Metal-CD-Review: CRYONIC TEMPLE – Deliverance (2018)

Alben-Titel: Deliverance
Künstler / Band: Cryonic Temple (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 20. Juli 2018
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal
Label: Scarlet Records

Alben-Lineup:

Roland Westbom – Bass
Markus Grundström – Guitars
Mattias Lilja – Vocals, Piano
Esa Ahonen – Guitars
Micke Dahlkvist – Drums

Track-Liste:

1. Intro: The Morning After the Longest Day (02:28)
2. Rise Eternally Beyond (05:07)
3. Through the Storm (04:52)
4. Knights of the Sky (05:27)
5. Deliverance (04:21)
6. Loneliest Man in Space (05:04)
7. Pain and Pleasure (03:40)
8. Temple of Cryonics (05:12)
9. Starchild (04:23)
10. End of Days (04:06)
11. Swansong of the Last Emperor (04:29)
12. Under Attack (04:09)
13. Blood and Shame (03:45)
14. Insomnia (05:39)

Wenn die Erlösung (nicht) nahe ist.

Nein – allzu lange hat es wahrlich nicht gedauert, bis sich die schwedischen Power Metaller von CRYONIC TEMPLE mit einem weiteren neuen Studioalbum zurückmelden. So erschien das letztaktuelle INTO THE GLORIOUS BATTLE (siehe Review) erst vor gut einem Jahr – was die Vermutung aufkommen lässt, dass die Schweden einiges aufholen wollen. Warum das so ist oder sein könnte, liegt auf der Hand: seit ihrem vierten, Ende 2008 erschienenen Album IMMORTAL (Review) hatte man für knapp 10 Jahre nichts mehr von CRYONIC TEMPLE gehört. Einige Jahre, und natürlich auch Mitgliederwechsel später aber war es dann aber doch an der Zeit für eine Rückkehr – wobei INTO THE GLORIOUS BATTLE besser abgeschnitten hatte als von manchen befürchtet. Nicht unwesentlich daran beteiligt war auch der neue Leadsänger Mattias Lilja, der sich offenbar gut in der Band eingefunden hatte – und den legendären Johan „Glen Metal“ Johansson (ja, wo ist der eigentlich abgeblieben ?) zwar nicht in einem gleichwertigen, aber doch angenehmen Sinne ersetzen konnte. Nun also soll mit DELIVERANCE der zweite große Paukenschlag nach der quasi-Wiedervereinigung erfolgen – wofür die Schweden satte 14 neue Titel an den Start schicken. Die erste Überraschung folgt dabei sogleich, denn: es hat sich einiges getan im Hause CRYONIC TEMPLE.

Ob es sich dabei um eine rundum positive oder zumindest nachvollziehbare Entwicklung handelt, sei allerdings einmal dahingestellt. Denn, und leider: CRYONIC TEMPLE sind beinahe nicht mehr wiederzuerkennen. Selbstverständlich – dank der mittlerweile bekannten neuen Leadstimme von Mattias Lilja und der glücklicherweise noch des öfteren durchschimmernden und dabei ebenso unverkennbaren wie unverkennbar guten Gitarrenarbeit von Esa Ahonen weiß man, dass hier tatsächlich jene Schweden am Werk sind die einst mit Alben wie IN THY POWER Geschichte schrieben. Aber dennoch: dass irgendetwas anders ist, wird man schon mit dem sich verdächtig langatmig anfühlenden symphonischen Intro INTO THE MORNING AFTER THE LONGEST DAY sowie dem darauf folgenden Opener RISE ETERNALLY BEYOND (der ebenfalls mit einer ellenlangen, eigentlich unnötigen Auftaktphase daherkommt) feststellen. Schließlich sollte man nicht zuletzt bei einer Titelvergabe wie dieser erwarten können, dass CRYONIC TEMPLE hier in möglichst jeder Hinsicht aus dem (musikalischen) Vollen schöpfen – und dem Hörer ein echtes Power Metal-Brett servieren. Leider ist aber genau das nicht wirklich der Fall: die Schweden klingen schon zum Auftakt des Albums merkwürdig verhalten und nicht gerade so, als wollten sie wirklich etwas reißen.

