Metal-CD-Review: MARIUS DANIELSEN’S LEGEND OF VALLEY DOOM – Marius Danielsen’s Legend Of Valley Doom Part 2 (2018)

Alben-Titel: Marius Danielsen’s Legend Of Valley Doom Part 2
Künstler / Band: Marius Danielsen’s Legend Of Valley Doom (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 30. November 2018
Land: Norwegen
Stil / Genre: Power Metal
Label: Crime Records

Alben-Lineup:

Marius Danielsen – Vocals, Guitars
Peter Danielsen – Keyboards

Track-Liste:

1. King Thorgan’s Hymn (03:36)
2. Rise of the Dark Empire (06:47)
3. Gates of Eunomia (02:27)
4. Tower of Knowledge (05:51)
5. Visions of the Night (06:06)
6. Crystal Mountains (07:13)
7. By the Dragon’s Breath (06:17)
8. Under the Silver Moon (06:22)
9. Angel of Light (06:26)
10. Princess Lariana’s Forest (09:21)
11. Temple of the Ancient God (07:54)
12. We Stand Together (03:32)

Wenn schon verhängnisvoll, dann richtig.

Ob endlich oder nicht muss ein jeder für sich selbst entscheiden, aber es ist wieder soweit: MARIUS DANIELSEN bläst das Horn des Schicksals, um möglichst viele tapfere Recken aus allen Herren Ländern an die illustre Tafelrunde des verhängnisvollen Tals von EUNOMIA zu laden. Viel Mühe hat der Norweger, der nach wie vor eng mit seinem Bruder PETER DANIELSEN zusammenarbeitet; dabei offenbar nicht – schließlich gelang ihm mit seinem ersten Teil zum Albenkonzept (siehe Review) bereits ein ganz ähnliches Vorhaben – sodass sich auch dieses Mal etliche Gaststars nicht von der Ehre abhielten, an der vergleichsweise großen (und damit durchaus Vergleiche zu anderen Projekten wie AVANTASIA ermöglichenden) Metal-Oper teilzuhaben. Glücklicherweise finden sich dabei aber nicht nur viele altbekannte Namen, sondern auch solche mit denen vielleicht nicht gerechnet hat. Sei es der in letzter Zeit leider nicht mehr sonderlich aktive Olaf Hayer (ex-LUCA TURILLI, ex-DIONYSUS, ex-MAGIC KINGDOM), der in jeder Hinsicht ehrenwerte und in stimmlicher Hinsicht betörende Mathias Blad (Falconer) oder gar eine Legende vom Schlage eines Michael Kiske – auch der zweite teil der VALLEY DOOM-Albensaga strotzt nur so Gastauftritten. Vielleicht könnte man auch sagen, vor B-Vitaminen – die sich selbstverständlich nicht allein auf die gesangliche Komponente beziehen, sondern auch auf die ebenfalls dezent auszuufern scheinende Frickelarbeit an den Gitarren. Immerhin sind es dieses Mal gleich ganze 12 (!) Musiker, die sich neben dem eigentlichen Band-Gitarristen Marius Danielsen hier die diesbezügliche Ehre geben. Dass ein gewisser Steve Williams (POWER QUEST) hie und da am Keyboard sitzt, Hochkaräter wie Magnus Rosen (ex-HAMMERFALL) oder Jonas Kuhlberg (CAIN’S OFFERING) am Bass oder Stian Lindaas Kristoffersen (PAGAN’S MIND) am Schlagzeug, ist demnach auch keine allzu große Überraschung mehr. Tatsächlich sorgen Marius und Peter Danielsen allein mit diesem vergleichsweise immensen Staraufgebot dafür, dass man das VALLEY DOOM-Projekt automatisch mit einer gewissen Bedeutung oder eher Bedeutungsschwere assoziiert.

In wie weit das auf die Musik selbst zutrifft, ist allerdings eine ganz andere Frage – schließlich gibt es auf VALLEY DOOM PART II nichts zu hören, was der geneigte Genre-Enthusiast nicht schon anderswo (und das vielleicht auch noch besser, oder zumindest origineller) gehört hätte. Das gilt auch – beziehungsweise eher ganz besonders – für die begleitenden Erzählparts, die Marius und Peter Danielsen erst kürzlich bei ihrer anderen gemeinsamen (und im gleichen Handlungsuniversum spielenden) Band EUNOMIA abfeierten. Sicher, von Maßnahmen wie diesen kann man halten was man will – wobei mindestens zweierlei Dinge festzustehen scheinen. Zum einen, dass ein Intro wie KING THORGAN’S HYMN einfach nicht mit anderen, bereits lange zuvor realisierten Stimmungsmachern wie etwa den von SALAMANDRA oder eben RHAPSODY OF FIRE zu vergleichen ist – und zum anderen, dass die vielen Erzählparts das Ganze eher aufhalten denn wirklich hinsichtlich einer intensiveren Stimmung bereichern. Anders gesagt: sich als grundsätzlicher Freund einer ähnlich episch-opulenten Erzählart im Stile der eben genannten Vergleichsbands zu bezeichnen, bedeutet nicht automatisch dass man Gefallen am VALLEY DOOM-Projekt findet. Denn: auch oder gerade nach so vielen Jahren haben die eigentlichen Genre-Pioniere des Symphonic Power Metal noch immer die Nase vorn.

