Metal-CD-Review: BEAST IN BLACK – From Hell With Love (2019)

Alben-Titel: From Hell With Love
Künstler / Band: Ancient Bards (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 08. Februar 2019
Land: Finnland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Nuclear Blast

Alben-Lineup:

Máté Molnár – Bass
Kasperi Heikkinen – Guitars
Anton Kabanen – Guitars
Yannis Papadopoulos – Vocals
Atte Palokangas – Drums

Track-Liste:

1. Cry Out for a Hero (03:28)
2. From Hell with Love (03:55)
3. Sweet True Lies (03:27)
4. Repentless (04:02)
5. Die by the Blade (03:15)
6. Oceandeep (05:46)
7. Unlimited Sin (03:34)
8. True Believer (03:28)
9. This Is War (03:39)
10. Heart of Steel (04:23)
11. No Surrender (04:15)
12. Killed by Death (Motörhead cover) (03:52)
13. No Easy Way Out (Robert Tepper cover) (04:05)

Aber bitte mit Schlager… ?

Eigentlich war es noch gar nicht so lange her, dass die Finnen von BEAST IN BLACK ihr letztaktuelles Studiowerk respektive Debütalbum BERSERKER (erschienen Ende 2017, siehe Review) veröffentlicht hatten. Aber wie es eben so ist – hat man die Bestie erst einmal entfesselt, ist sie nicht mehr aufzuhalten. Und so galoppiert die Kreatur, die von Anton Kabanen im Geiste seiner Ex-Band BATTLE BEAST erschaffen wurde; auf zum zweiten großen Gefecht – und das wie schon zuvor mit einer Extraladung Spaß im Gepäck. Ein Spaß, oder eher ein schwermetallischer Überraschungsmoment – der im Falle von FROM HELL WITH LOVE in Form einer Riesenportion bittersüßer Melodien, eines im Gegensatz dazu ebenso energisch wie akrobatisch agierenden Frontmanns und einer nicht zu überhörenden Dosis eines beschwingten 80er Jahre-Flairs durch die Boxen rauscht. Diesbezüglich, und nicht zuletzt aufgrund seiner Zugänglich-, Eingängig- und stellenweise sogar expliziten Charttauglichkeit wird vermutlich auch FROM HELL WITH LOVE die Gemüter erhitzen – und dabei insbesondere jene relativ verdutzt aussehen lassen, die sich nach dem immer wieder mit verschiedenen Marschrichtungen experimentierenden Vorgänger ein etwas härteres Brett gewünscht hätten.

Doch da in Bezug auf die Vielfalt des Genres zunächst einmal – und das ist nicht nur auf den Bereich des Power Metals zu beziehen – so gut wie alles erlaubt sein sollte, lautet das Gebot auch dieses Mal: bevor man das Album nicht zumindest einmal durchgehört hat, gilt in Bezug auf allzu schnellen (vor-)Urteile Vorsicht walten zu lassen. Anders gesagt: auch Skeptikern kann es kaum schaden, sich auf ein Experiment wie FROM HELL WITH LOVE einzulassen – und sich im besten Fall vielleicht sogar bekehrt zu wissen. Schließlich muss man den Finnen eines in jedem Fall lassen: sie verstehen ihr Handwerk, und rein musikalisch – also etwa in Bezug auf das Songwriting, das Instrumentenspiel, den Leadgesang oder die Produktion – ist ihnen nichts vorzuwerfen. Nur eben eventuell, und das ist der Knackpunkt; in Bezug auf die dieses Mal noch prägnanter als schon auf BERSERKER ausfallenden, man nenne sie einmal schlicht besonderen BEAST IN BLACK-Elemente. Und die sind dieses Mal wirklich überall auf dem Album verstreut: seien es die fast schon tanzbaren Rhythmen, elektronischen Keyboardeskapaden und Mitsing-Refrains in FROM HELL WITH LOVE, SWEET TRUE LIES, DIE BY THE BLADE und UNLIMITED SIN; sei es der hympnotisch-säuselnde (und dabei abermals die ganze Bandbreite von Leadsänger Yannis Papadopoulos fordernde) Gesang in der Ballade OCEANDEEP, das feucht-fröhliche NO SURRENDER oder das zumindest gefühlt eine gewisse Parallele zu KUNG FURY (und damit auch David Hasselhoff) ziehende TRUE BELIEVER – FROM HELL WITH LOVE kann vieles, nur nicht langweilig werden.

