Filmkritik: „Wunder Einer Winternacht – Die Weihnachtsgeschichte“ (OT: Joulutarina, 2007)

Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Originaldrehbuch
Regie: Juha Wuolijoki
Mit: Hannu-Pekka Björkman, Ville Virtanen, Otto Gustavsson u.a.
Land: Finnland
Laufzeit: ca. 83 Minuten
FSK: ab 6 freigegeben
Genre: Drama, Abenteuer
Tags: Weihnachten | Weihnachtsmann | Weihnachtsfest | Santa Claus

Es könnte sich so zugetragen haben – so, oder so ähnlich…

Inhalt: Der in einem kleinen Dorf in Lappland aufwachsende Nikolas hat wahrlich kein leichtes Schicksal. Nachdem seine Eltern und seine Schwester auf tragische Weise ums Leben gekommen waren, streiten sich die Dorfbewohner darum, wer fortan die Fürsorge für den kleinen Jungen übernehmen würde. Oder eher könnte – schließlich leben die Bewohner in einfachen Verhältnissen und haben teilweise schon Schwierigkeiten, ihre eigenen Familien durchzubringen. So einigt man sich kurzerhand darauf, Nikolas nur für jeweils ein Jahr bei einer Gastfamilie leben zu lassen – wobei er alle Dorfbewohner näher kennenlernt und viele Freunde findet. Zum Dank schnitzt er den Kindern der jeweiligen Familie am Ende eines jeden Jahres opulente Holzfiguren, die er ihnen aber nicht direkt übergibt – sondern heimlich vor die Tür legt. Doch als bald darauf der kauzige Händler Iisakki Interesse an Nikolas und seiner Arbeitskraft anmeldet, gerät Nikolas‘ jährliches Vorhaben in Gefahr. Und tatsächlich: als er in der Werkstatt des offensichtlich verbitterten Mannes ankommt, scheint ihn dieser nur als Handlanger für niedere Aufgaben zu benötigen – wobei er ihm außerdem verbietet, weiter an seinen geliebten Holzfiguren zu arbeiten…

Kritik: Weihnachtsfilme, die ausnahmsweise mal nicht aus den Untiefen Hollywoods stammen; sieht man im allgemeinen viel zu selten. So muss man schon etwas Glück haben, um über einen Film wie WUNDER EINER WINTERNACHT zu stolpern – der eigentlich auf den Namen JOULUTARINA horcht und vom finnischen Regisseur und Produzenten Juha Wuolijoki stammt. Belohnt wird man dabei gleich in mehrerlei Hinsicht: die Geschichte wird insgesamt eher ruhig und vergleichsweise ungekünstelt erzählt, es gibt ausreichend Platz für allerlei interessante zwischenmenschliche Untertöne; und die technisch-handwerkliche Komponente macht mit dem netten Setdesign, der stimmigen Schauplatzwahl sowie nicht zuletzt den wunderbar atmosphärischen Landschaftsaufnahmen ordentlich was her. Die größte Stärke von JOULUTARINA aber ist die anberaumte Erzählstrategie, die ihre Wirkung keinesfalls verfehlt – und das auch ohne einer Zuhilfenahme des schon eher als typisch zu bezeichnenden Soundtracks, der aber glücklicherweise nicht flächendeckend eingesetzt wird. So ist der Film zum einen als relativ zeitloses Porträt zu verstehen, wobei sich stets nur erahnen lässt wann und wo genau sich das Ganze zugetragen haben könnte – und zum anderen erweist sich die Entscheidung, die Geschichte als ein ganzes Leben abdeckende Erzählung zu inszenieren; als äußerst glückliche Entscheidung. Das Gefühl einer (emotionalen) Bedeutung wird also weniger aus einer Ansammlung potentiell kitschiger Bilder oder anderen zielführenden, zumeist aber eben reichlich prätentiösen Stilmitteln generiert – sondern schlicht und ergreifend aus dem sich durchaus auf den Zuschauer übertragenden Gefühls heraus, dass es sich um die Darstellung eines Lebenswerks handelt. Ob um ein mehr oder weniger bedeutsames, dass muss ein jeder für sich selbst entscheiden – aber das durch und durch annehmbare Angebot ist gemacht. Wäre man mit dem pompösen Ende nicht doch noch ein wenig über das Ziel hinausgeschossen, wäre sogar noch mehr drin gewesen.

