TV-Kritik / Serien-Review: GAME OF THRONES (Staffel 8 – Finale)

Originaltitel: Game Of Thrones
Typ: TV-Serie
Basierend Auf: A Song Of Ice And Fire
Umfang / Laufzeit: 6 Folgen (je ca. 54-80 Minuten)
Land: USA
Idee: David Benioff, D. B. Weiss
Genre: Abenteuer / Fantasy / Drama
Tags: GoT | Staffel 8 | Achte Staffel | Finale | HBO | George R. R. Martin

Die Liste der 6 Episoden (deutsche und englische Titel):

01 Winterfell Winterfell
02 A Knight Of The Seven Kingdoms Ein Ritter Der Sieben Königslande
03 The Long Night Die Lange Nacht
04 The Last Of The Starks Die Letzten Der Starks
05 The Bells Die Glocken
06 The Iron Throne Der Eiserne Thron

Mach’s mir noch einmal, George R.R. Martin.

Kurzinhalt: Langsam aber sicher scheint sich die letzte, alles entscheidende Schlacht in den 7 Königslanden von Westeros abzuzeichnen. Der mächtige Nachtkönig steht mitsamt seiner Armee aus Untoten bereits direkt vor den Toren Winterfells – und droht, alles sich ihm in den Weg stellende gnadenlos niederzumähen. Das Problem: so sehr sich die Truppen auf den Seiten der Lebenden auch anstrengen, die Untoten bekommen immer wieder Nachschub. Denn wenn es schon nicht neue Opfer sind, die nach ihrem Tod plötzlich auf Seiten des Nachtkönigs kämpfen, stehen die nur vermeintlich besiegten Kreaturen einfach wieder auf – zumindest nach einer gewissen Zeit, und wenn man ihnen nicht gerade den Kopf abgeschlagen hat. Problematisch ist auch, dass sich die noch immer in Königsmund verharrende Königin Cersei eigentlich bereiterklärt hat, den Menschen im Norden zur Hilfe zu eilen – doch offenbar handelte sich dabei nur um ein weiteres leeres Versprechen. So versammelt sie in aller Ruhe ihre eigenen Truppen, um gegen den aus der Schlacht hervorgehenden Sieger anzutreten – und ein für allemal zu klären, wer das Anrecht auf den heiß begehrten Platz auf dem Eisernen Thron hat.

Kritik: In der Tat – und ohne zu viel vorwegnehmen zu wollen – ist der Inhalt zur mittlerweile achten (und letzten) Staffel des sich in aller Munde befindenden Fantasy-Serien-Spektakels GAME OF THRONES schnell erzählt. Wobei das nur gut und richtig ist, schließlich haben Fans des Franchise schon lange genug auf ein bestenfalls grandioses Finale gewartet – und natürlich auch auf eine möglichst zufriedenstellende Zusammenführung respektive eine Auflösung zumindest einiger der vielen zuvor angeschnittenen Erzählstränge. Anders gesagt: dass die ab 2011 ausgestrahlte Serie langsam aber sicher zu einem Abschluss kommt, war von vielen auch genau so gewünscht – wobei das diesbezüglich doch recht konsequente Vorgehen der Verantwortlichen allemal eine positive Überraschung ist. Schließlich hätte man das Ganze durchaus auch – und das ohne allzu sehr in Richtung von regelrechten endlos-Szenarien a’la THE WALKING DEAD (siehe unter anderem hier) zu schielen – noch viel weiter ausschlachten können. Trotz der immensen Produktionskosten, versteht sich – die dank des noch immenseren Erfolges der Serie aber sicher problemlos wieder eingespielt werden konnten. Und überhaupt: wie es scheint können sich so gut wie alle, die auch nur ansatzweise in der Besetzungsliste von GAME OF THRONES auftauchen; mittlerweile recht unaufgeregt aussuchen welche Jobs sie in Zukunft annehmen werden. Und das eventuell auch zu Recht, denn – und das auch ohne die achte Staffel explizit in dieses Urteil mit einzubeziehen – das, was mit GAME OF THRONES erreicht wurde, ist in so gut wie jeder Hinsicht kultverdächtig.

