Metal-CD-Review: BLIND GUARDIAN – Beyond The Red Mirror (2015)

Alben-Titel: Beyond The Red Mirror
Künstler / Band: Blind Guardian (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 30. Januar 2015
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Nuclear Blast

Alben-Lineup:

Hansi Kürsch – Vocals
André Olbrich – Guitars
Marcus Siepen – Guitars
Frederik Ehmke – Drums

Track-Liste:

1. The Ninth Wave (09:28)
2. Twilight of the Gods (04:50)
3. Prophecies (05:26)
4. At the Edge of Time (06:54)
5. Ashes of Eternity (05:39)
6. The Holy Grail (05:59)
7. The Throne (07:54)
8. Sacred Mind (06:22)
9. Miracle Machine (03:03)
10. Grand Parade (09:28)

Vom Wunderland hinter dem Spiegel.

Gute 5 Jahre nach ihrem neunten Studioalbum AT THE EDGE OF TIME (siehe Review) erschien 2015 das bis heute letztaktuelle BLIND GUARDIAN-Album BEYOND THE RED MIRROR. Und damit auch ein Album, welches die Tradition der Band in vielerlei Hinsicht fortsetzte – und das nicht nur in Bezug auf das fantastische Artwork oder die Anzahl von exakt 10 vollwertigen Alben-Titeln. Mindestens einen Unterschied zum Vorgänger gibt es dann aber doch, und der spielt (wie nicht selten in der hiesigen Diskografie) auf das durchaus ehrenwerte Bestreben der Band an, sich mit ihrem jeweils neuesten Album nicht bloß wiederholen zu wollen. Ehrenwert ist das vor allem deshalb, da man so erst die Chance erhält näher zwischen den Alben der Genre-Pioniere differenzieren zu können – die sich seit dem früh vollzogenen Wandel der Band von einer Speed Metal-Combo in eine auf eine gewisse Epik ausgerichtete Power Metal-Formation allesamt in einem stilistisch gut zueinander passenden Fahrwasser bewegen. Dennoch, und wie sich zeigt birgt diese Form des minimalen, sich aber doch hörbar auswirkenden Neu-Erfindens auch eine gewisse Gefahr. Im größeren Kontext und in Bezug auf die gesamte Diskografie der Band bedeutet dies, dass BLIND GUARDIAN eine der; man nenne es qualitativ abwechslungsreichsten Diskografien überhaupt vorweisen können – und im kleinen Kontext, das heißt in Bezug auf das vorliegende BEYOND THE RED MIRROR; dass sich die Band abermals einen Schritt in eine so nicht unbedingt wünschenswerte Richtung erlaubt hat.

Sicher handelt es sich hierbei um eine etwas zugespitzte Formulierung, aber dennoch: gerade im Vergleich mit dem direkten Vorgänger AT THE EDGE OF TIME macht BEYOND THE RED MIRROR eine wesentlich schlechtere Figur als erwartet. Zwar legen es BLIND GUARDIAN hörbar darauf an, gerade das zu vermeiden – beispielsweise in Form ihrer dieses Mal doch recht üppig inszenierten symphonischen Facette inklusive eines echten Orchesters und Chors. Doch trotz der somit eigentlich zu erwartenden klanglichen Reichhaltigkeit ist das Album kurioserweise alles andere als spannend oder nennenswert facettenreich ausgefallen; oder mehr noch: über weite Strecken klingt es einfach nur ärgerlich langatmig. Woran genau das liegen könnte, ist schwer zu sagen – Fakt ist nur, dass es nicht auf die Leistungen der einzelnen (und der Band schon seit unzähligen Jahren die Treue haltenden) Mitglieder oder aber die zahlreichen anderen am Album beteiligten und dabei ebenfalls ihr Handwerk verstehenden Musikern zurückgeführt werden kann. Wobei, ganz stimmt das nicht – denn letztendlich muss sich ja irgendjemand für das Songwriting und das Konzept als vermutlich einzigen und wahren Knackpunkt von BEYOND THE RED MIRROR verantwortlich zeichnen. Wer genau hier welche Entscheidung zu welchem Zeitpunkt herbeigeführt hat, spielt dabei allerdings keine allzu große Rolle – nur, dass sie sich eher schlecht als recht auf das Album auswirken.

Vielleicht wollten BLIND GUARDIAN aber auch einfach zu viel – worauf bereits der überlange, mit wuchtigen Chor-Passagen ausgestatteter Opener THE NINTH WAVE hinweist. Aber auch wenn insbesondere der Orchester-Auftakt einen für BLIND GUARDIAN eher ungewöhnlichen Eindruck hinterlässt, ist der gar nicht erst das eigentliche Problem. Dieses findet sich schließlich erst im weiteren Verlauf, und folglich auch mit der Entwicklung der Nummer – der dabei ganz offensichtlich einige Stolpersteine in den weg gelegt wurden. Anders sind die stellenweise auftretenden, in Anbetracht des bisherigen Werdegangs der Band überraschend langatmigen und unspektakulären Momente wohl kaum zu erklären – wobei es sich um eine Form der Gleichförmigkeit handelt, die sich unglücklicherweise auch durch den Rest des Albums zieht. Viel zu oft hat man das Gefühl, als würden sich BLIND GUARDIAN aus unbestimmten gründen zurückhalten – was sich hier insbesondere durch die sich stark ähnelnden Strukturen und Stimmungen, das Ausbleiben von nennenswert andersartigen und die Atmosphäre befeuernden Titeln (MIRACLE MACHINE ist eine Ausnahme, aber leider keine besonders gute), das Fehlen von klaren Highlights sowie die relative klanglichen Dissonanzen in Bezug auf die nicht ganz glückliche Abmischungs- und Produktionsarbeit beziehen.

Ein in diesem Fall ebenfalls nicht zu verachtender Kritikpunkt (mit dem die Band im übrigen schon des öfteren zu kämpfen hatte) bezieht sich auf die überlagerten Gesänge sowie die Inszenierung der Chöre, die auf BEYOND THE RED MIRROR einen alles andre als wuchtigen oder ausgewogenen Eindruck hinterlassen – und so dazu führen, dass sich die Nummern noch gleichförmiger anfühlen als ohnehin schon. Aber auch Leadsänger Hansi Kürsch hat schon einmal eine bessere Figur gemacht – was den insgesamt doch eher enttäuschenden Eindruck des Albums unterstreicht. Momentan mag es zwar ein schwacher Trost sein, aber: wenn man so will und der bisher eigentlich immer bei der Betrachtung von BLIND GUARDIAN aufgegangen Rechnung traut, sollte das nächste Album wieder ein Highlight werden…

Absolute Anspieltipps: AT THE EDGE OF TIME, THE HOLY GRAIL


„Das erste deutlicher enttäuschende BLIND GUARDIAN-Album als hoffentlich nur einmaliger Ausrutscher.“

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