Bilder / Promofotos / Screenshots: © KSM GmbH

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„Ein gut gemachter, angenehm anrührender Weihnachtsfilm.“

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Filmkritik: „Die Rote Schildkröte“ (OT: La Tortue Rouge, 2016)

Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Originaldrehbuch
Regie: Michael Dudok De Wit
Mit: Tom Hudson, Barbara Beretta u.a.
Land: Frankreich, Belgien, Japan
Laufzeit: ca. 81 Minuten
FSK: ab 0 freigegeben
Genre: Animation, Drama, Abenteuer, Fantasy
Tags: Schildkröte | Einsame Insel | Familie | Natur | Einklang | Schicksal

Seenot mal anders.

Inhalt: Als sich ein Schiffbrüchiger mit Ach und Krach auf eine einsame Insel irgendwo in den Weltmeeren retten kann, versucht er bald daraufhin alles um seiner misslichen Lage zu entgehen. Doch was er auch anstellt, es gelingt ihm einfach nicht die Insel zu verlassen – wobei es lange unklar bleibt, wer oder was dafür verantwortlich sein könnte. Eines Tages jedoch kann er einen Blick auf jene Kreatur erhaschen, die mit seinem Scheitern direkt in Verbindung zu stehen scheint – eine riesige rote Schildkröte. Auch wenn er nicht genau weiß wie sie seine Flucht hat verhindern können, dreht er das Tier kurz darauf wutentbrannt auf den Rücken – und lässt es zum Sterben in der prallen Sonne liegen. In der darauf folgenden Nacht plagen ihn jedoch Alpträume, und er setzt alles daran die Schildkröte doch noch zu retten. Ob es dafür bereits zu spät ist oder nicht, wird sich erst noch zeigen…

Kritik: Nein – man braucht nicht viel, um einen anständigen Animationsfilm auf die Beine zu stellen. Zumindest nicht, wenn man eine entsprechende inhaltliche Vision vor sich hat und die Gelegenheit erhält, sich in Bezug auf die technische und vor allem visuelle Komponente auf die Mitarbeit bereits erfahrener Veteranen verlassen zu können. Ungefähr hat es sich auch im Falle von LA TORTUE ROUGE ereignet, einem vom niederländischen Drehbuchautor und Trickfilmregisseur Michael Dudok De Wit erdachten; letztendlich auf multinationaler Ebene umgesetzten Projekt – das von niemand geringerem als ToshioSuzuki, dem Vorsitzenden des japanischen Studio GHIBLI (unter anderem verantwortlich für Anime-Meileinsteine wie PRINZESSIN MONONOKE, siehe Review) produziert wurde. Gesetzt dem Fall dass man hat schon einmal einen Blick auf die liebevollen zeichnerischen Welten des berühmten Studios hat werfen können, sieht man das auch direkt – wofür es nicht erst die spezielle Darstellung der kleinen Krabben braucht, die dezent an die sogenannten Rußmännchen aus MEIN NACHBAR TOTORO (Review) oder CHIHIROS REISE INS ZAUBERLAND (Review) erinnern.

Dementsprechend fällt es einem Film wie LA TORTUE ROUGE auch entsprechend leicht, den Zuschauer schnell mit seinen in sich stimmigen, trotz der relativen Kargheit des Inselschauplatzes detailreichen Bildern für sich zu gewinnen – wobei man sich speziell an die extrem minimalistisch gestalteten Gesichter und Animationen der Charaktere erst noch gewöhnen muss. Insgesamt aber sieht der Film recht gut bis stellenweise sogar atemberaubend aus – und der gefühlvolle Soundtrack fügt sich perfekt in die Abfolge der alles andere als hektisch aneinandergereihten Naturaufnahmen der Insel samt Umgebung ein. Was bleibt, ist die Frage nach der inhaltlichen Komponente – der im Falle von LA TORTUE ROUGE durchaus auch einige Besonderheiten innewohnen. So hat sich Michael Dudok De Wit etwa dazu entschlossen, für die gesamten 80 Minuten des Films auf jegliche Dialoge zu verzichten – was allemal ungewohnt ist, sich durch die dennoch vorhandenen Gesten, Laute und Interaktionen der Charaktere aber nicht negativ oder gar auf das Verständnis auswirkt.

