Metal-CD-Review: HEAVATAR – Opus II – The Annihilation (2018)

Alben-Titel: Opus II – The Annihilation
Künstler / Band: Heavatar (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 16. Februar 2018
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: earMUSIC

Alben-Lineup:

Jörg Michael – Drums
Sebastian Scharf – Guitars
Stefan Schmidt – Guitars, Vocals
Daniel Wicke – Bass

Track-Liste:

1. None Shall Sleep (04:37)
2. Into Doom (04:06)
3. Purpose of a Virgin Mind (03:51)
4. Hijacked by Unicorns (04:03)
5. The Annihilation (04:51)
6. Wake Up Now (04:49)
7. A Broken Taboo (04:45)
8. An Awakening (03:32)
9. A Battle Against All Hope (03:07)
10. A Look Inside (02:46)
11. Metal Daze (Manowar cover) (04:36)
12. The Look Inside (orchestral) (13:58)

Bevor wir alle ausradiert werden, noch ein wenig Musik.

Mit OPUS II – THE ANNIHILATION erscheint dieser Tage das zweite offizielle Studioalbum von HEAVATAR, einer erst 2012 im Rheinland gegründeten Power Metal-Formation. Im Falle der erstmals mit dem entsprechenden Vorgänger OPUS I – ALL MY KINGDOMS (das war 2013, siehe Review) in Erscheinung getretenen Musikern von einer beliebigen Newcomer-Band zu sprechen, trifft es dennoch nicht ganz – was man sowohl dem Debütalbum als auch dem vorliegenden Nachfolger problemlos anmerken wird. So sollten einem mindestens zwei Namen aus der hiesigen Besetzungsliste verdächtig bekannt vorkommen, gesetzt dem Fall man ist die letzten Jahre nicht völlig blind durch die Metal-Landschaft gelaufen: an den Drums von HEAVATAR sitzt niemand geringeres als Jörg Michael, der sich als Drummer zahlreicher Genre-Combos (wie etwa STRATOVARIUS, AXEL RUDI PELL oder auch RUNNING WILD) einen verdienten Namen gemacht hat – und Leadsänger Stefan Schmidt dürfte einigen als eines der Stimmwunder von VAN CANTO ein Begriff sein. Dass er weit mehr kann als nur Gesänge der Marke low, rakkatakka und wah-wah abzuliefern (was komisch klingt, seine Rolle bei VAN CANTO aber recht gut beschreibt) hatte er demnach schon auf dem ersten HEAVATAR-Album bewiesen – und auch der zweite Teil des mehr oder weniger groß angelegten OPUS macht auf den ersten Blick eine recht ansprechende Figur.

Denn, und davon konnte man sich bereits in den als Videosingles ausgekoppelten Titeln NONE SHALL SLEEP und PURPOSE OF A VIRGIN MIND überzeugen – HEAVATAR scheinen die doch etwas länger als erwartet ausgefallene Wartezeit zwischen ihren beiden Alben durchaus intensiv genutzt zu haben. Zum einen natürlich im Sinne der Beobachtung der Szene sowie dem analogen Ziel, sich als möglichst eigenständig klingende Combo zu präsentieren – und zum anderen im Sinne des fleißigen Ideen-Sammelns und Brainstormings. Tatsächlich strotzt OPUS II – THE ANNIHILATION nur so vor guten bis mitunter genialen Einfällen – die sich längst nicht nur auf die wie schon auf dem Artwork versprochenen Einflüsse aus der Klassik beziehen, sondern auch auf das ebenso abwechslungsreiche wie effektive Songwriting, das zu keinem Zeitpunkt Langeweile entstehen lässt. Sicher, gänzlich gefeit vor potentiellen Ausrutschern oder dann doch etwas zu komisch wirkenden Ambitionen wie etwa in HIJACKED BY UNICORNS (ja, die Nummer heißt tatsächlich so) ist das Album nicht – und doch geht es mit einem relativ ausgeprägten Spaßfaktor einher. Vor allem natürlich, da die Mitglieder von HEAVATAR ihr Handwerk verstehen – allen voran der grundsätzlich alle Titel mit einem ebenso satten wie angenehmen Schlagzeug-Gewitter ausstaffierende Jörg Michael – und sich eine talentierte Band wie diese durchaus die Freiheit nehmen darf und soll, etwas eher ungewöhnliches respektive auffällig eigensinniges zu versuchen.

