Metal-CD-Review: BLIND GUARDIAN – A Night At The Opera (2002)

Alben-Titel: A Night At The Opera
Künstler / Band: Blind Guardian (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 01. März 2002
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Virgin Records

Alben-Lineup:

Hansi Kürsch – Vocals
Marcus Siepen – Guitars
André Olbrich – Guitars
Thomas Stauch – Drums, Percussion

Track-Liste:

1. Precious Jerusalem (06:22)
2. Battlefield (05:37)
3. Under the Ice (05:45)
4. Sadly Sings Destiny (06:05)
5. The Maiden and the Minstrel Knight (05:30)
6. Wait for an Answer (06:30)
7. The Soulforged (05:18)
8. Age of False Innocence (06:06)
9. Punishment Divine (05:45)
10. And Then There Was Silence (14:06)

Geschichten einer verwunschenen Nacht.

Gute 4 Jahre nachdem die deutschen Power Metal-Pioniere von BLIND GUARDIAN ihre Hörer auf eine fantastische Reise in Richtung der Gefilde von Mittelerde eingeladen hatten (NIGHTFALL AT MIDDLE-EARTH, siehe Review) erschien 2002 auch schon das nächste vielversprechende Werk aus der engagierten und allseits bekannten Metal-Schmiede. Selbiges horcht auf den Titel A NIGHT AT THE OPERA, beinhaltet 10 Titel bei einer Gesamtspielzeit von knapp 67 Minuten – und bewegte sich im Gegensatz zu seinem direkten Vorgänger etwas weiter weg vom zuvor noch recht üppig behandelten TOLKIEN-Universum. Da die Band aber bereits unter Beweis gestellt hatte, dass die in der Lage wäre so gut wie jede Geschichte in ihrem musikalischen Sinne perfekt aufzubereiten – und dementsprechend auch für ein breiteres Publikum schmackhaft zu machen – war dies auch kein großes Problem. Zumal, und das markiert eine der inhaltlichen Besonderheiten von A NIGHT AT THE OPERA; die gefundene Alternative in Richtung einiger interessanter Begebenheiten aus den Bereichen der Religion sowie der Philosophie bestens zur bis dato an den Tag gelegten Marschrichtung von BLIND GUARDIAN zu passen schien. Nimmt man nun noch die Tatsache hinzu, dass der Alben-Titel selbst eine Hommage an das frühere Schaffen von QUEEN darstellt (die 1975 ein gleichnamiges Album veröffentlichten) – so sollte man von A NIGHT AT THE OPERA alles erwarten können. Nur kein Dasein als allzu engstirniges Album, welches bis auf einige eingefleischte Power Metal- und TOLKIEN-Nerds keine Abnehmer finden würde.

Und doch muss sich auf ein Album wie A NIGHT AT THE OPERA eine gewisse Form der Kritik gefallen lassen. Und das sowohl als Album einer Band, die sich in ihren Anfangsjahren noch als recht zünftig agierenden Speed Metal-Combo inszenierte – als auch als unabhängiges Werk, dass sich in den frühen 2000er Jahren auch mit dem Schaffen der immer weiter gedeihenden Konkurrenz messen lassen musste. Immerhin: BLIND GUARDIAN sind sich auch auf ihrem siebten Studiowerk treu geblieben, und das trotz oder gerade wegen der ab einem Album wie TALES FROM THE TWILIGHT WORLD (Review) vollzogenen Entwicklung hin zu einer der populärsten Power Metal-Bands aus Europa. Im Gegensatz zum direkten Vorgänger NIGHTFALL ON MIDDLE-EARTH klingt A NIGHT AT THE OPERA auch wieder etwas zugänglicher, was in diesem Falle keinesfalls negativ zu verstehen ist – woran vor allem die recht gut in Szene gesetzten Chöre und harmonischen Gesangsstrukturen einen nicht unerheblichen Anteil haben. Aber auch die allgemein recht; man nenne es reichhaltige Herangehensweise in Bezug auf die vorgesehenen Instrumente und Strukturen weiß schnell zu gefallen. So gibt es hier an so gut wie jeder Ecke etwas zu entdecken – und ein jeder einzelne Titel avanciert zu einem kleinen Festmahl im Hinblick auf die potentielle Bandbreite und die Vielfalt des europäischen Power Metals, den BLIND GUARDIAN hier mit einem recht überzeugenden Engagement und auch der nötigen Glaubwürdigkeit inszenieren.

Anders gesagt: Gefühle wie Langeweile oder Eintönigkeit werden auf einem Album wie diesem vermutlich eher nicht aufkommen – und selbst der Vorwurf, dass einem Album wie A NIGHT AT THE OPERA die nötige Härte und Griffigkeit fehlt; scheint nicht wirklich zu ziehen. Zumindest nicht dieses Mal, und im Gegensatz zu den eventuell etwas schwächeren und noch etwas stärker mäandrierenden Vorgängern. A NIGHT AT THE OPERA wirkt insgesamt stimmig, in sich geschlossen – und schöpft sowohl in Bezug auf die kompositorische Komponente als auch die Leistungen der einzelnen Bandmitglieder aus dem Vollen. Zumindest fast, denn einen potentiellen Nachteil offenbart das Ganze dann doch: durch die Ausstaffierung fast aller Nummern und Momente mit dem jeweils größtmöglichen Aufkommen an schwermetallischen Spielereien, variablen Strukturen und atmosphärischen Einschüben könnte einstweilen der Eindruck entstehen, dass A NIGHT AT THE OPERA Gefahr läuft dezent überladen zu klingen. Vielleicht hätten der ein oder andere in diesem Sinne nicht ganz so ausufernde, den Hörer von allen Seiten mit verschiedenen Eindrücken bombardierende Moment dem Album tatsächlich ganz gut getan – doch da es nun einmal nur das eine A NIGHT AT THE OPERA gibt, muss man auch mit diesem Vorlieb nehmen.

Und das gelingt in Anbetracht der schieren Wucht und Präsenz des Albums auch recht gut, wobei die Highlights hier für sich sprechen: das vermutlich am wenigsten Metal-lastige, von Hansi Kürsch aber vortrefflich dargebotene und auch sonst enorm atmosphärische THE MAIDEN AND THE MINSTREL, das überlange und mit vielen klassischen Bezügen gespickte AND THEN THERE WAY SILENCE inklusive seiner fast schon hypnotischen, mit der Größe einer Band wie QUEEN zweifelsohne vereinbarenden Wirkung; das hier vergleichsweise gradlinig abschneidende THE SOULFORGED mit seiner starken Gitarren-Komponente oder PUNISHMENT DIVINE als wohl aggressivste Nummer des Albums. Letztendlich kann A NIGHT AT THE OPERA damit relativ kompromißlos überzeugen – wobei man vielleicht sogar von der endgültigen Untermauerung eben jenes Konzeptes sprechen könnte, für das sich BLIND GUARDIAN auf ihren in den 90er Jahren veröffentlichten Alben entschieden hatten. Der Kreis zu den sehr guten frühen Alben BATTALIONS OF FEAR (Review), FOLLOW THE BLIND (Review) und TALES FROM THE TWILIGHT WORLD (Review) scheint sich jedenfalls langsam aber sicher zu schließen.

Absolute Anspieltipps: BATTLEFIELD, THE MAIDEN AND THE MINSTREL KNIGHT, THE SOULFORGED


„Ein vielfältiges und äußerst unterhaltsames BLIND GUARDIAN-Album.“

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