Schließlich sollte das, was dem Zuschauer nach einem zugegebenermaßen noch etwas zähen Auftakt als Geschichte präsentiert wird; für jedermann verständlich sein – bedient sich Michael Dudok De Wit doch eigentlich nur an der absoluten Basis. In diesem Zusammenhang – und dies verbindet LA TORTUE ROUGE wiederum mit vielen anderen GHIBLi-Filmen – steht nicht weniger als die Natur selbst im Mittelpunkt der Erzählung, und das auf eine ebenso beruhigende wie spannende und inspirierende Art und Weise. Der Mensch selbst spielt hier nur eine eher untergeordnete Rolle, ebenso wie die mystisch-fantastische Komponente in Form der titelgebenden Schildkröte – die ihre Wirkung dennoch nicht verfehlt und einen großen Teil zur bemerkenswerten emotionalen Ebene des Films beiträgt. Die eigentliche Überraschung des Films ist demnach, dass er es trotz seiner relativen Zurückhaltung in Bezug auf die inhaltlichen und optischen Ausstaffierungen schafft; für eine vergleichsweise große und intensive Form der Unterhaltung zu sorgen.

Bilder / Promofotos / Screenshots: © Wild Bunch Distribution

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„Minimalistisch, aber eindringlich – eine etwas andere Hommage an die Kraft der Natur.“

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Filmkritik: „Mom & Dad“ (OT: MOM AND DAD, 2018)

Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Originaldrehbuch
Regie: Brian Taylor
Mit: Nicolas Cage, Selma Blair, Anne Winters u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 86 Minuten
FSK: ab 16 freigegeben
Genre: Komödie, Horror
Tags: Familie | Eltern | Chaos | Kinder | Makaber

Apokalypse mal anders.

Inhalt: Eigentlich sind Brent Ryan (Nicolas Cage) und seine Frau Kendall (Selma Blair) ganz normale Eltern, die den Traum einer typisch amerikanischen Wohlstandsfamilie leben. Sie verdienen gut, leben in einem schmucken Einfamilienhaus in einer beschaulichen Vorstadt – und lieben sie ihre beiden Kinder Josh (Zackary Arthur) und Carly (Anne Winters). Dennoch sind sie hie und da geneigt, etwas kritischer über sich und ihr bisheriges Leben nachzudenken – was normal ist, im Zusammenhang mit einer seltsamen Epidemie aber völlig aus dem Ruder läuft. Schließlich scheinen plötzlich alle Eltern in der Stadt durchzudrehen, und Jagd auf ihre eigenen Kinder zu machen… und das auf Leben und Tod.

Kritik: Mal ganz unabhängig davon, ob man darauf gewartet hat oder nicht: was dabei herauskommen würde, wenn sich einer der beiden hauptsächlich verantwortlichen Drehbuchautoren und Regisseure der CRANK-Reihe plötzlich allein aufmacht um einen dem potentiellen Vorbild nicht ganz unähnlichen neuen Film mit dem vergleichsweise schlichten Titel MOM & DAD zu machen; ist nicht länger ein Geheimnis. Die eigentliche Überraschung der direkt auf dem Heimkinomarkt veröffentlichten Chaos-Komödie ist dabei wohl die Tatsache, dass man erst gar keinen großen Hehl aus der Nähe zum potentiellen Vorbild macht – und sich dementsprechend auch an der quasi selbst auferlegten inszenatorischen Messlatte orientiert, die CRANK eine allemal ansehnliche Fanbase bescherte.

Das bedeutet auch, dass man eigentlich nicht viel mehr macht als den abgebrühten Jason Statham durch einen dezent überdrehten Nicolas Cage zu ersetzen – und, das sollte man vielleicht ebenfalls noch erwähnen; dass die zu eröffnende Jagd dieses Mal nicht gegen skrupellose Gangsterbosse geht. In MOM & DAD sind es immerhin ausschließlich Kinder, die zum Opfer werden. Allerdings, und der Film erklärt dies auf eine sicherlich gewagte Art und Weise: es geht nur um die jeweils eigenen Kinder, völlig unabhängig vom bereits erreichten Alter.