Und dennoch: gerade, da GAME OF THRONES nun komplett ausgestrahlt wurde – und das dieses Mal übrigens in einem überschaubaren Rahmen von gerade einmal 6 Episoden – sollte es erlaubt sein, auf die potentiellen Schwächen der Serie hinzuweisen. Schwächen, die im Laufe der bisherigen Historie der Serie und auch Rezensionen dieses Blogs (siehe unter anderem hier) eher marginal ausfielen – und sich bestenfalls dadurch äußerten, dass man sich so manches Mal etwas zu weit zurück lehnte (wie etwa in der insgesamt schwächeren zweiten Staffel), kleinere Durststrecken einbaute oder Probleme hinsichtlich einer allgemeinen Logik und Nachvollziehbarkeit offenbarte. Den allgemeinen Spaß- und sicherlich auch Suchtfaktor der Serie vermochten sie jedenfalls kaum zu trüben – zumal GAME OF THRONES immer wieder mit Stärken aufwartete, die man so in keiner anderen Serie vorfindet. Natürlich ist dies auch dem hohen Budget und den sich daraus ergebenden Möglichkeiten geschuldet – doch auch davon unabhängig haben die Verantwortlichen immer wieder bewiesen, dass sie ein außerordentliches Fingerspitzengefühl für so gut wie alle Aspekte der Serie besitzen. Sei es das bis zur aktuellen Staffel hervorragende, hinter allem stehende Handwerk (inklusive der mancherlei Kinoproduktion überlegenen Inszenierung, des grandiosen Soundtracks, der tadellosen Leistungen der Darsteller und noch so viel mehr), die Erzählweise der Geschichte (inklusive der zahlreichen vermeintlich nebensächlichen Ereignisse sowie der teils genialen Dialoge) oder die insgesamt äußerst stimmige, wenn man so will unvergleichliche und unvergleichlich fesselnde Atmosphäre – man musste einfach mit GAME OF THRONES rechnen.

Zumindest war das angeraten. Verständlicherweise gilt das nun nicht mehr, aber – und das ist die eigentliche Überraschung – nicht nur, da die Serie mit der achten Staffel ihr Ende findet respektive zelebriert. Nein, es ist noch etwas anderes geschehen – etwas, mit dem so sicherlich niemand gerechnet hätte. Sicher, Geschmäcker sind verschieden – und die Verantwortlichen hätten nie und nimmer einen Weg finden können, alle Zuschauer zufriedenstellen zu können. Was sie sich innerhalb der 6 Episoden der finalen Staffel aber gedacht, erlaubt oder vielleicht auch erdreistet haben zu tun; mag man eigentlich kaum glauben. Wobei, und das muss man dazu sagen; es sich dabei weniger um eine einzelne Fehlentscheidung, als vielmehr viele kleinere Kieselsteine auf dem Weg zu einem einen Großteil der Fans überrollenden Erdrutsch handelt.

Ein Erdrutsch oder auch eine Katastrophe, die sich spätestens ab dem Beginn der dritten Folge der Staffel (DIE LANGE NACHT) abzeichnet. Hierbei handelt es sich um eine Episode, die im Gegensatz zu den beiden (durchaus guten) vorherigen insofern besonders war, als dass sie schon von den Verantwortlichen selbst als eine der potentiell besten und besondersten gekennzeichnet wurde – was sich leider nur allzu selten bewahrheitet. Und so auch nicht in diesem Fall. Sicher, man konnte der Folge ansehen, dass einiges an Arbeit und vor allem auch Herzblut in sie geflossen ist. Doch – und das wirklich erstmals in der gesamten Geschichte des Daseins von GAME OF THRONES als TV-Serie – konnte man sich nicht des Gefühls erwehren, dass ein der Serie grundsätzlich kaum zuträglicher Schwerpunkt gesetzt wurde.