Andererseits, und gerade wenn man denkt dass das insgesamt betrachtet vielleicht doch etwas wenig ist; vernachlässigen BEAST IN BLACK niemals ihre schwermetallische Komponente – wobei sich insbesondere die die nötige Härte oder eher Kante liefernde Performance von Yannis Papadopoulos sowie die auch mal etwas furioseren Gitarrensoli hören lassen. Zudem es auch einige Titel gibt die einen etwas anderen Weg gehen als die bereits als Singles veröffentlichten Schunkel-Stampfer – wie etwa das schön kräftige, leicht symphonisch angehauchte REPENTLESS, das dezent an SABATON erinnernde THIS IS WAR oder das wirklich gut getroffene MOTÖRHEAD-Cover KILLED BY DEATH. Positiv hervorzuheben ist auch, dass der von Máté Molnár (Ex-WISDOM) gespielte Bass nicht im Mix untergeht – und so ebenfalls die nötige Aufmerksamkeit erhalten kann. Ein allzu unausgewogenes oder Sound-technisch sonst irgendwie prekäres Album kann man hier also nicht erwarten – eher ein etwas anderes, frisches; ja schlicht einzigartiges.

Sicher muss man ein Album wie FROM HELL WITH LOVE – oder auch den zunächst vielleicht nicht ganz eindeutigen Gesamteindruck – schon etwas sacken lassen. Letztendlich aber kann man sich kaum des Gefühls erwehren, dass sich das was BEAST IN BLACK hier fabriziert haben problemlos einen gewissen Kultstatus sichern könnte. Ob das Album dabei besser ist als der Vorgänger BERSERKER muss ein jeder für sich selbst entscheiden, doch für eines der interessanteren Power Metal-Alben – das vielleicht sogar um diesjährige Krone des Genres kämpfen kann – reicht es allemal. Weiter so, BEAST IN BLACK !

Absolute Anspieltipps: SWEET TRUE LIES, REPENTLESS, DIE BY THE BLADE


„Die Bestie ist noch immer hungrig.“

Metal-CD-Review: ANCIENT BARDS – Origine (The Black Crystal Sword Saga Part 2) (2019)

Alben-Titel: Origine (The Black Crystal Sword Saga Part 2)
Künstler / Band: Ancient Bards (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 25. Januar 2019
Land: Italien
Stil / Genre: Symphonic Power Metal
Label: Limb Music

Alben-Lineup:

Martino Garattoni – Bass
Daniele Mazza – Keyboards
Claudio Pietronik – Guitars
Sara Squadrani – Vocals
Federico Gatti – Drums
Simone Bertozzi – Guitars, Vocals (harsh)

Track-Liste:

1. Origine (02:15)
2. Impious Dystopia (05:41)
3. Fantasy’s Wings (04:51)
4. Aureum Legacy (05:42)
5. Light (04:43)
6. Oscurità (06:20)
7. Titanism (05:09)
8. The Hollow (03:31)
9. Home of the Rejects (03:57)
10. The Great Divide (14:48)

Die altehrwürdigen Gesangsbarden schlagen zurück.

Für all jene, die die jüngste Crowdfunding-Kampagne der ANCIENT BARDS beobachtet oder sogar etwas zu ihr beigesteuert haben, mag das Release von ORIGINE (THE BLACK CRYSTAL SWORD SGA PART 2) keine allzu große Überraschung sein – sondern eher ein endlich wahr gewordener, man will nicht sagen: feuchter Traum. Doch auch diejenigen, für die das neue Album der Recken um die stimmkräftige Frontfrau Sara Squadrani eher überraschend daherkommt; dürften sich alles andere als unerfreut zeigen – denn immerhin hat sich die 2006 ins Leben gerufene Combo bereits in der Vergangenheit bewiesen, und gilt wohl spätestens seit dem großartigen zweiten Album SOULLESS CHILD (2011, siehe Review) als waschechter Geheimtipp. Eine diesbezügliche Voraussetzung ist natürlich, dass man sich im allgemeinen für einen vergleichsweise pompös inszenierten Power Metal der explizit symphonischen Spielart sowie einen weiblichen Leadgesang erwärmen kann. Wer hier problemlos Zustimmen kann, hat entweder bereits von den ANCIENT BARDS gehört – oder sollte dringend einiges nachholen. Das gilt insbesondere für die bisherige Diskografie der Italiener, die sich nicht von ungefähr einen der höchsten Wertungsdurchschnitte auf diesem Blog hat sichern können – die entsprechenden Artikel finden sich über das ANCIENT BARDS-Schlagwort.

