Metal-CD-Review: BLIND GUARDIAN – Tales From The Twilight World (1990)

Alben-Titel: Tales From The Twilight World
Künstler / Band: Blind Guardian (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 03. Oktober 1990
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power / Speed Metal
Label: No Remorse Records

Alben-Lineup:

Thomen Stauch – Drums
Hansi Kürsch – Vocals, Bass
André Olbrich – Guitars
Marcus Siepen – Guitars

Track-Liste:

1. Traveler in Time (06:02)
2. Welcome to Dying (04:50)
3. Weird Dreams (01:22)
4. Lord of the Rings (03:18)
5. Goodbye My Friend (05:36)
6. Lost in the Twilight Hall (06:02)
7. Tommyknockers (05:13)
8. Altair 4 (02:27)
9. The Last Candle (06:02)

Geschichten aus der Zwischenwelt.

Man erinnert sich: in einer Zeit, die für die Entwicklung des europäischen Power Metals kaum spannender hätte sein können; machte sich neben ebenfalls enorm früh aktiv gewordenen Genre-Pionieren wie HELLOWEEN eine zunächst als LUCIFER’S HERITAGE durchgestartete Combo auf, die hiesige musikalische Welt im Sturm zu erobern. Wie man heute weiß, ist ihnen das auch zweifelsohne gelungen: nach der Umbenennung in BLIND GUARDIAN und der Veröffentlichung des Debütalbum BATTALIONS OF FEAR (1988, siehe Review) war die deutsche Band alsbald in aller Munde. Und das auch oder gerade weil BLIND GUARDIAN im Gegensatz zu ihren frühen Mitstreitern auf eine vergleichsweise harsche Gangart mit Anleihen aus dem Speed- und Thrash Metal setzten – und so weniger als Konkurrenzband denn als vielversprechende Alternative betrachtet werden konnten. Nach dem ebenfalls im Geiste des Debütalbums verwirklichten zweiten Album FOLLOW THE BLIND (Review) erschien 1990 das vorliegende TALES FROM THE TWILIGHT WORLD – und damit auch das erste BLIND GUARDIAN-Album, welches die bisher eingeschlagenen Genre-Pfade mehr oder weniger dezent ausgeweitet und den Weg für den späteren Sound der Band geebnet hatte.

Denn, und das fällt nicht erst in Anbetracht eines für die damaligen BLIND GUARDIAN eher ungewöhnlichen Titels wie LORD OF THE RINGS auf: im Gegensatz zu den beiden Vorgängern weist TALES FROM THE TWILIGHT WORLD schon wesentlich mehr jener Anteile auf, die man im allgemeinen dem klassischen oder auch typisch europäischen Power Metal zuordnen würde. Das schöne dabei ist, dass BLIND GUARDIAN ihre Speed Metal-Vergangenheit aber niemals gänzlich abgelegt hatten – und das Album so eine bis dato erstmalige Symbiose aus enorm griffigen Metal-Elementen und einer so noch nicht von der Band gekannten hymnischen Komponente markiert. Eine Komponente, die dabei nicht von jedermann gleich gut aufgenommen wurde – aber offensichtlich ebenso sehr zu BLIND GUARDIAN gehört wie der hiesige Frontmann Hansi Kürsch. Überhaupt scheint es gerade die erstmals auf TALES FROM THE TWILIGHT WORLD anberaumte Kombination aus verschiedenen Soundelementen und Gangarten zu sein, die der noch jungen Band den letzten Schliff verpasste – und ihr ihren bis heute erhalten gebliebenen Status sicherte.

Anders gesagt: es ist nur gut und richtig, dass Nummern wie etwa der Opener TRAVELER IN TIME, das mächtige LOST IN THE TWILIGHT HALL oder der Rausschmeißer THE LAST CANDLE eben so gehalten sind wie sie es sind – also etwa mit extrem eingängigen und hymnischen Refrains versehen sind, die die sonst recht gradlinig und kräftig tönende Angelegenheit in einem positiven Sinne auflockern. Das gilt im übrigen auch für die teils furiosen Soli-Parts, mit denen BLIND GUARDIAN nicht gerade spärlich umgegangen sind – was sich lediglich beim etwas zu wilden WELCOME TO DYING als störend erweisen könnte. Überhaupt scheint die einzige Schwäche des Albums darin begründet zu liegen, dass es BLIND GUARDIAN schlicht verpasst haben ihrem dritten Studiowerk noch etwas mehr Abwechslung einzuverleiben – immerhin weichen selbst das Instrumental WEIRD DREAMS, das quasi-Zwischenspiel ALTAIR 4 oder das frech polternde TOMMYKNOCKERS kaum von der generell auf dem Album veranschlagten Marschrichtung ab. Das bedeutet vornehmlich, dass BLIND GUARDIAN hier so gut wie nie ihren Fuß vom Gaspedal nehmen, innerhalb der einzelnen Titel relativ ähnlich mit den Gitarren umgehen – und sich auch Hansi Kürsch nicht gerade von seiner variabelsten Seite zeigt.