Das mag sich zunächst einmal schockierend anhören, ist letztendlich aber auch nicht weiter überraschend und so gesehen reines Kalkül. Denn warum sollte eine ohnehin schon vergleichsweise abgedrehte Action-Komödie nicht auch noch mit einer Prise makaberer Elemente, die man am ehesten in einem nervenaufreibenden Slasher erwarten würde; gewürzt werden ? Sicher führt das dazu, dass das grundlegende Konzept als offensichtlich überspitzte Darstellung eines in sich zusammenbrechenden oder eher umkehrenden American Dream keiner näheren inhaltlichen geschweige denn qualitativen Überprüfung standhält. Aber vielleicht muss es das ja auch gar nicht – schließlich kann man von einem Film in nur leicht abgewandelter CRANK-Manier ohnehin nicht mehr erwarten, als gut unterhalten zu werden.

Wem das reicht – und wer zudem mit einem ebenso abrupten wie schlicht ärgerlich platten und einfallslosen Ende umgehen kann – den erwartet hier immerhin eine vor allem in handwerklicher respektive optischer Hinsicht erfrischende Horrorkomödie mit rasant-bunten Bildern, überraschend abrupten Schnitten inklusive plötzlichen Zeitsprüngen und Rückblenden, einer abenteuerlichen (aber verträglichen) Kameraarbeit, einem den Bildern entsprechenden wilden Soundtrack mit allerlei Abwechslung und einigen Remineszenzen an die Filmkunst der 80er; sowie nicht zuletzt ein gut aufgelegter (das heißt: dezent überdrehter) Nicholas Cage.

Bilder / Promofotos / Screenshots: © KSM GmbH

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„Sinn macht das Ganze nicht – und selbst in Anbetracht einer Nonsene-Actionkomödie ist für MOM & DAD nicht mehr als der Durchschnitt drin.“

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Filmkritik: „Das Geheimnis Von Marrowbone“ (OT: MARROWBONE, 2017)

Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Originaldrehbuch
Regie: Sergio G. Sánchez
Mit: Anya Taylor-Joy, George MacKay, Mia Goth u.a.
Land: Spanien, Großbritannien
Laufzeit: ca. 111 Minuten
FSK: ab 16 freigegeben
Genre: Thriller, Drama, Horror
Tags: Familie | Flucht | Umzug | Verfolgung | Fluch

Spieglein Spieglein an der Wand…

Inhalt: Um den Fängen ihres ihrer Familie offenbar aggressiv nachstellenden (noch-)Ehemannes  zu entkommen, trifft die verzweifelte Rose (Nicola Harrison) eine schwerwiegende Entscheidung: gemeinsam mit ihren insgesamt vier Kindern flieht sie Ende der 60er Jahre von Großbritannien in die Vereinigten Staaten von Amerika. Einmal in ihrem neuen Heim an einer ebenso idyllischen wie verlassenen Küste angekommen, nimmt die Familie einen neuen Namen an und versucht, möglichst wenig Kontakt zu den Einheimischen aufzubauen. Doch schon kurz bevor sich die Kinder Jack (George MacKay), Jane (Mia Goth), Billy (Charlie Heaton) und der junge Sam (Matthew Stagg) richtig einleben können, erliegt ihrer Mutter ihrer schweren Krankheit – und hinterlässt ihren ältesten Sohn Jack mit einer wichtigen Aufgabe. Fortan soll er die Geschicke der Familie lenken und auf sie aufpassen – zumindest bis er 21 ist, und die Familie nicht mehr von den Behörden auseinandergerissen werden könnte. Tatsächlich scheint ihm das auch ganz gut zu gelingen – zumal er von seiner Liebe zur Bibliothekarin Allie (Anya Taylor-Joy) beflügelt wird. Problematisch ist indes, dass sich im großen Anwesen der Familie selbst einige höchst unheimliche Dinge ereignen… was insbesondere den jüngeren Geschwistern reichlich Sorge, ja wenn nicht gar panische Angst bereitet.