Die an dieser Stelle entscheidende Frage ist jedoch, wie sich das neue Album ORIGINE schlägt – im direkten Vergleich mit den Vorgängern, aber auch als eines der ersten potentiell hochkarätigen Symphonic Power Metal-Alben des noch jungen Metal-Jahres 2019. Die erste, noch nicht allzu viel vorwegnehmende Feststellung diesbezüglich ist; dass die Italiener im Grunde nicht nennenswert von ihrer ursprünglich eingeschlagenen Marschrichtung abweichen – und auch auf ihrem mittlerweile vierten Album ein symphonisches Festmahl servieren. Ein Festmahl, welches in Bezug auf das kontinuierlich fortgesetzte inhaltliche Konzept, die handwerklichen Leistungen der Mitglieder und weitere Faktoren wie etwa die Abmischungs- und Produktionsqualität keinerlei Wünsche offen lässt – und zumindest in dieser Hinsicht ganz locker an die guten bis hervorragenden Vorgänger anschließen kann. Auch die hie und da doch noch eingestreuten neuen Elemente, wie etwa die erstmals auf einem ANCIENT BARDS-Album eingefügten aggressiveren Gesangselemente (die stammen von Simone Bertozzi) fügen sich relativ nahtlos in das Konzept ein – und sollten selbst von denjenigen, die im allgemeinen wenig mit den damit verbundenen härteren Metal-Subgenres anfangen können; als nettes Atmosphäre-Schmankerl angenommen werden.

Im Zusammenspiel mit den ohnehin seit jeher hoch gehaltenen Trademarks der Band, versteht sich – wie etwa den sich schön wuchtig anfühlenden Chorgesängen, den perfekt in Szene gesetzten symphonischen Elementen, dem unverkennbaren Leadgesang von Sara Squadrani, und ja; auch den glücklicherweise noch immer nicht zu kurz kommenden Soli-Parts. Sehr schön in diesem Zusammenhang ist, dass sich hier auch der Bassist Martino Garattoni verausgaben kann – was die Laune noch einmal hebt, und Nummern wie den Opener IMPIOUS DYSTOPIA zu einem absoluten Selbstläufer macht. Und doch gibt es etwas – und das ist im Falle der ANCIENT BARDS durchaus ein Novum – was dem Album eher zum Nachteil gerät. Denn während man über Dinge wie die gewöhnungsbedürftige Erzählstimme im Intro (das ohne selbige weitaus besser geklungen hätte) noch hinwegsehen kann, stellt sich mit spätestens mit Titeln wie FANTASY’S WINGS, AUREUM LEGACY, LIGHT und OSCURITA heraus, dass die Italiener dieses Mal offenbar nicht ganz aus dem (musikalischen )Vollen schöpfen. Und das gilt in mindestens zweierlei Hinsicht, oder anders gesagt: es ist schade, dass ORIGINE eindeutig mehr Balladen oder zumindest balladeske Strömungen enthält als anderes – und dass es sich bei selbigen auch noch um eher zu vernachlässigende und emotional nicht wirklich zündende Momente handelt, macht es nicht viel besser.