Wen das nicht stört, und wer generell nichts gegen eine kleine Erweiterung oder auch Auflockerung des auf den beiden Vorgängern inszenierten Sounds einzuwenden hat; der wird mit TALES FROM THE TWILIGHT WORLD aber problemlos und im besten Fall auch nachhaltig glücklich werden können.

Absolute Anspieltipps: TRAVELER IN TIME, LORD OF THE RINGS, LOST IN THE TWILIGHT HALL


„Ein im wahrsten Sinne des Wortes umwerfendes Speed- und Power Metal-Album.“

VICTORY – Rock N Roll Kids Forever (Official Classic Video)

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Metal-CD-Review: MESSENGER – Titanic Suicide (1990)

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Alben-Titel: Titanic Suicide
Künstler / Band: Messenger (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 23. September 1991
Land: Deutschland
Stil / Genre: Heavy / Power Metal
Label: Keins / Independent

Alben-Lineup:

Patrik Deckarm – Guitars
Daniel Falkenstein – Drums
Martin Schneider – Guitars
Patrick Pytlik – Bass
Dietmar Pohle – Vocals

Track-Liste:

1. Intro / On the Run (05:03)
2. Falcon Age (04:56)
3. Scared Heart (04:31)
4. Why Are You Tellin‘ Me Lies (04:58)
5. Dead End (04:46)
6. Titanic Suicide (04:23)
7. Broken Mirror (05:45)
8. Demoney / The Last Bird Song (03:53)

Wenn die Botschaft nicht so richtig durchkommt.

Auf der Suche nach möglichst markanten und im besten Fall zumindest für den europäischen Raum (ge-)wichtigen Power Metal-Alben aus den späten 80ern und frühen 90ern kommt man gewiss nicht an Bands wie HELLOWEEN oder GAMMA RAY vorbei. Doch entstand 1990 auch noch eine weitere potentiell interessante Genre-Band. Eine, die indes erst viel später richtig durchstartete – hauptsächlich durch einen markanten Lineup- und Stilwechsel zu Beginn des neuen Millenniums. Doch in der Tat gab es vor den aktuellen MESSENGER noch eine Ursprungsform der Band, wenn man so will MESSENGER 1.0 – die mit TITANIC SUICIDE ihr Debütalbum ablieferten. Wer indes erwartet, hier ein weiteres deutsches Pendant zu MANOWAR zu hören oder einen ganz und gar kultverdächtigen Sound a’la MANILLA ROAD auf die Lauscher zu bekommen, der dürfte relativ enttäuscht aus der vorliegenden Alben-Erfahrung hervorgehen.

Denn auch wenn das Album nicht uninteressant ist, hatten die frühen MESSENGER vor allem ein Problem. Eines, das man wenn so will und entsprechend schlecht gelaunt ist auch auf ein einzelnes Bandmitglied beziehen könnte – Leadsänger Dietmar Pohle. Der agiert hier schließlich weniger so, als würde er Gesangsparts für ein Rock- geschweige denn Metal-Album einsingen – sondern eher so, als würde er sich privat in irgendeinem Wohnzimmer vorstellen. Diese merkwürdige Form der Unsicherheit und Zurückhaltung schlägt sich dann auch in anderen Bereichen des Albums nieder: während das Riffing hier und da durchaus Laune macht, bleiben die Kompositionen im allgemeinen sehr langatmig und unspektakulär. Am ehesten weiß noch das dezent an PRAYING MANTIS erinnernde WHY ARE YOU TELLING ME LIES zu begeistern; nicht zuletzt dank der gelungenen Soli-Passage. Doch im großen und Ganzen gilt: im besten Fall entfaltet die Scheibe den Charme einer sehr, sehr ungeschliffenen Demo-CD.

