Metal-CD-Review: CRYSTAL EYES – Starbourne Traveler (2019)

Alben-Titel: Starbourne Traveler
Band: Crystal Eyes (mehr)
Veröffentlichung: 06. Dezember 2019
Land: Schweden
Spielart / Stil: Power Metal
Label: Massacre Records

Lineup:

Mikael Dahl – Vocals, Guitars, Keyboards
Jonatan Hallberg – Guitars
Claes Wikander – Bass
Henrik Birgersson – Drums

Track-Liste:

1. Gods of Disorder (03:44)
2. Side by Side (04:12)
3. Extreme Paranoia (re-recorded) (03:41)
4. Starbourne Traveler (04:33)
5. Corridors of Time (04:02)
6. Paradise Powerlord (03:35)
7. Into the Fire (04:09)
8. In the Empire of Saints (05:15)
9. Midnight Radio (04:03)
10. Rage on the Sea (re-recorded) (07:06)

Wer wäre da nicht gerne mitgereist.

Wenn es um die Nennung von ebenso hochkarätigen wie möglichst langjährig aktiven Genre-Combos aus dem hohen Norden geht, kann man die Rechnung wohl kaum ohne die CRYSTAL EYES machen. Dabei hat die 1992 gegründete Band, die mit ihrem 1999’er Debütalbum WORLD OF BLACK AND SILVER (siehe Review) ein echtes Meisterstück ablieferte und unter anderem Mitglieder von Bands wie FRETERNIA beherbergte; schon einiges durchgemacht – wie etwa den Weggang des Band-Oberhauptes Mikael Dahl im Jahre 2005. Und auch wenn es nicht verkehrt war, dass sich seinerzeit der für ihn eingesprungene Søren Nico Adamsen (Ex-ARTILLERY, Ex-DIGNITY und viele mehr) weiter in der Szene hat profilieren können; war die plötzliche Rückkehr Dahl’s im Jahre 2009 doch eine Erleichterung. Eine, die man auf dem wesentlich später veröffentlichten KILLER (2014, siehe Review) noch einmal deutlich spüren konnte. Letztendlich hatten es die CRYSTAL EYES so geschafft, mit einer wohl dosierten Anzahl von guten bis sehr guten Studioalben (von 1999 bis 2014 waren es insgesamt 7) eine ansehnliche Fanbase zu etablieren. Wie genau der Weg für die Schweden weitergehen sollte, war dann für einige Zeit unklar – bis zum heute glücklicherweise vorliegenden, achten offiziellen Studioalbum STARBOURNE TRAVELER.

Nach guten 5 Jahren Pause ist es also wieder soweit – wobei die Schweden erst gar keine weitere Zeit vergehen lassen, sondern den Hörer direkt mit einem flotten Opener wie GODS OF DISORDER beglücken. Mit eben diesem, aber auch der rhythmischen Folgenummer SIDE BY SIDE wird eines tatsächlich relativ schnell klar: die CRYSTAL EYES sind nicht gealtert, oder wenn dann nur in Würde. Denn so frisch und unverbraucht sie auf STARBOURNE TRAVELER auch klingen, die Bezüge zu ihrer eigenen musikalischen Vergangenheit kommen nicht zu kurz – was vor allem eingefleischte Fans der Band erfreuen sollte. Anders gesagt: mit den CRYSTAL EYES bekommt man eine der wenigen Power Metal-Bands serviert, die schon seit Jahren ihre ureigenen Trademarks hat. Trademarks, anhand derer man sofort genau weiß wer oder was hier durch die Boxen rauscht. Dass sich die Schweden dabei nicht bloß wiederholen, macht es umso besser – wobei einige gerade diesbezüglich und in Anbetracht der Titel EXTREME PARANOIA und RAGE ON THE SEA stutzig werden könnten. Zu Recht, denn tatsächlich gab es diese Nummern schon – und zwar auf dem Debütalbum WORLD OF BLACK AND SILVER. Die Tatsache, dass man 2 bloße Neuaufnahmen quasi mitten ins neue Album wirft – wohlgemerkt ein Album, das ohnehin nur 10 Titel beinhaltet – lässt zugegebenermaßen vieles vermuten, nur nichts gutes.

Doch dann das. Kurz gesagt vermögen die CRYSTAL EYES auch diesen Kniff perfekt umzusetzen, und dabei sowohl alte als auch neue Fans zufriedenzustellen. Wer, ja wer hätte gedacht; dass EXTREME PARANOIA noch immer so gut klingt – oder sollte man eher sagen, schon wieder ? Schließlich kann man der Nummer durch die Neuaufbereitung tatsächlich etwas neues abgewinnen, vornehmlich natürlich durch die kaum mehr miteinander zu vergleichende Herangehensweise im Blick auf den Leadgesang Dahl’s – sodass man nunmehr zwei nicht zu verachtende Versionen eines hervorragenden Titels hat. Während andere also ganze Alben mit sich kaum voneinander unterscheidenden – oder im schlimmsten Fall gleich durch und durch negativ auffallenden – Neuaufnahmen veröffentlichen, machen die CRYSTAL EYES wieder einmal vor wie es geht, gehen sollte. In diesem Fall ist es demnach absolut zu verschmerzen, dass es sich nicht wirklich um neue Titel handelt. Und überhaupt – es bleiben ja noch acht Titel, an die man sich zwecks einer Befriedigung der Lust nach wirklich neuem Material wenden kann.

Und die haben es dann auch tatsächlich – und ausnahmslos – in sich. Wie etwa wäre es denn mit dem Titeltrack STARBOURNE TRAVELER, der insgesamt eher ruhig gehalten ist – mit dem prägnanten, an frühere Platten der Band erinnernden Riffing (hier ist es vor allem VENGEANCE DESCENDING) und seinem hymnischen Anspruch im Refrain aber dennoch so manche Hütte abzureissen vermag ? Wie steht es mit CORRIDORS OF TIME, das wie schon der Opener als eine Art Rückschau der CRYSTAL EYES auf ihr eigenes Schaffen fungiert – und dabei in jedem Moment (hier ist es vor allem der Soli-Part und alles, was noch darauf folgt) brilliert ? Und was ist mit dem luftig-rockenden MIDNIGHT RADIO, das weitaus mehr Spaß macht als gedacht ? Gut, das balladeske IN THE EMPIRE OF SAINTS fällt vielleicht etwas aus dem Rahmen, nicht aufgrund der Gangart – aber doch des in den Strophen kaum wiederzuerkennenden Gesangs von Mikael Dahl. Doch wenn das wirklich die schwächste Nummer des Albums sein soll, so kann man sich auch an diese gewöhnen.

Alles in allem ist den CRYSTAL EYES ein kleiner Geniestreich gelungen – auch oder vielleicht gerade aufgrund dessen, dass das letzte Studioalbum KILLER mittlerweile 5 Jahre zurückliegt. Mit ihrer Mixtur aus bekannten, guten alten und teilweise auch erfrischend neuen Elementen bleibt jedenfalls kein Auge trocken, oder anders gesagt: ein ungetrübter Hörgenuss irgendwo zwischen einem flotten schwedischen Power Metal und einem auch mal etwas hymnischeren Hardrock ist garantiert. Und das sowohl für alteingesessene, als auch für Neueinsteiger. Eine unbedingte Empfehlung !

Anspieltipps: GODS OF DISORDER, SIDE BY SIDE, EXTREME PARANOIA, STARBOURNE TRAVELER


„Die CRYSTAL EYES waren 5 Jahre weg ? Mag sein, aber es fühlt sich nicht so an.“

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