TV-Kritik / Serien-Review: STRANGER THINGS Staffel 3 (2019)

Originaltitel: Stranger Things
Typ: VOD-Serie
Umfang / Laufzeit: 8 Folgen (Länge je ca. 41-54 Minuten)
Land: USA
Idee: Matt Duffer, Ross Duffer
Genre: Science Fiction / Drama / Abenteuer
Tags: 80er Jahre | USA | Retro | Mystery | Übernatürliches

You’re always on my mind.

Inhalt: Nachdem der Spalt in die ominöse Spiegel-Dimension, das sogenannte Upside Down gerade noch von Eleven geschlossen werden konnte, scheint wieder etwas Ruhe in die beschauliche US-Kleinstadt Hawkins gekehrt zu sein. Im Verborgenen jedoch – und trotz allem – haben einige Wissenschaftler wieder damit begonnen, ein Portal in die andere Dimension zu öffnen. Und auch wenn dieses Mal eine andere Maschine dafür genutzt wird und ausnahmsweise mal das russische Militär eine entscheidende Rolle spielt, hat sich an den potentiellen Gefahren wenig geändert: der Gedankenschinder, den Eleven zuletzt gerade noch hatte verbannen können; lebt noch immer – und hat offensichtlich Wege und Möglichkeiten gefunden, seine Präsenz erneut auf die andere Seite des Portals auszudehnen.

Die in dieser Rezension verwendeten Bilder sind © Netflix

Kritik: Achtung, Spoiler ! Knapp 3 Jahre, nachdem die Brüder Matt und Ross Duffer erstmals von ihrer damals schnell zu einem absoluten Publikums-Liebling avancierten Netflix-Serie STRANGER THINGS hören ließen (siehe Review zu Staffel 1), erschien kürzlich die mittlerweile dritte Staffel des erfolgreichen Franchise. Ein Franchise, welches man – und das dürfte unter anderem auch den relativen Hype um die Serie erklären – einfach nicht in eine einzelne Schublade stecken kann oder sollte. Insbesondere diejenigen, die bereits bei Staffel 1 eingestiegen waren und daraufhin natürlich auch die (insgesamt nur etwas schwächere) zweite Staffel folgen ließen, wissen auch warum.

Denn auch wenn man zunächst durchaus hätte erwarten können, dass STRANGER THINGS allein von seiner übergeordneten Mystery-Atmosphäre und den (durchaus starken) Kreatur-bezogenen Horrorelementen lebt; gilt es in diesem Fall glücklicherweise noch einiges hinzuzufügen. Angefangen bei den doch recht prägnant ausfallenden Charakter-Porträts sowie den damit einhergehenden Coming-Of-Age Aspekten (immerhin sind die eigentlichen Hauptcharaktere Heranwachsende) über die ebenso unbekümmert-lockere wie atemberaubend-spannende Erzählart bis hin zu einem bemerkenswerten, größtenteils vom 80er-Jahre-Setting ausgehenden Retro-Charme inklusive zahlreicher Easter-Eggs – STRANGER THINGS hatte wahrlich einiges zu bieten. Und ja, im Grunde ist das noch immer der Fall – wenngleich der Ideenreichtum, die Frische oder schlicht und ergreifend auch die allgemeine Faszinationskraft der Serie insgesamt betrachtet eher abgenommen haben.

Der Gründe dafür gibt es durchaus einige – wobei man (je nach persönlicher Facón versteht sich) gar nicht erst allzu tief in die Pro’s und Contra’s der dritten Staffel einsteigen muss. Denn wie mittlerweile fast schon überall anders auch offenbaren grundsätzlich gute bis ganz und gar herausragende Serien oftmals ein Problem, ganz unabhängig vom angepeilten Genre: sie sind oft nur so lange wirklich gut, so lange sie nicht allzu (kommerziell) erfolgreich sind. Anders gesagt: wie oft schon gab es Serien, die nach einer guten ersten Staffel mehr oder weniger urplötzlich erheblichen Qualitätseinbußen ausgesetzt waren – und das, obwohl die Ideengeber, also die eigentlichen Macher und Verantwortlichen dieselben geblieben waren. Immerhin, STRANGER THINGS ist nun nicht gerade ein Paradebeispiel dafür; eher im Gegenteil (siehe Review zur zweiten Staffel) – doch spätestens mit der vorliegenden dritten Staffel könnten, nein werden sich dezente Ermüdungserscheinungen einstellen. Und das in vielerlei Richtungen.