Absolute Anspieltipps: WHY ARE YOU TELLING ME LIES


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„Gesanglich eine mittelprächtige Katastrophe, instrumentell hie und da interessant.“

Filmkritik: „Herr Der Fliegen“ (1990)

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Originaltitel: Lord Of The Flies
Regie: Harry Hook
Mit: Balthazar Getty, Danuel Pipoly, Edward Taft u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 90 Minuten
FSK: ab 12 freigegeben
Genre: Abenteuer, Drama
Tags: Ausflug | Absturz | Einsame Insel | Kinder | Überleben

Der HERR DER FLIEGEN will es noch einmal wissen.

Kurzinhalt: Nach einem Flugzeugabsturz gelangt eine Gruppe von jungen Militär-Kadetten auf eine einsame Insel mitten im Nirgendwo – und muss sich ganz ohne die Hilfe von Erwachsenen zurechtfinden. Zwar hat einer der Piloten überlebt, doch ist er den Kindern aufgrund seiner Verletzung keine große Hilfe. So versuchen sich die Kinder, mit der im besten Fall nur temporären Ausnahme-Situation zu arrangieren – und erste Regeln für ein gerechtes Zusammenleben aufzustellen. Doch obwohl die Kinder gerade in dieser Situation zusammenhalten sollten, zeichnet sich alsbald ein Konkurrenzkampf ab: der erfahrene und grundsätzlich besonnene Ralph (Balthazar Getty) wird immer wieder vom jüngeren Jack (Chris Furrh) herausgefordert. Der gründet bald darauf eine eigene kleine Splittergruppe – und streift fortan als Jäger über die Insel. Doch was zunächst nur der Nahrungsbeschaffung dienen sollte, wandelt sich nach und nach in einen echten Überlebenskampf für alle Beteiligten.

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Kritik: Achtung, Spoiler ! Bei der vorliegenden 1990’er Fassung von HERR DER FLIEGEN handelt es sich bereits um die zweite offizielle Verfilmung des Buchstoffes von William Golding. Die erste stammt aus dem Jahre 1963, ist etwas altehrwürdiger – und wurde noch komplett in Schwarzweiß gedreht (siehe Filmkritik). Und obwohl bereits diese ursprüngliche Fassung eine zeitlose, gute und zudem keinen bis kaum Verbesserungsbedarf anmeldende war; hat man sich gute 27 Jahre später doch noch für eine Neuverfilmung entschieden – mit der Folge einer entsprechend gespaltenen Zuschauergemeinde. Immerhin hat sich das Team um Regisseur Harry Hook (der bis dahin nur mit einem einzigen Film in Erscheinung getreten war) wie zuvor schon Peter Brook relativ streng an die Buchvorlage gehalten – sodass die inhaltlichen Unterschiede der beiden Versionen überschaubar bleiben. Markantere Unterschiede finden sich daher vor allem in Bezug auf den Cast – und die handwerklichen Aspekte, die die einsame Insel nun erstmals in Farbe erstrahlen lassen und auch einige geschickt platzierte Zeitlupen-Effekte vorsehen.

Dennoch gibt es hie und da auch inhaltliche respektive inszenatorische Abweichungen – die sich zunächst nur in einem eher kleinen Rahmen bemerkbar machen; aber letztendlich doch eine immense Wirkung auf den Film im gesamten haben können. Da wäre zum Beispiel die Tatsache, dass die 1990’er Version keine klassischen Schul- oder Chorjungen mehr porträtiert – sondern eine Gruppe Kinder aus einer Art Militärakademie. Analog dazu wird auch nicht mehr das im Original vieldeutige Kyrie gesungen und als Teil des Soundtracks genutzt. Bereits eine kleine Änderung wie diese kann zu gänzlich anderen Assoziationen führen. In diesem Falle vornehmlich weniger zweckdienlichen – da man beispielsweise automatisch davon ausgeht, dass diese Kinder andere Voraussetzungen haben in der Wildnis zu überleben.

