Metal-CD-Review: ESTATE – Mirrorland (2018)

Alben-Titel: Mirrorland
Künstler / Band: Estate (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 20. April 2018
Land: Russland
Stil / Genre: Symphonic Power Metal
Label: Mighty Music

Alben-Lineup:

Vadim Lalayan – Bass
Dmitriy Efimov – Keyboards
Iliand Ferro – Vocals
Peter Filevskiy – Guitars

Track-Liste:

1. Mirrorland (04:27)
2. The Ghoul (05:10)
3. Stolen Heart (04:35)
4. Winter Kingdom (04:14)
5. The Storm of the Age Part 1: Storm of the Age (04:12)
6. The Storm of the Age Part 2: Knight of Hope (04:39)
7. The Storm of the Age Part 3: Lady Wind (04:50)
8. Silvery Skies (04:36)
9. Matter of Time (04:05)
10. Springtime (04:41)
11. Knight of Hope (Mark Boals version) (04:39)
12. Matter of Time (Mats Levén version) (04:05)

Da ist er wieder, der Flötendemön… und dieses Mal sogar mit Schwert statt Panflöte.

Nein, und auch wenn das Genre des Power Metal generell keine Grenzen kennt – Russland ist nicht unbedingt bekannt dafür, viele sich in den hiesigen musikalischen Gefilden bewegende und dabei auch noch gute Combos an den Start zu bringen. Erst Recht natürlich, wenn es um den Bereich einer eher symphonisch angehauchten Spielart geht – und man sein Radar ausschließlich auf englischsprachige Releases einstellt. Entsprechend groß war und ist die Spannung in Anbetracht von Veröffentlichungen wie FANTASIA (siehe Review), dem 2014 erschienenen Debütalbum von ESTATE. Zwar konnten die Jungs dabei nicht gänzlich mit den entsprechenden Vorurteilen aufräumen, wobei sie sich aber auch nicht blamiert haben – und so gesehen die Weichen für eine bestenfalls ertragreiche Zukunft stellten. Einen Einblick in eben jene losgetretene Entwicklung gewährt nun MIRRORLAND, das zweite Album der zweifelsohne ambitionierten Russen – das wie schon der Vorgänger über das dänische Label Mighty Music erscheint und 12 brandneue Titel bereithält. Und das natürlich wieder – wie sollte es anders sein – mit der schon vom Vorgänger bekannten und dabei ebenso grazil wie dezent überzeichnet anmutenden Dämonenfigur auf dem Cover.

Dass sich etwas getan hat im Hause ESTATE, merkt man MIRRORLAND dann auch relativ schnell an. Allerdings, und diesen Einschub sollte man durchaus vornehmen: mit einem eventuell erwarteten qualitativen Quantensprung hat das Ganze eher weniger am Hut. Vielmehr geht es um zwei gravierende und sich markant auf den Sound der Band auswirkende Veränderungen – wobei sich die eine auf die in der Zwischenzeit vorgenommene (und dabei zumindest theoretisch unnötige) Aufpolierung des Lineups bezieht. Immerhin haben ESTATE sowohl ihren Leadsänger als auch ihren Gitarristen ausgetauscht – was in Anbetracht ihres auf FANTASIA offenbarten Potentials doch etwas schade ist und es schwierig macht, MIRRORLAND als direkten Nachfolger zu sehen. In eben diese Kerbe schlägt dann auch die zweite Veränderung, denn: während die relativ direkten (und dabei nicht minder klischeehaften) Titelbezeichnungen geblieben sind, geht es in Bezug auf den eigentlichen Sound der Russen etwas weniger verspielt zur Sache – und das trotz des sich noch immer alles andere als zurückhaltenden Keyboards. Anders gesagt: man merkt und hört es MIRRORLAND einfach direkt an, dass es insgesamt deutlich ernsthafter und kräftiger inszeniert ist als sein Vorgänger – und es ESTATE nicht zuletzt aufgrund der stattfindenden Gastauftritte von Mark Boals und Mats Levén offenbar endgültig darauf anlegen, in der Szene durchzustarten.

Ob ihnen das mit den unternommen Schritten gelingen wird, ist aber eine ganz andere Frage – wobei man allemal festhalten muss, dass MIRRORLAND tatsächlich recht professionell aufgemacht ist und äußerst druckvoll durch die Boxen rauscht. Auch die generell knackigen Kompositionen sowie die markante Keyboard-Komponente sprechen grundsätzlich für die Band – und das stellenweise so sehr, dass man geneigt ist über den Wegfall des zuvor mit FANTASIA an den Start gebrachten Spaßfaktors hinwegzusehen. Dennoch haben ESTATE ein Problem, zumindest ein potentielles – und das bezieht sich auf nicht weniger als den Leadgesang des neuen Sängers Iliand Ferro. Dabei ist es gar nicht erst seine Technik oder die generell recht variable Vorgehensweise, die man als störend erachten könnte – sondern einzig und allein seine raue Stimmfarbe inklusive der doch recht wackligen Ausbrüche in Form von eingeworfenen Screams. Lauscht man Titeln wie THE GHOUL, ist eine relative klangliche Dissonanz jedenfalls kaum zu verhehlen; oder anders gesagt: gerade in gesanglicher Hinsicht avanciert MIRRORLAND zu einer recht anstrengenden Angelegenheit. Wenn man dann auch noch die Tatsache hinzuzieht, dass MIRRORLAND weitaus weniger erfrischend daherkommt als sein Vorgänger und sich ESTATE aktuell nur im Fahrwasser vieler typischer Euro-Power-Metal-Bands der 90er und 2000er Jahre bewegen; sieht es plötzlich gar nicht mehr so gut aus für das Zweitwerk der Russen – und das trotz des zeitweise spürbaren Engagements.

Schlussendlich ist MIRRORLANDd damit – und leider – eine Enttäuschung. Zum einen ist es schade, dass es ESTATE schlicht verpasst haben auf eine nachvollziehbare Art und Weise an ihr Erstwerk FANTASIA anzuknüpfen – und zum anderen erweisen sich sowohl die neue Leadstimme als auch die eher monotone Gangart der Russen als problematisch. Im Großen und ganzen schafft es schließlich nicht eine einzige Nummer, für ein nennenswertes Aufhorchen zu sorgen – denn bis auf wenige explizit schwache Ausnahmen (das krude WINTER KINGDOM oder die Ballade SILVERY SKIES) verklumpt das Material zu einem bestenfalls durchschnittlichen Ganzen. Dass selbst die hochkarätigen Gastauftritte untergehen – und das schlicht, da man die entsprechenden Nummern KNIGHT OF HOPE und MATTER OF TIME einfach noch mal als quasi-Bonustracks an das Album angehängt hat – macht es da kaum besser.

Absolute Anspieltipps: MIRRORLAND


„Gesanglich problematisch und über weite Strecken austauschbar, leider.“

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