Filmkritik: „Inglorious Basterds“ (2009)

Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Originaldrehbuch
Regie: Quentin Tarantino
Mit: Brad Pitt, Mélanie Laurent, Christoph Waltz u.a.
Land: USA, Deutschland
Laufzeit: ca. 153 Minuten
FSK: ab 16 freigegeben
Genre: Action, Drama, Kriegsfilm
Tags: Zweiter Weltkrieg | USA | Deutschland | Rache | Feldzug

Von unbekannten Sammelleidenschaften des 20sten Jahrhunderts, Folge Eins: Nazi-Skalps.

Inhalt: Während der zweite Weltkrieg noch in vollem Umfang tobt, landet ein US-amerikanisches Team aus einer handvoll Elitekämpfern im von Nazis besetzten Frankreich. Ihr Auftrag ist simpel, aber in der Durchführung keinesfalls einfach: sie sollen so viele Nationalsozialisten wie nur irgendwie möglich zur Strecke bringen – egal auf welche Art und Weise. Während sie also mit einer Vorliebe für Nazi-Skalps als makabere Trophäe durch Frankreich schleichen rückt schon bald ein neues, potentiell kriegsentscheidendes Ziel in ihre Nähe. Die gesamte deutsche Heeresführung inklusive niemand geringerem als Adolf Hitler würde sich bald zu einem illustren Propagandafilm-Abend in einem französischen Kino versammeln. Was läge da also näher, als den Krieg mit dem Ableben Hitlers vorzeitig zu beenden ? Doch auch die Gegenseite schläft nicht – allen voran hat es sich ein perfider Nazi-Inspektor (Christoph Waltz) zum Ziel gemacht, Juden und allgemeine „Vaterlandsverräter“ zu enttarnen. Und so scheint er recht schnell zu bemerken, dass sich hinter den als italienische Filmfreunde ausgebenden Subjekten ganz andere, hochkarätige Gegner verbergen… nämlich Lt. Aldo Raine (Brad Pitt) und sein Team.

Kritik: Sicher; man kann von Quentin Tarantino beziehungsweise seiner bereits mit frühen Filmen wie Reservoir Dogs – Wilde Hunde (1992) oder Pulp Fiction (1994) etablierten Marke halten was man will. So gut wie fest steht indes, dass seine Filme nicht selten mit einem immensen Unterhaltungswert einhergehen – ganz gleich, ob dabei etwaige Grenzen des guten oder schlechten Geschmacks neu ausgelotet werden. Überhaupt fühlt es sich gut an zu wissen, dass es auch in der heutigen Zeit noch Filmschaffende gibt, die trotz eines wie im Falle von Tarantino rasant gewachsenen Bekanntheitsgrades an ihren Wurzeln (oder wahlweise auch: Grundsätzen) festhalten und sich nicht großartig darum scheren, was andere sagen respektive von ihren Werken halten. Auch INGLORIUS BASTERDS zeugt von dieser schlicht für Tarantino typischen Mission, eine auf den ersten Blick gewöhnliche Geschichte unter Zuhilfenahme seines offensichtlich großzügig ausgestatteten Ideen-Fundus und einer großen Portion Eigeninitiative zu einem so noch nicht dagewesenen, reichlich grotesken Ganzen zu verweben. Das mündet hier zwar nicht in einem nennenswert gehaltvollen, geschweige denn politisch oder historisch korrekten Machwerk – dafür aber in einem direkt dem Regisseur zuzuordnenden, angenehm eigenwilligen, von der ersten Minute an unterhaltsamen und nicht zuletzt enorm eigenständigen Film – der nicht wirklich etwas mit dem (fast) gleichnamigen Film INGLORIOUS BASTARDS aus dem Jahr 1978 (siehe Review) gemeinsam hat.

Anders gesagt: bei Tarantino – und damit auch bei INGLORIOUS BASTERDS – wird ein sonst essentieller Bestandteil wie der der eigentliche Geschichte zu einem bloßen Aufhänger degradiert, um noch mehr Platz für ein wildes Intermezzo aus kunterbunten Charakteren, aberwitzigen Dialogen und gefühlt im Sinne des Films zurechtgebogenen Ereignissen zu lassen. Dass diese Achterbahnfahrt nicht nur nett anzuschauen ist sondern auch einer gewissen Substanz nicht entbehrt, etwa in Bezug auf die psychologische Komponente – macht die Tarantino-Filme so reizvoll; und lässt sie eben nicht nur zu stilistisch herausragenden Kunstwerken avancieren, sondern zu ganzheitlichen. INGLORIOUS BASTERDS bildet da keine Ausnahme, auch wenn man sich an den Gedanken einer Verquickung einer Weltkriegsthematik mit dem typischen gehobenen Exploitation-Flair (inklusive einer letztendlich doch recht explizit ausgeführten und dargestellten Form der, man nenne es späten Rache) erst gewöhnen muss. Lässt man sich aber erst einmal auf den Film ein und genießt den von den ersten Minuten an hochgehaltenen Ideenreichtum inklusive vieler auch in handwerklicher und darstellerischer Hinsicht bemerkenswerter Raffinessen; so wird einem der unrühmliche Feldzug der INGLORIOUS BASTERDS so schnell nicht mehr aus dem Kopf gehen.

Bilder / Promofotos / Screenshots: © The Weinstein Company

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„Ja, Inglourious Basterds ist ein brutal-makaberer Rachefeldzug, an dem sich die Geister scheiden werden – aber auch eine ebenso markante wie einzigartige Hommage an das Kino beziehungsweise die Geschichte des Films selbst.“

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