Eingefleischten STRANGER THINGS-Fans sollte so schon zum Staffel-Start auffallen, dass sich Matt und Ross Duffer erneut für einen besonders ruhigen Auftakt entschieden haben – einen, der sich eben nicht wie ein nahtloser Anschluss an die Ereignisse der zweiten Staffel anfühlt, sondern vielmehr wie ein möglichst allen Zuschauern (und damit auch Neueinsteigern) gerecht werdender Prolog. Sicher erscheint es verständlich, dass die beiden nicht gleich aus allen Rohren feuern wollten, vor allem nicht den inhaltlichen und emotionalen – doch ein wenig mehr einer, man nenne es direkten Rückbesinnung hätte dem Auftakt der dritten Staffel sicherlich nicht geschadet. So wissen einige der wichtigsten Charaktere scheinbar gar nicht mehr, was bereits alles geschehen ist – was sich wohl kaum mit dem Faktor der Verdrängung allein erklären lässt, und eher als Gefallen für diejenigen zu verstehen ist, die über keinerlei STRANGER THINGS-Vorwissen verfügen. Das kann man mögen, muss es aber nicht.

Glücklicherweise aber gelingt es den Brüdern bereits nach kurzer Zeit (das heißt: nach recht genau zwei Episoden) wieder, den Anschluss zu finden – und die von Staffel 1 bekannte, unverwechselbare STRANGER THINGS-Atmosphäre inklusive aller bereits genannten Vorteile zu etablieren. Diesbezüglich kommt es dann auch kaum zu etwaigen Abstrichen, zumal es die Serie noch immer problemlos schafft, den Zuschauer intensiv in ihren ureigenen Bann zu ziehen – und man über kleinere Logik-Probleme meist hinwegsehen kann. Einzig wenn es zum großen Finale übergeht – und man es beispielsweise gleich 2 Mal hintereinander schafft eine geheime russische Militärbasis zu infiltrieren oder mehrfach den eigentlich tödlichen Fängen einer nicht gerade freundlich gesinnten Kreatur zu entkommen – schlägt STRANGER THINGS doch noch markant über die Stränge, und sorgt für ein leichtes Stutzen im sich sonst eigentlich stimmig anfühlenden Handlungs-Universum.

Ein Universum, in dem durchaus auch Portale (oder eher Risse) in eine andere Welt geöffnet werden können, Telekinese möglich ist oder man sich dank der Zuführung von Düngemitteln auf eine so nicht bekannte Art und weise weiterentwickeln kann – was alles noch in Ordnung geht respektive sich nicht so abgedroschen anfühlt, dass es sich nachteilig hätte auswirken können. Speziell mit der Unterbringung einer neuen Fraktion (die Russen) aber müssen die Duffer-Brüder aufpassen, dass sie STRANGER THINGS – oder eher das Erbe der großartigen ersten Staffel des Franchise – auch in Zukunft nicht verramschen. Schließlich konnte man bereits erfahren, dass eine vierte Staffel höchst wahrscheinlich ist – und auch von einer möglichen fünften scheint bereits die Rede. Man darf also durchaus gespannt sein, wie es weitergeht – und hoffen, dass Matt und Ross Duffer der Serie einen würdigen (und nicht allzu weit in der Zukunft liegenden) Abschluss verpassen.

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„Eine Serie, die ihren Ursprüngen weitestgehend treu bleibt. Zumindest noch.“

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