Dabei hatten die ANCIENT BARDS doch selber vorgemacht, wie es geht – mit einer perfekten Symbiose aus eher balladesken und umso temporeicheren, kräftigeren Momenten; wie etwa auf dem Vorgänger A NEW DAWN ENDING. Diese Form der Abwechslung fehlt auf ORIGINE, was noch lange nicht heißt dass es sich um ein schlechtes Album handelt – doch mit der Größe und schieren Erhabenheit der Vorgänger kann es schon einmal nicht konkurrieren. Auch, da sich die neuerdings eingestreuten aggressiven Gesangsbeigaben doch noch negativ bemerkbar machen – wie etwa in OSCURITA, dass sich in Bezug auf das Wechselspiel von weichen und harten Elementen einfach nicht harmonisch anfühlt. Ja, selbst potentiell schmackige Hymnen wie TITANISM klingen letztendlich deutlich weniger spektakulär, als es möglich gewesen wäre – wobei es schwer ist festzumachen, woran genau das liegen könnte. Über einen Titel wie THE HOLLOW braucht man dagegen gar nicht erst zu reden – derartiges Füllmaterial (und das auch noch mit relativ forciert klingenden Chören) hat inmitten eines Albums nichts zu suchen. Immerhin: mit dem überlangen Rausschmeißer THE GREAT DIVIDE können die Italiener noch einmal ordentlich punkten.

Schlussendlich aber kann ORIGINE die hohen, vielleicht ja auch schlicht zu hohen Erwartungen leider nicht ganz erfüllen – und bleibt insgesamt betrachtet relativ deutlich hinter den guten bis hervorragenden Vorgängern zurück. Hat man diese nicht gehört, könnte sich durchaus ein etwas positiveres Hörerlebnis einstellen – doch im Sinne eines der besten Power Metal-Alben des Jahres 2019 wird es dieses Mal wohl nichts werden.

Absolute Anspieltipps: IMPIOUS DYSTOPIA, TITANISM, THE GREAT DIVIDE


„Kein schlechtes Album – nach den deutlich besseren Vorgängern aber ein herber Rückschlag.“

Metal-CD-Review: IN VICTORY – Uplifting Metal (EP, 2019)

Alben-Titel: Uplifting Metal (EP)
Künstler / Band: In Victory (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 04. Januar 2019
Land: Schweden
Stil / Genre: Symphonic Power Metal
Label: Keins / Independent

Alben-Lineup:

Jimmy Mattsson – Bass
Topias Kupiainen – Drums
Mattias Lindberg – Vocals
V M-M – Guitars

Track-Liste:

1. You Are the One (03:41)
2. Hymn of Absolute Glory (03:57)
3. Our Way (03:35)

Das hebt die Laune – nicht nur von königlichen Hofnarren.

Nanu, wen oder was haben wir denn da ? Mit IN VICTORY präsentiert sich dem geneigten Power Metal-Konsumenten eine augenscheinlich taufrische Genre-Band aus dem hohen Norden, die mit der vorliegenden EP UPLIFTING METAL ihre erste kurze Werkschau vorlegt. Was man nicht auf den ersten Blick sieht ist, dass die Schweden eigentlich schon seit 2013 unterwegs sind – und bereits einige kleinere Veröffentlichungen an den Start gebracht haben. Dennoch könnte man in diesem Fall durchaus von einer Neugründung, oder eher einer zukunftsorientierten Reaktivierung sprechen – den immerhin scheint sich das angestammte Band-Mastermind Victor Gonzales alias V-M-M erst kürzlich (und das explizit gen Norden) aufgemacht zu haben, um eine neue Schar an Mitgliedern zu rekrutieren. Neben dem aus Schweden stammenden Jimmy Mattsson (PLANET RAIN, ex-LOCH VOSTOK) und dem aus Finnland dazugestoßenen TOPIAS KUPIAINEN (ARION) findet sich so auch eine echte Überraschung im neu aufgestellten Lineup – schließlich hätte wohl niemand damit rechnen können, dass ausgerechnet Mattias Lindberg (ROYAL JESTER) die Vocals übernimmt.

Immerhin hatte sich der Sänger nach den Aufnahmen zum ROYAL JESTER-Debütalbum NIGHT IS YOUNG (siehe Review) und seiner Mitwirkung bei REINXEED (hier interessanterweise am Bass) aus der Szene zurückgezogen. Nun aber, und analog zum kürzlich erschienenen zweiten ROYAL JESTER-Albums BREAKING THE CHAINS (Review) scheint es der Schwede noch einmal wissen zu wollen – und gibt folglich auch im Rahmen der insgesamt drei Titel der EP UPLIFTING METAL den Ton an. Die damit verbundene Besonderheit folgt sogleich, denn: über das wie seiner Darbietung könnte man durchaus streiten. Anders gesagt: am Gesang des Schweden könnten, nein werden sich die Geister scheiden – wobei man tatsächlich auch hinreichend Argumente für die eine oder andere Seite finden könnte. So scheint der Sänger tatsächlich dezente Probleme mit der richtigen Aussprache und Intonation zu haben – was insbesondere beim Auftakt zur (übrigens passend betitelten) HYMN OF ABSOLUTE GLORY auffällt. Und auch an das des öfteren vorkommende Changieren zwischen tieferen und höheren Gesangslagen muss man sich vielleicht erst gewöhnen.

