PC-Spieletest / Game-Review: HIDDEN & DANGEROUS 2 (2003)

Originaltitel: Hidden & Dangerous 2
Veröffentlichungsdatum: 21. Oktober 2003 (PC)
Entwickler: Illusion Softworks
Publisher: Gathering
USK: Ab 16 freigegeben
Genre: Taktik-Shooter
Tags: Weltkrieg, Soldaten, Panzer, Kampf, Mission

Von Grabenkämpfen und (unfreiwillig) lustigen Kameraden.

Mit HIDDEN & DANGEROUS 2 hat das tschechische Entwicklerstudio Illusion Softworks den Nachfolger zum 1999 erschienenen ersten Teil des Taktik-Shooters auf den Markt gebracht. Nicht weiter verwunderlich ist, dass an der schon zuvor gut aufgegangenen Weltkriegs-Thematik festgehalten und das Spiel letztlich ganz ähnlich gestaltet wurde – mit einigen Verbesserungen, versteht sich. So weiß man dem Spieler tatsächlich einiges anzubieten, und das nicht nur auf den ersten Blick: das aus dem ersten Teil übernommene Losziehen als Team von bis zu 4 Mitgliedern ist vielversprechend und eröffnet einige Möglichkeiten, die Schauplätze und Missionen sind abwechslungsreich, die Story ist insgesamt gut und recht atmosphärisch erzählt – und die Grafik- sowie die Soundkulisse brauchen sich ebenfalls nicht zu verstecken. Sicher, es gibt hübschere (und detailreichere) Spiele aus dem entsprechenden Zeitraum – doch insgesamt lässt sich HIDDEN & DANGEROUS 2 durchaus sehen, vor allem natürlich wenn es um die markanten Wechsel zwischen staubigen Wüstenabschnitten, kleinen Dörfchen, verschneiten Berglandschaften oder dicht bewachsenen Urwäldern geht.

Glücklicherweise fällt HIDDEN & DANGEROUS 2 aber auch in spielerischer Hinsicht recht interessant aus – vorrangig natürlich durch die Möglichkeit, 4 verschiedene Figuren gleichzeitig zu spielen. Oder eher im Wechsel, der aber zu jedem Zeitpunkt im Spiel möglich ist. So kann und sollte man sein Team gut und vielleicht auch ganz unterschiedlich ausstatten, um in den Missionen mehr Möglichkeiten zu haben. Das funktioniert dann auch recht gut und macht entsprechend Laune – trotz oder gerade wegen der Gefahr, das ein oder andere Teammitglied aufgrund eines Fehlers zu verlieren. Große Auswirkungen hat das übrigens nicht – nach dem Beenden einer Mission (es sei denn, es ist eine zusammenhängende) hat man erneut die Möglichkeit, einen oder mehrere neue Rekruten aufzunehmen.

Das Mittel der Fortbewegung muss dabei nicht immer der Fußmarsch sein – oft hat man die Möglichkeit, verschiedene Fahrzeuge (wie Jeeps, Laster oder Flak-Wagen) zu benutzen. Dann und wann kommt einem sogar ein Panzer unter die Finger – oder wie in einem Level kleine Mini-Unterseeboote, mit denen man sich an zwei Schiffe heranschleichen muss. Meist erledigt die KI hier alles nötige: man selbst geht mit der entsprechend gewählten Spielfigur voran, und per Befehl folgen die anderen. Wird es brenzlig, kann man natürlich auch den Befehl zum Warten oder Rückzug geben – was oftmals ebenso wichtig sein kann wie ein oder zwei Mann vorgehen zu lassen.

Diesbezüglich – und leider – offenbart sich dann auch das mitunter einzige waschechte Problem an und in HIDDEN & DANGEROUS 2: die KI. Selbige ist vielleicht gut gemeint und erfüllt des öfteren ihren Zweck, aber: der allgemeine Frustfaktor ist einfach viel, viel zu hoch. Sei es, dass die Kollegen (und das trotz eher harmloser Umstände) immer wieder der Reihe nach ins Gras beißen, sie absolut ungeschickt in ihr Verderben rennen oder einfach nicht das machen was man ihnen sagt – selten hat man sich so schön über seine (künstlichen) Kameraden ärgern können. Das man dabei stets nur in gefühlter Rufweite agiert, macht es nicht gerade besser: ist man einmal zu weit vorgegangen, „hören“ die anderen schon nicht mehr auf eventuell gegebene Befehle – man muss zurück- beziehungsweise in Reichweite laufen. In vielen Passagen bleibt einem so oftmals nichts anderes übrig, als alle vier Mitglieder einzeln durch haarige Situationen zu manövrieren – was unter Umständen eine doch recht fummelige Angelegenheit sein kann.