Gelangt man zu den Umständen des Absturzes, werden ebenfalls nur angedeutete Informationen gegeben wie im Original – doch hat in der 1990’er Version überraschenderweise einer der Piloten überlebt. Wer allerdings davon ausgeht, dass sich das markant auf das Verhalten der Kinder auswirken müsste täuscht sich – im Endeffekt ändert sich nicht viel, zumal der Pilot schwer verwundet ist und die Kinder so gesehen weiterhin alleine über die Insel herrschen. Was genau diese Änderung zu bedeuten hat, wird es später offenbar – nämlich dann, wenn man jenem Piloten einen letzten denkwürdigen Auftritt beschert und ihn zum Monster der Insel macht. Jenes letztendlich nicht durch eine einzelne Person vertretene Monster hatte als Manifestation der Angstgefühle schon im Original eine große Bedeutung. Doch wie sich nunmehr zeigt, war die Art der Darstellung hier eine wesentlich subtilere, stilvollere – und somit auch dezent wirkungsvollere.

Ein weiterer, und gleichzeitig auch der letzte gravierende Unterschied findet sich in Bezug auf den Tod des Charakters Simon – eine der Schlüsselszenen des Originalfilms. Auch hier gilt: wieder weiß das Original zu überzeugen, vor allem in der Retrospektive. Hier wurden die Ereignisse als Folge eines gegenseitigen Aufstachelns im schwachen Licht eines Lagerfeuers dargestellt; während die Neuverfilmung erst gar nicht die Vermutung aufkommen lässt, dass es sich um einen Irrtum gehandelt haben könnte. Die Folge; mit der der Bogen zur eher militaristischen Darstellung der Kinder geschlagen wird, ist die einer schnelleren und noch offensichtlicheren Verwandlung der Kinder – die bereits nach kurzer Zeit nicht vor einem Mord zurückschrecken. Wenn man so will könnte man auch von einer Holzhammermethode sprechen – das Original ging hier deutlich geschickter vor, und ließ den Zuschauer zunächst anhand von subtilen Stimmung das Ausmaß des Schreckens begreifen.

Doch hat die Neuverfilmung auch Vorzüge – die sich allerdings hauptsächlich auf die technischen Aspekte beziehen. Zum einen ist es angenehm, die Insel in Farbe und damit automatisch auch etwas greifbarer zu erleben; was im Zusammenspiel mit den etwas großzügigeren Kameraschwenks und den gefühlt etwas erweiterten Schauplätzen auf der Insel zu einer intensiven Film-Erfahrung führt. Eher überraschend ist, dass auch die Zeitlupeneffekte ihren Zweck ganz und gar nicht verfehlen und dem Film keinen künstlich-modernen Anstrich verliehen. Im Gegenteil: in den zwei entscheidenden Momenten in denen sie eingesetzt werden, sind sie schlicht beeindruckend – und untermauern das inhaltlich bereits angedeutete. In Bezug auf die Leistungen der Darsteller und den Soundtrack gibt es verständlicherweise weitere Unterschiede – doch vom letztendlich erzielten Eindruck nehmen sich Original und Neuverfilmung hier nicht viel.

Fazit: Wie auch immer man generell zu Neuverfilmungen stehen mag – voreilige Schlüsse in Bezug auf entsprechende Werke zu ziehen scheint nur selten ratsam. Schließlich kann es sich trotz aller Bedenken lohnen, sowohl dem Original als auch der Neuverfilmung eine Chance zu geben. Und sie vielleicht auch unabhängig voneinander zu betrachten – wie bei den beiden Versionen von HERR DER FLIEGEN. Im Grunde hätte man der sehr guten Originalversion von 1963 nichts hinzufügen brauchen – und doch wirkt die Neuverfilmung alles andere als lieblos oder so, als wäre sie aus weniger ehrenwerten Gründen realisiert worden. Sicher bleibt es hier vor allem bei den technisch-handwerklichen Vorzügen, während der Inhalt zumeist deckungsgleich bleibt – mit Ausnahme einiger Entscheidungen, die man vielleicht anders hätte treffen sollen. Anders gesagt: die Neuverfilmung ist keinesfalls besser als das Original; die angewandte Holzhammermethode und Vereinfachung in Bezug auf die zu entdeckenden Kernelemente nicht immer angenehm – und doch fühlt sich die 1990’er Version des Films nicht an, als könnte oder sollte man gänzlich auf sie verzichten. Nur wenn man sich für ausschließlich eine Fassung entscheiden müsste, dann sollte die Wahl vielleicht doch eher auf das Original fallen.

