Metal-CD-Review: AGE OF ARTEMIS – Monomyth (2019)

Alben-Titel: Monomyth
Band: Age Of Artemis (mehr)
Veröffentlichung: 02. April 2019
Land: Brasilien
Spielart / Stil: Power Metal
Label: Keins / Independent

Lineup:

Giovanni Sena – Bass
Gabriel Soto – Guitars
Riccardo Linassi – Drums
Jeff Castro – Guitars
Pedro Campos – Vocals

Track-Liste:

1. Status Quo (01:36)
2. The Calling (05:25)
3. Helping Hand (05:50)
4. Unknown Strength (04:26)
5. Lightning Strikes (04:51)
6. The Call of the Fear (05:37)
7. Reborn (04:59)
8. Endless Fight (04:32)
9. What Really Matters (05:48)
10. Where Love Grows (06:37)
11. A Great Day to Live (05:25)
12. Prelude to a New World (02:10)

Von nur schwerlich zu beantwortenden Geschmacksfragen.

MONOMYTH ist der Titel des mittlerweile dritten offiziellen Studioalbums von AGE OF ARTEMIS – einer 2009 gegründeten, aus dem Herzen Brasiliens stammende Combo; die in Anbetracht der Historie des Leadsängers Alírio Netto sowie natürlich auch der Qualität des 2011 erschienenen Debütalbums OVEROMING LIMITS (siehe Review) oft in einem Atemzug mit ANGRA genannt wurde. Nun aber schreiben wir das Jahr 2019 – und die Frage, ob AGE OF ARTEMIS noch immer mit ihren theoretischen Vorbildern – oder zumindest musikalisch verwandten Kollegen, zu denen man auch noch ALMAH, SHAMAN und ANDRE MATOS hinzufügen könnte – mithalten können; rückt stärker in den Vordergrund als jemals zuvor. Immerhin mussten AGE OF ARTEMIS in der Zwischenzeit gleich drei einschneidende Besetzungswechsel verkraften – wobei nicht nur Pedro Sena (Drums) und Nathan Grego (Gitarre) die Band verließen, sondern – und ausgerechnet – auch noch der hiesige Leadsänger Alírio Netto. Für ihn kam erst kürzlich, das heißt 2017 der neue Frontmann Pedro Campos – den einige als Leadsänger der ebenfalls brasilianischen Power-Prog-Combo HANGAR, oder aber durch seine zahlreichen Auftritte bei den Kollegen von SOULSPELL kennen dürften.

So steht eines schon einmal unumstößlich fest: der Sound von AGE OF ARTEMIS hat sich weiter gewandelt. Vornehmlich aufgrund der eben erwähnten Besetzungswechsel – aber eventuell auch, da die Brasilianer den zutiefst mittelprächtigen Eindruck ihres 2014 erschienenen zweiten Albums THE WAKING HOUR (Review) vergessen lassen möchten. Vermutlich wird es dabei aber längst nicht jeden zufriedenstellen, in welche Richtung sich AGE OF ARTEMIS zusehends bewegen, oder anderes gesagt: der ursprünglich auf OVERCOMING LIMITS angepeilte Power Metal mit dezent symphonischen Einflüssen kommt bei den Brasilianern überhaupt nicht mehr vor. Das bedeutet mindestens zweierlei: zum einen, dass MONOMYTH mit seinen insgesamt 12 enthaltenen Titeln eher das Genre eines progressiven Power Metals bedient, womit die Brasilianer einen ganz ähnlichen Weg beschreiten wie jüngst die Italiener von LABYRINTH (gemeint ist hauptsächlich das 2017 erschienene ARCHITECTURE OF A GOD, siehe Review) – und zum anderen, dass allzu temporeich voranpreschende Gangarten, melodiöse Kraftakte oder hymnische Tendenzen im Sinne eher klassischer Power Metal-Combos ausbleiben. Natürlich muss das noch nichts schlechtes bedeuten – doch um der Enttäuschung jener entgegenzuwirken, die sich ein zweites OVERCOMING LIMITS gewünscht haben; sei es an dieser Stelle noch einmal angemerkt.

Wie gut oder schlecht MONOMYTH damit wirklich ist, ist demnach gar nicht so leicht zu beantworten – was des öfteren der Fall ist oder sein kann, wenn sich Bands vergleichsweise heftige Stilwechseln unterziehen. Klar, grundsätzlich spricht eine Menge für die neuen AGE OF ARTEMIS – etwa das wirklich in jeder Hinsicht tadellose Handwerk, die gelungene Abmischung und Produktion inklusive der nötigen Aufmerksamkeit für den Bass, die zumindest hie und da noch immer durchscheinende Band-Vergangenheit respektive die musikalische Verbindung zu anderen brasilianischen Combos (wie etwa beim Opener THE CALLING oder dem an ANGRA erinnernden HELPING HAND), Kracher-Titel wie WHERE LOVE GROWS (das alles andere als eine Ballade ist) oder der grundsätzlich starke, raspelig-raue Leadgesang von Pedro Campos, der im Zusammenspiel mit den Instrumenten auch mal an den Sound der Kollegen von den (neueren) NOCTURNAL RITES erinnern kann.

Dennoch, ein etwas flaues Gefühl bleibt zurück. Ob selbiges auf den insgesamt betrachtet eher modern ausfallenden Sound (und sei es nur gefühlt, siehe etwa Titel wie ENDLESS FIGHT), die doch prägnante Anzahl von Titeln mit einer deutlich ruhigeren Gangart, einzelne Titel wie das in vielerlei Hinsicht anstrengende THE CALL OF THE FEAR, das fehlen von wirklich kraftvoll-ausbrechenden Momenten oder die teils etwas zu gleichförmigen und gerade in Bezug auf die Gitarren höchst unspektakulären Refrains zurückzuführen ist; offenbart sich dabei nicht wirklich. Vermutlich ist es eine Mischung aus allem. Freunde einer progressiven Spielart, die eine gut inszenierte Symbiose aus Handwerk, Technik und Emotionen erleben wollen; sollten aber in jedem Fall einen Blick riskieren. Alle anderen, und das gilt insbesondere für Fans eines eher klassischen Power Metals; sollten sich dagegen schnell mit einem vergleichsweise handzahmen Album (insgesamt betrachtet) wie MONOMYTH langweilen – und seien entsprechend gewarnt. Zumal es ganz aktuell auch einige relativ ähnliche, aber eben doch deutlich interessantere Alternativen gibt – wie etwa die Jungs von den WINGS OF DESTINY, die sich mit ihrem neuesten Werk REVELATIONS (siehe Review) selbst übertroffen haben.

Anspieltipps: THE CALLING, WHAT REALLY MATTERS, WHERE LOVE GROWS


„Vergleichsweise anspruchsvoll und gerade technisch hervorragend – aber dennoch alles andere als atemberaubend.“

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