Metal-CD-Review: FAIRYLAND – Osyrhianta (2020)

Alben-Titel: Osyrhianta
Band: Fairyland (mehr)
Veröffentlichung: 22. Mai 2020
Land: Frankreich
Spielart / Stil: Symphonic Power Metal
Label: Massacre Records

Lineup:

Willdric Lievin – Bass
Philippe Giordana – Keyboards
JB Pol – Drums
Sylvain Cohen – Guitars
Francesco Cavalieri – Vocals

Track-Liste:

1. The Age of Birth (02:57)
2. Across the Snow (05:15)
3. The Hidden Kingdom of Eloran (06:13)
4. Eleandra (04:12)
5. Heralds of the Green Lands (04:36)
6. Alone We Stand (04:40)
7. Hubris et Orbis (05:54)
8. Mount Mirenor (07:15)
9. Of Hope and Despair in Osyrhia (12:02)
10. The Age of Light (04:02)

Es ist viel Zeit vergangen in Osyrhia.

Nein, im Hause FAIRYLAND ist man nicht unbedingt dafür bekannt, mit Alben um sich zu schmeißen. Vielmehr ließen es die Franzosen respektive das angestammte Band-Oberhaupt Philippe Giordana immer etwas ruhiger angehen – vor allem nach dem noch etwas lebhafteren Karriereauftakt Anfang der 2000er Jahre. Fans wussten dennoch, wo sie ihre Dosis der gewissermaßen typischen Giordana-Soundelemente her bekommen konnten – immerhin ist der Franzose zu großen Teilen mitverantwortlich für den Sound der quasi-Partnerband KERION. Was ihn beziehungsweise seine Arbeit so speziell macht, sind ohne Zweifel die Chöre – die man so bei keiner anderen Band zu hören bekommt, und bereits das FAIRYLAND-Debütalbum OF WARS IN OSYRHIA (siehe Review) zu etwas ganz besonderem machten. Nun aber, und nach immerhin 11 Jahren FAIRYLAND-Pause ist das Mastermind doch noch mit einem neuen Album zurückgekehrt – dem vielversprechend anmutenden OSYRHIANTA. In wie weit das ganze eine Reminiszenz in Bezug auf das 17 Jahre alte Erstwerk der Franzosen ist, und ob die seinerzeit begonnene Geschichte weitererzählt wird; wird sich noch zeigen.

Immerhin spricht schon im Vorfeld einiges für das Album: nach der bereits einige Jahre zurückliegenden Verpflichtung dreier neuer Mitglieder hat man sich noch einmal ordentlich Zeit genommen, bis OSYRHIANTA endlich in den Startlöchern stehen konnte. Und das hört man dem Album auch an, zumindest respektive vor allem dem Auftakt: sowohl das von einer wuchtigen Erzählstimme (Dan Wilberg) begleitete Intro THE AGE OF BIRTH als auch der Opener ACROSS THE SNOW schöpfen ausdrücklich aus dem musikalischen Vollen. Fest stehen damit schon einmal zwei Dinge: zum einen, dass OSYRHIANTA kein allzu luftiges respektive direkt zugängliches Werk ist – und zum anderen, dass man auch davon unabhängig unbedingt auf ein gutes Soundsystem oder noch besser vernünftige Kopfhörer setzen sollte, um in den vollen Genuss wirklich aller Facetten der Musik von FAIRYLAND zu kommen. Sicher, mit OSYRHIANTA bekommt man einiges an Pomp und Bombast auf die Ohren, womit die Band gewissermaßen auch den langjährig gehegten Erwartungen der Hörerschaft entspricht – doch sollte man sich davon nicht täuschen lassen. Bei der – sich zugegebenermaßen nicht sonderlich zurückhaltenden – Keyboard-Arbeit von Philippe Giordana handelt es sich eben nur um einen Aspekt innerhalb der musikalischen Welten von FAIRYLAND.

Darüber hinaus, und das macht OSYRHIANTA noch einmal mit Nachrdruck deutlich; gibt es eben auch noch einiges anderes zu hören – wie selbstverständlich einige schmackige Metal-Instrumentierungen, die – um mal einen Vergleich anzuberaumen – wesentlich kräftiger daherkommen als etwa bei den Kollegen von TWILIGHT FORCE. Dies lässt sich beispielsweise gut am von Willdric Lievin gehandhabten Bass festmachen – der innerhalb der Titel stets gut zu hören ist, und auch mal einige besondere Einzelmomente erhält. Ebenfalls positiv hervorzuheben ist die wirklich alles andere als langatmige Struktur und Gestaltung des Albums, oder anders gesagt: es gibt an so gut wie jeder Ecke etwas zu entdecken, simpel von Refrain zu Refrain gehangelt wird sich nie.

Und doch muss sich auch ein Album wie OSYRHIANTA Kritik gefallen lassen. Vielleicht sogar mehr, als zunächst angenommen. Ob man dabei die wesentlich älteren Alben der Band zwecks eines Vergleiches zu Rate zieht oder nicht, spielt dabei keine Rolle – was eigentlich zu einem Vorteil für FAIRYLAND hätte avancieren sollen. Doch selbst wenn man OSYRHIANTA einmal völlig unvoreingenommen als neues Album einer neuen Band betrachtet, ergeben sich einige Auffälligkeiten – wobei diese mit einem eher allgemeinen Eindrücke hinsichtlich der Qualität der Abmischung beginnen. Viel zu oft hat man das Gefühl, als wären einige Elemente zu laut respektive vordergründig platziert, während andere eher untergehen – den Bass einmal ausgenommen. Das können man die oftmals zu leisen und / oder kraftlos inszenierten Chöre sein (was bitte ist denn in ELEANDRA passiert), oder mal die doch deutlich zu dick aufgetragene Keyboard-Front – während es allerlei eher merkwürdige Experimente wie das Sound-Wirrwarr in HERALDS OF THE GREEN LANDS (dort, wo über die Chöre auch noch eine Erzählstimme gelegt wird) nicht besser machen. Damit steht eines schon einmal unumstößlich fest: ein rundum ausgewogenes, in allen Einzelmomenten perfekt abgestimmtes Album klingt anders. Mit den weiter oben erwähnten guten Kopfhörern hat sich das also auch schon wieder erledigt – zumindest nach den ersten Titeln oder eben dem Zeitpunkt, an dem einen der Sound von OSYRHIANTA doch lieber den Buckel runter als in die Ohren rauschen kann.

