Filmkritik: „Ein Haufen Verwegener Hunde – Inglorious Bastards“ (1978)

Originaltitel: Quel Maledetto Treno Blindato
Regie: Enzo G. Castellari
Mit: Bo Svenson, Peter Hooten, Fred Williamson u.a.
Laufzeit: 99 Minuten
Land: Italien
FSK: Ab 18
Genre: Action

Bellende Hunde beissen nicht – oder doch ?

Inhalt: Frankreich im Jahre 1944. Der Zweite Weltkrieg tobt in all seiner Schrecklichkeit, während sich die kürzlich an der Küste gelandeten Alliierten unter der Führung der Amerikaner auf dem Vormarsch in das hart umkämpfte Frankreich befinden. Doch selbst in diesen Zeiten und unter diesen Umständen gibt es auch auf Seiten der Allierten einige Ausreisser, die offenbar ein Problem mit Vorschriften und Gesetzen haben. Diese Diebe, Vergewaltiger und Befehlsverweigerer werden zusammengeführt auf dass sie in späteren Verfahren verurteilt werden können, vielleicht sogar zum Tode. Doch bei einem dieser Transporte kommt es zu einem Zwischenfall. Die immer noch kampfbereiten Deutschen greifen den Konvoi an, und töten zahlreiche Wärter und Gefangene – nur einige wenige der als ‚Bastarde‘ bezeichneten Häftlinge überleben und flüchten in die nahen Wälder. So auch Sergeant Yeager (Bo Svenson), der sich mit seinen neuen Komplizen darauf verständigt, in die Schweiz zu flüchten. Besser das, als verurteilt zu werden, da ist man sich einig – doch der Weg gestaltet sich als zunehmend schwierig und gefährlich. Nicht nur, dass die unterschiedlichen Charaktere der Gruppe aufeinanderprallen, auch auf zahlreiche deutsche Patrouillen stösst der kleine Trupp. Zwar raufen sie sich noch mit einem deutschen Deserteur zusammen, doch eine weitere schicksalhafte Konfrontation bei dem selbiger ums Leben kommt, bleibt nicht aus: aufgrund einer Verwechslung werden die von der Armee ausgestoßenen für Mitglieder einer Spezialeinheit gehalten. Doch allein dabei bleibt es nicht: da es gerade die ‚Bastarde‘ waren, die die eigentliche Spezialeineheit aufgrund eines Missverständnisses ausgeschaltet haben, gerät die Bande in einen Zugzwang, tatsächlich für die Spezialeinheit einzuspringen und sich auf eine Art Himmelfahrtskommando zu begeben.

Kritik: Wer A sagt, muss auch B sagen – und sich bei Gefallen der 2009 erschienenen Kriegs-Mär INGLORIOUS BASTERDS von Quentin Tarantino (Rezension) auch das zugrundeliegende Original ansehen. Dieses stammt aus dem Jahre 1978 und vom italienischen Regisseur Enzo G. Castellari – ein Mann, den Tarantino im Zuge seiner Neuverfilmung und Neu-Interpretation bereits getroffen hat. Die beiden Kollegen schienen und scheinen sich seit jeher gut zu verstehen, und eine Vorliebe für ganz ähnliche Genrefilme zu hegen – und zwar in einem solchen Maße, dass Tarantino zwei der damaligen Hauptdarsteller aus EIN HAUFEN VERWEGENER HUNDE für Cameo-Auftritte in seinen eigenen Filmen engagierte. Schließlich schrieb er satte 10 Jahre am Drehbuch von INGLORIOUS BASTERDS, seiner etwas aufwendigeren Neufassung des eigentlich recht simplen, aber durch einen enormen Unterhaltungswert gekennzeichneten Originals. Aber welcher ist nun besser und bietet das zeitlosere Kultpotential, Original oder Neufassung ? Oder ergänzen sich gar beide Werke gegenseitig, trotz einer dazwischenliegenden Veröffentlichungs-Zeitspanne von über 30 Jahren ?

