Metal-CD-Review: EUNOMIA – The Chronicles Of Eunomia Part I (2018)

Alben-Titel: The Chronicles Of Eunomia Part I
Künstler / Band: Eunomia (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 24. August 2018
Land: Norwegen
Stil / Genre: Symphonic Power Metal
Label: Pride & Joy Music

Alben-Lineup:

Sondre Sørensen Brønstad – Drums
Alexander Ormseth – Bass
Magnar Winther Skorgenes – Guitars
Marius Danielsen – Guitars, Vocals (backing)
Peter Danielsen – Vocals (lead), Keyboards

Track-Liste:

1. The Beginning (01:16)
2. Crystal Sword (06:08)
3. Dark Horizon (05:50)
4. Freedom Call (04:48)
5. Glory of the King (06:23)
6. We Will Not Surrender (08:18)
7. March for Freedom (04:44)
8. Eternity (04:31)
9. Stand Up and Fight (06:10)
10. Last Stand (08:26)
11. Dangerous Times Ahead (09:40)
12. Until the End (03:41)

Auf in die Schlacht – aber bitte nicht auf Sparflamme.

Wer auf potentiell hochkarätige und ebenso hochkarätig besetzte Metal-Opern im Stile der legendären ersten AVANTASIA-Alben (siehe hier) steht, könnte bereits von ihnen gehört haben: EUNOMIA, einer 2011 in Norwegen gegründeten Power Metal-Formation, die mit der Demo CRYSTAL SWORD (2013, siehe Review) ein erstes und dabei durchaus vielversprechendes Zeichen setzen konnte. Mit ein Grund dafür könnte sein, dass niemand geringeres als die beiden DANIELSEN-Brüder Marius und Daniel mit an Bord sind – die in letzter Zeit äußerst aktiv sind, viele wichtige Kontakte geknüpft und mit ihren beiden anderen Bands DARKEST SINS und MARIUS DANDIELSEN’S LEGEND OF VALLEY DOOM (siehe Review zum ersten Teil des Konzeptalbums) bereits für einiges an Aufmerksamkeit gesorgt haben. Zugegeben, die beiden verstehen etwas von Musik und tragen ihre Liebe zum Genre auch (zu Recht) nach außen – womit sie nicht wenige andere begeistern, und im besten Fall auch dazu inspirieren selbst ein Teil des eigens erdachten VALLEY DOOM-Universums zu werden.

Und so ist es kein großes Wunder, dass sich auch im Jahre 2018 wieder einige zu einer Power Metal-Tafelrunde der besonderen Art eingefunden haben – was den ersten Teil von THE CHRONICLES OF EUNOMIA zu einem spannenden Aufeinandertreffen von vielen mehr oder weniger alteingesessenen Genre-Größen macht. Seien es generell mit einem starken Gesang in Verbindung gebrachte Namen wie Henning Basse (FIREWIND), Kimmo Perämäki (CELESTY), Alessandro Conti (LUCA TURILLI’S RHAPSODY) oder Anders Sköld (VEONITY); namhafte Frickel-Künstler wie Jimmy Hedlund (FALCONER), Victor Smolski (RAGE) und Esa Ahonen (CRYONIC TEMPLE) oder ein gut aufgelegter Ronald König (u.a. SIGNUM REGIS) am Bass – die Besetzungsliste von EUNOMIA’s Debütalbum strotzt nur so vor großen Namen, und verspricht nicht zuletzt aufgrund der kumulierten Erfahrung aller Beteiligten ein echtes Power Metal-Freudenfest zu werden. Ein vergleichsweise spektakuläres und bombastisches noch dazu – schließlich waren die beiden DANIELSEN-Brüder bisher nicht unbedingt bekannt dafür, sich großartig zurückzuhalten oder vor einer Ausreizung diverser (aber eben auch meist verdammt gut funktionierender) Genre-Klischees Halt zu machen.

Natürlich muss man das mögen – doch ist es andererseits auch nicht so, dass jeder vergleichsweise einfach gestrickte oder sich in etwaigen Untiefen der (hier ebenso kriegerisch wie heldenhaft angehauchten) Fantasy bewegende Power Metal automatisch zu vernachlässigen wäre. Wenn, ja wenn zumindest gewisse Standards eingehalten werden – oder sich im besten Fall sogar etwas ganz und gar besonderes ergibt. Eben das führt einen auch schnell zur relativen Überraschung von THE CHRONICLES OF EUNOMIA, dass als Album keine Probleme damit hat für ein markantes Aufhorchen zu sorgen und durch die zahlreichen Gastauftritte sowie die sich direkt übertragende Spielfreude fast schon automatisch als eher besonderes Genre-Intermezzo betrachtet werden kann. Und doch verpasst es im Gegenzug dazu, auch in Bezug auf die Standards zu punkten – womit beileibe nicht nur das wahlweise fantastische oder einfach nur ärgerlich klischeehafte Cover-Artwork gemeint ist. Selbst die Tatsache, dass die drei von der Demo übernommen Nummern (zum Glück hat man dabei auf die fast schon peinliche Ballade ANGEL verzichtet) auf dem fertigen Album vielleicht sogar etwas weniger beeindruckend klingen als noch zuvor – und das auch oder gerade in Bezug auf den jeweiligen Leadgesang – wirkt sich gar nicht erst allzu schwer aus.

