Filmkritik: „Hinter Den Mauern“ (Mini-Serie, 2016)

Originaltitel: Au-Delà Des Murs
Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Originaldrehbuch
Regie: Hervé Hadmar
Mit: Veerle Baetens, Geraldine Chaplin, François Deblock u.a.
Land: Frankreich, Belgien
Laufzeit: 3 Episoden á 45 Minuten
FSK: unbekannt
Genre: Thriller, Horror, Mystery, Drama
Tags: Haus | Abenteuer | Erfahrung | Parallelwelt | Zeitreise | Paradoxon

Hat man erst einmal einen Blick riskiert…

Inhalt: Die als Logopädin arbeitende Lisa führt trotz ihrem Tagesgeschäft in einer Kinderklinik ein eher zurückgezogenes Leben. Umso seltsamer erscheint es ihr, als sie eines Tages ein altes Anwesen erbt – und das unter höchst mysteriösen Umständen. Und tatsächlich, wie sich bald darauf zeigt sollte sie mit ihren Vermutungen Recht behalten. Als sie im Haus Geräusche wahrnimmt und sich ein Stück der Tapete zu lösen beginnt, schlägt sie entschlossen ein Loch in die Wand – und entdeckt dahinter einen weiteren Korridor des Hauses. Mit dem was sie dort erwarten sollte, hätte sie indes kaum rechnen können – schließlich scheint sich ihr hier eine ganz eigene, surreal anmutende Parallelwelt zu offenbaren. Eine, in der es offenbar auch Gefahren gibt; sodass Lisa nach der Begegnung mit einem merkwürdig gekleideten Mann panisch flieht. Allerdings nicht in Richtung Ausgang, denn der ist plötzlich nicht mehr zu finden…

Kritik: Ja, doppelt hält oft besser – was insbesondere auf Filmschaffende zutrifft, die sich sowohl als Drehbuchautoren als auch Regisseure verdingen. Und, die im besten Fall gleich beide Betätigungsfelder in einem einzigen Projekt ausleben dürfen – wie im Falle von HINTER DEN MAUERN (im Original AU-DELÀ DES MURS). Dabei spielt es grundsätzlich keine große Rolle, ob man das auch von Marc Herpoux mit erdachte Werk nun als dreiteilige Mini-Serie betrachtet wie offiziell vorgeschlagen – oder aber als zusammenhängenden Spielfilm mit einer dezenten (sich aber nicht negativ auswirkenden) Überlänge. Beiden Varianten oder auch Betrachtungsweisen gemein ist in jedem Fall eine Einladung, die man nicht vorschnell abschlagen sollte – bedienen die Verantwortlichen doch längst nicht nur alteingefahrene oder gar ausgelutschte Tugenden des Horrorfilms. Nein, HINTER DEN MAUERN geht hier und da noch ein paar Schritte weiter. Und das beispielsweise, indem die Macher eine ebenso interessante wie spannend inszenierte Mystery-Komponente vorsehen – was ihr Werk eher in Richtung eines übernatürlich angehauchten Thrillers driften lässt. Und überhaupt: das gute alte Zeitreise-Paradoxon lässt – hier allerdings eher unerwartet – Grüßen…

Tatsächlich ist HINTER DEN MAUERN damit etwas gänzlich anderes geworden als eine typische, in eine einzelne Genre-Schublade zu steckende Fernsehproduktion – woraufhin aber nicht nur die ungewöhnliche und letztendlich überraschende Story hinweist. Schließlich sieht man dem Projekt auch jederzeit problemlos an, dass ihm etwas mitunter besonderes innewohnt. Derart stimmig anmutende, den Zuschauer schon allein durch ihren optischen Eindruck in den Bann ziehende Kulissen hat man so jedenfalls selten gesehen – und das weder in einer entsprechenden Serie, noch einem ähnlich aufgemachten Spielfilm. Anders gesagt: HINTER DEN MAUERN strahlt ganz offensichtlich aus, dass einiges an Arbeit und Herzblut in das Projekt investiert wurde – was sich nur positiv auf den Zuschauer auswirken kann. Das gilt im übrigen auch für die tadellosen Leistungen der beiden Hauptdarsteller, und das der hie und da auftretenden Nebenfiguren – die HINTER DEN MAUERN zu einem Grusel-Kabinett der einstweilen etwas prätentiösen, dabei aber doch angenehm extravaganten Art avancieren lassen. Allzu plumpe Jumpscares, nicht nachvollziehbare Handlungen der Charaktere oder auch ein unnötige wilde Zuarbeit seitens der Kamera oder des Soundtracks bleiben dem Zuschauer jedenfalls erspart.

Eines sollte damit schon jetzt feststehen: HINTER DEN MAUERN ist nicht nur eine auffällig gut gemachte Mini-Serie, sondern auch eine fast uneingeschränkt empfehlenswerte. Insbesondere natürlich für all jene, die sich von den typischen Horror-Szenarien der Marke es spukt in einem verlassenen, sonst aber stinknormalen Haus gelangweilt sehen. Der einzige Wermutstropfen ist, dass es am Ende doch alles etwas zu schnell geht – und die Geschichte durch ein so nicht gerade innovatives geschweige denn einleuchtendes Zeitreise-Paradoxon abgerundet wird. Sei es drum – einmal gesehen haben sollte man HINTER DEN MAUERN allemal. Und das allein aufgrund seiner surreal angehauchten, dabei aber dennoch stets greifbar erscheinenden Szenerie innerhalb einer makaberen Traumwelt, die die (einstweilen harte) Realität doch irgendwann einholt. Es sei denn natürlich, Lisa hätte sich doch anders entschieden… was das bei Fernsehproduktionen sonst eher seltene Gefühl aufkommen lässt, noch mehr Geschichten von der Welt HINTER DEN MAUERN hören zu wollen. Hervé Hadmar macht aber – und da ist es wieder, das Paradoxon – absolut alles richtig, wenn er die Miniserie genau so stehen lässt wie sie ist.

Bilder / Promofotos / Screenshots: ARTE

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„Eine qualitativ extrem überraschende Mini-Serie mit traumhaft-hypnotischen Kullissen und einer einzigartigen Atmosphäre.“

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