Metal-CD-Review: SABATON – The Great War (2019)

Alben-Titel: The Great War
Band: Sabaton (mehr)
Veröffentlichung: 19. Juli 2019
Land: Schweden
Spielart / Stil: Power Metal
Label: Nuclear Blast

Lineup:

Pär Sundström – Bass
Joakim Brodén – Vocals, Keyboards
Chris Rörland – Guitars
Hannes Van Dahl – Drums
Tommy Johansson – Guitars

Track-Liste:

1. The Future of Warfare (03:26)
2. Seven Pillars of Wisdom (03:02)
3. 82nd All the Way (03:31)
4. The Attack of the Dead Men (03:56)
5. Devil Dogs (03:17)
6. The Red Baron (03:22)
7. Great War (04:28)
8. A Ghost in the Trenches (03:26)
9. Fields of Verdun (03:17)
10. The End of the War to End All Wars (04:45)
11. In Flanders Fields (01:57)

Schütze SABATON meldet sich erneut zum Dienst.

Wenn etwas wirklich gut respektive geschmiert läuft im Genre des Power Metal, dann ist das wohl die ebenso berühmte wie berüchtigte Power Metal-Kriegsmaschinerie der Marke SABATON. Immerhin legen die Schweden mit THE GREAT WAR ihr mittlerweile neuntes Studioalbum vor. Ein Album in einer Reihe von Veröffentlichungen, die seit 2005 Metal-Fans aller Herren Länder begeistern – und die, das muss man ihnen schon lassen; hinsichtlich ihrer Einzigartigkeit tatsächlich ihresgleichen suchen. Schließlich stehen SABATON wie keine zweite Combo für ein quasi von ihnen erschaffenes Subgenre, den sogenannten War Metal – der nicht nur in (dann: meist recht pompös inszenierter) klanglicher Hinsicht diverse Schlachtfelder heraufbeschwört, sondern stets auch in inhaltlicher. Ja, selbst die Musikvideos der Band sind schon längst dem ureigenen Image der Band angepasst; wobei sich SABATON wahrlich nicht über zu wenig Aufmerksamkeit beklagen könnten. Insbesondere der kürzlich veröffentlichte, fast schon kinoreif abgedrehte Clip zu BISMARCK hinterließ dabei einen recht markanten Eindruck. Hierbei handelt es sich allerdings um einen Song, der nicht auf THE GREAT WAR enthalten ist. Schließlich geht es SABATON auf ihrem neuesten Studioalbum – und das in einer recht konsequenten Art und Weise – um den Ersten Weltkrieg.

Natürlich, und wie es gewissermaßen auch zu erwarten war; bietet auch der reichlich Futter für ein typisches SABATON-Konzeptalbum, auf dem zumeist aus allen (musikalischen) Rohren geschossen wird. Fans dürfte das freuen – denn immerhin bedeutet dies, dass viele der typischen SABATON-Trademarks zurück sind. Dass diese vor einem anderen inhaltlichen Hintergrund inszeniert werden, spielt dann auch nicht wirklich eine Rolle – es sei denn natürlich, man möchte sich wirklich tiefer mit den angeschnittenen Inhalten beschäftigen. Im allgemeinen aber gilt, dass der Zugang zur SABATON-Welt hauptsächlich über die auch dieses Mal recht üppig ausstaffierten Instrumentals (inklusive des in diesem Falle obligatorischen Keyboards) wie natürlich auch dem wunderbar raspeligen Leadgesang von Joakim Brodén ermöglicht wird. Und überhaupt: zumindest in handwerklich-technischer Hinsicht gibt es kaum einen Grund, ein Album wie THE GREAT WAR nicht zu mögen. Selbiges klingt schön satt, ist hervorragend abgemischt – und fällt bestenfalls dadurch negativ auf, dass der von Pär Sundström gerne mal untergeht. Oder zumindest deutlich im Mix – und in Anbetracht der Chor- und Keyboardattacken (auch an diesem Posten steht niemand geringerer als Joakim Brodén seinen Mann) zurücksteht.

Davon abgesehen geht es im Fall von SABATON aber wohl hauptsächlich um persönliche Geschmacksfragen. Gefällt einem das was die Schweden hier machen, gefällt es einem nicht – oder betrachtet man es direkt als etwas ganz und gar unangebrachtes ? Zur Klärung beitragen kann man häufig nur dadurch, dass man die einzelnen Alben miteinander vergleicht und so gesehen auch gegeneinander aufwiegt – etwa um zu sehen, wo es sowohl in musikalischer als auch inhaltlicher Hinsicht am meisten zu holen gibt. Dabei sollte die Wahl wohl grundsätzlich auf das 2014 erschienene HEROES (siehe Review) fallen – woran auch THE GREAT WAR nichts ändert. Immerhin nähert es sich gefühlt wieder etwas mehr an eben jenen Diskografie-Höhepunkt an (siehe etwa 82ND ALL THE WAY) – und schafft es dabei in jedem Fall absolut problemlos, dass 2016 erschienene (und in vieler Hinsicht schwache) THE LAST STAND (Review) zu toppen. Der hauptsächliche Grund dafür ist, dass THE GREAT WAR wieder deutlich druckvoller, energetischer und vielleicht auch stilsicherer klingt als sein Vorgänger. Und natürlich, dass die zumeist recht kurz ausfallenden, recht effektiv geschriebenen Nummern vieles aufkommen lassen – nur keine Langeweile.