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„Über den Sinn oder Unsinn dieser Neuverfilmung lässt sich streiten – doch auch diese Version des klassischen Buchstoffes ist über weite Strecken gelungen.“

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Filmkritik: „Basket Case 2 – Die Rückkehr“ (1990)

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Originaltitel: Basket Case 2
Regie: Frank Henenlotter
Mit: Annie Ross, Leonard Jackson, Beverly Bonner u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 90 Minuten
FSK: ab 18 freigegeben
Genre: Horror / Komödie
Tags: Geschwister | Brüder | Zwillinge | Trennung | Rache | Phänomen

Belial ist nicht länger allein…

Kurzinhalt: Nachdem sich die beiden ungleichen Zwillingsbrüder Duane Bradley und Belial an ihren einstigen Peinigern gerächt haben und in einem Streit beinahe selbst ums Leben gekommen wären, finden sich sich in einem Krankenhaus wieder. Da zu befürchten ist, dass die beiden für die Verbrechen belangt werden entschließen sie sich zu flüchten – und werden bald darauf von einer hilfsbereiten alten Dame namens Madame Ruth aufgenommen. Diese entpuppt sich als wahre Übermutter: nicht nur dass sie gleich mehrere Menschen in ihrem großen Anwesen betreut, sie alle sind wie Belial heftig entstellt und alleine kaum lebensfähig. Tatsächlich könnten Duane und Belial hier ein friedliches Leben unter Gleichgesinnten führen – was sie zunächst auch vorhaben, erst Recht als die Liebe ins Spiel kommt. Doch bald darauf bekommt eine dreiste Sensations-Reporterin Wind von dem Unterschlupf, und droht das Ganze durch einen Artikel auffliegen zu lassen. Das können Duane und Belial nicht zulassen…

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Kritik: Achtung, Spoiler ! Ebenso kurios wie der zugrunde liegende Originalfilm BASKET CASE (siehe Review) ist die Tatsache, dass es überhaupt noch zu einem zweiten Teil der Horror-Mär um zwei eher ungewöhnliche Zwillingsbrüder kam. Einen Hinweis darauf liefert bereits die immerhin 8-jährige Zeitspanne zwischen den beiden Werken – die sich insofern erklären lässt, als dass Schöpfer Frank Henenlotter zunächst noch mit sich selbst und seinem Franchise haderte. Sicher auch, da BASKET CASE im Hinblick auf die Einspielergebnisse eine Enttäuschung war und wohl nicht allzu viele Kinogänger begeisterte. Doch im Laufe der Jahre, und mit der Veröffentlichung des Films auf dem Heimkinomarkt stellte sich plötzlich doch noch ein gewisser Erfolg ein – einer, den Frank Henenlotter offenbar als Ansporn verstand, aus dem lange Jahre alleinstehenden Original eine Trilogie zu formen. Und so knüpft BASKET CASE 2 trotz der vergangenen 8 Jahre direkt an den Vorgänger an – auch wenn am ehesten davon auszugehen war, dass beide Hauptdarsteller im großen Finale des ersten Teils das Zeitliche gesegnet hat.

Nun haben sie also doch überlebt – und werden entsprechend aufgepäppelt, um sich danach in einem ganz ähnlichen Szenario wie des ersten Teils wiederzufinden. Doch natürlich gibt es im Sinne der Fortsetzung einige markante Unterschiede: der entstellte Zwilling bleibt in BASKET CASE 2 nicht lange alleine und findet schnell ähnlich kurios anzuschauende Leidensgenossen, der gesunde Zwilling hadert (auch aufgrund dessen, und aufgrund einer Liebschaft) damit noch länger bei seinem Bruder zu bleiben – und wenn gemordet wird, geschieht dies in der Fortsetzung eher aus der Defensive heraus. Anders gesagt: dieses Mal vollführen die beiden ungleichen Brüder keinen Racheakt, sondern entschließen sich dazu ihre neu gefundene Familie gegen allzu neugierige Reporter und Störenfriede zu verteidigen. So weit, so gut – immerhin führt die ungewöhnliche Charakter-Konstellation wie schon im ersten Teil dazu, dass ein einstweilen erfrischendes Wechselbad der Gefühle entsteht. Einerseits vermag es BASKET CASE 2 auf eine merkwürdige Art und Weise zu unterhalten, hauptsächlich durch seine dezenten Grusel- und Trashanleihen – und andererseits könnte die Geschichte auch dieses Mal auf das reale Leben projiziert werden. Auch wenn derlei Seitenhiebe alles andere als versteckt oder geschickt verpackt daherkommen – irgendwie wirkt es charmant, wie Frank Henenlotter seine Monster-Mär immer wieder dazu benutzt, auf potentielle gesellschaftliche Missstände aufmerksam zu machen (z.B. in Bezug auf Menschen mit Behinderungen, auf Reporter mit einem vor nichts Halt machenden Sensationswahn und mehr).