Hinzu kommt, dass es mittlerweile dezent problematisch erscheint ein Projekt wie das der beiden Danielsen-Brüder einzuordnen. Betrachtet man sie als ernstzunehmende Musiker mit dem Hang, möglichst zeitlos zu agieren sowie anderen Künstlern (und sicher auch Vorbildern) des Öfteren im Rahmen ihrer Musik zu huldigen; so fehlt es ihnen schlicht an Eigenständigkeit, nennenswert erfrischenden Ideen – und vielleicht auch einer gewissen Form der Zurückhaltung, was sich hier klar auf die Veröffentlichung von zwei fast deckungsgleichen Alben (siehe EUNOMIA) innerhalb eines extrem kurzen Zeitraums bezieht. Betrachtet man sie dagegen als handwerklich talentierte Genre-Enthusiasten, die ihre Form der musikalischen Tribut-Zollung in einem riesigen Spaßpaket mit illustren Themen und auch Namen verpacken; so fehlt es ihnen doch noch an der nötigen Überzeugungskraft. Höchstwahrscheinlich würden sich die beiden Danielsen-Brüder selbst irgendwo dazwischen verorten – was allerdings nichts daran ändert, dass das VALLEY DOOM-Projekt weder den Spaß- und Unterhaltungsfaktor von Bands wie GLORYHAMMER oder TWILIGHT FORCE etablieren, noch mit immerhin noch oberflächlich vergleichbaren Jung-Combos wie VEONITY mithalten kann.

Schuld daran sind nicht nur ein oder zwei, sondern gleich eine Vielzahl von Aspekten – die sich etwa auf die absolut austauschbaren Texte, die immer wieder eingeworfenen Klischeebegriffe, die sich an der Grenze zur unangenehmen Vereinfachung (oder auch Übertreibung) bewegenden und teilweise kaum wiederzuerkennenden Gastsänger, die teils schwachen Refrains sowie die langatmige Wirkung von Titeln wie VISIONS OF THE NIGHT, dem nur punktuell Akzente setzenden CRYSTAL MOUNTAINS oder der recht ungünstigen quasi-Ballade UNDER THE SILVER MOON beziehen. Sicher, für einige mag all das noch immer kein KO-Kriterium sein (und das sollte es vielleicht auch nicht, gerade im Bereich des Power Metal ) – doch die eher negative Tendenz ist klar erkennbar, und verhindert in jedem Fall dass das Album höhere Wertungs-Sphären erreicht. Dass selbst die grundsätzlich guten bis sehr guten Titel (wie das von Mathias Blad gesanglich garnierte TOWER OF KNOWLEDGE) fast schon zu monoton daherkommen, rundet den insgesamt höchst mittelprächtigen Eindruck ab.

Neben der insgesamt eher einfachen Herangehensweise, den das Ganze eher aufhaltenden Erzählparts und leider auch nicht wenigen vergleichsweise langatmigen Momenten liegt es so eigentlich nur noch an Titeln wie dem allemal zünftigen Opener RISE OF THE DARK EMPIRE oder die durch Michael Kiske zusätzlich aufgewertete Hymne ANGEL OF LIGHT, das VALLEY DOOM-Feuer zu entfachen. Zumal, und dass muss man den beiden Danielsen-Brüdern in jedem Fall zugute halten; die handwerklich-technische Komponente wahrlich keine Zweifel oder gar einen Grund zur Kritik offenbart. Gerade diesbezüglich scheint im LEGEND OF VALLEY DOOM-Universum grundsätzlich alles zu stimmen – von der abgelieferten Leistung der Mitglieder an den Instrumenten über die gelungene Präsentation bis hin zu Faktoren wie der Abmischungs- und Produktionsqualität. Dennoch: für die Zukunft sollten sich die beiden Musiker, ob gemeinsam mit ihrer üppigen Power Metal-Tafelrunde oder allein; etwas anderes überlegen als bloß noch viele weiteres schlichte EUNOMIA- oder eben VALLEY DOOM-Allstaralben an den Start zu bringen.

Absolute Anspieltipps: KING THORGAN’S HYMN, RISE OF THE DARK EMPIRE, TOWER OF KNOWLEDGE, ANGEL OF LIGHT


„Ein insgesamt eher einfaches und prätentiöses Album, dessen Spaßfaktor gerne noch etwas größer hätte ausfallen dürfen. Dennoch handelt es sich – und das nicht zuletzt aufgrund der zahlreichen Gastauftritte – um eines der interessanteren Alben des Jahres.“

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