Metal-CD-Review: DARK MOOR – Origins (2018)

Alben-Titel: Origins
Künstler / Band: Dark Moor (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 07. Dezember 2018
Land: Spanien
Stil / Genre: Symphonic Power Metal
Label: Keins / Independent

Alben-Lineup:

Enrik García – Guitars
Alfred Romero – Vocals
Daniel Fernández – Bass
Roberto Cappa – Drums

Track-Liste:

1. Birth of the Sun (04:31)
2. The Spectres Dance (03:25)
3. Crossing Through Your Heart (03:49)
4. Raggle Taggle Gypsy (02:44)
5. In the Middle of the Night (03:52)
6. And For Ever (04:25)
7. Druidic Creed (03:25)
8. Iseult (04:16)
9. Mazy (03:04)
10. Holy Geometry (04:30)
11. Green Lullaby (02:42)

Von Ursprüngen, die keine sind.

Nein – eigentlich hat man nicht mehr wirklich damit rechnen können, dass sich DARK MOOR alsbald mit einem neuen Studioalbum zurückmelden. Und das vornehmlich, da die Karriere der Spanier dank ihres letztaktuellen – und zugegebenermaßen in vielerlei Hinsicht desaströsen – Albums PROJECT X aus dem Jahre 2015 (siehe Review) schon grundsätzlich am Ende schien. Und wer weiß – vielleicht hätte wirklich schon Schluss sein können, Schluss sein sollen mit der Geschichte der einst von der starken Frontfrau Elisa C. Martin (HAMKA) angeführten Genre-Pioniere – die ihre Blütezeit klar zu Beginn der 2000er Jahre hatten. Denn, und das bleibt bei einem näheren Betrachten der hiesigen Diskografie nicht lange ein Geheimnis: irgendetwas ist nach dem noch relativ guten ANCESTRAL ROMANCE (Review) aus dem Jahre 2010 mit der Band geschehen. Etwas, das sowohl mit der stilistischen Ausrichtung der Band als auch speziell mit dem Werdegang des 2003 akquirierten Frontmanns Alfred Romero in Verbindung steht – der seit einigen Jahren schlicht kaum wiederzuerkennen respektive nur noch ein Schatten seiner selbst (oder eher seiner früheren Gesangsleistung) ist. Was genau das ist oder welches die Gründe für einige der offensichtlich fälschlicherweise getroffenen Entscheidungen gewesen sein könnten – das wissen wohl nur die Mitglieder von DARK MOOR selbst. Zumindest ist das zu hoffen. Wobei, und das sei an dieser Stelle erwähnt; sicher niemand ernsthaft erwartet – geschweige denn es generell erwarten kann – dass die Spanier jemals wieder zu ihren alten Glanzzeiten zurückkehren.

Betrachtet man das Schaffen einiger anderer, ebenfalls langjährig aktiver Genre-Combos; scheint das auch gar nicht nötig. Zumindest prinzipiell – und wenn, ja wenn man sich nur nicht derart verirrt wie nun eben DARK MOOR. Entsprechend wenig überraschend ist dementsprechend, dass es die Spanier auch mit ihrem aktuellen ORIGINS nicht mehr schaffen, das Ruder nennenswert herumzureissen – auch wenn der Alben-Titel selbst durchaus in Richtung einer, man nenne es stilistischen Ursprungssuche interpretiert werden könnte. Doch dem ist leider nicht so. Viel eher bezieht sich der Begriff ORIGINS hier auf eine allgemein klassisch orientierte Herangehensweise, die sich vor allem hinsichtlich der angepeilten Spielart bemerkbar macht. Will heißen: DARK MOOR überhaupt noch als Power Metal-Combo zu bezeichnen fällt zusehends schwerer, ja; wird in Anbetracht der auf ORIGINS offerierten Klänge schier unmöglich. Die Zeiten, in denen sich die Spanier in mehr oder weniger symphonisch angehauchten Gefilden des Genres bewegten; scheinen jedenfalls endgültig vorüber. Anders gesagt: anstelle des wohligen, unverwechselbaren und für immer in Erinnerung bleibenden Sounds von Alben wie THE GATES OF OBLIVION (Review) tritt nun eine; gelinde gesagt etwas andere Klangkulisse – eine, an die man sich selbst mit bestem Wohlwollen und der Akzeptanz für Veränderungen nur schwerlich gewöhnen kann.

