Metal-CD-Review: SONATA ARCTICA – Talviyö (2019)

Alben-Titel: Talviyö
Band: Sonata Arctica (mehr)
Veröffentlichung: 6. September 2019
Land: Finnland
Spielart / Stil: Power Metal
Label: Nuclear Blast

Lineup:

Tony Kakko – Vocals
Elias Viljanen – Guitars
Henrik Klingenberg – Keyboards
Pasi Kauppinen – Bass
Tommy Portimo – Drums

Track-Liste:

1. Message from the Sun (04:06)
2. Whirlwind (06:32)
3. Cold (04:29)
4. Storm the Armada (05:08)
5. The Last of the Lambs (04:22)
6. Who Failed the Most (04:44)
7. Ismo’s Got Good Reactors (03:43)
8. Demon’s Cage (04:58)
9. A Little Less Understanding (04:16)
10. The Raven Still Flies with You (07:39)
11. The Garden (06:17)

Da fröstelt’s einen ja fast schon im voraus.

Mit den finnischen Jungs von SONATA ARCTICA ist das schon so eine Sache. Einst – und das ist in Anbetracht eines Albums wie dem 1999 erschienenen ECLIPTICA (siehe Review) kein großes Wunder – als Helden und Wegbereiter des europäischen Power Metals gefeiert, entwickelte sich die Band im Laufe der folgenden Jahre und Jahrzehnte zu einem schon wesentlich; man nenne es angreifbareren musikalischen Konstrukt. Tatsächlich, und das behaupten vor allem langjährige Fans der Band; schienen die letztaktuellen Alben PARIAH’S CHILD (Review) und THE NINTH HOUR (Review) nicht gerade Glücksgriffe gewesen zu sein – erst Recht nicht aus Sicht der nun einmal nicht jeden Stilwechsel gutheißenden Power Metal-Fraktion. Immerhin – und wenn man den fast schon unbestreitbaren Reinfall in Form des 2014 veröffentlichten Revisited-Albums zu ECLIPTICA (Review) einmal außen vor lässt – kann man der Band eines nicht vorwerfen: das sie respektive die musikalischen Ambitionen der Mitglieder stillstehen. Und so markiert auch das jüngst erschienene TALVIYÖ als mittlerweile elftes offizielles Studioalbum der Band ein weiteres abenteuerliches, prinzipiell spannendes neues Kapitel in der Historie von SONATA ARCTICA.

Eines, und das konnten schon die anderen Alben der letzten Jahre nicht gerade als Vorteil für sich verbuchen; bleibt dabei aber natürlich auch dieses Mal nicht aus: man kann einfach nicht anders, als auch das jüngste Album mit früheren Werken der Band zu vergleichen. Vielleicht nicht unbedingt mit einem speziellen, wohl aber doch dem rundum prägnanten Gesamteindruck der ersten 5 bis 6 Alben der Finnen. Diesbezüglich fällt eines relativ direkt auf: wo man bei vielen anderen Bands sagen kann, dass sie – was ihre Fähigkeiten und ihr Auftreten betrifft – eben nicht gealtert sind, scheint der Zahn der Zeit durchaus markant an SONATA ARCTICA (oder eher: ihrer Musik) zu nagen. Und das ist auch eines der gravierenderen Probleme, ob nun aus Sicht eingefleischter Power Metal-Fans oder nicht; denn: SONATA ARCTICA machen mittlerweile nicht nur eine etwas andere Musik als noch zu Zeiten ihres Karrieauftaktes. Vielmehr scheinen sie auch darüber hinaus mit diversen Problem zu kämpfen haben, die im Falle von TALVIYÖ passenderweise mit dem anberaumten Winter-Setting einhergehen, oder anders gesagt: das Album klingt insgesamt auffallend kraftlos, eintönig; ja fast schon trist.

Würde dies nur auf die Atmosphäre zutreffen – und eben nicht die Leistungen der einzelnen Mitglieder – wäre das natürlich nur ein Stil-Element und etwas anderes. Doch so muss man zweifelsfrei feststellen, dass längst nicht mehr alles Gold ist was ehemals glänzte. Der Leadgesang von Tony Kakko etwa klingt längst nicht mehr so kräftig und variabel wie dereinst. Viel eher wirkt er angestrengt und auffallend limitiert – woran auch die nunmehr umso häufiger anberaumten Chöre (eher sind es mehrstimmige Studiogesänge) nicht viel ändern können. Die Folge: gerade die potenziell emotionaleren Momente wirken so kaum. Das Problem: derer sind es auf TALVIYÖ nicht gerade wenige, oder anders gesagt: das Album versucht einen Großteil seiner Wirkungskraft aus eben jenen balladesken, leicht träumerisch angehauchten Passagen zu generieren. In wie weit das dem Album letztendlich – und in seiner Gesamtheit – gelingt, muss nach wie vor ein jeder für sich selbst entscheiden. Es sind aber eben nicht wenige Faktoren, die eher gegen das Album sprechen.

Wie wäre es etwa mit dem kruden THE LAST OF THE LAMBS, das theoretisch – und auch wenn er nichts mit dem Oberbegriff des Power Metals am Hut hat – ein verdammt guter Titel hätte werden können ? Der schwache, emotionlose und einstweilen fast schon komische Leadgesang von Tony Kakko, der merkwürdig-matschige Mix inklusive einer hörbaren Stimmbearbeitung und das schlussendlich recht repetitive Instrumentenspiel zeigen jedenfalls auf, dass man für derlei Experimente doch eher zu Bands wie AYREON greifen sollte. Doch auch wenn es mal etwas kräftiger zugeht (wie im Opener MESSAGE FROM THE SUN oder WHO FAILED THE MOST) stehen nicht alle Zeichen auf grün – insbesondere was die unnötig weichgespülten Refrains angeht. Da ändert auch das vergleichsweise kräftige Riffing nichts, im Gegenteil. Im schlimmsten Fall klingt es gar wie ein relativer Fremdkörper im ohnehin unausgegorenen Mix – was das klangliche Chaos beinahe perfekt macht.

Natürlich, es finden sich auch einige bessere respektive hörbare Passagen (wie etwa in WHIRLWIND oder DEMON’S GATE) – doch kommen diese eher vereinzelt vor, und fungieren dabei bestenfalls als Reminiszenz an frühere, goldene Zeiten. Insgesamt betrachtet hat TALVIYÖ damit wahrlich nichts zu bieten, was Fans der früheren SONATA ARCTICA ansprechen sollte – und auch Neueinsteiger werden ob der zweifelhaften musikalischen Genialität nicht gerade vor Freunde aufspringen. Positiv hervorzuheben sind demnach nur noch der von Pasi Kauppinen gehandhabte Bass, sowie immerhin einige der Ambitionen seitens Henrik Klingenberg (Keyboards, Backing Vocals). Eine Kaufempfehlung rechtfertigt das nicht – und so bleibt den meisten nur abzuwarten, wie SONATA ARCTICA in Zukunft in Erscheinung treten werden.

Anspieltipps: /


„Dieses Ruder wird wohl nicht mehr herum gerissen werden.“

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