Kritik: Auch wenn der Filmtitel nicht sperriger hätte ausfallen können und die Geschichte von DAS GEHEIMNIS VON MARROWBONE nach nicht viel klingt – oder eher nur nach einer weiteren von so vielen, in denen eine vom Schicksal gebeutelte Familie in ein gruseliges Anwesen zieht und somit erst Recht Probleme bekommt – erweist es sich als ratsam, der von Sergio G. Sánchez (unter anderem der Ideengeber für DAS WAISENHAUS, siehe Review) erdachten Schauermär eine Chance zu geben. Und das vornehmlich, da es sich entgegen den ersten Vermutungen weniger um einen klassischen Horrorfilm als vielmehr um einen überraschend intensiven Thriller handelt – dem anstelle des plakativen Horrors weitaus mehr Elemente des Dramas inklusive einer vergleichsweise starken Charakterzeichnung innewohnen. Und um einen Thriller der – der mittlerweile vorhandenen Erfahrung des spanischen Schauspielers, Drehbuchautors und Regisseurs Sánchez sei Dank – schnell eine ähnlich klaustrophobische und in sich stimmige Atmosphäre etablieren kann wie einst DAS WAISENHAUS.

Die wohl aber größte Überraschung des Films ist, dass er im späteren Verlauf mit einem so nicht unbedingt erwarteten Twist daherkommt – und damit vielleicht sogar einen ähnlichen Effekt zu hinterlassen vermag wie der Genre-Klassiker THE SIXTH SENSE. Damit steht fest, dass sich DAS GEHEIMNIS VON MARROWBONE am ehesten in die Riege der eher ebenso mysteriös wie psychologisch angehauchten Thriller im Stile der bereits erwähnten Titel, sowie eventuell auch ICH SEH, ICH SEH (Review), SIEBEN MINUTEN NACH MITTERNACHT (Review) oder DER BABADOOK (Review) einreiht – und dabei eine alles andere als schlechte Figur macht. So kann nicht nur die Schauplatzwahl inklusive eines überraschenden Settings in den späten 60er Jahren überzeugen – auch das Setdesign, die Kostüme, der gesamte handwerkliche Part und die darstellerischen Leistungen der teils bekannten, hier recht erfrischend agierenden Nachwuchs-Akteure stimmen. Lediglich die sich dann doch etwas länglich anfühlende Auftaktphase mit einigen verzichtbaren Momenten sowie der doch noch vorhandene Impuls, sich den gängigen Konventionen des Horrorfilms zu näheren (Stichwort Jumpscares) verhindert hier größeres – was aber nichts daran ändert, dass man DAS GEHEIMNIS VON MARROWBONE problemlos empfehlen kann.

 

Bilder / Promofotos / Screenshots: © Metropolitan FilmExport, Universal Pictures

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„Das Rad mag mit DAS GEHEIMNIS VON MARROWBONE nicht neu erfunden werden – und doch handelt es sich um einen ebenso gut gemachten wie spannenden Film mit dem gewissen Etwas und einem überraschenden Ende.“

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Filmkritik: „Inglorious Basterds“ (2009)

Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Originaldrehbuch
Regie: Quentin Tarantino
Mit: Brad Pitt, Mélanie Laurent, Christoph Waltz u.a.
Land: USA, Deutschland
Laufzeit: ca. 153 Minuten
FSK: ab 16 freigegeben
Genre: Action, Drama, Kriegsfilm
Tags: Zweiter Weltkrieg | USA | Deutschland | Rache | Feldzug

Von unbekannten Sammelleidenschaften des 20sten Jahrhunderts, Folge Eins: Nazi-Skalps.

Inhalt: Während der zweite Weltkrieg noch in vollem Umfang tobt, landet ein US-amerikanisches Team aus einer handvoll Elitekämpfern im von Nazis besetzten Frankreich. Ihr Auftrag ist simpel, aber in der Durchführung keinesfalls einfach: sie sollen so viele Nationalsozialisten wie nur irgendwie möglich zur Strecke bringen – egal auf welche Art und Weise. Während sie also mit einer Vorliebe für Nazi-Skalps als makabere Trophäe durch Frankreich schleichen rückt schon bald ein neues, potentiell kriegsentscheidendes Ziel in ihre Nähe. Die gesamte deutsche Heeresführung inklusive niemand geringerem als Adolf Hitler würde sich bald zu einem illustren Propagandafilm-Abend in einem französischen Kino versammeln. Was läge da also näher, als den Krieg mit dem Ableben Hitlers vorzeitig zu beenden ? Doch auch die Gegenseite schläft nicht – allen voran hat es sich ein perfider Nazi-Inspektor (Christoph Waltz) zum Ziel gemacht, Juden und allgemeine „Vaterlandsverräter“ zu enttarnen. Und so scheint er recht schnell zu bemerken, dass sich hinter den als italienische Filmfreunde ausgebenden Subjekten ganz andere, hochkarätige Gegner verbergen… nämlich Lt. Aldo Raine (Brad Pitt) und sein Team.