Dennoch gibt es auch Aspekte, die das Sequel zu einem etwas anderen Film machen als das Original: nicht nur, dass man sich dieses Mal kaum noch gruseln oder zumindest wundern kann (beispielsweise wurde der entstellte Zwilling im ersten Teil lange nicht gezeigt); Frank Henenlotter geht im zweiten Teil einen weitaus direkter vor wenn es um die eher makabere Seite des Franchise geht. Dieses Mal soll es also nicht nur ein entstellter Zwilling sein, sondern gleich ein ganzes Haus voller merkwürdiger Kreaturen – die von einer Art Wohltäterin mit Mutter-Komplex über viele Jahre versteckt gehalten werden und nur durch sie ein halbwegs glückliches Leben führen können. Sicher, auch der erste Teil wirkte einstweilen etwas weit hergeholt – doch nun ist es endgültig vorbei mit einer wie auch immer gearteten Subtilität. BASKET CASE 2 ist deutlich verrückter, bunter und trashiger in seiner Gesamtwirkung – sodass man schnell geneigt ist, den Film in eine entsprechende Genre-Schublade zu stecken. Das war beim Vorgänger noch etwas anders – hier funktionierte das Konzept noch auf mehreren Ebenen. Die Folge ist ein nicht mal im Ansatz ernstzunehmender Trashfilm; der zumindest auf der reinen Unterhaltungsebene punkten müsste.

Doch auch hier sieht es dann eher durchwachsen aus – zumal einige Schwächen des ersten Teils in das Sequel übernommen worden. Sicher, die im Film herumwandelnden Gestalten sehen einstweilen kurios aus – doch hat das Ganze noch immer wenig Sinn (zumal viele Kreaturen rein gar nichts menschliches an sich haben), noch zeugt es von einer aufwendig erscheinenden Handarbeit. Und wenngleich man meinen müsste, dass Frank Henenlotter analog zum allgemein recht bunten Treiben den Grad der Brutalität erhöht hat und somit zumindest ausreichendes Futter für Splatter-Fans liefert – ist dem nicht so. Die wenigen expliziteren Szenen des Films sind derart abstrus und plump gemacht, dass man sich doch sehr wundern muss warum die Filmreihe hierzulande so lange verteufelt wurde. Immerhin wirkt das Ganze nun etwas professioneller inszeniert, wohl auch durch ein etwas höheres Budget – und auch die Leistungen der Darsteller sind als gelungen zu bezeichnen. Schließlich ist es ihnen abermals gelungen, auf einem schmalen Grat zwischen einer zweckdienlichen Überzeichnung und einem schieren Overacting zu balancieren. Die optischen Aspekte und der Soundtrack fallen ebenfalls zufriedenstellend aus – hinterlassen aber keinen Eindruck, der mit dem einstweilen kultig anmutendem Charme des ersten Teils zu vergleichen wäre.

Fazit: BASKET CASE 2 ist einerseits ein lauwarmer, nicht mehr ganz so bahnbrechender Neuaufguss vieler Elemente des ersten Teils der Kult-Reihe – andererseits aber ein kunterbuntes Freudenfest für alle Freunde des ungewöhnlichen und des makaberen. Problematisch ist nur, dass Frank Henenlotter hier eindeutig den Weg des heftig überzeichneten Trashs beschreitet; aber dennoch an seiner mit dem Original etablierten Wirkung festhält – was in einer nicht mehr ganz so stilsicheren Verbindung mündet. Dennoch macht es Spaß, das einstweilen bitter-ernste Spiel der Darsteller zu betrachten; die sich inmitten all der wunderbaren Erzeugnisse der Maskenbildner bewegen und dabei eine vollkommen abwegige, aber irgendwie doch unterhaltsame Geschichte erzählen. Wenn diese als Ansporn verstanden werden kann, dass jeder (und vielleicht auch jedes Etwas) vor dem Gesetz und der Gesellschaft gleich behandelt werden sollte; warum nicht…

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„Schon deutlich abgedroschener als das Original, aber noch immer unterhaltsam“.

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