Metal-CD-Review: VAN CANTO – Trust In Rust (2018)

Alben-Titel: Trust In Rust
Künstler / Band: Van Canto (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 10. August 2018
Land: Deutschland
Stil / Genre: Acapella Power Metal
Label: Napalm Records

Alben-Lineup:

Ingo Sterzinger – Vocals (doom a bass)
Ross Thompson – Vocals (high, rakkatakka)
Inga Scharf – Vocals (lead)
Stefan Schmidt – Vocals (low, rakkatakka), Vocals (wah-wah)
Bastian Emig – Drums
Jan Moritz – Vocals (bass)
Hagen Hirschmann – Vocals (lead)

Track-Liste:

1. Back in the Lead (03:52)
2. Javelin (04:14)
3. Trust in Rust (03:38)
4. Ride the Sky (Helloween cover) (04:53)
5. Melody (04:53)
6. Neverland (05:01)
7. Desert Snake (04:10)
8. Darkest Days (04:17)
9. Infinity (04:51)
10. Hells Bells (AC/DC cover) (05:05)
11. Heading Home (06:27)

Warum Süßholz raspeln, wenn es auch mit Rost geht ?

In Bezug auf mehr oder weniger essentielle Grundsätze des Heavy Metal steht eines mit Sicherheit fest: jeder, der sich auch nur ansatzweise in den hiesigen musikalischen Gefilden bewegt; ist früher oder später auf das Schaffen der aus Deutschland stammenden Jungs (und Mädels) von VAN CANTO gestoßen. Und das entweder nur um festzustellen, dass die Truppe weitestgehend auf en Einsatz klassischer Instrumente verzichtet und so eigentlich eher gegen gängige Genre-Konventionen arbeitet – oder aber, was aus der Sicht der Band natürlich der Idealfall wäre; einen echten Narren an der gesangsstarken und ungewöhnlich instrumentierten Musik (die gerne auch als Acapella Power Metal bezeichnet wird) gefressen zu haben. Eines muss man VAN CANTO dabei in jedem Fall lassen: sie haben ordentlich polarisiert und werden auch in Zukunft im Gespräch bleiben. Zum einen natürlich aufgrund des ebenso einmaligen wie mutigen Konzepts – und zum anderen aufgrund wirklich guter bis herausragender Studioalben wie dem 2010 veröffentlcihten TRIBE OF THE FORCE (siehe Review).

Indes, und davor scheinen inbesondere VAN CANTO kaum gefeit; drohte sich das Konzept um den zweistimmigen Leadgesang sowie die die üblichen Instrumente ersetzenden mundakrobatischen Einlagen bereits in der jüngeren Vergangenheit dezent abzunutzen. Das 2014’er Album DAWN OF THE BRAVE (Review) mit seinem nervig-witzelnden Unterton sowie der etwas bessere Nachfolger VOICES OF FIRE (Review) machten im Sinne der Diskografie der Band jedenfalls nicht wirklich etwas her, wobei das Festhalten am ursprünglichen Konzept nicht der einzige Grund für das relative Scheitern gewesen sein kann – beziehungsweise auch nicht der einzige Grund ist, warum das vorliegende TRUST IN RUST wieder einmal mehr enttäuscht als nachhaltig begeistert. Schließlich bedienen auch Bands wie ALESTORM oder POWERWOLF eine ganz bestimmte thematische und musikalische Nische, inklusive der stets mitschwingenden Gefahr sich mehr oder weniger stumpf zu wiederholen – wobei sie aber dennoch niemals wirklich gescheitert sind oder ein komplett zu vernachlässigendes Album an den Start gebracht haben. Insbesondere nicht POWERWOLF – die der Hörerschaft mit ihrem THE SACRAMENT OF SIN (Review) vielleicht sogar eines ihrer besten Alben überhaupt kredenzt haben. VAN CANTO dagegen könnten derzeit kaum weiter davon entfernt sein, ein Meisterstück abzuliefern – gerade in Bezug auf ihre eigene, vielleicht auch eine gewisse Qualität voraussetzende Diskografie.

Warum genau sich die Band also ausgerechnet dazu entschieden hat, ihr neues Album mit einer plumpen Poser-Nummer wie BACK IN THE LEAD beginnen zu lassen; bleibt ein kleines Rätsel. Fest steht nur: so prätentiös, flach und schlicht in vielerlei Hinsicht unterirdisch haben VAN CANTO eigentlich noch gar nicht geklungen. Dass sie in der Zwischenzeit auch noch ihren angestammten Leadsänger Philip Dennis Schunke (der seine Sache wirklich gut gemacht hat) gegen den Neuzugang Hagen Hirschmann (u.a. DESILENCE) ausgetauscht haben, ist ein weiteres i-Tüpfelchen – aber nichts im Vergleich zum allgemein in diesem Opener vorgelegten stumpfen Gesamteindruck. Vielleicht hat das Ganze aber auch etwas gutes – denn nach einem Start wie diesem kann es eigentlich nicht viel schlechter werden. Und tatsächlich, das wird es nicht – aber eben auch nicht viel besser. Der Gründe dafür gibt es gleich mehrere: zum einen scheint TRUST IN RUST eher schlecht als recht abgemischt und produziert, was den ohnehin nicht gerade aussagekräftigen Soundeindruck zusätzlich unterminiert. Ein sehr gutes Einzelbeispiel dafür ist sicherlich INFINITY, das grundsätzlich noch als einer der ansprechenderen Titel fungiert – durch den allgemeinen Soundmatsch und den fehlenden Nachdruck aber ebenfalls zu einer absoluten Luftnummer avanciert. Natürlich, der bereits erwähnte Austausch des Leadsängers wird ebenfalls einige alteingesessene Fans der Combo vergrämen, und das zu Recht – doch ist das noch längst nicht alles.

So könnte man auch über die Leistung der seit der Bandgründung bei VAN CANTO aktive Frontfrau Inga Scharf streiten – die hier beileibe nicht die beste Gesangsdarbietung ihrer Karriere abliefert. Fest steht: im direkten Vergleich mit anderen ansatzweise vergleichbaren Frontfrauen (wie etwa Daísa Munhoz von VANDROYA, Floor Jansen von NIGHTWISH, Capri von AMBERIAN DAWN oder Sara Squadrani von den ANCIENT BARDS) hat sie trotz ihres recht hohen Wiedererkennungswerts so gut wie keine Chance. Die Gesangsproblematik perfekt machen dann aber erst die anderen, die Instrumente ersetzenden Mitglieder – die mit ihren, man nenne es stimmlichen Effekten eigentlich nur noch nerven. Fakt ist: der Wunsch in Richtung VAN CANTO, doch eher aus klassische Instrumente zu setzen (oder vielleicht auch, und das gerade in Anbetracht eines Desasters wie dem HELLOWEEN-Cover RIDE THE SKY: es gleich komplett sein zu lassen) könnte aktuell nicht größer sein. Dass eine Band, die einst mit einem Album wie TRIBE OF THE FORCE um die Ecke kam derart tief sinken könnte, ist demnach wohl die einzige (und nicht gerade positiv zu bewertende) Überraschung des Albums. Vielleicht kann sich zumindest Stefan Schmidt retten – beispielsweise, indem er sich voll und ganz auf das sich in gänzlich anderen qualitativen Sphären bewegende Projekt HEAVATAR konzentriert. Für den Rest sieht es aktuell jedenfalls ganz, ganz düster aus.

Absolute Anspieltipps: /


„Ein Album wie eine einzige Katastrophe, oder anders gesagt: das könnte es endgültig gewesen sein für VAN CANTO.“

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