In wie weit man das ganze nun als musikalisch oder inhaltlich wertvoll erachten könnte oder nicht, sei an dieser Stelle einmal dahingestellt – doch darum scheint es SABATON ohnehin nicht zu gehen, zumindest nicht in erster Linie. Vielmehr scheinen sie der Hörerschaft ein recht offenes Angebot zu machen – was man letztendlich damit anfängt, bleibt (wie so oft) einem jeden selbst überlassen. Überhaupt erscheint es um einiges wichtiger festzuhalten, dass dass SABATON sich selbst (und natürlich auch ihren Fans) über all die Jahre treu geblieben sind, dank ihres konsequent verfolgten Stils immer wieder für ein gewisses Aufhorchen sorgen – und die Power Metal-Welt so in jedem Fall bereichern. Und das – wenn nötig oder gewünscht – auch mit der 3-CD-Edition von THE GREAT WAR – die noch die Instrumental-Versionen der Titel sowie eine ausführliche History-Version mit gesprochenen Passagen bereithält.

Anspieltipps: 82ND ALL THE WAY, THE RED BARON, A GHOST IN THE TRENCHES


„Glücklicherweise wieder deutlich besser als der Vorgänger – und davon abgesehen einfach typisch SABATON.“

6 Gedanken zu “Metal-CD-Review: SABATON – The Great War (2019)

  1. auf dieses Review hab ich gewartet – ist vermutlich das angebrachteste, damit wieder meine eigenen Kommis anzufangen.

    Ich red‘ gar nicht lange um den heißen Brei herum, sondern fang am besten direkt an: Ich hab tatsächlich ein paar Mal hören gebraucht, um mit dem Album warm zu werden. Am Anfang klang es irgendwie alles so gleich – nichts wirklich schlecht, aber es war auch (bis auf a Ghost in the Trenches, Fields of Verdun und Red Baron, die ich von Anfang an super fand) nichts wirklich besonderes mit dabei, zumindest so mein erster Eindruck.

    Nun, der hat sich nach einigen Stunden im Funkloch sitzen,nichts tun können und das Album hoch-und runterhören deutlich geändert 😛

    The Future of Warfare:
    Einen besseren Opener hätte Sabaton meines Erachtens nicht wählen können – der Chor direkt am Anfang setzt super die Stimmung für das Album, der schleppende, unaufhaltsame Rythmus der einzelnen Strophen im zusammenspiel mit dem deutlich schnelleren, aber immer noch schwerfällig klingenden Refrain malt ein sehr schönes Bild der Stellungskriege und dem Schockmoment der ersten Panzer.

    Seven Pillars of Wisdom:
    Tonal direkt ein Kontrast zum Rest des Albums, aber nicht unbedingt schlecht (auch thematisch passend!). Hat etwas gebraucht, bis ich mit dem Lied warm wurde, aber ich würde es nicht aus dem Album raus haben wollen.

    82nd all the Way:
    Erinnert mich irgendwie an Coat of Arms oder The Art of War, auf eine gute Art. Schön triebig, macht Spaß, viel mehr kann ich dau eigentlich nicht sagen 😛

    Attack of the Dead Men:
    Eins meiner persönlichen Highlights des Albums. Sehr gelungene Verwendung von unkonventionellen Instrumenten und Sounds, zusammen mit einem unaufhaltsamen Rhythmus, wieder einmal sehr gut gelungen, die Atmosphäre des behandelten Themas einzufangen, das Gefühl von unaufhaltsam näherkommenden Untergangs in Form von soldaten, die schon längst hätten tot sein sollen.
    Ich bin mir nicht sicher, ob das Absicht oder zufall war, aber mir persönlich gefällt der stilistische Unterschied zu den anderen Liedern, die sonst fast nur die Westfront behandeln – weniger statisch, mit mehr Bewegung und generell einer Stimmung von „vorwärts!“

    Devil Dogs:
    Definitiv eins der besten Lieder des Albums. Hat auch etwas gebraucht, bis ich mit dem Lied als ganzes warm wurde, aber der refrain war mir von Anfang an sympathisch, was zum richtig mitbrüllen.

