Metal-CD-Review: NORTHTALE – Welcome To Paradise (2019)

Alben-Titel: Welcome To Paradise
Band: Northtale (mehr)
Veröffentlichung: 02. August 2019
Land: Schweden
Spielart / Stil: Melodic Power Metal
Label: Nuclear Blast

Lineup:

Mikael Planefeldt – Bass
Patrick Johansson – Drums
Bill Hudson – Guitars
Jimmy Pitts – Keyboards
Christian Eriksson – Vocals

Track-Liste:

1. Welcome to Paradise (04:36)
2. Higher (03:45)
3. Follow Me (04:39)
4. The Rhythm of Life (03:50)
5. Time to Rise (03:51)
6. Way of the Light (04:47)
7. Shape Your Reality (03:46)
8. Everyone’s a Star (03:39)
9. Siren’s Fall (03:52)
10. Bring Down the Mountain (03:50)
11. Playing with Fire (04:31)
12. If Angels Are Real (04:28)
13. Even When (03:29)

Willkommen im (doppelten) Paradies.

Die meisten werden es wissen: gut erzählte Power Metal-Geschichten aus dem hohen Norden gibt es schon lange. Doch auch heute noch bringen das für das Genre enorm wichtige Länder-Trio aus Schweden, Finnland und Norwegen immer neue Bands hervor – wie etwa NORTHTALE. Dabei ist es beileibe keine Schande, wenn man bis dato noch nichts von der 2017 gegründeten Combo gehört hat – schließlich sollte es bis zum ersten handfesten Release (die erste Single erschien im Juni 2019) noch etwas dauern. Zumindest beim Lesen der Besetzungsliste aber sollten bei den meisten die Alarmglocken schrillen, denn so gut wie alle Beteiligten haben bereits einiges an großzügiger Genre-Erfahrung vorzuweisen. Neben Patrick Johansson (Drums), Bill Hudson (Gitarren) und Jimmy Pitts (Keyboards) ist es dann aber vor allem ein Name, der die Aufmerksamkeit zusätzlich erregt – immerhin hält niemand geringerer als Christian Eriksson das Leadgesangszepter von NORTHTALE in der Hand. Richtig; eben jener Christian Eriksson, der bis 2017 als ebenso markanter wie engagierter Frontmann der Recken von TWILIGHT FORCE fungierte – und der nun ein neues (Band-)Zuhause gefunden hat.

Jedoch, und um schon einmal dezent auf den Sound respektive die Spielart von NORTHTALE einzugehen; hält er sich im Vergleich zu seinen bisherigen Darbietungen eher zurück. Auch wenn man es durchaus vermuten könnte ist das aber keinesfalls negativ gemeint, zumindest nicht in diesem Fall – schließlich muss er bei NORTHTALE eine etwas andere Genre-Sparte bedienen als zuvor bei den symphonisch-durchtrieben agierenden Abenteurern von TWILIGHT FORCE. NORTHTALE sind eher im Bereich eines vergleichsweise gemäßigten Melodic Power Metals zu verorten, wobei sich gänzliche andere Parallelen ergeben – wie etwa zu den Kollegen von STRATOVARIUS oder SONATA ARCTICA (die früheren). Festzuhalten ist in jedem Fall, dass Christian Eriksson seine Sache auch bei seiner neuen Band gut macht. Mehr noch, und ganz grundsätzlich gesprochen: Eriksson, der einst bei den Kollegen von SABATON (allerdings eher im Hintergrund) gewerkelt und so seine Karriere begonnen hat; kann problemlos als Ausnahmetalent und waschechte Bereicherung für das Genre angesehen werden. Auch, aber längst nicht nur da er bei NORTHTALE eine so noch nicht gehörte gefühlvolle Seite von sich zeigen kann – und auch dabei wunderbar angenehm und glaubwürdig klingt. Demnach darf man gespannt sein, was er in Zukunft noch alles anpacken wird – wobei zu hoffen ist, dass er sich nicht vorschnell zur Ruhe setzt.