So schnell die Story erzählt und die Charaktere vorgestellt sind, so schnell und munter prescht Enzo G. Castellari voran, und bietet dem Zuschauer mit EIN HAUFEN VERWEGENER HUNDE einen enorm überzeichenten Kriegsfilm der unkonventionellen und politisch unkorrekten Art. Schnell wird klar, dass er es weniger darauf abgesehen hat historische Fakten abzuliefern und sich akribischen Nachkriegsforschungen hinzugeben – sondern sich stattdessen voll und ganz auf das beinahe Comic-hafte Porträt einer kleinen Gruppe von Kriegsverbrechern konzentriert. Das hat – verständlicherweise –  zur Folge, dass die Hintergründe, Auswirkungen und Folgen des Zweiten Weltkrieges kaum beleuchtet werden, und nur als Aufhänger für eine völlig überzeichnete, schier heroische Charakterzeichnung dienen. Diese politische Unkorrektheit stellt sich zugleich als eigentliches Highlight des Genrefilms heraus – da sich bis dato noch kein anderer Regisseur an eine derartige Geschichte herantraute. Eine Art Klamauk vor historisch relevantem, ernsten Kriegshintergrund; und eine Gelegenheit für die ehemaligen Allierten gewisse Rachegelüste gegenüber den Nazis befriedigt zu sehen, sollten einen Film wie EIN HAUFEN VERWEGENER HUNDE eigentlich von vornherein disqualifizieren. Doch das ungewöhnliche Ergebnis weiss auf seine ganz eigene Art zu gefallen – und zwar Zuschauern aller Altersgruppen und Nationalitäten, ob in längst vergangenen Zeiten der Erstausstrahlung oder heute.

Denn so skeptisch man den Inhalten und der Erzählweise auch gegenüberstehen mag, man kann sich kaum dem Sog des von ihnen ausgehenden Unterhaltungswertes entziehen. Gerade der bunt gemischte, herrlich überstilisierte Haufen von Charakteren sorgt für reichlich Kurzweil – die speziellen Eigenarten und Hintergrundgeschichten, die lockeren Sprüche und deren Verschrobenheit in den brenzligsten Situationen garantieren ein unvergessliches Filmerlebnis der makaberen Art. Schließlich begeht Enzo G. Castellari nicht den Fehler und verpasst seinen Protagonisten eine typische Charakterzeichnung mit leichtgemachten Attribuierungen nach einem Schema F (gut und böse) – sondern gewährt ihnen reichlich Spielraum. Dabei gilt es vornehmlich immer, das Geschehen mit einem deutlichen Augenzwinkern zu betrachten – wirklich ernstzunehmen oder zu hinterfragen ist nichts, beziehungsweise sollte man als Zuschauer besser nicht damit beginnen. Denn Szenen wie der lautlose Angriff auf ein von Deutschen besetztes Schloss (mit der Zuhilfenahme einer offenbar todbringenden Zwille) oder das Nacktbaden einiger deutscher weiblicher Offiziere lassen sich einfach nicht erklären. Sie sind da, in ihrer Natur verdächtig substanzlos – und doch haben sie ihre Daseinsberechtigung in Bezug auf den omnipräsenten B-Movie-Charme.