Die eigentliche Crux liegt schließlich vielmehr darin, dass THE CHRONICLES OF EUNOMIA zwei generelle Schwachpunkte mitbringt. Vornehmlich sind dies Schwachpunkte oder auch Entscheidungen, die sich bei anderen Bands schon eher ins positive hätten verkehren können – wie etwa den absichtlich überakzentuiert agierenden Kollegen von GLORYHAMMER, TWILIGHT FORCE oder neuerdings auch VICTORIUS. Eunomia hingegen sehen sich als vergleichsweise ernstzunehmende Combo, also am ehesten so wie die ursprünglichen RHAPSODY (OF FIRE) oder die direkte Partner-Band MARIUS DANIELSEN’S LEGEND OF VALLEY DOOM. In diesem Zusammenhang sollte dann auch eher hart gesottenen respektive an einiges gewöhnte Genre-Enthusiasten schnell auffallen, dass EUNOMIA nicht gerade aus dem (inspirativen) Vollen schöpfen – insbesondere in Bezug auf ihre lyrischen Fähigkeiten. Wenn man so will könnte man auch sagen, dass viele der Texte so wirken als wären sie von einem x-beliebigen (und wohl auch deutlich jüngeren) Fantasy-Nerd geschrieben worden – und das in einer zusätzlich vereinfachten, wirklich jedermann verständlichen Form. Ob das gut oder schlecht ist sei einmal dahingestellt – Fakt ist nur, dass man derlei Ambitionen bereits zur Genüge kennt; und das hohe Aufkommen typischer Begriffe wie Sword, King oder Fight irgendwann einfach nur noch nervt. Überhaupt sollte es dem von EUNOMIA erdachten CRYSTAL SWORD (oder eher den Geschichten darüber) merklich schwerfallen, nach den legendären Erzählungen über andere mächtige Schwerter (wie das EMERALD SWORD von RHAPSODY oder das SWORD OF SALVATION von CELESTY), noch irgendetwas zu reissen.

Anders gesagt: um das Projekt EUNOMIA musikalisch und konzeptionell für voll zu nehmen, reicht es vorne und hinten nicht – zumindest nicht aktuell. Die Vielzahl von deutlich zu einfach gestrickten Passagen (CRYSTAL SWORD, FREEDOM CALL, STAND UP AND FIGHT), nicht immer glückliche bis dezent repetitive Refrains (DARK HORIZON, ETERNITY) oder gänzlich verschenkte Titel wie das mit nervigen Uh-Ah-Gesängen ausgestattete WE WILL NOT SURRENDER (welches noch dazu von einem völlig untergehenden Gastauftritt von Alessandro Conti begleitet wird) oder das arg längliche DANGEROUS TIMES AHEAD machen THE CHRONICLES OF EUNOMIA nur selten zu einem wirklichen Genuss. Dass das Album dann auch noch einen weitaus undifferenzierten und vielleicht auch matschigeren Soundeindruck hinterlässt als erwartet oder eher vorausgesetzt, macht es ebenfalls nicht besser. Insbesondere das relative Kuddelmuddel in Titeln wie ETERNITY, die allgemein etwas zu lauten und vordergründigen Gesangspassagen (welche sich des Öfteren nicht gerade organisch in den jeweiligen Kontext einfügen), die eher zweckdienlichen Keyboard-Elemente und das nicht immer aussagekräftige Riffing hinterlassen einen bestenfalls mittelprächtigen Eindruck – was abermals eher gegen das Bestreben der beiden DANIELSEN-Brüder geht und sie schlechter dastehen lässt als nötig. Dabei hatte Marius Danielsen doch erst auf seinem (sehr guten) LEGEND OF VALLEY DOOM PART I gezeigt, dass es auch ganz anders geht.

Immerhin: hie und da entfaltet das Album doch noch einen gewissen Reiz, etwa in Bezug auf das schmackige und Gitarren-technisch etwas markantere GLORY OF THE KING sowie das gute (und durch Kimmo Perämäki zusätzlich aufgewertete) LAST STAND mit seinem Mega-Refrain. Doch das ist schlicht etwas zu wenig – gerade natürlich wenn es darum geht, eine Daseinsberechtigung für gleich zwei Bands zu finden die aus dem selben geschichtlichen Universum schöpfen. Vielleicht sollten sich die DANIELSEN-Brüder also lieber komplett auf ihr LEGEND OF VALLEY DOOM-Projekt konzentrieren und EUNOMIA – auch wenn es schade klingen mag – links liegen lassen.

Absolute Anspieltipps: GLORY OF THE KING, LAST STAND


„Leider nicht der erwartete Geniestreich: die Geschichten beziehungsweise die eingebrachten Ideen überzeugen ebensowenig wie die Präsentation des Sounds. Da das an den Tag gelegte Handwerk sowie die Gastauftritte aber Laune machen, sollte man die Hoffnung noch nicht aufgeben. Und überhaupt: Spaß macht das Album in jedem Fall.“

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