Andererseits – und glücklicherweise überwiegt die hier gemeinte Gegenseite – ist es schlicht eine willkommene Abwechslung, einen technisch vielleicht nicht ganz perfekten Leadsänger auf die Lauscher zu bekommen. Einen, der dafür umso mehr hinter seiner Performance steht, sie mit dem nötigen Nachdruck und der nötigen Glaubwürdigkeit versieht – und es so erst Recht schafft, dass man ihm gerne zuhört. Zumal, und das muss man ihm lassen; nichts wirklich schief klingt – oder so, dass es gewisse Schmerzen verursachen könnte (wie etwa bei der neuesten Scheibe von TALES OF GAIA). Vielleicht findet sich der passende Ausdruck für dieses stimmliche Phänomen am ehesten im englischen, oder anders gesagt: wenn jemand eine perfect imperfection lebt (und mit der Hörerschaft teilt), dann ist es Mattias Lindberg. Selbstverständlich geht es auf UPLIFTING METAL aber nicht nur um den Gesang – auch wenn der das auffälligste Merkmal ist. Nein, auch Bezug auf die Kompositionen und die Inszenierung des explizit symphonisch angehauchten Sounds haben IN VICTORY einiges interessantes anzubieten – was sich bereits beim Opener YOU ARE THE ONE bemerkbar macht, und spätestens in der tatsächlich absolut hymnischen HYMN OF ABSOLUTE GLORY entfesselt wird.

Seien es die rhythmisch-furiosen Gitarren, der prägnante Sound der Drums, der Bass oder die gut platzierten Keyboard-Elemente – man merkt in diesem Fall schnell, dass einiges an Erfahrung (und natürlich auch Können) investiert wurde. Und vor allem auch, dass das Vorhaben auch im letztendlichen Mix recht gut aufgeht. Gut, den Bass hätte man vielleicht noch etwas vordergründiger platzieren können – doch davon abgesehen gibt es kaum etwas zu mäkeln. Im Vergleich zu einstweilen ähnlich hymnisch agierenden Bands wie etwa TWILIGHT FORCE klingen IN VICTORY jedenfalls recht kernig – was aufzeigt, dass auch ein symphonischer Power Metal einiges an Bumms mitbringen kann. Wenn, ja wenn man es denn nur richtig macht. Übrigens, wenn man schon eine Band wie TWILIGHT FORCE zu hier durchaus angebrachten Vergleichszwecken zurate zieht (man lausche nur einmal dem Solo in OUR WAY), so müsste man noch mindestens eine weitere hinzuziehen: CAIN’S OFFERING. Schließlich haben auch IN VICTORY eine durchaus nennenswerte emotionale Komponente (speziell bei YOU ARE THE ONE), die das Ganze mit einem gewissen Tiefgang garniert.

Neben der schieren Wirkungskraft der Kompositionen, dem ebenso ungewöhnlichen wie charmanten Leadgesang und dem Talent der einzelnen Mitglieder ist es so eben jene spezielle Fusion aus hymnisch-schmetternden (und manchmal auch etwas verspielten) symphonischen Klängen und einer dennoch vergleichsweise tief schürfenden emotionalen Ausstaffierung, die IN VICTORY zu etwas ganz besonderem macht. Oder eher: zu etwas ganz besonderem machen könnte, sollte noch ein vollwertiges Album folgen. Dies wäre der Combo – und natürlich auch der Hörerschaft – allemal zu wünschen.

