Metal-CD-Review: DRAGONFORCE – Extreme Power Metal (2019)

Alben-Titel: Extreme Power Metal
Band: Dragonforce (mehr)
Veröffentlichung: 27. September 2019
Land: England
Spielart / Stil: Power Metal
Label: earMusic

Lineup:

Herman Li – Guitars
Sam Totman – Guitars
Frédéric Leclercq – Bass
Marc Hudson – Vocals
Gee Anzalone – Drums

Track-Liste:

1. Highway to Oblivion (06:48)
2. Cosmic Power of the Infinite Shred Machine (06:36)
3. The Last Dragonborn (06:12)
4. Heart Demolition (05:39)
5. Troopers of the Stars (05:03)
6. Razorblade Meltdown (04:45)
7. Strangers (04:29)
8. In a Skyforged Dream (04:45)
9. Remembrance Day (05:10)
10. My Heart Will Go On (Céline Dion cover) (03:24)

Wo extrem drauf steht, ist sicher auch extrem drin.

Manche, ja manche werden einfach niemals müde. So auch nicht die Jungs von DRAGONFORCE, die schon seit seit 1999 (damals noch als DRAGONHEART) unterwegs sind. Eine nennenswerte Alben-Pause gab es dabei bis heute nicht, und auch von ihrer ursprünglichen Energie scheinen sie nichts eingebüßt zu haben. In wie weit das auf das für die Band typische, gewissermaßen als Katalysator der Band fungierende Gitarren-Gefrickel von Herman Li und Sam Totman zurückzuführen ist, sei einmal dahingestellt. Wenig verwunderlich ist damit in jedem Fall, dass auch EXTREME POWER METAL als mittlerweile achtes offizielles Studioalbum der Band aus dem musikalischen Vollen schöpft – und selbstverständlich auch mit ordentlich Tempo voranprescht. In wie weit das Ganze tatsächlich eine extreme Erfahrung oder eben doch nur eine bloße Selbst-Beschreibung der Spielart der Band ist, wird sich zeigen – nur langweilig werden, das wird es wohl nicht.

So verschwenden die Engländer nicht viel Zeit, und läuten das Album sogleich mit dem Opener HIGHWAY TO OBLIVION ein – jener Nummer, die bereits vorab als (durchaus nett gestaltete) Video-Single veröffentlicht wurde. Und tatsächlich: was man hier zu hören bekommt, ist zweifelsfrei als DRAGONFORCE-Material einzustufen. Man ist geneigt zu sagen: als neues, aber eben auch recht typisches – wobei eingeschworene Fans der Combo kein Problem damit haben werden, ganz im Gegenteil. Schließlich sind alle der bisher hoch gehaltenen Trademarks der Band erneut mit von der Partie: vom recht wuchtigen Gesamteindruck über allerlei Instrumenten-Gequäle (was hier durchaus positiv gemeint ist) bis hin zum perfekt aufgehenden Wechselspiel aus getragenen und überaus flotten Momenten gibt es all das auf die Ohren, was man von der Band auch genau so erwartet hätte.

Eben auch, weil sie es einfach können. So sollte es selbst notorischen Nörglern und DRAGONFORCE-Verneinern entsprechend schwer fallen, EXTREME POWER METAL etwas vorzuwerfen – speziell in Bezug auf das an den Tag gelegte, rundum tadellose Handwerk. Seien es die schier perfekte Produktion und Abmischung (die jedes einzelne Instrument zur Geltung kommen lässt und den Gesang harmonisch einbindet), die Leistung an den Gitarren, die tollen Chöre oder der äußerst angenehme Leadgesang von Marc Hudson – EXTREME POWER METAL ist ein akustischer Genuss. Wenn, ja wenn man sich mit der Spielart der Engländer auch nur ansatzweise anfreunden kann. Doch auch diesbezüglich, und mit dem Stichwort des extremen kann – glücklicherweise – eine Entwarnung stattfinden. Denn: allzu wilde Experimente (wie etwa auf INHUMAN RAMPAGE, siehe Review) bleiben aus. Mehr noch, mit Nummern wie THE LAST DRAGONBORN, STRANGERS oder REMEMBRANCE DAY (trotz der Schmalz-Gefahr einfach nur wow) setzen DRAGONFORCE nunmehr vermehrt auf ebenso rhythmische wie hymnische Midtempo-Stampfer. Hier handelt es sich zweifelsohne um ausgewogene Nummern mit dem gewissen Etwas – was der Band allemal gut zu Gesicht steht und für Abwechslung sorgt.