Und genau das ist OPUS II letztendlich auch geworden – ein eigensinniges, auffälliges und stellenweise auch mal dezent merkwürdig anmutendes Genre-Album – das analog zu den hervorragenden Leistungen aller Beteiligten eine vergleichsweise kunterbunte Bandbreite des europäischen Power Metals zum Besten gibt. Von folkloristisch-balladesken (und dezent an BLIND GUARDIAN erinnernde) Stimmungen wie in AN AWAKENING über nicht ganz so ernst gemeinte Spaßmacher wie das bereits erwähnte HIJACKED BY UNICORNS (oder das MANOWAR-Cover METAL DAZE) bis hin zu überaus knackigen Stampfern a’la INTO DOOM oder PURPOSE OF A VIRGIN MIND ist schließlich einiges dabei – womit man die vermutlich interessanteste Seite des Albums noch gar nicht erreicht hat. Die zelebrieren HEAVATAR schließlich erst in der zweiten Alben-Hälfte – mit dem furiosen A BATTLE AGAINST ALL HOPE als Auftakt. Das besondere: einerseits scheinen HEAVATAR hier eine ganz ähnliche Form der Ausreizung zu betreiben als beispielsweise die Recken von TWILIGHT FORCE oder GLORYHAMMER, was einen ganz ähnlich bombastischen und leicht überbordenden Soundeindruck zur Folge hat – andererseits aber sind das an den Tag gelegte Handwerk und inbesondere der stimmliche Dauer-Spagat von Leadsänger Stefan Schmidt derart überzeugend, dass man hier von weit mehr ausgehen muss als einem mal eben zwischengeschobenen Intermezzo. Zumal auch das folgende A LOOK INSIDE, sowie die als Rausschmeißer vorgesehene Orchestral-Version THE LOOK INSIDE in einem ganz ähnlichen Sinne weitermachen.

So oder so: OPUS II hat vieles – und vielleicht sogar verdächtig vieles – von dem, was man als geneigter Genre-Konsument von einem vergleichsweise innovativen, schmackigen und alles andere als vorhersehbaren Power Metal-Album erwarten würde. Die Gesangsleistung von Stefan Schmidt ist furios, das Drumming von Jörg Michael wunderbar antreibend, der Bass von Daniel Wicke hat seine Momente – und auch der Frickel-Experte Sebastian Scharf macht eine extrem gute Figur. Dass die Abmischungs- und Produktionsqualität ebenfalls einen wunschlos glücklich machenden Eindruck hinterlässt, rundet das Ganze ab. Es mag überraschend sein, aber: wenn das Album mit etwas zu geizen weiß, dann mit seinen Schwächen. HEAVATAR haben hier demnach mehr als ordentlich vorgelegt – und das sowohl im Sinne der noch überschaubaren Diskografie der Band, als auch in Bezug auf das noch junge Power Metal-Jahr 2018. Selbiges nimmt mit dem munteren Schaffen von HEAVATAR endlich an Fahrt auf – und hat vielleicht auch schon einen der heißeren Kandidaten in Richtung des besten Genre-Albums des Jahres gefunden So darf es gerne weitergehen…

Absolute Anspieltipps: NONE SHALL SLEEP, INTO DOOM, PURPOSE OF A VIRGIN MIND, THE ANNIHILATION, A BATTLE AGAINST ALL HOPE


„Ein angenehm ideenreiches und handwerklich perfekt inszeniertes Album mit vielen genialen Momenten und dem gewissen Etwas.“

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