    The Red Baron:
    Ich kann dir da nur zustimmen, auch in meinen augen definitiv ein Highlight. OBwohl es eigentlich überhaupt nichts mit dem restlichen Lied zu tun hat, der Anfang schon ist ein super buildup, und der aprubte Bruch zum eigentlichen Lied macht einfach nur Spaß – etwas, das ich für den Rest des Lieds nur wiederholen kann. Definitiv etwas, was nach einem adrenalingefüllten Luftgefecht klingt.

    Great War:
    An sich ein super geschriebenes Lied, und all die Einzelteile passen in sich einwandfrei, aber irgendwas am Endprodukt stört mich. Ich kann den Finger nicht drauf legen, aber die Balance der einzelnen Teile fühlt sich… seltsam an.
    Immer noch ein sehr gutes Lied, aber ich hab eben das Gefühl, dass es hätte noch besser sein können.

    A Ghost in the Trenches:
    Mein definitiver Favorit des Albums. Der Chorus hat so eine unglaubliche Wucht, dass ich seit der Veröffentlichung des Snippets durch die Sabaton History show der Veröffentlichung des ganzen Liedes richtig entgegengefiebert habe. Das einzige, was ich am Lied nicht mag, ist das leider recht einfaqllslose Ende – davon abgesehen ein absolutes Meisterwerk des Power Metal.

    Fields of Verdun:
    Wie schon oben erwähnt – dieses Lied war von Anfang an Liebe. Direkt Ghost Division-artig mit drums anfangend, und eine Geschwindigkeit haltend, die (vor allem in Zusammenspiel mit dem Musikvideo!) das Gefühl von einem Sturmangriff auf feindliche Linien erweckt – egal, wohin du gehst, links und rechts von dir schlagen Mörsergranaten ein, Maschinengewehrfeuer aus beiden Richtungen – die Atmosphäre ist einfach super rübergebracht, und das Lied an sich macht dabei noch unglaublich spaß.

    The End of the War to End all Wars:
    Meiner Meinung nach ein grandioses Ende für dieses Album, und fängt sehr gut die Stimmung ein, die ein Lied über den ersten Weltkrieg haben sollte. Im Prinzip kann ich jede beliebige Stelle des Lieds dafür als Beispiel angeben, aber die in meinen Augen eindrucksvollste ist der Refrain selbst: „And as the end draws near, November dawn. With losses so severe, cease-fire, their forces withdrawn“. Bringt wunderbar rüber, wie sich jegliche Vorwärtsbewegung an der Westfront völlig im Sand verlaufen hat, und wie der Krieg einfach irgendwie abgebrochen wurde, ohne, dass der einfache Soldat vom sieg/der Niederlage irgendwas mitbekommen hätte.

    In Flanders Fields:
    Als einzeln stehendes Lied nicht unbedingt etwas, was es meiner Meinung nach gebraucht hätte, aber thematisch passt es auch sehr gut rein und ist ein gelungenes Stück, um das Album ruhig ausklingen zu lassen und erweckt das Gefühl einer Kamerafahrt über ein verlassenes Schlachtfeld – in dem Sinne kann ich dem Lied keinen Vorwurf machen, Ziel absolut erreicht.

    Meine Güte hab ich mich bei den einzelnen Beschreibungen verkünstelt. Im Prinzip alles, was ich damit aussagen will, ist, dass das Album es wue kaum ein anderes schafft, die Stimmung der behandelten Themen einzufangen, und dabei auch noch wirklich Spaß zu hören macht. An dieser Stelle seien die Soundtrack und History Version auch noch erwähnt – vor allem der Soundtrack ist es absolut wert, zusätzlich zum normalen Album gekauft zu werden.

    Alles in allem kann ich mich dir nur anschließen – das Album ist zwar immer noch nichts wirklich besonderes, es gibt auch keinen „Aha!“-Moment in der Dimension von Ghost Division oder Night Witches, aber das Album ist am Ende des Tages einfach nur grundsolide, genau das, was man von Sabaton erwartet.
    In bester Tradition ist meine Endwertung etwas höher als deine – 8.5

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    1. Prima geschrieben 😊😊😊… würde auch eher 8 aufwärts bewerten. Sind paar coole Ohrwürmer dabei die ich zuletzt vermisst habe… vlei ist Sabaton oh besser wenn sie über eine epoche schreiben (1. und 2. WK) als wie bei The Last Stand und Heroes (was in meinen Augen immernoch der absolute Tiefpunkt ist).

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        1. Is mir irgendwie zu poppig und die melodien greifen mich garne ab bzw. Refrains. Vlei liegts oh an den losen Geschichten oder so… hab keen Plan. The Last Stand ist aber glei dahinter

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  2. Bin jetzt nicht der größte Sabaton Fan, auch das Album holt mich nicht wirklich ab. Aber das zusätzliche Album „The Soundtrack to the Great War“ finde ich wirklich sehr gelungen.

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