So weist DELIVERANCE gleich drei markantere Knack- oder auch explizite Schwachpunkte auf. Zuallererst ist es die plötzlich erschreckend limitiert erscheinende Leistung von Leadsänger Mattias Lilja, die negativ auffällt – wobei es kaum vorstellbar ist, was genau mit dem einst recht gut zum allgemeinen Soundoutfit der Band passenden Gesangskünstler passiert sein könnte. In Bezug auf DELIVERANCE steht eines aber mit Sicherheit fest: so kraftlos, emotionsarm und wenn man so will fast schon einschläfernd hat schon lange kein Power Metal-Frontmann mehr geklungen. Und, das ist das verwunderliche: ausgerechnet bei Titeln wie den hier enthaltenen, die eine gewisse Kraft und Ausdrucksstärke schlicht voraussetzen. Zweifelsohne werden hier Erinnerungen an Alfred Romero wach, der als Frontmann von DARK MOOR eine ganz ähnliche (und dabei ebenso unverständliche) Wandlung durchgemacht hat – womit er nicht weniger getan hat, als die Band ins Aus zu bugsieren. Wenig verwunderlich ist, dass das zweite Problem von DELIVERANCE auf die Gegenseite, das heißt die instrumentalen Strukturen oder auch die Kompositionen im Gesamten abzielt – wobei man sich auch hier fragen muss, was genau CRYONIC TEMPLE dazu getrieben hat Entscheidungen wie die hier gemachten zu treffen.

Sicher – gegen ein wenig Auflockerung in Form von diversen Spielereien oder besonderen melodischen Maßnahmen ist im allgemeinen nichts einzuwenden. CRYONIC TEMPLE gehen auf DELIVERANCE allerdings einen eher unangenehmen Weg – und setzen vermehrt auf ebenso simple wie fast schon poppig anmutende Arrangements (arg: THROUGH THE STORM), die nur allzu selten von der noch immer soliden Arbeit der beteiligten Musiker befeuert werden können. Anders gesagt: die Kraft ist raus, warum auch immer – und die gefundene Alternative wird die wenigsten Power Metal-Konsumenten begeistern, erst Recht natürlich nicht die alteingesessenen CRYONIC TEMPLE-Anhänger. Das dritte Problem des Albums bezieht sich dann auf die einzige noch verbleibende positive Seite des Albums – und verkehrt auch diese ins relative Gegenteil. Denn: in den wenigen Momenten, in denen das Konzept der Band doch noch aufzugehen scheint (wie etwa in KNIGHTS OF THE SKY) erinnern CRYONIC TEMPLE plötzlich frappierend an die Kollegen von VEONITY – die momentan klar als stärkere Combo aus dem Vergleichsduell hervorgehen.

Daran ändern auch viele der anderen, teilweise kläglichen Versuche (wie die peinliche JUDAS PRIEST-Referenz im Titeltrack DELIVERANCE) nichts – und auch das Bestreben, in Titeln wie LONELIEST MAN IN SPACE oder END OF DAYS eine Priese einer bei Bands wie KELDIAN wunderbar aufgehenden sphärischen Komponente beizumengen; klingt bei CRYONIC TEMPLE leider nicht ganz so überzeugend. Ein Titel, der noch am ehesten funktioniert wäre wohl PAIN AND PLEASURE – wobei fraglich ist wer genau hier die Rolle des Leadsängers einnimmt. Wenn es wirklich Mattias Lilja ist, Hut ab – aber auch das ist nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Insgesamt betrachtet ist DELIVERANCE eine herbe Enttäuschung – und das sowohl als CRYONIC TEMPLE-Album, als auch als allgemeines Power Metal-Release.

Absolute Anspieltipps: KNIGHTS OF THE SKY, LONELIEST MAN IN SPACE, PAIN AND PLEASURE


„CRYONIC TEMPLE klangen schon einmal besser.“

2 Gedanken zu “Metal-CD-Review: CRYONIC TEMPLE – Deliverance (2018)

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