TV-Kritik / Serien-Review: THE WALKING DEAD (Staffel 9)

Originaltitel: The Walking Dead Season 9
Relation: Fortsetzung der achten Staffel
Typ: TV-Serie
Umfang / Laufzeit: 16 Folgen (je ca. 45 Minuten)
Land: USA
Produktion: Circle of Confusion, Valhalla Motion Pictures
Idee: Frank Darabont, Robert Kirkman (Comic), Tony Moore (Comic)
Genre: Drama / Horror / Endzeit
Tags: The Walking Dead | Rick Grimes | Zombies | Überleben

Staffel 9 | Episodenliste (Deutsche & Englische Titel)

9×01 – A New Beginning | Ein neuer Anfang
9×02 – The Bridge | Die Brücke
9×03 – Warning Signs | Keine Ausnahmen
9×04 – The Obliged | Hungerstreik
9×05 – What Comes After | Wach auf
9×06 – Who Are You Now? | Die Welt dreht sich weiter
9×07 – Stradivarius | Stradivarius
9×08 – Evolution | Geflüster
9×09 – Adaptation | Home Sweet Home
9×10 – Omega | Lydia
9×11 – Bounty | Damit leben
9×12 – Guardians | Anführer
9×13 – Chokepoint | Engpass
9×14 – Scars | Narben
9×15 – The Calm Before | Die Ruhe davor
9×16 – The Storm | Der Sturm

Just your typical nerverending story.

Inhalt: Nachdem die Truppe um Ex-Scheriff Rick Grimes das schier unmögliche geschafft und ihren Erzfeind Negan endlich ein für allemal in eine dunkle Zelle geworfen hat, scheint langsam aber sicher das von vielen so sehnlichst herbei gewünschte Alltagsleben in den neu aufgebauten Gemeinden einzukehren. Zwar gibt es noch immer Spannungen und Konfliktpotential, vor allem unter den Einwohnern und den ebenfalls gefangengenommenen Anhängern Negan’s – doch im großen und ganzen widmen sich alle dem weiteren Fortschritt. So sollen Infrastrukturen weiter ausgebaut, Technologien wieder entdeckt und neue Bündnisse geschlossen werden – wovon natürlich auch das Familienleben der Einwohner profitiert. Auch dieses Mal finden wieder einige Charakter näher zueinander, wohingegen sich andere urplötzlich distanzieren – was spätestens mit einem großen Fest im Königreich beendet werden soll. Hier sollen wirklich alle Überlebenden zusammenkommen, gemeinsam feiern und über ihre Zukunft sinnieren – wenn, ja wenn es da nicht doch ein Problem gäbe. Selbiges kommt dabei in einer eher ungewöhnlichen Form daher: es scheint, als hätte sich eine andere große Gruppe von Überlebenden zusammengetan. Im Gegensatz zu Rick & Co aber haben die Flüsterer eine etwas andere Überlebensstrategie gewählt: sie tarnen sich als Untote, und wandeln gemeinsam mit den großen Herden umher. So genießen sie einen gewissen Schutz – doch auf ein zivilisiertes Leben müssen sie weitestgehend verzichten. Der Ärger ist gewissermaßen vorprogrammiert, als Rick & Co ein Mitglied der Flüsterer gefangennehmen, welches sich als Tochter der hiesigen Anführerin herausstellt…

Kritik: Alle Jahre wieder, da ist es soweit – und eine weitere THE WALKING DEAD-Staffel erblickt das Licht der Welt. Ein Licht, in dem die Serie vielleicht gar nicht mehr stehen sollte – und das nicht nur in Bezug auf die sinkenden Einschaltquoten. Nein – denn was den geneigten Serien-Zuschauer viel mehr ärgern sollte ist die Tatsache, dass das Franchise seit der Ausstrahlung der allerersten Staffel (das war wohlgemerkt 2010) tatsächlich enorme qualitativen Einbußen zu verzeichnen hatte – trotz der stets vorhandenen, von nicht wenigen als besser oder zumindest effektiver gehandelten Comicbuch-Vorlagen. So wird THE WALKING DEAD zweifelsohne nicht den Weg einschlagen, den die Verantwortlichen jüngst mit dem Ende von GAME OF THRONES begingen. Zwar nicht, indem sie eine grandiose Final-Staffel inszenierten (eigentlich ist sogar genau das Gegenteil der Fall, siehe hier) – aber doch, indem sie eine erfolgreiche und sich in aller Munde befindende Serie exakt zum richtigen Zeitpunkt beendeten. Bei THE WALKING DEAD hingegen kann man sich kaum des Gefühls erwehren, dass die an sich – und wohl schon mit dem Beginn der zweiten Staffel – weniger spannende Serie schlicht und ergreifend niemals enden wird. Beziehungsweise niemals enden soll – weil niemand so genau weiß, wohin die Reise eigentlich geht.