Wenngleich die Charaktere einen nicht unerheblichen Teil des Filmes und seiner Wirkung tragen, so sind es vor allem auch die zahlreichen Actionszenen, die das Szenenbild dominieren. In der Tat erweisen sich diese, ob gewollt oder nicht, als wahrhaft zeitlos – in mehrerlei Hinsicht. Wenn sie damals noch als ernstgemeint und aufwendig gemacht angesehen wurden, so können die dem heutigen Zuschauer nicht mehr als ein müdes Lächeln entlocken. Jedoch, und das ist das besondere: kein mitleidiges, sondern eines welches von Filmen mit einem gewissen Trash-Charme ausgehen sollte. Es ist schlicht amüsant zu sehen, welche Tricks damals eingesetzt wurden; und wie sie in einem Film wie diesem dennoch ihren Zweck erfüllen. Während die heutige Kinogeneration von modernen (und unverhältnismäßig teuren) Spezialeffekten und einer Hochglanzoptik verwöhnt (und: geblendet) wird, so bediente man sich damals noch der guten alten Handarbeit. Der würde man zwar nicht immer und in Bezug auf jeden Film den Vorzug geben, zugegeben – doch in EIN HAUFEN VERWEGENER HUNDE zweifelsohne, auch oder gerade heute. In eine ganz ähnliche Kerbe schlagen die aus heutiger Sicht völlig abstrusen Sterbeszenen, in denen die Getroffen wild ihre Gliedmaßen umherwirbeln und mit reichlich Tohuwabohu ins Erdreich geschickt werden. Oder die Nicht-Verwendung von Kunstblut: bis auf einige der Endszenen verzichtet man sogar auf Einschusslöcher, ganz im Stile guter alter Western.

Doch die technischen und handwerklichen Aspekte können sich dennoch sehen lassen. Einiges rangiert unter der Ägide des angenehmen B-Movie-Charmes, anderes unter halbwegs objektiven Kriterien versierter Filmkunst. Wie etwa die Kamera-Arbeit, die Schnitte oder die aufwendigen Massenszenen mit zahlreichen Statisten. Auch die Szenengestaltung und das Einbeziehen der Landschaft wissen zu begeistern, ebenso der fulminante Soundtrack welcher das Geschehen stets passend (und mit einem ironischen Unterton) zu untermalen vermag. Weiterhin scheint es, als würden die Darsteller ihre rollen so spielen wie sie sie spielen wollten – kosntruiert oder unglaubwürdig wirkt hier wenig, alles reiht sich perfekt in die allgemeine Überzeicnungsstrategie ein.

Fazit: Als Filmfreund und Cineast führt kein Weg um EIN HAUFEN VERWEGENER HUNDE herum – man sollte dieses Werk gesehen haben. Und das nicht nur, weil der Film mit seinem Kultstatus bis heute das Genre prägt, und viele aus ihm als Inspirationsquelle schöpfen – nicht zuletzt ein gewisser Herr Tarantino. Auch unabhängig ist der Film ein rundum gelungener, erfrischender, andersartiger und herrlich unkorrekter, der bis heute nichts von seiner Wirkungskraft verloren hat. Der Unterhaltungswert ist nach wie vor enorm, der Spaß-Faktor trotz ernstem Hintergrund der Szenerie groß. Wichtig ist nur, den Film als das zu sehen was er ist – ein allein auf Unterhaltung abzielender Actionfilm mit einem expliziten Fokus auf einige groteske Charaktere, nicht mehr und nicht weniger. Den Nazi-Hintergrund gibt es quasi als Dreingabe. Schlussendlich: Tarantino geht wesentlich brutaler aber nicht minder unterhaltsamer vor – Enzo G. Castellari aber lieferte das Original und die immer noch blendend funktionierende Vorlage. Gleichstand !

Filmkritik: „Zombie – Dawn Of The Dead“ (1978)

Originaltitel: Dawn of the Dead
Regie: George A. Romero
Mit: Ken Foree – Scott H. Reiniger – David Emge u.a.
Laufzeit: 141 Minuten
Land: USA
FSK: Ab 18
Genre: Horror

