Metal-CD-Review: DERDIAN – DNA (2018)

Alben-Titel: DNA
Künstler / Band: Derdian (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 25. Juli
Land: Italien
Stil / Genre: Power Metal
Label: Keins / Independent

Alben-Lineup:

Enrico „Henry“ Pistolese – Guitars
Salvatore Giordano – Drums
Marco „Gary“ Garau – Keyboards
Dario Radaelli – Guitars
Marco Banfi – Bass
Ivan Giannini – Vocals

Track-Liste:

1. Abduction (01:12)
2. DNA (05:27)
3. False Flag Operation (05:00)
4. Never Born (05:43)
5. Hail to the Masters (04:27)
6. Red and White (05:04)
7. Elohim (05:26)
8. Nothing Will Remain (05:31)
9. Fire from the Dust (06:21)
10. Destiny Never Awaits (05:41)
11. Frame of the End (05:00)
12. Part of This World (06:05)
13. Ya nada cambiara (05:31)

Wer weiß schon, was da so im inneren brodelt.

Auch wenn das gute alte Sommerloch selbst in Bezug auf die Power Metal-Szene keine Ausnahme macht, gilt es zum Ende des Monats Juli doch noch das ein oder andere potentiell hochkarätige Genre-Release zu entdecken. Während dabei vor allem POWERWOLF das hervorragende Wetter auszunutzen schienen – und mit ihrem THE SACRAMENT OF SIN für ein waschechtes und sicher nicht nur im Sommer oft gespieltes musikalisches Brett sorgten (siehe Review) – sah es für andere Rückkehrer nicht ganz so gut aus. Die schwedischen Jungs von CRYONIC TEMPLE etwa blieben ihrem Namen gewissermaßen treu, in diesem Falle leider – und sorgten mit ihrem DELIVERANCE (Review) für eine unerwartet rasche Abkühlung der Gemüter. Die heutige Frage aber ist, was die italienischen Power Metaller von DERDIAN zu all dem zu sagen haben – und wie ihr neues, mittlerweile siebtes offizielles Studioalbum DNA abschneiden wird. Selbiges beinhaltet 13 Titel bei einer Gesamtspielzeit von gut 66 Minuten, bringt das seit der neuen DERDIAN-Ära (Ab 2013) etablierte Lineup mit Leadsänger Ivan Giannini erneut an den Start – und könnte nach der 2016 zwischengeschobenen Compilation REVOLUTION ERA (auf der viele Gaststars zu hören waren, siehe Review) durchaus an die sehr guten DERDIAN-Alben LIMBO (Review) und HUMAN RESET (Review) anknüpfen.

Dass DERDIAN von einigen schon seit längerem als Geheimtipp eingestuft werden, kommt dabei nicht von ungefähr – immerhin haben sich die Italiener geradezu prächtig entwickelt, und nach ihrer vergleichsweise unspektakulären dreiteiligen NEW ERA-Albensage (2005-2010) einen immer eigenständigeren Sound entwickelt. Und der kommt verständlicherweise auch auf DNA zum Tragen – wobei sich die Italiener wie schon auf HUMAN RESET eher ernsten, teilweise auch höchst aktuellen Themen (unter anderem auch politischen) widmen. Das allein macht das Album nicht automatisch qualitativer – aber immerhin bildet es eine nette und allemal willkommene Abwechslung zu den inhaltlich eher typisch inszenierten Genre-Releases. Selbiges gilt auch für die instrumentale Gestaltungsarbeit, die sich wie schon bei den vorherigen DERDIAN-Alben als recht vielfältig und variabel herausstellt – und dabei für einen hohen Unterhaltungswert sorgt, auch ohne explizit in progressive Gefilde abzudriften. Insbesondere das Zusammenspiel der Vocals von Ivan Giannini, der Drums und des gerne mal etwas großzügiger agierenden Keyboards sorgt dabei für den prägnanten DERDIAN-Faktor, der noch einmal ausdrücklich klar macht von welcher Band das Album stammt.

Nicht wirklich neu, aber doch noch etwas deutlicher in Szene gesetzt sind dieses Mal die zusätzlichen Klang-Komponente in Form von allerlei symphonischen Anleihen, ebenso gewagten wie gut aufgehenden Jazz-Spielereien (ELOHIM) und an Genre-Pioniere wie die frühen RHAPSODY erinnernde barocke Elemente (RED AND WHITE). Anders gesagt: DERDIAN sind auch auf ihrem neuesten ALBUM für die ein oder andere Überraschung gut – wobei sie sich in Sachen Innovation, aber eben auch Energie und Spielfreude keineswegs hinter anderen großen italienischen Combos verstecken müssen. Die tadellose Abmischungs- und Produktionsarbeit gibt dem Ganzen den letzten Schliff – was in Bezug auf die vergleichsweise reichhaltigen Klangstrukturen unbedingt nötig war und perfekt von der Band gelöst wurde.

Ein kleines bis mittelprächtiges Problem gibt es dann aber doch – wobei sich selbiges spätestens mit einer etwas aggressiveren Nummer wie FIRE FROM THE DUST ankündigen wird. So hat der hiesige Leadsänger Ivan Giannini tatsächlich viel zu sagen, nicht zuletzt dank des inhaltlichen Konzepts – doch die Art, wie der Gesang mit den instrumentalen Strukturen harmoniert – oder eben auch nicht – wird beileibe nicht jedermann gefallen. Gänzlich von der Hand zu weisen ist der Eindruck, dass einzelne Passagen oder auch mal ganze Titel (DESTINY NEVER AWAITS beispielsweise) eher forciert klingen; jedenfalls nicht. Wahlweise könnte man vielleicht auch von einem dezent angestrengten Eindruck sprechen – was ganz offensichtlich daran liegt, dass DERDIAN dieses Mal wirklich jeden einzelnen Titel derart mit Ideen und musikalischen Raffinessen spicken, dass sie sich dabei nah an der Grenze zur Überfrachtung bewegen.

Wenn man nun noch den Leadgesang von Ivan Giannini hinzunimmt – der grundsätzlich angenehm ist, sich auf Dauer und je nach dem Konzept der Titel aber auch als etwas strapazierend erweisen kann (gefühlt ist das erstmals der Fall) – scheint klar, dass man nicht mehr wirklich von einem hervorragenden DERDIAN-Album oder einem allgemein uneingeschränkt empfehlenswerten Genre-Release sprechen kann. Vielleicht hätten DERDIAN hie und da doch einfach etwas mehr Kante zeigen respektive eine klarere Struktur an den Tag legen, oder den Kompositionen etwas mehr Zeit und Raum geben sollen sich von selbst zu entwickeln – aber sei es drum. Fest steht, dass es sich noch immer um ein lohnenswertes Power Metal-Album handelt – dem man allemal eine Chance geben sollte, nicht zuletzt aufgrund des spürbaren Engagements der einzelnen DERDIAN-Mitglieder.

Absolute Anspieltipps: DNA, RED AND WHITE, NOTHING WILL REMAIN, YA NADA CAMBIARA


„Stellenweise fast schon zu bunt und überladen – aber noch immer ein mehr als anständiges DERDIAN-Album.“

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