An dieser Stelle geht es jedoch erst einmal um NORTHTALE’s Debütalbum – das mit 13 Titeln und einer Gesamtspielzeit von knapp 53 Minuten aufwartet. Das interessante dabei ist, dass es wie bereits erwähnt klar dem Genre des Melodic Power Metals zuzuordnen ist – dabei aber ein recht breit gefächertes Spektrum an verschiedenen Gangarten und Stimmungen offeriert. Gangarten, die NORTHTALE offenbar alle beinahe perfekt beherrschen – sodass sowohl zünftige Uptempo-Hymnen wie der Opener WELCOME TO PARADISE, melodische Midtempo-Stampfer wie THE RYTHM OF LIFE oder emotionale Balladen wie WAY OF THE LIGHT (sowie natürlich der Rausschmeißer EVEN WHEN, bei dem Christian Eriksson kaum wiederzuerkennen ist) tadellos funktionieren. All das wäre aber vermutlich nur halb so schön, wenn es nicht auch eine ganze handvoll von Titeln gäbe die zusätzlich hervorstechen – und das aus ganz unterschiedlichen Gründen. HIGHER etwa, das richtigerweise auch als vorab-Single ausgekoppelt wurde; präsentiert sich schnell als eindeutig zu identifizierender Hochkaräter – wobei die Strophen, und das ist eher selten; noch prägnanter ausfallen als der Refrain. Mehr als willkommen ist auch, und das gilt grundsätzlich für alle Titel; dass NORTHTALE das Keyboard eher unterstützend einsetzen – und im allgemeinen auf einen schön knackigen Metal-Sound setzen, der keines der Instrumente zu kurz kommen lässt. Auch nicht den Bass, glücklicherweise.

Und auch im weiteren Verlauf des Albums bleibt es spannend: das zunächst etwas unscheinbar wirkende FOLLOW ME schöpft mit seinen an die früheren SONATA ARCTICA angelegten Elementen ebenso aus dem musikalischen Vollen wie das dezent an ANGRA erinnernde, schlicht enorm mitreißende SHAPE YOUR REALITY oder das gleich in jeder Hinsicht geniale IF ANGELS ARE REAL. Weitere Überraschungen gibt es in Form von Nummern wie BRING DOWN THE MOUNTAIN – bei dem NORTHTALE erneut eine weitere musikalische Facette von sich zeigen. Eine, die einen ein wenig an eine (dann aber: starke) Version von BLOODBOUND denken lässt. Kurioserweise sollte es selbst kritisch eingestellten Beobachtern entsprechend schwerfallen, etwaige Ausfälle oder zumindest schwächere Momente auszumachen – die sich am ehesten in Feinheiten wie dem Ausklang von WELCOME TO PARADISE (bei dem Christian Eriksson plötzlich so klingt wie ein aufgedrehter Tobias Sammet) oder den merkwürdigen, sich etwas fremdartig anfühlenden Sprachfetzen in der Mitte von TIME TO RISE bemerkbar machen. Wenn es wirklich um komplette Titel gehen soll die zu potentiell  zu vernachlässigen sind, so träfe die Wahl wohl am ehesten EVERYONE’S A STAR – das dann doch mit einer etwas zu poserhaften Attitüde und einem zu dick aufgetragenen Keyboard daherkommt.

Schlussendlich – und tatsächlich – ist WELCOME TO PARADISE aber ein echter Kracher geworden. Einer, der die durch die Präsenz des Leadsängers Christian Eriksson gehegten Erwartungen nicht nur erfüllt, sondern sogar übertrifft. Und das vornehmlich, da es NORTHTALE wie derzeit keine zweite Band schaffen viele verschiedene Stimmungen unter einen Hut zu bekommen. Und, das ist das wichtige; dabei noch immer unglaublich überzeugend und glaubwürdig zu klingen. Anders gesagt: so vielfältig, abwechslungsreich und dabei noch immer nach einem gewissen Konsens klingend ist schon länger kein Power Metal-Album mehr ausgefallen. Erst Recht nicht in diesem Jahr – was WELCOME TO PARADISE ganz eindeutig zu einem der heißeren Kandidaten für den diesjährigen Genre-Thron macht. Wer hätte das gedacht…

Anspieltipps: WELCOME TO PARADISE, FOLLOW ME, SHAPE YOUR REALITY, BRING DOWN THE MOUNTAIN, IF ANGELS ARE REAL


„Hier gibt es alles, was das Genre-Herz begehrt.“

Ein Gedanke zu “Metal-CD-Review: NORTHTALE – Welcome To Paradise (2019)

Über Kommentare Freut Sich Jeder.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.