Und das ist – die tatsächlichen qualitativen Aspekte der Serie oder hier eher der mittlerweile neunten Staffel einmal außen vor – nicht weniger als ein waschechtes Problem. Schließlich kann – oder sollte – keine Serie endlos laufen. Zumindest keine mit einem gewissen Qualitätsanspruch, und wenn es nicht gerade um eine – hier steckt es dann schon im Namen – Daily Soap handelt. Zu einer Abwandlung einer eben solchen ist THE WALKING DEAD aber bekanntlich schon seit geraumer Zeit avanciert, und dafür braucht es sicher nicht erst eine tiefere Analyse. So gibt es schon jetzt, und mit Stand von mittlerweile unglaublichen 131 Episoden schlicht viel zu viele gefühlte Filler-Momente (oder wahlweise auch ganze, sich dezent überflüssig anfühlende Episoden) – beispielsweise in Form von Rückblenden, uninteressanten Nebengeschichten oder ganz allgemein inhaltlichen Leerläufen. Vielleicht, aber auch nur vielleicht wäre das noch gar nicht so schlimm – wenn es zumindest immer wieder deutlich spektakulärere Momente gäbe, die den Zuschauer gewissermaßen für ihr Durchhaltevermögen belohnen – doch wie es schon in den Rezensionen zu den bisherigen THE WALKING DEAD-Staffeln angedeutet wurde, sieht es auch diesbezüglich schon länger nicht mehr allzu rosig aus.

Dabei ist nach wie vor nur selten das Problem was passiert (auch wenn man hier ebenfalls einen nicht unerheblichen Verbesserungsbedarf anmelden könnte) – sondern vor allem wie es passiert. Anders und mit einer Vergleichsmöglichkeit gesagt: die Probleme, die die Macher von GAME OF THRONES in der letzten Staffel verbockt haben; sind bei THE WALKING DEAD schon lange bekannt. Und das nicht zu knapp: seien es diverse Logik-Probleme, höchst unglaubwürdige Charakter-Anwandlungen, schier hanebüchen-konstruierte Situationen oder schlicht und ergreifend eine fehlende Nachvollziehbarkeit unzähliger einzelner Momente – der potentielle „Genuss“ von THE WALKING DEAD kommt aufgrund solcher (wohlgemerkt: eigentlich komplett vermeidbarer) Fehler oder vielleicht auch Schludrigkeiten immer wieder markant ins Stocken. Vor allem natürlich, da man in wirklich jeder einzelnen Episode auf derlei Momente stößt – und die Szenen, in denen seltenerweise doch mal alles rund läuft einfach nicht mehr ausreichen um eine nennenswert intensive Atmosphäre zu generieren. Denn, und noch einmal: gerade eine Serie wie THE WALKING DEAD sollte eigentlich explizit von dem Gedanken leben, wie sich der Zuschauer in einer Situation wie der hier dargestellten (das heißt einer post-apokalyptischen Welt) verhalten würde. Trotz der zahlreichen vorhandenen Charaktere und deren verschiedener Entwicklungsstadien wird dem Zuschauer allerdings schon lange nicht mehr die Möglichkeit gegeben, sich wirklich mit einer der Figuren zu identifizieren. Im schlimmsten, aber sicher nicht unwahrscheinlichen Fall bleibt mittlerweile sogar eine jegliche Form der Empathie auf der Strecke – und das bei einer Serie, die nach wie vor einen enorm starken Charakter-Fokus hat.

Eigentlich, und wenn man es herunterbricht; bleiben von der neunten Staffel somit nur drei Dinge wirklich hängen. Zum einen der schier unsägliche Abschied von Rick, der schon vor seinem ominösen (man will nicht sagen: halbherzigen, schließlich will man Darsteller Andrew Lincoln in der Hinterhand behalten) Verschwinden die ein oder andere Szene hatte, die schlicht auf keine Kuhhaut geht – wie etwa die, in der er auf einem Pferd sitzend von Untoten „eingekreist“ wird und daraufhin ärgerlich (für ihn, aber sicher auch für den Zuschauer) verletzt. Zum anderen wären da die sogenannten Flüsterer, die neuen Hauptfeinde der Gemeinden – die eine eher unglaubwürdige Strategie an den Tag legen, eine etwas zu unbesiegbare Anführerin (und einen noch unbesiegbareren zweiten Anführer) haben, und – diese Befürchtung wird sich wohl oder übel bewahrheiten – fortan eine zu große Rolle spielen werden. Als letzten, für die neunte Staffel gewissermaßen symptomatischen Punkt wäre nur noch das Staffelfinale anzuführen – in welchem die Macher doch tatsächlich versuchen, einen (Schnee-)Sturm als waschechtes THE WALKING DEAD-Novum einzuführen. Anders gesagt: wenn nach satten 9 Staffeln schon ein simpler Wetterumschwung für ein inhaltliches Vorankommen sorgen muss, sieht es um die verbleibenden Ideen wohl eher schlecht bestellt aus.

Fazit: Nein, es hat sich nicht viel geändert im und am THE WALKING DEAD-Universum – mit Ausnahme dessen, dass er nach der gefühlt etwas satteren achten Staffel eher wieder bergab geht. Sicher, einige grundsätzliche Qualitätsmerkmale der Serie sind nach wie vor vorhanden – wie etwa der insgesamt zufriedenstellende visuelle Part inklusive der guten Kostümarbeiten und der ordentlichen Kameraführung, oder aber die respektablen Leistungen der Darsteller. Doch insgesamt – und im Hinblick auf die schiere Anzahl der bereits ausgestrahlten sowie die der sicher noch folgenden Episoden – bleibt es einfach nicht aus, dass die Faszination THE WALKING DEAD mehr und mehr verpufft.

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„Derjenige, der immer noch zuschaut beweist wahrlich Durchhaltevermögen.“

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