Absolute Anspieltipps: YOU ARE THE ONE, HYMN OF ABSOLUTE GLORY, OUR WAY


„Sicher könnte man hier und da Verbesserungsvorschläge machen – letztendlich aber überwiegt das Verlangen nach noch mehr Material der Marke IN VICTORY; womit die EP ihre Daseinsberechtigung allemal erfüllt hat.“

Metal-CD-Review: FIONN LEGACY – Knights Of The Sky And Wind (2018)

Alben-Titel: Knights Of The Sky And Wind
Künstler / Band: Fionn Legacy (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 25. November 2018
Land: Mexiko
Stil / Genre: Symphonic Power Metal
Label: Keins / Independent

Alben-Lineup:

J.P Mask – Composer, Lyrics
Rodrigo Espinosa – Lead Vocals
Vitor Veiga – Guest Vocals
Lean van Ranna – Guest Vocals

Track-Liste:

1. Star Tales (01:07)
2. Knights of the Sky and Wind (04:49)
3. Valley of the Lyzards (04:05)
4. Spirit of Dryads (05:54)
5. The Traitor (05:26)
6. The Last Battlecry (07:23)
7. The Fall of a Hero (04:03)

Hier sind sie, die mexikanischen Nachwuchs-Ritter.

In der Tat, und ohne etwas über die qualitativen Merkmale des zu behandelnden Liedguts vorwegzunehmen: eigentlich hat man von einem Release wie KNIGHTS OF THE SKY AND WIND nur träumen dürfen. Immerhin scheint die Band schon vor längerer Zeit gegründet worden sein, ohne dass es jemals zu einem wirklich handfesten Lebenszeichen kam. So lag es eigentlich nur an einer einzigen auf Youtube veröffentlichten Single (VALLEY OF THE LIZARDS, siehe Link) lag, dass man überhaupt etwas von der potentiell hochkarätigen Power Metal-Combo aus Mexiko mitbekommen hat. Nun aber scheint das Projekt des hiesigen Band-Masterminds J.P. MASK langsam aber sicher Gestalt anzunehmen – und zwar in Form des ersten offiziellen Albums KNIGHTS OF THE SKY AND WIND. Leicht überraschend ist, dass es lediglich 7 Titel bei einer knappen Gesamtspielzeit von gut 32 Minuten enthält – oder eher 6, zumindest wenn man das ebenso kurze wie grundsätzlich zu vernachlässigende instrumentale Intro STAR TALES ausklammert. Natürlich erhöht das den Druck, und das in einem nicht ganz unerheblichen Maße – schließlich hat die Band so nicht viel Zeit, den Hörer von sich und dem hoffentlich vorhandenen Können zu überzeugen.

Bevor es soweit ist kommt es allerdings zu einer weiteren, sich nicht zwangsläufig positiv auswirkenden Besonderheit: es sind insgesamt 3 Sänger vertreten. Immerhin, Rodrigo Espinosa gehört der Stammbesetzung der Band an – doch Vitor Veiga (unter anderem bekannt als ex-Sänger von AQUARIA) und Lean van Ranna sind lediglich als Gastsänger geladen. Dies im Zusammenspiel mit der Tatsache, dass offenbar auch an der Instrumentenfront einige sogenannte Session-Musiker verpflichtet wurden; lässt die aktuellen FIONN LEGACY eher nicht wie eine vollwertige Band wirken – sondern wie ein zwar fleischgewordenes, aber eben noch nicht vollständig ausgereiftes Konzept. Das trifft im übrigen auch auf das letztendlich feilgebotene musikalische Material zu – das ebenfalls einen dezent unfertigen Eindruck hinterlässt. Sicher, grundsätzlich gehen die 6 Titel allesamt als solide Power Metal-Nummern durch – die dazu noch einen angenehmen Hang zum symphonischen haben und wie im Opener und Titeltrack KNIGHTS OF THE SKY AND WIND mit dem nötigen Nachdruck versehen wurden. Ja, FIONN LEGACY haben sogar extra einen eigenen kleinen Chor gegründet – der vor allem in den Refrains, hie und da aber auch in den Strophen zu hören ist.