Anders gesagt: warum auch immer man sich dazu hat hinreißen lassen, besteht der Werdegang von GAME OF THRONES ab der dritten Folge der achten Staffel klar aus Maßnahmen, die man sonst eigentlich nur aus diversen Hollywood-Hochglanzproduktionen kennt. Wenn man so will und es vereinfacht ausdrücken möchte, könnte man diese unter dem Begriff Stil über Substanz zusammenfassen – was bedeutet, dass die Macher ihr Augenmerk eindeutig mehr in Richtung einer möglichst bildgewaltigen Szenerie inklusive vielen durchaus im Gedächtnis bleibenden visuellen Highlights gerichtet haben, als sich tatsächlich noch nennenswert um etwaige Inhalte zu kümmern. Gerade das kann und darf einfach nicht sein, zumal es sich hier immerhin um GAME OF THRONES handelt – und damit eine Serie, die bis dato noch nie mit derlei Problemen zu kämpfen hatte. Sicher, Momente wie einige der in der LANGEN NACHT anberaumten sehen nett aus – doch Sinn ergeben sie nur selten, erst Recht wenn man bestimmte Aspekte (Stichwort Taktik, oder beispielsweise auch die Charakterentwicklung oder zeitliche Abfolgen) beginnt zu hinterfragen. Und noch einmal: bisher gelangen Dinge wie diese relativ problemlos. Stets konnte man GAME OF THRONES nicht nur in visueller (und natürlich auch akustischer) Hinsicht genießen, sondern auch tief in die Welt von Westeros mitsamt all ihrer Geschichten und Charaktere einsteigen. Mehr noch: man konnte sie hinterfragen, über sie diskutieren; oder manchmal auch einfach nur über sie staunen.

Umso überraschender ist es, dass dieses gelungene Konzept mit der Episode der LANGEN NACHT scheinbar komplett über den Haufen geworfen wird. Schon die Tatsache, dass über die gesamte Episode eine so nicht dagewesene Dunkelheit herrschte – eine, bei der es zu einfach wäre sie metaphorisch, das heißt im Sinne der herannahenden Nacht zu werten – lässt nun plötzlich doch einen etwas anderen handwerklichen Eindruck der Serie entstehen. In jedem Fall führt es dazu, dass ein Großteil der Arbeiten an den Kostümen, Requisiten und auch den Kampfszenen regelrecht verpufft – und man sich als Zuschauer fragt warum überhaupt ein so großer Aufwand für die Dreharbeiten betrieben werden musste, wenn im Endeffekt ohnehin alles in einen ominösen Schleier gehüllt wird. Dabei ist es nicht nur die hier gemeinte offensichtliche Dunkelheit, die einem Sorge bereiten könnte oder sollte – sondern auch der regelrechte Rückschritt in Bezug auf die Entwicklungen der Story und Charaktere. Auch hier gilt: natürlich handelt es sich um eine Ausnahmesituation, in der vieles über den Haufen geworfen wird – aber eben nicht alles. Zumal es sich so anfühlt, als würden manche der hoffnungsvoll aufgebauten Charaktere regelrecht zerstört.

Tatsächlich ist diese die gesamte Episode durchziehende Entwicklung dann auch der Anfang vom Ende von GAME OF THRONES. Immerhin sollten die eigentlichen Schläge vor den Kopf erst noch folgen – wie etwa das Ableben des Nachtkönigs, welches nicht weniger als das wohl unwürdigste aller vorstellbaren Enden für die Untoten-Story von GAME OF THRONES beschreibt. Und das, obwohl die Serie (übrigens im Gegensatz zu den Büchern) schon ab Episode 1 der ersten Staffel die Untoten als eigentliche Widersacher beschrieb. Einen Widersacher, der die Machtkämpfe der Menschen wie kleinere Geplänkel aussehen ließ, und der nur in einem schier wahnwitzigen Finale hätte besiegt werden können. Dass man diese beinahe 8 Jahre (!) aufgebaute Erzählung nunmehr mit einem einzigen Dolchstoß beendet, ist – ganz unabhängig von etwaigen Geschmacksfragen – ein Affront gegenüber allen der Serie seit jeher die treue haltenden Fans ist.

