Metal-CD-Review: ANGRA – ØMNI (2018)

Alben-Titel: ØMNI
Künstler / Band: Angra (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 16. Februar 2018
Land: Brasilien
Stil / Genre: Power Metal
Label: earMUSIC

Alben-Lineup:

Marcelo Barbosa – Guitars
Rafael Bittencourt – Guitars
Felipe Andreoli – Bass
Fabio Lione – Vocals
Bruno Valverde – Drums

Track-Liste:

1. Light of Transcendence (04:36)
2. Travelers of Time (04:40)
3. Black Widow’s Web (05:49)
4. Insania (05:31)
5. The Bottom of My Soul (04:19)
6. War Horns (04:43)
7. Caveman (05:53)
8. Magic Mirror (06:58)
9. Always More (04:43)
10. ØMNI – Silence Inside (08:31)
11. ØMNI – Infinite Nothing (05:14)

Omnipotent und unwiderstehlich. Hoffentlich…

Nein, viele Highlights hat das Power Metal-Jahr 2018 noch nicht bereitgehalten – aber so langsam scheint die ein oder andere hochkarätige Band doch noch entsprechend vorzulegen. So erscheinen am heutigen 16. Februar nicht nur die neuen und teilweise lange erwarteten Werke von Bands wie HEAVATAR, THAUROROD, NOVAREIGN und VISIONS OF ATLANTIS – sondern auch das neue Studioalbum von ANGRA. Selbiges horcht auf den Titel ØMNI, beinhaltet 11 Titel bei einer Gesamtspielzeit von einer guten Stunde – und ist der mittlerweile neunte offizielle Langspieler aus der brasilianischen Metal-Schmiede, der seit dem Beitritt des Ex-RHAPSODY OF FIRE-Frontmanns Fabio Lione (das war 2013) auch ein wenig des berühmt-berüchtigten italienischen Genre-Feuers innewohnt. Eines muss man der Genre- und Gesangs-Legende dabei in jedem Fall lassen, so groß die anfängliche Überraschung über die Neubesetzung auch gewesen sein mag: er hatte sich als einer der weltweit erfahrensten, unverkennbarsten und sicher auch gefragtesten Sänger schnell einen angestammten Platz im Lineup der Band erarbeitet, und seine Anpassbarkeit bereits auf dem 2015 erschienenen SECRET GARDEN (siehe Review) entsprechend unter Beweis gestellt.

Mit ØMNI  erscheint nun das zweite ANGRA-Album unter der neuen Führung von Fabio Lione – und das neunte im Sinne der hiesigen, insgesamt eher durch Qualität anstatt durch Quantität überzeugenden Komplett-Diskografie. Auf den ersten Blick scheint sich dabei nicht allzu viel geändert zu haben im Rahmen der von ANGRA angepeilten Marschrichtung: noch immer sind die Brasilianer relativ problemlos als Band zu erkennen, die nicht erst seit gestern Musik machen – und noch immer setzen sie gerne mal auf etwas vertracktere respektive progressive Strukturen, die man so eigentlich nur ANGRA zuschreiben kann. Und auch wenn ANGRA mittlerweile – und das nicht zuletzt durch die neue Besetzungsstrategie – etwas weniger typisch brasilianisch klingen als dereinst, so wissen die neu gefundenen Alternativen mindestens ebenso sehr zu überzeugen. Ein Beispiel dafür servieren die Brasilianer gleich im Opener: LIGHT OF TRANSCENDENCE klingt nicht nur äußerst erfrischend, kraftvoll und in jeder Hinsicht quicklebendig – auch die hier anberaumte symphonische Komponente verleiht dem Ganzen einen schön druckvollen, schier majestätischen Anstrich. Im Zusammenspiel mit den glücklicherweise ebenfalls nicht vernachlässigten Gitarren, versteht sich – die auch auf ØMNI so manch furios-melodischen Soli-Part abfackeln, und das Herz eines jeden Genre-Enthusiasten höher schlagen lassen sollten.

