualitative Konstante angesehen werden kann. Aber auch hier gilt: irgendwie klang das alles schonmal spektakulärer, wilder, authentischer.

Anspieltipps: THE POWER OF THY SWORD

Vergleichsbands: VIRGIN STEELE | MAJESTY | OMEN | WARLORD

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„Im Vergleich zu KINGS OF METAL nur ein laues Lüftchen“