Das klingt alles recht gut und ist es auch – aber eben (noch) nicht mehr. Sollten FIONN LEGACY wirklich in der Power Metal-Szene mithalten wollen, und das auch auf internationaler Ebene inklusive aller sich daraus ergebenden Vergleichsmöglichkeiten; werden sie noch an der ein oder anderen Schraube drehen müssen. Es beginnt damit, dass die sich auf den allgemeinen Sound des Albums auswirkenden Ergebnisse aus der Warte der Aufnahme, Abmischung und Produktion längst nicht perfekt sind (auch wenn man das von einer Independent-Produktion nicht unbedingt erwarten kann), zieht sich über den nicht gerade herausragenden und manchmal sogar explizit schief klingenden Leadsänger Rodrigo Espinosa – und mündet in der Tatsache, dass auch in Bezug auf die Instrumente noch einiges gehen könnte. Das gilt vor allem für das etwas zu dröhnend klingende, sonst aber eigentlich recht unspektakuläre SPIRIT OF DRYADS mit dem Gastauftritt von Vitor Veiga – und andererseits auch für das im direkten Vergleich absolut überladene THE TRAITOR; bei dem die Symbiose aus dem relativ grellen Gesang, dem laut scheppernden Schlagzeug und den so gesehen schwer zu verdauenden Elementen seitens des Keyboards (und des Chores) einfach nicht aufgeht.

Schlussendlich: für eine erste offizielle Werkschau eignet sich KNIGHTS OF THE SKY AND WIND durchaus, doch zu einem Dauerbrenner oder Geheimtipp kann es aufgrund der eben genannten Aspekte nicht avancieren. Freunde eines eher klassischen Power Metals der frühen 2000er Jahre sollten ruhig mal einen Blick riskieren, und wer weiß – vielleicht schaffen es FIONN LEGACY ja auf einem potentiellen zweiten Album, vollends zu überzeugen. Da dürften es dann auch gerne noch mehr Titel vom Schlage eines dezent an THY MAJESTY erinnernden THE LAST BATTLECRY sein – mit dem nötigen, noch nachzuholenden Feinschliff versteht sich.

Absolute Anspieltipps: KNIGHTS OF THE SKY AND WIND, VALLEY OF THE LIZARDS, THE LAST BATTLECRY


„Auch wenn der Held des Cover-Artworks bereits abgehoben ist – da ist noch ordentlich Luft nach oben.“

Metal-CD-Review: RUNELORD – The Battle For Greatness (2018)

Alben-Titel: The Battle For Greatness
Künstler / Band: Runelord (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 04. Dezember 2018
Land: Schweden
Stil / Genre: Heavy / Power Metal
Label: Keins / Independent

Alben-Lineup:

Ced – All instruments
Georgy Peichev – Vocals

Track-Liste:

1. Worthy Valhalla (03:45)
2. Temple of Vitalism (05:42)
3. Nidhuggs Curse (04:41)
4. Heimdall the Wizard (04:23)
5. Salvation Aggression (04:57)
6. Cunning Man (03:26)
7. Lightning-sword Bearer (03:56)
8. Frampärk Champions (03:21)
9. Age of Necromancy (05:09)
10. Deathrune (05:53)

Kampfansagen wie diese werden einfach niemals alt.

Nanu, was ist denn da los ? Gerade einmal 8 Monate, nachdem die schwedischen Power Metaller von RUNELORD ihr erstes offizielles – und dabei keinesfalls zu verachtendes – Studioalbum A MESSAGE FROM THE PAST veröffentlicht haben (siehe Review); folgt mit dem heute zu Rezensionszwecken vorliegenden THE BATTLE FOR GREATNESS auch schon der zweite Langspieler aus der hiesigen Metal-Schmiede. Einer Schmiede, die eigentlich nur aus zwei Mitgliedern besteht – die trotz der noch frischen Bandgründung von RUNELORD alles andere als Newcomer sind. Der ebenso markant agierende wie stimmkräftige Leadsänger Georgy Peichev etwa ist sonst in eher härteren Gefilden unterwegs, und singt schon seit einigen Jahren in den Thrash-Metal-Combos MOSH-PIT JUSTICE und THE OUTER LIMITS – und der bei RUNELORD überraschenderweise für alle Instrumente verantwortliche Ced (eigentlich: Cederick Forsberg) ist ein wahres Multitalent, wenn es um die Mitwirkung bei diversen anderen Combos geht. Dies gepaart mit der Tatsache, dass RUNELORD eine eher retrospektiv orientierte Combo mit einem Hang für die frühen Jahre des Heavy Metal sind; sollte eigentlich einen entsprechend angenehmen Musikgenuss garantieren.