Andererseits, und um auf die Gegenseite zu blicken; sieht es in Bezug auf die Gegner-KI plötzlich ganz anders aus. Wobei man einwerfen muss: nicht automatisch besser, denn gerade auf höheren Schwierigkeitsgraden treffen die Feinde; man will nicht sagen unverschämt gut – was des Öfteren recht unrealistisch erscheint. Die Tatsache, dass man hier einen Taktik-Shooter spielt – bei dem ein oder zwei Schüsse ausreichen, um ins Gras zu beißen – macht sich diesbezüglich doch eher negativ bemerkbar.

Eigentlich, ja eigentlich – und unter Beachtung der im allgemeinen üblichen Qualitätsstandards in Bezug auf die Beurteilung von PC-Spielen – dürfte ein Spiel wie HIDDEN & DANGEROUS 2 damit vieles einfahren, nur keine Höchstwertung. Und doch besitzt das Spiel etwas, was es gewissermaßen einzigartig (und dann auch: in einem positiven Sinne) macht. Um eine genauere Übersicht über möglichst alle Positiv- und Negativmerkmale zu erhalten, folgt an dieser Stelle die obligatorische Auflistung in Tabellenform.

Handlung und Präsentation
  • Authentisch erzählte Weltkriegs-Missionen
  • Kleine Zwischensequenzen
  • Stimmige Briefings
  • Keine Story und Charakterentwicklung im eigentlichen Sinne
  • Die Orte des Geschehens, etwaige Ereignisse und alle beteiligten Personen sind letztlich absolut austauschbar

5.5/10

Grafik und Design
  • Enorm abwechslungsreiche, stimmige Optik (Städte, Wälder, Wüsten, Eis)
  • Teils malerische Gesamtbilder (Sonnenuntergänge, spezielle Gebäude)
  • Solide Charakter-Animationen (beim Hinlegen, bei Treffern, beim Klettern)
  • Gute Mixtur aus verwinkelten Innen- und weitläufigen Aussenarealen
  • Passable Waffen- und Explosionseffekte
  • Hübsche Inventare
  • Eher wenig Details und matschige Texturen
  • Allgemein etwas zu „kantiger“ Eindruck

8.0/10

Sound
  • Gut vertonte Figuren
  • Lebendige Umgebungsgeräusche
  • Grandioser Soundtrack
  • Einmalig-geniales Sound-Design z.B. beim Ableben von Figuren
  • Teils deutlich zu angestrengt / verkniffen klingende Synchronsprecher

9.0/10

Spielwelt, Umfang und Atmosphäre
  • Unterschiedliche Missionen mit unterschiedlichen Herangehensweisen
  • Im Team von bis zu 4 Mitgliedern spielbar – oder alleine
  • Verschiedene, sich auswirkende Charakterklassen
  • Viele verschiedene Fahrzeuge nutzbar
  • Großes Gefühl der Abwechslung
  • Fordernde, den Spieler antreibende Ziele
  • Schleichen / taktischeres Spielen jederzeit möglich
  • Teils hakelige Kämpfe (Zielen und Schiessen)
  • Etwas zu „gute“ Gegner-KI
  • Unterirdische Verbündeten-KI

7.0/10

Bedienung, Balance, Bugs
  • Geringe Ladezeiten
  • Freies Speichern
  • Intuitive Steuerung
  • Höhere Schwierigkeitsgrade und besondere Herausforderungen wählbar
  • KI-Totalaussetzer möglich
  • Manche Auslöser („erst muss das passieren damit es weitergeht“) schlecht / fehlerhaft platziert

7.0/10

Ungefähre Spielzeit in Stunden: 20

Fazit: Ja, ein Spiel wie HIDDEN & DANGEROUS 2 mag mittlerweile in die Jahre gekommen sein – und doch zeigt es auf wie gut ein Spiel sein respektive werden kann, nimmt man sich nur genug Zeit und investiert dementsprechend auch einiges an Mühe. Zwar gilt das in diesem Fall leider nicht hinsichtlich wirklich aller Bereiche, insbesondere nicht im Blick auf die hanebüchene KI – doch in Sachen Atmosphäre macht dem Spiel trotzdem kein Titel so schnell etwas vor. Und das, obwohl es mittlerweile 17 Jahre auf dem Buckel hat.


„Ein Titel, den man auch nach vielen Jahren noch spielen kann.“

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