Nicht zwingend neu für DRAGONFORCE, aber allemal interessant ist auch die mit Titeln wie HEART DEMOLITION offerierte musikalische Komponente irgendwo zwischen einem 80er-Hair-Metal, einem anspruchsvolleren Synth-Rock und einem griffigen Power Metal. Doch auch davon abgesehen gibt es immer wieder Highlights zu entdecken. Sei es ein überraschendes elektronisches Element hier (COSMIC POWER OF THE INFINITE SHRED MACHINE), eine folkig-traditionell anmutende Instrumentalpassage (THE LAST DRAGONBORN) dort – der weiter oben bereits eingeworfene Begriff der Langeweile hat auf einem Album wie EXTREME POWER METAL wahrlich nichts zu suchen. Glücklicherweise – schließlich hätte man genauso gut erwarten können, dass es die Engländer eher gleichförmig angehen; und schlicht eine Uptempo-Nummer nach der anderen präsentieren. Das ist hier definitiv nicht der Fall.

Doch natürlich gibt es sie auch dieses Mal, die deutlich schnelleren Nummern – die nicht selten dezent ausufernde (aber eben auch nicht wirklich übertriebene) Soli-Parts an den Start bringen und insbesondere DRAGONFORCE-Fans der ersten Stunde die Freudentränen in die Augen schnellen lassen sollten. Einzig beim flotten TROOPERS OF THE STARS kann man sich nicht des Gefühl erwehren, dass man die Nummer irgendwo schon einmal gehört hat – natürlich nicht eins zu eins, aber die quasi-Konkurrenten RAZORBLADE MELTDOWN und IN A SKYFORGED DREAM klingen einfach deutlich frischer. Und ja, zum Ende gibt es dann tatsächlich noch eine Cover-Version von CELINE DION’s MY HEART WILL GO ON zu hören – doch auch hier geben sich DRAGONFORCE nicht die Blöße. Im Gegenteil, man kann relativ eindeutig von einer der besseren Cover-Versionen des Titels sprechen.

DRAGONFORCE haben damit alles richtig gemacht – auch, oder gerade weil sie das Rad nicht neu erfinden und sich und ihrer Spielart konsequent treu bleiben. Von Müdigkeit oder gar Lustlosigkeit gibt es jedenfalls keine Spur – sodass EXTREME POWER METAL selbst das bereits gute, aber nicht ganz so kultverdächtige REACHING INTO INFINITY (siehe Review) toppen kann.

Anspieltipps: HIGHWAY TO OBLIVION, HEART DEMOLITION, RAZORBLADE MELTDOWN, REMEMBRANCE DAY


„Ein Album das Spaß macht – und dabei auch noch verdammt gut ist.“

3 Gedanken zu “Metal-CD-Review: DRAGONFORCE – Extreme Power Metal (2019)

  1. Hab das Album jetzt gerade zum ersten Mal durchgehört;
    Erster Eindruck: Inhuman Rampage in besser. Der Stil ist ähnlich, aber diesmal klingt nicht alles irgendwie gleich, die Lieder haben wieder tatsächlich Charakter.

    Ausführliche Meinung kommt dann, wenn ichs noch ein, zwei Mal durchhab

    Gefällt 1 Person

  2. Ich mag das Album sehr. Der 8-Bit Einschlag zusammen mit den epischen Hymnen und dem Gitarrenspiel, das meiner Meinung nach immer besser wird (das Riff von Cosmic Power of the Infinite Shred Machine) ist z. B. einfach fantastisch.

    Gefällt 1 Person

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