„We are true to gods of religion, always fought for heathendom, knowing wisdom – carving runes.“

Und genau das ist – glücklicherweise – auch der Fall. Bekanntlich war schon das Debütalbum alles andere als von schlechten Eltern, und auch auf THE BATTLE FOR GREATNESS legen die beiden hauptverantwortlichen Musiker ordentlich los. Interessanterweise scheint es dabei kaum eine Rolle zu spielen dass zwischen den beiden Alben erst wenige Monate liegen: RUNELORD haben offenbar ausreichend Ideen in Petto, um sich nicht vorschnell zu wiederholen. So erwartet den Hörer auch dieses Mal ein klassisch angehauchter, eher gradliniger und explizit auf den Sound der Gitarren und die Stimme des Leadsängers Georgy Peichev ausgelegter Metal der guten alten Schule – was unter anderem auch den Wegfall eines Keyboards sowie eine deutlichere Präsenz des Bass beinhaltet. Im Zusammenspiel mit der ordentlichen Produktion entsteht so schnell das Gefühl einer, man nenne es urtümlichen Schroffheit – und durchaus auch Ehrlichkeit. Anders gesagt: das, was RUNELORD hier unter anderem auf dem Cover-Artwork versprechen, wird auch im musikalischen Sinne eingehalten. Und das ohne, dass man allzu vorhersehbare Elemente erwarten müsste; wovor andere Combos mit einem entsprechenden Fantasy-Bezug bekanntlich eher selten Halt machen. Sicherlich, auch RUNELORD haben einiges für das Genre absolut typisches im Gepäck; vor allem was die Textinhalte betrifft – aber in diesem Fall fällt dies dank einer entsprechend gut konstruierten Verpackung nicht allzu sehr auf.

„Throughout every land, men takes a stand, blessed by the gods of the universe
With minds of metal and nerves of steel, we ride into battle, we know what is real.“

Und gerade deshalb kann ein Album wie THE BATTLE FOR GREATNESS durchaus – und im wahrsten Sinne des Wortes – mächtig klingen. Hauptsächlich dafür verantwortlich dürfte das höchst gelungene Songwriting sein, dass einen jeden einzelnen Titel sowohl enorm stilsicher erscheinen als auch mit reichlich Abwechslung daherkommen lässt – und in den richtigen Momenten (wie etwa im beschwingten NIDHUGG’S CURSE) auch eine gewisse Hymnen-Tauglichkeit nicht vermissen lässt. Wem selbst das (noch) nicht reicht, der könnte sich eventuell am relativen Schunkel-Potential von Nummern wie HEIMDALL THE WIZARD erfreuen – das dezent an BLIND GUARDIAN erinnert, und trotz aller verspielten Elemente einer gewissen Grundhärte nicht entbehrt. Doch natürlich ist auch ein Album wie THE BATTLE FOR GREATNESS nicht gänzlich vor Schwächen gefeit. Das allein in rhythmischer Hinsicht höchst gewöhnungsbedürftige SALVATION AGGRESSION etwa macht keine wirklich gute Figur – und auch in gesanglicher Hinsicht hätte es ruhig noch etwas mehr Abwechslung (oder vielleicht auch Vielfalt) geben dürfen. Irgendwann könnte man sich was die Stimme von Georgy Peichev betrifft schließlich dezent sattgehört haben, oder anders gesagt: so markant er auch tönt, aufregende Stimm-Spagate klingen anders.

„We bring the Deathrune, total dominion, from the past, runic heavy metal forever.“

Power Metal-Konsumenten, die auf der Suche nach einem musikalisch nicht ganz so ausschweifenden und ebenso ehrlich wie bodenständig klingenden Fantasy-Album mit einem vergleichsweise unverwechselbaren Leadgesang sind; sollten aber in jedem Fall einmal genauer hinschauen – und den Recken von RUNELORD eine Chance geben.

Absolute Anspieltipps: WORTHY VALHALLA, NIDHUGG’S CURSE, HEIMDALL THE WIZARD, FRAMPARK CHAMPIONS


„Auch im überraschend schnell nachgelegten zweiten Anlauf geht das Konzept auf.“