Ein Affront, der wohl nur noch von dem übertroffen werden kann, was in den verbleibenden 3 Episoden der Staffel folgt. Schließlich reiht sich hier eine plumpe Idee und Ausführung an die Nächste – zusammen mit dem Eindruck, dass vieles nach dem Motto eines allzu schamlosen Schnellschussverfahrens inszeniert wurde. Angefangen bei den teils überdeutlichen (dabei aber äußerst schnlecht abschneidenden) HERR DER RINGE-Parallelen über die hanebüchen dargestellte Schlachführung, die merkwürdigen Zeitsprünge oder die immer unsympathischeren und einfach nicht mehr glaubwürdigen Charaktentwicklungen bis hin zu schier unsäglichen Einzel-Momenten (beispielsweise ein Drache, der den Eisernen Thron verbrennt) und Protagonisten, die plötzlich in aberwitzigen Positionen auftauchen (Daenerys, Bran, Tyrion) – es wird einfach nichts mehr inhaltlich unterfüttert, sondern einfach nur dargestellt. Und das in einer derart tumben Manier, dass es schmerzt.

Noch einmal: sicher gäbe es ebenso viele vorstellbare Enden für GAME OF THRONES wie es Zuschauer gibt. Doch wenn man sich als Verantwortlicher schon für eines entscheidet, dann doch bitte ein nachvollziehbares. Eines, für das man sich emotional erwärmen kann. Eines, über das man noch lange nachdenkt und redet. Eines, welches eben nicht den Konsum der gesamten vorherigen Staffeln zumindest gefühlt obsolet macht – und dafür sorgt, dass sich die Fangemeinde in zwei große Lager spaltet. In eines, dass die Ereignisse so hinnimmt – und in eines, welches so unzufrieden ist dass es schier unmögliche Dinge wie eine komplette Neuverfilmung der achten Staffel verlangt. Allein diese Tatsache sollte einen jeden schnell zu einer Feststellung kommen lassen: dass das große Finale von GAME OF THRONES ein der Serie unwürdiges ist.

Was genau man nun mit GAME OF THRONES anfangen soll, gerade wenn es darum geht die Serie einer späteren Generation von Fantasy-begeisterten zu empfehlen; steht dank des Unvermögens der Verantwortlichen in den Sternen. So erscheint es einerseits fragwürdig, die komplette Serie aufgrund derart später Fehler in irgendeiner Schublade verschwinden zu lassen – und andererseits mindestens ebenso gewagt, sie interessierten vorbehaltlos an die Hand zu geben. Denn, und das sollte man bedenken: mit einem Ende wie dem hier präsentierten kann eigentlich niemand wirklich zufrieden sein. Was bleibt, ist die Erinnerung – an zahlreiche wirkliche schöne GAME OF THRONES-Momente und eine doch recht lange gemeinsame Zeit.

Bilder / Promofotos / Screenshots: © HBO

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„Die achte Staffel von GAME OF THRONES markiert einen der wohl erstaunlichsten Wendepunkte einer TV-Serie. Einen ebenso erstaunlichen wie zutiefst ärgerlichen – was eine Gesamtbeurteilung entsprechend erschwert. Fest steht somit nur eines: die finale Staffel des Franchise kann hinsichtlich der Wertung nicht einmal ansatzweise mit den vorherigen mithalten. Wie schwer sich das auswirkt, muss ein jeder für sich selbst entscheiden.“

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