„Lust auf eine Shopping-Tour der besonderen Art ?“

Inhalt: In den USA ist die Hölle los, und das im wahrsten Sinne des Wortes. Polizeieinheiten sehen sich plötzlich nicht mehr mit den üblichen Verbrechen konfrontiert, sondern mit einer Horde Untoten. Das Problem ist offensichtlich: selbst wenn man einige der seelenlosen, aber dennoch überaus gefährlichen Kreaturen ausschalten würde, kämen dafür andere nach. So scheint sich die Menschheit immer weiter zu dezimieren – einige kämpfen noch immer auf verlorenem Posten, andere streiten sich vor laufenden Fernsehkameras über Recht und Unrecht in Bezug auf das Liquidieren der Zombies, und wieder andere versuchen irgendwohin zu fliehen. Wie auch Reporter Stephen Andrews (David Emge), seine Freundin Francine (Gaylen Ross), Roger (Scott H. Reiniger) und Peter (Ken Foree); die gar einen Helikopter zur Verfügung haben. Gemeinsam haben sie ab, auf zu einer Reise ins Ungewisse – bei der sie verständlicherweise einige Zwischenstopps machen müssen, nicht zuletzt um aufzutanken. So landen sie alsbald auf einem Dach eines riesigen Einkaufszentrums, und erforschen selbiges daraufhin ausgiebig – sie entscheiden sich, vorerst dort zu bleiben. Doch es wird keinesfalls leicht werden, denn… „Wenn in der Hölle kein Platz mehr ist, kommen die Toten auf die Erde zurück“ !

Kritik: Achtung, Gefahr – es ist immer ein wenig ‚tricky‘ aus einer späteren Sicht über nunmehr in die Jahre gekommene Filme zu urteilen; besonders dann, wenn es sich um echte ‚Kultklassiker‘ oder Meilensteine für das jeweilige Genre handelt. So auch im Fall von George A. Romeros Dawn Of The Dead, hierzulande auch bekannt als Zombies Im Kaufhaus; der als Grundlage für zahlreiche weitere Zombie-Filme dienen sollte. In diesem Fall liegen mehr als 30 Jahre zwischen dem ursprünglichen Erscheinungsdatum (1978) und dem Zeitpunkt der Rezension (2011) – was eine zusätzliche Herausforderung für den jeweiligen Autor bedeuten kann. Sollte man sich möglichst dem damaligen Zeitgeist annähern und versuchen, das Ganze aus der Perspektive der ursprünglichen Zuschauer zu betrachten ? Oder sollte man, wie es vielleicht auch die Intention des Filmemachers war, das jeweilige Werk als zeitloses Porträt behandeln, welches – im besten Fall – bis heute nichts von seiner Aussagekraft verloren hat ? Immerhin zeigen andere Werke differenter Genres, wie der durchaus zeitlose 2001 – Odyssee Im Weltall, dass man durchaus ‚Filme für die Ewigkeit‘ erschaffen kann. Möglich ist es also – nur, ist das auch George A. Romero mit seinem eigentümlichen Zombie-Film gelungen ? Vorab ist bereits eines klar: leichter hat er es nicht, da das Genre des Survival-Horror nicht ganz so frei interpretierbare oder gar ‚fantastische‘ Inhalte offeriert; sondern vielmehr den jeweiligen Zeitgeist, eine Momentaufnahme der Ängste und Befürchtungen einer Generation, widerspiegelt.

