Metal-CD-Review: ESTATE – Fantasia (2014)

Alben-Titel: Fantasia
Künstler / Band: Estate (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 01. Dezember 2014
Land: Russland
Stil / Genre: Symphonic Power Metal
Label: Mighty Music

Alben-Lineup:

Vadim Lalayan – Bass
Nikolay „Nicke Pix-R“ Pikhurov – Drums
Alexey Seleznev – Guitars
Dmitriy „Mauzer“ Efimov – Vocals, Keyboards

Track-Liste:

1. Intro (01:06)
2. Hero (03:54)
3. Tarantella (05:49)
4. Silent Dream (04:26)
5. World Without You (04:55)
6. You Are Not Alone (05:55)
7. Absolutely True! (04:39)
8. Holy Land (Fantasia) (03:49)
9. The War (05:11)
10. The Night of Asura (04:52)
11. I’d Rather Die (05:58)

Wer hier nicht zur Panflöte greift und tanzt, ist selber Schuld.

Nein, und auch wenn man als geneigter Freund des Power Metal versucht möglichst alles zu kennen – allzu schlimm ist es nicht, wenn man bis dato noch nichts von ESTATE gehört hat. Schließlich existiert die aus Russland stammende Combo erst seit 2012 und befindet sich so gesehen gerade erst in der Mache – wobei ihr 2014 erschienenes (und, man muss es leider sagen: etwas fantasielos betiteltes) Debütalbum FANTASIA an den meisten vorbeigegangen sein sollte. Andererseits, und zum Trotz der im hiesigen Genre nicht selten vorkommenden übertrieben Artworks gilt: wer die Chance hatte auch nur einen verstohlenen Blick auf das Cover von FANTASIA zu werfen, wird kaum umhingekommen sein das Album auch tatsächlich zu hören. Ganz so wild (oder eher: feucht-fröhlich) wie es der die Panflöte spielende Dämon vermuten lässt, geht es auf FANTASIA allerdings nicht zu. Mit Ausnahme des quasi-Titeltracks HOLY LAND eventuell – der am ehesten einen Soundtrack zu jenen Bildern spendiert, die sonst nur in so manch verquerer Power Metal-Fantasie entstehen. Im Großen und Ganzen klingen ESTATE aber eher wie die Kollegen von FIRELAND aus Chile – wobei insbesondere die korrespondierenden Leadsänger Dmitriy „Mauzer“ Efimov und Rafael Castillo eine frappierende Ähnlichkeit an den Tag legen.

Davon abgesehen, und trotz des zunächst reichlich bekannten und kitschigen Eindrucks sollte man ESTATE respektive ihr Debütalbum FANTASIA nicht vorschnell verurteilen – und ihm zumindest eine Chance geben. Denn auch wenn das was die Russen hier machen alles andere als neu ist, offenbart es doch eine gewisse Frische und Spritzigkeit – und das nicht zuletzt, da ESTATE nicht davor zurückschrecken viele verschiedene Einflüsse innerhalb der hier präsentierten 11 Titel geltend zu machen. Und dabei gar nicht mal schlecht abzuschneiden, wie man es schon dem stampfenden Opener HERO anhört – der wie nicht wenige Titel des Albums auf eine nicht alltägliche Mischung symphonischer und elektronischer Keyboard-Elemente setzt. Wenn wie im folgenden TARANTELLA auch noch allerlei zum Schunkeln anregende Rhythmen sowie eine aus dem Nichts auftauchende Piratenstimmung hinzukommen, ist sie natürlich wieder da, die Kitschgefahr – aber auch hier machen ESTATE grundsätzlich vieles richtig. Das gilt im übrigen auch die für ein Debütalbum einer bis dato unbekannten Band recht überzeugende Abmischungs- und Produktionsarbeit sowie die Handhabung der Instrumente – während der weitestgehend akzentfreie Leadgesang von Dmitriy „Mauzer“ Efimov ebenfalls nicht zu verachten ist.

Dennoch, und bei aller Liebe zur Vielfalt ist das Album längst nicht perfekt. Zum einen natürlich, da es wie eine recht bunt zusammengewürfelte und in sich nicht wirklich stimmig anfühlende Werkschau handelt – und zum anderen, da einzelne Titel wie WORLD WITHOUT YOU im Rahmen der auch mal etwas balladeskeren Seite des Power Metal schlicht ein absolutes No-Go darstellen. Das gilt im übrigen auch für die in ABSOLUTELY TRUE inszenierte Anwandlung der Band, die hier eher wie eine abgehalfterte Comedy-Combo klingt – und das nicht nur, da das Ganze nur noch schwerlich mit dem Oberbegriff des Power Metal vereinbar ist. Während ähnliche (aber nicht ganz so schwer zu verkraftende) Experimente wie in YOU ARE NOT ALONE ebenfalls nicht wirklich aufgehen und vor allem den Leadsänger vor hörbare Herausforderungen stellen, sieht es mit den deutlich bodenständigeren Titeln vom Schlage eines SILENT DREAM, THE WAR, NIGHT OF ASURA oder I’D RATHER DIE schon wesentlich besser aus. Unter der niemals gänzlich außer Acht zu lassenden Voraussetzung, dass man eine gewisse Vorliebe für nicht nur seitens des Keyboards entstehende Spielereien mitbringt, versteht sich. Man darf in jedem Fall gespannt sein, was die Band in Zukunft noch in Petto haben wird…

Absolute Anspieltipps: HERO, TARANTELLA, HOLY LAND, THE WAR


„Ein nicht vollständig ausgereiftes und stellenweise krude erscheinendes, zumindest in handwerklicher Hinsicht aber allemal überzeugendes Debütalbum mit einem hohen Spaßfaktor.“

Über Kommentare Freut Sich Jeder.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.