Kritik: Sicher; man kann von Quentin Tarantino beziehungsweise seiner bereits mit frühen Filmen wie Reservoir Dogs – Wilde Hunde (1992) oder Pulp Fiction (1994) etablierten Marke halten was man will. So gut wie fest steht indes, dass seine Filme nicht selten mit einem immensen Unterhaltungswert einhergehen – ganz gleich, ob dabei etwaige Grenzen des guten oder schlechten Geschmacks neu ausgelotet werden. Überhaupt fühlt es sich gut an zu wissen, dass es auch in der heutigen Zeit noch Filmschaffende gibt, die trotz eines wie im Falle von Tarantino rasant gewachsenen Bekanntheitsgrades an ihren Wurzeln (oder wahlweise auch: Grundsätzen) festhalten und sich nicht großartig darum scheren, was andere sagen respektive von ihren Werken halten. Auch INGLORIUS BASTERDS zeugt von dieser schlicht für Tarantino typischen Mission, eine auf den ersten Blick gewöhnliche Geschichte unter Zuhilfenahme seines offensichtlich großzügig ausgestatteten Ideen-Fundus und einer großen Portion Eigeninitiative zu einem so noch nicht dagewesenen, reichlich grotesken Ganzen zu verweben. Das mündet hier zwar nicht in einem nennenswert gehaltvollen, geschweige denn politisch oder historisch korrekten Machwerk – dafür aber in einem direkt dem Regisseur zuzuordnenden, angenehm eigenwilligen, von der ersten Minute an unterhaltsamen und nicht zuletzt enorm eigenständigen Film – der nicht wirklich etwas mit dem (fast) gleichnamigen Film INGLORIOUS BASTARDS aus dem Jahr 1978 (siehe Review) gemeinsam hat.

Anders gesagt: bei Tarantino – und damit auch bei INGLORIOUS BASTERDS – wird ein sonst essentieller Bestandteil wie der der eigentliche Geschichte zu einem bloßen Aufhänger degradiert, um noch mehr Platz für ein wildes Intermezzo aus kunterbunten Charakteren, aberwitzigen Dialogen und gefühlt im Sinne des Films zurechtgebogenen Ereignissen zu lassen. Dass diese Achterbahnfahrt nicht nur nett anzuschauen ist sondern auch einer gewissen Substanz nicht entbehrt, etwa in Bezug auf die psychologische Komponente – macht die Tarantino-Filme so reizvoll; und lässt sie eben nicht nur zu stilistisch herausragenden Kunstwerken avancieren, sondern zu ganzheitlichen. INGLORIOUS BASTERDS bildet da keine Ausnahme, auch wenn man sich an den Gedanken einer Verquickung einer Weltkriegsthematik mit dem typischen gehobenen Exploitation-Flair (inklusive einer letztendlich doch recht explizit ausgeführten und dargestellten Form der, man nenne es späten Rache) erst gewöhnen muss. Lässt man sich aber erst einmal auf den Film ein und genießt den von den ersten Minuten an hochgehaltenen Ideenreichtum inklusive vieler auch in handwerklicher und darstellerischer Hinsicht bemerkenswerter Raffinessen; so wird einem der unrühmliche Feldzug der INGLORIOUS BASTERDS so schnell nicht mehr aus dem Kopf gehen.

Bilder / Promofotos / Screenshots: © The Weinstein Company

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„Ja, Inglourious Basterds ist ein brutal-makaberer Rachefeldzug, an dem sich die Geister scheiden werden – aber auch eine ebenso markante wie einzigartige Hommage an das Kino beziehungsweise die Geschichte des Films selbst.“

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