So behandelt Dawn Of the Dead eine grundlegende Angst, die sich mit einer epedemie-artigen Mutation und einer daraus folgenden Anarchie und Hilflosigkeit auseinandersetzt. Unzählige Zombies überrennen das Land – und weder das Militär noch die (sich durchaus zur Wehr setzenden) Menschen auf der Straße können nennenswertes dagegen ausrichten. So keimt eine stille Hoffnung auf – eine Hoffnung auf ein noch reines, unbeflecktes ‚gelobtes‘ Land, in dem die Menschen noch sie selbst sein und auch bleiben können. In der Tat ist dies auch einer der wichtigsten Interpretationsansätze wenn es um die Deutung des Filminhaltes geht – sofern man als Zuschauer überhaupt geneigt ist, so ‚weit‘ zu gehen. Denn schließlich porträtiert der Film in erster Linie eines: einen (temporären) Überlebenskampf einiger weniger Hauptprotagonisten, die sich in einem Kaufhauskomplex verschanzen. An sich eine gute und damals sicherlich originelle Idee – so ist das Kaufhaus als eine halbwegs sichere Bastion gegen das Unheil zu sehen, welches, einmal ‚gesäubert‘ – einen sicheren Unterschlupf bieten könnte. Ist die akute Gefahr, nämlich die der ersten Stufe gebannt (die Zombies), heisst das allerdings noch nicht, dass nun Friede herrscht – die Auswirkungen der zweiten Eskalationsstufe (die Anarchie) sollen sich ebenfalls bemerkbar machen. Wenn auch vergleichsweise spät, im Filmkontext – ein Großteil porträtiert tatsächlich nur das Einfinden, Einrichten und ‚Überleben‘ an sich im Kaufhaus.

So weit, so gut – doch Dawn Of The Dead hat mitunter auffällige Schwächen. Dies beginnt mit dem recht abrupten Start in die Szenerie, die bereits den aktuellen Status Quo beschreibt (Zombies haben Menschen überrannt, man ist machtlos) – weitere Veränderungen werden folglich nicht stattfinden. Auffällig ist, dass gerade diese Anfangsszenen von einer gewissen Hektik geprägt sind; erst sind es die zahllosen Dialoge und Auseinandersetzungen vor der Kamera, später dann die etwas eigenartig anmutenden Szenen in einem von Zombies besetzten Gebäude. Alsbald gesellt sich ein weiterer Faktor hinzu: der der Unstrukturiertheit. Doch es dauert nicht lange bis klar wird: dies ist genau so beabsichtigt, schließlich soll ein Gefühl für die ‚Bedrohung‘ und die nun gesellschaftliche Unübersichtlichkeit entstehen. Bis hier ist dem Film also noch wenig vorzuwerfen – doch dann folgt der Wurf ins kalte Wasser. Oder sollte man eher sagen, ins lauwarme ? Denn was die Hauptcharaktere nun an Hektik und Fluchtwillen hinter sich lassen, mündet in einer unendlich desolaten Eintönigkeit. Einmal im Kaufhaus angekommen, zeigen sich die Charaktere (unpassenderweise) nicht gerade von ihrer ‚lebendigen‘ Seite – was zu auffällig vielen unfreiwillig komischen Situationen führt. Gesetzt dem Fall die beschriebene Planlosigkeit und Nicht-Emotionalität (mit all den unmotivierten Handlungen, starren Gesichtern und Leerlaufzeiten) gehört zum Konzept des Films – hätte man selbigen unbedingt um einige Minuten kürzen müssen. In der ungeschnittenen Fassung beläuft sich die Spieldauer nämlich auf gut zweieinhalb Stunden – man wird sich unweigerlich die Frage stellen, wofür soviel Zeit benötigt wird. Der Plot, sofern es einen gibt neben dem grundsätzlich Plot-unabhängigen Überlebenskampf – kommt nicht voran, es gibt kaum Wendungen oder Überraschungen; generell wird dem Zuschauer auffällig wenig geboten wenn es bei Dawn Of The Dead um die Existenz als Medium ‚Film‘ geht.