Schlkießlich macht schon der als Videosingle ausgekoppelte Opener BIRTH OF THE SUN klar, wohin die Reise auf und mit ORIGINS gehen soll. So haben sich DARK MOOR auch dieses Mal für einen insgesamt eher weichen, vielleicht sogar am ehesten im Bereich des Soft- beziehungsweise Radiorock zu verortenden Stil entschieden. Einen, der leider kaum Alleinstellungsmerkmale hat – und bei dem selbst die gut gemeinten Folk-Elemente grundsätzlich in einer schier endlosen Langeweile verpuffen. Ein gutes Beispiel dafür ist sicher auch das gleich auf den Opener folgende THE SPECTERS DANCE, das irgendwo (das heißt: so unterschwellig wie es nur irgendwie möglich ist) eine mitreißende Wirkung hat – insgesamt aber so langatmig, simpel und eintönig klingt dass es schmerzt. Und es geht weiter, denn: während schon das lahme CROSSING THROUGH YOUR HEART kaum Punkte sammeln kann – erst recht nicht in Anbetracht der absoluten, zu DARK MOOR einfach nicht passenden Radiotauglichkeit – wird es mit der Interpretation zu RAGGLE TAGGLE GYPSY erst so richtig düster. So verquer wie hier hat schlicht schon lange keine ehemalige Power Metal-Formation mehr geklungen – dem sich hier recht abenteuerlich gebenden Frontmann Alfred Romero und der peinlich-schwach klimpernden Instrumenten-Fraktion sei Dank. Im direkten Vergleich (und da sie den Titel ebenfalls erst kürzlich eingesungen haben) klingen selbst die nur vermeintlich raubeinigen Seemänner von SANTIANO so, als wären sie in ein Fass voll mit stärkendem Zaubertrank gefallen.

Vielleicht wäre all das nur halb so schlimm, wenn man nur das Gefühl hätte dass DARK MOOR wirklich wüssten was sie da machen – und vor allem auch, dass sie sich nicht in diverse Richtungen verbiegen. So aber klingt und wirkt ein Album wie ORIGINS nur wie ein schlechter Witz. Einem, der einem die Weihnachtszeit gehörig vermiesen könnte. Denn selbst wenn man jegliche stilistische Geschmacksfragen einmal außen vor lässt – oder sich am besten gleich selbst vormacht, dass es sich bei ORIGINS um ein Debütalbum einer bisher unbekannten Indie-Combo handelt – kann das Album einfach nicht bestehen. Der Gründe dafür gibt es schließlich und schlicht zu viele: seien es die einfach nur ärgerlich-schwache Gesangsdarbietung von Alfred Romero, der gefühlt kaum vorhandene Instrumental-Part mit seinem fast schon übertrieben weichen und reichlich unspektakulären Gesamteindruck, die eher belanglosen Texte, die ebenso simplen wie vorhersehbaren Strukturen, die dank der kargen Abmischung und Produktion wenig eindringliche Präsentation, absolut unterirdische Einzel-Nummern wie der Rausschmeißer-Ballade GREEN LULLABY und noch so viel mehr – es scheint, als wären DARK MOOR am Ende. Anders gesagt: wenn schon PROJECT X nicht der Sargnagel für die Karriere der Spanier war, dann ist es spätestens ORIGINS. Auch wenn das aktuell nicht viel hilft: Anfang und Ende sind bekanntlich eins – und die Spanier werden aufgrund ihrer früheren, allemal positiven Genre-Beiträgen in guter Erinnerung bleiben.

Absolute Anspieltipps: /


„Nicht weniger als das endgültige Ende einer Ära.“

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