Filmkritik: „Dschungelkind“ (2010)

Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Autobiografie von Sabine Kuegler
Regie: Roland Suso Richter
Mit: Thomas Kretschmann, Nadja Uhl, Isolde Barth u.a.
Land: Deutschland
Laufzeit: ca. 90 Minuten
FSK: ab 0 freigegeben
Genre: Abenteuer / Drama
Tags: Dschungel | Urwald | Familie | Kinder | Reise | Rückkehr

Fluch und Segen des Dschungelkinds.

Inhalt: Als der Linguist Klaus Kuegler (Thomas Kretschmann) im Jahre 1980 gemeinsam mit der Familie in den Dschungel von West-Guinea reist, eröffnet sich insbesondere für die beiden jungen Kinder Sabine (Stella Kunkat) und Christian (Tom Hoßbach) ein magisches Natur-Paradies. Gemeinsam erkunden sie die Umgebung, finden schnell neue Freunde – und können sich alsbald schon kein Leben ausserhalb des Dschungels mehr vorstellen. Ihre Mutter Doris (Nadja Uhl) und ihre ältere Schwester Judith (Milena Tscharntke) jedoch scheinen zunächst noch Probleme zu haben, sich mit der neuen Situation zurechtzufinden – vor allem was die ungewöhnlichen Bräuche und Ansichten der hiesigen Einheimischen angeht. Letztendlich scheint man sich zu arrangieren – was aber nicht heißt, dass es nicht dennoch zu Problem kommen würde. Neben potentiellen Krankheiten, persönlichen Konflikten und Zukunftsängsten scheint sich schließlich auch noch ein größeres Stammeskrieg anzubahnen…

Kritik: Wer hat nicht schon einmal davon geträumt, der Hektik des modernen Alltags zu entfliehen – und das Experiment zu wagen, ein eher ursprüngliches Leben inmitten im nirgendwo zu beginnen ? Zunächst noch aufgrund ihrer Eltern und ohne überhaupt die Wahl zu haben, kam die junge Sabine Kuegler in eine eben solche Situation – und das sowohl in ihrem tatsächlichen Leben als auch im Film DSCHUNGELKIND, der sich als autobiografisch inszenierte Werk von Roland Suso Richter mehr oder weniger direkt auf das Leben der in Nepal geborenen Autorin bezieht. Tatsächlich stellt sich der dabei auch der Film als recht spannende Angelegenheit heraus – und das nicht nur aufgrund der stimmig eingefangenen und gleichzeitig eine gewisse Form der Magie heraufbeschwörenden Bilder. Die recht geschickt in Szene gesetzte kindliche Erzählperspektive, die sich auf einem schmalen Grat zwischen einer Romantisierung und der Darstellung des nicht selten problematischen Alltags der Auswanderer bewegende inhaltliche Schwerpunktsetzung sowie die doppelt generationsübergreifende Leistung der beteiligten Darsteller auf Seiten der Familie und der Ureinwohner sprechen schließlich grundsätzlich für das Filmprojekt DSCHUNGELKIND – das vor allem in seiner ersten Hälfte sowie in Bezug auf seine vergleichsweise tiefgreifende und ungekünstelte Darstellung der Auseinandersetzung zwischen zwei grundverschiedenen Völkern (sowie allen beteiligten Personen) punkten kann.

Im weiteren Verlauf indes, und mit der Zunahme der seitens des Hauptcharakters und des Regisseurs getroffenen Reflexionen droht die DSCHUNGELKIND-Filmfassade dann doch noch dezent zu bröckeln – was zum Teil auch an den schwächer geratenen Leistungen der vermehrt für sich spielenden Darsteller liegt, die dem vorangegangenen Spiel ihrer weitaus jüngeren Nachwuchs-Kollegen nunmehr kaum noch etwas entgegenzusetzen haben. Dennoch, und gerade in Anbetracht der anberaumten Komplexität der Erzählung und jeweiligen Innenansichten kann eine bedenkenlose Empfehlung für DSCHUNGELKIND ausgesprochen werden. Zum einen, da der Film weitaus weniger kitschig oder prätentiös daherkommen sollte als von manchen vermutet und klar die Charaktere in den Mittelpunkt stellt – und zum anderen, da er mit seiner gewissermaßen sonderbaren Mixtur aus einer vermittelten Abenteuerlust, einer angeschnittenen Familien-Historie und dem Porträt zweier höchst unterschiedlicher Lebensarten wunderbar unterhält.

Bilder / Promofotos / Screenshots: © UFA Cinema

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„Abenteuerlich, substanziell und weitestgehend wertungsfrei – eine echte Überraschung.“

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