So stellt sich die ‚ungeschnittene‘ Fassung zugleich als kleine Mogelpackung heraus – zwar hält sich der Gewaltgrad nicht gerade in Grenzen wenn es dann einmal so weit ist – doch die wirklich ‚bedenklichen‘ Szenen lassen sich an einer Hand abzählen. Man erhält lediglich weitere Minuten an Laufzeit – nicht jedoch an Inhalt. Etwas unpassend erscheinen auch die mitunter auffälligen und nervigen Logik-Löcher und Filmfehler, gepaart mit einer nicht-Nachvollziehbarkeit einzelner Charaktermotivationen (warum bei Zombies zögern, dafür aber noch lebende Menschen kaltblütig ermorden ?) oder ausgeführten Handlungen (die länglichen und recht sinnfreien Szenen mit den Lastwagen). Der bereits erwähnten Emotionslosigkeit zum Trotz haben die Charaktere so manches Mal doch noch einen ‚Heidenspaß‘ – warum, wird allerdings nicht ganz ersichtlich. Da wird dann ein wenig Katz-und-Maus mit den Zombies gespielt, im CB-Funk gespäßelt oder eben ‚eingekauft‘ – alles, nur nicht das was man selber in einer solchen Situationen in den Einkaufskorb packen würde. Des weiteren wird kaum ersichtlich, warum gerade diese Zombies so gefährlich für die Menschheit sein sollten – das mitunter schwerwiegendste Manko des Films. Typischerweise dient ein Biss als Ansteckungsmethode; doch diese Kreaturen sind derart langsam und behäbig unterwegs, dass man, richtig: einfach an ihnen vorbeigehen kann oder sie bei Bedarf schnell weg- oder umschubst. Bis sie wieder aufstehen dauert es dann eben seine Zeit (was nicht erklärt, warum sie später doch noch eine Leiter benutzen können), und wenn es (seltenerweise) doch einmal hart-auf-hart kommen sollte, genügt ein Schuss in den Kopf. Wie… unspektakulär, und irgendwie nicht gerade furchteinflößend.

Sicher ist verständlich, dass man dem technischen Part des Films so gut wie nichts ‚anhaben‘ kann, auch oder gerade nicht aus einer heutigen Sichtweise – dass man dem Film sein Alter durchaus ansieht, war zu befürchten. So gibt es keine nachträglich verbesserte Version, die Bildqualität (besonders in Bezug auf die Schärfe, Helligkeit und Farben) lässt ebenso zu wünschen übrig wie die Klangqualität. Während man in Bezug auf den optischen Gesamteindruck also nur wenig (vergleichsweise) Mittel zur Verfügung hatte und das Ganze nur bedingt ausbaufähig gewesen wäre (durch einen ansprechenderen Kamera-Einsatz beispielsweise), soll und darf ein weiteres Stilmittel allerdings nicht verschont bleiben – richtig, die Filmmusik. Über die Auswahl könnte man noch streiten, auch wenn sich ein Großteil davor grauen wird – nicht jedoch über den wenig dezenten Einsatz. Selten gab es eine Filmmusik, die so aufdringlich und laut in den Vordergrund gestellt wird wie in Dawn Of The Dead – eine oftmals unpassend erscheinende noch dazu. Das letzte Wort gilt den Darstellern, die man in diesen Rollen nicht wirklich ernst nehmen kann – doch daran sind sie selbst nur höchst selten Schuld.

Fazit: Kult ist nicht gleich Kult – kein Film könnte dies besser veranschaulichen als Dawn Of The Dead. Abgesehen von der interessanten Idee und einigen Momenten der Umsetzung bietet dieses 1978’er Werk so gut wie keine Vorzüge – besonders nicht für heutige Verhältnisse. Eine unendliche Monotonie gepaart mit unmotivierten Charakteren und reichlich planlosen Handlungen lassen einen entweder vorzeitig und mental abschalten – oder aber verständnislos die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Eine wesentlich verkürzte Spieldauer hätte vielleicht schlimmeres verhindert – aber so bleibt einem nur das Rätseln. Ein Rätseln darüber, wie der Film von der Presse so gelobt werden konnte, und wieso er nach wie vor einen solch markanten Kultstatus besitzt. Doch gibt es wiederum Filme mit einem ähnlichen Schicksal (Blade Runner – als Gegenbeispiel Odyssee Im Weltall)… es reicht einfach nicht, der erste seiner Art zu sein.