Aber noch etwas fällt eher negativ auf. Und das ist – man muss wohl sagen, leider – der Leadgesang des neuen FAIRYLAND-Sängers Francesco Cavalieri. Der bringt schließlich nicht nur eine einstweilen etwas zu raue Gangart mit an den Start, die wenig mit einer von FAIRYLAND irgendwie auch erwarteten Virtuosität am Hut hat – sondern scheint auch auch etwas mehr vom Sound seiner eigentlichen Band WIND ROSE mit in den neuen FAIRYLAND-Soundtopf zu werfen, als es möglicherweise beabsichtigt war. Fakt ist: eine Band wie FAIRYLAND braucht einen besonderen, einzigartigen, unverwechselbaren Leadsänger – und keinen der zwar sein Handwerk versteht, sich aber vornehmlich durch einen Wechsel von sanfteren zu deutlich harscheren Tönen auszeichnet. Sicher, man bekommt keine zweite Elisa C. Martin – die übrigens einen Gastauftritt auf dem Album hat, ausgerechnet im schwachen ELEANDRA – aber etwas außergewöhnlicheres, für einen deutlicheren Aha-Effekt sorgendes hätte einfach drin sein sollen. So aber klingt OSYRHIANTA teils äußerst merkwürdig, oder auch: verdreht. Wie sollte es auch anders sein wenn die Refrains (wie in HUBRIS ET ORBIS) eher kraft- und lustlos klingen, die Darbietungen in den Strophen aber gegenteilig; man will nicht sagen angestrengt ?

Im schlimmsten Fall könnte man FAIRYLAND so unterstellen, einige falsche Entscheidung bezüglich ihrer Soundausrichtung getroffen zu haben. Wer hierfür noch ein weiteres, möglichst treffendes Beispiel braucht sollte sich einmal den Rausschmeißer THE AGE OF LIGHT zu Gemüte führen – der nicht viel weniger als alles falsch macht, was möglich ist. Die Gesangsdarbietungen an sich sind schon gewöhnungsbedürftig, doch die wahre Crux liegt auch hier im Mix – so matschig und ziellos hat schon lange keine Darbietung im Bereich des symphonischen Power Metals mehr geklungen. Wobei natürlich auch hier gilt: die Chöre machen es nicht besser, im Gegenteil. Was hier passiert ist, beziehungsweise warum sich Philippe Giordana plötzlich derart die Blöße gibt, bleibt ein Rätsel. Sicher, einerseits muss ein jeder für sich selbst entscheiden in wie weit er oder sie den neuen Sound der Band gutheißen kann oder auch nicht – aber andererseits hätte man von FAIRYLAND schlicht etwas aussagekräftigere, allgemein weniger angreifbares erwartet. OSYRHIANTA sollte damit gerade für FAIRYLAND-Fans der ersten Stunde – ob Elisa-Anbeter oder nicht – eine Enttäuschung sein, oder anders gesagt: gegen OSYRHIANTA klingt ein jedes einzelnes KERION-Album (die ja ebenfalls nicht unumstritten sind) wie eine echte Offenbarung.

Anspieltipps: ACROSS THE SNOW, HUBRIS ET ORBIS


„Das war vor allem eines: viel Lärm um nichts. Leider.“

3 Gedanken zu “Metal-CD-Review: FAIRYLAND – Osyrhianta (2020)

  1. Huhu… hmm… also 4,5 Punkte ist schon hart. Hab irgendwie nix von soundproblemen mitbekommen selbst über de Smarthphonelautsprecher. Mir gefällts eigentlich sehr gut und der neue Sänger passt auch super. Bin auch keen Fan von Frau Martin zumindest auf Dauer… ist mir zu anstrengend. Kritikpunkt wäre für mich das ca. 3-4 Minuten zu lange instrumental und der Long Track danach… also hab schon bessere „Abschlusstracks“ gehört. Ich würde vlei ne 8 – 8,5 geben

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    1. Jopp, sehr streng dieses Mal… 😉

      Liegt m.E. auch daran, dass ich das Debütalbum noch immer im Kopf habe (höre es bis heute regelmäßig), und zwischen diesen beiden Werken liegen einfach Welten – was die Genialität anbelangt, aber noch so viel mehr (Überraschungseffekt, Leadgesang, Chöre, Refrains, allgemeine Abmischung). Wenn ich recht überlege ist der einzige DIREKT hörbare Vorteil, den das neue Album gegenüber dem alten hat; der Bass (vom Spiel selbst, aber auch von der Hörbarkeit / Abmischung her).

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    2. Nach der anfänglichen Enttäuschung – und mit etwas Abstand – bin ich nochmal einen Punkt hochgegangen. Allgemein warte ich aber lieber auf das nächste Album. Sofern es das geben wird, versteht sich. 🙂

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