Was daraufhin folgt, ist das ebenfalls recht ansprechende TRAVELERS IN TIME – das so gesehen schon etwas tiefer in die ANGRA-Materie taucht und mit verschiedenen Stimmungen spielt. Auch hier gilt: insbesondere von Fabio Lione hätte man sich schlicht nicht mehr wünschen können, und die Qualität des Songwritings überzeugt ebenso sehr wie die technische Komponente. Mehr noch: die hier präsentierte, äußerst differenzierte Abmischung und die glasklare – aber eben auch nicht klinische – Produktion könnten relativ problemlos als Maßstab betrachtet werden. Ein kleineres Problem hat ØMNI dann aber doch, und das kommt in diesem Fall in Form eines sich zweifelsohne etwas befremdlich anfühlenden Titels wie BLACK WIDOW’S WEB daher – und das vornehmlich, da ANGRA hier die ARCH ENEMY-Frontfrau Alissa White-Gluz für einen Gastgesangspart geladen haben. Auch wenn der Nummer in einer rein handwerklichen und technischen Hinsicht nichts vorzuwerfen ist, muss er sich doch die Frage gefallen lassen in wie weit diese Marschrichtung zum allgemeinen Konzept von ANGRA passt – oder zumindest, ob man den Titel nicht doch lieber als Rausschmeißer oder Bonustrack hätte vorsehen sollen. Und wie es eben so ist – wo sich ein eher unpassend anfühlender Titel einschleicht, könnte möglicherweise auch noch ein zweiter folgen.

Bevor es soweit ist, folgen jedoch erst einmal das hymnische INSANIA (welches vermutlich keine Hommage an die schwedischen Kollegen der gleichnamigen Band darstellen soll, auch wenn sie es verdient hätten), die trotz des deutlich hörbaren Akzents erstaunlich gut funktionierende Ballade THE BOTTOM OF MY SOUL sowie das voranpreschende WAR HORNS. Fest steht: mit eben diesem Mittelteil geben sich ANGRA keine Blöße – auch oder gerade weil sie hier ziemlich genau so vorgehen, wie man es von ihnen erwartet hätte. Anders gesagt: die Mixtur aus griffig-melodischen und progressiv-wandelbaren Elementen geht hier vollends auf, ins Stolpern gerät man nicht. Eine diesbezügliche Änderung ergibt sich dann aber doch, und das ausgerechnet in Bezug auf CAVEMAN als einen der potentiell interessantesten Titel des Albums. Hier scheinen es ANGRA dann doch etwas übertrieben zu haben – immerhin sorgen allein die merkwürdigen Stammesgesänge dafür, dass man geneigt ist den Titel besser gleich komplett zu überspringen. Warum genau sich ANGRA dazu haben hinreißen lassen bleibt fraglich – zumal man nicht einmal auf weitaus traditionelleren und mit unzähligen indigenen Einflüssen ausgestatteten Alben wie etwa denen von TIERRA MYSTICA ähnliche (und hier einfach nur peinlich klingende) Anwandlungen ausmachen kann. Da es sich sonst um einen recht ansprechenden Titel handelt, ist das natürlich mehr als schade.

Kurioserweise scheint sich auch das folgende MAGIC MIRROR noch dezent von der zuvor an den Tag gelegten, eher makaberen Stimmung beeinflussen zu lassen – woran auch die Maßnahmen den Titel etwas ausführlicher zu gestalten (namentlich die längeren Instrumentalstrecken) nicht wirklich aufgehen. Dass ALWAYS MORE ebenfalls etwas verhalten daherkommt und Fabio Lione von einer fast schon grenzwertig sanften Seite zeigt, macht es nicht unbedingt besser – sodass es letztendlich am überlangen SILENCE INSIDE ist, das Ruder noch einmal herumzureissen. Glücklicherweise gelingt das den Brasilianern auch – was es umso unverständlicher macht, wieso der Rausschmeißer INFINITE NOTHING schon wieder ein dezent aus dem Rahmen fallender ANGRA-Titel ist. Und das nicht nur, da es sich hier um ein am ehesten an einen Filmsoundtrack erinnerndes Instrumentalstück mit vergleichsweise viel Pomp handelt – sondern auch, da man derlei Ambitionen am ehesten dem Auftakt eines japanischen Genre-Albums (etwa einem von DRAGON GUARDIAN) zugeschrieben hätte; wenn auch etwas weniger professionell inszeniert. Schlussendlich, und insgesamt betrachtet: ANGRA haben es nicht ganz geschafft, an den deutlich besseren Vorgänger SECRET GARDEN anzuknüpfen – im Sinne des noch jungen Power Metal-Jahres 2018 aber durchaus ein Genre-Album abgeliefert, dass die Konkurrenz erst einmal stemmen muss.

Absolute Anspieltipps: LIGHT OF TRANSCENDENCE, TRAVELERS OF TIME, INSANIA, WAR HORNS, SILENCE INSIDE


„Gut, aber: abzüglich der vereinzelt auftretenden unpassenden Momente wäre noch viel mehr drin gewesen.“

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